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Full text of "Archiv für Buchgewerbe vol. 47 pt. 1 (1910)"

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ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


47. BAND JAHR 1910 



VERLAG DES DEUTSCHEN 
BUCHGEWERBEVEREINS 

LEIPZIG 


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INHALT DES 47.BANDES 


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Seite 

Akzidenzsatzes, Die Prinzipien des, von Hein¬ 
rich Hoffmeister, Frankfurt a. M.246 

Anzeigen unsrer Tageszeitungen, Die gesetzten, 

von Wilhelm Hellwig, Leipzig . 172,201 

Ausstellung, Die, „Das Buch* in Amsterdam, von 

Dr. Johannes Schinnerer, Leipzig.373 

Bekanntmachungen des Deutschen Buchge¬ 
werbe-Vereins . 33, 197, 293 

Belwe, Georg, und seine Klasse an der KÖnigl. 
Akademie für graphische Künste und Buch¬ 
gewerbe, von Dr. Albert Mundt.165 

Bibel, Die neue, der Reichsdruckerei, von Jean 

Loubier, Berlin.159 

Bibliotheken, siehe die Aufsätze von Paul Marteil, 

Charlottenburg.23, 188 

Buch, Das moderne, von Dr. Johannes Schinnerer, 

Leipzig.187 

Buchausstattung ein wirtschaftliches Problem, 

von Paul Westheim, Berlin. 12 

Buchbinderei,Die, im Jahre 1910, von HansDann- 

horn.355 

Buchdruck, Der, im Jahre 1910, von Professor 

Arthur W.Unger, Wien.341 

Buchdrucker-Lehranstalt zu Leipzig, Schüler¬ 
arbeiten der, von Heinrich Schwarz, Leipzig 249 
Buchdruckmaschinen-Abteilung, Die, auf der 
Weltausstellung Brüssel, von Dr. Nicolaus, 


Berlin.-.308 

Bücher- und Zeitschriftenschau; Verschiedene 
Eingänge. 

Amelangs Frauen-Jahrbuch 1911.387 

Angerer & Göschl, Musterheft.388 

Bornemann, E. und Hampel, P., Die Schrift im 

Handwerk.386 

Buchdrucker-Lehranstalt zu Leipzig, Bericht der . 227 
Buchgewerblicher Taschen-Almanach für das Jahr 

1910.260 

Die juristische Fakultät der Universität Berlin . . 384 
Druckproben der Druckerei zum Gutenberg, Mag¬ 
deburg .227 

Druckproben, Otto Elsner, Berlin.100 

Druckproben der Pfälzischen Verlagsanstalt in Neu¬ 
stadt a. d. Haardt.227 

Druckprobenheft der Firma Landby & Landgren 


Seite 


Ebner, A., Das Urheber- und Verlagsrecht .... 387 

Ecole municipale Estienne in Paris.100 

Eder, J. M., Jahrbuch für Photographie und Repro¬ 
duktionstechnik für das Jahr 1909 . 99 

Emmerich, G. H., Lexikon für Photographie und 

Reproduktionstechnik.385 

Ewel, Otto, Deutscher Camera-Almanach .... 100 

Fachschulen, Von graphischen.164 

Farbenproben, von E. T. Gleitsmann, Dresden . . 228 
Festdrucksachen zur 6. Generalversammlung des 

Deutschen-Faktoren-Bundes.228 

Festschrift zur Feier des 35 jährigen Bestehens der 
Firma Corn. Immig & Zoon in Rotterdam ... 64 

Gamble, William, Line Photoengraving.385 

Gott und Welt (Dürers Randzeichnungen zum Ge¬ 
betbuch Kaiser Maximilians).259 

Gräff, Walter, Die Einführung der Lithographie in 

Frankreich.228 

Hammel, Ludwig, Der Elektromotor im Kleinge¬ 
werbe und Handwerk unter besonderer Berück¬ 
sichtigung der Kostenpunktfrage und Wirtschaft¬ 
lichkeit .228 

Hesse, Friedrich, Die Schriftlithographie . . 164, 260 

Hessenland, F., Buchdruckerei.386 

Hilfsbuch des Wiener Korrektorenklub.387 

Kantate, Taschen-Almanach 1910.259 

Kappstein, Carl, Der künstlerische Steindruck . . 386 

Klimschs Jahrbuch 1910, Band X. 99 

Klingspor, Gebr., Offenbach a. M., Katalog.... 228 

Korrektorenklub, Wiener, Hilfsbuch.387 

Kunst und Leben, Kalender für 1911.386 

Künstlerisch ausgeführte Kalender.384 

Lewin, C. M., Die Inventarisierung von Industrie- 

und Gewerbebetrieben.388 

Mattfarben von Gebr. Jänecke & Fr. Schneemann, 

Hannover.100 

Matthies-Masuren, F., Die photographische Kunst 

im Jahre 1909 . 164 

Mente, Otto, und Archivrat Dr. A.Warschauer, Die 
Anwendung der Photographie in der archivali- 

schen Praxis.387 

Meyer, C. H. A., Die Buchführung im Buchgewerbe 64 

Mustergültiger Katalog.386 

Niemann, A., Die Photographie auf Forschungs¬ 
reisen .164 

Parzer-Mühlbacher, A., Photographisches Unter¬ 
haltungsbuch .385 

Photographen-Kalender 1910, Deutscher .... 227 

Photographischer Abreißkalender 1910.164 

Photographischer Abreißkalender 1911.386 


in Malmö 



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64 Pudor, Dr. Heinrich, Deutsche Qualitätsarbeit . . 260 

591588 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Seite 


Schnell-Koch,Carl, Die Herstellung der Kautschuk- 

Stempel .385 

Schrey, F., Lehrbuch der einfachen, doppelten und 

amerikanischen Buchführung.388 

Seibold, Alois, Die Radierung.227 

Silbermann, Henri, Fortschritte auf dem Gebiete 
der photo- und chemigraphischen Reproduk¬ 
tionsverfahren 1877—1906 . 32 

Specht, Fritz, Die Schrift und ihre Entwicklung zur 

modernen Stenographie.387 

Stimmungsbilder aus der Heide.388 

Waldkirch, Julius & Co., Ludwigshafen, Jubiläums¬ 
heft .227 

Welche Art von Klischees habe ich für meine 
Drucksachen und Inserate zu wählen? .... 385 
Zeilenmaß, C. Fritz, Frankfurt a. M . 64 


Buchgewerbe, Das, auf der Weltausstellung 
Brüssel 1910, von Arthur Woernlein, Leipzig 133 
Buchgewerbe, Das, auf der Weltausstellung 
Brüssel 1910, von A.Schleusing, Leipzig . . 294 


Buchgewerbeverein, Aus dem Deutschen ... 125 
Buchgewerbevereins, Die Studienreise des Deut¬ 
schen, nach Brüssel und London, von Arthur 

Woernlein, Leipzig.315 

Buchkunst, Orientalische, von Paul Westheim, 

Berlin. 71 

Druckfarbenfabrikation, Die, im Jahre 1910, von 

Dr. Eugen Sachsei, Nerchau.336 

Französische Lithographien aus der Zeit der 
Romantik, von Dr. Johannes Schinnerer,Leipzig 65 
Gedächtnisfeier, Eine, am Grabe Friedrich 
Koenigs, von Eugen Kollecker, Würzburg . . 129 
Goethes Winckelmann, von Dr. Johannes Schin¬ 
nerer, Leipzig.376 

Graphische Ausstellung, Deutsche, im Buch¬ 
gewerbehaus, von Dr. Johannes Schinnerer, 

Leipzig.357 

Gutenberg im Lichte der Schulbücher, von 

F. Fleischmann, München.143 

Haussegen und Wandsprüche, von Paul West¬ 
heim, Berlin.234 

H6roux, Bruno, von Dr. Egbert Delpy, Leipzig 1 
Hupp, Otto, von Dr. Johannes Schinnerer, Leipzig 229 
Inserate, moderne, von Dr. Johannes Schinnerer, 

Leipzig. 6 

Jury, Die internationale, auf der Weltausstellung 
in Brüssel, von Franz Taeschner, Berlin . . 314 
Koenigs, Friedrich, Eine Gedächtnisfeier am 
Grabe, von Eugen Kollecker, Würzburg . . 129 
Kösters, Karl, Die Kunst, von Fritz Worm, Düs¬ 
seldorf .198 

Kunst und Reklame, von Dr. Hans Sachs, Char¬ 
lottenburg .105 

Künstlerischer Schrift, Unterricht in, von Dr. 
Johannes Schinnerer, Leipzig.146 


Seite 


Lilien, E. M., von Dr. Otto Pelka, Leipzig ... 101 
Lippmann-Photographie und Dreifarbendruck von 

Dr. W.G.366 

Lithographie und Steindruck im Jahre 1910, von 

Professor Arthur Scheiter, Leipzig.348 

Lithographien, Französische, aus der Zeit der 
Romantik, von Dr. Schinnerer, Leipzig ... 65 

Mattfarben-Illustrationsdruck, von Otto Würz¬ 
berger, Leipzig. 94 

Merkantillithographie, Die, von Professor Arthur 

Scheiter, Leipzig.148 

Mertensdruck-Offsetdruck, von OttoWürzberger, 

Leipzig.222 

Mertensdruck-Offsetdruck. Erwiderung .... 372 

Neumann, Ernst, und seine Schule, von Paul 

Westheim, Berlin. 34 

Offsetpresse, Die, (Die Gummidruck-Rotary), von 

Karl Golmert, Leipzig.369 

Orientalische Buchkunst, von Paul Westheim, 

Berlin. 71 

Papierfabrikation, Die, im Jahre 1910, von Dr. 

Paul Klemm, Gautzsch.334 

Papierindustrie, Die Anfänge der, von Dr. R. 

Stübe, Leipzig .185 

Photographie, Die, auf der Weltausstellung 
Brüssel 1910, von Alfred Henneberg, Leipzig 306 

Prinzipien, Die, des Akzidenzsatzes, von Hein¬ 
rich Hoffmeister, Leipzig.246 

Reichsdruckerei, Die neue Bibel der, von Jean 

Loubier, Berlin.159 

Rotationstiefdruck, Über, von Dr. Paul Ritter 

von Schrott, Wien .136 

Rotationsmaschinen, Die variablen, in ihrer 
heutigen Vollkommenheit, von Dr.-Ing. August 


Koenig, Frankenthal 50, 87, 116, 150, 180, 210, 252 
Schriftgießerei,Die, im Jahrel910,von Friedrich 


Bauer, Hamburg.339 

Schriftprobenschau: 

Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M. 327, 378 

Brockhaus, F.A., Leipzig.378 

Brötz & Glock, Frankfurt a. M.379 

Gursch, Emil, Berlin.379 

Klingspor, Gebr., Offenbach a. M.328 

Krebs, Benjamin, Nachf., Frankfurt a. M.329 

Rühl, C. F., Leipzig.329 

Scheiter, J. G., & Giesecke, Leipzig.329 

Schriftgießerei Flinsch, Frankfurt a. M.328 

Schriftgießerei D. Stempel, Frankfurt a. M. . . 329, 379 

Theinhardt, Ferd., Berlin.379 

Woellmers, Wilh., Schriftgießerei, Berlin .... 378 
Schrift, Unterricht in künstlerischer, von Dr. 
Johannes Schinnerer, Leipzig.146 


Schülerarbeiten der Buchdrucker-Lehranstalt 
zu Leipzig, von Heinrich Schwarz, Leipzig . . 249 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Seite 

Studienreise, Die, des Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins nach Brüssel und London, von Arthur 

Woernlein, Leipzig.315 

Tageszeitungen, Die gesetzten Anzeigen unsrer, 

von Wilhelm Hellwig, Leipzig . 172, 201 

Titelsatz, Der, seine Entwicklung und seine 
Grundsätze, von Reinhold Bammes, München 36,75 
Typendruckes, Die vermutliche Vorstufe^des, von 

Professor Otto Hupp, Schleißheim .363 

Universitätsbibliotheken, Süddeutsche, von Paul 

Martell, Charlottenburg .23, 188 

Vervielfältigungsverfahren, Die photomechani¬ 
schen, im Jahre 1910, von Dr. E. Goldberg, 
Leipzig .350 

Vereinigungen, Aus den graphischen: 

Altenburg, Graphische Vereinigung . 29, 61, 95, 160, 194 

224, 258, 330, 379 

Augsburg, Graphischer Klub.130 

Braunschweig, Typographische Vereinigung ... 161 
Berlin, Typographische Gesellschaft 61,95,130,161, 194 

224, 330, 380 

Bern, Schweizerische Typographische Klubzentrale 161 

381 

Bremen, Typographischer Klub. 30 

Breslau,Typographische Gesellschaft 30,62,96, 131, 161 

194, 258, 331, 380 

Chemnitz, Typographischer Klub.96, 195 

Dessau, Graphische Vereinigung.258 

Dresden, Graphische Vereinigung.62, 131 

Erfurt, Typographischer Klub . . 62, 195,225,331, 381 
Frankfurt a. M., Typographische Gesellschaft 30, 62, 96 

162, 331 

Gera, Typographische Vereinigung 30, 162, 195, 258, 381 
Halle a. S., Graphische Vereinigung 62, 97, 195, 225, 258 

381 

Hamburg, Typographische Gesellschaft . 97, 131, 162 

Hannover, Typographische Vereinigung 30, 62, 97, 162 

195, 258, 382 


Seite 

Heidelberg, Typographische Vereinigung 30, 62, 131 

225, 258 

Karlsruhe, Typographische Vereinigung 30, 97, 162, 195 

259, 331,382 

Kassel, Graphische Vereinigung ... 31, 62, 131, 195 

Kiel, Typographische Gesellschaft.97, 331 

Leipzig, Typographische Gesellschaft 31, 63, 98, 131,162 

195,225,259,331,382 
Leipzig, Typographische Vereinigung 63, 132, 163, 196 

226, 259, 332, 382 

Liegnitz, Graphische Vereinigung .... 31, 163, 259 

Magdeburg, Graphische Gesellschaft . 63, 98, 226, 383 
Mannheim-Ludwigshafen, Typographische Gesell¬ 
schaft . 63, 383 

München, Typographische Gesellschaft 31, 63, 98, 132 

163, 226, 383 

Nürnberg, Typographische Gesellschaft . 98, 132, 196 

Offenbach a. M., Graphische Vereinigung . . .31, 384 

Stuttgart, Graphischer Klub. 31, 98, 163, 332 

Wien, Graphische Gesellschaft.63, 163 

Zittau, Graphische Vereinigung 32, 64, 99, 132, 163,196 

226, 332, 384 

Zürich, Typographischer Klub .... 99, 196, 259, 384 

Zürichsee, Graphische Vereinigung.226 

Verkehr, Der, des Buchdruckers mit dem Publi¬ 
kum, von Artur Illinger, Magdeburg .128 

Weltausstellung Brüssel, Die Buchdruckma- 
schinen-Abteilung auf der, von Dr. Nicolaus, 

Berlin.308 

WeltausstellungBrüssel 1910, Das Buchgewerbe 
auf der, von Arthur Woernlein, Leipzig ... 133 
WeltausstellungBrüssel 1910, Das Buchgewerbe 

auf der, von A. Schleusing, Leipzig.294 

Weltausstellung in Brüssel, Die internationale 
Jury auf der, von Franz Taeschner, Berlin 314 
Weltausstellung Brüssel 1910, Die Photographie 
auf der, von Alfred Henneberg, Leipzig ... 306 
Wertpapierdruckes, Die technischen Anforde¬ 
rungen des, von Dr. Nicolaus, Berlin . . 215, 238 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

47. BAND JAN U AR 1910 HEFT 1 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bruno Heroux 

Von Dr. EGBERT DELPY, Leipzig 


Gebiet der graphischen Künste liegt wie 
l i % I e * n stiller, dunkler, geheimnisreicher Gar- 
' | Jjten inmitten des weiten, sonnbeglänzten 
Reichs der Kunst. Die breite Menge lockt 
er wenig, sie braust und lärmt vorüber . . . aber der 
Wissende lenkt seine Schritte wieder und wieder 
dorthin, in den Zauber jenes Helldunkels, in der 
eine Welt von Erscheinungen lebt. Er weiß es aus 
mancher Stunde köstlichen Genießens: die nachhal¬ 
tigsten Eindrücke, das feinste, innerste Erleben, die 
intimsten, überraschendsten Offenbarungen blühen 
im Lande der graphischen Künste! Was solch ein 
kleines, winziges Blatt, das der Stift eines Meisters 
beschrieb, auszuströmen vermag an suggestivem 
Zauber, welche Macht es über die Phantasie, über 
das künstlerische Empfinden des sich Vertiefenden 
besitzt, wie es mit der krausen, herben Schrift seiner 
Linien und Zeichen sich einzubohren vermag in un¬ 
sere Vorstellungs- und Erinnerungswelt, um dort 
tiefste Saiten vibrieren und erklingen zu lassen, das 
gehört in der Tat zu den schönsten und größten Wun¬ 
dern im weiten Wunderlande der bildenden Kunst. 
Nirgends hat man dies Wunder höher eingeschätzt als 
in Deutschland. Hier, wo 
das zeichnerische Ele¬ 
ment von je dem male¬ 
rischen überlegen war, 
stand die eigentliche 
Wiege derSchwarz-Weiß- 
Kunst, und es hat kaum 
einen unter den großen 
alten Meistern gegeben 
(Grünewald einzig aus¬ 
genommen), der nicht 
weit lieber zum Grab¬ 
stichel als zum Pinsel ge¬ 
griffen hätte, wenn esgalt, 
dem gärenden inneren 
Drängen die äußere Form 
zu geben. — Dies eigen¬ 
tümliche Herzensverhält¬ 


nis derDeutschenzurGriffelkunstist unangetastet ge¬ 
blieben dieZeiten hindurch. Die gewaltige Entwicklung 
der modernen Reproduktionsverfahren hat ihm nichts 
anzuhaben vermocht, im Gegenteil, die Original¬ 
graphik blüht heute lebhafter denn je in Deutschland. 
Grade wir in Leipzig sind deß Zeuge! Leipziger Mei¬ 
ster von Weltruf haben den Ruhm der deutschen 
Griffelkunst erneut in die Weite getragen. Man 
braucht ihre Namen nicht zu nennen, sie sind jedem 
Gebildeten gegenwärtig. Und neben diesen Großen 
ist eine Phalanx kräftig und eigen begabter Talente 
herangewachsen, die sich auf dem Gebiete des 
Schwarz-Weiß mit ungewöhnlich guten und persön¬ 
lich gearteten Leistungen hervorgetan haben, so daß 
es, wenn man die Summe des heimischen Schaffens 
in den Griffelkünsten überschaut, keinem Zweifel 
unterliegen kann, daß Leipzig — in dem ja zudem die 
Akademie der graphischen Künste alles derartige 
Keimen und Knospen aufs kräftigste unterstützt — 
grade in diesen Zweigen künstlerischen Produzierens 
eine Bedeutung erlangt hat, die ihm einen speziellen 
und markanten Platz im Gesamtbilde der deutschen 
Kunst anweisen muß. Innerhalb der Leipziger Gra¬ 
phik unterscheidet man 
zwei gesonderte Strömun¬ 
gen. Die eine schafft, wie 
die alten deutschen Mei¬ 
ster schufen: ihr sind Stift 
und Stichel die willkom¬ 
menen Werkzeuge, um 
das geheimste Weben 
ihrer Phantasie, das ver- 
borgeneGlühen der Sinne 
und Seele, den freien Wol¬ 
kenflug des Gedankens in 
immer neuen Bildern zu 
entschleiern und festzu¬ 
halten. Die andre hat sich 
mit heißem Eifer auf das 
Formale geworfen und 
steht mit unablässigem 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Mühen im Dienst jener modernen Bestrebungen, 
die die Kultur der Technik, deren Veredelung und 
Differenzierung auf ihre Fahne geschrieben haben. 
Einer neuen Zeit neue Ausdrucksmittel zu gewin¬ 
nen, das hat von je Künstlerseelen in Bann gehalten. 
Den gewandtesten und erfolgreichsten dieser ihren 
Fuß auf Neuland setzenden Pioniere auf dem Felde 
des Schwarz-Weiß besitzt Leipzig in Bruno Heroux. 

Vor sieben Jah¬ 
ren stellte ihn das 
Archiv für Buchge¬ 
werbe seinen Le¬ 
sern als neuen Stern 
vor, über dessen 
Aufgang die Paten¬ 
namen Klingersund 
Menzels leuchteten. 

AlsBeleberdes Ori¬ 
ginalholzschnittes, 
als überraschend 
feinfühligerund for¬ 
mensicherer Exli¬ 
bris-Entwerfer, vor 
allem aber als ganz 
hervorragend bean- 
lagterTechniker von 
erstaunlicher Viel¬ 
seitigkeit der Inter¬ 
essen ist der junge 
Leipziger mit dem 
Hugenottennamen 
damals hier begrüßt 
und gewürdigt wor¬ 
den. Das Progno¬ 
stiken, das man 
der Zukunft seiner 
außergewöhnlichen 
Begabung stellte, 
hat sich inzwischen 
prompt genug er¬ 
füllt: Bruno H6roux 
ist einer der am 
meisten begehrten 
Schwarz -Weiß- 
Künstler Leipzigs geworden, sein Name hat weit über 
Leipzigs Mauern hinaus Klang und Bedeutung ge¬ 
wonnen. Er zählt heute zu den anerkannten Exlibris¬ 
meistern unsrer Zeit, seiner vollendeten Beherr¬ 
schung von Material und Werkzeug in allen kniffligsten 
und heikelsten Spielarten moderner Griffeltechnik 
wird auch von den Fachgenossen einhellig Bewunde¬ 
rung gezollt. Und dem sich ausbreitenden Ruf sind 
schnell die äußeren Ehren und Würden gefolgt. Die 
Akademie der graphischen Künste berief Bruno 
Heroux in ihren Lehrkörper, der Leipziger Künstler¬ 
verein erwählte ihn zu seinem 1. Vorsitzenden, der 


König von Sachsen verlieh ihm den Titel eines Kgl. 
Professors. 

Überschaut man heute das Werk des Vierzigjähri¬ 
gen, wie es vor wenig Wochen die große Ausstellung 
im Buchgewerbemuseum vor uns aufrollte, so stellt 
sich zunächst die unmittelbare Gewißheit ein: daß 
hier eine ganz ausgesprochen graphische Begabung 
mit dem ihr verliehenen Pfunde ungemein planvoll 

und zielbewußt, da¬ 
bei mit ebensoviel 
ehernem Fleiße wie 
geistiger Regsam¬ 
keit und weitemUm- 
blick gewuchert hat. 
Und dann fühlt man 
weiter, daß da eine 
ungewöhnliche Be¬ 
gabung auch unge¬ 
wöhnlich schnell 
zur Reife und Er¬ 
füllung und allen 
ihren Zielengelangt 
ist—undfühltetwas 
von einem Inne¬ 
halten und Verwei¬ 
len bei dem Erreich¬ 
ten, von dem Ab¬ 
schluß einer ersten 
großen Lebens-und 
Schaffensperiode, 
in den vielleicht die 
erstenLichtereines 
Neuen, Kommen¬ 
den bereits hinein¬ 
geblitzt haben... 

Vor sieben Jahren 
war es das techni¬ 
sche Viel-, ja Alles- 
können, das sich die 
Aufmerksamkeit er¬ 
zwang, heute ,wo uns 
HSrouxs manuelle 
Meisterschaft längst 
geläufig geworden 
ist, fragen wir vor allem danach: Wo liegt sein 
Stilelement , jenes subtile, alles durchdringende 
persönliche Etwas, das alles Schaffen einheitlich 
umweht und selbst die kleinsten und geringfügig¬ 
sten Schöpfungen eines Künstlers als Äußerungen 
seiner bestimmten Persönlichkeit erkennen läßt? 
Man sieht die Reihen seiner Lithographien, seiner 
Radierungen, seiner Holzschnitte durch — da geht fast 
jedes Blatt eine andre Straße, hat seinen persönlichen 
Duktus, sein eigenes, individuelles Gesicht; zuweilen 
zeigt sich eine gewisse familiäre Verwandtschaft, 
doch sie bleibt äußerlich, man fühlt den Zufall, nicht 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


das innere Gesetz. Die Frage ist sehr bald erledigt: 
von einem festliegenden Stilprinzip, das sich in be¬ 
stimmten, wiederkehrenden Formen und Gesten, in 
gewissen, nur ihm eigenen Akzenten und Wendungen 
spiegelte, ist bei Höroux keine Rede. Er spricht 
keinen Stildialekt, im Gegenteil, man kann es fast als 
das ihm Eigentümliche bezeichnen, daß er innerhalb 
gewisser, von selbst gegebener Grenzen seine 
Sprache von Fall zu 
Fall mühlos wech¬ 
selt. Das Gesetz , 
nach dem sich die¬ 
ser Wechsel voll¬ 
zieht — denn er er¬ 
folgt keineswegs 
willkürlich,sondern 
wird nach zwingen¬ 
den inneren, künst¬ 
lerischen Bedürf¬ 
nissen geregelt — 
darf als das einzige 
und eigentliche in¬ 
dividuelle Stilge¬ 
setz in Härouxs 
Schaffen anerkannt 
werden! 

Und dies Gesetz 
liegt klar genug zu¬ 
tage. Es klingt als 
beständige Forde¬ 
rung, als ein kate¬ 
gorischer Imperativ 
durch dieses Graphi¬ 
kers ganzes Schaf¬ 
fen: dem jeweiligen 
Stoff dasjenige tech¬ 
nische Ausdrucks¬ 
mittel zu leihen, das 
ihn am unmittelbar¬ 
sten und nachhaltig¬ 
sten in die Erschei¬ 
nung treten läßt! 

Und grade in diesem Einen scheint mir Hörouxs 
persönlichste Größe zu liegen: daß er es wundervoll 
versteht, dieser Forderung zu entsprechen. Denn er 
weiß allerdings mit intuitiver Meisterschaft aus dem 
Sondercharakter aller der von ihm aufs intimste ge¬ 
kannten und aufs subtilste gehandhabten graphischen 
Spezialverfahren die besonderen feinen Wirkungen 
herzuleiten, die grade diesem einen Thema zu dem 
künstlerisch harmonischsten und lebendigsten Aus¬ 
druck verhelfen. Und die kühne, selbstverständliche 
Sicherheit, mit der er hier eigne technische Wege 
wählt, die ihn zu dem gewünschten Ziel zuweilen 
durch ungebahntes, neues, schwer zugängliches Land 
führen, verdient nicht weniger Bewunderung. Was 

3 


hat er allein auf dem Felde der Lithographie gelei¬ 
stet! Wie hat er die alte Technik nach allen Rich¬ 
tungen hin durchstöbert und durchforscht, um den 
Kreis ihrer Wirkungen zeitgemäß zu erweitern, zu 
bereichern, zu verfeinern; wie hat er sie nach der 
andern Seite hin mit heißem Bemühen angefaßt, um 
sie auf die Höhe der verloren gegangnen klassischen 
Geschmeidigkeit der Franzosen vom Anfang des ver¬ 
gangenen Jahrhun¬ 
derts zurückzufüh¬ 
ren. Denn er hatte 
Stoffe, die beides 

verlangten. 

Da waren beispiels¬ 
weise jene anmuti- 
genMärchenblätter, 
die allerhand klei¬ 
nes Feld- und Wald¬ 
getier im Verkehr 
mit geschmeidigen 
Elfenfräulein in ver¬ 
borgenen Waldwin¬ 
keln zeigten. Da 
war für die schim¬ 
mernden Glieder die 
wundervoll weiche 
französische Kör¬ 
permodellierung 
das Vorbild, wäh¬ 
rend für die natu¬ 
ralistische Wieder¬ 
gabe derTierkörper 
und für das intim 
Landschaftliche 
modernere Verfah¬ 
ren, so z. B. häufig 
die Schabtechnik, 
herangezogen wur- 
den(FroschundElfe 
Seite 1). Um das 
Rissige, Narbige 
der Haut bei dem 
lebensgroßen Kopf des Orang-Utan herauszubringen, 
griff er zu der sogenannten Aquarellithographie, die 
mit dem Pinsel und lithographischer Tusche auf dem 
leicht gekörnten Stein arbeitet. Das im Licht stehende 
krause Kopfhaar wurde dann speziell mit dem Schab¬ 
eisen weiter behandelt. Diese Mischtechnik hat im 
Verein mit der leichten blaugrünen Tönung den er¬ 
wünschten Endeindruck dann schlagend erreicht. Bei 
dem Porträtkopf des Sammlers Liebsch griff H6roux 
zur Federzeichnung auf Stein und bewies hier, daß 
diese ungemein heikle, kapriziöse Technik in der 
Hand eines Meisters zur ebenbürtigen Rivalin der 
Radierung erhoben werden kann! Vor solcherMuster- 
leistung stehen die zünftigen Lithographen mit 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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Professor Bruno Heroux, Buchumschlag. Zeichnung auf Schabepapier 


ehrfürchtigerBewunderung. Ein Zyklus neuererBlät- 
ter, Skizzen und Eindrücke, von einer italienischen 
Reise heimgebracht, zeigt uns, wie die lithographische 
Technik vermittels des Umdruckverfahrens demKünst- 
ler auch auf Reisen zur getreusten Dienerin wird. Die 
lithographische Kreide wirft die Impressionen aufs 
Papier, zu Hause wird die Zeichnung durch Umdruck 
auf den Stein abgezogen. Das schöne Blatt der Bucht 
von Salö mag die suggestive Kraft, die Freiheit und 
malerische Weichheit des Strichs, die H6roux, der 
sonst so Formenstrenge, als impressionistischer 
Zeichner zu entwickeln vermag, im pikanten Gegen¬ 
satz zu dem festen und klaren Linienrhythmus seiner 
direkten Kreidelithographien (siehe das Selbstporträt) 
erläutern. 

Das gleiche Stilgesetz schwebt über seinen Radie¬ 
rungen: er wählt die Technik je nach dem Stoff und 
wandelt sie, variiert sie, mischt und individualisiert 
sie dem Stoff entsprechend. Da ist das junge Weib 
im Frühlingswald auf dem Exlibris Leuschner — 
wie zärtlich weich und zart spinnt da die Radiernadel 
ihre duftigen Zeichen. Oder es flattern die Krähen 
mit breitem Flügelschlag durch den altertümlichen 
Fensterbogen, durch den man in dunklem Wetter¬ 
gewölk die Silhouette Leipzigs sieht (Exlibris 
A. Crayen), und schwer, dunkel, wuchtig arbeitet die 
Nadel, aufgeregt und heftig, wie der Flügelschlag der 
Vögel. Da entwirft er sich selbst das allerliebste 
Visitenkärtlein mit dem farbenreibenden Putto und 
zierlich setzt die Nadel Punkt neben Punkt, um nur 


ja das weiche Kinderkörperchen in seiner ganzen 
molligen Zartheit herauszumodellieren. Auf dem 
meisterhaften Architekturblatt des Thüringer Hofs 
sieht man dann einmal die Crescendos und Decres- 
cendos seiner Radiertechnik sich zu einem Eindruck 
von vollendeter Stofflichkeit und malerischer Licht¬ 
wirkung vereinen. Im Holzschnitt , der der Ausgangs¬ 
punkt seines ganzen künstlerischen Strebens war und 
der, das wissen wir ja, den vielbewunderten Gipfel 
seines graphischen Könnens ausmacht, könnte man 
am ehesten eine bestimmte gleichmäßige Formen¬ 
sprache erkennen. Diese wuchtige, kernige Art einer 
vollsaftigen Stichelführung, die sich dem charakterlos 
platten, verweichlichten Illustrations-Tonschnitt so 
erfrischend entgegensetzte, hat in ihrer eindring¬ 
lichen Kraft, in der großartigen Einfachheit ihrer 
Mittel ein persönliches Stilgesetz, das auch durch die 



Professor Bruno Heroux, Musiknotentitel. Lithographie in Kreide 


geschmeidigeren Varianten immer wieder durch¬ 
schimmert. Und dies Element scheint sich in den 
neuesten Arbeiten H6rouxs noch verstärken zu 
wollen. Man sehe die Exlibris Pflüger und Wehner 
— in der Art, wie hier die letzte Konsequenz der 
Technik in dem völligen Verschwinden jeder weißen 


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B.HeROUX 

PROFESSOR BRUNO H^ROUX, EXLIBRIS DR. FRITZ WEHNER PROFESSOR BRUNO HEROUX, EXLIBRIS F. PFLÜGER 

ORIGINALHOLZSCHNITT ORIGINALHOLZSCHNITT 




















































































































BEILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ZU DEM ARTIKEL: BRUNO HEROUX DRUCK VON BREITKOPF & HÄRTEL, LEIPZIG 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Fläche zugunsten der geschnittenen, meist aus dem 
schwarzen Grund herausgeholten Linie gezogen ist 
(die nun alle Formen modellieren hilft, indem sie das 
Auge immer wieder rings um die Form herumführt), 
kündet sich eine individuelle Sprache an, die gar 
nicht zu verwechseln ist: prachtvoll in ihrer Ge¬ 
drungenheit, prachtvoll in ihrem herben Linienfluß 
und eminent künstlerisch in ihrer Edelkultur des 
xylographischen Elements, das hier in vollendeter 
Selbstherrlichkeit auftritt. 

Und da bin ich bei dem, was ich oben das Neue, 
Kommende in dem Schaffen Herouxs genannt habe. 
Der Vielgestaltigebeginntaufdem einen, vertrautesten 
Gebiete sich feste Ausdrucksformen zu schaffen, und 
das könnte möglicherweise den Anfang einer Wand¬ 
lung bezeichnen, die auch auf andern Gebieten seines 



LIEDER EÜR DEN 
EEETK0mER5 
AM30JULI 
LEIPZIG 

1309-1909 


Professor Bruno Heroux, Kommersbuchtitel. Bild Radierung 
Schrift eingezeichnet 


Schaffens sich Geltung verschaffen kann. Daneben 
aber ist noch ein Zweites zu verzeichnen, das empor- 



Professor Bruno Hiroux, Titelblatt 
Tuschzeichnung auf Schabepapier 


zudrängen scheint. Der Künstler hat eine Folge von 
Blättern (Tiefdruck mit Aquatinta) radiert, in denen 
zum ersten Male bei ihm unverhohlen das Phantasie- 
Element losgelöst von jeder speziellen Beziehung 
zum Durchbruch gekommen ist. Es sind heroische 
Landschaften mit phantastischen Burgen auf schwin¬ 
delndem Felsgipfel am Meer. Bringt man beides 
miteinander in Verbindung, so darf man wohl an¬ 
nehmen, daß Leipzigs vielseitigster graphischer Tech¬ 
niker, nachdem er in einer ersten, von raschen Er¬ 
folgen gekrönten Schaffensperiode sich auf allen 
offenen und geheimen Pfaden des Schwarz-Weiß 
heimisch gemacht hat, nunmehr zu neuem Aufstieg 
nach andern Gebieten sich rüstet. Wie dem auch 
sei, wir, die wir das eifervolle Streben Bruno H6rouxs 
mit freudiger Anteilnahme verfolgt haben, wünschen 
dem sympathischen Künstler, dem auch dasillustrative 
Buchgewerbe so viel Schönes dankt, eine fernere 
Entwicklung, die seinen reichen künstlerischen 
Kräften vollauf würdig sei! 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Moderne Inserate 

Von Dr.JOHANNES SCHINNERER, Leipzig 


D “ :ER Gedanke, der Ausgestaltung des Inse- 
■ rates einige Aufmerksamkeit zuzuwenden, 
| ist relativ neu. Wie in allen andern Dingen, 
s............: so ist es auch hier so gegangen, daß man 

das, was zunächst liegt, was einem alle Tage unter 
die Augen kommt, am wenigsten beachtet, und eine 
Zeitung vor zehn Jahren bot in ihrem Inseratenteil 
kaum etwas, was technisch oder künstlerisch irgend¬ 
wie erfreulich gewesen wäre. Ein unendliches Ge¬ 
wirr von Worten und Sätzen, hin und wieder unter¬ 
brochen von irgendeiner konventionell gezeichneten 
Figur, im ganzen ein wüstes Durcheinander, das 
nicht einmal das erste Erfordernis praktischer Brauch¬ 
barkeit erfüllte. Der eigentliche Zweck des Inserates, 
das Wesentliche herauszuheben, rasch auf das Wich¬ 
tige hinzuweisen, war vollkommen verfehlt, da alle 
Ruhepunkte fehlten, und die überflüssigen Details 
sich zu sehr in den Vordergrund drängten. 

Schon die Steglitzer Werkstatt hatte sich bemüht, 
hier reformatorisch einzugreifen und allmählich ist 
es besser geworden, so daß man heute schon, 


wenigstens in den größeren Blättern und Zeitschriften, 
genug Inserate finden kann, die das praktische und 
ästhetische Bedürfnis befriedigen. Allein gerade da, 
wo mit den einfachsten Mitteln zu arbeiten ist, beim 
gesetzten Inserat fehlt es noch am meisten. Strenge 
Scheidung der einzelnen Elemente, gute Verteilung 
im Raum und vor allem Hervorheben des Wortes, 
auf das es ankommt, muß dabei das maßgebende 
sein. Das Schlagwort, das, was in der Annonce an¬ 
gepriesen wird, wird in dem größten Schriftgrad ge¬ 
setzt werden müssen, als zweites muß die Firma als 
Hauptsache klar hervortreten, das übrige tritt dem¬ 
gegenüber zurück und wirkt mehr als Masse. Sehr 
gut ist zu verwenden, aus der ganzen Fläche ein 
Stück herauszunehmen und durch Linien zu um¬ 
rahmen oder mit Ziermaterial auszustatten, und wenn 
man in dieser Richtung weiter geht, kann man durch 
geschickte Gliederung einer ganzen Fläche die kom¬ 
pliziertesten Aufgaben lösen. Eine besondere Stelle 
nehmen die Inserate des Börsenblattes für den deut¬ 
schen Buchhandel ein, die häufig mit denselben Typen 



PÖLICH- " 

Wachen in Weiß 


Für Wäsche und Leinen 


Hfrvcmgcndf Ciflrgcnhdisbu ff (auch für Weihnachten) 
Wäschestoffe 

»rr.ocoflir für I.eih wischt Bcmjrhsfoffir 

... MMf-uwrw M. 


BntiKiugvoH» 


T.iirfwmi><fwT 


Hohk.il 


Bettwäsche 


Handtücher 


Küchen wasche 


SOMMER-KLEJDER 

So mmerkleid ^ So mmer kleid » T^r. ^ 

Sommer kleid ^ Som merk leid ” ^ ^ 

Sommerkleid Sommerkleid ^ 


, comER : 

J 36.°°? 48.°°" 


-KLEIDER 


J 36.°°. 48.°°. 67.°°. 85.°° 
KOSTÜME - KOSTüMRÖCKE 

Kostüm 13.75 Kostüm 38 oo 

Kostü m SJSS. JC-- oo Kostüm 4 2oo 

Kostüme=rrÄ^x'^ÄS. ^.^..lßO. 00 


Kostümrock 


iMJM umiw. il — 675 

Kostümrock 


Kostümrock - - 


Kostümrock . 


Sommer-Blusen .£.3.75,5.50,7.75.9.2 



Sommer-Kimono 


PALETOTS - JUPONS - MORGENRÖCKE 


Palet ott^zz r ]o.75 r 125o ^ )n n ttorgenrock 

Paletot 19.75 Paletot 13.75 ZT '"T 

Palelol.-JT-.——29oo — 

Paletots ä-Ä- 29.50. 57.oM6.oo 

4.50,6.75,8.75 Juponsrasi-ssü* 13.75 Molineeri=r-'- 
JupOnS=7i:---1/75,2.65.3.25 Mnünee-i-sr^v 

GARNIERTE DAMEN-HüTE 

Fa ntasie -Remb randt 7so Glocken-Rembrandt Gr Rembrandt *zzr 

Br eite Gl ocken form ^ ^ Gr. Ba st-Remb randt ^ ^ ^ _ _ _ __ 

Gr. Ba st-Remb r andt | Ungarn. Hüte | Eleg Italienerhut 


vjr. Dost-ivemDr anoi 

^.HUT-BLUMEN 


. Ö5, 1.35 Kirschen **“’~—*_ ! 


JO.OOO Meter Wüschstoffe 

xEDer] /AVFflAVSA > 

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PRtNCETON UNIVERSIIY 
















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


gedruckt sind wie die Bücher, die angezeigt werden 
sollen und so schon oft beim ersten Anblick ver¬ 
raten, aus welchem Verlag sie hervorgegangen sind. 
Sie operieren auch damit, einzelne Worte durch 
Unterstreichen hervorzuheben, doch ist das natür¬ 
lich nur sparsam zu verwenden. Sehr gut zeigen 
diese Beispiele auch den Gebrauch von Signeten. 
Ein einfaches ornamentales oder figürliches Gebilde 
an entsprechender Stelle angebracht, oder der Name 
der Firma als Kopfstück der Seite aufgesetzt, weist 
sofort darauf hin, wer das Inserat eingerückt hat. 
Das muß überhaupt als oberster Grundsatz gelten: 
das Inserat hat momentan zu wirken, man soll nicht 
erst lange zu suchen brauchen, was es will. Der Leser, 
der eine Zeitung durchblättert, hat nicht soviel Zeit, 
erst lange zu suchen, man muß ihm entgegenkommen 
und ihm die Möglichkeit geben, sich mit einem Blick 
zu orientieren. Darum ist es nicht einfach ganze In- 
seratenseiten zu bringen, die ihren Zweck erfüllen. 
Je mehr Fläche eine Anzeige einnimmt, um so wir¬ 
kungsvoller ist sie natürlich, aber sie schlägt dabei 
die andern tot. Die Praxis fordert einen Ausgleich; 
die einzelnen Annoncen sollen sich gegenseitig 
stützen, nicht zerstören. Am besten wird das durch 
Abwechslung erreicht. Dies durch verschiedene 


Schriftarten herbeizuführen, ist nur mit Vorsicht zu 
verwenden, besser geschieht es durch verschieden¬ 
artige Umrandung, durch Wechsel von Horizontal und 
Vertikal, durch Zuspitzen des Satzes nach unten und 
vor allem durch übersichtliche Gliederung des Gan¬ 
zen, wobei jedoch allzu strenge Symmetrie nicht er¬ 
wünscht ist. Ein vorzügliches Mittel ist auch, das 
Schlagwort öfters in Reihen zu wiederholen oder 
auch ganze Gebäude aus Linien aufzubauen, in denen 
der Text untergebracht ist. Ganz besonders gut wirkt 
die Markierung der Hauptsachen durch roten Druck, 
ein Verfahren, das immer mehr Eingang findet und 
besonders im Tag sehr gut ausgenutzt ist. 

Die großen Warenhäuser haben es besonders gut 
verstanden, die Reklame in den Tagesblättern wir¬ 
kungsvoll auszugestalten, und sie haben zum Teil auch 
den Künstler in den Dienst ihrer Interessen gestellt. 
Vielleicht die ansprechendste Weise, Praxis und Kunst 
zu vereinigen, ist in den Inseraten vom Kaufhaus des 
Westens in Berlin gefunden, dessen Spezialzeichner 
August Haiduk eine sehr gelungene Form der An¬ 
nonce erreicht hat, die allen Anforderungen in hohem 
Maße gerecht wird. Eine auffallende Bezeichnung 
der Firma kehrt immer wieder, die Anordnung des 
Satzes ist im allgemeinen übersichtlich, ein hübsches 



A. WERTHEIM 

WEIN 


KONSERVEN 


Moselwein 


'«■ Rübertbcrgor 2 

1W4- Enklrcl. Su.fwwb.rj 

Rhein- u Pfalzwein 

tW*- Bretemboimer 


Kirschen 


.IfM- Opp.nh.im ScMom I 
'«*• M.lljmrlner 1 

IW RaaenUuler \. 

r*A- Rud«»he*n RottUnd i 
IW2* Rüdnti HbiUrUui 2. 
Bordeauxwein 


Marokkaner Sardinen ... o«, 66 

inz&aUct.« OlMfduwn —~ t «•_ 14«, .,_i.jo, 


SCHOKOLADE 

KAKAO 


Adriablume 


Zervelatwurst“*^!^-. 
Salami wursr**““*^ !i 0 - 
Landschinken ~ tio-u 

Rebhühner 

Pfirsiche n~>30» 
Aepfel > pt~ 65 * 

Zitronen tu 25-<30* 


Mausschinken I .15 
Brathühner 80* V I 20 
Enten 226 . 2 - 85 ^ 


zu Tagespreisen. 

'Weintrauben 
Tomaten 
Melonen r.TT/y^ 


EMAILLIERTE GESCHIRRE 


SahmortApfo ■*“.*: 
Schmortbpf« *-V 
Kji..ereilen ■*“ "T 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


in der Art der Zeichnung vorzüglich zur Schrift pas¬ 
sendes Bild unterscheidet das Inserat sofort von allen 
andern und fordert zu näherem Betrachten auf. Aus 
dem Bild geht auch sofort der spezielle Charakter 
der Anzeige hervor — wenn etwa ein Mann mit über¬ 
mäßig großen Stiefeln gegeben ist, so wird es ohne 
weiteres klar, daß eben Stiefel angepriesen werden 
sollen — der humoristische Beigeschmack, der ihm 
gegeben, nimmt sofort für sich ein. Haiduk hat Schule 
gemacht und zwar haben sich, besonders in Leipzig, 
ein Paar junge Künstler der Sache bemächtigt. Die 
Entwürfe Erich Gruners für die Kaufhäuser Ury und 
Pölich sind sehr flott gemacht, wirken aber vielleicht 
etwas zu sehr für sich und lenken dadurch öfters von 
dem eigentlichen Zweck ab; sehr entsprechend sind 
die Zeichnungen von H. Keune, der rein ornamen¬ 
talen Schmuck bevorzugt. 

Es ist natürlich, daß die Geschäfte, die Luxus¬ 
artikel herstellen, in ganz andrer Weise Sorge tra¬ 
gen, für ihre Erzeugnisse Reklame zu machen. Sie 
inserieren mehr in Wochenzeitschriften als in Tages¬ 
blättern und können eine intensivere Mitwirkung des 
Künstlers sich gestatten. Direkt vornehm wirken die 
in der Hauptsache typographisch ausgestatteten An¬ 
zeigen von Ludw. Hupfeid und der Choralion Co., 
die beide auch sonst für gute Ausstattung ihrer 
Drucksachen Sorge tragen. Die gezeichnete Schrift 


ist hier ganz ausgezeichnet am Platze. Die Annoncen 
vom Seidenhaus Michels sind ganz gut; eines der 
besten Inserate ist das hier abgebildete von „Kunst 
im Handwerk“. Besonders interessant sind die Ent¬ 
würfe von Peter Behrens, die er für die Delmen- 
horster Linoleumfabrik und die A. E. G. gezeichnet 
hat. Sie sind nicht eigentlich praktisch, denn die 
Schrift ist zunächst nur schwer zu entziffern, allein 
sie sindvon wundervollerSchwarz-Weiß-Wirkungund 
von beinahe klassischer Vollendung im Aufbau und 
in der Art und Weise, wie Schmuck und Schrift mit¬ 
einander künstlerisch harmonieren. Ihre besondere 
Wirksamkeit liegt aber in ihrem persönlichen Cha¬ 
rakter. Wer ein solches Inserat einmal gesehen hat, 
der vergißt es nicht so leicht, besonders wenn die 
Marke der Firma, z. B. der Anker, immer wieder¬ 
kehrt. Diese Eindrucksfähigkeit einer künstlerischen 
Individualität, die sich ganz besonders auf dem Ge¬ 
biet der Reklame bewährt, sollte mehr von den Fir¬ 
men ausgenutzt werden, etwa durch Anstellung eines 
Spezialkünstlers und dergleichen. Jedenfalls tritt 
hier besonders deutlich zutage, daß künstlerische 
und geschäftliche Interessen sich keineswegs wider¬ 
streiten, sondern im Gegenteil oft genug begegnen. 
Die Verbindung von Schrift und Schmuck ist eine 
sehr wichtige Aufgabe, die nicht immer gut gelöst 
erscheint. Es ist sehr bequem, ein Klischee mit der 


Cagercrgäitjuitg 2öeifmüd)fen 1909 


^attffjeon ^itägabe 


Brentano, ©ebidjte 
5)rofte»#üUif)off / 0ebtd>te 
Gitfcenborff, ©ebi<$te 
Woctbc, ftauft (jroei 33änbe) 

©oetl>e, gßerlfjerä Ceiben 
©oetye, ©ebttye (^wel 33änbe) 
©oetye, Hermann unb 'Dorothea 
©oelfce, 3taüenif<$e Steife (brei <33änbe) 
©oetf>e, Torquato $affo 
©rtflpar^er, Deö -Xteereä unb ber Ciebe 2Be Den 
$ebbel, ©ebidjte 
§eine, ^ud) ber lieber 
5>eine, Stomanjero 
3bfen, ©ebicf)te 
ftleift, 3Rid)ael ÄofMaaä 
äleift, -Da* Stätten »on $etlbronn 
Ceffing, 9?atf>an ber 2Betfe 
SWörife, ©cbic f)tt 
0d>lller, ©ebi$te 
Sbafefpearc, Hamlet 
6f>afefpeare, 6ommernacf)tätraum 
Hblanb, ©ebid)te 


3«b«t T3ant> in Cctxr gcbunben 3 3Rarf. in 'Ptrgament 4 


@'fi[cl)er^erlag25er(m 




zaen/cftä&en 
TiwKu/utl/ru 
Tüuutmen/c/l ,jf 

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rUset&niam ui&e /i in: 

'Bnemen./lm Wall712,730 


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PRINCETON UNIVERSITY 









t/Uatheas *Mii1/ler, Sektkellerei 
EltviUe’/n'hein^aiv 


Henkell Trocken 
in Frankfurt a.M. 


Wiederum eingetrolTen aus 
Mainz sind am 10. August 

2 Waggon-Ladungen 

HENKELL TROCKEN 

bei unserem Haupt - Depot 
PAUL LESCH 


Zu dem Artikel: Moderne Inserate 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Druck von Breitkopf & Hfirtel in Leipzig 

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PRINCETON UN1VERSITY 






















Seilage rum Archiv für Buchgewerbe Druck von Breitkonf & Härtel in Leimi» 



Original frorn 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Ansicht eines Innenraumes usw. dem Text einzu¬ 
fügen, und oft wirkt das auch ganz gut, allein besser 
ist es, den Gegenstand zeichnerisch wiederzugeben, 
wodurch das Wesentliche der Sache viel besser als 
durch mechanische Wiedergabe hervortritt und außer¬ 
dem der künstlerische Zusammenhang mit der Schrift 
gewahrt bleibt. Die kunstgewerblichen Geschäfte 
benutzen diese Mittel besonders häufig und haben 
manch hübsches Inserat von dieser Sorte in Auftrag 
gegeben. Rein ornamentale Umrahmung wirkt in 
Verbindung mit gezeichneter Schrift sehr gut, ein 
häufig angewandter Kunstgriff liegt in der Verwen¬ 
dung von Handschrift, die natürlich innerhalb einer 
gesetzten Seite außerordentlich auffällt. Doch sind 
gerade hier künstlerische Lösungen äußerst selten. 
Mit großem Erfolge sind auch gewisse Triks im Arran¬ 
gement anzuwenden, Durchbrechungen und Über¬ 
schneidungen, absichtliche Unsymmetrien und Ähn¬ 
liches. Man umrahmt etwa eine Anzeige rechteckig 
mit einem dicken Strich und fügt dem unten einen 
Kreis oder ein schiefgestelltes Quadrat an, oder ein 
Kreis wird gezeichnet, der an einer Seite offen ist. 
In dieser ÖfFnung stehen dann die ersten Worte der 
Anpreisung. Oder man flankiert den Satz mit auf¬ 
fälligen schwarzen Quadraten und Dreiecken und 
dergleichen. Hier findet auch ein Prinzip seine Stelle, 





ni:i*ua!M3iUiaia 


1 ANKER - MARKE 





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das überall beim gesetzten und gezeichneten Inserat 
auftaucht: die weiße Papierfläche kommt in über¬ 
triebener Weise zur Geltung, in der Mitte steht dann 
ein einfaches Wort oder ein kleines Bild. Das Um¬ 
gekehrte ist auch oft zu verwenden: man macht den 
Untergrund schwarz und setzt die Schrift weiß auf 
schwarzen Fond. Durch solche kräftige Schwarz- 
Weiß-Wirkung zeichnen sich u. a. die Inserate der 
Auergesellschaft aus. 

Eine große Rolle spielt in Sachen der Reklame die 
inhaltliche Pointe, der im Bilde möglichst handgreif¬ 
lich Ausdruck verliehen wird. Gegenüberstellungen 
von Gut und Schlecht, witzige Anspielungen in Ver¬ 
bindung mit leicht humoristisch gefärbten Sprüchen 
oder Gedichten suchen das Interesse des Publikums 
zu erregen. Fast jede Wochenschrift bringt öfters das 
Bild eines Mannes oder einer jungen Dame vor und 
nach Gebrauch des anzupreisenden Mittels, dessen 
Güte dadurch demonstriert werden soll. Allein ge¬ 
wöhnlich sind diese Bilder künstlerisch sehr unbefrie¬ 
digend, eine Ausnahme bildet etwa die Zeichnung von 
Bernhard für Javol. —Javol zu gebrauchen versäumte 
dieser Herr! — Pfeile, Fingerzeige u. dgl. spielen 
eine große Rolle, manche Bilder geben direkt Rätsel 
zu lösen auf. Eine ausgezeichnete Form ist auch hier 
die Wiederholung desselben Gegenstandes. Wenn 



2 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


man etwas tausendmal ins Ohr geschrien bekommt, 
merkt man endlich darauf, man mag wollen oder nicht. 
Man reiht ein Motiv in Wiederholungen — für Heid- 
sieck-Sekt z. B. eine Dame mit einem Tablett voll 
Gläsern — friesartig aneinander oder bringt immer 
wieder dasselbe Sujet nur mit kleinen Abänderungen 
eine Zeitlang in derselben Zeitung zum Abdruck. 
Auffallende Formate sind dabei naturgemäß außer¬ 
ordentlich wirkungsvoll, wie z. B. die hübschen von 
J. Puhonny entworfenen Inserate für Sunlicht-Seife 
beweisen, die in sehr breitem Format gehalten sind 
und immer wechselnde kleine Bildchen zur Seite des 
Textes enthalten. Oft illustriert das Bild anscheinend 
ernsthaft eine nur bildlich zu fassende Phrase; z. B. 
wenn es heißt: Kunerol Übersteigtalles, so zeichnet 
der Künstler einen richtigen Flieger neuester Kon¬ 
struktion, der die Aufschrift „Kunerol“ trägt. Aktuelle 
Ereignisse auf diese Weise auszuschlachten, ist natür¬ 
lich ganz besonders beliebt. 

Allmählich ging man so weit, richtige Illustrationen 
dem Beschauer zu präsentieren, die der Inseraten- 
seite eingefügt werden. Die kleinen Bildchen „ Müller 
Extra“ sind besonders fein und einige Arbeiten von 
Puhonny für Sunlicht-Seife, kleine Kabinettstücke 
graphischer Kunst, die sich neben richtigen Holz¬ 


schnitten sehen lassen können. Im allgemeinen darf 
aber hierin nicht zu weit gegangen werden. Der stil¬ 
vollste Ausdruck dieser Art von Reklame ist eine 
weitgehende Vereinfachung der Form, die allein Ein¬ 
drucksfähigkeit und momentane Wirkung garantiert. 
Die einfache Silhouette entspricht häufig am besten 
den praktischen Erfordernissen, das Inserat arbeitet 
auf dieser Stufe mit denselben Mitteln wie dasPlakat. 
Einzelne Zeichnungen von Preetorius für die Firma 
Kupferberg-Gold sind hierfür charakteristisch und 
dann vor allem die Arbeiten des Plakatkünstlers 
L. Bernhard, der eine Reihe trefflicher Blätter für 
Sektfirmen ausgeführt hat. Er arbeitet nur wenig mit 
bildmäßigen Elementen und wirkt häufig nur mit mar¬ 
kanter Schrift und sparsam verwendetem figürlichem 
Schmuck. 

Die unausbleibliche Übersättigung des Publikums 
mit Reklame zeitigte neue Formen des Zeitschriften¬ 
inserates, die mit besonderem Raffinement arbeiten 
und mehr als andre Mittel der Hilfe der Künstler 
bedürfen. Man begann die abgespannten Nerven der 
Zeitungsleser aufs neue zu erregen, indem man ihnen 
Bilder vorsetzte, die ihren Zweck zunächst ganz ver¬ 
bargen. Einige Inserate für „Ray-Seife“ wirken als 
hübsche Bildchen und scheinen nur mittelbar auf 


Unterhaltung für alle bringt das 

PIHNOLfl-PIflNO 

Ob mandiefes beliebtere allerKlaviere felbft fpielt, 
ob man dem Spiel nur zubört- ob man altmodifche 
Lieder bevorzugt oder moderne Schlager - das 
Pianola-Piano erweift ficb immer als nie vertagen- 


de Quelle der Unterhaltung. 


Dem Spieler felbft gewährt das Pianola-Piano ein 
doppeltes Vergnügen: Einmal den Reiz und die 
Anregung, felbft mit künftlerifcher Vollendung 
Klavier zu fpielen, dann das Bewußtfein, daß er 
den Zuhörern, alt oder jung, emft oder heiter, mit 
dem ihm zurVerfügung ftehenden, unbegrenzten 
RepertoiredesPIANOLfl’PlflNOSgeradediejeni- 
geMufikvorfpielenkann,diegewürdigtwirdoder 
erheitert. - Dem Zuhörer wird durch das Pianola- 
Piano ein Klaviervortrag geboten,bei dem eskein 
'Danebengreifen- und keine Fehler gibt, fondern 
dank der unerläßlichen Vorrichtungen Metroftyle 
und Thcmodift ift der Vortrag in jeder Einzelheit 
vollendet künftlerifch. Diefe beiden unvergleich¬ 
lichen Vorrichtungen am Pianola-Piano genügen 
allein, um das Inftrument vor allen anderen derar¬ 
tigen Inftrumenten ZU empfehlen. AUn verlang« Profp«ktOA 
(Potsd.Pta6)CHORflLIONCo.-BERLINW9B«Uevucftr4 


So wie die Palme 

das auf der Erde wandelnde Tierreich überragt, 
fo überragt das aus ihrer Frucht gewonnene 
Pflanzenfett Palmin alle tierifchen Fette durch 
feine Reinheit und Güte. 

Palmin eignet Geh 

gleich vorzüglich zum kochen, braten und backen. 


Original fram 

PRINCETON UNIVERSITY 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


den Gegenstand hinzuweisen, bis man irgendwo, etwa 
unter Weihnachtsgeschenken unter dem Christbaum, 
der dargestellt ist, oder auf dem kleinen Drachen, 
den Amor steigen läßt, den Namen des Produktes 
liest, der anzupreisen ist. Oder es ist dargestellt, wie 
Wäscherinnen am Ufer eines Flusses Wäsche auf¬ 
hängen. Die Spiegelung der Sonne in den Wellen 
ergibt den Namen: Sunlicht. Am weitesten gehen 
hierin die Zeichnungen, die die Künstler des Sim- 
plizissimus und der Jugend, Heine, Gulbransson, 
Reznicek, Schulz, Münzer, Schmidhammer, Eich- 
ler, E. Erler usw. für einige Sektfirmen, Henkell- 
Trocken, Kupferberg-Gold, MoetetChandon gefertigt 
haben. Es sind reine Illustrationen, vollständig ohne 
Plakatwirkung. Man erblickt etwa eine Gesellschaft, 
die bei Tische sitzt und Sekt trinkt, allein im Hinter¬ 
grund steht irgendwo der Name der Firma, odereine 
Hafenansicht mit voll beladenen Schiffen, auf einer 
Kiste steht der Name „Henkell-Trocken“. Der Leser, 
der den „Simplizissimus“ oder die „Illustrierte Zei¬ 
tung“ durchblättert, merkt gar nicht, wo der Text 
beginnt und das Inserat aufhört, besonders da der 


'Züäs sägt der Jfaussegen ? 



künstlerische Charakter der Reklameseite ganz und 
gar zu dem der Textillustration paßt und beide oft von 
denselben Künstlern herrühren. Es ist genau so wie 
mit den kleinen Novellen oderGedichten, die in einer 
Zeitschrift mitten in den Text eingeflochten sind und 
irgendwie mit einer Anpreisung eines Fabrikates 
enden. Der ahnungslose Leser beginnt ohne weitere 
Nebengedanken die Lektüre und merkt erst am Schluß, 
daß er das Opfer eines Reklametriks geworden ist. 
Vielleicht ist diese Methode nicht ganz einwandfrei, 
doch können wir sie uns gefallen lassen, wenn sie in 
so reizvoller Weise wie in den meisten Blättern der 
Art verwendet ist. Auch große farbige Bilder bekom¬ 
men wir in dieser Weise geboten, die sich oft nur 
wenig von Reproduktionen nach Gemälden unterschei¬ 
den. Als sehr hochstehende Erzeugnisse der graphi¬ 
schen Kunst verdienen die Entwürfe vonTh.Th.Heine 
und Gulbransson für die Automobilfabrik Züst be¬ 
sondere Erwähnung; übrigens sind auf diese Weise 
ganze fortlaufende Bilderserien als Inserate entstan¬ 
den, wie die Reihe der Kalendermonate von Preeto- 
rius, Schmidhammer usw. oder die Trachtenserie von 


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11 2 * 


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PRINCETON UNIVERS1TY 
































































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


R. Vogts-Düsseldorf, die die Entwicklung der Tracht 
für einen bestimmten Zeitraum vergegenwärtigt. 

Es ist sicher, daß die Zeitungsreklame für unser 
modernes Geschäftsleben unbedingt notwendig ist: 
man wird sie nicht eliminieren können, wenn man 
sich auch noch so sehr dagegen sträubt. Das beste 
Mittel, sie auch für ein feiner empfindendes Publikum 
annehmbar zu machen, ist sicher, ihr eine künst¬ 
lerisch ansprechende Form zu geben. Kunst ist in 
der Tat das beste Mittel für Reklame, denn das, wo¬ 
durch diese hauptsächlich wirkt, das Auffallende, Per¬ 
sönliche, noch nie Dagewesene, das Momentane, 
Plakatmäßige in der Erscheinung, ist in hohem Maße 


den Werken unsrer modernen Künstler eigen. Die 
künstlerischen Bestrebungen unsrer Zeit kommen 
den praktischen Erfordernissen der Reklame sehr 
weit entgegen, bei richtiger Anwendung vermögen 
sich beide in idealer Weise zu unterstützen. Glück¬ 
licherweise ist es auch in letzter Zeit sehr viel besser 
geworden, dem Künstler hat sich ein neues Feld der 
Betätigung erschlossen und dem Geschäftsbetrieb 
kann seine Mitarbeit nur von Nutzen sein. Am 
meisten ist allerdings noch da zu bessern, wo der 
Künstler nicht direkt mit tätig ist: beim gesetzten 
Inserat, dem aus diesem Grunde in Zukunft beson¬ 
dere Aufmerksamkeit zugewendet werden muß. 


Buchausstattung ein wirtschaftliches Problem 

Von PAUL WESTHEIM, Berlin 


/. Das Buch als Kunstwerk und als Ware. 

D .-j AS ß uc h a i s Kunstwerk zu betrachten ohne 

j Rücksicht auf seine Eigenschaft als Ware , 
j ist Schwärmerei. Der ästhetische Schwarm- 
geist im Bereich der Gewerbe erfreut sich 
neuerdings einer ziemlichen Beliebtheit. Seine Lei¬ 
denschaften sind harmloser als die der sozialen, reli¬ 
giösen, moralischen Phantasten. In Gesellschaft läßt 
sich’s darübervergnüg- 
lich plaudern. Doch im 
Grunde genommen ist 
diese Art von Kraftver¬ 
geudung nicht besser 
als jede andre. Auch 
sie verpufft wirkungs¬ 
los, weil ihr die wirt¬ 
schaftliche Grundlage 
fehlt. Sie träumt von 
gewerblichen Märchen¬ 
wundern, ohne sich um 
die wilde Hatz von 
Nachfrage und Ange¬ 
bot, von Bedarf und Be¬ 
gehr zu kümmern. 

Das Buch ist eine 
Massenware geworden. 

Es war Einzelerzeug¬ 
nis, solange es in der 
Schreibstube mühselig 
gefertigt werden mußte. 

Jetzt wird es fabrik¬ 
mäßig hergestellt; der 
Verleger, der nach Rie¬ 
senauflagen drängt — 
und welcher wäre so 
widernatürlich veran¬ 
lagt, das Gegenteil zu 
erstreben! — ist Fabri¬ 


kant. Ein Fabrikant besondrer Art, dem mit der Ein¬ 
führung der Urhebergesetze neben dem Autor eine 
gewisse Monopolstellung eingeräumt wurde. Trust¬ 
gefühle, wie sie einen Eisenbahngewaltigen, einen 
Petroleum-, Stahl- oder Zuckerkönig beseligen, mag 
er nur verspüren, wenn ihm „das Buch der Saison“ 
abzusetzen gelungen. Denn seine Ware unterscheidet 
sich wesentlich von all den andern Handelsartikeln 

wie etwa Löschpapier, 
Blechgeschirr,Spazier¬ 
stöcke, Nägel und der- 
gleichen.Unterscheidet 
sich von solchen Pro¬ 
dukten durch den ein¬ 
zigartigen Inhalt, die 
literarische Leistung 
des Autors, durchWert, 
Wucht und Größe der 
geistigenSchöpfung.Ihr 
Absatz unterliegt ganz 
besonderen wirtschaft- 
lichenGesetzen,die des 
näheren vor einigen 
Jahren von W. Köhler 
anläßlich der Bücher- 
schen Polemik gegen 
die Organisation der 
deutschen Verleger und 
Buchhändler dargelegt 
worden sind. 

Der Leser — so viele 
und seltsame Typen 
dieser Begriff auch um¬ 
faßt — hat im allgemei¬ 
nen das Interesse, sich 
mit dem Inhalt desWer- 
kes vertraut zu machen. 
Er will sich belehren, 


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No. 138. 


Zu dem Artikel: Moderne Inserate 


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PRINCETON UNIVERSiTY 







ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


sich unterhalten, sich aufklären lassen, genießen oder 
von Zweifeln befreien. Auf irgendeine Weise will 
er sich innerlich mit dem Autor auseinandersetzen. 
Daß die Form, die ihm das bequem und billig ermög¬ 
licht, das Buch ist, wird ihm zunächst gleichgültig 
sein. Gäbe es ein andres, zweckvolleres Mittel, er 
würde es ebensogern benutzen. Ihm ist das Buch 
ein Gefäß für die geistige Nahrung. Und er würde 
es, böte sich ein besserer Ersatz, ebenso machen wie 
unsre Voreltern, die nach der Herstellung von Por¬ 
zellantellern das Zinngeschirr als Dekoration auf die 
Paneelbretter stellten. Die Ausstattung — das be¬ 
zieht sich auf den Teller wie auf das Buch —, soweit 
sie nicht am bequemen Aufnehmen des Inhalts hin¬ 
dertest ursprünglich von untergeordneter Bedeutung, 
wenn nicht gar gleichgültig. Die Freude des eigent¬ 
lichen Lesers am Buch ist eine literarische, nicht eine 
kunstgewerbliche. 

Es sind nicht die schlechtesten Leser, die ein starkes 
und nur ein literarisches Interesse am Buch nehmen. 
Die rechte Lektüre bedeutet ihnen oft mehr als der 
stärkste sinnliche Genuß. Ihre Hingabe an die Schön¬ 
heit einer Dichtung, an die Klarheit eines Gedankens, 
an die Offenbarung einer Wahrheit ist nicht selten 
restlos. Sie wollen nicht Unterhaltung, sondern 
Erhebung. Es ist ihnen ziemlich gleichgültig, wie das 
Wort vorgesetzt wird, 
wenn es nur das rechte, 
starke, überzeugende 
Wort ist. Sie bleiben 
dem Heilsverkünder 
treu, wenn er auch 
wie der protestantische 
Prediger sich allen sin¬ 
nenschmeichelnden 
Pompes, aller nerven¬ 
berückenden Formen 
des katholischen Cere- 
monials entkleidet hat. 

Unter den eifrigen Be¬ 
nutzern der Reclam- 
schen, Meyerschen, 

Hendelschen, Wiesba¬ 
dener und all der an¬ 
dern Volksbüchereien 
gibt es sicherlich nicht 
weniger leidenschaft¬ 
liche Bücherfreunde als 
unter den Subskriben¬ 
ten so mancher kost¬ 
baren Luxusausgabe. 

Und viele empfinden 
derartige Unternehmen 
als größere soziale 
Wohltaten denn alles, 
was ihnen von Staat 


und Gemeinde geboten wird. — Wie aber die 
meisten trotz Güte und Billigkeit die Volksspeise¬ 
hallen meiden, so gibt es genug Bücherkäufer, die 
eine notdürftige Ausstattung nicht befriedigt, die 
für die ansprechende Aufmachung gern den ange¬ 
messenen Preis zahlen, ja, die das allzu gewöhn¬ 
lich hergerichtete Buch zurückweisen würden. Das 
Nur-Nahrhafte genügt ihnen nicht. Wie der Esser 
nach einer Gaumenfreude verlangt, soll ihnen die 
geistige Kost auch eine Augenfreude bereiten. Sie 
wollen den wertvollen Inhalt schön, die bedeutenden 
Ausführungen in geschmackvoller Form besitzen. 
Wie sie ihre Wohnung nicht allein nach dem dürftigen 
Nützlichkeitsgesichtspunkt einrichten, wollen sieihre 
Lektüre in einer würdevollen, edlen Gestalt darge¬ 
boten haben. Wird ihnen diese vom Verleger ver¬ 
weigert, so entschließen sie sich schwer oder gar 
nicht zum Ankauf des unzulänglich ausgestatteten 
Werkes. Kommt er dieser Freude am schönen Buch 
klug entgegen , so erhöht er seinen Absatz. 

Es wäre ebenso verkehrt anzunehmen, daß eine 
prächtige Ausstattung Riesenauflagen herbeizaubern 
könne, wie es falsch ist, daß der niedrige Preis allein 
eine ungeheure Verbreitung verbürgt. Sonst wäre ja 
das Bücherverlegen ein müheloses Geschäft. Schrif¬ 
ten, die nicht populär sind, dürfen noch so billig an- 

geboten werden, sie 
bleiben doch auf einen 
gewissen Abnehmer¬ 
kreis beschränkt. Und 
wiederum könnten an¬ 
dre Erscheinungen 
noch so kostbar aus¬ 
gestattet werden, so 
wird dadurch kaum 
eine wesentliche Stei¬ 
gerung der Absatzmög¬ 
lichkeit eintreten. Es 
kann sich nur darum 
handeln, jedem Werk 
die angemessene Form 
zu geben, damit es in 
dem ihm gegebenen 
Leserkreis freudige A uf- 
nahme findet. Hierin 
scheint wirklich das 
Problem zu stecken. 
Der eine, der sich die 
Lektüre vom Lebens¬ 
unterhalt absparen 
muß, empfindetdieVer- 
teuerung des Buches 
durch eine wertvolle 
Ausstattung als un¬ 
sozial. Der andre 
wiederum sträubt sich 


Die Macht 

des gedruckten Wortes 


seine suggestive Wirkung auf die grosse Menge 
wird in immer steigendem Masse in den Dienst 
geschäftlicher Interessen gestellt. Das beweisen 
die Anzeigenteile der Zeitungen und Zeitschriften. 
Und Tausende von Unternehmungen verdanken 
ihr Emporblühen einer geschickten Zeitungs¬ 
reklame. Diese erfordert aber eine genaue 
Kenntnis des gesamten Zeitungswesens und 
eine lange Erfahrung Wer annoncieren 
und dabei unzweckmässige Ausgaben 
vermeiden will, wende sich an die 

Annoncen- Expedition 

Rudolf Mosse 


Berlin. Kresl.iu, Dresden. Düssel¬ 
dorf, Frankfurt a m Main, Ham¬ 
burg. Köln a. Rh., Leipzig, 
Magdeburg, Mannheim, 
München, Nürnberg. 
Stuttgart, Buda¬ 
pest, Frag. 

Wien und 
Zürich. 


Zu dein Artikel: Moderne Inserate 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


und keine Freiheit für wenige mag.“ Wir erblicken 
in solchen und ähnlichen Worten Selbsttäuschungen, 
denen er so manches Mal verfallen ist. Denn gerade 
seine Keimscott Bücher sind Erzeugnisse für wenige, 
für ganz wenige — meist sind nur 300 Exemplare 
hergestellt worden. Ja, wir behaupten, daß für eine 
Buchausstattung im Großen dieser gänzlich anti¬ 
moderne Apparat unzulänglich gewesen wäre. 

Daher bedeutet auch die Gründung einer solchen 
Druckerei, wirtschaftlich genommen, gar nichts. Sie 
ist der edle Privatluxus eines feinsinnigen Lieb¬ 
habers. Für die vielen, deren Beruf es ist, ihren 
Mitmenschen tagaus, tagein Bücher herzustellen, 
kann sie nicht das erstrebenswerte Vorbild sein. Sie 
müssen mit den gegebenen Zeitverhältnissen rechnen 
und dürfen sich nicht erlauben, einer Laune — auch 
nicht einer so prachtvollen, künstlerischen Laune — 
nachzugeben. Ihr Buch wird nicht mehr wie zu jener 
Zeit von Königen, Kirchenfürsten und Geistesgrößen 
mit Gold aufgewogen, und ihre Pressen lüstern nach 
Arbeitsfutter. Die Aufgabe war gewaltiger als die 
Morrissche Erfüllung. Seiner kleinen Presse war 
neben der großen, rastlos wirkenden und geschmack¬ 
lich unzulänglichen Industrie nur das eine beschie- 
den: der moralische Erfolg. 

Seine künstlerische Großtat besteht eigentlich 
darin, daß er nicht des langen und breiten schilderte, 
wie das Buch aussehen sollte, aussehen könnte, aus- 
sehen müßte, sondern daß er es herstellte, so voll¬ 
endet, wie er es sich nur vorzustellen vermochte. 
In gewissem Sinne war seine Art eine antiqua¬ 
rische. Wie seine präraffaelitischen Genossen liebte 
er bis zur Verzückung die gotische Zeit. Seine drei 
Typen waren ältlich, wenn auch modern durch¬ 
gefühlt. Seine Ornamentik war aus der alten Holz¬ 
schneidetechnik entwickelt und die Vignetten, die er 
an den wuchtigen Satzblock rankte, sind aus dem 
Schnörkelwerk zu begreifen, das der Illuminator 
spielerisch über den Rand zu streuen liebte. Morris 
komponiert ein Buch von der Art und dem Wesen der 
frühen Druckerzeit. Er gab das kräftige Signal und 
ein anschauliches Spiegelbild. Mit dem Ende der 
Keimscott Press beginnt das größere Ringen um den 
Zeitausdruck und die Buchindustrie . 

Eine kleine Weile mochte es scheinen, als hätte 
Morris’ Freund und Mitarbeiter Walter Crane die 
Lösung zu geben. Er kam aus der Praxis des Buch¬ 
verlages, hatte sich vom Lithographengehilfen empor¬ 
zuarbeiten und besaß das Talent, den Wünschen des 
Publikums zur rechten Zeit entgegenzukommen. Vom 
Bilderbuch, in das er den Japanismus und Naturalis¬ 
mus hineinzutragen verstanden hatte, kam er zur 
eigentlichen Buchausstattung. Auch hier wollte er 
marktgängige Arbeit leisten. 

Er läßt also das Buch in seiner gewöhnlichen 
Form — schlechtes Papier, schlechte Typen, schlech¬ 


ter Satz, schlechter Druck — unangetastet. Interesse 
hat er nur für den freien Zwischenraum, den er mit 
seinen Verzierungen versehen kann. Das haben vor 
ihm die mit Recht so gering eingeschätzten Illustra¬ 
toren der Niedergangsperiode auch getan. Der Fort¬ 
schritt bestand eigentlich nur darin, daß er die 
genrehafte Geschwätzigkeit durch eine dekorative 
Stilisierung ersetzte, daß er vom Bildlichen weg zum 
Ornamentalen trachtete. Das Buch war ihm ein 
Gegenstand, den man mit zeichnerischem Schmuck 
versehen konnte. Er fahndete geradezu nach all den 
Stellen, die seinem Stift Betätigungsmöglichkeiten 
bieten könnten. Die Buchseite erscheint ihm „als 
Feld für die verschönende Tätigkeit des Zeichners 
und Illustrators“, und er sucht gleich dem Pilger in 
der Wüste zwischen den ihm langweiligen Kolumnen 
des gedruckten Textes nach der „Oase eines Bildes 
oder Ornamentes“. Es ist sicherlich kein müßiges 
Beginnen, aus seinen Grundsätzen der ornamentalen 
Behandlung des Buches (Dekorative Illustration des 
Buches, Leipzig 1901) einmal die Art, die Gebärde 
festzustellen, mit der er nach Dekorationsraum aus¬ 
späht. So meint er: „Es ist einer der Grundsätze 
der ornamentalen Behandlung des Buches, jeden 
Teil des Raumes, der nicht mit Schrift ausgefüllt ist, 
als freies Feld für die begleitenden und abschließen¬ 
den Verzierungen anzusehen, so z. B. das Ende des 
Kapitels, das mehr oder weniger Raum frei läßt . . . 
Das Anfangskapitel des Buches gibt dem Zeichner 
Gelegenheit zur Erzielung einer dekorativen Wir¬ 
kung ... Ich kann meinerseits niemals der Versu¬ 
chung widerstehen, ein Schlußstück zu entwerfen, 
wenn es sich um ein voll illustriertes Werk handelt, 
aber viele unterlassen es absichtlich oder freuen sich 
über den freien Raum, der sie ein wenig ausruhen 
läßt. Ich denke, das bringt den Leser plötzlich zum 
Ende des Kapitels. Die Leere, die Stille ist zu tot, 
man möchte sich über einen leisen Nachhall freuen, 
über einen wiederkehrenden Gedanken, der durch 
den Text angeregt wurde, das ist eine gute Gelegen¬ 
heit für den Zeichner . . .“ Wie weit seine Gleich¬ 
gültigkeit gegen den Buchorganismus geht, beweist 
am besten „The Sirens Three“, ein von Crane selbst 
verfaßtes und Morris gewidmetes Gedichtbuch. Hier 
ist zunächst die ganze Gedichtfolge in einer sehr 
mageren, sehr flauen Antiqua abgedruckt; ein zweiter 
Teil enthält noch einmal die gleichen Dichtungen, 
jetzt aber handschriftlich geschrieben und mit 
Illustrationen geziert. Das Ganze macht den Ein¬ 
druck, als habe sich ein übermütiger Geist einen 
Scherz mit dem Leser erlauben wollen. Erst befrie¬ 
digt er in einer höchst gewöhnlichen und öden Form 
das Marktbedürfnis des Buchkäufers, und hintennach 
gibt es ein illustratives Dessert. 

Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß 
in Cranes Buchverziererei nichts steckt von dem 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Morrisschen Ideal, wir brauchten uns überhaupt 
nicht bei diesen doch schon glücklich überwundenen 
Dingen aufzuhalten, wenn um die Jahrhundertwende 
das Cranesche Pathos nicht allzugierig von Druckern 
und Verlegern aufgegriffen worden wäre. 

Das naturalistische Ranken- und Blattwerk, das 
Walter Crane mit virtuoser Fertigkeit über alle die 
„schmuckbedürftigen“ Stellen zu verteilen verstand, 
fand denModebeifall und wurde als „moderne“ Buch¬ 
ausstattung vom Publikum bereitwilligst und be¬ 
sonders bezahlt. War es auf der einen Seite ein 
Mittel zur Hebung des Buchabsatzes, so störte es 
anderseits den gewohnten Herstellungsprozeß nicht 
sonderlich. Setzer und Drucker konnten weiterhin 
arbeiten in der Weise, wie sie es gewohnt waren. 
Statt der mitunter mühsam herzustellenden Einschalt¬ 
bilder gab es jetzt für das Titelblatt, den Kapitel¬ 
anhang, die Ränder und den Ausgang Vignetten, die 
von einem „dekorativen Künstler“ beigesteuert 
wurden. War das nicht ein glücklicher Ausweg aus 
der drohenden Krisis? Wurden die unruhigen 
Dränger nicht am ehesten durch solche Tändelei ab¬ 
gelenkt von den einschneidenden Forderungen, die 
der Gründer der Keimscott Press mitunter erhoben: 
„Was auch der Inhalt eines Buches sei und wie bar 
an Schmuck es bleibe, so kann es doch ein Kunst¬ 
werk sein, wenn die Type gut und die allgemeine An¬ 
ordnung eine sorgfältige ist... Ja, ich behaupte, daß 
ein ganz schmuckloses Buch schön sein kann, wenn 
es, sozusagen, architektonisch gut ist. Nun, laßt uns 
sehen, was diese architektonische Anordnung von 
uns verlangt. Erstens, die Seiten müssen klar und 
leicht lesbar sein, was kaum geschehen kann, wenn 
nicht, zweitens, die Typen gut gezeichnet sind; und 
drittens, ob die Ränder breit oder schmal seien, so 
müssen sie im richtigen Verhältnis in den Kolumnen 
stehen ... Die Ornamente müssen in demselben 
Maße wie die Typen selbst einen eigentlichen Be¬ 
standteil der Seiten ausmachen, und um ornamental 
zu wirken, müssen sie sich gewissen Beschränkungen 
unterwerfen und architektonisch werden.“ 

Dafür fehlte der Zeit das Verständnis. Selbst die 
eigentliche Gefolgschaft Morris’, die Schüler von 
Birmingham bis hinauf zu den selbständigen 
Geistern wie R. Anning Bell ließen sich verwirren 
durch den Craneschen Sirenengesang von der 
dekorativen Illustration. Und die wenigen, deren 
künstlerisches Empfinden aufbegehrte gegen eine 
Wertschätzung dieser dürftigen Naturalismen, ver¬ 
fielen dem prickelnden Nervenhaschisch des Beards- 
leyschen Schwarz-Weiß, einer kühnen Graphik, der 
das Buch nur Stichwort und Verbreitungsmöglich¬ 
keit war. 

Walter Crane und Beardsley, deren Nachfahren 
und Genossen, das war das Ziel der Deutschen, als 
sie sich — mit einer achtungsvollen Verbeugung 


vor Franz Stuck und Max Klinger — frei zu machen 
strebten von der ausgeleierten Tradition. Es sei nicht 
vergessen, daß England die Entwicklung vom Genre¬ 
haften zum Illustrativen erbracht hatte, und es bleibt 
die Frage, wie Deutschland diesen Keim aufzugreifen 
und zu entfalten verstand. 

Mit stilisierten Naturformen, mannigfacher, ge¬ 
schickter und lebendiger als Crane sie zu geben 
vermochte, setzt’s ein. Es kam die „Jugend“ (die 
übrigens in keiner Weise fortgeschritten ist und noch 
heute als Druckerzeugnis eine der schlechtesten 
Zeitschriften ist). Es kam der Jugendstil. Es kam 
van de Velde. Es kam der mißverstandene van de 
Velde-Schnörkel. Es kam die Linie. Es kam die 
neurasthenisch gewordene Linie. Es kam die See¬ 
rose. Seerosen in allen Windungen und Wendungen. 
Seerosen hundertfach verbogen, verschnörkelt und 
vergewaltigt. Und es kam Eckmann. 

Eckmann ist wieder eine Etappe. Eckmann geht 
an das Buch selbst heran. Er begnügt sich nicht 
mehr mit dem Schmuck. Er schafft sich eine Type. 
Eine ganz moderne, eine Eckmann-Type. Und auf 
einmal bekommt die ganze Buchausstatterei ein 
andres Gesicht. Es setzt ein lautloser, zäher, unauf¬ 
haltsamer Kampf ein zwischen den zeichnerischen 
Jongleurkünsten und der typographischen Gediegen¬ 
heit. Aus einer Gelegenheit zum Anbringen von 
illustrativen Ornamenten beginnt das Buch nun selbst 
und für sich etwas zu werden, 

Eckmann war für diese ganze Entwicklung nur ein 
Ansatz. Wie er sich selbst ihres ferneren Verlaufes 
nicht voll bewußt gewesen sein mag, beherrschte 
vorerst noch eine Zeichnertruppe, verhätschelt vom 
Beifall des kultivierten Publikums, den Büchermarkt. 
Cissarz, der gefühlvolle Lyriker, Vogeler, der Senti- 
mentalisch-Empfindsame, Fidus mit seinem vege¬ 
tarisch entarteten Germanentum, der Biedermeier- 
Japanese Heine oder Behmer auf dem Kothurn einer 
Beardsleyschen Perversionsrolle verblüfften auf an¬ 
genehme Art einen Kreis von Bücherkäufern, der 
Modernität bewußt betonte, dessen Interesse von den 
rührigen Kunstgewerbediplomaten geschürt oder der 
zu einer wirklichen Freude an dem schön herge¬ 
richteten Buch gekommen war. Man begann, Publi¬ 
kationen solcher Art zu sammeln — nicht selten 
ganz ohne Berücksichtigung des Literarischen, wie 
man schöne Tunkpapiere oder bunte Plakate sammelt 
— und über derartige Erscheinungen zu reden, zu 
streiten. Für den Verleger bedeutete das Absatz und 
Beachtung. In der neuen Ausstattung hat er ein 
Mittel gewonnen, seinen Werken eine besondere 
Stellung auf dem Büchermarkt zu geben. Zunächst 
waren es auch ganz neue Firmen, die sich so einen 
Platz und Namen zu schaffen trachteten. Wenn der 
Insel-Verlag, Eugen Diederichs, Albert Langen, 
Schuster & Löffler sich mit dem Illustrator verbanden, 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


so brauchten sie nicht erst eine Tradition abzustreifen, 
brauchten nicht, wie das die älteren Verlagsanstalten 
hätten tun müssen, mit einer auserprobten, markt¬ 
gängigen Form zugunsten unbewährter Versuche zu 
brechen. Und da jene Verleger es verstanden, auch 
in ihren Autoren die Vertreter und Verkünder desZeit- 
wollens um sich zu scharen, kam derErfolg, der immer¬ 
hin den Buchhandel zum Aufmerken bringen mußte. 

Wieweit der materielle Gewinn dem moralischen 
Sieg entsprach, läßt sich nicht bestimmt feststellen. 
Jedenfalls war die spröde Abweisung, die jeder fort¬ 
schrittliche Gedanke sich zunächst gefallen lassen 
muß, einem zuversichtlichen Vertrauen gewichen — 
besonders nachdem mit wahrhaft deutschem Idealis¬ 
mus die feinsten Geister im Pan ein prächtig ab¬ 
geklärtes Musterbild den Suchenden vorgehalten 
hatten. Diese begeisterungs- und hoffnungsfrohe 
Stimmung trieb zu immer neuen Anstrengungen, zu 
einem rastlosen Wetteifer, der endlich zum Schnitt 
der neuen Künstlertypen führen sollte. 

Das Wagnis der Rudhardschen Gießerei — die 
1901 die Eckmann und Behrens herausbrachte — 
wäre undenkbar, sicherlich aber wirkungslos ge¬ 
wesen, wenn das Publikum nicht mit lebhafter Anteil¬ 
nahme die Aussiattungsbemühungen beobachtet, wenn 
die Verleger, durch ihre Erfahrungen mit den 
Illustratoren angestachelt, hier nicht weitere Erfolgs¬ 
möglichkeiten gewittert hätten. Und sie täuschten 
sich auch nicht, wenngleich das alles wiederum nur 
ein Anfang, nicht ein reifer Abschluß gewesen war. 

Der Illustrator war in das Bereich der Typographie 
eingedrungen. Der Zeichner, der Künstler tat den 
ersten Schritt zum Gewerbe. Er war zu der Er¬ 
kenntnis gelangt, daß er nach der Wurzel schürfen 
müsse, so er nicht dilettantischer Bildchenmacher 
bleiben wollte. Und die Gießer fingen an ganz lang¬ 
sam zu begreifen, daß es vorteilhaft wäre, sich mit 
den Mächten zu verbünden, die das geschmackliche 
Wollen der Zeit feinfühliger begriffen als die Haus¬ 
zeichner ihres Gewerbes. 

Allerdings war der Kampf um die Eckmann und 
die Behrens lediglich eine Episode. Der Zeichner 
dachte zunächst nur daran, die machtvolle Organi¬ 
sation der Gießereien auszunutzen , um seinen 
modernen Zierat auch in den Druckereien zur Ver¬ 
wendung zu bringen, die Originalleistungen nicht be¬ 
zahlen konnten, und auf solche Weise alle erdenk¬ 
lichen Bücher mit seinen Schmuckstücken zu versehen. 
In diesem Begehren, den individuellen Wert dem 
allgemeinen Gebrauch preiszugeben, lag der Keim 
zu einem Rückschlag gegen die scheinbar so sieg¬ 
reiche Zeichnerei. Was als Einzelwerk kostbar ge¬ 
wesen, mußte als Beigabe zu zehn oder zwanzig ver¬ 
schiedenartigen Gedichtbüchern ermüden oder gar 
banal wirken. Am deutlichsten läßt sich das vielleicht 
klar machen an der zarten Kunst Heinrich Vogelers. 


Eine Zeitlang war er der beliebteste und geschätzteste 
deutsche Illustrator. Der Verleger, der ein von ihm 
ausgestattetes Werk anzeigen konnte, durfte auf einen 
sicheren Absatz in einem gewissen Kreis von Bücher¬ 
liebhabern rechnen. Und als die Gebr. Klingspor ihre 
sehr umfangreiche Folge von Vogeler-Schmuck her¬ 
ausbrachte, war ihr der Erfolg unter den Druckereien 
gewiß, deren Auftraggeber verlangten ja geradezu 
nach diesem Zierat, der in den Diederichsschen, 
Insel- und Fischerschen Büchern so hoch geschätzt 
wurde. Er fand reichlich Verwendung, so reichlich und 
überreichlich, daß die Vorliebe des Publikums sich 
bald in die Enttäuschung der Langeweile wandelte. 
Es ist ja auch ganz begreiflich, daß eine Vignette, die 
in der Bibliothek dem Auge allzuoft und an den ver¬ 
schiedenartigsten Stellen begegnet, ihren ursprüng¬ 
lichen Reiz, ihre innerliche Keuschheit, einbüßen 
muß. Das liegt nicht an der Person des Zeichners — 
was an diesem Beispiel dargelegt wurde, läßt sich für 
alle diese Erzeugnisse unschwer nachweisen —, es 
ist die Unmöglichkeit solch illustrative Zeichnungen 
massenhaft vervielfältigen und massenhaft verbreiten 
zu wollen. Auf die Dauer müssen sie klischeeartig 
wirken, weil sie ja nichts andres sind als Klischees, 
als ganz und gar untypographisches Material. Der 
Setzer kann daraus nichts machen. Er muß sie ver¬ 
wenden, wie sie ihm geliefert werden. Er kann sie 
nur in den Satz hineinstellen, nichts aus ihnen kom¬ 
ponieren. Das heißt, der Zeichner versagt ihm die 
Möglichkeit einer eigenen typographischen Leistung. 
Auf tausend Erzeugnissen aus tausend Druckereien 
und tausend Orten muß dieselbe Vignette in der¬ 
selben Weise verwandt werden. Die Folge davon ist, 
daß das Publikum sie schließlich nicht mehr als Wert 
empfindet, ja ihrer gänzlich überdrüssig wird, oder 
mit andern Worten: der starke wirtschaftliche Erfolg, 
der diesen Dingen beschieden war, hat diese äußer¬ 
liche Art der Buchschmückerei allen erkennbar ge¬ 
macht und mit einer Spitze gegen den Nur-Zeichner 
das Verlangen nach einer innerlich-organischen Buch¬ 
herstellung geweckt. 

Nun blieb nur noch eine Möglichkeit: dem Buch 
Qualität zu geben aus sich selbst heraus. Wie man 
in der Architektur zu begreifen begann, daß mit dem 
»modernen“ Putzornament auf der Fassade die Mängel 
des Grundrisses nicht dauernd vertuscht werden 
könnten, mußte man einsehen, daß Buchausstattung 
nicht Vignettenzeichnerei sein könne, daß die so 
freudig aufgenommene Mannigfaltigkeit letzten Endes 
unkünstlerisch, weil wesenswidrig sei. Dieser Star 
mußte gestochen werden, damit das Auge die Dürftig¬ 
keit der Typen, des Papieres, der Farbe, des Satzes, 
der Seitenaufteilung, mit einem Wort der architek¬ 
tonischen Disposition des Ganzen sah. Der Sinn des 
Verlaufes war: eine Weiterentwicklung vom Illustra¬ 
tiven zum Typographischen. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Wir stehen jetzt erst im Beginn dieser Bestre¬ 
bungen,wenngleich auch kein Zweifel über ihre täglich 
schärfere Hervorkehrung möglich ist. Der wichtigste 
Faktor, der diesen erfreulichen Umschwung vorbe¬ 
reitete, ist wohl der rastlose Eifer , mit dem die ange¬ 
sehensten Gießereien die Herstellung neuer y verwend¬ 
barer Typen betreiben. Sind auch im einzelnen noch 
so viel bedenkliche Mängel festzustellen, so hat sich 
das Gesamtniveau schon derart gehoben, daß auf 
das Satzbild allein eine geschmackvolle Wirkung 
sich gründen könnte. Auch haben die Grundsätze 
für die Wahl und Bereitung des Papieres — ich 
denke dabei nicht an die Bütten-Vortäuschungen — 
eine Wandlung zum Besseren erfahren. Die Typo¬ 
graphen gelangen nach der Anarchie der »freien 
Richtung“ allmählich wieder zu tüchtigen, gediegenen 
Satz- und Verteilungsregeln, und der Sinn für die 
Druckerleistung ist zweifellos geschärft worden. 

Der Zeichner selbst ist bei jenem ersten Schritt 
zum Gewerbe nicht stehen geblieben. Viele, die nur 
den Stift zu rühren vermochten, haben der Buchaus¬ 
stattung entsagen müssen. Die weniger Einseitigen 
sind zum Werkmann in die Lehre gegangen und haben 
sein Können mit ihrem umfassenderen Geist zu 
durchdringen gesucht. Sie hatten den Vorzug, nicht 
durch Fachmanieren geblendet zu sein und konnten 
mit dem weniger getrübten Blick eher Verbesserungs¬ 
möglichkeiten ausfindig machen. Doch ihnen allen 
kommt in diesem Erneuerungsprozeß nur eine unter¬ 
geordnete Stellung zu neben den zahlreichen Schrift¬ 
zeichnern, die in den letzten Jahren fürdie Gießereien 
Typen entworfen haben. Es ist ganz einleuchtend, 
daß sie weiter als ihre Kollegen Vordringen konnten 
in ihren Anforderungen an die Buchherstellung und 
daß für sie persönlich der Ausgangspunkt natürlich 
viel tiefer, bei den Typen nämlich, liegen würde. 
Auch sie mußten alles illustrative Beiwerk als eine 
Störung empfinden. Sogelangtensie dazu,die hervor¬ 
stehenden Teile: Titelköpfe, Kapitelanfänge und der¬ 
gleichen zu schreiben. Und fanden hierin wackere 
Unterstützung bei den auf den Schulen inzwischen 
herangebildeten Kalligraphen, die ja auch ein be¬ 
sonderes Verständnis für typographische Werte mit¬ 
bringen. 

Einzelne Namen — etwa Peter Behrens, H. F. 
Ehmke, E. R. Weiß, W.Tiemann — hier zu nennen, 
wäre unangebracht. Denn sie alle erscheinen mehr 
oder minder als Träger eines gebotenen Zeitwollens , 
das in dem wirtschaftlichen Verlangen des bücher¬ 
kaufenden Publikums bedingt ist. Und begreift man 
den ganzen Verlauf richtig, so ergibt sich aus diesen 
Wandlungen vom Bilder- und Vignettenmacher zum 
Buchstabenmacher für den Zeichner die Notwendig¬ 
keit , sich gänzlich überflüssig zu machen. Die ihm 
jetzt beschiedene Rolle des geschmacklich über¬ 
wachenden, organisch gliedernden Regisseurs trägt 


in sich die Tendenz, den Mann der Werkstatt unab¬ 
hängig und selbständig zu machen. Der Gegensatz 
zwischen dem Illustrator und dem Typographen wird 
schließlich zu einer Frage der Erziehung. Je ein¬ 
dringlicher und umfassender die Schulung des streb¬ 
samen Gewerblers geworden, um so selbstverständ¬ 
licher werden hier die Ausgleichsmöglichkeiten. 

Damit wäre aber für die Bücherherstellung eine 
gute Tradition, wie wir und unsre Väter sie verloren 
haben, wiedergewonnen. Damit auch die Wirkung 
ins Weite und Breite gesichert. Schon jetzt läßt sich 
beobachten, daß die typographische Gesundung nicht 
wie vorzehn Jahren die zeichnerische Ausschmückung 
auf wenige, zumeist junge und auf einen engen Lieb¬ 
haberkreis zählende Verleger beschränkt bleibt. 
Ganz alte Verlagsanstalten, die sich erfahrungsgemäß 
jedem Neuerungsversuch entziehen, so lange er nicht 
dieFeuerprobe derBewährung überstanden,scheinen 
rückhaltlos überzeugt zu sein. Jedenfalls hat die 
frühere Aufmachung selbst ihren Lesern nicht mehr 
zugesagt; die Macht der Konsumenten hat teilweise 
die Widerstände überwinden können, die sich diesen 
Ausstattungsprinzipien entgegenstemmten. Auch 
das mag als Zeichen gelten, daß wir über die Moden 
und die Nur*Neuerungen hinaus sein dürften. 

So endet der kunstgewerbliche Passionsweg, der 
dem Buch beschieden gewesen, mit einer heftigen Ab¬ 
wendung vom Äußerlich-Kunstgewerblichen. Der er¬ 
drückende Aufwand an dekorativen Zutaten hat zu 
einer Hervorkehrung des Literarischen am Buch und 
im Buch geführt. Das Wort des Autors erscheint in 
einer würdigeren Form, weniger beeinträchtigt durch 
die Dekorateurpersönlichkeit und in der ganzen Auf¬ 
machung höher geschätzt denn je. Aus der Ent¬ 
wicklung vom Genrehaften zum Illustrativen, vom 
Illustrativen zumTypographischen hat sich schließlich 
eine zeitgemäße, künstlerisch befriedigende und zu¬ 
gleich wirtschaftlich mögliche Lösung gegeben. 

Was Morris als Ideal erträumte, was er nur in den 
Werken der ältesten Drucker zu finden vermochte, 
scheint nach weiten Abschweifungen Wirklichkeit 
werden zu wollen. Waren die Bücher seiner Kelm- 
scott Press Begeisterungstaten, so ist das unaufhalt¬ 
same Ringen der Buchindustrie, auf ihre WeiseWesens- 
verwandtes den Massen zu bereiten, begeisternd. 
Und die Zähigkeit , die sich frei von aller Romantik 
erst die wirtschaftlichen Grundlagen gesichert und 
der harten Wirklichkeit Daseinsvoraussetzungen ab¬ 
getrotzt hat , ist achtunggebietend— wenn einstweilen 
auch nur Keime und Ansätze festgestellt werden 
konnten. 

III. Das Äußere. 

Das Äußere des Buches unterliegt in gleicherweise 
den veränderten Absatzverhältnissen. Es hat keinen 
Sinn, die historische Perspektive zu ziehen nach dem 
Kodex, der ob seiner Kostbarkeit angekettet gewesen. 

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ARCHIV FÜR BÜCHGEWERBE 


Die Gold- und Edelsteineinlagen seines Deckels 
zeugen von einer Wertschätzung des literarischen 
Kernes, die der weltliche Autor bald einbüßte. Ehe 
im 19. Jahrhundert der Eifer um Aufklärung und 
Bildung den Bürger antrieb, sich umfängliche Biblio¬ 
theken zuzulegen, blieb das Buch Einzelstück, das 
nach reiflicher Erwägung und mit Bedacht angeschafft 
wurde. Als ständige Quelle der Anregung war es er¬ 
standen. Also wurde es sorgsam hergerichtet, vom 
Buchbinder mit einem tüchtigen Einband versehen 
und nicht selten zur dauernden Augenfreude reich¬ 
lich geziert. Der Verleger brauchte für den Umschlag 
keine besonderen Aufwendungen zu machen. Die 
Schutzhülle wurde ja doch sofort vernichtet, wenn 
das Buch gekauft, wenn es dem Binder überantwortet 
war. So konnte er sich damit begnügen, es in ein 
dünnes blaues, gelbes oder grünes Papierfähnchen 
zu kleiden — dünner noch wie etwa der rötliche 
Umschlag der broschierten Reclambändchen. Daß 
der Titelaufdruck nicht gerade eine typographische 
Glanzleistung war, ist einleuchtend. Das Ganze war 
ja nur als Provisorium gedacht und sollte bald¬ 
möglichst unter den Händen des Buchbinders ver¬ 
schwinden. 

Die Interessen des einzelnen wuchsen in diesem 
Jahrhundert der Erfindungen und Entdeckungen, der 
Gesichtskreis erweiterte sich nach allen Richtungen. 
Neue Fragen tauchen auf. Die unteren und unter¬ 
sten Volksschichten wollen teil haben am geistigen 
Besitz. Der Bedarf an Lektüre stieg von Jahr zu Jahr. 
Familien, in denen einst Bibel und Kalender das 
Lesebedürfnis vollauf befriedigten, erstanden auf ein¬ 
mal literarische, politische und populär-wissenschaft¬ 
liche Werke aller Art. Die Bücherproduktion selbst 
nahm einen immer gewaltigeren Umfang an. Die 
Hochschätzung des einzelnen Exemplares wurde in 
dem Maße geringer wie seine Bedeutung als Gesamt¬ 
erscheinung zunahm . Gleichgültige Publikationen, 
die eine Tagesfrage behandelten, die über irgendeine 
Zeiterscheinung unterrichten sollten, deren Wert nur 
vorübergehend sein konnte,kaufte man, las man, legte 
man beiseite, ohne sie gerade wegwerfen zu wollen. 
Wie leicht konnte man sie späterhin noch einmal 
brauchen und anderseits war kaum anzunehmen, 
daß die Anregungen, die sie zu geben hätten, einen 
kostspieligen Einband und eine dauernde Aufnahme 
in die Bibliothek bezahlt machten. Sie blieben un¬ 
gebunden, blieben mit ihrer dürftigen Hülle einem 
ungewissen Schicksal überlassen. Auch die Ersparnis 
wurde ein weiterer Grund für den Verzicht auf den 
Buchbinder und den mehr pompösen als ansprechen¬ 
den Verlegereinband. Denn der kleine Mann, der 
auf dem Markt allmählich zum ausschlaggebenden 
Faktor geworden ist, möchte sich immer wieder andre 
und mehr Bücher anschaffen. So kam ein findiger 
Verlegerkopf — ich weiß nicht wer und wann es ge¬ 


wesen — auf den glücklichen Gedanken, dem bro¬ 
schierten Buch einen Umschlag aus dünnem Karton 
zu geben. 

Damit hatte es eine erhöhte Festigkeit erhalten. 
Die Notwendigkeit, den Buchbinder den Anschaffungs¬ 
etat schmälern zu lassen, wurde weniger zwingend. 
Manches ungebundene Buch läßt sich nun schon eine 
Weile benutzen und auf bewahren, ohne völlig aus 
dem Leim zu gehen. Bei einer Verringerung der 
Gesamtkosten konnte die Freude am Bücherbesitz 
um eine Kleinigkeit wachsen. Das hift den Absatz 
mehren. 

Und auf den großen Absatz mußten die Verleger 
hinarbeiten, nachdem die Flut der wöchentlichen Neu¬ 
erscheinungen ins unermeßliche zu wachsen drohte. 
Buch um Buch wurde auf den Markt geschleudert, alle 
möglichen Autoren lechzten nach Gehör, Tausende 
und aber Tausende von Publikationen mußten ver¬ 
trieben werden. Der Verleger konnte nicht mehr 
abwarten, bis die Käufer sich einstellten. Er mußte 
alle Mittel der Reklame auszunutzen verstehen, um 
zu locken, zu werben, anzupreisen. Der neue Buch¬ 
deckel erwies sich bald als vorzügliche Gelegenheit , 
Plakatsuggestionen hervorzurufen. Das Buch im Laden 
oder Schaufenster sollte durch eine packende, deko¬ 
rative Deckelzeichnung sich selbst dem Auge ankün¬ 
digen. Der flotte Farbenspektakel sollte den Blick 
des Betrachters bannen und ablenken von den vielen 
andern Erscheinungen, die daneben zum Verkauf 
gestellt waren. Frankreich, das in den neunziger 
Jahren eine so stattliche Reihe von Zeichnertalenten 
aufzuweisen hatte, war das Vaterland dieser vergäng¬ 
lichen Buchdeckelgraphik, die Albert Langen, der sich 
zunächst ja ganz auf die Pariser Art eingestellt hatte, 
uns über den Rhein brachte. Seine Simplicissimus- 
satirikerTh.Th.Heine, Bruno Paul, Reznicek,Taschner 
und die andern versahen die kleinen Bändchen des 
jungen Verlages mit geistvollen, nicht selten künst¬ 
lerisch bemerkenswerten Umschlagzeichnungen. Um¬ 
schlagzeichnungen, die selbst wiederSammelobjekte, 
wieder Anlaß zum Bücherkaufen wurden. 

Dieser Gedanke, durch ein packendes Bild zu 
spannen, war einleuchtend. Die zweckvolle Reklame 
wog das Zeichnerhonorar auf. Um die Jahrhundert¬ 
wende war in den Buchhändlerfenstern das Anilin¬ 
farbengeschrei wilder als an den Plakatsäulen. Die 
Zeichner,diedamals dasBuchinnere auch mit illustra¬ 
tiven Schnörkeln versahen, hatten gute Tage — bis 
der Überschwang auch hier den Rückschlag brachte. 

Das Publikum besaß in der Bücherei ein unge¬ 
stümes Farbengekleckse, das nach der ersten Freude 
der Überraschung zunächst langweilig, dann banal, 
schließlich abstoßend wurde. Die meisten der billigen 
Buchdeckelkünstler waren ebenso geistlos wie un¬ 
fähig. Die Leistungen der unzulänglichen Begabungen 
wirken aber auf die Dauer immer abstoßender. Was 

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am Anfang gleichgültig ließ, wird späterhin peinlich. 
Man mußte also das broschierte Buch wieder binden 
lassen oder — der feuilletonistische Dekor der Um¬ 
schlagsfläche mußte dekorativ werden. 

Und zwar um so mehr als jetzt unter den Buch¬ 
herstellern dem Verlegereinband eine erhöhte Sorg¬ 
falt zugewendet wurde. 

Der Verlegereinband alten Schlages, die holz¬ 
papierene Lederfälschung, die gepreßte Imitations¬ 
pracht, mußte dem gereinigten Geschmacks- und 
Materialempfinden der neuen Kunstgewerbeaufklä¬ 
rung weichen. Mit diesem Talmistaat war in den 
Augen der Echtheitsfanatiker kein Staat mehr zu 
machen. Der an England geschulte Sinn schätzte 
den gediegenen Leineneinband höher als jenen ge- 
heimnisvollenMischmaschjder den königlichen Ganz¬ 
ledereinband karikierte. War es undenkbar für ein 
paar Groschen gutes Leder darzubieten, so begnügte 
man sich mit Leinen, Kaliko, einem Pappband oder 
versah den Deckel mit einem der jetzt wieder emsig 
hergestellten Tunk- und Kleisterpapiere. Bald fehlten 
in diesem Reigen auch der gediegene Leder- und der 
adelige Pergamentband nicht mehr. Und alle diese 
Arten fanden freundliche Aufnahme bei Liebhabern 
und Lesern. 

Solange von den Verlegern versucht wurde, die 
bunten Umschlagzeichnungen des Papierdeckels auf 
den Einband zu übertragen, blieb der rechte Erfolg 
aus. Auf dem gebundenen Buch wurde das ständig 
gellende Reklamegeschrei als Mangel empfunden. 
Es störte, wenn auch nur mit Farbtönen, die Ruhe, 
die Voraussetzung einer jeden Bibliothek. Da der 
Verleger sich aber aus begreiflichen Gründen be¬ 
mühte, in der äußeren Ausstattung des broschierten 
und gebundenen Buches eine Einheitlichkeit zu er¬ 
halten, so dämpft er die Ausgelassenheit des Umschlag¬ 
zeichners, so erstrebte er auch hier eine Entwicklung 
vom Illustrativen zum Ornamentalen. 

Tüchtige Künstler — E. R.Weiss, H. F. Ehmke, 
W.Tiemann, Lucian Bernhard und andre — beginnen 
die Buchdeckelfläche ihrer Gesetzlichkeit gemäß auf¬ 
zuteilen. Ein tektonisches Gefüge von geschriebenen 
Worten, vonOrnamenten und dem Verlagssignet wird 
gebildet. Nicht selten beschränken sie sich ganz — 
eigentlich ohne Notwendigkeit — auf kalligraphische 
Reize, die am meisten noch dem ehemaligen Stief¬ 
kind, dem Buchrücken, zugute kommen. Es ist das 
Gewand, das dem Wesen jener rein typographischen 
inneren Ausstattung entspricht; es ist das organische, 
das notwendige Glied eines Ganzen. 

Der wahre Bücherfreund wird immer dem Ver¬ 
legereinband mit einergewissen Zurückhaltunggegen¬ 
überstehen. Seine aristokratische Liebhaberei wird 
getrübt durch das Bewußtsein, seinen Schätzen ein 
Werk einzureihen, das sich in nichts von dem Buch 
des Gevatters Hinz oder Kunz unterscheidet, das auf 


allen Gassen in der gleichen Form gehandelt wird. 
Er wendet sich wie zu allen Zeiten an den Buchbin¬ 
der, der mit seiner Kunst dem Text einen besonderen, 
einzigartigen Wert geben soll. Und er steht plötzlich 
vor der peinlichen Wahl zwischen dem künstlerisch 
so hoch stehenden Masseneinband und der nicht selten 
geschmacklich unreifen Handwerkerleistung. 

Es ist nicht zu leugnen, daß einige unsrer Verlags¬ 
anstalten es verstanden haben, erste und allererste 
Kräfte für die Ausstattung ihrer Bücher zu gewinnen, 
daß manche Einbände der Großbuchbindereien von 
hoher künstlerischer Qualität zeugen, wie es nicht 
zu leugnen ist, daß die Kunstbuchbinder nicht Schritt 
gehalten haben mit dieser Entwicklung. Was Kautzsch 
im Jahre 1900, von Trenkwald im Jahre 1906 fest¬ 
stellen mußten, gilt auch heute noch: „In Deutsch¬ 
land steht es schlimm um den Kunsthandband und 
wir müssen uns gewaltig anstrengen, wollen wir in 
die Höhe kommen. a Erfreuliches haben bis jetzt nur 
die Buchbinder leisten können, die nach Entwürfen 
und unter der geschmacklichen Kontrolle bewährter 
Künstler arbeiten. Der ideale Zustand ist das aller¬ 
dings nicht. 

Das künstlerische Unvermögen ist wohl auch die 
wahre Ursache der sozialen Nöte und wirtschaft¬ 
lichen Klagen, die in neuester Zeit aus diesem 
Gewerbekreise zu erschallen pflegen. Die Liebe 
zum vornehmen und originalen Einband ist keines¬ 
wegs geschwunden. Im Gegenteil. Verhältnismäßig 
ist die Zahl der Aufträge, auch wenn der vermehrte 
Andrang zu dem Buchbinderberuf berücksichtigt 
wird, gestiegen. Der Verlegereinband hätte niemals 
eine Bedrohung des Handbinders werden können, 
wenn der künstlerische Kraftaufwand annähernd 
gleich gewesen wäre. Was an Talent und Kapital der 
Großbuchbinderei zuströmte, mußte so nur den Buch¬ 
bindermeister schwächen. Er ist im Wettbewerb 
leistungsunfähiger geworden, weil er im Vergleich 
mit den andern Buch- und Kunstgewerblern ge¬ 
schmacklich zurückgeblieben ist. 

Erfreulich ist, daß die technischen Fertigkeiten, 
die Exaktheit und das Materialverständnis der Buch¬ 
binder gestiegen sind. Erfreulich ist diese erhöhte 
Tüchtigkeit, die aber nur als Voraussetzung Wert hat. 
Und es bleibt bedauerlich, daß die Interessen und 
Erörterungen sich hierauf zu beschränken scheinen. 

Man geht nicht fehl, wenn man in diesem Gewerbe 
zwei Gruppen unterscheidet. Die einen bemühen 
sich teils durch ihre Auftraggeber verleitet, teils 
aus mangelnder Selbständigkeit, Renaissancearbeiten 
nachzufertigen. Sie pflegen nicht glattweg zu kopieren, 
sondern suchen ältere Vorbilder auf eigene Faust 
nachzuentwerfen. Ich möchte kein Wort gegen den 
echten Renaissanceeinband sagen. Er gehört in vielen 
Erscheinungen mit zu dem Edelsten, was die Buch¬ 
binderkunst hervorzubringen vermochte. Wenn in 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


unsern Tagen einer entwerfen könnte wie jene Meister, 
so gebührten ihm Worte der lautesten Anerkennung. 
Wir müssen sie uns ersparen, weil alle diese Eklek¬ 
tiker nichts selbständig Kraftvolles zu leisten ver¬ 
mögen, weil sie alle nur bedacht sein müssen, ja nicht 
aus dem „Stil“ herauszufallen, weil diese Ängstlich¬ 
keit von jedem Betrachter nur als Schwächlichkeit 
empfunden werden kann. Sie stehen — so umfang¬ 
reich ihre Tätigkeit auch noch sein mag — auf der 
Aussterbe-Liste. Wenn die junge Generation, die die 
neue geschmackliche Schulung genossen, erst heran¬ 
gewachsen und vor allem zu Besitz gelangt ist, wird 
es für ihre Leistungen keinen nennenswerten Ab¬ 
nehmerkreis mehr geben. Gefährlicher ist die andre 
Gattung, die sich modern gebärdet , ohne wirkliche 
Qualität zu besitzen . Sie haben sich frei gemacht von 
dem nicht weiter entwicklungsfähigen Schema, um 
sich an den Naturalismus zu verlieren . Auf dem Buch¬ 
deckel erschienen plötzlich stilisierte Naturformen, 
stilisierte Pflanzen, stilisierte Tiere, Schnörkeleien, 
wie sie ja auch die Zeichner zu Ende des vergangenen 
Jahrhunderts als „Schmuck“ fertigten. Während für 
das Buchinnere diese Entgleisungen nun schon 
historisch geworden sind, ist die Buchbinderei auf 
dem naturalistischen Irrweg stehen geblieben. Als 
typischer Vertreter dieser ganzen Art ist Paul Kersten 
anzusehen — jedenfalls hat er es durch seine publi¬ 
zistische Geschicklichkeit verstanden, sich als solchen 
hinzustellen. 

Warum ist eine naturalistische Verzierung des 
Ledereinbandes eine Stilwidrigkeit? 

Vergolderei und Reliefprägung sind Flächenkünste. 
Drei Flächen: der Buchrücken und die beidenDeckel, 
die eine Einheit, den Band, bilden, sind zu dekorieren. 
Und zwar sind dies Dekorationsflächen besonderer 
Art, die eine besondere Gesetzlichkeit fordern. Der 
Buchbinder hat nicht wie der Zeichner den Flächen¬ 
raum aufzuteilen , sondern — der Tätigkeit des Typo¬ 
graphen vergleichbar — aus Einzelgliedern, seinen 
Stempelformen, zusammenzusetzen . Er fügt Orna- 
raentstück an Ornamentstück in der Absicht, daraus 
ein Ganzes zu machen. Für den richtigen Buchbinder 
war und ist der Stempel der Ausgangspunkt, die 
Fläche das Ziel. Sonst kann er überhaupt zur Präge¬ 
platte und zur Maschine übergehen. Eigentlich ist es 
selbstverständlich, daß solch eine dekorative Zu¬ 
sammenstellung nur möglich ist, wenn die ursprüng¬ 
lichen Glieder schon dekorativ gestaltet waren. Die 
naturalistische Zierform läßt sich nur als Einzelstück 
verwenden. Sie kann nicht zu neuen Gruppierungen 
komponiert werden. Einen Blütenkopf mag man noch 
so vielfältig und verschiedenartig aneinanderfügen, 
er wird nie etwas anders ergeben als eine mehr oder 
minder glückliche Anhäufung von Blütenköpfen. Die 
Zusammenstellung ist schwierig, beinahe unmöglich, 
ist sicherlich immer bedenklicher als die Verwendung 

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im einzelnen. Damit ist aber schon seine Minder¬ 
wertigkeit für den Buchbinder dargetan. Eine orna¬ 
mentale Stempelform kann er auf die mannigfachste 
Weise aneinanderfügen, aus ihr kann er eine ganze 
Menge Kompositionen bilden, mit ihr kann er immer 
wieder Selbständiges schaffen. Wie der Typograph 
mit den illustrativen Vignetten nichts anzufangen 
wußte, muß der naturalistische Stempel als eine Stil¬ 
widrigkeit erkannt werden, die unsre Buchbinder 
am Ausreifen hindert. 

Denn mit der verfehlten Grundform allein ist es 
nicht getan. Jeder gewerbliche Irrtum zieht seine 
Kreise weithin. Da der Buchbinder die neuen 
Stempelformen nur als Ganzes, nicht als Material zu 
verwerten vermochte, trachtete er danach, sie bis an 
die äußerste Grenze des technisch Gebotenen zu 
vergrößern, damit er trotzdem eine ansehnliche Ver¬ 
zierung auf den Deckel brächte. So der Notwendig¬ 
keit und Möglichkeit der großzügigen Komposition 
beraubt, droht er das Beste seines Fachkönnens: die 
ornamentale Phantasie, das Gefühl für Flächen - 
rhythmus einzubüßen. Mit welchem Geschick, mit 
welcher Gewandheit und welcher Sicherheit haben 
die alten Buchbindermeister aus ihren wenigen, 
kleinen Stempeln die herrlichsten Kunstwerke er¬ 
sonnen, wie überraschend ist immer wieder, was 
sie aus ihrem Ziermaterial zu gestalten verstanden, 
und wie bedrückend ist der Gedanke, daß diese Fähig¬ 
keit täglich mehr zu verschwinden droht, verschwin¬ 
den muß. 

Die Leistungsfähigkeit der Handbinder wird erst 
wieder steigen, wenn wirkliche und bewährte Künstler 
ihnen dekorative Stempelformen schaffen. Die Gra¬ 
vieranstalten werden schließlich vor der Notwendig¬ 
keit stehen, die den Gießereien so reiche Früchte 
eingetragen hat, sich vom Fachzeichner freizumachen 
und den Künstler heranzuziehen — sonst bleiben 
wie seither ihre Leistungen unzulänglich. Und dem 
Buchbinder wird man nur Aufträge anvertrauen kön¬ 
nen, wenn er den Entwurf eines andern, geschmack¬ 
lich Vorgeschrittenen ausführt. Das aber ist der wirt¬ 
schaftliche Ansporn, der auch hier über das Behar¬ 
rungsvermögen des Fachmenschen obsiegen dürfte. 

Als einzige Hoffnung bleiben die jungen Leute, die 
eben auf einzelnen, gut geleiteten Kunstgewerbe¬ 
schulen abgerichtet werden. Ihr eigentliches Vor¬ 
bild ist England. England, das heute allein muster¬ 
gültige Bucheinbände aufzuweisen hat. England, 
das mit ornamentalen, kleinen Stempeln auf eine 
ganz moderne Art und mit herrlicher Phantasie 
Buchdekorationen hervorbrachte. Diese englischen 
Arbeiten — ein Nachhall zittert auch durch die 
Leistungen der Wiener Werkstätte — zeigen den 
Weg, den wir vielleicht noch erfolgreicher und selb¬ 
ständiger gehen können, wenn wir erst die Schlacken 
der Irrtümer abgestreift haben. So lange aber werden 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die reichen Amerikaner in London ihre Bücherschätze 
binden lassen, so lange steht der geschmackvolle 
deutsche Bibliophilevorder peinlichen Wahlzwischen 
dem künstlerischen Verlegereinband und dem zweifel¬ 
haften Kunstbuchbinderwerk. So lange auch werden 
ihre Klagen nicht verstummen können, wird ihr Rin¬ 
gen mit der Großbinderei eine stete soziale Mahnung 
für jeden wahren Kunstfreund bleiben. 

IV. Die Form ein Niederschlag der Zeitanforderungen. 

In jedem Punkte des Verlaufes, den die Entwick¬ 
lung der modernen Buchausstattung nehmen mußte, 
ließ sich die wirtschaftliche Perspektive aufzeigen. 
Das gebieterische Verlangen des Marktes setzt Hirne 
und Hände in Bewegung. Ja, man möchte geradezu 
von einer tieferen Gesetzlichkeit reden — auch bei 
den kleinsten Teilen, für die der Nachweis im einzel¬ 
nen nicht erbracht zu werden brauchte. Der bedäch¬ 
tige Geschäftsmann pflegt sich nicht an willkürliche 
Neuerungsversuche zu verplempern. Überflüssige 
Wagnisse zu suchen, ist nicht eben seine Sache. Im 
Gegenteil, er wird wohl immer auf Stetigkeit der 
Produktion dringen. Und hat er eine brauchbare 
Form gefunden, so wäre er leichtsinnig, sie ohne 
Notwendigkeit aufzugeben. 

Sein Ideal wäre es wohl, ihr eine dauernde Ab¬ 
satzfähigkeit zu erhalten. Ein unerreichbares Ideal. 
Denn das Verlangen der Abnehmer unterliegt Schwan¬ 
kungen, die durch bessere Einsicht oder wechselnde 
Moden bedingt sind. Schwankungen, die im Bereich 
der Bücherkäufer aus Übersättigung mit dem unzu¬ 
länglichen Typus, aus der klaren Erkenntnis der Ge¬ 
ringwertigkeit, geschmacklicher Verfeinerung und 
erhöhten Anforderungen zu erklären sind. Überdies 
peitschen Technik und künstlerischer Gestaltergeist 
rastlos zu neuen Anstrengungen auf. Der Wett¬ 
bewerb läßt das kaum Vorstellbare in Wirklichkeit 
erstehen. Stillstand kann es nun einmal nicht geben 
und der Fortschritt zwingt sich durch gegen die Be¬ 
häbigen und Beharrlichen, die mitmüssen, mitver¬ 
dienen müssen. 

Gerade diejenigen, die sich mit der Herstellung 
und dem Vertrieb von Büchern befassen, brauchten 
nur historisch zu denken, um zu wissen, wie sehr 
die Ansprüche mit der Ausbreitung gewachsen sind. 
Immer war die äußere Form der Druckwerke ein Nie¬ 
derschlag der Anforderungen, die die Leser zu stellen 
vermochten. Es ist richtig, daß der künstlerische Geist 
stets einmal die Anregung gegeben, daß die Gestal¬ 
tung seiner Phantasie und Lust frei zu sein pflegt von 


jeglicher Rücksichtnahme auf den Marktbegehr. Er 
kennt nur die eine Absicht, ein Buch zu bereiten, 
schön und adelig, wie er es sich in einer glücklichen 
Stunde vorzustellen vermochte. Aber es ist keines¬ 
wegs notwendig, daß ein solches Werk aus der Sphäre 
der Liebhaberei in den Bereich des Warenumsatzes 
gelangt. Erst wenn der Handel ein Bedürfnis danach 
verspürt, wenn das wirtschaftliche Verlangen merk¬ 
bar geworden, tritt die neue Form entscheidend in 
den Entwicklungsgang ein. Und eine Geschichte der 
Bücherliebhaberei ist recht eigentlich eine Chronik 
der Opfer, die begeisterte Menschen der Druckerkunst 
darbrachten. 

Heute in der Zeit der Massenwerte, der Massen¬ 
erscheinungen und der Massenmenschen hat hier der 
Schwerpunkt eine Verschiebung erfahren. Breitere 
und tiefer stehende Volksschichten beherrschen und 
bestimmen das Getriebe. So ist die Ausstattungs¬ 
weise mehr als Synthese eines sozialen Verlangens 
zu bewerten. Doch diese Liebe zum Buch, wenn 
sie sich auch nicht so glanzvoll entfalten kann, ist 
nicht geringer. Die Kleinigkeiten, die sie für eine 
würdevolle Ausstattung aufzubringen bereit sind, sind 
höher einzuschätzen als die Mäzenatengaben des 
Überflusses. Der leidenschaftlichen Freude am In¬ 
halt, nicht am Äußerlichen muß alle Liebe zum 
schönen Buch entquellen — so sie nicht entarten soll 
zur kunstgewerblichen Tändelei. 

Vom Inhalt aus besehen, erkennt man schnell 
die Notwendigkeit, jeder Büchergattung und jedem 
Werk eine andre, die allein angemessene Form zu 
geben. Jede Publikation stellt Voraussetzungen an 
ihre Leser. Sie verlangt ein bestimmtes Vorwissen, 
einen bestimmten Geschmacks- oder Bildungsgrad. 
Wie der Dichter, der sich an den Arbeiter wendet, 
eine andre Sprache reden wird als der plaudernde 
Unterhalter der eleganten Gesellschaft, so könnte 
man in der Ausstattung eine Uniform erblicken, die 
auf den erwarteten Leser zugeschnitten ist. Aus der 
Hand, die nach ihr greift, wäre sie zu verstehen. 
Immer dann wird sie vorzüglich sein — sowohl als 
bibliophile Luxusausgabe wie als billiges Volksbüch¬ 
lein —, wenn der Besitzer, der die Ausführungen des 
Verfassers schätzt, sich ihrer freut, solange er das 
Werk überhaupt als Wert betrachten kann. 

Das Buch ist eine Zeiterscheinung. Form wie In¬ 
haltunterliegen den kulturellen und geschmacklichen 
Wandlungen. Den Erfolg wird immer der davon¬ 
tragen, der seiner Zeit zu genügen , ihr voranzu¬ 
schreiten versteht. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Süddeutsche Universitätsbibliotheken 

Von PAUL MARTELL, Charlottenburg 
II. 


k ommen nunmehr zur Besprechung 
| / | von Bibliotheken zweier nachfolgenden 

l j Universitäten, die ihrer geographischen 

Lage nach mehr als mitteldeutsche 
denn als süddeutsche Universitäten zu bezeichnen 
sind, die wir jedoch aus technischen Gründen der 
Raumeinteilung hier anschließen müssen. Es handelt 
sich um die beiden Universitäten Göttingen und 
Münster. 

Die Universität Göttingen, die unter den deutschen 
Universitäten einen weithin geachteten Namen ge¬ 
nießt, ist mit ihrem Gründungsjahr 1733 eine der 
jüngeren deutschen Universitäten. Die Gründung der 
Göttinger Universitätsbibliothek ist in das Jahr 1735 
zu setzen. Als Grundstock dienten Schenkungen und 
zwar stifteten die Erben des Freiherrn Joach. Heinr. 
von Bülow dessen stattliche 8912 Bände zählende 
Bibliothek, welche mit der kleinen ehemaligen Biblio¬ 
thek des Gymnasiums zu Göttingen vereinigt wurde. 
Diese alte Gymnasialbibliothek zählte 708 Bände. 
Zur selben Zeit erhielt die Göttinger Universitäts¬ 
bibliothek 2154 Dubletten aus der Königlichen Biblio¬ 
thek zu Hannover. Außerdem wurde bei der Gründung 
der Universitätsbibliothek 500 Reichstaler zum An¬ 
kauf neuer Bücher verwendet. Im Jahre 1769 folgte 
die Schenkung einer wertvollen Bibliothek des Haupt¬ 
manns Joh. Friedr. v. Uffenbach. Die Bibliothek ent¬ 
hielt vornehmlich Werke aus dem Gebiete der Physik, 
Mathematik, Malerei, Architektur und besonders 
Kriegswissenschaft. Das Jahr 1773 brachte als Stif¬ 
tung die wertvolle Büchersammlung des Geheimen 
Justizrats Geo. Chr. Gebauer, der eine seltene 
Sammlung altdeutscher Gedichte und Gesangbücher 
zusammengebracht hatte. Von noch größerer Be¬ 
deutung war der 1782 erfolgte Ankauf einer Sammlung 
alter Druckwerke vom Jahre 1457—1516, die im Be¬ 
sitz des Hofrats F. W. von Duve waren. Es befanden 
sich hierunter viele alte Ausgaben der griechischen 
und römischen Klassiker. Ein großer Förderer der 
Göttinger Bibliothek wurde der Freiherr Georg von 
Asch, russisch-kaiserlicher Staatsrat und General¬ 
stabsarzt der kaiserlichen Armee. Freiherr von Asch 
machte der Göttinger Universität in der Zeit von 
1772—1806 ständig Bücherschenkungen. So schenkte 
er Korane und arabische Bücher, die 1774 von den 
Russen im Kriege mit den Türken erbeutet wurden. 
Daneben folgte eine größere Anzahl türkischer und 
persischer Manuskripte und russischer Landkarten, 
wie überhaupt Russica den Hauptteil der Geschenke 
ausmachten. Bereicherungen stellten auch die Er¬ 
werbungen der Handschriften des Professors Joh. 
Dav. Köhlers und die Meibomschen medizinischen 


Manuskripte dar, welche 1782 nach Göttingen kamen. 
Das Jahr 1823 brachte die medizinische Bibliothek 
des Professors Fr.Benj. Osiander, die besonders auf 
dem geburtshilflichen Gebiete wertvolle Schätze ent¬ 
hielt. Im Jahre 1842 fiel der Göttinger Bibliothek 
der größte Teil der Büchersammlung des Professors 
der Philosophie Arnold Heeren zu, der als Ge¬ 
schichtschreiber einen bedeutenden Ruf genoß. 
Eine größere Überweisung erhielt Göttingen in den 
Jahren 1891—1892 von der preußischen Regierung 
aus derstaatlicherseits angekauften ehemaligen Fürst¬ 
lich Starhembergschen Bibliothek zu Efferdingen. 
Der Hauptteil dieser Bibliothek befindet sich im Be¬ 
sitz der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Die in der 
napoleonischen Zeit aus Anlaß der Errichtung des 
Königreichs Westfalen nach Göttingen gekommenen 
zahlreichen Werke aus Gandersheim, Riddagshausen, 
Hildesheim, Helmstedt, Braunschweig usw. sind mit 
wenigen Ausnahmen 1814—1829 ihren früheren Her¬ 
kunftsorten wieder zurückgegeben worden. 

Unter den Einverleibungen größerer öffentlicher 
Büchersammlungen mit der GöttingerBibliothek seien 
folgende hervorgehoben. Zuerst ist hier die 1791 er¬ 
folgte Zuführung der Bibliothek der Göttinger Deut¬ 
schen Gesellschaft zu erwähnen, 1831 folgte die wert¬ 
volle Sammlung des Alexanderstiftes in Einbeck; eine 
wertvolle Bereicherung stellte auch die teilweise Ein¬ 
verleibung der Bibliothek der ehemaligen Ritteraka¬ 
demie Kloster St. Michaelis zu Lüneburg dar, in 
welcher Sammlung besonders seltene Handschriften 
enthalten waren. Hier wären auch die historisch 
wertvollen Akten des Spruchkollegiums der juristi¬ 
schen Fakultät Göttingen zu nennen, in den Jahren 
1878 und 1891 der Universitätsbibliothek überwiesen. 
Die Handschriftensammlung der Göttinger Universi¬ 
tätsbibliothek hat eine über den Durchschnitt gehende 
Bedeutung. Mit der älteste Bestandteil ist die aus 
dem Jahre 1791 stammende Handschriftensammlung 
des Göttinger Theologie-Professors Joh. Dav. Michae¬ 
lis; aus der neueren Zeit sind die wertvollen kopti¬ 
schen Handschriften des Forschungsreisenden 
H. Brugsch zu erwähnen, 1877 nach Göttingen ge¬ 
kommen; ähnlich bedeutend waren die 1887 und 
1892 in den Besitz der GöttingerBibliothek gelangten 
Sanskrit-und persischen Handschriften des Professors 
Kielhorn. Übrigens zählt die Göttinger Bibliothek 
eine große Reihe handschriftlicher Nachlässe be¬ 
rühmter Göttinger Gelehrter in ihrem Besitz. Es 
seien hier nur Namen, wie G. Achenwall, K. Fr. Her¬ 
mann, Chr. G. Heyne, Chr. Meiners, J.St.Pütter der 
Göttinger Chronist und andre genannt. Aus den 
Überweisungen von handschriftlichen Nachlässen der 

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neueren Zeit seien hervorgehoben: 1902 Nachlaß von 
Theod. Wüstenfeld, Rudolf Wagner, Paul de Lagarde; 
1903 Heinrich Ewald, Julius Plücker und Karl 
Dziatzko, dem verdienstvollen Bibliothekar. Das 
Jahr 1906 brachte eine wertvolle Siegel- und genea¬ 
logische Sammlung des ehemaligen Universitätsrates 
Theod. Wolf, ferner den wissenschaftlichen Nachlaß 
von Herrn. Ferdinand Reuter, sowie kostbare Mah- 
abharata-Handschriften. Im vergangenen Jahr 1907 
wurden der Göttinger Bibliothek aus dem Nachlaß 
von C.Dilthey eine Sammlung Göttinger Gelehrten¬ 
briefe übergeben. 

Die Göttinger Bibliothek ist überaus reich an 
seltenen Werken. Besonders ist das Gebiet der eng¬ 
lischen Geschichte mit einer so großen Anzahl alter, 
kostbarer Werke vertreten, wie es in dieser Form 
nicht zum zweitenmal in Deutschland anzutreffen 
ist. Es hängt dies mit der ehemals engen politischen 
Zusammengehörigkeit Hannovers mit England zu¬ 
sammen. So sind hier zu nennen 102 Foliobände, 
enthaltend als Manuskript das Journal of the House 
of the Lords, überaus kostbar, ferner das gedruckte 
Journal of the House of Commons. Zahlreiche eng¬ 
lische Gelehrte, wie Pringle,Coltee Ducarell,Snelling, 
Ritter Sloane machten der Göttinger Bibliothek zu 
jener Zeit wertvolle Bücherschenkungen. Daneben 
ist besonders das Gebiet der Naturwissenschaft in 
Göttingen hervorragend vertreten. Kostbar ist hier 
ein alter Herbarius vivus, 50 Bände stark, von dem 
Leibmedikus von Hugo stammend. Unter den geo¬ 
graphischen Werken nimmt eine aus dem 18. Jahr¬ 
hundert stammende Landkartensammlung von 53 Bän¬ 
den die erste Stellung ein. Zu erwähnen ist hier 
auch eine über 1200 Nummern zählende Deduktionen- 
Sammlung, welche 1744 von dem Kammergerichts- 
Assessor v. Ludolff angekauft wurde. Bemerkens¬ 
wert ist auch eine 503 Bände starke Sammlung von 
Leichenpredigten auf Adlige; ebenso eine 1018 
kleinere Schriften umfassende Sammlung französi¬ 
scher Geschichte, besonders über den Kardinal Ma- 
zarin handelnd. Kostbar sind auch 57 Oktavbände 
Streitschriften der Jansenisten. Von hohem Wert ist 
auch eine 22 Bände starke Aktensammlung des Vig- 
lius Zuichemus, der unter Kaiser KarlV. hoher Rat 
zu Brüssel war. Diese Reihe kostbarer Bücher ließe 
sich noch weit fortsetzen. Zu bemerken ist noch, daß 
die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu 
Göttingen sämtliche bei ihr eingehenden Druck¬ 
schriften der Göttinger Universitätsbibliothek über¬ 
weist. Pflichtlieferungen wurden für die Bibliothek 
bereits einmal im Jahre 1735 angeordnet; im Jahre 
1828 wurde diese Verpflichtung für die Drucker und 
Verleger der Provinz Hannover erneuert. Das 
Göttinger Bibliotheksgebäude, nach dem Magazin¬ 
system eingerichtet, wurde zum großen Teil in den 
Jahren 1878—1883 neu erbaut. 


Ende des Jahres 1907 betrug der Bücherbestand 
der Universitätsbibliothek zu Göttingen 536008 
Druckwerke und etwa 6370 Handschriften. Göttingen 
ist weiter in dem glücklichen Besitz von mehr als 
5000 Inkunabeln. Zu erwähnen sind noch mehr als 
16000 Landkarten. Schon diese außergewöhnlichen 
Ziffern bekunden die hervorragende Stellung der 
Göttinger Bibliothek unter den deutschen Univer¬ 
sitätsbibliotheken. Der jährliche Vermehrungsetat 
hat die stattliche Höhe von 52310 Mark. 

Wir kommen nunmehr zur Besprechung der König¬ 
lichen Universitätsbibliothek zu Münster, die unter 
den deutschen Universitätsbibliotheken die kleinste 
ist. Die Gründung der Bibliothek fiel annähernd mit 
der Errichtung der Universität Münster am 16. April 
1780 zusammen. Als Stammbibliothek diente die 
etwa um 1588 begründete Jesuitenbibliothek zu 
Münster, die einen stattlichen Umfang erreicht hatte 
und die ältere Dombibliothek zu Münster an Bände¬ 
zahl weit übertraf. Als das päpstliche Breve vom 
21. Juli 1773 den Jesuitenorden aufhob, wurde die 
etwa 6000 Bände starke Bibliothek des Ordens freies 
Gut, das man zuerst dem Gymnasium zu Münster 
überwies, von wo aus die Bibliothek dann der neu 
errichteten Universität übergeben wurde. Die so ge¬ 
gründete Universitätsbibliothek zu Münster führte zu 
jener Zeit den Namen Paulinische Bibliothek. Als 
erste größere Stiftung fiel der Paulinischen Bibliothek 
die 3952 Bände starke Büchersammlung des Dom¬ 
dechanten Franz Egon v. Fürstenberg zu; es handelte 
sich um eine alte westfälische Familienbibliothek. Im 
Juli 1793 ließ die kurfürstliche Regierung zu Bonn 
die wertvolle Büchersammlung des verstorbenen 
Generalvikariats-Administrators v. Tantphoeus für 
die Universität Münster zum Preise von 3650 Reichs¬ 
talern ankaufen. Die Tantphoeus-Bibliothek zählte 
etwas über 3000 Bände. Durch den am 9. Februar 
1801 zu Luneville geschlossenen Frieden fiel ein Teil 
des Münsterlandes mit der Stadt Münster an Preußen. 
Die bald darauf erfolgten Aufhebungen von Klöstern 
und Stiftungen führten zu manchen Bereicherungen 
der Universitätsbibliothek Münster. So erhielt die 
Münster-Bibliothek im Mai 1804 aus der aufge¬ 
hobenen Prämonstratenser-Abtei Kappenberg 265 
Bände, im selben Jahre trafen in Münster ferner ein 
aus der Benediktiner-Abtei Liesborn 148 Werke nebst 
sämtlichen 129 Handschriften. Im Jahre 1807 folgte 
eine größere Auswahl aus der Klosterbibliothek der 
Zisterzienser-Abtei Marienfeld, sowie deren sämtliche 
Handschriften. Das Jahr 1805 brachte die sehr wert¬ 
volle Erwerbung von 865 Werken nebst allen Hand¬ 
schriften aus der alten Klosterbibliothek zu Werden. 
Im August 1805 erhielt Münster eine Auswahl aus 
der Bibliothek des Augustiner-Klosters Böddeken. 
Viele dieser Zuweisungen waren im wesentlichen der 
Bereitwilligkeit des preußischen Ministers Freiherrn 

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Bibliothek der Artistenfakultät. Für letztere wurde im 
Jahre 1396 aus der Hinterlassenschaft des ersten 
Kanzlers der alten Ruperta, des Dompropstes zu 
Worms, Konrad v. Geyinhausen, dessen 168 Bände 
starke Bibliothek angekauft. Diese Bibliothek enthielt 
84 theologische, 51 juristische, 28 naturwissenschaft¬ 
liche und 5 Werke über Logik. Dasselbe Jahr 1396 
brachte noch ein größeres Vermächtnis, das des 
ersten Rektors Marsilius v. Inghen. Diese Bibliothek 
bestand aus 221 Werken, davon waren 76 theolo¬ 
gische, 11 juristische, 7 medizinische,6 metaphysische, 
30 über Ethik, 33 naturwissenschaftliche, 29 mathe¬ 
matische, 18 über Logik und 11 grammatische Schrif¬ 
ten. Von einzelnen Werken seien genannt Ovids 
Metamorphosen, Senecas Briefe, dieBriefe von Peter 
de Vineis u.a. Naturgemäß handelt es sich bei allen 
diesen Bibliotheken der Zeit nach ausschließlich um 
Handschriften. So verfügte die Heidelberger Univer¬ 
sität damals über zwei Bibliotheken. Noch vor dem 
Ende des 14. Jahrhunderts fielen der Heidelberger 
Bibliothek zwei weitere Hinterlassenschaften von 
Büchern zu. Es waren dies die Bibliotheken des 
M. Gerhard Emelissa und des Kantors der St. Pauls¬ 
kirche zu Worms, M. Colinus. Letzterer war auch ein 
Mitstifter des Dionysianums zu Heidelberg, einer 
Herberge für arme Schüler. Die Bibliothek des Co¬ 
linus, der auch ein Neffe des schon erwähnten Kanz¬ 
lers v. Geyinhausen war, bestand vorherrschend aus 
juristischen Büchern. Im Jahre 1410 erhielt die 
Universität als Schenkung die Büchersammlung des 
Bischofs von Worms, Matthäus von Cracow, etwa 
90 hauptsächlich theologische Werke. Im Jahre 1417 
folgte die 91 Bände starke Büchersammlung des Jo¬ 
hannes Muntzinger, sowie die kleine Sammlung von 
17 juristischen Werken des Heidelberger Universitäts¬ 
rektors Noyt. Um dieselbe Zeit fielen der Universität 
weitere Schenkungen, insgesammt etwa 700 Bücher 
zu, von Heinrich von Gouda, Nicolaus Prowin und 
Walther Store. Durch die Vertreibung der Juden im 
Jahre 1391 aus Heidelberg fielen der Universitäts¬ 
bibliothek eine große Anzahl hebräischer Bücher zu, 
die jedoch bis auf einen Talmud sämtlich verkauft 
wurden. In diesen frühen Jahrhunderten hatte die 
Heidelberger Bibliothek keine ständigen Bibliothe¬ 
kare. Diese wurden vielmehr stets für ein Jahr aus 
dem Professorenkreise gewählt. Erst gegen Ende 
des 16. Jahrhunderts treten ständige Bibliothekare 
mit Besoldung auf. 

Zu den beiden bereits erwähnten Bibliotheken der 
Universität Heidelberg gesellte sich im 15. Jahrhun¬ 
dert noch eine dritte, die Stiftsbibliothek, welche sich 
im Chor der Heiligen Geistkirche zu Heidelberg 
befand. Der Grund zur Stiftsbibliothek wurde 1419 
durch ein Büchervermächtnis des Professors der 
Medizin Wilhelm Teustal gelegt, worauf später der 
Kurfürst Ludwig III. durch sein Testament vom 


24. März 1436 die Stiftsbibliothek durch eine Bücher¬ 
stiftungerheblich erweiterte. Die kurfürstliche Samm¬ 
lung bestand aus 152 wertvollen Handschriften. Den 
Hauptbestandteil bildeten 89 theologische und 45 me¬ 
dizinische Handschriften. Einen großen Teil hiervon 
hatte der Kurfürst auf seinem Schloß abschreiben 
lassen. Einen größeren Zuwachs erhielt die mit der 
Universitätsbibliothek vereinigte Stiftsbibliothek in 
den Jahren 1479—1488 von dem Rektor der Univer¬ 
sität Heidelberg Dr. Andreas Pfot von Brambach, der 
bis Ende des 15. Jahrhunderts etwa 28 Handschriften 
stiftete. Alle drei Heidelberger Universitätsbiblio¬ 
theken hatten bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhun¬ 
derts einen Bücherbestand von 924 Bänden, für die 
damalige Zeit recht beträchtlich. Wir müssen nun 
einer vierten Heidelberger Bibliothek Erwähnung 
tun, der Kurfürstlichen Bibliothek, da diese später im 
weiteren geschichtlichen Verlauf in der Heidelberger 
Universitätsbibliothek gewissermaßen aufging. Die 
Kurfürstliche Bibliothek war eine Gründung des Kur¬ 
fürsten Philipp, der hierzu 1482 von dem berühmten 
Gelehrten Rudolf Agricola angeregt worden war. Seit 
1497 erhielt diese Bibliothek in Joh. Reuchlin einen 
hervorragenden Förderer, der in Italien den Ankauf 
wertvoller griechischer und lateinischer Werke ver¬ 
mittelte. Bereichert wurde die Kurfürstliche Biblio¬ 
thek durch die kostbare Büchersammlung des Johann 
von Dalberg, Bischofs zu Worms, der gleichfalls auf 
Anregung Agricolas eine große Bibliothek angelegt 
hatte. Die Dalbergsche Bibliothek befand sich auf 
dem Schlosse Ladenburg, eine Meile von Heidelberg, 
wo auch die alten Handschriften der Abtei Lorsch 
Unterkunft gefunden hatten. Noch unter der Regie¬ 
rung des Kurfürsten Philipp fiel der Kurfürstlichen 
Bibliothek etwa um 1486 die Bibliothek des Pfalz¬ 
grafen Johann von der Mosbachischen Linie, der 
Domprobst zu Augsburg war, durch Erbschaft zu. 
Der Nachfolger Philipps, Kurfürst Ludwig V. (1508 
bis 1544) förderte die Kurfürstliche Bibliothek haupt¬ 
sächlich durch den Erwerb medizinischer Bücher. 
Ludwigs Nachfolger, Friedrich II. (1544 —1556) ver¬ 
mehrte die Bibliothek durch den Ankauf einiger deut¬ 
scher Handschriften; auch ließ Friedrich II. im Jahre 
1550 für die Bibliothek einen großen runden Turm 
an der Ostseite des kurfürstlichen Schlosses auf dem 
Jettenbühel erbauen. Wohl die großartigste Förde¬ 
rung erhielt die Kurfürstliche Bibliothek durch den 
Kurfürsten Otto Heinrich den Großmütigen, der schon 
als Jüngling auf einer Reise nach Palästina zahlreiche 
griechische und orientalische Handschriften ange¬ 
kauft hatte. So erwarb er das erste nach Europa ge¬ 
kommene Exemplar von Abulfedas geographischem 
Werk für 1000 Taler. Mit Otto Heinrich, 1556 zur 
Regierung gekommen, beginnt die protestantische 
Zeit der Heidelberger Universität. Otto Heinrich 
sandte den berühmten Nik. Cisner nach Italien und 


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Frankreich, der dort wertvolle Bücherankäufe ab¬ 
schloß; auch vereinigte der Kurfürst die Bibliotheken 
der aufgehobenen pfälzischen Klöster mit der sei- 
nigen. Unter ihm trat dann auch die Vereinigung der 
Kurfürstlichen Bibliothek mit der Stiftsbibliothek ein, 
wodurch der unmittelbare Zusammenhang mit der Hei¬ 
delberger Universitätsbibliothek hergestellt wurde. 
Der Name Stiftsbibliothek hörte jetzt auf, und die Kur¬ 
fürstliche Bibliothek oder Bibliotheca Palatina trat an 
deren Stelle. Im Jahre 1584 erhielt die nunmehrige 
Bibliotheca Palatina eine großartige Spende. Ulrich 
Fugger, Freiherr zu Kirchberg und Weißenborn, 
schenkte der Heidelberger Bibliothek seine umfang¬ 
reiche Büchersammlung, darunter über 1000 Manu¬ 
skripte. Unter den folgenden badischen Kurfürsten 
zeichnete sich besonders Friedrich IV. (1592—1610) 
als Förderer der Heidelberger Bibliothek aus. Fried¬ 
rich IV. bevorzugte die vaterländische Literatur und 
kaufte u. a. folgende Werke an: Hugo von Trimbergs 
Renner, einen seltenen Sachsenspiegel, die berühmte 
Handschrift der Manesseschen Sammlung von den 
Minnesängern. Letztere stammte aus der Hinter¬ 
lassenschaft von Hans Phil, von Hohensax. Derselbe 
Kurfürst veranlaßte auch 1601 die Überführung der 
weltberühmten Bibliothek des alten Klosters Spon¬ 
heim nach Heidelberg. Nach Bekundungen des Abtes 
Trithemius enthielt dieseKlosterbibliothek die selten- 
stenBücher in hebräischer,griechischer,chaldäischer, 
arabischer, indischer, russischer und tatarischer 
Sprache. Die Klosterbibliothek Sponheim befand sich 
vor ihrer Überführung in Kreuznach, wohin sie vor 
dem bayrischen Kriege geflüchtet war. Im Jahre 1615 
wurde die Heidelberger Bibliothek durch den teil¬ 
weisen Ankauf der Straßburger Büchersammlung des 
Jak. Bongarsius bereichert. Der andere Teil dieser 
Sammlung gelangte nach Bern. Die Heidelberger 
Bibliothek hatte sich bis zu dieser Zeit zu einer der 
bedeutendsten Bibliotheken Deutschlands von Welt¬ 
ruf entwickelt, als der Dreißigjährige Krieg mit allen 
seinen verderblichen Folgen begann. Wie so vielem, 
sollte dieser Religionskrieg auch der Heidelberger 
Bibliothek zum Verderb gereichen. Im Jahre 1622 
zog Tillys Kriegsheer vor das protestantische Heidel¬ 
berg, um es im Sturm zu nehmen und vier Tage lang 
schrecklicher Plünderung auszusetzen. War der Teil 
der Bücher, der durch die Raubgier der Soldaten 
vernichtet wurde, auch nicht sehr bedeutend, so war 
der Verlust dennoch beklagenswert genug. Schlim¬ 
mer als das, sollten diese Ereignisse bald zu eine¬ 
namenlosen Katastrophe führen. Der bayrische Herr 
zog Maximilian I. erstrebte die Kurwürde, die ihm 
auch auf die kräftige Fürsprache von Rom aus von 
dem Kaiser Ferdinand II. verliehen wurde. Der päpst¬ 
liche Nuntius Karl Caraffa, der gerade bei der Ver¬ 
leihung der Kurwürde an Maximilian in Regensburg 
anwesend war, benutzte die Gunst der Gelegenheit 


und ließ sich für die vatikanische Unterstützung die 
von Maximilian eroberte Heidelberger Bibliothek als 
Preis versprechen. Der bayrische Herzog sagte zu 
und als er 1623 in feierlicher Form mit Kurhut und 
Mantel bekleidet wurde, ließ der Papst die Hinweg¬ 
führung der alten, weltberühmten Palatina einleiten. 
Leo Allatius, ein Grieche von Geburt, Kustos der 
Vatikanischen Bibliothek zu Rom, eilte als päpstlicher 
Kommissar nach Heidelberg, um die Bibliothek nach 
Rom zu entführen. Eine endlose Karawane von Maul¬ 
eseln, bepackt mit den kostbaren Bücherschätzen, 
trat bald darauf den Weg über die Gebirge nach Rom 
an. Fast alle Manuskripte, und zwar 431 griechische, 
1956 lateinische, 289 arabische, syrische und hebrä¬ 
ische, sowie 851 deutsche wurden nach Rom geschafft. 
In der Bibliothek des Vatikans zu Rom füllten diese 
Schätze 30 Schränke. Nahezu zwei Jahrhunderte soll¬ 
ten vergehen, bis ein Teil der Schätze wieder nach 
Deutschland zurückgelangte. 

Kurfürst Karl Ludwig von Baden, der die Uni¬ 
versität Heidelberg wieder in glänzender Weise 1652 
herstellte, war nunmehr zur Gründung einer neuen 
Universitätsbibliothek gezwungen. Wenige Hand¬ 
schriften, die sich zur Zeit der Beraubung in Privat¬ 
händen befanden, sowie einige Reste von Druckwerken 
bildeten den neuen Grundstock. Hinzutraten zwei 
Bibliotheken der beiden pfälzischen Geschichts¬ 
forscher Dav. Parens und Marq. Freher. Die Ver¬ 
suche des gelehrten Ezech. Spanheim, vom römischen 
Hofe dieBibliotheca Palatina zurückzuerlangen, schei¬ 
terten. Zum zweitenmal sollte die Heidelberger 
Bibliothek von einem argen Mißgeschick betroffen 
werden. Bei dem großen Brande 1693 in Heidel¬ 
berg wurde die Universitätsbibliothek ein Raub der 
Flammen. So kam es denn im Anfänge des 18. Jahr¬ 
hunderts zu einer nochmaligen Gründung der Heidel¬ 
berger Universitätsbibliothek. Kurfürst Johann Wil¬ 
helm von Baden legte den Grund dazu; der Fürst 
ließ die großeBüchersammlungdes 1703verstorbenen 
berühmten Humanisten J.G.Grävius für 6000 Reichs¬ 
taler ankaufen. Diese Bibliothek umfaßte 4039 Werke. 
Die neue Heidelberger Universitätsbibliothek erfuhr 
nun abermals planmäßigen Ausbau. So wurde sie 
bald durch den Zuwachs der Bibliothek der von 
Benno Haurisius 1734 gestifteten historisch-litera¬ 
rischen Gesellschaft, nach Auflösung derselben, be¬ 
reichert. Im Jahre 1760 ließ der KurfürstKarlTheodor 
zahlreiche Dubletten aus der Hofbibliothek in Mann¬ 
heim nach Heidelberg bringen. Ferner wurden die 
Bibliotheken der Exjesuiten Fr. X. Holl (gest. 1784) 
und Joseph Kleiner (gest. 1786) angekauft. Beim 
400 jährigen Jubelfeste der Universität Heidelberg im 
Jahre 1786 erfolgten für die Bibliothek zahlreiche 
Bücherspenden. Solche wurden gegeben von den 
Städten Speier, Worms, Frankfurt a. M., Heilbronn, 
sowie von der Universität zu Basel. Der Bücher- 


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bestand zeigte um diese Zeit etwa 18000 Bände. Das 
Jahr 1795 brachte durch Vermächtnis die bedeutende 
Bibliothek des Professors Joh. Schwab. 

Die französische Revolution, welche für das euro¬ 
päische Staatenwesen von so einschneidender Bedeu¬ 
tung durch Staatenneubildungen werden sollte, drohte 
vorübergehend für Heidelberg unheilvoll zu werden. 
Der Verlust der linksrheinischen Pfalz entzog der 
Heidelberger Universität ihren Unterhalt an Gefällen, 
so daß eine Auflösung der Universität nahe war. 
Kurfürst Karl Friedrich von Baden, der im Jahre 1803 
durch Reichsdeputationshauptschluß die rechtsrhei¬ 
nische Pfalz erhalten hatte, unterstützte nunmehr 
Heidelberg und begründete 1804 die Universität als 
Hohe Landesschule neu. Zur Erinnerung an ihren 
Stifter führte die Universität nunmehr den Namen 
Ruperto-Carola. Bei dieser Gelegenheit erfolgte die 
Vereinigung der Bibliothek der staatswirtschaftlichen 
Hohenschule, etwa 9145 Bände, mit der Universitäts¬ 
bibliothek. Eine wertvolle Bereicherung stellten auch 
die alten Bibliotheken der aufgehobenen Klöster 
Schwarzach, Allerheiligen und Lichtenthal dar, deren 
Bücherschätze nach Heidelberg geschafft wurden. Es 
waren dies zusammen etwa 3112 Bände, besonders 
wertvoll waren die Handschriften desKlosters Schwarz¬ 
ach. Im Jahre 1809 gingen etwa 3000 Bände des 
Professors Matth. Kübel durch Vermächtnis in den 
Besitz der Heidelberger Bibliothek über. Ein Jahr 
später, 1810 folgte die große fürstbischöfliche Biblio¬ 
thek zu Bruchsal, der sich eine große Zahl von 
Werken, etwa 870 Bände, aus der ehemaligen Reichs¬ 
prälatur Gengenbach anschloß. In demselben Jahr 
erfolgte auch der Ankauf der bedeutenden medizi¬ 
nischen Büchersammlung des kaiserlich russischen 
Leibarztes Bökler. Insgesamt zählte die Heidelberger 
Universitätsbibliothek um das Jahr 1814 über 45000 
Bände. Der Zusammenbruch der napoleonischen 
Herrschaft sollte auch für die Heidelberger Bibliothek 
nicht ohne günstigen Einfluß bleiben. Nach Paris 
hatte der einst siegreiche französische Imperator alle 
Kunstgegenstände und kostbaren Bücher schleppen 
lassen, soweit sie ihm als Sieger erreichbar waren. 
Auch die Vatikanische Bibliothek zu Rom war in 
diesem Sinne von Napoleon nicht verschont worden 
und so kam es, daß sich 38 pfälzische Handschriften 
der ehemaligen alten Palatina Heidelbergs geraubt 
in Paris befanden. Als daher die verbündeten Heere 
ihren siegreichen Einzug in Paris gehalten hatten, 
war der Zeitpunkt der Sühne und Vergeltung ge¬ 
kommen. Es galt, dem geraubten Europa seine 
Schätze wiederzugeben. Auch die Heidelberger 
Universität entsandte zu diesem Zwecke einen Ver¬ 
treter nach Paris, um die Auslieferung der Pfälzer 
Handschriften zu bewirken. Der Abgeordnete der 
Universität Heidelberg fand bei dem gerade in Paris 
anwesenden badischen Minister von Hacke, sowie 


auch bei dem preußischen Minister v. Humboldt und 
dem österreichischen Minister von Wessenberg die 
weitgehendste Unterstützung. Da die Franzosen er¬ 
klärten, die geraubten Gegenstände freiwillig nicht 
herauszugeben, wurden sie ihnen mit Waffengewalt 
genommen. Da aber auch auf die 38 Handschriften 
der alten Bibliotheca Palatina Rom gleichfalls An¬ 
spruch erhob, wurden sie bis zur Entscheidung bei 
dem preußischen Generalmajor von Müffling nieder¬ 
gelegt. Rom willigte dann in die Auslieferung ein, 
um so mehr, da man sich dort in dem Glauben befand, 
Heidelberg sei eine preußische und nicht badische 
Universität. Heidelberg hielt jetzt auch den Zeitpunkt 
für günstig, die ganze, ehemals entführte Bibliotheca 
Palatina vom Vatikan zurückzufordern. Man ver¬ 
mochte jedoch nur soviel durchzusetzen, daß die 
gesamten altdeutschen Handschriften, etwa 848, sowie 
einige auf die Heidelberger Universitätsgeschichte 
bezüglichen lateinischen Handschriften ausgeliefert 
wurden. Immerhin ein erfreulicher Erfolg. Am 
13. Mai 1816 nahm der Abgeordnete der Universität 
Heidelberg die kostbaren Bücherschätze in Rom in 
Empfang, um sie in sichrer Hut nach Heidelberg zu 
schaffen, wo sie heute den Glanzpunkt der Universi¬ 
tätsbibliothek bilden. Im weiteren geschichtlichen 
Verlauf ist das Jahr 1828 von großer Bedeutung. Es 
gelangte hier die große, 60000 Bände starke Bücher¬ 
sammlung des vormaligen,unmittelbarenReichsstiftes 
Salmannsweiler zum Ankauf. Diese Bibliothek war 
größer als die Heidelberger Universitätsbibliothek 
selbst. Der Bücherbestand belief sich 1828 auf mehr 
als 110000 Bände und etwa 1000 Manuskripte. 

Wertvoll war die Bibliotheksschenkung des 1839 
verstorbenen Dr.G. A.Batt, dessen Büchersammlung 
hauptsächlich pfälzische Geschichte umfaßte. Die 
Bibliothek enthielt auch 98 Handschriften. Im Jahre 
1871 wurde die Bibliothek des 1861 verstorbenen be¬ 
rühmten Historikers Fr.Chr.Schlosser an die Heidel¬ 
berger Bibliothek überwiesen; im Jahre 1867 folgte 
die Bibliothek des Geschichtschreibers Ludwig 
Häußer. Im selben Jahre erhielt die Heidelberger 
Universitätsbibliothek auch die testamentarische 
Schenkung der Büchersammlung des Juristen K. F. 
A.Mittermaier. Eine großartige Schenkung bedeutete 
die Sammlung des 1876 verstorbenen Pfarrers J. G. 
Lehmann in Nußdorf bei Landau. Diese Bibliothek ent¬ 
hielt nicht weniger als 700 Originalurkunden und 
reiche Kollektaneen zur pfälzischen Geschichte. Im 
Jahre 1882 folgte die Bibliothek des Mediziners Nik. 
Friedreich. Wertvolle Bücherschätze brachte eine 
Stiftung des 1885 verstorbenen Londoner Verlags¬ 
buchhändlers Nik.Trübner, der unter anderm auch 140 
Handschriften stiftete. Zu erwähnen sind noch größere 
Schenkungen aus den Bibliotheken des Augenarztes 
Otto Becker und derOrientalisten G.Weil undH.Thor- 
becke. Erwerbungen der neueren Zeit sind folgende. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Im Jahre 1893 wurde die Bibliothek des Rechts¬ 
anwalts Albert Mays einverleibt. Die Bibliothek um¬ 
faßte etwa 900 Bände, die sich hauptsächlich mit der 
Geschichte Heidelbergs und der Pfalz befassen. Im 
Jahre 1899 ging die Bibliothek, etwa 1360 Bände, 
des Professors K. H. Schaible in den Besitz der 
Heidelberger Universitätsbibliothek über. Literarisch 
wertvoll war auch eine 1900 erhaltene größere 
Briefsammlung aus dem Nachlaß von G.G.Gervinus. 
Von größter Bedeutung war jedoch der im Jahre 1897 
vollzogene Erwerb von etwa 1400 kostbaren ägyp¬ 
tischen Papyri. 

• Im Jahre 1903 feierte die Universität Heidelberg 
das Hundertjahrfest ihrer Erneuerung, bei welcher 
Gelegenheit die Universitätsbibliothek einige Ge¬ 
schenke erhielt. So stiftete der Leipziger Verlags¬ 
buchhändler Johannes Hirschfeld 287 Werke, vor¬ 
wiegend juristische Literatur; der Kommerzienrat 
ElwinPätel, Berlin, 336 Bände belletristische Literatur, 
die Leipziger Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner 
Bücher im Werte zu 5000 Mark ihres Verlages und 
der Leipziger Verlagsbuchhändler Georg Thieme 
483 Bände, in der Hauptsache medizinische Literatur. 
Im Jahre 1904 machte der Direktor Friedrich Schott 
in Heidelberg eine wertvolle Schenkung zahlreicher 
Papyri. Das Jahr 1906 brachte eine größere Über¬ 
weisung aus dem Vermächtnis des Professors Eduard 
Boehmer aus dessen Bibliothek Pindarica; insgesamt 
615Bändeund278Dissertationen;daneben344Bände 
über die Reformation in Spanien und über die Inquisi¬ 
tion. Ferner wurde die 2000 Bände starke Bibliothek 
des früheren Professors der Medizin Franz von 
Chelius, sowie von dessen Vater Maximilian Jos. von 
Chelius von den Erben der Heidelberger Universität 
gestiftet. Dasselbe Jahr brachte auch als Schenkung 
214 Bände, den ganzen Verlag von Julius Groos in 
Heidelberg. Bemerkt sei noch, das der Philosophisch¬ 
historische Verein und der Naturwissenschaftlich- 
medizinische Verein zu Heidelberg seine gesamten 
Büchereingänge überweist, während die Museums¬ 
gesellschaft zu Heidelberg eine größere Anzahl von 
Zeitschriften und Zeitungen überläßt. Seit dem Jahre 
1868 sind die Pflichtlieferungen aufgehoben. 

Trägt auch die Heidelberger Universitätsbibliothek 
im allgemeinen einen stark juristischen Charakter, 


so nimmt sie doch hinsichtlich der Handschriften, 
soweit sie die altdeutsche Literatur betreffen, eine 
fast einzigartige Stellung in Deutschland ein. Als kost¬ 
barster Schatz unter den altdeutschen Handschriften 
ist das weltberühmte Evangelienbuch Otfrieds aus 
dem 9. Jahrhundert zu nennen. Zu erwähnen sind 
hier ferner: ein Schwabenspiegel in vier Büchern aus 
dem 14. Jahrhundert. Eine Geschichte Alexanders 
des Großen aus dem 15. Jahrhundert. Mehrere Hand¬ 
schriften über das Stadtrecht von Augsburg im 15. Jahr¬ 
hundert. Michel Beheims Gedichte aus dem 15. Jahr¬ 
hundert. Die Minnelehre des Heinzelin von Constanz 
desselben Jahrhunderts. Zahlreiche Handschriften 
von Liedern der Minnesänger. Ferner Wolframs von 
Eschenbach Parzival, Handschrift aus dem 15. Jahr¬ 
hundert. Weiter Hugos vonTrimbergRenner, 15.Jahr- 
hundert. Eine Sächsische Weltchronik aus derselben 
Zeit. Ähnlich hervorragend sind die deutschen Pfälzer 
Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts, von denen 
die HeidelbergerBibliothek eine große Anzahl besitzt. 
Besonders ist hier eine große Anzahl alter Arzney- 
bücher aus dem 16. Jahrhundert zu nennen. Die in 
der Battschen Bibliothek enthaltenen Handschriften 
betreffen u. a. Akten und Urkunden zur Geschichte 
der Klöster Limburg und Dürkheim. Zu erwähnen 
sind hier auch mehrere Zinsbücher des Klosters 
Limburg. Diese Reihe ließe sich noch endlos fort¬ 
setzen. 

Zum Schluß sei noch auf die von dem Professor 
Adolf Koch zu Heidelberg geschaffene Journalisten- 
Bibliothek innerhalb der Heidelberger Universitäts¬ 
bibliothek hingewiesen, welche Spezialbibliothek sich 
hauptsächlich mit der Geschichte des Zeitungswesens 
beschäftigt. Gegenwärtig zählt diese Journalisten- 
Bibliothek etwa 200 Bände. 

Der Bücherbestand der Großherzoglichen Univer¬ 
sitäts-Bibliothek zu Heidelberg belief sich Ende 1907 
auf rund 400000 Bände, 180000 Dissertationen und 
Broschüren, 3530 Handschriften und etwa 3200 
Urkunden. Der jährliche Vermehrungsetat beträgt 
31750 Mark. Wie seit Jahrhunderten, bildet die 
Heidelberger Bibliothek nicht nur den Stolz Badens, 
sondern Deutschlands, eine Stellung, die sie in er¬ 
ster Linie tatkräftiger, fürstlicher Initiative zu ver¬ 
danken hat. 


Aus den graphischen Vereinigungen 


Altenburg. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
8. Dezember 1909 wurde der Arbeitsplan für 1910 festgelegt 
und mitgeteilt, daß der Chemnitzer Typographische Klub 
die Graphische Vereinigung mit der Bewertung der Ergeb¬ 
nisse zweier Wettbewerbe betraut hatte. — In der Sitzung 
am 5. Januar 1910 wurden die eingegangenen Kalender 
und Neujahrsgrüße besprochen, ferner die umfangreichen 
Weihnachts-Nummern des Archiv für Buchgewerbe und 


des Deutschen Buch- und Steindrucker mit besonderem 
Interesse besichtigt. Ein Mitglied berichtete über den auf¬ 
liegenden zehnten Band von Klimschs Jahrbuch, sowie den 
Deutschen Buchdruckerkalender. Die satztechnische Aus¬ 
stattung des erstgenannten Buches dürfte wohl kaum allent¬ 
halben Anklang Anden, da sie zwar mit der bisher üblichen 
Buchausstattung bricht, dieselbe aber nicht durch etwas 
Gefälligeres zu ersetzen vermag. Der Buchdruckerkalender 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


dagegen muß als eine beachtenswerte typographische 
Leistung bezeichnet werden. -o-. 

Bremen. In der ersten Dezembersitzung des Typogra¬ 
phischen Klubs war Weihnachtsliteratur für die Kleinen 
ausgestellt, die vom Vorsitzenden besprochen wurde. Der 
gute Bücherdruck gewinne entschieden an Ausdehnung 
und gerade die Bilder- und Märchenbücher für die Kleinen 
und die Jugendschriften seien illustrativ und satztechnisch 
heute vielfach mustergültig. In der folgenden Sitzung hielt 
Herr Endert einen Vortrag über Stereotypie, in dem er 
einen kurzen Überblick über die neuen Maschinen und 
Apparate, sowie beachtenswerte Winke für die Arbeit 
selbst gab. R. 

Breslau. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft am 29. November 1909 sprach Herr M.Pellnitz aus 
Leipzig über die Entwicklung der Setzmaschine. Der Vor¬ 
trag wurde durch eine Anzahl Lichtbilder wirksam unter¬ 
stützt. — Die Sitzung vom 8. Dezember stand unter dem 
Zeichen der Neujahrskarte. Zunächst hatte die Gesell¬ 
schaft über zwei auswärtige Wettbewerbe zu urteilen, wo¬ 
bei der Neujahrskartenwettbewerb von Frankfurt a. M. be¬ 
sonderes Interesse erregte. Herr Zantke , der den Bericht 
übernommen hatte,erklärte,daß auf Grund der sorgsam aus¬ 
gearbeiteten Bedingungen eine Anzahl Arbeiten geschaffen 
worden seien, die als gut bezeichnet werden müßten. Den 
zweiten Wettbewerb, welcher den Vorstand des Gaues 
Schleswig-Holstein im Verband der Deutschen Buchdrucker 
zum Auftraggeber hatte, besprach Herr Schuttes , der be¬ 
merkte, daß bei diesem Wettbewerb, bei dem sich auch 
Kräfte beteiligten, denen es an der nötigen Schulung und 
Fortbildung mangelte, kein so strenger Standpunkt einge¬ 
nommen werden könne, als wie bei Wettbewerben, die nur 
für Mitglieder graphischer Vereine ausgeschrieben sind. 
Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, müsse anerkannt 
werden, daß sehr fleißig gearbeitet worden sei. Den Schluß 
der Sitzung bildete die Ausstellung der für die Neujahrskarte 
der Breslauer Typographischen Gesellschaft angefertigten 
Skizzen. Es waren 26 Entwürfe eingegangen, deren Be¬ 
wertung die Troppauer Graphische Vereinigung über¬ 
nommen hat. G-l. 

Breslau. Vom 9. bis 23. Januar 1910 veranstaltete der 
Verein Breslauer Buchdruck-Maschinenmeister eine Druck¬ 
sachen- und Zeitungsausstellung, die als Abschluß eines 
Kursus gelten sollte, der in diesem Verein im praktischen 
Arbeiten abgehalten worden war. Die gut gelungene um¬ 
fangreiche Ausstellung war mit Unterstützung zahlreicher 
Firmen der buchgewerblichenBranche zustande gekommen 
und wurde von Fachgenossen und Fortbildungsschulen 
zahlreich besucht. M-e. 

Frankfurt a. M. Die Schülerarbeiten der Buchdrucker¬ 
fachschule in München wurden am 25. November ausge¬ 
stellt und von Herrn Claussen besprochen. Über die Schrift¬ 
entwicklung und das Schriftschreiben hielt am 10. Dezem¬ 
ber Herr Rudolf Koch aus OfFenbach einen Vortrag. — 
Am 16. Dezember hielt Herr Mori einen Vortrag über 
die Entwicklung des Mediävalcharakters und besprach 
gleichzeitig die Tiemannprobe der Schriftgießerei Gebr. 
Klingspor. -ß-, 

Gera. Die erste Sitzung der am 28. November 1909 neu¬ 
gegründeten Typographischen Vereinigung fand am 11. De¬ 
zember 1909 statt. In derselben wurde eine sehr um¬ 
fangreiche Rundsendung des Verbandes der Deutschen 


Typographischen Gesellschaften besprochen, die neue 
Schriftgießereierzeugnisse enthielt. -ch. 

Hannover. In der Sitzung der Typographischen Vereini¬ 
gung am 1.Dezember 1909 sprach HerrGewerbeschullehrer 
Baumann , Hildesheim, auf Veranlassung des „Saldo“, Ver¬ 
eins jüngerer Buchhändler zu Hannover, über moderne 
Drucksachen. — Am 4. Dezember sprach in dem Kunst- 
und Gewerbehallensaale Herr Dr. A. Pabst, Leipzig, über 
Erziehung durch technische Arbeit, erläutert durch Licht¬ 
bilder. — In der Sitzung am 8. Dezember, der ersten im 
neuen Vereinslokal, wurde die Bewertung der eingegan¬ 
genen 29 Entwürfe für die Neujahrskarte von einer Kom¬ 
mission von neun Mitgliedern vorgenommen, währenddem 
hielt Herr W. Stücken einen Vortrag über den Einfluß der 
Modernen auf den Plakatsatz an der Hand einer Sammlung 
ausgestellter Plakate. Bei dem Preisausschreiben für eine 
Neujahrskarte erhielten Preise die Herren: I. Ohlendorf, 
II. Leiter, III. Kaune, IV. Heinr. Schulze, lobende Erwäh¬ 
nungen die Herren: Kawelke, Stücken, Ohlendorf, Dohm. 
Eine Rundsendung: Wiener Tageszeitungen, des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften lag eben¬ 
falls noch auf; ferner wurde mit der ersten Skizzierübung 
begonnen. — In der letzten Jahressitzung am 20. Dezember 
sprach Herr W. Busse über Familiendrucksachen, Herr 
A. Alberti hatte die Besprechung der Entwürfe zur Neu¬ 
jahrskarte übernommen. — Am zweiten Weihnachtsfeier¬ 
tage fand ein gemeinschaftlicher Besuch der Ausstellung 
alter Drucke im hiesigen Kestnermuseum statt. -ng. 

Heidelberg. Die Typographische Vereinigung hielt im 
Verlaufe des zweiten Halbjahres 1909 acht Sitzungen ab 
und veranstaltete zwei Ausstellungen, deren erste am 
29. August den Küttnerschen Johannisfest-Drucksachen¬ 
austausch und die zweite am 19. Oktober die Rundsendung 
Berliner Kalender zeigte. In der Sitzung am 30. Oktober 
wurde das Ergebnis des Mitgliedskarten-Wettbewerbes be¬ 
kannt gegeben. Von den eingegangenen Arbeiten, die von 
der Typographischen Gesellschaft München bewertet wor¬ 
den waren, erhielt die des Herrn W. A. Schmidt den I.Preis. 
Ferner wurde noch die Rundsendung Nr. 28 Arbeiten aus 
Essen-Ruhr besprochen, bei der sich zum Teil schöne 
und beachtenswerte Arbeiten befanden. — Die Bewertung 
des Neujahrskarten - Wettbewerbes hatte die Breslauer 
Typographische Gesellschaft übernommen. Den I. Preis 
erhielt Herr Jos. Körper. — Das fünfte Stiftungsfest wurde 
am 18. September gemeinsam mit dem Maschinenmeister¬ 
klub, der sein zwölfjähriges Bestehen feierte, in Form einer 
Abendunterhaltung abgehalten. Hnn. 

Karlsruhe. In der Sitzung der Typographischen Vereini¬ 
gung am 8. Dezember 1909 lagen Wiener und Münchener 
Schülerarbeiten aus, die der Vorsitzende besprach. Das 
Preisergebnis des Briefkopf-Wettbewerbes, zu dem 17 Ent¬ 
würfe Vorlagen, ist folgendes: I. Preis A. Meder, II. Preis 
Rob. Mendtner, III. Preis Meder. Ferner wurde eine Belo¬ 
bigung ausgesprochen. Die Bewertung hatte die Typogra¬ 
phische Gesellschaft Berlin übernommen. — InderSitzung 
am 21. Dezember lagen aus: eine Rundsendung neuzeit¬ 
licher Zeitschriftenumschläge, ferner die Entwürfe des 
Preisausschreibens des Gaues Oberrhein im Verband der 
Deutschen Buchdrucker zur Erlangung einer Neujahrs¬ 
karte und des gleichen Preisausschreibens der Typogra¬ 
phischen Vereinigung. Für den Wettbewerb des Gaues 
gingen 43 Entwürfe ein, die in Stuttgart bewertet wurden; 


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es erhielten Preise die Herren: I. und II. Preis: Hesse-Frei¬ 
burg, III. Preis: Burkhard-Freiburg, IV. Preis: Hohmann- 
Karlsruhe. Außerdem wurden sechs Anerkennungen aus¬ 
gesprochen. Das Ergebnis des Preisausschreibens der 
Typographischen Vereinigung, deren Bewertung die Typo¬ 
graphische Gesellschaft Nürnberg übernommen hatte, ist: 
I. und II. Preis: Herr Meder, III. Preis: Herr Raubold, fer¬ 
ner drei Anerkennungen. — In der Sitzung am 12. Januar 
1910 waren Drucksachen des täglichen Bedarfs ausgestellt, 
die Herr Kirch-München zur Verfügung gestellt hatte. Die 
Arbeiten zeigten sämtlich einen gut gebildeten Geschmack, 
indem durch schöne Flächenwirkung und fein empfundene 
Farbenharmonie auch einfachere Arbeiten zu künstlerischer 
Wirkung gestaltet sind. Der Vorsitzende erklärte sodann 
noch die Herstellung von Druck- und Prägeplatten mittels 
des neuen Typogravüre-Verfahrens. sch. 

Kassel. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
16. Dezember 1909 waren die Entwürfe zu einem Briefkopf 
und einer Neujahrskarte ausgestellt, die aus einem Preis¬ 
ausschreiben der Vereinigung hervorgegangen waren. Die 
Bewertung hatten gemeinsam der Vorstand des Verbandes 
der DeutschenTypographischen Gesellschaften und derVor- 
stand der Berliner Typographischen Gesellschaft über¬ 
nommen. Herr Rutzen stimmte in seiner Besprechung mit 
den Ausführungen desBewertungsausschussesüberein,der 
anerkannt hatte, daß die neuartige und gewissenhafte 
Ausführung vieler Arbeiten der heutigen Geschmacks¬ 
richtung Rechnung trage. Preise erhielten: Beim Brief¬ 
kopf I. und II. Preis Max Seifert, III. Karl Knatz, IV. Hein¬ 
rich Hartmann; Belobigungen: Val. Triquart, Fr. Förster. 
Bei derNeujahrskarte: I. Preis Fritz Förster, II. Heinr. Hart¬ 
mann, III. Max Seifert. Belobigung: Karl Knatz. Hgld. 

Leipzig, In der Sitzung der Typographischen Gesellschaft 
am 8.Dezember besprach Herr Dünkel die Ausstellung einer 
reichhaltigen Sammlung von Skizzen, Entwürfen und typo¬ 
graphischen Arbeiten des Herrn Arno Pieler, Berlin. Man 
konnte an diesen Arbeiten recht gut erkennen, wie sich 
der Einfluß der Akademie nach und nach verliert, sobald 
der Akzidenzsetzer wieder zurück in die praktische Tätig¬ 
keit kommt. Die Arbeiten sind reiflich durchdacht, zeigen 
viel Eigenart und sind sehr sauber ausgeführt. Die zeich¬ 
nerische Tätigkeit tritt bei allen Arbeiten stark in den Vor¬ 
dergrund. 

Liegnitz. In den Sitzungen der Graphischen Vereinigung 
in der zweiten Hälfte des Jahres 1909 wurden verschiedene 
Rundsendungen, sowie der Küttnerschejohannisfest-Druck- 
sachenaustausch besprochen. Ferner wurden Vorträge ge¬ 
halten und zwar sprachen am 22. Juni Herr Kestner über: 
Das Wesen der Farben und des Farbenkreises; am 22.Sep¬ 
tember Herr Kindlein über: Der Satz mathematischerWerke; 
am 15. November Herr Wengel über: Das Ausschließen. Zu 
einer der Sitzungen waren noch die Arbeiten aus dem Leip¬ 
ziger Skizzierkursus 1908/09 zur Ausstellung und Bespre¬ 
chung eingegangen. — Anfang Oktober begann ein Skizzier¬ 
kursus. Zur Einleitung für diesen sprach Herr Paul Scholz 
über die Anfertigung einer Skizze. — Am 30. November 
hielt Herr Af. Pellnitz , Leipzig, einen durch Lichtbilder 
unterstützten Vortrag über die Lanston Monotype. — Der 
Wettbewerb zur Erlangung einer Neujahrskarte für die Ver¬ 
einigung hatte folgendes Ergebnis: Von nur zehn eingelie¬ 
ferten Entwürfen erhielt Herr G. Fritz den I. und II. Preis 
und Herr Max Rumsch den III. Preis. Die Bewertung hatte 


dieTypographischeGesellschaft München übernommen.— 
Infolge Wegzug des Vorsitzenden ist dieses Amt an Herrn 
G. Fritz übergegangen. Herr F. Sensel wurde als Schrift¬ 
führer gewählt. -tz. 

München. In der Monatsversammlung der Typographi¬ 
schen Gesellschaft am 7. Dezember 1909 hielt Herr Konrad 
Schiefer einen Vortrag über Fremdwörter. Der Redner 
machte die Zuhörer zunächst mit dem Ursprung und der 
richtigen Aussprache der eingebürgerten Fremdwörter be¬ 
kannt und versuchte die in unserm Berufe eingewur¬ 
zelten fremdsprachigen Bezeichnungen durch deutsche 
Ausdrücke zu ersetzen. Über die ausgestellten Nürnberger 
Drucksachen sprach Herr J. Dietzel , während zu dem Neu- 
jahrskarten-Wettbewerb der Liegnitzer Schwestergesell¬ 
schaft, der durch die hiesige Gesellschaft bewertet worden 
war, Herr Hans Welsch einen Bericht abgefaßt hatte. — In 
der Sitzung am 22. Dezember fand eine Ausstellung von 
Donauwörther Druckarbeiten statt, über die Herr Hugo 
Gumpert berichtete, sodann wies Herr J. Dietzel auf einige 
selbstgefertigte Arbeiten in Tonplatten-Spritzmanier hin 
und führte seine Arbeitsweise auch praktisch vor. Fs. 

Offenbach a. M. In der Hauptversammlung der Graphi¬ 
schen Vereinigung am 28. Oktober 1909 gab der Vorsitzende 
Herr John Reisse einen Jahresbericht über das abgelaufene 
Geschäftsjahr bekannt, wobei er feststellen konnte, daß in 
diesem Jahre eine eingehende und fruchtbringende Tätig¬ 
keit entfaltet worden ist. Aus dem Bericht des Kassierers 
ist zu entnehmen, daß die Einnahmen M 283, die Ausgaben 
M 258.30 betrugen, der Kassenbestand M 216.79 ist. Der 
seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Für 
die neue vereinigte Bibliothek wurde Herr G. Werner als 
1. und Herr Fritz Bechner als 2. Bibliothekar gewählt. — 
Am 5. Dezember fand eine Ausstellung von Neuheiten der 
Schriftgießerei Scheiter & Giesecke, Leipzig, sowie rumä¬ 
nischer Druckarbeiten statt. Herr Heinrich Neu hielt so¬ 
dann einen kurzen Vortrag, in dem er seine Erfahrungen 
im Skizzieren von Drucksachen darlegte. An der Hand 
praktischer Beispiele und einiger ganz einfacher Apparate 
zeigte Herr Neu, in welch geringer Zeit man einen Entwurf 
anfertigen kann, der allen Anforderungen genügt. Das Preis¬ 
ausschreiben des Bezirksvereins Offenbach im Verband 
der Deutschen Buchdrucker zur Erhaltung von Entwürfen 
für eine Neujahrskarte brachte zwölf Entwürfe, die von der 
Typographischen Vereinigung Düren bewertet wurden. Den 
I. Preis erhielt Herr J. Maul, II. Preis Herr Fritz Bechner, 
III. Preis Herr Wilhelm Pischner. — Am 14. Dezember 1909 
fand eine Besichtigung der Fachklasse an der hiesigen 
Kunstgewerbeschule statt, deren Einrichtung und Leistun¬ 
gen mustergültig sind. — Am 12. Januar 1910 wurden die 
eingelaufenen Neujahrskarten und Kalender einer Be¬ 
sprechung unterzogen. Hierauf fand eine Ausstellung von 
Arbeiten der Fachschule München statt. F. Fischer. 

Stuttgart. In der Sitzung des Graphischen Klubs am 
12. Dezember sprach Herr Julius Korber über: Die Setz¬ 
maschinen in ihrer heutigen Entwicklung, wobei er nach 
einer Schilderung des Entwicklungsganges der Setzmaschi¬ 
nen das weite Verwendungsgebiet der einzelnen Systeme 
und die Wirtschaftlichkeit des Setzmaschinenbetriebes 
überhaupt erörterte. In seinem Schlußwort äußerte er 
sich dahin, daß der Setzmaschinenbetrieb eine bedeutende 
Verbilligung der Satzherstellung nicht gebracht habe. Die 
große Bedeutung der Setzmaschine läge vielmehr darin, 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


daß sie eine erhebliche Beschleunigung des Satzes ermög¬ 
liche und der Besitzer von Setzmaschinen nie mit Schrift¬ 
mangel zu kämpfen habe. Eine überaus reichhaltige Aus¬ 
stellung von Erzeugnissen der verschiedenen Maschinen¬ 
systeme unterstützte die Ausführungen des Redners. In 
der anschließenden Aussprache wurde besonders die Ver¬ 
wendbarkeit der Monotype für Zeitungssatz erörtert, wobei 
dieses System, für täglich erscheinende Zeitungen nicht 
für geeignet gehalten wurde. -sch. 


Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
8.Januar 1910 gaben die Weihnachtsbände des Archiv für 
Buchgewerbe, Deutschen Buch- und Steindrucker, sowie 
Neujahrsgaben und Neuheitenhefte der Schriftgießereien 
Anlaß zu regem Meinungsaustausch. Besonderes Inter¬ 
esse brachte man den unter dem Namen Vignettenmosaik 
auf den Markt gebrachten Zierformen entgegen. Allgemein 
wurde die Herstellung eines derartigen Zeichens in nur 
einer Stunde sehr stark bezweifelt. -Id-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


Fortschritte auf dem Gebiete der photo - und chemigra- 
phischen Reproduktionsverfahren 1877—1906. An der Hand 
der Patentliteratur herausgegeben von Henri Silbermann . 
Zwei Bände. Verlag von H. A. L.Degener in Leipzig. Preis, 
zusammen, geheftet M 50.—, gebunden M 56.—. Um die 
Bedeutung einer Zusammenstellung der erteilten Reichs¬ 
patente auf einzelnen Gebieten der Technik zu beweisen, 
genügt eigentlich die bloße Angabe,daß imjahre 1908 allein 
etwa 12000 Patente in Deutschland erteilt wurden und daß 
die Gesamtzahl der bis jetzt erteilten Patente ungefähr 
218000 beträgt. Das Studium des in den Patentschriften 
angehäuften technischen Materials wird aber einerseits da¬ 
durch erschwert, daß die älteren Patente in den Zeitschrif¬ 
ten nicht aufgenommen wurden und nur in Originalpatent¬ 
schriften, die vom Kaiserlichen Patentamte veröffentlicht 
werden,vorhanden sind, anderseits sind diese Patentschrif¬ 
ten und insbesondere die wichtigen Patentansprüche sehr 
oft in solcher Sprache abgefaßt, daß sie nur den mit dem 
Juristendeutsch gut Vertrauten verständlich sind. Diese 
Gründe haben zu dem Erscheinen von zusammenfassenden 
Ausgaben der Patentliteratur Veranlassung gegeben. So 
wurden z. B. in den letzten Jahren die Patente in der Textil¬ 
industrie, organischen Chemie, Elektrochemie usw. zum Teil 
mit außerordentlich großem Aufwande von Zeit und Mühe 
zusammengestellr. Diesen Sammelwerken schließt sich 
würdig das obengenannte Werk von Henri Silbermann an. 
Der Verfasser hat die verschiedenen Patente, die im Laufe 
derjahre 1877—1906 ausgegeben wurden, in eine sehr große 
Anzahl von Unterabteilungen eingeteilt, so daß alle Erfin¬ 
dungen, die miteinander verwandt sind, nebeneinander 
stehen. Dort, wo dies nicht möglich war, wurde auf das 
entsprechende verwandte Patent hingewiesen und diese 
Hinweise durch einige umfassende Register ergänzt. Jeder 
von den einzelnen Unterabteilungen ist ein Vorwort voran¬ 
gesetzt, in dem der Verfasser die in der betreffenden 
Abteilung zusammengestellten Patente noch einmal zu¬ 
sammenfaßt und auf die Entwicklung der entsprechenden 
Verfahren Bezug nimmt. Diese Zusammenfassungen sind 


sehr klar und sachlich geschrieben und in ihnen liegt der 
Hauptwert des Buches. Bei vielen Patenten schließlich 
sind einige Zeilen hinzugefügt, in denen der Verfasser die 
Patentbeschreibung ergänzt oder über die Erfolge der Er¬ 
findung in der Technik berichtet. Die Patentansprüche 
sind durchweg wörtlich wiedergegeben, was auch erforder¬ 
lich ist, da in ihnen der Erfindungsgedanke verkörpert ist. 
Das Werk dient verschiedenen Zielen. Einerseits und haupt¬ 
sächlich soll es denjenigen, die irgendein neues Verfah¬ 
ren erdacht haben, die Möglichkeit geben, sich in kurzer 
Zeit über das auf dem betreffenden Gebiete bereits Gelei¬ 
stete zu orientieren. Anderseits soll das Studium der in 
den Patentschriften konzentrierten Gedanken zu neuen Er¬ 
findungen anregen, die doch fast immer in Vervollkomm¬ 
nung früherer Erfindungen bestehen. Durch die zusammen¬ 
fassenden Einleitungen hat der Verfasser die sonst wenig 
verdaulichen Patentschriften viel verständlicher gemacht, 
so daß das Entziffern der oft zwanzig Zeilen langen Patent¬ 
ansprüche auch weniger Geübten ermöglicht ist. Die Ent¬ 
wicklung der Verfahren und Apparate schreitet immer¬ 
während vorwärts. Deshalb wird dieses Werk niemals gänz¬ 
lich abgeschlossen sein, sondern wird nur dann seinen Zweck 
voll und ganz erfüllen, wenn sich ihm alle paar Jahre Nach¬ 
träge anschließen, die die inzwischen erschienenen Patente 
berücksichtigen. Hoffen wir, daß die Nachfrage für dieses 
Werk seitens der Fachleute dem Verleger die Herausgabe 
solcher Nachträge ermöglichen wird. In diesen Nachträgen 
würden wir gerne die Vermerkung des Datums, an dem 
ältere Patente erloschen sind, sehen. Dieser Vermerk er¬ 
laubt oft einen ungefähren Schluß auf die Bedeutung des 
Patentes zu ziehen, was vielfach von Interesse ist. Dies 
sind jedoch Nebensachen und Zukunftswünsche. Daß die 
heute vorliegenden zwei Bände keiner weiteren Empfeh¬ 
lung bedürfen und unsrer Meinung nach in der Handbiblio¬ 
thek eines jeden, der an der weiteren Entwicklung der Pho¬ 
tographie und der Reproduktionstechnik mitarbeitet, sich 
befinden müssen, wird wohl nach den obigen Ausführungen 
klar sein. Gg. 


Inhaltsverzeichnis 


Bruno Höroux. S. 1. — Moderne Inserate. S.6. — Buch¬ 
ausstattung ein wirtschaftliches Problem. S. 12. — Süd¬ 
deutsche Universitätsbibliotheken. II. S. 23. — Aus den 
graphischen Vereinigungen. S. 29. — Bücher- und Zeit¬ 
schriftenschau; verschiedene Eingänge. S.32. 

10 Beilagen, davon eine von der Firma Schriftgiesserei 
Genasch & Heyse in Hamburg, die für den in Heft 9 
Jahrgang 1909 erschienenen Artikel von Wilhelm Niemeyer 


in Düsseldorf, Graphik und Buchgewerbe auf der Ausstellung 
für christliche Kunst Düsseldorf 1909 bestimmt war , aber 
durch einen Zufall nicht beigefügt wurde. Da die Beilage im 
heutigen Heft mit derjenigen in Heft 9 in engem Zusammen¬ 
hang steht, so bitten wir beide Beilagen einem Vergleich zu 
unterziehen , damit auch die Wirkung der Neudeutschen 
Schriften als Buchseiten im Einklang mit dem Titelblatt 
richtig zur Geltung kommt. 


32 


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Beilage xum Archiv für Buchgewerbe Druck ¥on Günther Kip(}( , jn A w< 




























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TTIERDURCH GEBEN WIR UNS DIE EHRE, SIE 
IT ZU DEM AM 4. DEZEMBER 1909 ABENDS 
IN UNSERN FESTRAUMEN STATTFINDENDEN 

51.STIFTUNGSFEST 

BESTEHEND AUS KÜNSTLERISCHEN 
DARBIETUNGEN ERSTER KRÄFTE, 
FESTTAFEL UND ANSCHLIEßENDEM 
TANZ FREUNDLICHST EINZULADEN □ DIE 
TAFELKARTEN (M.3.50) BITTEN WIR BIS ZUM 

3. DEZEMBER BEIM KASTELLAN BÜRGER, 
KUNSTLERHAUS, ENTNEHMEN ZU WOLLEN, 
SOWIE IHM WUNSCHE BEZÜGLICH DER 
TAFELORDNUNG SCHRIFTLICH MITZUTEILEN. 
IN DER ANGENEHMEN HOFFNUNG, SIE NEBST 
WERTEN ANGEHÖRIGEN IN UNSERER 
MITTE ZU SEHEN, BEGRÜßEN 

WIR SIE INZWISCHEN 

MIT HOCHACHTUNG 

DER LEIPZIGER 
KÜNSTLE RVEREIN 

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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 
Material, Satz und Druck von Julius Klinkhardt, Leipzig 
Schrift und Entwurf von Richard Grimm-Sachsenberg 


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1000 Karten mit Rechnung auf der Rückfeite, weißer, holzfreier Karton, M. 13.- 


Bcilage zum Archiv für Buchgewerbe 


Druck von Günther, Kirftein &. Wendler, Leipzig 


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PRINCETON UNIVERSITY 









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PRINCETON UNIVERS1TY 



Der Proppet iructja 





H ber nun, du Kriegertn, rupte did)! denn man 
wird uns belagern, und den Ritter Israels 
mit der Rute auf den Backen fdjlagen. 

U^(c l/^nftpl DonCtjrtftt6eburt$(ladt.Israels 
U<W J. nay lltu nerrltdbhett und Bekehrung. 

nd du, Betblebem epbratba, die du 
klein blft unter den laufenden ln 
Juda, aus dirfoUmirderhommen, 
der in Israel Herr fei, welches Aus¬ 
gang non Anfang und non einig- 
beit ber gemefen ift. 

Indes lä|t er fle plagen bis auf 
L die 2eit, dal die, fo gebären foll, 
I geboren habe ; da inerden dann die 
übrigen feiner Brüder wieder kommen zu den 
Kindern Israel 

er aber wird auftreten, und meiden in Kraft 
des Herrn und im Sieg des namens des Herrn, 
feines Bottes. Und üe werden wobnen; denn er 
wird zur felbigen 2eit herrlich werden, fo weit 
die iBelt ift* 

Und er wird unfer friede fein. IDenn Affur in 
unfer Land fällt, und in unfre Käufer briibt, fo 
werden wir neben Hirten und atbt fürften wider 
ibn beftellen, die das Land Alfur oerderben mit 
dem Sibwert und das Land mrnrods mit ihren 
blolen IBaffen. 

Alfo wird er uns oon Affur erretten, wenn er 
in unfer Land fallen, und ln unfre Brenzen bre- 
iben wird. Und es werden die Übrigen aus Jakob 
unter oielen Bölkern fein wie ein lau oom Herrn 
und wie die Cröpflein aufs Bras, das auf nie¬ 
mand barret, nod) auf menfdien wartet. 

Ja, die Übrigen aus Jakob werden unter den 
Heiden bei oielen öölkem fein wie ein Löwe unter 
den deren im IBalde, wie ein junger Löwe unter 
einer Herde Schafe, dem niemand webren kann, 
wenn er da bindunb gebet, zertritt und zerreibt. 
Denn deine Hand wird Hegen wider alle deine 
IBiderfaiber, dal alle deine feinde muffen aus¬ 
gerottet werden. 

*i ur felbigen 2eit, fpritjjt der Herr, will ich deine 
Z, Roffe oon dir tun, und deine IBagen zu nlchte 
machen-, und will die 5tädte deines Landes aus¬ 
rotten, und alle deine fetten zerbrechen-, und will 
die 2auberer bei dir ausrotten, dal keine 2ei<hen- 
deuter bei dir bleiben follen. 


Jd) will deine Bilder und Böben oon dir aus¬ 
rotten, dal du niibt mehr follft anbeten deiner 
Hände IBerk. Und will deine Afcberabilder zer¬ 
brechen, und deine Städte oertilgen. Und id) will 
RadOe üben mit Brimm und 2om an allen Heiden, 
fo nicht gehorchen wollen. 

Bas 6. Kapitel. ISKÄST "* 

n öret doch, was der Herr faget: mache did) 
auf, und rechte oor den Bergen, und la| die 


wie der Herr rechten will, und ihr parken 
Brundfeften der erde; denn der Herr will 
mit feinem Bolk rechten, und will Israel 
(trafen. Ibas bab ich dir getan, mein Bolk, 
und womit bab id) dich beleidigt) Das fage 
mirl Hab id) did) doch aus Agpptenlande ge- 
fübret, und aus dem Oienftbaufe erlöfet, und oor 
dir her gefandt mofe, Aaron und ntirjam. 

mein Bolk, denke doch dran, was Balak, der 
König in ntoab, oorbatte, und was ihm Bileam, 
der Sobn Beors, antwortete, oon Sittim an bis 
gen Bilgal; daran ihr ja merken folltet, wie der 
Herr euch alles Bute getan bat. 
tyiomit foll ich den Herrn oerföbnen, mich 
1U bücken oor dem hoben Bott) Soll ich mit 
Brandopfern und mit jährigen Kälbern ihn oer¬ 
föbnen) IBird wobl der Herr Befallen haben an 
oiel taufend lüiddem, an unzähligen Strömen 
Öls) Oder foll ich meinen erjten Sohn für meine 
Übertretung geben, meines Leibes frud)t für die 
Sünde meiner Seele) 

es ijt dir gefagt, menfd), was gut ift und was 
der Herr oon dir fordert, nämlich Bottes tBort 
halten, und Liebe üben, und demütig fein oor 
deinem Bott Cs wird des Herrn Stimme Uber die 
Stadt rufen; aber wer deinen namen fürchtet, 
dem wird gelingen. Höret, ihr Stämme, was ge¬ 
predigt wird! 

D och bleibt unrecht But in des BottlofenHaufe, 
und das beillofe geringe epba. Oder follte ich 
die Unrechte IBage und falfche Bewichte im Säckel 
billigen, durch welche ihre Reichen oiel Unrechts 
tun) Und ihre Cinwobner geben mit Lügen um, 
und haben falfche 2ungen in ihrem Hälfe. 

Barum will id) did) aud) übel plagen, und dich 
um deiner Sünden willen wüft machen. Du follft 


Beilage zum flrdbiD für Bucbgeroerbe 


gedruckt mit Itcudeutfcben Sdtjrlften, Initialen und 
Ornamenten na® Zeichnung oon Profefror Otto bupp 
aus der Schriftgießerei Oenzfdt) c£ bepfe in bamburg 


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PRINCETON UNtVERSITY 







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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Die Handwerkerschule Breslau 

bietet Buchdruckern, Lithographen 
u. Buchbindern gediegene,fachliche 
Ausbildung. Werkstätten 

Programme und nlhere Auskunft sind durch die 
Direktion, Klosterstraße 19 kostenlos zu erhalten. 


Buchgewerbe zu Leipzig 

Der Unterricht im Sommerhalbjahr 1910 beginnt am i.März. — AnmeU 
düngen vom 1. bis 15. Februar. Stundenpläne unentgeltlich durch die Kanzlei 
Leipzig, im Januar 1910 DIE DIREKTION 




Diesem Hefte ist eine Beilage 
der Firma 

E. A. Enders 
Großbuchbinderei, Leipzig 
über 

50 Jahre Arbeit 

beigegeben. 


Die vollste Ausnutzung 

{[ der Schnellpresse jj 

wird nur erreicht durch den 

Bogenanleger „Rotary“ 


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Fabriziert von 


Schroeder, Spiess & Cross, 
Leipzig-Rng. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





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jf)eu/scSe fOterifscfr//? „ JfteS/a/aa", fSa/itfi/rier ^SBacfceSr/j? 
Sfärafe/ger Jfaaz/e/, J^Sf/memsaSri^ Jfrf/e- Jf/r/gaa 
Jfzsera/sfr/f/ea „ Jfome/ " „ Com/)ressa " „ jSefbrm " „ Stfass/a' 
„Siga/z/ea" a/if „ fS/eter/ne/er", S%/a'//7gers<frf? 
Jf/ear-ScSre/fscSr/jfea, Serie fmagere a/u/ fffrd/7/ge. 


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6156 Maschinen 


wurden im Jahre 1909 von mir geliefert. Es ist dies der 
beste Beweis für die Beliebtheit der Krause«Maschinen 


Mit Schnell-Schneidemaschine „Krause“ 

arbeiten heißt: rationell arbeiten 

^ Die schwere Pressung D. R.-Pat. Nr. 131991 hält jedes 

Jjjp jfc* Material unverrückbar fest, wirkt vollständig selbsttätig 

für alle Höhen ohne jede Einstellung und nimmt bei wach- 
ill 11 ll[B31Ii!^^ sendem Schneidwiderstand an Stärke noch zu. 

hUfigfll * v jf i J 9 r » Zeitersparende Einrichtungen, wie Schnittandeuter, 

äigay™^^ T T,TTf< llBaBM^T\| Schnellsattel mit Mikrometerschraube, Schmal- 

Ja streifenschneider usw. machen das Arbeiten leicht und 
bequem. Lautloser Gang durch Kugellager, Schnecken- 
JU antrieb und gefräste Räder. Leichtes Einrücken durch 

- Hunderte erstklassiger Referenzen! 



KARL KRAUSE • LEIPZIG 

Lager in der Filiale BERLIN C 19. Seydelstraße 8 bis 13. 


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in Schriften und Schmuck 
bieten wir in unserem so¬ 
eben erschienenen Muster- 
und Anwendungsheft, das 
wir kauf willigen Firmen auf 
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in Leipzig 


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Nr. 315889) 


mit durch Rahmen vollkommen 
eingeschlossenen beweglichen 
——— Teilen ===== 


Die mit exakt gefrästen Rädern ver¬ 
sehene Maschine gewährleistet in¬ 
folge ihrer zweckdienlichen Bauart 
einen tadellosen Schnitt und 
arbeitet höchst zuverlässig 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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Fünf gegen Einen! 


Ein lehrreiches Exempel für jeden Buchdruckereibesitzer, der in der heutigen Zeit 
des Fortschritts noch beim Handsatz stehen bleibt. Wer das Exempel nicht selbst zu 
lösen vermag, erkundige sich bei irgend einem Besitzer der heute in aller Welt tätigen 


20000 Linotype-Setzmaschinen 


Die Linotype ist technisch am höchsten vervollkommnet und ihre Rentabilität ist, 
auch für kleinere Betriebe, durch die Praxis klar erwiesen. 


Mergenthaler Setzmaschinenfabrik 

Ges.m.beschr. Haft. BERLIN N4 Chausseestraße 23 


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Ch. Lorilleux & Co. 

Kommandit-Geaellscbaft aut Aktien es Gegr. 1818 


10 Fabriken 


LEIPZIG 

Buchgewerbehaus 


40 Filialen 


London 1862 — Paris 1865 
Wien 1873 — Paris 1867 
Paris 1878— Melbourne 1881 
Amsterdam 1883 — Ant¬ 
werpen 1885 — Mitglied 
der Jury außer Konkurrenz: 
Paris 1889 — Brüssel 1897 


Die größte 

Druckfarbenfabrik der Welt 

Firnis, Ruße, Walzenmasse, 
Walzenguß - Anstalt 


Weltausstellung Saint Louis 1904: Großer Preis 
Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Große Preise 
Weltausstellung Mailand 1906: Großer Preis 


RÜGER, LEIPZm^ 

, MESSINGLINIENFABRIK 


GEGR. 1879 


Drahtheflmaschinen-Fabrik 

Wilhelm Mallien,Leipzig- 


PD5TPRPIERE FÜR HRND UND 
5CHREIBMR5CHINEN5CHRIFT. 
FEINE UND FEINSTE 
SORTEN MIT U.DHNE 
WASSERZEICHEN 
GEEIGNET FÜR LITOGRRPHIE. 

LU/ZRNDER5 BEREECH-GLRDBACH 


INSERATE 

welche eine weite Ver¬ 
breitung in den Fach¬ 
kreisen finden sollen, 
erreichen dies durch 
öftere Aufnahme im 

ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 


Groß- 

Buchbinderei 

von Th. Knaur, Leipzig 

Gegründet 1846 '«'«w 0 

übernimmt sämtliche Buchbinderarbeiten 

zu mäßigem Preise. 


Die besten Plakatschriften sind 




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Dornemann & Co., Magdeburg 

= Plakatschriftengießerei und Qravieranstalt = 



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Europäische Vertreter 

Gustav A.Jahn, Bahnstr. 11, 
Südende-Berlin 
Rudolph Becker, Leipzig, 
Stephanstr. 8 
Rieh. Scholber, Stuttgart, 
Rotebühlstr. 89a 
Borne & Co., London 

Linotype & Machinery, Ltd., 
London 

Chas. F. Kaul, Paris 
David Ferrer y Cia, Barcelona 
C. A. M. van Vliet, Haag 
R. Pusztafl & Co., Budapest 
L. Pergola, Mailand 


ergiebiger als irgend eine andre Druckfarbe sind 


Doubletone-Farben 
und Ullmanines 


Die Praxis hat es bewiesen! 


Sigmund Ullman Co., New York 


s: Chemigraphische Kunstanstalt ss 

Georg Weinrich 9 Nerchau (Bezirk Leipzig) 


Anfertigung künstlerischer 
Klischees, Ausführung tadel¬ 
loser Bunt-Ätzungen, Auto¬ 
typien und Strich-Ätzungen 


Atelier für feinste Retusche, 
künstlerische Entwürfe für 
Plakate, moderne Umschläge 
und sämtliche Druckarbeiten 


Durch Einrichtung eines rationellen Grollbetriebes Lieferung selbst größter Aufträge in denkbar kürzester Zeit 

Man verlange Muster! 


Schnellpressen 

für Buch-, Stein-, Licht- 
und Blechdruck 


MASCHINENFABRIK 
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Klein, Forst & Bohn Nachfolger 
Geisenheim a. Rh. 


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PRINCETON UNiVERSITY 













ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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HOH & HAHNE, Hoflieferanten, Leipzig 


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Fabrik photographischer Apparate für alle 
Reproduktionsverfahren. Maschinenfabrik 


Zum Lochen ganzer Klischee-Platten bis 62 cm Breite 
und von Klischee-Facetten 

Äußerst solid, dauerhaft, 
< schnell und sauber 

A arbeitend 



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Stempel kann nie verkehrt 
eingesetzt werden 

Wesentlich verbessert 
Preis Mk. 90.00 


Königlich Sächsische Staatsmedaille 


Internat, photograph. Ausstellung Dresden 1909 


Man verlange Prospekte über 
unsere verbesserten 
Spezial-Maschinen zur 
Klischeebearbeitung'I 


Goldene Medaille 


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PRINCETON UNiVERSITV 





















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


DEUTSCHER BUCHGEWERBEVEREIN ■ LEIPZIG 

Zum Besuche der in dem Deutschen Buchgewerbehause zu 
Leipzig, Dolzstraße 1, nahe dem Gerichtsweg befindlichen 

STÄNDIGEN BUCHGEWERBLICHEN 

MASCHINEN¬ 

AUSSTELLUNG 

laden wir alle Fachleute, sowie Abnehmer von Maschinen ergebenst 
ein. Ausgestellt sind Schnellpressen für Buch-, Stein- und Lichtdruck, 
Tiegeldruckpressen, Draht- und Fadenheftmaschinen, Falzmaschinen, 
Papierschneidemaschinen, Kartonnagenmaschinen, Bogen¬ 
anleger, Setzmaschinen, Packpressen usw. 

...— von den Firmen:.., 

Gebrüder Brehmer, Leipzig 

Dresdener Schnellpressenfabrik 
Haiiß, Sparbert & Dr.Michaelis, 

Coswig i. Sa. 

Henry Garda, Leipzig: Lanston- 
Monotype, Buchstaben-Gieß- u. 

Setzmaschine 

A. Gutberiet & Co., Falzmaschi¬ 
nenfabrik, Leipzig-Anger 

Himmer & Köhler, Maschinen¬ 
fabrik, Aachen. 

Kleim & Ungerer, Bogenzufüh¬ 
rungsapparate- und Maschinen¬ 
fabrik, Leutzsch-Leipzig 

Karl Krause, Maschinenfabrik, 

Leipzig 


Leipziger Schnellpressenfabrik, 
A.-G., vormals Schmiers , 
Werner & Stein, Leipzig 

J. G. Mailänder, Schnellpressen¬ 
fabrik, Cannstatt-Stuttgart 

Erste Mannheimer Holztypen¬ 
fabrik, Sachs & Co., Mannheim 

Preuße & Comp., G.m.b.H., 
Maschinenfabrik, Leipzig 

J. G. Scheiter & Giesecke, 
Maschinenfabrik, Leipzig 

Schriftgießerei D.Stempel,A ,-G., 
Frankfurt a.M. 

Schroeder, Spieß & Croß, G.m.b.H., 
Bogenzuführer „Rotary“, Leipzig 


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PRINCETON UNIVERSITV 








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PRINCETON UNIVERSITY 

















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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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gefalzt und beschnitten, laut Käufers-Zeugnis, 
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der Schriftgießerei flinfch in frankfurt am 

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Schnellpressen-Fabrik (Württemberg) Gegr. 


empfiehlt ihre vorzüglich gebauten: 

Einfachen Buchdruck-Schnellpressen 
Doppel - Schnellpressen 
Zylinder-Tretmaschinen 
Tiegeldruckpressen - -' 

Schnellpressen für 
Lichtdruck 
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Blech-, Holz- und Bänderdruck 


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Eine solche Maschine ist im Deutschen Buchgewerbebaus in Leipzig ausgestellt 


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Kataloge gratis und franko 







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PRINCETON UNIVERSITY 












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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein 
7 . Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig -- - - 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

47. BAND FEBRUAR 1910 HEFT 2 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Februar 1910 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder: 

1. Margarete Babenzieni.Fa.M. Babenzien, Hofbuch¬ 
druckerei u. Hofverlagsbuchhandlung, Rathenow. 

2. Max Böhme i. Fa. Böhme & Co., G. m. b. H., 
Kunstanstalt, Magdeburg. 

3. Ernst Boll y i.Fa. R. Boll, Buchdruckerei und Ver¬ 
lagsbuchhandlung, Berlin. 

4. Johanna Dietz i. Fa. G.P.I.Bieling-Dietz, Königl. 
bayer. Hofbuchdruckerei, Nürnberg. 

5. Carl Ebner jun. i. Fa. Ebner & Co., Buchdruckerei 
und Verlag, Chur. 

6. Buchdruckereibesitzer Gustav Elstermann i. Fa. 
Meinders & Elstermann, Osnabrück. 

7. Wilhelm Gosling i. Fa. Deutsche Photogravur 
Akt.-Ges., Siegburg. 

8. Arthur Hedrich, techn. Geschäftsführer der Fa. 
Sinsel & Co., G.m.b.H., Oetzsch bei Leipzig. 

9. Hermann Imsiecke , Buchdruckerei, Cloppenburg. 

10. Max Jankei.Fa. Janke & Kästner, Xylographische 

Anstalt, Leipzig. 

11 .Karl Junge i.Fa. Fr. Seybolds Buchhandlung, 
Ansbach. 

12. Gustav Kammüller y Kunst- und Buchdruckerei, 
Heidelberg. 

13. Henri Kersten i.Fa. Berger & Kersten, Brüssel. 

14. Adolf Klauß i. Fa. Adolf Klauß & Co., Chemi- 
graphische Reproduktionsanstalt, Leipzig. 

15. Jean Knauer i. Fa. Gebrüder Knauer, Buchdruk- 
kerei und Verlag, Frankfurt a. M. 

16. Albrecht Koenig i.Fa. Albert Koenig, Buchdruk- 
kerei und Verlag, Guben. 

17. Dr.-Ing. Aug. Koenig, Frankenthal. 

18. Hans H.G.Krey, Oberfaktor der Fa. Philipp Re- 
clam jun., Leipzig. 


19. Hugo Langenmayr i. Fa. Breslauer Genossen¬ 
schafts-Buchdruckerei, Breslau. 

20. Nicolaus Leff i. Fa. Leipziger Kunstdruckerei 
Nicol. Leff, Leipzig. 

21. Albert Lenze , Briefumschlagfabrik, Leipzig. 

22. Hieronymus Mühlberger i. Fa. Hier. Mühlberger, 
Buchdruckerei, Augsburg. 

23. H. Müller-Höhn y Direktor des Artistischen Instituts 
Orell Füssli, Zürich. 

24. Walter Münstermann i. Fa. Chr. Münstermann, 
Buchdruckerei, Gelsenkirchen. 

25. Otto Rieck i. Fa. Siegfr. Rieck, Buchdruckerei, 
Delmenhorst. 

26. Emil Rüegg i. Fa. Emil Rüegg, Buchdruckerei, 
Zürich. 

27. P.von Schewelew Exzellenz, Direktor der Kaiserl. 
Staatsdruckerei, St. Petersburg. 

28. Hermann Schröder i. Fa. Albrecht Schröders 
Buchdruckerei, Fürth. 

29. Albert Sommerfeld i. Fa. Vechtaer Druckerei und 
Verlag, G.m.b.H., Vechta. 

30. Carl Sonntag jun., Kunstbuchbinder, Leipzig. 

31. Franz Sußmann i.Fa. Rob. Sußmann, Buchdruk- 
kerei, Oldenburg. 

32. Rudolph I. Walther i. Fa. Walther Printing House, 
Philadelphia. 

33. Curt Ziehlke i. Fa. C.Ziehlke, Buchdruckerei und 
Verlag, Liebenwerda. 

34. Herbert B. Zimmermann i. Fa. R. R. Donnelley & 
Sons Company the Lakrside Press, Chicago. 

b) als korporative Mitglieder: 

1. Graphische Vereinigung, Aschersleben. 

2. Innung Dresdner Buchdruckereibesitzer , Dresden. 


Leipzig, im Februar 1910 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 

33 5 


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- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - 

Ernst Neumann und seine Schule 

Von PAUL WESTHEIM, Berlin 


man den Namen Ernst Neumann y 
s dessen Arbeiten jetzt in einer Sonderaus- 
j Stellung der Besitzer Kunstgewerbebiblio- 
thek gezeigt wurden, so denkt man an 
Technisches. An die Lithographie, vor allem aber 
an den Farbenholzschnitt. Man erinnert sich, daß 
Neumann in Deutschland unter den ersten gewesen, 
die sich dieser Erweiterung des Holzschneidever¬ 
fahrens zuwandten. Das war keinesfalls Zufall. Zufall, 
wie er so oft den Künstler auf einen un betretenen Pfad 
lockt und zu seltenen Erfolgen führt. In diesem Falle 
mochte man fast 
von einer innern 
Bestimmung re¬ 
den. In Neu¬ 
manns Natur 
steckt eine aus¬ 
geprägte Fein¬ 
fühligkeit für 
neue technische 
Ausdrucksmög¬ 
lichkeiten. Wie 
ein Spürhund wit¬ 
tert er instinktiv, 
was aus einem 
Verfahren her¬ 
auszuholen ist. 

Und dieser Blick 
paart sich in ihm 
mit einemTrieb, 
solchen Versu¬ 
chen nachzuge¬ 
hen, bis sie letzte Ergebnisse liefern. — Als das 
gebildete Europa Japan und den altjapanischen Far¬ 
benholzschnitt entdeckte, war er bereit, diese Dar¬ 
stellungsweise auf eigne, europäische Weise zu ent¬ 
wickeln. Er erstrebte einen Farbenholzschnitt, der 
in der Wucht und der künstlerischen Güte Ver¬ 
wandtschaft zu dem japanischen Vorbild zeigen, der 
aber aus einer andern Kultur, andern Weltanschau¬ 
ung, andern zeichnerischen Auffassung zu ganz 
andern Formen gelangen sollte. Einzig die Möglich¬ 
keit, mit verschiedenen Holzstöcken verschiedene 
Farbflächen nebeneinander zu drucken, entnahm er 
dem Japanismus. Innerlich duldete er keinerlei Be¬ 
einflussung. 

Das unterscheidet ihn wesentlich von den Zeichner¬ 
naturen, die sich auf einmal so orientalisch gebär¬ 
deten. Die fanden in jener Graphik eine Art neuen 
Motivenschatzes . Was die gelben Insulaner mit zartem 
Gefühl und starker Sinnlichkeit in den Holzstock 
schnitten, versuchte die Anempfinderschar mit dem 
Pinsel, mit dem Bleistift zu zeichnen. Es gab Leute 


darunter, die auf einmal jede deutsche Frau, jede 
chike Pariserin als Geisha aufs Papier malten, 
unter deren Fingern unsre Landschaften, unsre Berge 
plötzlich das Aussehen des Berges Fuyi annahmen. 
Selbst Orlik vermochte nicht immer ganz die Balance 
zu halten. Man kann aber nicht sagen, daß diese 
äußerliche Art der Japanisierung Früchte getragen 
hätte. Und zwar aus folgendem Grund: Was so ent¬ 
stand, war Papierkunst. Das Vorbild war ein buntes 
Blatt Papier, nicht die Natur. Es war nichts erlebt, 
nichts gesehen, nichts gebildet, sondern nachgeahmt 

und nachempfun¬ 
den. Aus solcher 
Sackgasse aber 
führt kein Ent¬ 
wicklungsweg. 
Wo die Sinne 
nicht geschärft 
werden an der 
Natur, wo das Er¬ 
lebnis nicht zum 
Ausdruck reift, 
bleibt nur eins: 
die Versandung 
im papiernen 
Zeichnergeist. 
Die Japaner ha¬ 
ben so manchen, 
der sich ihnen 
allzu gefügig hin¬ 
gab, zur Strecke 
gebracht. Was 

sie zu vergeben hatten, war einmal die eindringliche 
Naturbetrachtung und zum zweiten erlesene technische 
Gediegenheit 

Auf seine Weise hat Neumann das zu nutzen ge¬ 
wußt. Er ist seinem Wesen nach Impressionist. Also 
ein Mensch, der weniger darauf eingestellt ist, eine 
Erscheinung einzeln, herausgelöst aus ihrer Umge¬ 
bung und in bedachtsamer Ruhe wiederzugeben, der 
vielmehr ein Augenblicksbild in seiner vollen Be¬ 
weglichkeit, mit seinen Beziehungen zu nahen und 
fernen Gegenständen, inmitten einer ständig wech¬ 
selnden, vielfältig spiegelnden Atmosphäre zu packen 
trachtet. Diese neue Art, die Dinge zu sehen, war es, 
die er auch mittels des Holzschnittes zum Ausdruck 
bringen wollte. Und zwar auf eine besondere Art, 
die dem Zeichner, der sich ja dem Impressionismus 
schon zugewandt hatte, nicht verstattet ist. Der Druck¬ 
fläche des Holzstockes kann man durch geschickte 
Bearbeitung, feinen Farbenauftrag und überlegtem 
Druck einen prachtvollen Wechsel von Tönen und 
Untertönen, von leuchtendem und mattem Kolorit, 

34 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von allerlei Nuancen abgewinnen und damit derFläche 
sprühendes Leben verleihen. Der Graphiker niedern 
Ranges gibt sich zufrieden, wenn er breite Flecken 
nebeneinander gesetzt hat, die leer, tot, ausdruckslos 
angähnen. Die Möglichkeiten, die in der Saugfähig¬ 
keit der Poren, in der Farbabgabe des Holzes an das 
Papier stecken, läßt er sich entgehen. Wozu aber 
dann überhaupt ein umständliches und schwieriges 
technisches Verfahren, wenn am Ende doch nichts 
anderes entstehen soll, als was mit einer einfachen 
Zeichnung müheloser und unmittelbarer erreicht 
worden wäre? 

Diese Frage ist über den einzelnen Fall hinaus von 
Bedeutung. Heutzutage mangelt ja zumeist das Ge¬ 
fühl, welch besondere Schönheit dies oder jenes 
Ausdrucksmittel zu spenden hat. Der Zeichner 
macht einen Entwurf, 
den er heute lithogra¬ 
phiert, morgen radiert 
und, wenn es ihm ein¬ 
fällt, ein andermal auf 
den Holzstock überträgt. 

Die Technik erzwingt 
sich dabei wohl in Ein¬ 
zelheiten ihr Recht. Sie 
nötigt ihn, den Strich 
aufdieseoderjeneWeise 
zu führen, verbietet das 
eine und verlangt das 
andre. Allein, gerade 
dieser Zwang im Klei¬ 
nen läßt die entstehenden Blätter so zusammenge¬ 
stückelt erscheinen, macht ihre Wirkung so wenig 
geschlossen und großzügig. Außerdem hat jede Tech¬ 
nik ihre Berechtigung zu erweisen, indem sie Reize 
bietet, die auf keine andre Weise zu erlangen sind. 
Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Die 
Radiernadel, richtig gehandhabt, ergibt ein Blatt, das 
sonst nicht zu erhalten wäre. Der Plastiker legt eine 
Figur anders an, wenn er sie gießen, anders wenn 
er sie in den Stein schlagen will. Gegen diese Er¬ 
kenntnis wird im Bereich der graphischen Künste 
stark gesündigt. Der Buchdrucker weiß aus seinen 
Berufserfahrungen zur Genüge, wie leichtherzig 
selbst tüchtige Zeichner sich darüber hinwegzuset¬ 
zen pflegen. Wenn an Neumanns Schaffen etwas zu 
schätzen ist, so ist es diese unerbittliche Wahrung 
des Gebotenen , dieses strenge Herausholen der letzten 
Feinheit aus einem Verfahren. 

Nicht nur aus dem Farbenholzschnitt. Von den 
Lithographien, den geistreichen Klebearbeiten, den 
Zeichnungen wäre das gleiche zu sagen. Daher 
durfte auch die Behauptung gewagt werden, daß es 
nicht Zufall, viel eher Bestimmung war, daß er früher 
als andre den neuen Farbenholzschnitt aufgriff. Und 
weiterhin kann ausgesprochen werden, daß Neumann 


mit allen Fibern , aus innerlicher Notwendigkeit 
Graphiker ist. Nicht ein Zeichner, der auch, oder der 
einmal ein graphisches Verfahren benutzt. Daher in 
ihm der Drang, immer wieder Neues auszuprobieren, 
mit neuen Materialien zu spekulieren, um ungeahnte 
Feinheiten zu erjagen. So — um nur ein Beispiel an¬ 
zuführen — trachtete er die langweilige Glätte des 
Lithographiepressendrucks zu überwinden, indem 
er neue Tuschen mischte, einem Asphaltverfahren 
Weichheiten und Nuancierungen zu entlocken suchte, 
mit zarten Aquarellfarben Lithographien auf der 
Buchdruckerpresse druckte und dergleichen mehr. 

Hier liegt der Schwerpunkt seiner Künstlerschaft. 
Es bedeutet wenig, daß man sich gegenüber der einen 
oder andern Gestaltung zurückhaltend oder gar ab¬ 
lehnend verhalten kann. Wo ein Temperament über¬ 
schäumt, gibt es eben 
Schaum. Was ist dabei 
weiter verwunderlich. 
Aber zieht man die Bi¬ 
lanz, so ergibt sich eine 
so große Summe von 
Frische, von Stärke und 
Schönheit, die aller Ach¬ 
tung wert ist. Da flitzen 
bei sinkender Sonne ein 
paar Segel über den 
wogenden Spiegel, da 
stehen breit ein paar 
Weiber in der M^rzen- 
sonne, holzschnittartig 
hat er einen Baumschlag aus dem tief geätzten Stein 
herausgeholt und die geschnittenen oder lithogra¬ 
phierten Köpfe sprühen Frische, als ob sie mit dem 
Stift leichthin aufs Blatt geworfen wären. 

Eine besondere Hoffnung war für ihn das Gebiet 
der angewandten Graphik. Als vor zehn und fünfzehn 
Jahren eine Sturzwelle der Begeisterung hier auf¬ 
rauschte, als das ästhetische Gemüt träumte, daß man 
mittels der weitverbreiteten Geschäftsdrucksachen, 
mittels Plakaten, Inseraten, auch Exlibris und der¬ 
gleichen Dingen Schönheit zentnerweise in die Massen 
schmeißen könne, war er mit Eifer dabei. Seine 
Plakate für die Münchener Elf Scharfrichter, seine 
Saharetaffiche bis zu einem vor nicht langer Zeit ent¬ 
standenen Lawntennisplakat (Sosa) zeigen einen ent¬ 
schiedenen Zug zu dekorativer Größe. Sie durch¬ 
schwingt etwas von dem Geist dergroßen französischen 
Affichenkunst der neunziger Jahre, von dem weder in 
Frankreich noch in Deutschland etwas geblieben ist. 
Es scheint,daßderinnereZwiespalt zwischen derEthik 
der Erwerbenden und der des Künstlers auch hier 
übermächtig klafft. Jedenfalls ist es Neumann nicht 
gelungen, sich in dem schwülen Getriebe der Reklame¬ 
geschäftsmacher durchzusetzen. Es mag zugegeben 
werden, daß er vielleicht zu feinfühlig ist, um die 

5* 



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PRINCETOM UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Schelle des Marktschreiers grell genug zu läuten. 
AlspersönlicheTragikbraucht er das nicht zu nehmen, 
denn imWesendieser Betätigung liegt es,den Künstler 
mit Bleigewichten in die Tiefe zu ziehen. Und heute 
ist trotz allen Fortschritts noch nicht das Niveau er¬ 
reicht, das Geistern solcher Art die breite Wirksam¬ 
keit gestattet. 

Sein Können konzentrierte sich nach andrer Rich¬ 
tung. Als Lehrer gibt er seine Fähigkeiten weiter. 
In der Schule von Clara Fischer textet er eine graphische 
Abteilung. Und er ist, wie die Ausstellung der Kunst¬ 
gewerbebibliothek und frühere Schulausstellungen 
zeigten — kein schlechter Lehrer. Es gelingt ihm 
sogar, bei mancher Dame den Trieb zum Dilettantisch- 
Gefälligen zu ersticken. Diese Tatsache ist nicht so 
überraschend, wenn man sich erinnert, daß sein 
Streben hauptsächlich darauf gerichtet war, Instinkt 
für technisches Ausdrucksvermögen zu wecken und 
das Auge zu schärfen. Man kann keine feinere und 
zugleich eindringlichere Methode haben. Am weitesten 
hat es A. Braun-Heilbronn gebracht. Natürlich fehlt 
es auch ihm nicht an Entgleisungen. Aber man wird 
in ihm die Entwicklungsfähigkeit nicht verkennen. 
Da sind z. B. ein paar Klebearbeiten. Aus bunten, 
glänzenden Papieren ist eine Affiche für Ballschuhe 
oder eine flitzende Tänzerin zusammengeklebt. Der 
wackere Kunstphilister wird das achselzuckend als 
eine müßige Tändelei einschätzen. Zweifellos ist es 
das nicht. Man wird mir hierin vielleicht schneller 
zustimmen, wenn ich an die Klebearbeiten der Öster¬ 
reicher namentlich von Prof. Cizek, Marie Zülow, 
Franz Delavilla und ihrer Schüler erinnere. Das sind 
Silhouettenarbeiten. Figuren in der Kontur ausge¬ 
schnitten und dekorativ nebeneinandergesetzt. Auch 


die reinen Silhouettenschneidereien des Königs- 
bergerHch.Wolff und derJohannaBeckmann sind mehr 
dekorative Stilisierungen. Hier aber wurde, ich möchte 
sagen mit Buntpapierschnitzeln impressionistisch ge¬ 
malt. Die Figur der Tänzerin ist hingehauen aus zahl¬ 
losen farbigen Flecken, wie etwa der moderne Maler 
mit ein paar Pinselstrichen seine Gestalt auf die 
Leinwand wirft. Und das sprüht von erregter Leben¬ 
digkeit. Dazu kommt schließlich die Erwägung, daß 
dieser Effekt allein erreichbar gewesen durch den 
eigenartigen Glanz der zusammengeklebten Papiere, 
wodurch wieder einmal die Notwendigkeit einerTech- 
nik dargetan wäre. Übrigens ist mir von Neumann 
ein Blatt bekannt: in greller Sonne sitzt eine sekt¬ 
schlürfende Maid vor einer Rollblechwand. Diese 
Wand war aus hellen und dunkelroten Streifen geklebt 
und hatte damit eine selten plastische, selten stoffliche 
Eindringlichkeit erhalten; doch der Schwerpunkt liegt 
ja nicht hier, liegt in den Zeichnungen, Holzschnitten, 
Lithographien, liegt in dem, was die Schüler zu fertigen 
vermögen. Eine gewisse Selbständigkeit in der Auf¬ 
fassung und derWiedergabe, Frische und Herzhaftig¬ 
keit sind unschwer zu erkennen. Und schließlich sind 
das Elemente, in denen Zukunft steckt. Blätter, wie 
die von Havemann, Mitzlaff, Cingria, Braumüller oder 
Weyermann geben alle Hoffnung. 

Die entscheidende Frage ist nur, ob es dieser 
Schülerschar gelingen wird, den graphischen Geist 
ihres Meisters in die Breite zu bringen, ihn als 
künstlerischen Wert den Gewerben zuzuführen. 
Sicherlich stecken in dieser Art mancherlei Keime, 
die aufgegriffen werden sollten, denn sie führen weiter, 
als die Geschicklichkeitswerte der beliebten Hand¬ 
langer. 


Der Titelsatz, seine Entwicklung und seine Grundsätze 

Von REINHOLD BAMMES, München 
I 


S EIT dem Beginne der neuzeitlichen Bewe- 
| gung in derDruckausstattung sind nun schon 
| mehr als zehnjahre verflossen, und es haben 
sich in dieser Zeit die damals hoch aufschäu¬ 
menden Wogen widerstreitender Meinungen längst 
geglättet. Was anfänglich verworren erschien, ist 
nun geklärt und das „Neue“ ist zum vertrauten Alten 
geworden. Die große Kraft und Nachdrücklichkeit, 
mit der jene Bewegung einsetzte, schien anfangs alle 
„Regeln“ und sonstigen anerkannten und eingebür¬ 
gerten Gepflogenheiten für die Ausstattung unsrer 
Druckerzeugnisse wie ein Wirbelwind fortfegen zu 
wollen. Künstler und Kunstgelehrte bemühten sich, 
den Buchdruckern zu beweisen, daß ihrer Hände 
Arbeit sehr häufig unkünsterisch und geschmacklos 
sei. Es waren freilich der „Prachtwerk“-Geschmack, 
der damals die Buchausstattung, und die „freie Rich¬ 


tung,“, welche vornehmlich die Akzidenz beherrschte, 
ganz darnach angetan, Entsetzen bei künstlerisch ge¬ 
bildeten Leuten zu erregen, und jenes harte Urteil 
war nicht ungerechtfertigt; doch auch in den Kreisen 
des Buchdruckgewerbes selbst schlummerte ein 
gesunder Geschmack und erwachte sofort bei dem 
ersten Alarm. Die neue Lehre von der künstlerischen 
Druckausstattung fand begeisterte Aufnahme. Ge¬ 
lehrte, Künstler, Verleger und Buchdrucker halfen 
mit vereinten Kräften getreulich am Werke, es wurden 
nicht nur neue Worte wie „Buchkunst“ und „Buch¬ 
schmuck“ geprägt, sondern auch neue Werte in 
Schrift, Ornament und Illustration geschaffen, so 
daß man heute mit Recht von einem bedeuten¬ 
den Aufschwünge sprechen und mit dem in verhält¬ 
nismäßig kurzer Zeit Erreichten wohl zufrieden sein 
kann. 


3t> 


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PRINCETON UNIVERS1TY 








A. Braun-Heilbronn, Klebearbeit 


Ernst Neumann, Farbcnholzschnitt 


G. Braumüller, Lithographie 


Ernst Neumann, Farbcnholzschnitt 


Zu dem Artikel: Ernst Neumann und seine Schule 


Beilage zum Archiv für 


»Gurgle 


Original from 

pp |fs DfücV^fon Breitkopffc Härtel in Leipzig 















M. Havemann, Holzschnitt 


Gg. Braumüller, Holzschnitt 


M. Marlin, Lithographie (Asphaltverfahren) 


Winter, Lithographie (Asphaltverfahren) 


Zu dem Artikel: Ernst Neumann und seine Schule 


Original from 

pp Drück Vö|i BrfitkGjtf & Härtel in Leipzig 







ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Wenn man nun heute, nachdem die Begeisterung 
sich gelegt hat und das damals Gelehrte und Erstrebte 
wenigstens in gewissem Umfange zum sicheren Be¬ 
sitze geworden ist, die Frage aufwirft, ob denn auch 
wirklich alles, was dem Buchdruckgewerbe von 
Außenstehenden als not¬ 
wendig zu seiner Reform 
bezeichnet wurde, neu ge¬ 
wesen sei, so kann man 
darauf keine bejahende 
Antwort geben. Neu waren 
die Forderungen nur für 
den Augenblick, das geht 
schon aus den beständigen 
Hinweisen auf die Werke 
der alten Meister der Buch¬ 
druckerkunst, auf die eng- 
lischenVorbilder usw.her- 
vor. Denn, wenn die For¬ 
derungen wirklich neue 
gewesen wären, wenn sie 
nicht den im Gewerbe tat¬ 
sächlich vorhandenen und 
nur von ungünstigen Mo¬ 
deeinflüssen zeitweilig zu¬ 
rückgedrängten guten Ge¬ 
schmack und gesunden 
Sinn für materialgerech¬ 
tes Schaffen bloß wieder 
geweckt hätten, so hätte 
ihre Erfüllung durch die 
tätigen Kräfte des Ge¬ 
werbes keine so rasche 
und verständnisvolle sein 
können. 

Solche Betrachtungen 
drängen sich besonders 
demjenigen auf, welcher 
sich mit der Entwicklung 
und dem gegenwärtigen 
Stande gewisser einzelner 
Gebiete des Buchdruckge¬ 
werbes befaßt. Ein sol¬ 
ches besonders charak¬ 
teristisches Gebiet ist der 
Titelsatz , dem in den fol¬ 
genden Ausführungen eine 
eingehende Behandlung 
gewidmet werden soll. Obwohl über diesen Gegen¬ 
stand schon vieles und darunter Vortreffliches ge¬ 
schrieben worden ist, dürfte es für viele Fachge¬ 
nossen doch nicht ganz wertlos sein, das Kapitel vom 
Buchtitel und Titelsatz einmal im Zusammenhänge 
von Anfang an in seiner geschichtlichen Entwicklung 
biszu seinemgegenwärtigen Stande kennen zu lernen, 
besonders wenn, wie dies hier beabsichtigt ist, die 

37 


Zusammenhänge und Beziehungen der allgemeinen 
gewerblichen Entwicklungzu dem behandelten Sonder¬ 
gebiete dabei immer nach Möglichkeit klar vor Augen 
geführt werden. 

Um den ganzen Stoff so übersichtlich wie möglich 
zu gliedern, ist er in meh¬ 
rere Abschnitte eingeteilt 
worden; den einzelnen Un¬ 
terabteilungen dieser Ab¬ 
schnitte sind wieder, wo 
dies zweckdienlich er¬ 
schien, kurze Leitsätze 
vorangestellt, die gewis¬ 
sermaßen den Inhalt der 
ganzen Abhandlung kurz 
und bündig zusammen¬ 
fassen. 

Schließlich werden auch 
die in größerer Anzahl bei¬ 
gegebenen Abbildungen 

— und zwar wirklicher, 
der Praxis aus Vergangen¬ 
heit und Gegenwart ent¬ 
nommener Buchtitel in 
verkleinerter Wiedergabe 

— das ihrige beitragen, 
um das Verständnis des 
Wortes dem Leser näher 
zu bringen und die Lektüre 
interessanter und nutz¬ 
bringender zu machen. 

Allgemeines über das 
Wesen des Titelsatzes. 

Der Titelsatz ist so 
recht eigentlich die Seele 
des Akzidenzsatzes, und 
die Kenntnis seiner Grund¬ 
sätze ist für jeden Set¬ 
zer, dessen Ehrgeiz über 
die „glatte Zeile“ hinaus¬ 
strebt, unbedingt notwen¬ 
dig. Die Anforderungen 
an diese Kenntnisse be¬ 
ginnen bei der einfachen 
Rubrikzeile, erhöhen sich 
bei der mehrzeiligen Über¬ 
schrift und steigern sich 
beim Titel des Buches ganz erheblich. Denn bei die¬ 
sem ist dem Setzer die Aufgabe gestellt, einen be¬ 
stimmten Wortlaut meist allein durch Schrift auf einer 
besonderen Seite so zur Geltung bringen, daß nicht 
nur der praktischen Forderung in bezug auf sinn¬ 
gemäße Gruppierung, Hervorhebung des Wichtigen 
und Minderbetonung des Nebensächlichen Rechnung 
getragen ist, sondern daß die Arbeit durch ihre Form 









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Beispiel 1. Anfang des vor 1290 von einem bayrischen Dichter 
verfaßten Epos: Lohengrin. Nach der Heidelberger Handschrift 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



auch künstlerischen Ansprüchen gerecht wird. Dieses 
letztere ist nun oft deswegen nicht leicht, weil der 
vorgeschriebene Wortlaut sich nur mit Schwierigkeiten 
in eine schöne Form bringen läßt und die Verwendung 
von Schmuck entweder ganz ausgeschlossen oder 
auf das Verleger- oder Druckerzeichen, an dessen 
Stelle auch ein einfaches Zierstück stehen kann, be¬ 
schränkt ist. 

Aber auch bei Akzidenzarbeiten aller Art behalten 
die für den reinen Titelsatz maßgebenden Grund¬ 
sätze der Zeilenanordnung ihre Gültigkeit; denn wenn 
auch hier durch die Mitverwendung von Schmuck¬ 
formen die Arbeit erleichtert wird, so bleibt doch 
immer die Hauptsache, daß durch geschickte Schrift¬ 
anordnung praktische und ästhetische Forderungen 
zugleich erfüllt werden. 

Wenn man auch mit Recht verlangen kann, daß 
jeder Schriftsetzer imstande sein soll, einen regel¬ 
rechten Buchtitel zu setzen, so muß man insbeson¬ 
dere vom Akzidenzsetzer die gründlichste Kenntnis 
der Grundsätze des Titelsatzes erwarten; es ist dies 
eine Forderung, auf die auch bei den Gehilfen¬ 
prüfungen besonders Gewicht gelegt werden sollte. 
Dies dürfte in Zukunft um so leichter angängig sein, 
als dem gewerblichem Nachwuchs in den immer 
mehr zur Einführung gelangenden Fachschulen Ge¬ 
legenheit geboten wird, diese Kenntnisse zu er¬ 
werben. 


Zweck, Inhalt und Form des Buchtitels. 

Um jede Unklarheit darüber, was wir unter dem 
Buchtitel zu verstehen haben, von vornherein aus¬ 
zuschalten, sei ausdrücklich gesagt, daß wir unter 
demselben nicht den Aufdruck des Einbandes oder 
Umschlages verstehen, sondern die erste Druckseite 
des Buchinnern. Der Wortlaut dieser Seite hat den 
Zweck , dem Leser mit wenigen Worten zu sagen, 
erstens: wovon das Buch handelt , also dem Buche 
einen Namen zu geben, zweitens: wer es verfaßt hat 
und drittens: wer es verlegt oder gedruckt hat. Diese 
Hauptangaben bilden nach Jahrhunderte altem Brauch 
den Inhalt des Buchtitels; selbstverständlich finden 
wir auf ihm aber meistens noch weitere Angaben 
und Erläuterungen mehr oder minder wichtiger Art, 
die sich auf den Inhalt, den Verfasser, auf Ort und 
Zeit des Erscheinens beziehen. 

Dem also festgelegten Titeltexte ist nun vom Setzer 
eine gewisse äußere Gestalt zu geben , und das ist es 
eben, was wir unter Titelsatz verstehen und was wir 
in diesem Aufsatze behandeln wollen. Über die Ge¬ 
staltung des Buchtitels finden wir nun schon seit 
alter Zeit zwei verschiedene Auffassungen. Die eine 
Auffassung ist bestrebt, den ganzen Satz in eine 
vorausbestimmte Form zu bringen , das heißt durch 



38 


































































- ------ = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

Anordnung der Zeilen irgendeine geometrische 
Figur, wie ein Dreieck, Quadrat oder Rechteck, 
einen auf einer Spitze stehenden Rhombus, oder 
mehrere solcher Formen, manchmal auch die 
Umrisse eines venetianischen Spitzglases, einer 
Vase oder Urne usw. zu bilden. Die andre Ge¬ 
staltungsart ist die, den Titel wohl im Ganzen 
als ein freischwehendes Ornament aufzufassen , 
aber seine Form nach dem jeweiligen Wortlaut 
und dessen sinn- und zweckgemäßer Anordnung 
frei zu entfalten , allerdings unter Rücksichtnahme 
auf die Schönheit der so entstehenden Form im 
Ganzen und auf die Proportion ihrer Teile. 

Die Wichtigkeit, welche der Kunst des Titel¬ 
satzes innewohnt, haben die Buchdrucker er¬ 
kannt, solange es überhaupt Buchtitel gibt, und 
seit langer Zeit hat es — wie wir noch sehen 
werden — auch Regeln für den Titelsatz gegeben, 
die im Laufe der Zeiten sich änderten. Immer 
finden wir aber, daß die Gestalt des Buchtitels 
nicht bloß von den jeweiligen technischen Mög¬ 
lichkeiten abhängt, sondern mit dem allgemeinen 


Kunstempfinden der Zeitläufte aufs engste verknüpft 
ist. Denn wenn das Buch als Ganzes jederzeit als ein 
kunstgewerbliches Erzeugnis anzusprechen war und 
ist, so ist es sein Antlitz, der Titel, ganz besonders. 
Um dies zu erkennen und auch, um darüber klar zu 
werden, daß die heute vielfach geübte Art der Titel¬ 
anordnung, der Blocksatz, nichts Neues ist, sondern 
auf alten Grundsätzen beruht, die nur dem heutigen 
Empfinden und den heutigen technischen Möglich¬ 
keiten entsprechend verfeinert sind, müssen wir uns 
so eingehend, wie es im Rahmen dieses Aufsatzes 
möglich ist, mit der Geschichte des Buchtitels be¬ 
schäftigen. 

Aus der Geschichte des Buchtitels. 

Handschriftliche Bücher besitzen noch kein besonderes 
Titelblatt , sondern die erste Seite trägt den Titel des 
Buches als Überschrift, welcher sich der Text 
unmittelbar anschließt. 

Wenn wir in dieZeit vorErfindung derBuchdrucker- 
kunst, also bis zu den geschriebenen Büchern, die ja 
den ersten Erzeugnissen der Druckpresse als Vor¬ 
bilder gedient haben, zurückkehren, so finden wir in 
der Hauptsache zwei charakteristische Formen für die 
denTitel ersetzende Überschrift der ersten Buchseite, 
zwei Formen, die wir in den Beispielen 1 und 2 wieder¬ 
geben. Die erste Seite des vor 1290 von einem baye¬ 
rischen Dichter verfaßten Epos „Lohengrin* zeigt ein 
großes, den Text einleitendes Initial, hinter dem aber 
zunächst zwei Zeilen: Hie hebt sich an Lohengrin, 
daz Buch uns den Inhalt der Handschrift verkünden, 
also dasjenige ersetzen, was wir heute den Titel 
nennen. Solche Überschriften wurden oft mit roter 

39 




f AV.ira Culn Cicvrom# Arpmaitoofiiiifip 
^rodi.un-.iciO.’icountuimm-AtiAV cuhti 
coro )\ aji h i tu i i «tt • Qt\\noti ii fccr m apir . 

er warnt 

ia*i äudictet« cmnK>ü.idqß 

I cvpan.mfhtonr^i^«^' 

vrbifwquou fcictw 

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grcao lattnn 

jet .ncqi id twpWi.» foKi.f? «ui w» biccA 
ic fca . ici'nbi nenfco faacnckuot p<*r fiu mV«v 
tfq? otom» FacuWa«. ‘kma quideAdrc-nostttvi' 
jcmnr.mftgnüadnimcntü attulrrrmelpmifc») «nef 
7« non oodog tc<av l wp-ruän^ «um 
qu.intü fearbitröttir adcp«r.ctad thfcendü e* tfö 
mdirjdüt‘KwAoJbr*0ileea tu qmdc ii pvapc hnrnf 

Vidictcivfem.quo.idtcquaiü^aaenö pmMcWfc 
t.xn« imtkgwTJ.nö tnuitu a p^np.^drncifl Ötffc 
tv n vttwß Jocmcux % pla romci wlumHio cO«. 
t>« rebuft rp m V wrf tuottiChao .fl UhU ettim im pU 
Jqo 'Qioncm m>tc 

e .f?cc Vf ao arro^anrtsr ejenf 

rtiaitvtflm» ><cd«o Wpai ronlti* q$ 




Beispiel 4. Anfangsseite aus Marci Tullii Ciceronis Officia et 
Paradoxa. Gedruckt von Johann Fust & Peter Schöffer } Mainz 1466 


Emctafiis teröreptfonfmarifufc 
ginißtottus a tratet jwtoauwoti 
otDintenunom. 


Beispiel 5. Erste Blattseite der Schrift: Tractatus de conceptione 
marie virginis etc. Gedruckt von Peter Schöffer, Mainz 1480 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


iDftftflirVOmTura 
\>on imöcrnipdu Dt 
gotöbt^tiVttftbflfcrif 



Beispiel 6. Titelseite aes Buches: Der Ritter von Turn. Gedruckt 
von Michel Furier, Basel, 1493. Verleger Johann Bergmann von Olpe 


Farbe geschrieben, auf welche Gepflogenheit ja heute 
noch unser technischer Ausdruck für Überschrift 
„Rubrik“ (von rubrum = das Rote) hindeutet. Das 
zweite Beispiel zeigt eine Form, wie sie in den Hand¬ 
schriften seit dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts 
oft vorkommt. Es werden nämlich die einleitenden 
Worte „Hie hebt sich an“ oder „Hie beginnet“ meist 
weggelassen und in der Form eines abgekürzten 
Satzes wird nur gesagt, wovon die Handschrift han¬ 
delt, in unserm Falle also: „Vaßnacht Spil der allt 
Hannetanz“. 

Auch die ersten gedruckten Bücher besitzen kein 
eigenes Titelblatt. 

Wie in den geschriebenen, so finden wir auch in 
den ersten gedruckten Büchern noch kein eigenes 
Titelblatt, sondern auch bei diesen steht der Titel als 
einfache Überschrift auf der ersten Seite unmittel¬ 
bar über dem Textanfang. So sehen wir in Beispiel 3 
die erste Seite der von Gutenberg gedruckten 42zei- 
ligen Bibel, die, ähnlich der Lohengrinhandschrift, nur 
in lateinischer Sprache, mit den Worten beginnt: 
„Incipit epistola sancti hieronimy ad Paulinum pres- 
biterum“. Angaben über den Drucker oder das Jahr 
des Druckbeginns und seiner Vollendung fehlen bei 
diesem Werke ebenso, wie bei den andern von Guten¬ 
berg gedruckten Büchern; erst das im Jahre 1460 
gedruckte Katholikon enthält die bekannte Schluß - 


schrift , welche besagt, daß „unter des Allerhöchsten 
Beistand dieses Buch Katholikon im Jahre 1460 zu 
Mainz gedruckt und vollendet worden ist“, während 
auch hier der Name des Druckers fehlt. Erstmalig 
finden wir in dem 1457 erschienenen, von Johann 
Fust und PeterSchöffer gedruckten PsalmorumCodex 
in der Schlußschrift die Namen der Drucker, sowie 
Ort, Datum und Jahreszahl der Vollendung. 

Gleichwie in denTiteln der Handschriften das „Hie 
beginnet“ später weggelassen wurde, so sehen wir 
auch in den gedruckten Büchern bald das „Incipit“ 
verschwinden und nur den in wenige Worte gefaßten 
Inhalt des Buches als Überschrift erscheinen, wie es 
uns das Beispiel 4, die erste Seite eines gleichfalls 
von Fust und Schöflfer im Jahre 1466 gedruckten 
Buches Cicero Officia zeigt, dessen Überschrift 
bzw.Titel mit den Worten beginnt: „Marci Tulii Cice- 
ronis“ etc. Der hier schon mehr titelmäßig gefaßte 
Wortlaut ist etwas umfangreicher, wie wir dies bisher 
gefunden, und gibt dem Leser einen besseren Einblick 
in den Inhalt des Werkes. Auch wird nun der Text 
nicht mehr so unmittelbar unter den umfangreicheren 
Überschriften begonnen, sondern derTextbeginn wird 
etwas tiefer gerückt, so daß der Titel bzw. die Über¬ 
schrift frei darüber steht , entweder in vollen oder 
auch in spitz nach unten verlaufenden Zeilen. 

Der Buchtitel wird selbständig. 

Damit war der erste Schritt getan zur Loslösung 
der Überschrift vom eigentlichen Buchtexte und sehr 

©er Spiegel Oer fEugent: 

vnb f£itf«mf<yt/9ur<9 $en ßodjffetümten Witter vö 
• tTßurn mt'tt |<$5n«n vnnö foftlt'cßen 6y|lo:t'en tmb 
i£»ipt?/$ü vnbawyfung fyntr finb/jn.fr<tnQo 
ftfaj« fp:<Ktff?egriften/»nb 9urc6 9cn l£bl<n 
fiirnemmxm Strengen /§ern flOatquart 
vom Steyn Witter/ vnb üUnbtuogt )u 
flOontptWcart / jn tiitfc# franffettert 
vnnb gejogenn/3« ibaftP jn $em 
jojnact? Cfyifti getfurt .(Vj.eccc* 
jeciij* tot gebrutft $urc# (V> 
cfclrt furter mb« (»<§ 
fdtfftc# 2lmcn. 



3 2 


Beispiel 7. Schlußschrift des Buches: Der Ritter von Turn. Gedruckt 
von Michel Furier, Basel 1493. Verleger Johann Bergmann von Olpe 


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bald finden wir nun, daß die Überschrift für sich allein 
auf die erste Buchseite gestellt wird, während der Text 
auf der zweiten beginnt, wie wir dies an unserm Bei¬ 
spiel 5, einem der ältesten selbständigen Buchtitel 
ersehen können. Es ist dies derjenige zu dem etwa 
1480 von Peter Schöffer in Mainz gedruckten Buche: 
Tractatus de conceptione mariae virginis. So wären 
wir also bei dem selbständigem Titelblatte , dem Buch¬ 
titel in unserm Sinne, angelangt, wir finden aber, 
daß es uns weiter nichts angibt, wie die Benennung 
des Buches; alle andern Angaben, wie Drucker (der 
ja zu jener Zeit gleichzeitig Verleger war), Zeit und 
Ort des Erscheinens und alle sonstigen Angaben 
finden ihren Platz noch in der Schlußschrift und sie¬ 
deln erst nach und nach auf den Buchtitel über. 

Der Buchtitel wird auch mit bildlichen Darstellungen 
geschmückt. 

Sehr häufig finden wir auf den Buchtiteln jener Zeit 
bildliche Darstellungen in Holzschnitt angewendet. 
Diese hatten wohl einen doppelten Zweck: zunächst 
den Raum zu füllen und damit die Seite voller und 
dekorativ wirksamer zu gestalten, dann aber auch, 
durch das Bild den Inhalt des Buches dem Beschauer 
näher zu bringen und die Kauflust zu reizen. So sehen 
wir auf unserm Beispiel 6, dem Titel zu dem 1493 
in Basel gedruckten Buche: Der Ritter vom Turn 
unter dem Titeltexte eine Darstellung, wie ein Ritter 
einigen Personen Anstands- und Lebensregeln er- 

joatttteifttudjlm 
tente ©tttiita i&iogpm * 

naftttata:l)occft: HutHtra 
pifejrerritatntnta. 

Sebaftiatius. Brant. 

Acripe Vatigionumprgfu! venerande/Ioatuus 
Capnionis noftri comica dulcdoquu 
Quo duce Germanos comj diaprifcareuifit: 

Ec theruit foccis Rhgnus tnire nouis. 

Barbarico ex fumo/flämas meus die decoras 
Capnion elicuic.grat/a multa viro* 

Mulcum dodfca cohors/multum cirrata luuetltus 
Debet Capnioni. multa thaliameo* 

i 4 9 8* 

Nihil Ane cauft 
Olpe 


Beispiel 8. Titel der ersten Ausgabe von Johann Reuchlins Scenica pro* 
gymnssmsta. Gedruckt von Johann Bergmann von Olpe, Basel 1498 



0 O 

miritfintmtmocnttl. 
Miift . 

prnfy wÄmmfe hcii# 
wrtTittr« Ixn -Jtnntemcftj 




©ct>rucf( in bar £apfcrlicf)ca 
£cac^ümfxrs$urct) o 
tenöicemßannlm 



Beispiel 9. s) Titel, b) SchluQschrift der ersten Ausgabe vom 
Theuerdank. Gedruckt von Hans Schönsperger, Nürnberg 1517 


klärt, die von einem Schreiber niedergeschrieben 
werden. Das Beispiel 7 zeigt die Schlußschrift des¬ 
selben Buches: sie nennt wohl den Drucker, nicht 
aber den Verleger Johann Bergmann, sondern deutet 
den Verlag nur durch dessen Wahlspruch Nüt on 
vrsach, sowie die Anfangsbuchstaben des Verlegers 
J B an. 

Über die Weiterentwicklung des Buchtitels zur Zeit 
der Renaissance. 

Mit der nunmehr rasch fortschreitenden Ausbrei¬ 
tung der Buchdruckerkunst und der gesteigerten 
Herausgabe von Büchern ging natürlich auch eine 
Weiterentwicklung des Buchtitels Hand in Hand. Wir 
finden nun bald auch unter der Benennung des Buches 
erläuternde Zusätze, sowie den Versuch, den Verleger 
auf dem Titelblatte selbst zu nennen, wie dies auf 
unserm Beispiel 8 ersichtlich ist. Wir sehen auf 
diesem Titelblatte der ersten Ausgabe von Reuchlins 
Scenica Progymnasmata, in Basel bei Johann Berg¬ 
mann von Olpe verlegt, unter der Jahreszahl des Er¬ 
scheinens 1498 noch den Wahlspruch sowie einen 
Teilnamen des Verlegers (Olpe). Allein zur allge¬ 
meinen Einführung gelangte dieser Brauch, den In¬ 
halt der bisherigen Schlußschrift auf den Titel zu 
verlegen, noch nicht, dies blieb einer späteren Zeit 
Vorbehalten; wir finden im Gegenteil in der Zeit der 
Renaissance vielfach noch textlich sehr gute Buchtitel, 


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6 


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Beispiel 10. Titel der ersten Ausgabe von Luthers Schrift: An den christ¬ 
lichen Adel deutscher Nation. Gedruckt von Hans Lo^Wittenberg 1520 


wie derjenige des Theuerdank, erschienen 1517 
(Beispiel 9), wohl des künstlerisch am schönsten 
ausgestatteten Buches der Frührenaissance, dessen 
Schrift bekanntlich die Grundzüge zur Frakturschrift 
gegeben hat. Neben diesem gezeichneten Titel hat 
aber die Renaissanceperiode auch eine große Anzahl 
gesetzter Titel aufzuweisen, die bei treffender 
Kürze des Wortlauts in ihrer äußeren Form ganz 
ungezwungen auftreten und auch heute noch jedem 
Setzer Ehre machen würden. 

Allerdings finden wir auch Titelblätter, bei denen 
weder auf sinngemäße Anordnung des Textes noch 
auf richtige Worttrennungen Wert gelegt worden ist, 
sondern wo häufig dem Texte die größte Gewalt an¬ 
getan wurde, um eine — manchmal allerdings sehr 
zweifelhafte — schöne Form in der Zeilenanordnung 
zu erzielen. Wie man sich aber hier und da doch be¬ 
müht, gemachte Fehler zu verbessern, zeigen die 
Beispiele 10 und 11. Ersteres stellt den Titel der 
ersten, letzteres denjenigen der zweiten Ausgabe von 
Luthers Reformationsschrift: An den christlichen Adel 
deutscher Nation, beide erschienen im Jahre 1520, 
dar. Die ganz sinnwidrige und sprachlich falsche An¬ 
ordnung des Titels zur ersten Ausgabe scheint den 
Drucker Hans Lufft in Wittenberg zu der Erkenntnis 
gebracht zu haben, daß eine Verbesserung notwendig 
sei; mit welch gutem Erfolge diese durchgeführt 
wurde, zeigt uns die Satzanordnung des zweiten Bei¬ 


spiels, die außerdem noch durch die, wahrscheinlich 
von Lucas Cranach gezeichnete, schöne Umrahmung 
gehoben wird. Eine weitere interessante Beobach¬ 
tung, die wir bei Luthers Schriften machen, ist fol¬ 
gende: Bei den ersten Schriften finden wir auf dem 
Titelblatt nur den Druck- bzw. Verlagsort, bald gesellt 
sich zu diesem noch die Jahreszahl und endlich kommt 
auch noch der Name des Druckers hinzu. 

Im sechzehnten Jahrhundert wird der Text der Titel 
umfangreicher; man teilt den Wortlaut inGruppen ein. 

Wie schon angedeutet wurde und auch aus den 
bisherigen Beispielen zu ersehen ist, wich im Laufe 
der Zeit die ursprüngliche Kürze der Buchtitel einer 
immer größer werdenden Wortfülle: zu der eigent¬ 
lichen Benennung des Buches kommen Erläuterungen 
seines Inhalts, die gegen das Ende des sechzehnten 
Jahrhunderts den Charakter größter Geschwätzigkeit 
und Schwülstigkeit annehmen. Solche umfangreiche, 
weit über das Notwendige hinausgehende Titeltexte 

CotfütfrKlWfo« 

m t>on g*ngcl(jartflu jj Sgur» 

QmtilfyrttoQQUtfyniütn Don^r# 

bant / feinem ©e feüen / onnD (Sngelörut/ De£ 

„ftdhlgs 1Lod)Ur auß £)t nnmarcf / roic eg ihnen ergau# 
gea/vnD was jammere unDnot fie erlitten/ 

(Sang luftig vnb furgwciüg 
§u Id fett. 


SQormal« me im<©riicf aufgangem 



©ebrucf t ju Jrancf furt am $?apn/ 

M. D. LXXIIL 


Beispiel 12. Titel des Buches Konrad von Würzburg, Engel« 
hsrd. Gedruckt von Kilian Hahn, Frankfurt a. M. 1573 


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boten natürlich dem Setzer große Schwierigkeiten, 
und viele Titel aus damaliger Zeit machen den Ein¬ 
druck, als habe der Setzer nicht mehr recht gewußt, 
wie er den Wortschwall unterbringen soll. Das Charak¬ 
teristikum der Satzweise jener Zeit ist die Einteilung 
des Textes in Gruppen , die auf volle Breite gesetzt, 
mit einem größeren Schriftgrade beginnen und spitz 
nach unten zulaufend je nach Bedürfnis zu kleineren 
Schriftgraden übergehen. Daß dabei die nach heuti¬ 
gen Begriffen ungeheuerlichstenTrennungen gemacht 
werden, darf uns weiter nicht verwundern; kommen 
doch auch in unsrer sprachlich so feinfühligen Zeit 
dem Gruppensatz zuliebe hier und da recht kuriose 
Trennungen vor. 

In unserm Beispiel 12 zeigen wir den Titel eines 
1573 von Kilian Hahn in Frankfurt a. M. gedruckten 
Buches, der den allerdings nicht sehr umfangreichen 
Text in der beschriebenen Weise angeordnet zeigt. 
Was uns an diesem Titel besonders in die Augen 


HISTORIA 



$auJRn/bf m äxftbefdjreptm 

9<m6mr tmnb ScfitmirfjKlnfHer/ 

et fi'cfj gegen Dem Xeuffel auff eine bet 
nantte s<tt verfet)rieten / QBaef er (jierjttifdjcnfut 
jel&ame Xbttit ferner gefefeen /fclbtf atigcrtd}# 
ict »nb getrieben / bi ji er cttbtlicb fcU 
ncntvol verbiemen iofen 
empfangen. 

bertaffenen ©grifft cn / allen §o$tragftit>ni / 

fftrwlijlgcn t>nb föctilofcn OTcnfcbtn Jam f«br«tfltd)cn 
^( 9 fpUl/aH<b(un»ri(b(n Äjrtmptl/enb treu®, 
bergiger QQ3arnung jufammen geje» 
gm/fcnDioben £>nuftcr» 
fertig«. 

lACOBI 1111. 

6epe ©ö« v>nf enfeanfg / a(berffef)« bem 
%euffe( / fo fleufect erroneudj. 

C VH Cratia bt Privilboio. 

©ebrwfcju Jranrffu« m CDfep u 

tmrdj 3c&ann Qpite. 

M. D. Lxxxviil 


Beispiel 13. Titel des Spiesschen Fsastbucbes 
Gedruckt von Johann Spies, Frankfurt s. M. 1588 



Beispiel 11. Titel der zweiten Ausgabe von Luthers Schrift: An den christ¬ 
lichen Adel deutscher Nation. Gedruckt von Hans Lufft, Wittenberg- 1520 


fällt, ist das schöne Druckerzeichen, welches im Mittel¬ 
schilde als „redendes Symbol* einen Hahn zeigt. 
Im ganzen macht der Titel einen recht guten, ge¬ 
schlossenen, man möchte fast sagen „modernen* 
Eindruck. Der Titel zu einem 1588 gleichfalls in 
Frankfurt a. M. von Johann Spies gedruckten Faust¬ 
buche, den wir im Beispiel 13 vorführen, enthält 
einen solchen umfangreichen Text, daß er, um ihn 
einigermaßen übersichtlich zu machen, in mehrmals 
sich wiederholende trichterförmige Gruppen eingeteilt 
worden ist. Auch finden wir in diesem Beispiele schon 
die Mischung von Fraktur und Antiqua, der wir in 
der folgenden Zeit der Verwilderung des Titelsatzes 
sehr häufig begegnen. 

Neben dieser am meisten vorkommenden Eintei¬ 
lung des Textes in untereinanderstehende Dreiecke 
finden wir, wenn auch seltener, geschlossene Satz¬ 
gruppen von andrer Form, wie zwei mit den Spitzen 
gegeneinandergestellte Trichter, Quadrat-, Rechteck-, 
Rhombusformen usw. 

Der Buchtitel wird häufig schwarz und rot gedruckt. 

Ein weiteres Mittel, den Titel auffälliger zu ge¬ 
stalten und seine Hauptzeilen mehr hervorzuheben, 

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MARTINI 


OPITII 

feon Ux Bc ttt®ett 
$oeterep. 

p wdfömalkföttti&tte 

f$afft fcnt> jueaclforarwttt*' 
ltc$rr$e&lec/bnD unterem* 

pcln au^gcfü^rct trirt». 


j^ebwftmber ^urfHtgSenj 

©tabt 33r icg/bep äuguflmo 

©rünbrrti. 

]$n Verlegung 2)atnb $?ülleref Su^j 

^dnOIcrtf in Sregtoit). i <s 2 4. 

5ÖS50&S3ö§öd&*öB 



Beispiel 14. Titel zu Martin Opitz, Buch von der Deutschen Poetercy 
Gedruckt von Atig-nsf Gründern, Brieg 1624 


bestand in der Anwendung der roten Farbe zum Drucke 
einzelner, besonders der Hauptzeilen. Wie wir be¬ 
reits in den Handschriften den Rubrikator (das heißt 
den Rotschreiber) seines Amtes walten sahen, um 
die Überschriften durch rote Farbe hervorzuheben, 
so finden wir auch ungefähr seit der Mitte des 
16. Jahrhunderts den Rotdruck beim Buchtitel in An¬ 
wendung, anfangs in mäßiger und zweckentsprechen¬ 
der, später jedoch — eben mit dem Wachsen des 
Titeltextes — in oft übermäßiger und aufdringlicher 
Weise. Die rote Farbe erstreckt sich nicht nur auf 
einen großen Teil der Schrift, sondern sie wird auch 
reichlich in den Abbildungen angewendet, so daß 
Kleider,Haare, Bärte der Personen oder irgendwelche 
andre Teile eines Bildes oft in ganz widersinniger 
Weise schön zinnoberrot gefärbt erscheinen. 

Die Nennung des Verlegers und Druckers auf dem 
Buchtitel wird eingeführt . 

Wir haben bei einigen früheren Büchern (Beispiel 7 
in der Schlußschrift und Beispiel 8 auf dem Titel) 
Andeutungen des Verlegernamens gefunden; solche 
Verlagsangaben blieben bisher aber Ausnahmen, wo¬ 
bei man allerdings berücksichtigen muß, daß der an¬ 
gegebene Drucker meistens zugleich Verleger war. 


Als aber im 16. Jahrhundert der Nachdruck von 
Büchern beginnt und allmählich einen solchen Umfang 
annimmt, daß Drucker und Verleger die bittersten 
Klagen führen, suchen Städte und Fürsten die Betei¬ 
ligten durch Verleihung von Privilegien und Erlaß 
von Gesetzen zu schützen. Wenn auch diese Schutz¬ 
maßregeln im allgemeinen wenig Erfolg haben, so 
führen sie doch durch entsprechende Verfügungen 
zu dem Brauche, neben dem Namen des Druckers 
auch den des Verlegers stets auf dem Buchtitel 
zu nennen. Unser Beispiel 14 zeigt uns einen sol¬ 
chen Titel aus dem Jahre 1624, der alle diese An¬ 
gaben aufweist. Aber noch etwas andres finden 
wir auf diesem Titel, was unser Interesse in An¬ 
spruch nimmt, nämlich eine gesetzte Einfassung 
und ein aus denselben Stücken zusammengesetztes 
Schlußstück. 

Bevor wir nun in die folgende Verfallzeit des Titel¬ 
satzes eintreten, dürfte es am Platze sein, das 



Sie 

ftattfcfjeSiatufe/ 

Dber 

ggag blutig bog mutige 

Hegu/ 

©elfen bof>e!Keicb&©onne bet> geenbiej* 
fern ledern 3abr*Jfj>unDert an Dem xemin- 
do erbärmlich unterem Dem Balacin aber 
erfr«uiicf)|t wieder auflfgetjet. 

SBelcbem jtd) Die mercftDiirbiaenunb er* 
(c&recflidjen Veränderungen derbenaefebar* 
ten CKetcbe Ava, Aracan, Martabane, Siam 
unb Prom.anmutbigft bepgefcllen. 

2flle$ in J?ifrorifd)er/und mit dem SJlanf el einet 
annebmlid)en£)elbfn*und£iebe$*©eftbicbtebedecf» 
ttn SBarfjeit Berupe rrte. 

töiefem füget fidj bet) eine/aus Jtaliänifcfjer in ^eutfeb* 
gebundene 5D?unt>.-2lrt/äb<rft(jtf Dpera/oCer Xbeatrali« 
fdjt JjanMung / 

Üieliftigeiiage/ 

obrr 

©er£apffere HERACLIUS. 

Sluffgefefcet 

pon 

3- U. 

ßeipjig/'Serlegtf Johann ^rieöiicb ©leditfcb/ 

Anno M«DC. LXXX 1 X. 


Beispiel 15. Titel zu Heinrich Amselm.von Ziegler, Asiatische Banise 
Leipzig-1689 


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Ergebnis unsrer bisherigen geschichtlichen Betrach¬ 
tung noch einmal kurz zusammenzufassen. 


Zusammenfassung der bisherigen Entwicklung. 

Die ältesten gedruckten Bücher tragen ebenso wie 
die geschriebenen keinen Titel im heutigen Sinne. 
Man begnügt sich, den Inhalt des Buches in einigen 
durchgehenden Zeilen anzugeben und läßt eng an¬ 
schließend den Text mit einem Initial beginnen. 
Späterwird dieStellungdieserÜberschrifteine freiere, 
vom Texte durch einen Zwischenraum getrennte und 
schließlich bleibt dieser Inhaltsangabe die erste Seite 
ganz Vorbehalten und der Text beginnt auf der fol¬ 
genden Seite. Erst von da an können wir von einem 
Buchtitel in unserm Sinne sprechen. 

Wir finden nun zunächst, daß die ersten Buchtitel 
inhaltlich noch nicht die heutigen Forderungen er¬ 
füllen, denn sie benennen nur das Buch und bezeich¬ 
nen höchstens noch den Herausgeber; alle andern 


SScrreiff * jweftne 

UtlD 

mmroiefcetanaefommciK 




Iruffflecf/ 

mit fld) bringend 
9lUert)anb ungemein rare 

•Morien/ 

Surltwilige ©efdjic&te, 

tinb 

Stetige (SdjeifrtRe&e#, f» fidj 

I)icr uno oa in fcer 


getragen. 

9(u6 beffen binterfoflenen M at 

nuferiptis jum ©ruef bofötbert 
non . 

Scappm. 


JrantffitrtunbCeipjig, 


Beispiel 16. Titel zu der Schwankssmmlung Kilian Brustfleck 
Leipzig 1729 


0« 

in Per 95ucbbrucfmi \x>ot>I unterrichtete 

2e(jC‘3unge 


(Döer: 



STlötljige nnb nüjltd)t 

ttfanfiSgrtfnbe, 



‘Darionm 

alles, tpaö bet) feuriger in Siebt ju nehmen unb 

. ju ternen Dotfäflt, 

Don einem Äunftoerftxui&t«! 



«74). 


Beispiel 17. Titel zu GeOners Anfangsgründe der Buchdruckerkunst 
Gedruckt von C. F. Geßner, Leipzig 1743 


Angaben, wie Drucker und Verleger, Zeit und Ort 
des Erscheinens usw. finden ihren Platz in einer 
Schlußschrift und siedeln erst nach und nach auf das 
Titelblatt über. Während die ältesten Buchtitel stets 
kurz und bündig abgefaßt sind, und diese Kürze sich 
auch noch gegen ein Jahrhundert lang erhält, wird 
der Titeltext im 16. Jahrhundert immer wortreicher 
und schwülstiger, so daß sich seine Einteilung in 
Gruppen nötig macht. 

Während dieser ganzen Zeit bleibt aber für die 
Gestalt des Titels in der Hauptsache die gleiche 
Regel bestehen: man bemüht sich , den Text in eine 
vorausbestimmte äußere Form zu bringen , also durch 
den Titel etwas darzustellen, was mit dem Wortlaute 
in gar keinem Zusammenhänge steht. Dieses Be¬ 
streben findet seine Erklärung in dem anfänglichen 
Mangel an Schriften verschiedener größerer Grade 
(die wir ja heute ausdrücklich als „Titelschriften“ 
bezeichnen); man mußte wohl nach einer besonderen 
Form suchen, um die Titelseite, die vielleicht nur 


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Sfteue Septrdge 

jum 

etgnttgen 

t>e$ 

$8erftani>e$ un» äßigeS. 



SBieriftQJanb, Durfte unb fünftes Gtucf. 

SQremrn unb feipjig, 
SJerUgtS Sftatf)onaeI ©aurmann. 
1748 . 


Beispiel 18. Titel zu dem Werke Bremer Beiträge 
Leipzig 1748 


mit einem Schriftgrade bestritten war, genügend als 
solche zu kennzeichnen. Später finden wir meistens 
die erste Zeile — oder auch zwei bis drei Zeilen — 
als Hauptzeilen auf die volle Breite aus einem grö¬ 
ßeren Schriftgrade gesetzt und den nachfolgenden 
Text in immer kürzer werdenden Zeilen in eine Spitze 
auslaufend, wobei der Schriftgrad nach Bedürfnis 
immer kleiner wird und unschöne oder unrichtige 
Worttrennungen ohne Bedenken gemacht werden. 
Die so entstandene Dreiecks - oder Trichterform ist 
lange Zeit die beliebteste Figur, sie wiederholt sich 
häufig auf wortreichen Titeln drei- bis viermal, denn 
mit der Anhäufung des Textes ergibt sich die Not¬ 
wendigkeit, denselben in Gruppen zu teilen, von 
welchen jede wiedermit einer durchgehenden größeren 
Zeile beginnt. Auch kommen, wie schon ausgeführt, 
durch geschlossene Satzgruppen gebildete andre geo¬ 
metrische und sonstige Figuren vor. Daneben finden wir 
auch häufig bildliche Darstellungen auf Buchtiteln und 
offenbar spielen diese keine geringe Rolle hinsichtlich 
der Erläuterung des Buchinhaltes für den Beschauer. 


Im 17. Jahrhundert tritt ein Verfall des Titelsatzes ein . 

Der allgemeine Niedergang jeder[Kultur, der durch 
die schweren Kriegsjahre des 17. Jahrhunderts hervor¬ 
gerufen wurde, spiegelt sich natürlich auch in den 
Erzeugnissen der Buchdruckerpresse wieder. So tritt 
uns dieser Verfall auch in den Buchtiteln des 17. und 
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in unzweideu¬ 
tiger Weise entgegen. Die Fassung der Titel bleibt 
wortreich und schwülstig, wie wir es schon gewöhnt 
sind, in der Anordnung verläßt man aber nun die vor¬ 
ausbestimmte Form und Fängt an, den Text nicht nur 
in Gruppen, sondern in einzelne Zeilen aufzulösen und 
jede aus einem andern Schriftgrade zu setzen, wobei 
aufdieZusammengehörigkeitdemSinnenach anschei¬ 
nend nicht geachtet wird. Auch die rote Farbe, die wir 
schon früher antrafen, wird häufig zur Hervorhebung 
einzelner Zeilen angewandt,lwodurch ein solcher Titel 
noch zerrissener wirkt. Dabei ist von dem,was wir heute 
Zeilenfall und Sperrung nennen, nichts zu finden; die 
Zeilen sitzen ohne Durchschuß aufeinander und jede ist 
von andrer Länge. Arbeiten solch minderwertiger Art 


$jtnna»on0arnljclm, 

ober 

©olbatenglücf. 


£tn üuflfpul I» fünf äufjügen, 

t>on 

©0ttf)0l& Spfjraim üeffing. 



Berlin, 

bet) Cfjnftlan griebend) 2?o§. 

1767 . 

Beispiel 1& Titel za Gotthold Ephraim Leasing Minna von Barnhelm 
Berlin 1767 __ 

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zeigen die Beispiele 15 und 16; ersteres ist der Titel 
zu Zieglers Asiatische Banise, erschienen im Jahre 
1689, ein Werk, welches von Anfang bis Ende deutlich 
zeigt, wie weit das deutsche Buchgewerbe zu jener 
Zeit heruntergekommen ist. Der Titel selbst stellt 
einen Obergang zwischen Gruppensatz und Auflösung 
in Zeilen dar und weist besonders schlechte Tren¬ 
nungen auf. Das andre Beispiel zeigt den Titel der 
1729 erschienenen Schwanksammlung Kilian Brust¬ 
fleck, bei dem jede Zeile aus einem andern Schrift¬ 
grade und auf andre Breite gesetzt ist und der ein 
typisches Bild des eingetretenen gänzlichen Verfalles 
bietet. 

Der Bachdrucker C. F. Gessner in Leipzig stellt in 
seinem 1743 erschienenen Handbuche Regeln für den 
Titelsatz auf. 

Trotz der völligen Formlosigkeit, welche dem Titel¬ 
satze jener Periode eigen ist, treffen wir so manche 
Buchtitel an, welche beweisen, daß den Buchdruckern 
der Sinn und das Verständnis für schöne und zweck- 


3 a u fl. 

$ I n ftrasmcnf. 


33 o n 


@ 9 f t C. 


54 cf> t e 2 f u i 9 a 6 t. 


£«iPJ»9, 

©eor 9 Soacfjim ©öfc^en, 

1790. 

Beispiel 21. Titel der ersten Sepsrstsusgsbe des Frsgment Fsust 
Leipzig 1790 


Luise 

EIN LÄNDLICHES GEDICHT 
IN DREI IDYLLEN 

VON 

Johann Heinrich Voss. 



Königsberg -MDCCXCV. 
bei Friedrich Nicol o vj cs . 

Beispiel 20. Titel zu Jobsnn Heinrich Voß, Louise 
Königsberg 1795 


mäßige Gestaltung ihrer Arbeiten noch nicht verloren 
gegangen ist; wir finden sogar schon „Titelregeln”, 
ein Beweis dafür, daß sich die Buchdrucker über die 
Wichtigkeit des Titelsatzes klar sind und es eben 
nur sehr schwer hält, mit oft unzureichenden Mitteln 
und den schwülstigen Texten etwas Gutes zustande 
zu bringen. So enthält das im Jahre 1743 erschienene 
Handbuch der Buchdruckerkunst von C. F. Gessner 
in Leipzig, dessen Titel wir in unserm Beispiel 17 
wiedergeben, folgendes über den Titelsatz: 

Nachricht alles desjenigen, was man bei Setzung eines 
Tituls zu beobachten hat. 

DerTitul zu einem Buche ist gleichsam der Rock, welcher, 
wenn er wohl gerathen, dasselbe zieret, auch den Liebhaber, 
wenn er in die Augen fället, zu Kauffung des Buches 
reitzet. Weil nun von denen Autoribus keiner leichtlich 
vorgeschrieben wird, aus was vor Schrifften man diese 
oder jene Zeile nehmen soll, so ist nöthig, daß man selbst 
erdichtet, was zum Wohlstände erfordert wird. Dahero be¬ 
fleißige man sich, und bediene sich dieses Vorteils: l)Lese 
man selbigen fleißig durch, 2) theile man ihn in Theile ab, 

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zu Voß’ Luise, der auch mit einem schönen Kupfer¬ 
stich von Chodowiecki, dem bedeutendsten zeit¬ 
genössischen Illustrator unsrer Klassiker, geziert ist. 

Das Spationieren wird zu einem Obelstand im 
Titelsatz. 

Die Absicht, den Buchtitel durch Spationieren 
„hell“ erscheinen zu lassen, führte aber in der Folge¬ 
zeit gar bald bis zur Geschmacklosigkeit. In den Bei¬ 
spielen 21 und 22 sind zwei Titel zu Goethes Faust 
vorgeführt; der eine zur ersten Separatausgabe des 
Fragments Faust aus dem Jahre 1790, der andre zur 
zweiten erweiterten Bearbeitung des Faust, erschienen 
1808. Während die Sperrung sich beim ersten Titel 
noch in mäßigen Grenzen hält, ist sie beim zweiten 
bis zur Häßlichkeit übertrieben. Auch die gewohn¬ 
heitsmäßige Befolgung der „Regeln“ ist hier ganz 
auffällig: die Hauptzeile soll über die ganze Format¬ 
breite gehen und wird unbarmherzig gesperrt, auch 
wenn sie nur aus wenigen Buchstaben besteht, und 
„je heller ein Titul gesetzt ist, desto besser er aus¬ 
sieht“, deshalb spationiert man auch alle übrigen 
Zeilen. 

Im neunzehnten Jahrhundert tritt wieder ein Nieder¬ 
gang des Titelsatzes ein. 

Zu dem Spationieren gesellt sich gar bald eine neue 
Geschmacklosigkeit, das starke Mischen der Schriften. 
Als Errungenschaft des begonnenen neunzehnten 
Jahrhunderts entstehen die vielerlei halbfetten und 
fetten Auszeichnungsschriften, wie auch die ver¬ 
zierten, umstochenen und schattierten Schriften, 
welche die Technik des Schriftschnittes durch Auf¬ 
nahme neuer, eigentlich den Gebieten des Kupfer¬ 
stiches und der neuerfundenen Lithographie entlehnter 
Formen dem Buchdruck gegeben hatte. Infolge dieses 
reichen Segens an neuen Schriftformen und Schrift¬ 
arten kommt den Buchdruckern gar bald der Sinn 
für einheitliche Schriftenwahl abhanden; sie suchen 
durch Anwendung des neuen Schriftenmaterials, wo 
es nur irgend möglich ist, die Arbeiten nach ihrer 
Meinung reicher und schöner zu gestalten, und es 
entstehen Druckarbeiten, die eher Schriftproben der 
betreffenden Buchdruckerei gleichen. So leidet 
natürlich auch der Titelsatz jener Zeit unter der will¬ 
kürlichen Mischung magerer, fetter und verzierter 
Schriften ebenso wie unter der mißverstandenen und 
gewaltsamen Anwendung sogenannter Regeln. 

Es ist eine alte Wahrheit, daß sehr oft Fortschritte 
in der Technik einen Rückgang in künstlerischer Be¬ 
ziehung bedeuten: hier sehen wir, wie durch die 
vielerlei neuen Schriftgießereierzeugnisse der Titel¬ 
satz zur ausgeprägtesten Geschmack- und Charakter¬ 
losigkeit herabgedrückt wird. 

Bedenken wir nun noch, welche ungeheuren Um¬ 
wälzungen in der Technik die erste Hälfte des vorigen 


Jahrhunderts durch die Erfindungen der Schnell¬ 
presse, der Dampfmaschine usw. mit sich brachte, 
so ist es wohl zu verstehen, wenn diese neuen Er¬ 
rungenschaften das ganze Interesse der Berufs¬ 
genossen so in Anspruch nahmen, daß die künst¬ 
lerischen Ansprüche des Gewerbes längere Zeit in 
den Hintergrund treten mußten. Aus diesem Grunde 
ist es auch erklärlich, daß der Tiefstand in der künst¬ 
lerischen Druckausstattung und damit im Titelsatz 
so lange anhalten konnte, wie dies unsre Beispiele 23 
und 24 beweisen. Der Titel: Orbis latinus stammt 
aus dem Jahre 1861 und zeigt eine Mischung ver¬ 
schiedener Antiquaschriften, darunter halbfette, 
Egyptienne usw., in Zeilenfall und Sperrung ist er 
dagegen ziemlich gut und klar gesetzt. Das andre 
Beispiel, ein Titel zu Oberon aus dem Jahre 1870 
enthält verzierte und einfache Gotisch, Fraktur, 
Midoline usw. ohne jeden Skrupel vermischt. 

Zusammenfassung der weiteren Entwicklung. 

Das Charakteristikum dieser zweiten Entwicklungs¬ 
periode des Titelsatzes ist die Auflösung des Titel¬ 
textes in einzelne Zeilen. Zunächst geschieht dies 



©itt romanüfdjes gel&engebidjt 

in jtüölf @ef fingen 


<l fH. fBielanö. 


3In|tri[t mii oiet größten ÜSotjfimttrn and jmäff üftineten im Half, 

nadj ber grofetn $ra(fctau9gabe t>on 

ttabritl jEcur unb 6mfU* CUm. 


Stuttgart. 

@. 5. ©öjdjen’it&e SBerlagSfanblung. 
1870. 


Beispiel 23. Titel 211 C.M. Wieland, Oberon 
Stuttgart 1870 


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anscheinend ganz willkür¬ 
lich und ohne jede Rück¬ 
sicht auf den Sinn des 
Wortlauts und die ent¬ 
stehende Form des Satz¬ 
bildes; dadurch gerät die 
Kunst des Titelsatzes auf 
eine tiefe Stufe des Ver¬ 
falls. Dann aber treten 
Regeln für den Titelsatz 
auf, die, von den ausüben¬ 
den Kräften des Gewer¬ 
bes selbst geschaffen, 
zum Teil eine ganz ge¬ 
sunde und praktische Auf¬ 
fassung erweisen, dane¬ 
ben aber auch manches 
Unmotivierte und Über¬ 
flüssige enthalten. Durch 
die Verbreitung solcher 
Titelregeln wird augen¬ 
scheinlich dem Verfall 
etwas Einhalt getan; eine 
wirkliche Besserung tritt 
aber erst ein, als die 
deutschen Klassiker ihren 
Werken wieder Titel von 
kürzerem Wortlaut geben, 
und der Setzer gezwungen 
ist, auch mit wenig Text 
die Titelseite geschmack- 


Orbis latinus 

oder 

Verzeichniss der lateinischen Benennungen 

der 

bekanntesten Städte etc., Meere, Seen, Berge nnd 
Flüsse 

in allen Theilcn der Erde 
oebst einem deutsch-lateinischen Register derselben. 

Ein Supplement 

zu jedem lateinischen und geographischen Wörterbuche 

Dr. J. G. Th. Graesse, 

Kfl a. Ilofr.th, Dlr.cvor d K_ S. Por» ». O.fS.mraluoi ale. 


Dresden 1881. 

8. Sehönfeld’t Duclihandlung (C. A. Werner). 
London: Dulau & C°', TrQbner Sc, C°-, William* & Norg&te. 
Utrecht: Kemink Sc, Zoon. 


Beispiel 24. Titel zu Graesse, Orbis latinus 
Leipzig 1861 


voll zu dekorieren. Hier 
sind nun die Ansätze zu 
der Auffassung zu finden , 
die den Titel als freischwe¬ 
bendes Ornament betrach¬ 
tet, dessen Form jeweils 
nach dem Sinn des Wort¬ 
lauts frei zu entfalten ist. 
Infolge der plötzlich mit 
Macht einsetzenden tech¬ 
nischen Entwicklung des 
Druckgewerbes kommt der 
Titelsatz aber wieder zu 
einem ziemlichen Tief¬ 
stände, der lange anhält. 
Es fehlt jedes Interesse 
daran, die vorhandenen 
losen Regeln zu brauch¬ 
baren Grundsätzen weiter 
auszubauen, auch ist der 
Sinn für formschöne und 
einheitliche Gestaltung 
einer Druckarbeit sehr 
gering. Ein Aufschwung 
in diesem Sinne blieb 
erst dem Zeitabschnitte 
Vorbehalten,in dessen Be¬ 
handlung wir nunmehr ein- 
treten und der uns durch 
die letzten dreißig Jahre 
bis zur Gegenwart führt. 


Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Vollkommenheit 

Von Dr.-Ing. AUGUST KOENIG, Frankenthal 

I. 


U ”””"""”NTER den Druckmaschinen der Gegenwart 
| haben sich in den letzten Jahren zwei 
: Gattungen von Maschinen als besonders 

..lebens- und entwicklungsfähig erwiesen. 

Es sind dies die Zweitourenmaschinen und die bänder¬ 
losen Rotationsmaschinen , letztere sowohl für feste 
als auch für veränderliche Formate. Während nun 
die Zweitourenmaschinen und die bänderlosen fest- 
formatigen Rotationsmaschinen in allen Druckereien 
bereits wohlbekannte und hochgeschätzte Maschinen¬ 
typen geworden sind, haben dagegen die Maschinen 
für veränderliche Formate, die variablen Rotations¬ 
maschinen , vielfach auch nur „ Variable * genannt, 


infolge ihrer geringeren Verbreitung, namentlich aber 
infolge der ihnen lange anhaftenden technischen 
Mängel, die Aufmerksamkeit der Druckerwelt in weit 
geringerem Maße auf sich gelenkt. Heute aber ver¬ 
dienen gerade diese Maschinen in den Vordergrund 
des Interesses gerückt zu werden, haben sie sich 
doch in wenigen Jahren zu einer solchen Vollkommen¬ 
heit entwickelt, daß selbst das Ausland, insbesondere 
Amerika und England, mit steigender Bewunderung 
auf die modernen Fabrikate unsrer Schnellpressen¬ 
fabriken blickt. Durch die Vielseitigkeit in der Ver¬ 
wendung und Ausnützung, sowie durch die Leistungs¬ 
fähigkeit und Betriebssicherheit ist die Variable zur 


1 Rotationsmaschinen, die innerhalb gewisser Grenzen 
die Verarbeitung beliebig großer Formate sowohl der 
Länge wie der Breite nach gestatten, (meist um 100 Prozent 
aufwärts) hat man als variable Maschinen bezeichnet, 
im Gegensatz zu festformatigen Maschinen, bei denen 
die Bogenlänge durch den Umfang des Druckzylinders 
genau vorgeschrieben ist. Bei Maschinen für veränderliche 

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Formate erfolgt das Schneiden des endlosen Stranges 
in einzelne Bogen bereits vor dem Druck, bei allen 
festformatigen Maschinen dagegen erst nach dem 
Druck. Der prinzipielle Unterschied in der Arbeitsweise 
beider Maschinengattungen muß daher auch dem äußeren 
Aufbau dieser Maschinen ein besonderes Gepräge ver¬ 
leihen. 


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Universalmaschine im vollsten Sinne des Wortes ge¬ 
worden, deren Lebensfähigkeit bis in alle Zukunft 
gesichert sein wird. Wenn vielleicht auch das Prinzip 
und die Wirkungsweise der nach verschiedenen 
Systemen gebauten variablen Rotationsmaschinen in 
weiteren Kreisen schon als bekannt vorausgesetzt 
werden darf, so sind doch die in jüngster Zeit vor¬ 
genommenen Neuerungen und Verbesserungen von 
so einschneidender Natur gewesen, daß die gewisser¬ 
maßen sprunghafte Entwicklung dieser Maschinen 
nur von wenigen verfolgt werden konnte. Mögen 
daher nachfolgende Ausführungen für die gesamte 
Fachwelt von praktischem Nutzen sein. 

I. Führung der Bogen durch die Druckwerke. 

Der prinzipielle Unterschied in der Bauart der 
Variablen ist hauptsächlich durch die auf verschie¬ 
dene Weise erreichte Führung der Bogen durch die 
Druckwerke bedingt. Bei Anschaffung einer Variablen 
drängt sich daher in erster Linie die Frage auf: wie 
sollen die Bogen durch die Maschine geführt werden ? 
So einfach diese Frage für den Fernstehenden lauten 
mag, um so verwickelter wird sie für den werden, 
der sich ernstlich damit zu befassen hat. Durch eine 
sachliche und objektiv gehaltene Besprechung der 
hierbei in Betracht kommenden Systeme, unter spe¬ 
zieller Berücksichtigung der ihnen anhaftenden Vor- 
und Nachteile wird daher einem in Buchdrucker¬ 
kreisen längst empfundenen Bedürfnis entsprochen 
werden. 

Bekanntlich läßt sich die Bogenführung bei Varia¬ 
blen auf folgende, in der Praxis bewährte Arten 
ermöglichen: 

1. durch Greifer, System Albert & Co., 

2. durch Luft, System Koenig & Bauer, 

3. durch Nadeln , System Plauen, 

während Maschinen mit Bänderführung 1 aus leicht zu 
erklärenden Gründen keine praktische Bedeutung 
erlangen konnten und daher auch für unsre Betrach¬ 
tungen keine weitere Berücksichtigung finden sollen. 

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf die Ent¬ 
wicklung der Variablen möge der Besprechung der 
verschiedenen Bogenführungen vorausgeschickt wer¬ 
den. Zur besseren Beurteilung der drei in heißem 
Wettkampf stehenden Systeme werden die folgenden 
Daten von Interesse sein. 

Die erste bereits vor 30 Jahren von Derriey, Paris, 
gebaute Rotationsmaschine für veränderliche For¬ 
mate war eine Greifermaschine, das heißt die Führung 
der Bogen durch die beiden Druckwerke erfolgte 
durch Greifer . Es ist dies jenes System, das später 

1 Auch mit der neuerdings der Maschinenfabrikjohannis¬ 
berg Klein, Forst & Bohn Nachfolger in Geisenheim paten¬ 
tierten Variablen mit Bänderführung (vergleiche Patent¬ 
schrift Nr. 202504, Klasse 15d) werden sich die heutigen 
Anforderungen nur in sehr geringem Maße erfüllen lassen. 


auch in Amerika Nachahmung fand und dort zu¬ 
gleich wichtige Verbesserungen erfuhr, in jüngster 
Zeit aber namentlich in Deutschland zur höchsten 
Vollkommenheit gebracht wurde. Anfangs stellten 
sich bei diesem Maschinentypus ganz erhebliche 
Mängel ein und alle Bemühungen, diese zu beseitigen, 
schienen lange vergebens zu sein. Die Erwartungen, 
die man sich von Variablen versprach, erfüllten sich 
daher nur in sehr geringem Maße. Durch die schlech¬ 
ten Erfahrungen, die mit den ersten im Ausland 
gebauten Greifermaschinen gemacht worden sind, 
wurde das Mißtrauen gegen diese anfänglich mit so 
großer Begeisterung aufgenommene Neuerung so 
stark, daß man sich bei uns nicht gleich wagte, 
den Bau solcher Maschinen aufzunehmen. Der hohe 
praktische Wert der Variablen, bedingt durch deren 
außerordentliche Vielseitigkeit in der Ausnützung, 
wurde zwar von allen Seiten rückhaltlos anerkannt, 
aber niemand wollte es mehr recht glauben, daß 
diese Maschinen jemals in Druckereien eine beson¬ 
dere Rolle spielen werden. Trotz dieser ungünstigen, 
wenig aussichtsreichen Prophezeihungen von seiten 
der Buchdruckerwelt traten beinahe zehn Jahre spä¬ 
ter Koenig & Bauer mit ihren ersten Variablen in 
die Öffentlichkeit und überraschten zugleich die ge¬ 
samte Fachwelt durch eine neue auf pneumatischem 
Prinzip beruhende Bogenführung. Diese Firma war 
es auch, die, unbekümmert um die entmutigenden 
Urteile über Variable, den Glauben an die techni¬ 
sche Ausführung dieser Maschinen nicht verlor. 
Auf den schon so häufig wahrbefundenen Grund¬ 
satz bauend, daß eine wirklich gute, aus praktischen 
Gründen entsprungene Idee sich auch verwirklichen 
lassen muß, wurde daher in aller Stille an der 
inneren Vervollkommnung der Variablen gearbeitet. 
An Stelle der Greifer sollte aber Luft treten; denn 
man glaubte, daß sich nur auf diesem Weg die vor¬ 
handenen Mißstände beseitigen lassen. Die ganze 
Schuld für die schlechte Arbeitsweise, namentlich 
für die geringe Geschwindigkeit der Greifermaschi¬ 
nen suchte man nämlich in der Verwendung von Grei¬ 
fern, während aber in Wirklichkeit die Mängel sich 
über die ganze Maschine erstreckten. Alle Vorrich¬ 
tungen, vom Einlauf bis zum Ausgang der Bogen,waren 
eben noch zu unvollkommen, um an sie die gleichen 
Anforderungen wie an die bereits zu einer gewissen 
Höhe entwickelten Rojationsmaschinen für festes 
Format stellen zu können. Hätten Koenig & Bauer 
die jahrelangen, mühevollen Versuche, welche zum 
Ausprobieren des pneumatischen Apparates erforder¬ 
lich waren, an Greifermaschinen angestellt, so würde 
wohl niemand bezweifeln, daß auch dieses System 
unter ihren Händen schon damals wertvolle Ver¬ 
besserungen erfahren hätte. 

Unstreitig muß Koenig & Bauer das große Verdienst 
zuerkannt werden, die ersten brauchbaren Variablen 

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gebaut zu haben. Aber trotz der einschneidenden 
Verbesserungen durch Anwendung der pneumati¬ 
schen Bogenführung konnte das Vertrauen für variable 
Maschinen nur langsam zurückgewonnen werden. 
Man scheute sich gleichsam eine Variable zur Auf¬ 
stellung zu bringen und die wenigen, die wirklich 
den Mut hatten mit gutem Beispiel voranzugehen, 
mußten auch bald die Erfahrung machen, daß die 
Maschinen in ihrer damaligen Ausführung noch lange 
nicht so vollkommen waren, um sie in siegreichen 
Wettbewerb mit den Flachdruckmaschinen bringen 
zu können. Handelte es sich doch immer noch um 
die Anschaffung sehr teu¬ 
rer und schwierig zu 
bedienender Maschinen, 
deren Leistungsfähigkeit 
außerdem noch unterhalb 
jener Grenze lag, die für 
einen rationellen Betrieb 
einer Rotationsmaschine 
unbedingt gefordert wer¬ 
den muß. Von den damals 
gelieferten Variablen ha¬ 
ben sich auch nur we¬ 
nige in der Praxis bewährt. 

Die Betriebs- und Unter¬ 
haltungskosten der Ma¬ 
schinen stellten sich viel 
zu hoch, um wirkliche 
Vorteile erzielen zu kön¬ 
nen. Die Folge davon war 
aber, daß man für kleinere 
und mittlere Auflagen 
stets den Flachdruckma- 
maschinen den Vorzuggab 
und nur bei hohen Auflagen 
noch die Variable heranzog. In manchen Drucke¬ 
reien sind sie nach kurzer Zeit sogar ganz außer 
Funktion gesetzt worden und ruhen schon seit vielen 
Jahren wohlverborgen unter einer staubsicheren 
Hülle. 

Hemmend auf die Entwicklung der Variablen war 
vor allem die Ansicht, daß diese Maschinen nur für 
feine Druckarbeiten Verwendung finden sollen und 
daher mit keinem Falzapparat kombiniert werden 
dürfen. Tatsächlich haben Koenig & Bauer an diesem 
Prinzip einige Zeit festgehalten und ihre ersten Ma¬ 
schinen daher nur für Planoauslage gebaut, das heißt 
die beiderseits bedruckten Bogen wurden ungefalzt 
ausgelegt. Trotzdem das Bedürfnis für gefalzte Pro¬ 
dukte immer stärker hervortrat, konnten sich Koenig 
& Bauer doch nicht gleich dazu entschließen, den 
Wünschen der Drucker zu entsprechen, vielleicht 
auch nicht ganz mit Unrecht; denn die damals be¬ 
kannten Falzvorrichtungen (Trichter und Falztrom¬ 
mel) waren sicher nicht dazu angetan, besonders 


günstige Ergebnisse bei Anwendung auf Variable 
zu erzielen. Nachdem jedoch nach Ablauf der Koenig 
& Bauerschen Patente auch die Augsburger und 
Frankenthaler Schnellpressenfabrik sich mit aller 
Macht auf den Bau von Variablen verlegten und ihre 
Maschinen gleich von Anfang an mit Falzapparaten 
ausrüsteten, sahen sich nun auch Koenig & Bauer ge¬ 
nötigt, mit diesen Firmen gleichen Schritt zu halten. 
Für Koenig & Bauer lagen die Verhältnisse insofern 
sehr günstig, als sie es waren, die den amerikani¬ 
schen bänderlosen Zylinderfalz zuerst in Deutsch¬ 
land eingeführt haben und daher ihre inzwischen 
gesammelten praktischen 
Erfahrungen nun mit Vor¬ 
teil auch bei Variablen ver¬ 
werten konnten. Diesem 
Umstande hatten Koenig 
& Bauer mit in erster 
Linie zu verdanken, daß 
sie auch noch später auf 
diesem Spezialgebiet des 
Rotationsmaschinenbaues 
einen gewissen Vorsprung 
behaupten konnten. Heute 
jedoch, nachdem die ver¬ 
schiedenen amerikani¬ 
schen Erfindungen Ge¬ 
meingut aller Fabriken 
geworden sind, kann von 
einer Überlegenheit der 
einzelnen Fabrikate, ab¬ 
gesehen von den durch die 
verschiedenartige Bogen¬ 
führung bedingten Vor- 
und Nachteilen der be¬ 
treffenden Systeme, wohl 
kaum mehr gesprochen werden. 

Über die Einführung der Variablen mit Greifer- und 
Nadeltransport soll gelegentlich der Besprechung der 
betreffenden Systeme berichtet werden. 

1. Führung der Bogen durch Greifer. 

Erfolgt der Transport der Bogen durch Greifer, 
so muß bei Verwendung einer Makulagevorrichtung 
der Widerdruckzylinder von doppelter Größe aus¬ 
geführt werden, also so groß, daß bei einer Umdrehung 
zwei Bogen zum Druck kommen. Bei Greifer¬ 
maschinen ist es nämlich nicht möglich, ein end¬ 
los mitlaufendes Makulagepapier zu verwenden; 
die Greifer würden sonst beim Übernehmen der 
Bogen das Abschmutzpapier jedesmal durchschlagen 
und dieses so in kürzester Zeit unbrauchbar machen. 
Man sah sich daher gezwungen, die Abschmutz¬ 
vorrichtung gleich in den Widerdruckzylinder zu 
verlegen, was sich aber bisher nicht ohne Ver¬ 
dopplung des Zylinderdurchmessers erreichen 

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ließ 1 . Obwohl eigentlich nichts im Wege steht, den 
Schöndruckzylinder von normaler Größe zu machen, 
so sprechen doch mancherlei Gründe für die gleich 
große Ausführung beider Zylinder, weshalb auch an 
allen von Albert & Co. gebauten Greifermaschinen die 
Druckzylinder von doppelter Größe sind. 

Aus Abbildung 1 ist der Querschnitt eines Wider¬ 
druckzylinders zu erkennen. Wegen der doppelten 
Größe des Zylinders muß natürlich die Abschmutz¬ 
vorrichtung in zweifacher Ausführung vorgesehen 
sein, desgleichen auch die ganze übrige Einrichtung, 
bestehend aus: Greiferspindel mit Greifer, Greifer¬ 
auflageschiene, Klemmschiene,Spannstangen und die 
hierzu erforderlichen Me¬ 
chanismen. Die großen 
Öffnungen an diesem, 
wie auch an allen übri¬ 
gen Greiferzylindern sind 
durch das gegenseitige 
Zusammenarbeiten der 
Greifer bedingt. Im allge¬ 
meinen genügt es, wenn 
Zylinder von normaler 
Größe (wie z. B. Zuführ- 
und Übertragungszylin¬ 
der, sowie Falz- und 
Sammelzylinder usw.) im 
Umfangum 150Millimeter 
und Zylinder von doppel¬ 
ter Größe (in der Regel 
nur die Druckzylinder, 
seltener schon die Plat¬ 
tenzylinder) im Umfang 
um 300 Millimeter grö¬ 
ßer genommen werden 
als zum Druck des Maxi¬ 
malformats eigentlich notwendig wäre. — Was die 
Verlegung des Abschmutzpapieres in den Wider¬ 
druckzylinder betrifft, so hat diese Methode bereits 
einen großen Anklang gefunden. Die anfänglichen 
Bedenken, die man gegen ein nicht kontinuierlich mit¬ 
laufendes endloses Papier anführte, haben sich nicht 
als stichhaltigerwiesen. Durch Verwendung eines be¬ 
sonders präparierten, sich fettig anfühlenden Papiers 
(meist von schwärzlicher Farbe) ist es nämlich ge¬ 
lungen, das Abziehen des Schöndruckes so vollkom¬ 
men zu verhindern, daß man sehr bald von der auto¬ 
matisch arbeitenden Auf- und Abwickelvorrichtung 2 

1 Durch Anwendung von Stahlguß Zylindern (mit ange¬ 
gossenem Lagerzapfen, also ohne Welle im Zylinder) ist 
es nunmehr gelungen, die Abschmutzvorrichtung auch in 
Druckzylinder von normaler Größe unterzubringen. Diese 
von Albert & Co. bereits praktisch erprobte Neuerung 
verdient daher besondere Beachtung. 

2 Die kontinuierliche Verschiebung des Papiers auf 
dem Zylinder erfolgte hierbei automatisch, mußte jedoch 


wieder abgehen konnte. Bei der neueren Makulage- 
vorrichtung bleibt das Papier solange auf dem Zylin¬ 
der unverändert liegen, bis ein Abziehen auf das 
Druckpapier zu befürchten ist. Ist dieser Zeitpunkt 
eingetreten, so braucht man nur die zusammenge¬ 
hörigen beiden Rollen unter Benützung der eigens 
hierzu vorgesehenen Handgriffe im richtigen Sinn zu 
drehen, um auf diese Weise ein Aufwickeln des be¬ 
schmutzten und ein Abwickeln des frischen Papiers 
herbeizuführen. Im allgemeinen ist nach etwa 5000 
Zylinderumdrehungen, also erst nach einer Produk¬ 
tion von 10 000 Exemplaren, eine Erneuerung des 
Papiers notwendig. Um das Papier noch länger 
verwenden zu können, 
wird bisweilenauch’eine 
besondere Einfettvorrich¬ 
tung vorgesehen. In der 
Hauptsache besteht diese 
Neuerung auseinerinFett 
(Vaseline) tauchenden und 
mittelsSperradundKlinke 
bewegten Duktorwalze, 
durch die das Fett unter 
Vermittlung einer Leck¬ 
oder Hebwalze auf eine 
Borstemvalze gelangt (we¬ 
gen der hervorstehenden 
Greifer ist keine Plüsch¬ 
walze und dergleichen 
verwendbar), um von hier 
aus in fein verteiltem Zu¬ 
stand auf das Abschmutz¬ 
papier aufgetragen zu wer¬ 
den. Diese Walze dreht 
sich langsam und außer¬ 
dem in entgegengesetzter 
Richtung wie der Zylinder, wodurch sich die frisch 
angesetzten Farbteilchen vom Abschmutzpapier ent¬ 
fernen lassen. Auf diese Weise ist es möglich ge¬ 
worden, Auflagen von 15000 Exemplaren und mehr 
ohne Erneuerung des Papiers abdrucken zu können. 

Ein namentlich auch in der Praxis gewürdigter 
Vorzug der Zylindermakulage gegenüber der Mit¬ 
läuferrolle ist in der Einfachheit der Bedienung ge¬ 
legen. Wie bekannt, werden selbst bei bester Zu¬ 
richtung im Laufe des Drückens Arbeiten erforderlich, 
die ein nochmaliges Wegnehmen des Makulagepapiers 
durch Abreißen bedingen. Während nun bei Greifer¬ 
maschinen das Wiederaufbringen des Papiers gleich 
von der den Zylinder bedienenden Person vorge¬ 
nommen werden kann, ist das Einziehen des endlos 
mitlaufenden Papiers nicht ohne Hilfskräfte möglich, 

stets in der kurzen Zeit veranlaßt werden, während welcher 
der Druckprozeß unterbrochen war. Erreicht wurde die 
periodische Weiterbewegung des Makulagepapiers durch 
eine selbsttätig wirkende Schaltvorrichtung. 



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bei langem Papierweg bisweilen sogar recht umständ¬ 
lich und zeitraubend. Darin ist auch der Grund zu 
suchen, weshalb man schon die vorhandene Makulage- 
vorrichtung ganz abstellte und diese durch sogenannte 
fliegende Abschmutzbogen ersetzte, die betreffenden 
Bogen also nur auf der vorauslaufenden Seite mit 
dem Zylinderüberzug festklemmte (oder sogar an 
diesem nur aufklebte), das hintere Ende aber sich 
frei überlassend. Selbst bei Zylindermakulage wird 
aus Bequemlichkeit von seiten der Maschinenmeister 
von dieser Vereinfachung gerne Gebrauch gemacht, 
wobei das äußerst bequeme Verfahren, den ver¬ 
brauchten Bogen durch Herausziehen aus dem 
Zylinder zu erneuern, diese Handlungsweise wesent¬ 
lich unterstützt. Im übrigen hat sich 
auch diese, allerdings nicht ganz ein¬ 
wandfreie Methode schon recht gut 
bewährt, so daß ihr sogar eine ge¬ 
wisse Existenzberechtigung nicht ab¬ 
gesprochen werden kann. Durch die 
Verwendung fliegender Abschmutz¬ 
bogen gelingt es jedenfalls eine Ma¬ 
schine am schnellsten wieder betriebs¬ 
fertig zu bringen. 

Das Bestreben, eine Maschine mög¬ 
lichst unabhängig von der Makulage 
zu machen, ist demnach schon älter, 
hat aber erst in jüngster Zeit bestimm¬ 
tere Gestalt angenommen. Das nächst- 
liegende war, das Abschmutzpapier 
überhaupt zu vermeiden. Auch diese 
Bemühungen sollten recht erfreuliche 
Resultate zeitigen. Die unter dem 
Namen Paraloid-Apparat bekannt ge¬ 
wordene Abschmutzvorrichtung hat 
große Ähnlichkeit mit der besprochenen Einfettvor¬ 
richtung. Der Unterschied ist nur der, daß jetzt* 
gleich auf den Überzug des Zylinders eine be¬ 
sonders präparierte Masse beständig aufgetragen 
wird. Hierdurch soll verhindert werden, daß sich 
möglichst wenig Farbe auf den Zylinderüberzug ab¬ 
setzen kann, während bei der Einfettvorrichtung die 
Beseitigung der frischen Farbteilchen vom Makulage- 
papier angestrebt wird. Paraloidapparate wurden 
bereits bei festformatigen Maschinen mit sehr gutem 
Erfolg angewandt. Auf Variable ist diese Neuerung 
meines Wissens noch nicht übertragen worden, was 
wohl damit zu begründen sein dürfte, daß infolge der 
zusammenhängenden Zylinderanordnung gewöhnlich 
der Raum für die Bedienung der Maschinen schon 
so beeinträchtigt ist, daß die Unterbringung einer 
solchen Abschmutzvorrichtung große Schwierigkeiten 
bereiten würde. Ein Abfahren des ganzen Apparates, 
wie es bei gewöhnlichen Maschinen häufig geschieht, 
st bei Variablen nur in sehr seltenen Fällen möglich, 
mmerhin schien es angezeigt, auch dieser Neuerung 


wenigstens Erwähnung getan zu haben. Wer weiß, 
ob uns vielleicht nicht schon die nächsten Jahre eine 
befriedigende Lösung dieses interessanten Problems 
bringen werden. 

Wie bereits erwähnt, haben sich die in Frankreich 
zuerst gebauten Greifermaschinen wenig bewährt; 
namentlich lagen in bezug auf Geschwindigkeit und 
Registerhaltung noch recht ungünstige Ergebnisse 
vor. Nachdem sich jedoch auch bei den Maschinen 
mit pneumatischer Bogenführung allerlei Schwierig¬ 
keiten einstellten, wagten sich schließlich Albert & Co. 
wieder daran, den Transport der Bogen durch Grei¬ 
fer zu versuchen, ein Vorhaben, auf das die in 
Amerika mit dem gleichen System erzielten Erfolge 
nur bestärkend wirken konnten. Durch 
eine Reihe, auf Grund eingehender 
Studien und Beobachtungen über das 
Zusammenarbeiten der Greifer beim 
Abgeben und Übernehmen der Bogen 
gemachten Verbesserungen konnte 
bereits der Nachweis erbracht wer¬ 
den, daß sich mit Greifermaschinen 
innerhalb gewisser Grenzen minde¬ 
stens ein ebenso genaues Register 
erzielen läßt als bei pneumatischer 
Bogenführung. Erst bei höheren Ge¬ 
schwindigkeiten stellten sich Mängel 
ein, was schließlich Albert & Co. ver- 
anlaßte, von den bisher offen aus¬ 
geführten Greiferexzentern zu ge¬ 
schlossenen Exzentern (Rillenexzenter) 
überzugehen. Durch die zwangsläufige 
Führung der Exzenterrollen mußte 
jetzt die durch die Gestalt desExzen- 
ters genau vorgeschriebene Bahn der 
Greiferspitzen unter allen Umständen beschrieben 
werden, ohne Rücksicht auf die Geschwindigkeit 
der Presse. Die bisherigen Nachteile der Greifer¬ 
maschinen waren nun auf einmal beseitigt und damit 
zugleich die Lebensfähigkeit dieses Maschinentypus 
gesichert. 

Der bei Greifermaschinen stark betonte Nachteil, 
daß sich die Abschmutzvorrichtung in der damals 
üblichen Art durch Verwendung einer Mitläuferrolle 
nicht verwerten läßt, sollte schließlich zum Vorteil 
dieser Maschinen werden. Nicht nur, daß man heute 
bereits die Vorzüge eines endlos mitlaufenden Maku- 
lagepapiers bei weitem nicht mehr so hoch ein¬ 
schätzt wie früher, sondern man trachtet vielmehr 
danach, die stets viel Raum beanspruchende und daher 
die Konstruktion der Maschine meist sehr ungünstig 
beeinflussende Auf- und Abwickelvorrichtung durch 
andre Hilfsmittel zu umgehen. Die Unterbringung der 
etwa 500 bis 600 Meter Papier fassenden Makulage¬ 
rollen im Widerdruckzylinder darf daher diesem Be¬ 
streben bereits als nahekommend angesehen werden. 



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Auch die doppelte Zurichtung galt lange als ein un¬ 
überwindlicher, den Greifermaschinen anhaftender 
Nachteil. Wäre esnichtgelungen,diesenempfindlichen 
Nachteil zu beseitigen, so hätten sich die Greiferma¬ 
schinen auch wohl niemals so unerwartet günstig weiter 
entwickeln können. Ihre Verwendung wäre jedenfalls 
eine sehr einseitige gewesen. Der Nachteil doppelt 
großer Zylinder macht sich insbesondere bei feinem 
Illustrationsdruck bemerkbar; denn die viel Zeit und 
Mühe erfordernde Zurichtung mußte jetzt doppelt aus¬ 
geführt werden. Man kann es daher den Druckern 
nicht verdenken, wenn sie von solchen Maschinen 
nichts wissen wollten. 

Bei Werk- und Zeitungs¬ 
druck, für welche Arbeiten 
heute die Variablen eben¬ 
sosehr herangezogen wer¬ 
den und wodurch gerade 
diese Maschinen ihre hohe 
praktische Bedeutung er¬ 
langt haben, ist dagegen 
keine besondre Zurich¬ 
tung erforderlich. In die¬ 
sem Fall wird daher nie¬ 
manddoppeltgroße Druck¬ 
zylinder als einen Nachteil 
bezeichnen können. An¬ 
ders dagegen bei Illustra¬ 
tionsdruck. Man kam 
daher auf die Idee, bei 
jeder Zylinderumdrehung 
statt zwei nur einen Bo¬ 
gen zu drucken und be¬ 
gründete dies damit, daß 
zwecks Erzielung eines 
wirklich guten Druckes die Leistung der Maschine 
ohnedies stark reduziert werden muß. Während 
aber die Verminderung der Druckleistung bisher 
durch entsprechende Verkleinerung der Druckge¬ 
schwindigkeit erreicht wurde, wird bei Verwendung 
doppelt großer Druckzylinder der gleiche Zweck durch 
doppeltes Einfärben der Plattenzylinder bzw. durch 
doppelte Farbverreibung erreicht. Im ersteren Fall 
sind die Plattenzylinder von normaler Größe, also 
nur halb so groß wie die Druckzylinder, und im zweiten 
Fall von gleicher Größe wie diese. Bei doppeltem 
Einfärben wird sonach der Plattenzylinder zweimal 
hintereinander mit Farbe versehen, weshalb auch bei 
jeder Umdrehung entsprechend weniger Farbe ver¬ 
rieben und aufgetragen werden muß (durch ent¬ 
sprechende Regulierung der Farbzufuhr von der 
Duktorwalze oder Hebewalze aus). Bei doppelter 
Farbverreibung sind dagegen die Plattenzylinder nur 
zur Hälfte ausgenützt (diese Methode setzt also 
doppeltgroße Druck- und Plattenzylinder voraus), 
weshalb auch jetzt bei jeder Umdrehung dieser 


Zylinder statt zwei nur ein Bogen zum Druck gelangt. 
Es tritt zwar nur ein einmaliges Einfärben der Platten 
ein, dafür findet aber jetzt, bevor die Farbe an den 
Zylinder abgegeben wird, eine doppelte Verreibung 
der Farbe im Farbwerk statt. 

Auf beide Arten ist es sonach möglich, bei Verwen¬ 
dung großer Druckzylinder und bei nur einmaliger 
Zurichtungy aber ohne Verminderung der Druckge¬ 
schwindigkeit, einen äußerst feinen Druck zu erzielen, 
so daß auch in dieser Beziehung die Greifermaschinen 
mindestens ebenso leistungsfähig ausfallen müssen 
als die Maschinen der beiden andern Systeme. 

Durch einmalige Zurich¬ 
tung bei Verwendung dop¬ 
pelt großer Druckzylinder 
wird die Leistung der 
Presse auf die Hälfte re¬ 
duziert. Es dürfen daher 
auch nur halb so viel 
Bogen dem Druckwerk zu¬ 
geführt werden, eine Be¬ 
dingung, die aber nicht 
ohne weiteres erfüllt ist; 
denn wie wir noch später 
hören'werden (vergleiche 
Abschnitt II über Bogen¬ 
zuführungen) läuft das die 
Bogen zuführende Bänder¬ 
system stets mit Druck¬ 
zylindergeschwindigkeit. 
Um daher nur halb so viel 
Bogen zum Druck zu brin¬ 
gen, muß die Geschwin¬ 
digkeit der Einlaufwalzen 
und Schneidvorrichtung 
entsprechend reduziert werden, während jedoch an 
der Geschwindigkeit der Abreißwalzen nichts geän¬ 
dert werden darf. Um jederzeit von einer Arbeits¬ 
weise der Presse zur andern übergehen zu können, 
ist dafür zu sorgen, daß sich die hierzu notwendigen 
Manipulationen sehr rasch und sicher ausführen lassen. 
Erreicht wurde diese Bedingung durch Einschaltung 
von Übersetzungsrädern zwischen den vom Druck¬ 
werk aus angetriebenen Abreißwalzen und dem 
Nutzylinder. Je nachdem das jeweils auf der 
Achse dieses Zylinders sitzende Rad von gleicher 
oder doppelter Größe ist, wie das zugehörige Über¬ 
setzungsrad, muß auch die Geschwindigkeit der 
Schneidvorrichtung samt Einlaufwalzen von gleicher 
oder halber Größe werden. Im letzteren Fall, wenn 
also das größere Rad auf den Nutzylinder aufgesteckt 
wird, werden die Bogen nur mit halber Geschwindig¬ 
keit zugeführt, weshalb auch bei Verarbeitung des 
gleichen Formats nur halb so viel Bogen zum Druck 
kommen. Mit dieser Neuerung werden schon seit 
Jahren die von Albert & Co. gebauten Variablen 



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ausgerüstet, so daß die Maschinen jederzeit auch mit 
nur einfacher Zurichtung laufen können. 

Mit der Verwendung doppelt großer Plattenzylinder 
ist der weitere Vorteil verbunden, daß wegen der 
jetzt erforderlichen doppelten Anzahl von Platten 
zwei verschiedene Zeitungen auf einmal gedruckt 
werden können (bei Voraussetzung verschiedener 
Stereotypie), nur muß darauf geachtet werden, daß 
für jede Zeitung auch verschiedene Ausgänge vor¬ 
gesehen sind. Auch besteht die Möglichkeit, die 
beiden hintereinander gedruckten Bogen von ver¬ 
schiedenem Text vor dem Falzen zu sammeln. Auf 
diese Weise läßt sich die Seitenzahl der Produkte 
auf das Doppelte steigern, allerdings bei gleich¬ 
zeitiger Verminderung der Leistung der Presse um 
die Hälfte. Von dieser Neuerung hat Albert & Co. 
ebenfalls schon Gebrauch gemacht und mit Vorteil 
an ihren Maschinen angewandt. 

Auf weitere Unterschiede zwischen Greifer¬ 
maschinen und den beiden andern Maschinentypen 
wird gelegentlich der Besprechung dieser Variablen 
hingewiesen werden. 

2. Führung der Bogen durch Luft. 

Variable mit pneumatischer Bogenführung werden 
heute noch von der Schnellpressenfabrik Koenig & 
Bauer , Würzburg, und von der Maschinenfabrik 
Augsburg als Spezialität gebaut, während die Schnell¬ 
pressenfabrik Albert & Co., Frankenthal, durch die 
Erfolge, die sie bald mit ihren Greifermaschinen 1 
erzielten, nur noch auf besonderen Wunsch hin 
Maschinen mit Luftsaugung und Nadeltransport zur 
Ausführung bringen. 

Die Vorteile der Variablen mit pneumatischer 
Bogenführung haben sich im Laufe der Jahre im 
gleichen Maße verringert, wie die Greifermaschinen 
auf Grund der eingetretenen Verbesserungen an Be¬ 
deutung zugenommen haben. Hinsichtlich Register 
ist heute jedenfalls kein Unterschied mehr vorhanden. 
Beide Maschinentypen haben sich in der Praxis 
bestens bewährt, an beide können die höchsten An¬ 
forderungen gestellt werden. Bis vor wenigen Jahren 
glaubte man noch, daß die Höchstleistung dieser Vari¬ 
ablen 6000 Druckbogen in der Stunde niemals über¬ 
schreiten könne und heute ist man bereits auf 7bis8000 
angelangt, ein Sprung, der aber weniger auf eigenen 
Antrieb der betreffenden Firmen zurückzuführen ist, 
als vielmehr durch die von der Vogtländischen 
Maschinenfabrik in Plauen gebauten Maschinen mit 
Nadeltransport bedingt war. Greifermaschinen haben 
zwar diese gewaltige Steigerung der Produktion ohne 

1 Die erste von Derriey gebaute und 1878 auf der Pariser 
Weltausstellung vorgeführte Variable mit Greifertransport 
wurde von Albert & Co. gelegentlich einer Neulieferung 
einerMaschine übernommen, was vielleicht mit die Veran¬ 
lassung zum Bau solcher Maschinen gewesen sein mag. 


weiteres vertragen, ob aber auch Maschinen mit Luft¬ 
saugung für diese hohe Geschwindigkeit noch zu¬ 
verlässig genug arbeiten, dürfte doch etwas fraglich 
sein. Jedenfalls hat sich die Gefahr, daß während 
des Ganges der Maschine Bogen abfliegen, stark ver¬ 
größert. Durch entsprechende Verbesserung des 
ganzen pneumatischen Apparates wird sich wohl 
auch in dieser Beziehung wieder Abhilfe schaffen 
lassen. 

Abbildung 2 zeigt den Querschnitt eines Druck¬ 
zylinders mit Saugvorrichtung. Gegenüber dem 
Druckzylinder einer Greifermaschine (vergleiche 
Abbildung 1) ist dieser Zylinder wesentlich einfacher. 
Außer den beiden Spannstangen enthält er nur noch 
die Saugleiste, die zugleich zum Festklemmen der 
beiden Schmutztücher dient. Um diese Tücher ein¬ 
hängen zu können, ist die Saugleiste wie vorher auch 
die Greiferauflageschienen um Zapfen drehbar an¬ 
geordnet und durch eine Spannvorrichtung in ihrer 
jeweiligen Lage gesichert. 

Das Festhalten der Bogen am Zylinder geschieht 
an der zwecks Durchtritt der Luft mit Öffnungen ver¬ 
sehenen Saugleiste. Da das Ansaugen der Bogen 
durch eine unabhängig von der Maschine arbeitende 
Luftpumpe bewirkt wird, so muß Luftpumpe und 
Saugleiste durch eine Rohrleitung verbunden sein. 
Durch Einschaltung einer besonderen Ventilsteuerung 
wird das rechtzeitige Ansaugen und Loslassen bzw. 
die Übernahme und Abgabe der einzelnen Bogen 
erreicht. Für jeden Druckzylinder, sowie auch für 
jeden andern Zylinder, der zum Transport der Bogen 
nötig ist (wie Zuführ- und ÜbertragungszylinderJ, ist 
ein besonderes Ventil erforderlich. Die Ventile 
können sowohl außerhalb der Maschine angebracht 
sein, eine Anordnung, die heute noch von Koenig & 
Bauer gewählt wird, oder auch auf der inneren Seite 
des Gestells, wie man es an den Variablen von 
Augsburg und Albert & Co. antrifft. In beiden Fällen 
muß aber die Luft durch die Welle des betreffenden 
Zylinders zugeführt werden. Der Unterschied in der 
Anordnung derVentilebedingt, daß bei Koenig&Bauer 
die Ventile fest am Gestell sitzen und die zur Steuerung 
der Ventile notwendigen Exzenter mit der Zylinder¬ 
welle rotieren, während im andern Fall die Exzenter 
am Gestell befestigt sind und die Ventile mit herum¬ 
rotieren. Beide Ausführungsarten scheinen sich 
in der Praxis gleich günstig zu bewähren. Der Luftein- 
bzw.-austritt durch die Saugleiste erfolgt nur von einer 
Seite her und zwar durch den betreffenden in der 
Zylinderwand gelagerten Zapfen. Die Leiste selbst 
ist aber nur bis zur halben Länge durchgebohrt. 
Von dort aus stellt ein mittels Kreismesser einge¬ 
fräster kurzer Schlitz eine Verbindung mit der durch 
die ganze Länge der Leiste gehenden, seitlich aber 
wieder verschlossenen Nut her. Die durch den einen 
Drehzapfen der Saugleiste eintretende Luft kann sich 


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dadurch längs der Nut gleichmäßig verteilen und muß 
daher auch gleichmäßig auf das Papier zur Wirkung 
kommen. Damit jedoch beim Ansaugen das Papier 
nicht in die Nut hineingezogen wird, deckt man die 
Saugleiste mit einer dünnen, mit kleinen Löchern ver¬ 
sehenen Schiene ab (in Entfernungen von etwa 
15 Millimeter). 

Ohne auf die übrigen Einzelheiten des pneuma¬ 
tischen Apparats eingehen zu wollen, was einerseits 
viel zu weit führen, anderseits aber auch außerhalb 
des Rahmens vorliegender Arbeit fallen würde, zumal 
es sich hierbei um keine einschneidenden Ver¬ 
besserungen handelt, so soll doch wenigstens die 
Wirkungsweise der Saugvorrichtung mit wenigen 
Worten noch gestreift werden. Das Prinzip der pneu¬ 
matischen Bogenführung beruht im wesentlichen 
darauf, daß die Bogen vom einen zum andern Zylinder 
gesaugt werden. Dadurch nämlich, daß sich die Bogen 
auf die Saugleisten legen, wird der Eintritt der äußeren 
Luft verhindert und damit zugleich ein Vakuum er¬ 
zeugt, durch das die Bogen festgehalten werden l . Die 
Mitnahme eines Bogens erfolgt nur solange, bis die 
Saugleiste dieses Zylinders mit der Saugleiste des 
nächsten Zylinders genau zusammentrifft. In diesem 
Augenblick wird durch die Vermittlung der Ventil¬ 
steuerung die Saugwirkung des ersten Zylinders 
unterbrochen, während sie für den folgenden Zylinder 
in Kraft tritt. Der Bogen wird jetzt von diesem Zylinder 
angesaugt und soweit mit herumgenommen, bis die 
Abgabe an den nächsten Zylinder erfolgt. Um eine 
sichere Übergabe der Bogen zu erzielen, genügt es 
jedoch nicht, wenn nur die Saugvorrichtung im ge¬ 
gebenen Augenblick außer Funktion gesetzt wird. 
Die Bogen würden infolge des zwischen Ventil und 
Saugleiste vorhandenen Vakuums immer noch am 
Zylinder haften bleiben. Es muß daher für einen 
Spannungsausgleich zwischen der Luft in der Saug¬ 
leiste und der äußeren atmosphärischen Luft gesorgt 
werden. Erreicht wird dieser Ausgleich durch eine 
doppelte Ventilsteuerung, die derart wirkt, daß mit 
der Unterbrechung der Saugwirkung gleichzeitig auch 
äußere Luft durch das Ventil nachströmen kann. 
Damit ist jegliches Vakuum in der Saugleiste beseitigt 
und der Bogen daher völlig freigegeben, so daß bei 
dessen Ansaugen vom nächsten Zylinder das durch 
die Luftpumpe erzeugte Vakuum in seiner vollen 
Stärke auf den zu übernehmenden Bogen zur Wirkung 
kommen kann. 

Die größte Schwierigkeit der pneumatischen Bogen¬ 
führung liegt hauptsächlich in der genauen Ein¬ 
stellung der zur Steuerung der Ventile erforderlichen 

1 Bei Verarbeitung kleinerer Papierbreiten müssen die 
freibleibenden Sauglöcher an allen Zylindern durch Auf¬ 
kleben von Papierstreifen abgedeckt werden. Eine Beein¬ 
trächtigung der Saugwirkung durch Nachströmen von Luft 
läßt sich auf diese Weise sehr leicht vermeiden. 


Exzenter. Da die Übergabe der Bogen genau auf der 
Zentralen je zwei zusammenarbeitender Zylinder zu 
erfolgen hat, so muß auch das Loslassen und An¬ 
saugen der Bogen in diesem Augenblick vor sich 
gehen. Beide Wirkungen müssen sich also gleich¬ 
zeitig ablösen; denn nur dann kann auf eine völlig 
sichere Bogenführung durch die Druckwerke gerech¬ 
net werden. Das Abfliegen von Bogen weist immer 
darauf hin, daß noch nicht alles in Ordnung ist. 

Bei Greifermaschinen liegen die Verhältnisse in 
dieser Beziehung günstiger. Hier werden die 
Bogen bei der Übergabe von beiden Greifersystemen 
gemeinsam auf eine kurze Strecke (etwa 5 Millimeter) 
gehalten. Die Greifer des einen Zylinders öffnen 
sich also erst, nachdem die Greifer des nächsten 
Zylinders den Bogen bereits fest gefaßt haben. Durch 
Anwendung von geschlossenen Exzentern ist, wie 
bereits hervorgehoben wurde, ein völlig genaues 
Zusammenarbeiten der betreffenden Zylinder zu er¬ 
reichen. Da sich außerdem diese Exzenter schon in 
der Konstruktion genau festlegen lassen, so ist es 
für den Monteur ein leichtes, seine Maschine nach 
dem Zusammenbau in kürzester Zeit betriebsfertig 
zu machen. Das Ausprobieren erstreckt sich dem¬ 
nach bei Greifermaschinen wie bei allen Rotations¬ 
maschinen in der Hauptsache nur auf den Falzapparat. 
Bei Maschinen mit Luftsaugung erheischt dagegen 
das Einstellen der Ventile große Geschicklichkeit und 
Erfahrung des betreffenden Monteurs. Je öfter die 
Bogen übergeben werden, desto größer ist natürlich 
auch die Gefahr, daß Bogen abfliegen können. Erst 
nachdem der ganze pneumatische Apparat in all seinen 
Teilen aufs sorgfältigste ausprobiert worden ist, wozu 
bisweilen mehrere Tage erforderlich sind, kann die 
Maschine auf ihre eigentliche Funktionen hin unter¬ 
sucht werden. 

Ein wichtiger Vorzug dieser Maschinen gegenüber 
Greifermaschinen wurde lange in der Verwendung 
eines endlos mitlaufenden Abschmutzpapiers erblickt. 
In den letzten Jahren haben sich jedoch die Ansichten 
über die Bedeutung einer solchen Makulagevorrich- 
tung stark geändert und immer mehr sucht man heute 
andre Methoden an deren Stelle zu bringen. Daß die 
Verlegung der Makulagerollen in den Wiederdruck¬ 
zylinder diesem Streben schon sehr nahe kommt, 
wurde bereits des näheren begründet. 

Das um den Widerdruckzylinder laufende Ab¬ 
schmutzpapier kann natürlich nicht ohne weiteres 
Verwendung finden. Es würde die Saugleiste ver¬ 
decken und damit auch die Wirkung auf die anzu¬ 
saugenden Bogen unmöglich machen. Man sah sich 
daher genötigt, eine besondere Perforiervorrichtung 
anzubringen, durch die das Makulagepapier, be¬ 
vor es zum Druckzylinder kommt, durchstochen 
wird, um auf diese Weise die Verbindung zwischen 
Druckbogen und Saugapparat wieder herzustellen. 

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Bedingung ist jedoch hierbei, daß die Perforierung des 
Papierstranges mit den Sauglöchern genau überein¬ 
stimmt, das heißt, daß das endlos mitlaufende Papier 
so zugeführt wird, daß sich die Löcher von Papier 
und Saugleisten genau decken. 

Abbildung 3 zeigt eine derartige Perforiervorrich¬ 
tung. Statt Nadeln (Punkturen) verwenden in neuerer 
Zeit Koenig & Bauer schmale Messer. Es wird also 
jetzt das Abschmutzpapier nicht mehr durchstochen, 
sondern durchschnitten, eine Verbesserung, durch 
die sich die Sicherheit der Bogenführung wesentlich 
erhöhen ließ. Um beim Ansaugen der Druckbogen 
den Durchtritt der Luft durch das perforierte Makulage* 
papier zu erleichtern, werden die kleinen Löcher in 
der Saugleiste nach außen zu trichterartig erweitert. 
Beim Ansaugen gehen daher die Perforierschlitze 
etwas auseinander und lassen so die Luft bequem 
durchtreten. Ein besonderer Vorzug dieser Perforier¬ 
methode ist darin zu erblicken, daß jetzt das Papier 
ganz glatt bleibt, während vorher das Einstechen der 
Nadeln stets eine Gratbildung hinterließ und dadurch 
leicht zu einer Beeinträchtigung der Saugwirkung 
Veranlassung gegeben war. Auch besteht bei dem 
Schnittverfahren nun die Möglichkeit, [die Perforier¬ 
zylinder beliebig weit von dem betreffenden Wider¬ 
druckzylinder anordnen zu können und die Führung 
des Makulagestranges dann unter Zuhilfenahme be¬ 
sonderer Leitwalzen zu erreichen, während früher, 
um ein Zudrücken der Löcher zu vermeiden, das 
Papier nach der Durchlochung unmittelbar zum Druck¬ 
zylinder geführt werden mußte. In den meisten Fällen 
ließ sich die Perforiervorrichtung daher nur in nächster 
Nähe diesesZylinders anbringen, wodurch aber dessen 
Zugänglichkeit nicht selten stark beeinträchtigt wurde. 

Der Perforierzylinder muß wegen der Unter¬ 
bringung in der Maschine ziemlich klein genommen 
werden. Im allgemeinen ist der Durchmesser dieses 
Zylinders nur halb so groß wie jener des Druck¬ 
zylinders. Das Papier läuft aber nicht um den Per¬ 
forierzylinder selbst, sondern um eine dicht an diesen 
herangelegte Walze, welche wegen der aus dem Zylin¬ 
der heraustretenden Messer mit entsprechenden Aus¬ 
sparungen versehen sein muß. Zwischen Walzen- und 
Zylinderdurchmesser ist jedoch ein bestimmtes Ver¬ 
hältnis einzuhalten; denn nur dann kann ein richtiges 
Zusammenarbeiten von Messern und Nuten erwartet 
werden. Gewöhnlich wird die Walze nur halb so groß 
als der Perforierzylinder gemacht, so daß diese bei 
einer Druckzylinderumdrehung bereits vier Um¬ 
drehungen ausführt. Damit aber die Perforierung 
nur bei jeder zweiten Zylinderumdrehung zur Wirkung 
kommt, müssen die Messer bei jeder Zwischen¬ 
umdrehung verschwinden, also so weit in den Zylinder 
zurücktreten, daß sie nicht mehr in das Papier ein¬ 
schneiden. Auf diese Weise ist ein unnötiges Per¬ 
forieren des Abschmutzpapiers vermieden und damit 


zugleich eine öftere Verwendung möglich. Die Gegen¬ 
walze ist meistens eine Rohrwalze. Das zur Bewegung 
der Messerschiene erforderliche Exzenter darf derVor- 
aussetzung entsprechend nur alle zweite Umdrehung 
des Perforierzylinders in Funktion treten, eine Be¬ 
dingung, die sich aber durch Anwendung von Über¬ 
setzungsrädern jederzeit leicht erfüllen läßt. Die in 
ebenso großer Anzahl wie die Löcher der Saugleisten 
vorhandenen Perforiermesser sind auf einer Schiene 
befestigt und zugleich durch eine besondere Aus¬ 
führung dieser Schiene gegen Verdrehen gesichert, 
worauf jedoch in Abbildung 3 keine weitere Rücksicht 
genommen wurde. Auch die Bewegung der Messer¬ 
schiene ist nur schematisch angedeutet. 

Bei Variablen mit pneumatischer Bogenführung 
sind auch die Druckzylinder von normaler Größe, das 
heißt es entspricht der Umfang eines Zylinders der 
größten Formatlänge (bei Anwendung beweglicher 
Ableiter oder Zungen an Sammelzylindern muß der 
Umfang sämtlicher Zylinder um etwa 80 Millimeter 
größer genommen werden). Bei jeder Umdrehung der 
Druckzylinder wird also nur ein Bogen gedruckt, 
weshalb auch bei diesen Maschinen stets nur ein ein¬ 
maliges Zurichten erforderlich ist. In dieser Beziehung 
waren die Variablen mit Saugvorrichtung den Greifer¬ 
maschinen mit ihren doppeltgroßen Druckzylindern 
und daher auch doppelt auszuführenden Zurichtung 
lange überlegen. Wie wir jedoch bereits gehört haben, 
ist auch bei diesen Maschinen durch entsprechende 
Verlangsamerung der Einlauf-undSchneidvorrichtung 
eine einmalige Zurichtung recht wohl möglich, so 
daß sich heute beide Maschinentypen gleichwertig 
gegenüber stehen, jedenfalls aber keine Bevorzugung 
der Maschinen mit pneumatischer Bogenzuführung 
mehr gerechtfertigt erscheint. Die Verwendung gro¬ 
ßer Druckzylinder bei Greifermaschinen hat sich 
sogar insofern als sehr vorteilhaft erwiesen, als bei 
diesen Maschinen die Bogen vom Schöndruckzylin¬ 
der direkt zum Widerdruckzylinder übergeben werden 
können, während bei Maschinen mit Luft- und Nadel¬ 
transport in vielen Fällen, bei Zwei- und Mehrfarben¬ 
variablen aber stets, die beiden Druckzylinder zwecks 
Zugänglichkeit und Bedienung der Maschine weiter 
auseinander gelegt werden müssen. Zur Verbindung 
beider Druckwerke sind wegen der einzuhalten¬ 
den Drehrichtung zwei besondere Zylinder erfor¬ 
derlich, deren Aufgabe nur in der Übertragung 
der Bogen vom Schöndruck zum Widerdruck besteht. 
Wenn auch im allgemeinen die Übergabe der Bogen 
vom einen zum andern Zylinder so zuverlässig er¬ 
folgt, daß man durch Einschaltung dieser beiden Über¬ 
tragungszylinder keine Verschlechterung des Re¬ 
gisters zu befürchten braucht, so ist es zweifellos 
doch immer besser, wenn der Transport der Bogen 
auf möglichst kurzem Weg geschieht. Bevor sich 
Koenig & Bauer für die Anwendung solcher Zwischen- 


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zylinder entschließen konnten, haben sie sich mit 
einer Verdoppelung der Druckzylinder geholfen, mu߬ 
ten aber damit zugleich die Nachteile der doppelten Zu¬ 
richtung in Kauf nehmen. Wie es scheint, war damals 
das Prinzip der doppelten Einfärbung bzw. Farbver¬ 
reibung, durch welche auch bei doppelt großen Zylin¬ 
dern nur eine einmalige Zurichtung nötig wurde, noch 
nicht bekannt; denn sehr rasch verließen Koenig 
& Bauer diese Bauart, den gleichen Zweck nun durch 
Einschaltung von Übertragungszylindern erreichend. 

Ein recht empfindlicher Nachteil der Maschinen 
mit Saugwirkung ist in der Anwendung von Luft¬ 
pumpen zu erblicken. Nicht die Anschaffungskosten 
einer solchen Luftpumpe sind es, die hierbei in Be¬ 
tracht kommen können, sondern vielmehr der dauernde 
Betrieb und die hierdurch entstehenden Unter¬ 
haltungskosten. Wenn man bedenkt, daß zum Antrieb 
einer Luftpumpe ein Motor von bereits mehreren 
Pferdestärken Nutzleistung erforderlich ist, so kann 
man sich leicht eine Vorstellung über die hierdurch 
bedingte Erhöhung der laufenden Betriebskosten 
machen. Dazu kommt außerdem, daß die Luftpumpen 
ununterbrochen weiterlaufen, während doch an den 
Maschinen Betriebsunterbrechungen, die je nach der 
Ursache (wie durch Rollenwechsel, Plattenreinigung, 
Verbesserungen an den Zurichtungen usw.) von 
kürzerer oder längerer Dauer sein können, nur allzu¬ 
oft auftreten. Um jedoch die Presse stets betriebs¬ 
bereit vor sich zu haben, kann aus praktischen Grün¬ 
den an ein Stillsetzen der Pumpe nicht gedacht werden. 

In den meisten Fällen findet sogar die Pumpe außer¬ 
halb des betreffenden Druckereilokals Aufstellung, 
was ein häufiges An- und Abstellen nur noch mehr 
erschweren würde. Wollte man in dieser Beziehung 
einen Vergleich ziehen zwischen Maschinen mit pneu¬ 
matischer Bogenführung und solchen mit Führung 
der Bogen durch Greifer oder Nadeln, so würde dieser 
Vergleich ebenso günstig für die Greifer- und Nadel¬ 
maschinen ausfallen, wie z. B. der elektrische Einzel¬ 
antrieb zum Transmissionsantrieb. Wie dort die Luft¬ 
pumpe immer in Tätigkeit sein muß, so muß auch 
hier die Transmission stets weiterlaufen, ohne Rück¬ 
sicht auf die wechselnden Betriebsverhältnisse der 
Presse. Im Betrieb stellen sich jedenfalls Variable mit 
Saugvorrichtung nicht unwesentlich teurer als Maschi¬ 
nen mit Greifer- oder Nadel transport, bei denen an Stelle 
des gesamten pneumatischen Apparates, bestehend 
aus: Luftpumpe, Rohrleitungen, Ventilen und Saug¬ 
leisten, nur die durch feststehende Exzenter be¬ 
wirkten Greifer- und Nadelbewegungen treten. Wenn 
auch aus diesem Grunde die Entscheidung bei An¬ 
schaffung einer Variablen eventuell zugunsten eines 
andern Systems ausfallen sollte, so wird doch niemand 
bezweifeln, daß die Variablen mit pneumatischer 
Bogenführung auch fernerhin jenen Platz unter den 
Druckmaschinen behaupten werden, der ihnen in An- 

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betracht ihrer hervorragenden Leistungsfähigkeit zu¬ 
erkannt werden muß. Auf welche hohe Stufe der 
Vollkommenheit die speziell von Koenig & Bauer 
gebauten Variablen mit Lufttransport in den letzten 
Jahren gebracht worden sind, möge aus den am 
Schlüsse dieses Aufsatzes noch zu besprechenden 
Beispielen erkannt werden. 

3. Führung der Bogen durch Nadeln. 

Die erste Maschine mit Nadeltransport wurde be¬ 
reits im Jahre 1898 von Albert & Co. gebaut, während 
die Vogtländische Maschinenfabrik in Plauen erst 
einige Jahre später mit dem gleichen Maschinen¬ 
typus in die Öffentlichkeit trat. Wie wir bereits gehört 
haben, sind jedoch Albert & Co. sowohl von diesem 
System derBogenführung als auch von jenem derpneu- 
matischen Bogenführung bald wieder abgegangen und 
haben sich, nachdem sich die Greifermaschinen so 
entwicklungsfähig zeigten, besonders auf den Bau die¬ 
ser Maschinen verlegt. Wie Koenig & Bauer und 
Augsburg bis auf den heutigen Tag den Transport der 
Bogen durch vakuumierte Luft bewerkstelligen, so 
blieb die Maschinenfabrik Plauen bis jetzt derFührung 
der Bogen durch Nadeln treu und es hat tatsächlich 
den Anschein, als ob auch diesem System trotz der 
ihm anhaftenden Nachteile eine gewisse praktische 
Bedeutung nicht abgesprochen werden kann. 

Man muß daher unwillkürlich die Frage aufwerfen, 
warum diesem Maschinentypus nicht auch von den 
andern Firmen mehr Interesse entgegengebracht 
wurde? Zwei Gründe waren es, die hauptsächlich 
gegen den Bau von Nadelmaschinen sprachen. Zu¬ 
nächst glaubte man nicht, daß sich die Drucker für 
Variable mit Nadeltransport überhaupt begeistern 
werden. Hat man doch schon häufig die Nadelstiche 
(Punkturlöcher) an den Falzprodukten gewöhnlicher 
Maschinen beanstandet, um wie viel mehr würde dies 
erst bei Variablen der Fall sein, bei denen infolge 
der öfteren Bogenübergabe die Bogen einen ganz 
verstochenen Rand aufweisen müssen. Wenn auch 
an ein nachträgliches Beschneiden der Bogen ge¬ 
dacht wurde, so hielt man es doch kaum für möglich, 
daß die Drucker so leicht über diesen Punkt hinweg¬ 
gehen würden. Das Zuschneiden bedeutet stets einen 
Papierverlust, den bekanntlich der Drucker aus nahe¬ 
liegenden Gründen vermieden wissen möchte. Für 
den Fall, daß die Bogen aber nicht zugeschnitten wer¬ 
den, wird der zerstochene Rand immer ein häßliches 
Aussehen der Falzprodukte bedingen und so sicher¬ 
lich nicht dazu beitragen, für die betreffende Drucke¬ 
rei empfehlend zu wirken. Schließlich war man gegen 
die Führung der Bogen durch Nadeln an und für sich 
schon etwas mißtrauisch gestimmt. Man glaubte nicht, 
daß sich dieses System unter allen Umständen in der 
Praxis bewähren werde. Insbesondere fürchtete man, 
daß sich unter schwierigen Betriebsverhältnissen, 

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ungefalzter Bogen auf Saugzylindem (durch das 
Aus- und Eintreten von beweglichen Zungen in die 
Sammelzylinder). Bei gleich großen Zylindern 
würde demnach auf einer Nadelmaschine ein ent¬ 
sprechende größeres Format zu verarbeiten sein als 
auf Maschinen mit Luft- und Greifertransport, ein 
Vorzug, der sich aber nur auf die Konstruktion der 
Maschinen beziehen kann; denn hinsichtlich Lei¬ 
stungsfähigkeit ist es gleichgültig, welchen Durch¬ 
messer innerhalb so geringer Grenzen die Zylinder 
aufweisen. 

Daß sich ferner bei Nadelmaschinen ein endlos 
mitlaufendes Abschmutzpapier verwenden läßt, ist 
schon durch die Art und Weise der Bogenführung 
bedingt. Eine besondere Perforiervorrichtung wie 
bei den Variablen mit Saugwirkung ist hierbei nicht 
erforderlich. Die Punkturen vom Widerdruckzylinder, 
um den das Makulagepapier geführt wird, durch¬ 
stechen gleich dieses Papier und übernehmen außer¬ 


dem die Bogen vom Schöndruckzylinder. Durch diese 
Vereinfachung in der Anwendung einer Mitläuferrolle 
ist zwar ein Vorteil gegen Maschinen mit pneuma¬ 
tischer Bogenführung zu erkennen, jedoch hat es den 
Anschein, als ob durch die durch das Einstechen der 
Löcher erzeugte Gratbildung nach öfterem Gebrauch 
des Papiers dieses auf der Rückseite so rauh wird, 
daß hierdurch unter Umständen sogar eine Beein¬ 
flussung der Druckqualität zu befürchten ist. In die¬ 
ser Beziehung ist jedenfalls das Perforieren mit 
Messer, wie es in neuerer Zeit von Koenig & Bauer 
bei ihren Maschinen mit Luftsaugung ausgeführt 
wird, entschieden besser. Das Papier bleibt stets 
glatt, sooft es auch benutzt werden mag. 

So viel über die Führung der Bogen durch die 
Druckwerke. Im nächsten Abschnitt sollen nun die 
verschiedenen Arten von Bogenführungen unter be¬ 
sonderer Berücksichtigung der neuesten Verbesse¬ 
rungen besprochen werden. 


Aus den graphischen Vereinigungen 


Altenburg. In der am 19. Januar 1910 stattgefundenen 
Sitzung’der] Graphischen Vereinigung sprach Herr C. Kunze 
Ober die Illustrierung und ihre Anwendung in Werken und 
Zeitschriften. Er gab zunächst einen geschichtlichen Rück¬ 
blick'über die Illustration und schilderte sodann die ver¬ 
schiedenen Verfahren. Das älteste, der Holzschnitt, ge- 
angte bald nach der Erfindung der Buchdruckerkunst zu 
boherj Blüte, wurde aber im 17. Jahrhundert durch den 
Kupferstich etwas in den Hintergrund gedrängt, um dann 
in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wiederum als 
Illustrationsmittel zu dienen. Wenn auch der Holzschnitt 
in neuester Zeit durch die Einführung der photomecha¬ 
nischen Reproduktionsverfahren nahezu verdrängt worden 
sei, so vermöge ihn doch keines derselben zu ersetzen* 
Um die Entwicklung des Farbenholzscbnittes habe sich be¬ 
sonders in Sachsen-Altenburg der nach Wien übergesie¬ 
delte Tischler Knöfler verdient gemacht. Der Umbruch 
von reich illustrierten Werken und Zeitschriften stelle an 
den Setzer gewisse Anforderungen, die ästhetisches Emp¬ 
finden für schöne Flächenwirkungen voraussetzen. Beim 
Satz von Unterschriften unter die Klischees mache sich 
vielfach der Übelstand fühlbar, daß der Facettenrand ein 
zu großer sei und der Schrifttext vom Bild zu weit entfernt 
stehe. Dem Setzer stünden nicht immer die nötigen Hilfs¬ 
mittel zur Verfügung, um das Klischee beschneiden zu 
können/während die Ätzanstalten leicht in der Lage wären, 
diesem Übelstand durch möglichst knappe Bemessung der 
unteren Facettenwand abzuhelfen. -o-. 

Berlin. In derGeneralversammlung der Typographischen 
Gesellschaft konnte über eine gedeihliche Weiterentwick¬ 
lung berichtet werden. Weniger günstig waren die Geld¬ 
verhältnisse. Bei einem Umsatz von 3015 Mark] verblieb 
nur ein Bestand von 23 Mark; den Außenständen von 
298 Mark stand eine unbeglichene Forderung von 500 Mark 
gegenüber. Aus diesem Anlaß hatte der Vorstand eine Bei¬ 
tragserhöhung beantragt, die von der Versammlung auch 


beschlossen wurde. In den Vorstand wurden gewählt bzw. 
wiedergewählt die Herren: G. Könitzer,Vorsitzender; Georg 
Erler, E. Baumeister, G. Schneider, C. Rinck, A. Piehler, 
Naumann, O.Würzer; in die Technische Kommission die 
Herren: O. Brandt, G.Jabn, G.Jarius, A. Köhler, G. Lorsch, 
E.Neumann, Paulherr, R.Werra und H.Zehnpfund; in den 
Arbeitsausschuß des Verbandes der Deutschen Typogra¬ 
phischen Gesellschaften die Herren: R.Biegel, B.Dümm- 
ler, G. Hasse, C. Kremkow, R. Lehmann, H. Scheiding, 
B. Senf, R. Unruh und G. Wagner. — In der Sitzung vom 
25. Januar 1910 waren im Buchgewerbesaal neuere Probe¬ 
blätter der deutschen Schriftgießereien ausgestellt, über 
die Herr Georg Wagner einen Vortrag hielt, in dem er be¬ 
merkte, daß das Ausgestellte nur einen Teil dessen bilde, 
was die Schriftgießereien in den letzten zwei Jahren auf 
den Markt gebracht hätten. Man habe erkannt, daß die 
Leserlichkeit der Schrift ihre erste Tugend sein müsse, daß 
die Schrift die Hauptsache bei der Druckarbeit bilden und 
der Schmuck sich ihr anpassen müsse. Die Bestrebungen, 
in neuen Schriften einen Ersatz für Antiqua und Fraktur 
zugleich zu schaffen, seien aufgegeben worden. Man be¬ 
mühe sich, die beiden Schriftstämme, Antiqua und Fraktur, 
weiter auszubauen. Eingehend wurden dann die einzelnen 
Schriften in der Reihe Antiqua, Fraktur, Schreib- und 
Kartenschriften, Ornamente und Vignetten ihrem Werte 
nach gewürdigt. Der Vortragende schloß seine Ausfüh¬ 
rungen mit einer Betrachtung über das Mißverhältnis, das 
noch vielfach zwischen dem schönen, dem Setzer an Schrift 
und Schmuck zur Verfügung stehenden Material und den 
zum großen Teil noch recht geschmacklosen Drucksachen 
des täglichen Gebrauches besteht. Der Einwand, daß der 
Auftraggeber eine Arbeit gerade so gewünscht habe, könne 
nicht zur Entschuldigung dienen; das Publikum könne das 
Gute nur wählen, wenn es ihm gezeigt werde. Deshalb 
sei wünschenswert, daß die Schriftproben nicht in den 
Druckereikontoren vergraben, sondern auch den Setzern 


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zuginglich gemacht würden.] Das werde wahrscheinlich 
mehr zur Geschmacksbildung beitragen als das Zeichnen 
und Skizzieren. B. 

Breslau. In der Sitzung, die die Typographische Gesell¬ 
schaft am 19. Januar 1910 abhielt, erstattete Herr Neugebauer 
einen Bericht über die eingegangenen zweifarbigen Neu¬ 
jahrskarten, wobei er bemerkte, daß gerade die kleinen 
Städte, deren Mittel doch sehr beschränkt seien, meist 
Besseres böten, als große Orte. Herr Winkler gab sodann 
an Hand des von der Graphischen Vereinigung Troppau 
ausgearbeitejen Berichtes eine Erklärung über den Neu¬ 
jahrskarten -Wettbewerb derTypographischen Gesellschaft, 
wobei er bei den einzelnen Arbeiten seine eigene Ansicht 
zum Besten gab, die sich nicht immer mit denen derTrop- 
pauer Preisrichter deckte. Die fünf Preise fielen zu den 
Herren: Schuttes, Lindner, Maslankowski, Christoph und 
Neugebauer. HtvvHendel warf hierauf die Frage auf: Welche 
Berechtigung hat das Nichtsperren von Ziffern in fortlau¬ 
fend gesperrtem Satz, z. B. wenn es heißt: 1870 wurde Stra߬ 
burg wieder deutsch. Alle vorhandenen Lehrbücher lehren, 
daß Ziffern auch in fortlaufend gesperrtem Satz nicht zu 
sperren sind. Die Meinungen hierüber waren sehr geteilt, 
doch neigte die Mehrheit der Redner der Ansicht zu, daß 
im fortlaufend gesperrten Satz auch Ziffern zu sperren 
sind, mit Ausnahme derjenigen Fälle, wo es sich nur um zwei 
Ziffern bandele,oder wo diese auf Halbgeviertstärke gegossen 
seien, ohne daß das Bild den ganzen Raum einnehme. G-e. 

Dresden. In der am 7.Januar 1910 abgehaltenen Sitzung 
der Graphischen Vereinigung hielt Herr Zwiener einen Vor¬ 
trag über: Skizze und Entwurf, der als Einführung für den 
Mitte Januar beginnenden Skizzierkurs diente. Die der 
Vereinigung zugesandten Schriftgießerei-Neuheiten-Hefte 
und Druckwerke besprach Herr Krause. — In der Sitzung 
am 21. Januar sprach Herr Pramann über den Akzidenzsatz. 
— Am 30.Januar hatten die Mitglieder Gelegenheit, die in 
der Kgl. Kunstgewerbeschule veranstaltete Ausstellung des 
Deutschen Buchgewerbevereins: 25Jahre deutsches Buch¬ 
gewerbe zu besichtigen. -sr-, 

Erfurt. In der ersten Sitzung, welche der Typographische 
Klub im Januar 1910 abhielt, berichtete Herr Pfeiffer über 
die vom Deutschen Buchgewerbeverein leihweise über¬ 
lassene Sammlung: Neuzeitliche Akzidenzen. — In der 
ersten Februarsitzung sprach Herr Krappe über die aus¬ 
gestellten Neujahrsdrucksachen, die einen äußerst leb¬ 
haften Meinungsaustausch hervorriefen. -p-. 

Frankfurt a. M. In der Sitzung der Typographischen 
Gesellschaft am 6. Januar 1910 war die vom Verband der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften eingegangene 
Rundsendung, enthaltend den Inseratenwettbewerb der 
Buchdrucker-Woche ausgestellt, die eingehend besprochen 
wurde. Bedauert wurde, daß unter den über 400 Entwürfen 
so wenig gute zu sehen waren. — Der Kalkulationskursus 
wurde am 13. Januar durch einen Einleitungsvortrag des 
Herrn Th. Walter eröffnet, der einen Überblick über die 
Grundzüge und das Wesen der Kalkulation gab und die 
Berechnung des Papiers, des Satzes und Druckes, sowie 
der sonst noch zur Herstellung der Arbeiten verursachten 
Kosten besprach. — Um das Geschäftsjahr mit dem des 
Kreises gleichzustellen, sowie für die Neuwahl beider Vor¬ 
stände fand am 29. Januar eine außerordentliche General¬ 
versammlung statt, in der Herr Kühn über das verflossene 
Vierteljahr berichtete, das als ein gut verlaufenes bezeich¬ 


net werden kann. Der Kassenbestand betrug 468,21 Mark. 
In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Ahrndt, l.Vor- 
sitzender; Karrenberg, 2. Vorsitzender; Becker, Kassierer; 
Sprathoff, 1. Schriftführer; Viertel, 2. Schriftführer; Schlo- 
singer, Bibliothekar; Petersen, Archivar; Höflich und 
Claussen, Beisitzer. Außerdem wurde eine technische 
Kommission gebildet. Der Kreisvorstand des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften setzt sich 
zusammen aus den Herren: Mori, Vorsitzender; Albinus, 
Kassierer; Claussen,Sammlungsleiter; Fedke,Schriftführer 
und Viertel, Beisitzer. -ß-. 

Halle a. S. In der Generalversammlung der Graphischen 
Vereinigung am 4. Januar 1910 erstattete der Vorsitzende 
Herr Löschke den Jahresbericht. In den Vorstand wur¬ 
den gewählt die Herren: Löschke, Vorsitzender; Sorgatz, 
Kassierer; Ströfer, Schriftführer. — In der Sitzung am 

18. Januar hielt Herr Mauff aus Leipzig einen Vortrag über 
fremdsprachlichen Werksatz, in dem er die Schriftdar¬ 
stellung und die Orthographie der französischen, italie¬ 
nischen, spanischen und englischen Sprache durch Dar¬ 
stellungen an derTafel in verständlicher Weise veranschau¬ 
lichte.—In derSitzung am 1. Februar war eine Rundsendung 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften ausgestellt, enthaltend Schülerarbeiten derWiener 
Fachschule. In dem Meinungsaustausch wurde auch 
über den Titel des Umschlages gesprochen, wobei zum Aus¬ 
druck kam, daß nicht immer alles Moderne schön sei. -lz*. 

Hannover. In der Sitzung der Typographischen Ver¬ 
einigung am 12.Januar besprach Herr W. Stücken die Rund¬ 
sendung des Verbandes der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften, enthaltend Kasseler Drucksachen, Herr 
Alberti dagegen den diesjährigen Neujahrskarten-Austausch 
des genannten Verbandes. — Eine der reichhaltigsten 
Rundsendungen des Verbandes lag in der Sitzung am 

19. Januar aus, und zwar diejenige, welche Schülerarbeiten 
der Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe 
zu Leipzig enthielt. — Die Vorstandssitzung am 5. Januar 
nahm eine nachträgliche Bewertung der Neujahrskarten¬ 
entwürfe des Bremer Typographischen Klubs vor. -ng. 

Heidelberg. In der Sitzung der Typographischen Ver¬ 
einigung am 15. Januar 1910 sprach Herr Arndt aus Frank¬ 
furt a. M. über berufliche Fortbildung, wobei er alle Gebiete 
der Satztechnik streifte. — Am 29. Januar fand die fünfte 
Hauptversammlung statt. Aus dem Jahresbericht ist zu 
entnehmen, daß die Mitgliederzahl gestiegen ist. Der 
Kassenbestand beträgt M61.63. Die Neuwahl des Vorstandes 
wurde vertagt.-In der Sitzung vom 12. Februar lag eine Rund¬ 
sendung Münchener Schülerarbeiten auf, die in üblicher 
Weise besprochen wurde. Die in dieser Sitzung statt¬ 
gehabte Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 
1. Vorsitzender Paul Kranz; 2. Vorsitzender W. Krumb¬ 
holz; Kassierer Oswald Hertel; Schriftführer Friedr.Henn; 
Bibliothekar G. Allgeier; Beisitzer Alb. Hellmuth und 
W. A. Schmitt. Hnn. 

Kassel. In der am 27. Januar 1910 abgehaltenen General- 
Versammlung der Graphischen Vereinigung erstattete der 
Vorsitzende den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß 
den Mitgliedern die mannigfachsten Möglichkeiten zur 
Weiterbildung geboten wurden. Die Vorstandswahl hatte 
folgendes Ergebnis: Seifert, Vorsitzender; Stäbel, Kassie¬ 
rer; Hungerland, Schriftführer; Hartmann und Knatz, Bei¬ 
sitzer. -Id-. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Leipzig. Die Typographische Gesellschaft hielt am 
12. Januar 1910 ihre Generalversammlung ab. Aus dem 
erstatteten Berichte ist zu ersehen, daß durch fleißige 
Arbeit ein guter Erfolg verzeichnet werden kann. Die Vor¬ 
standswahl hatte folgendes Ergebnis: H. Schwarz, 1. Vor¬ 
sitzender; E. Wetzig, 2. Vorsitzender; Küttner, Kassierer; 
Hach, Beisitzer; O. Schmidt, 1. Schriftführer; Biener, 
2. Schriftführer; Dünkel, Bibliothekar; Leonhardt und 
Engel, Sammlungsleiter. Der Bericht über die Tätigkeit des 
Verbandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften 
im abgelaufenen Geschäftsjahr gab Anlaß zu einer lebhaften 
Aussprache, in der vor allem die Arbeit des Verbandsvor¬ 
standes und die mißlichen Kassenverhältnisse des Ver¬ 
bandes besprochen wurden. — Am 16. Januar fand ein ge¬ 
meinschaftlicher Besuch der Ausstellung moderner Inserate 
im Deutschen Buchgewerbehaus statt, bei dem der Muse¬ 
umsdirektor Dr. Schinnerer die Führung übernommen 
hatte. — ln der Sitzung am 26. Januar sprach Herr Küttner 
über: Die Wortkürzung und ihr Gebrauch im deutschen 
Werk- und Zeitungssatz. Der Vortragende zog die Kürzungen 
in der Stenographie zum Vergleich an und besprach eine 
große Anzahl der bekanntesten Kürzungen aus dem Buch¬ 
drucker-Duden. 

Leipzig. In der Sitzung der Typographischen Vereinigung 
am 8. Dezember 1909 hielt Herr Professor von Weißenbach 
einen Vortrag über: Typographisches und Kulturgeschicht¬ 
liches aus Ungarn. Sodann wurde die Nachbewertung der 
Johannisfestdrucksachen der Vereinigung seitens der 
Münchener Schwestergesellschaft bekannt gegeben, wo¬ 
bei keine wesentlichen Unterschiede gegenüber der 
eigenen Bewertung festgestellt wurden. In der Sitzung 
am 12. Januar 1910 fand die Bekanntmachung des Er¬ 
gebnisses des Neujahrskarten-Wettbewerbes statt. Ein¬ 
gegangen waren 52 Arbeiten, deren Bewertung die Typo¬ 
graphische Gesellschaft Hamburg übernommen hatte* 
Es erhielten: I. Preis R. Hoffmann, II. Preis H. Zeh # 
III. Preis August Schmidt; lobende Erwähnungen: Franz 
Müller, Jens Andersen und G. Krebs. Hierauf hielt 
Herr Neubert einen Vortrag über: Mattfarben und Matt¬ 
papiere, in dem er sich zum großen Teil aufseinen Aufsatz 
im Archiv für Buchgewerbe, Band 45, Heft 9, bezog, den er 
durch die in der Zwischenzeit gemachten praktischen Er¬ 
fahrungen ergänzte. Eine reiche Ausstellung war mit dem 
Vortrage verbunden. — Am 26. Januar hielt Herr Ziehmke 
einen durch Lichtbilder unterstützten Vortrag über: Streif¬ 
züge durch das weitverzweigte Gebiet der Reklame.— Die 
Ausstellung künstlerisch ausgeführter Inserate im Buch¬ 
gewerbehaus wurde von den Mitgliedern zahlreich be¬ 
sucht. G. Kr. 

Magdeburg. Alter Gewohnheit gemäß veranstaltete die 
Graphische Gesellschaft auch in diesem Jahre am 23. Januar 
1910 eine Kalenderausstellung, die in der Hauptversamm¬ 
lung am 29. Januar von Herrn Helmberger eingehend be¬ 
sprochen wurde. Aus dem in dieser Sitzung gegebenen 
Jahresbericht sei hervorgehoben, daß die Gesellschaft auch 
im vergangenen Jahre eine emsige Tätigkeit entfaltet hat. 
Die Kassenverhältnisse sind als günstig zu bezeichnen, der 
bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. E. K. 

Mannheim-Ludwigshafen. In der Sitzung der Typo¬ 
graphischen Gesellschaft am 10. Januar 1910 hielt Herr 
P. Müller einen Vortrag über Autotypie und Dreifarben¬ 
ätzung unter Berücksichtigung der Lumi&re-Farbenphoto- 


graphie. Der Vortragende gab ein Gesamtbild über den 
Werdegang der Autotypie, der Drei- und Vierfarbenätzung 
und lud zur praktischen Ergänzung des Vorgetragenen 
sämtliche Zuhörer zur Besichtigung der Graphischen 
Kunstanstalt Müller, Siefert & Cie. in Mannheim ein. 
Hieran schloß sich eine nähere Besprechung der Neujabrs- 
kartenentwürfe nebst Verteilung der Geldpreise. Herr 
Metzer besprach sodann die Ergebnisse des Wettbewerbs, 
an dem sich die Mitglieder nur wenig beteiligt hatten. 
Ferner kamen in derselben Sitzung Neujahrskarten aus¬ 
wärtiger Gesellschaften, sowie Schriftgießerei-Neuheiten 
zur Auslage. Herr Dillenburg besprach zum Schluß unter 
praktischer Vorführung den Wert der Kübnstege für die 
tägliche Arbeit. — Am 16. Januar 1910 erfolgte die Be¬ 
sichtigung der Kunstanstalt von Müller, Siebert & Co. — 
In derSitzung am 1.Februar kam eineEhmke-Rundsendung 
der Schriftgießerei Flinsch in Frankfurt a. M. zur Auslage, 
wobei der von der Schwestergesellschaft Frankfurt a. M. 
ausgearbeitete Bericht zur Verlesung kam und besprochen 
wurde. Anschließend hieran berichtete Herr Fr. Vogel 
ausführlich über die Weihnachtsnummer des Archiv für 
Buchgewerbe. -di. 

München. Die Typographische Gesellschaft hatte in ihrer 
Monatsversammlung vom 12.Januar 1910 die Jahresmappen 
derhiesigen Kunstanstalten F.BruckmannA.-G. und Meisen¬ 
bach, Riffarth & Co. ausgestellt, die Herr Anton Krach be¬ 
sprach, indem er den Werdegang der einzelnen Blätter 
streifte und durch Vorlage von ganzen Druckbogen auf die 
in einem Arbeitsgang gefertigten Drucke hinwies. Die 
Ausstellung bot einen guten Überblick über alle bestehen¬ 
den Reproduktionsarten, vom Holzschnitt angefangen bis 
zu den allerneuesten auf dem Wesen der Photographie be¬ 
ruhenden Verfahren, und gewann an Wert dadurch, daß der 
Vortragende Aufschluß über die jeweilige Technik gab. — 
Am 15. Januar wurde ein Narrenabend veranstaltet. — Am 
26.Januar lagen zwei Wettbewerbe vor, von denen Herr 
W. Dietzel die Danziger, Herr P. Gunkel die Ansbacher 
Entwürfe behandelte. Fs. 

Wien. Einen lehrreichen Vortrag hielt im verflossenen 
Monat in der Graphischen Gesellschaft Herr C. Floimair. 
Nach einer kurzen Einleitung, in der die Arbeiten zur Her¬ 
stellung einer Autotypie geschildert wurden, ging er zu 
seinem Hauptthema über: Wie behandelt man Autotypien, 
um sie vor Schäden zu bewahren, und wie repariert man 
entstandene Schäden. Die Autotypie mit ihrem über die 
ganze Platte gelagerten Netze sei ein sehr empfindlicher 
Druckstock, mit dem ganz vorsichtig umgegangen werden 
müsse. Das Übereinanderlegen der Autotypien ohne weiche 
Papierzwischenlage, deren Stehenlassen in Nässe und Rei¬ 
nigen mit Putztüchern, welche fasern, auch manchmal 
sandige Teile enthalten, sei zu vermeiden. Zum Reinigen 
solle gutes Terpentin und ein Rehhäutel verwendet werden, 
weil sich von Putzlappen Faserteilchen zwischen die feinen 
Rasterpunkte setzen, die oft mit aller Mühe nicht mehr 
herauszuwaschen seien und dann im Drucke schmieren. 
Sandige Teile verursachen Kratzer, eine am häufigsten 
vorkommende Beschädigung. Wie man einen Schaden be¬ 
hebt, der trotz aller Vorsicht entstanden ist, zeigte der Vor¬ 
tragende praktisch an verschiedenartig verletzten Klischees. 
Ein einfacher Kratzer, der sich im Druck als weiße Linie 
gibt, lasse sich dadurch reparieren, daß man mittelst eines 
passenden Tonstichels in der Rinne, welche den Kratzer 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


darstellt, Metallteilchen entsprechend dem Rasterverlaufe 
ansteche und hebe, wodurch über die Fläche ragende 
Punktspitzen entstünden, die mittels des Flachstichels mit 
der Druckfläche wieder ausgeglichen und so die mangeln¬ 
den Rasterpunkte ersetzt werden könnten. Breitere Risse 
müßten gelötet werden, zu welchem Zwecke die beschädigte 
Stelle mit Lötwasser bestrichen und das aufgebrachte Lot 
entweder durch Erhitzen der Platte über einer Flamme, 
oder mittels Lötrohrs zum Schmelzen gebracht werde. 
Durch Schaben mit dem Flachstichel und Behandlung mit 
Schmirgelpapier feinster Sorte erhalte man eine Fläche, auf 
derdie Wiederherstellungdes unterbrochenen Rasternetzes 
mit dem Stichel oder mit einer entsprechenden Roulette 
geschehen könne. Beulen, welche durch Aufschlagen, 
Darauffallen von schweren harten Gegenständen entstanden 
seien, könnten von der Rückseite der Platte aus heraus¬ 
getrieben werden, indem die Autotypie auf eine gute ebene 
Platte unter Papierzwischenlage gelegt und mittels Punze 
und Hammer bearbeitet werde. Mit einigem Geschick, das 
sich der Maschinenmeister durch Übungen an alten Kli¬ 
schees erwerben könne, würde ihm die Beseitigung nicht 
zu grober Beschädigungen von Autos ganz gut gelingen, 
ohne daß zu ihrer Behebung die Ätzanstalt in Anspruch 
genommen werden müsse. Jedenfalls solle man sich den 
Grundsatz vor Augen halten: Besser bewahrt als beklagt^ 


der in ganz besonderem Maße für die Autotypien und ihre 
Behandlung gelte K t. 

Zittau, ln der Generalversammlung der Graphischen 
Vereinigung am 29. Januar 1910 fand eine Ausstellung der 
Neujahrsdrucksachen 1910 des Deutschen Buch- undStein- 
druckers statt, die als Rundsendung Nr. 145 von dem Ver¬ 
band der Deutschen Typographischen Gesellschaften über¬ 
mittelt worden war. Aus dem Jahresbericht ging hervor, 
daß das Tätigkeitsfeld der Vereinigung in der Hauptsache 
auf den Gebieten Ausstellung und Wettbewerbe liegt, 
während an Vorträgen Mangel besteht. Von dem Verband 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften wurden 
sechs Rundsendungen überwiesen, sonst war von derTätig- 
keit des Verbandes wenig zu spüren. Die Kasseneinnahme 
betrug M 219.47, die Ausgabe M 134.65, so daß auf neue 
Rechnung M 84.82 vorgetragen werden konnten. Der bis¬ 
herige Vorstand wurde wiedergewählt. dl. 

1 Wir bringen diese Mitteilung unsers Mitarbeiters, möchten aber sehr 
bezweifeln, daß ein Maschinenmeister, selbst wenn er noch so geschickt ist, 
in der Lage sein wird, ohne gründliches und langwieriges Studium die Aus¬ 
besserung von beschädigten Autotypien so vorzunehmen, daß solche wirklich 
wieder für einen guten Druck verwendet werden können. Selbst wenn dies 
aber der Fall sein sollte, dann dürfte die Aufwendung von Zeit und Arbeit höhere 
Kosten verursachen, als die Anfertigung einer neuen und jedenfalls tadelloseren 
Autotypie, die jede tüchtige Reproduktionsanstalt ln kürzester Zeit hersteilen 
kann. Die Ausbesserung beschädigter Autotypien durch den Maschinenmeister 
erscheint uns unangebrachte Sparsamkeit. Die Scbrlftleitung. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


V Festschrift zur Feier des 35jährigen Bestehens der 
Firma Com. Immig & Zoon in Rotterdam. Diese Gelegen¬ 
heitsfestschrift ist auch eine recht beachtenswerte Druck¬ 
leistung, die allen Teilnehmern an dem erwähnten Feste 
eine willkommene Erinnerungsgabe gewesen sein dürfte. 
Neben dem textlichen Inhalte enthält das Heft auch eine 
Anzahl guter Lichtdrucktafeln, die die einzelnen Stadien 
des Festes wiedergeben, darunter drei solche mit dem 
Titel: Laurens Costers Vision. Es : ist charakteristisch, 
daß trotz aller Gegenbeweise der holländische Buchdruck 
immer noch an derCosterlegende festhält. Aus einerbei¬ 
gegebenen Gruppenaufnahme des Gesamtpersonals der 
Firma Corn. Immig & Zoon ergibt sich deren Umfang und 
Bedeutung. -w-. 

W Zeilenmaß. An Zeilenmessern verschiedenster Art 
herrscht kein Mangel, dennoch aber verdient ein von 
Herrn C. Fritz in Frankfurt a. M. angefertigtes Zeilenmaß 
besondere Beachtung, da es drei Vorzüge besitzt, die es 
bestens empfehlen, nämlich: Einfachheit, Praktischkeit 
und außerordentliche Billigkeit (25 Pf.) Das aus undehn¬ 
barem festen Hanfkarton hergestellte Maß enthält neben 
Millimeter- bzw. Zentimetereinteilung die Kegel Non¬ 
pareille, Kolonel, Petit, Borgis, Korpus und Cicero, sohin 
sämtliche Brotschriftkegel in sehr übersichtlicher Weise. 
Der Maßstab wird für jeden, der mit typographischen 
Messungen zu tun bat, ein willkommener und wertvoller 
Gebrauchsgegenstand sein. A. Schl. 


V Druckprobenheft. Die Buchdruckerei Landby & Lund- 
gren in Malmö hat in einem stattlichen Quarthefte eine 
große Anzahl von Musterblättern vereinigt, die ihre 
Leistungsfähigkeit auf den mannigfachen Gebieten des 
Akzidenz- und Illustrationsdruckes beweisen. In den Satz¬ 
arbeiten äußert sich ein einfach vornehmer Geschmack, 
und soweit illustrative Blätter in Betracht kommen, ist auf 
die verschiedensten Reproduktionsverfahren Bedacht ge¬ 
nommen worden. Blätter in einfachem und Dreifarben¬ 
druck wechseln mit Akzidenzdrücken ab, in jedem Falle 
ist auf saubersten Druck Wert gelegt worden. Das Heft 
darf als eine gute Empfehlung der Firma gelten. -h-. 

W Die Buchführung im Buchgewerbe von C.H. A. Meyer, 
Frankfurt a. M., Verlag von Klimsch & Co. Das vorliegende 
Werkchen ist ein Leitfaden für die zweckmäßige Organi¬ 
sation und Anwendung der doppelten Buchführung sowohl 
im einfachen Kleinbetrieb, wie auch im vielseitigen Gro߬ 
betrieb. Es gibt zwar in knapper Form, dafür aber durch 
um so zahlreichere Beispiele und Hinweise den Weg an, 
auf dem der kleineMeister zu einem geordneten Geschäfts¬ 
gänge gelangt, ohne sich in allzuviel Schreibarbeit betätigen 
zu müssen. Aber auch für mittlere und größere Betriebe 
gibt das Buch gute Anleitung, so daß es bestens empfohlen 
werden kann. Neben dem Hauptkapitel über die Buch¬ 
führung selbst, berührt der Verfasser auch die verschieden¬ 
sten technischen Fragen. Als Fachwerk sollte es daher 
vollste Beachtung finden. -r-. 


Inhaltsverzeichnis 

Bekanntmachung.S.33.—ErnstNeumannundseineSchule. heutigen Vollkommenheit. I. S.50. — Aus den graphischen 
S. 34. — Der Titelsatz, seine Entwicklung und seine Grund- Vereinigungen. S. 61. — Bücher- und Zeitschriftenschau; 
Sätze. I. S. 36. — Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer verschiedene Eingänge. S. 64 . — 9 Beilagen. 


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PR1NCETON UNIVERSITY 




FEIER 

ZU EHREN FRIEDRICH VON 
SCHILLERS, AM TAGE DER 
HUNDERTFÜNFZIGSTEN 
WIEDERKEHR SEINES GE¬ 
BURTSTAGES ARRANGIERT 
VOM AUSSCHUSS FÜR 
VOLKSVORLESUNGEN 
ZU FRANKFURT AM MAIN 





e zum Archiv für Buchgewerbe 


Material: Antiqua Augenheil und Cissarz-Schmuck 
der Schriftgießerei Ludwig & Mayer in Frankfurt a.M. 


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PRINCETON UNIVERSITY 











































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LIEDER 


TEXTE 


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^reude, schöner Götterfunken, 
Gochter aus Elysium, 





Wir betreten feuertrunken, 
Himmlische, dein Heiligtum. 
Deine Zauber binden wieder, 

Was die Mode streng geteilt; 

Älle Menschen werden Brüder, 
Wo dein sanfter Flügel weilt. 

Seid umschlungen, Millionen, 
Diesen Kuß der ganzen Welt! 
Brüder — überm Sternenzelt 
Muß ein lieber Vater wohnen. 

Wem der große Wurf gelungen, 
Eines Freundes Freund zu sein, 
Wer ein holdes Weib errungen, 
Mische seinen Jubel ein! 

Ja — wer auch nur eine Seele 
Sein nennt auf dem Erdenrund! 
Und wer’s nie gekonnt, der stehle 
Weinend sich aus diesem Bund! 

Was den großen Ring bewohnet, 
Huldige der Sympathie! 

In den Sternen wohnet sie, 

Wo der Unbekannte wohnet. 



Gougle 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 














Freude trinken alle Wesen 
Hn den Brüsten der Natur; 

Hlle Guten, alle Bösen 
Folgen ihrer Rosenspur. 

Küsse gab sie uns und Reben, 
Einen Freund, geprüft im God; 
Wollust ward dem Wurm gegeben 
Und der Cherub steht vor Gott. 

Ihr stürzt nieder, Millionen, 

Hhnest du den Schöpfer, Welt? 
Such ihn überm Sternenzelt! 

Uber Sternen muß er wohnen. 

Freude heißt die starke Feder 
In der ewigen Natur; 

Freude, Freude treibt die Räder 
In der großen Weltenuhr. 

Blumen lockt sie aus den Keimen, 
Sonnen aus dem Firmament, 
Sphären rollt sie in den Räumen, 
Die des Sehers Rohr nicht kennt. 

Froh, wie seine Sonnen fliegen 
Durch des Himmels goldnen Plan, 
Laufet, Brüder, eure Bahn, 

Freudig wie ein Held zum Siegen. 

Hus der Wahrheit Feuerspiegel 
Lächelt sie den Forscher an. 

Zu der Sugend steilem Hügel 
Leitet sie des Dulders Bahn. 

Huf des Glaubens Sonnenberge 
Sieht man ihre Fahnen wehn, 
Durch den Riß gesprengter Särge 
Sie im Chor der Engel stehn. 



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PRINCETON UNiVERSITY 













H Vn HEODOR VON KÖRNER war cs, 
4\ der im Jahre 1800 zum erstenmal 
sj\ die Dichtungen seines Freundes 
i £ Schiller in Druck gab. Ruch die 
| Reihenfolge rührt nicht von dem 
j Dichter selbst her, sondern von 
Alb Körner, der sie, wie die übrigen 

_ ÜL-Jl Werke seines großen Freundes, 

pj^nach dessen drei Lebensperioden geordnet hat. Die 
[©Dichtungen der ersten Periode reichen bis zumJahre 
Eg? 1782, wo Schiller Stuttgart verließ. Einige sind schon 
Kgjauf der Karlsschule entstanden, alle geben Zeugnis 
[©von der trüben Gährung, in der sich des Dichters 
[©Inneres damals befand. Jahre lang hatte sich der 
©feurig empfindende, für Freiheit begeisterte Jüngling 
©dem harten Joch einer willkürlichen Erziehung fügen 
©müssen, sein für das Edle leicht entzündbares Gemüt 
©war zur offiziellen Heuchelei gezwungen worden. 
©1 1 Fährend seine ganze Seele danach verlangte, am 
© VV Ringen und Streben seiner Zeit teilzunehmen, 
©sah er sich mit einer Schar von Ältersgenossen durch 
©künstliche Schranken von der Welt ausgeschlossen; 
©nur durch die Bücher erhielt er Kunde von ihr. Kein 
©Wunder, wenn seine Änschauungen unklar blieben, 
i©wenn seine Empfindungen von krankhafter Über- 
©spanntheit ergriffen wurden. Die Gefahr lag bei ihm 
©umso näher, als ihm der Hang zum spekulativen 
©Grübeln angeboren und seine Phantasie von Natur 
©nur zu geneigt war, ihn ins Uferlose fortzureißen. 
©Kein Gegensatz bewegte in jener Zeit die Gemüter 
!©>so tief, als der zwischen der Natur und den wirklichen 
©Zuständen. Die Lehren von J.J.Rousseau hatten auch 
©auf der Karlsschule begeisterte Änhänger gefunden 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 



und wie lebhaft Schiller diesen großen französischen 
Philosophen bewunderte,beweist sein Gedicht auf ihn, 
welches ursprünglich noch viel länger und viel über¬ 
schwänglicher war. 

|pgr ^g g <5»^^ ^^]eichte Empfindsamkeit war ohnehin 
im deutschen Land verbreitet genug; 


I Klopstocks meist tränenreiche und® 

ooh I ') y ( 2 stets ins Schrankenlose schweifende*® 
Vml I : ’: jk M Schwärmerei erregte allerorten die® 
Begeisterung der Jugend. Jetzt ward® 
aus der unbestimmten Sehnsucht ein® 
entschiedenes Streben; man trachtete die Zustände® 
der Wirklichkeit mit den Träumen der Phantasie in® 
einigen Einklang zu setzen. Man erkannte, daß jene^i 
Sentimentalität zugleich Schwäche war, man suchte® 
deshalb den Kultus der naturwüchsigen Kraft an ihre® 
Stelle zu setzen, und die Kraft sollte sich vor allem® 
in der Zerstörung aller bestehenden unnatürlichen® 
Verhältnisse bekunden. Man wurde aber, indem man^ 
sich in das Gegenteil flüchtete, die große Weichheit® 
des Empfindens nicht los, und aus beiden Elementen® 
entstand ein wenig erfreuliches Gemisch. In den An-® 
griffen auf die damaligen politischen und sozialen® 
Verhältnisse lag Berechtigtes, aber zunächst gefiel® 
man sich in arger Übertreibung. Man wollte zur Natur® 
zurück, aber nur da sah man Natur, wo die Sinnlichkeit® 
entfesselt war. Man empfand die Kälte und Unfrucht- «g 
barkeit der abstrakten Gelehrsamkeit, deshalb meinte® 
man nun, alles geistige Leben aus der Materie ableiten® 
zu müssen, und zu diesem Zwecke konnte Schiller® 
auch seine medizinischen Kenntnisse verwerten. Die® 
Kraftgenies fühlten sich von den gekünstelten, nicht® 
freien Formen der Zeit eingeengt und wünschten die®; 


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PRINCETON UNIVERSITY 



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1313 Mit Gegenwärtigem gestatte 
£• I» ich mir, Ihnen die ergebene 
Anzeige zu machen, daß demnächst 
mein Reisender Alexander Luplow 
sich das Vergnügen machen wird, 
Sie zu besuchen, um Ihnen einige 
hochinteressante Neuheiten meines 
Hauses Ludwig &. Mayer vorzulegen. 
Ich bitte höllichst, genanntem Herrn 
die Vorlage der Proben freundlichst 
zu gestatten und mir Ihre geschätzten 
Bestellungen in Schriftmaterial so¬ 
wie in den von mir geführten übrigen 
Artikeln durch denselben gütigst zu¬ 
weisen zu wollen. Hochachtungsvoll 

Emil Witt 

Buchdruck-Maschinen-Lager und 
Buchdruck-Utensilien-Handlung. 


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FEST-GESCHENKEI 


Den Eingang sämtlicher Neuheiten für das j 
j Weihnachtsfest erlaube ich mir hierdurch J 
Euer Hochwohlgeboren anzuzeigen und! 
! um Ihren geschätzten Besuch ergebenst j 
zu bitten. Insbesondere empfehle ich die i 
große Auswahl in modernen Briefpapieren j 
undKarten,neuenOffenbacherundWiener j 
Lederwaren sowie in besseren Kalendern 
Ihrer geneigtenBeachtung. Mein Haus führt j 
ferner in Schreibtischgarnituren und allen 
Artikeln für den Schreibtisch stets großes 
Lager in besten Qualitäten. Hochachtend 


HEINRICH ROBERT 


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Diebesten 

Wünsche 


zum neuen Jahre entbieten 
wir allen unseren geehrten 
Kunden und bitten höflichst 
um gütige Erhaltung ihres 
geschätzten Wohlwollens 
auch im begonnenen Jahre 

Buchdruckerei 
Rieder & Söhne 

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LEIPZIG, DEN 15. März 1910. 

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Ew. Hochwohlgeborenl 

Mit Gegenwärtigem gestatte ich mir. Ihre Aufmerksamkeit auf 
meine seit einer langen Reihe von Jahren bestehende 

zu lenken. Vielfachen Anregungen entsprechend habe ich mein Ge¬ 
schäftslokal nach dem Innern der Stadt und zwar nach Peters¬ 
strasse 41 verlegt. Ich hoffe dadurch während der Saison Ihnen 
mancherlei Annehmlichkeiten bieten zu können. Durch Anknüpfung 
neuer Einkaufsverbindungen in Italien bin ich in der angenehmen 
Lage Ew. Hochwohlgeboren zu allen Gelegenheiten, sei es zu Hoch¬ 
zeiten. Jubiläen, oder anderen festlichen Anlässen, die edelsten 
Blumenarten zu denkbar billigsten Preisen zu offerieren. 

Ausserordentlich würde ich mich freuen, wenn sich Ew. 
Hochwohlgeboren von den Vorzügen, die meine Handlung bietet, 
durch gütige Probeauftragserteilung überzeugen würden. 

Mit ergebener Hochachtung 

Hermann Uhldorff. Leipzig-R. 


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Beilaae zum Archiv für Buchaewerbe 


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Druck von Günther. Kirftein £ Wendler. Leiozia 

































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Günther, Kirftdn © Wendler. Leipzig. 
























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DIE UNIVERSITÄT LEIPZIG IM ERSTEN 
HALBEN JAHRTAUSEND IHRES 
BESTEHENS 

VON ERICH BRANDENBURG 

IN halbes Jahrtaufend ift dahingegangen, feitdem im 
Jahre 1409 etwa vierhundert deutfehe Profefforen und 
Studenten Prag verließen und unter dem Schutje der 
wettinifchen Fürften in Leipzig eine neue Stätte des 
Lehrens und Forfchens begründeten. Die in Prag 
immer ftärker um ficb greifende nationaltfchechifche 
Bewegung, die fpäter die Hauptftübe des Huffitentums geworden ift, 
hatte fie von dort hinweggetrieben. Die Begründung unterer Uni verfität 
hängt alfo aufs engfte zufammen mit dem Erwachen des flavifchen 
Nationalbewußtfeins. Sie bezeichnet einen Wendepunkt jenes großen 
Völkerringens um den Befitj der Länder zwifeben der Oftfee und dem 
fldriatifeben Meere, das noch beute fortdauert; ein Jahr fpäter erfocht 
das Polentum feinen erften großen Sieg über den deutfehen Ritter¬ 
orden in der Schlacht bei Tannenberg. - Die neue Hocbfcbule fchien 
durch die Art ihrer Entftehung die natürliche Beftimmung zu haben, 
eine nationale Grenzwacht auf geiftigem Gebiete, eine gefamtdeutfehe 
Bildungsftätte zu werden. 

Aber es ift anders gekommen. Die Zeiten, wo die frifcheften und 
tatkräftigften Volksteile aus ganz Deutfcbland nach dem Koloniallande 
im Often ftrömten, um dort freien Plaft zum Leben und Wirken zu 
finden, waren damals bereits vorüber. Und fo fuchten auch die 
Studierenden aus dem füdlichen und weftlicben Deutfcbland lieber 
die heimifchen Hochfchulen, Heidelberg, Köln, Erfurt oder Würzburg, 
auf. Dazu kam, daß gerade das 15. Jahrhundert eine Fülle neuer 
Univerfitätsgründungen brachte. Das Intereffe der Landesherren an 
den gelehrten Bildungsftätten wuchs mit ihrem Bedarfe an gefchulten 
Beamten; die neue geiftige Bewegung des Humanismus führte den 
Hochfchulen neue Kräfte zu und ftellte ihnen erweiterte Aufgaben. 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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Paris 1878 — Melbourne 1881 
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(Eigenart unb borne^mem (S-^arafter 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

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47. BAND MÄRZ 1910 HEFT 3 

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Französische Lithographien aus der Zeit der Romantik 

Von Museumsdirektor Dr. SCHINNERER, Leipzig 


D ”"""".|IE Lithographie ist die jüngste aller tech- 

j nischen Erfindungen auf dem Gebiete der 
j Graphik, wenn man den Begriff Graphik 

. ........i enge nimmt. Mit dem Holzschnitt oder mit 

dem Kupferstich kann sie sich nicht im entferntesten 
an Alter messen und ihre Bedeutung ist auch im Ver¬ 
gleich zu diesen Techniken gering. Sie beherrschte 
nie so unbedingt das Illustrationswesen wie der Holz¬ 
schnitt am Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahr¬ 
hunderts, und auch zu einer Zeit, als sie in Blüte 
stand, verloren die Techniken des Hoch- und Tief¬ 
drucks nicht ganz an Bedeutung. Trotzdem ist die 
Lithographie für die Geschichte der Graphik von 
großer Wichtigkeit, ganz 
besonders für das ver¬ 
gangene Jahrhundert. Jede 
Erfindung kommt einem 
Bedürfnis entgegen oder 
schafft irgendeinem Not¬ 
stand Abhilfe. Das trifft 
auch auf die Graphik zu. 

Als die Kunst am liebsten 
in der Malerei einen Aus¬ 
druck suchte und auch die 
Bildhauerei und Architek¬ 
tur malerische Elemente in 
sich aufnahm, verdrängte 
der Kupferstich und die 
Radierung den Holzschnitt, 
und als die Zeit nach Mas¬ 
senproduktion und Ver¬ 
billigung des Einzelwerkes 
drängte, kam die Lithogra¬ 
phie auf, die diese Forde¬ 
rungen in weitgehendem 
Maße zu erfüllen imstande 
ist. Der Lithograph hat mit 
einem weniger spröden 
Material zu tun wie der 
Holzschneider, die Füh¬ 
rung seines Werkzeuges 


erfordert bei weitem nicht so viel Übung wie beim 
Kupferstechen, der Künstler, der sich der Litho¬ 
graphie bedient, kann ganz leicht und frei zeichnen 
wie auf einem Blatt Papier. Die Herstellungskosten 
eines Blattes sind nicht allzugroß: die Lithographie 
war für das 19. Jahrhundert eigentlich die Kunst, die 
in kleinerem Maßstab das besorgte, was heute am 
besten die photomechanischen Reproduktionsver¬ 
fahren zu vollbringen imstande sind, und sie wurde 
daher besonders wichtig für die Zeitschriften und 
Witzblätter, die zu Beginn des Jahrhunderts wie Pilze 
aus der Erde schossen. In Frankreich war hierfür der 
günstigste Boden. Die Vormachtstellung des Landes 
im allgemeinen und seine 
künstlerische Höhe im spe¬ 
ziellen bedingte von vorn¬ 
herein einen Aufschwung 
des Zeitungswesens, dazu 
kamen die politischen Um¬ 
wälzungen, die ein Her¬ 
vortreten des karikaturisti¬ 
schen Elementes zur Folge 
hatten, endlich die Veran¬ 
lagung der Nation zu Spott 
und geistreicher Satire, die 
dieses Element stärker, als 
es vielleicht in einem an¬ 
dern Land der Fall gewesen 
wäre, hervorkehrte. So be¬ 
deutet die Zeit von etwa 
1820 bis 1860,'die Epoche 
der Romantik, die größte 
Blüte der Karikatur und 
damit verbunden der Litho¬ 
graphie, die der Illustra¬ 
tion von Zeitschriften und 
Witzblättern dienstbar ge¬ 
macht wurde. 

Schon die großen Ver¬ 
treter der romantischen 
Malerei erkannten sehr 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bald, wie wundervoll die neue Technik ihren künst¬ 
lerischen Absichten entsprach. Von Pierre Guerin 
waren zwei Lithographien auf unsrer Ausstellung im 
Buchgewerbemuseum, die noch im zweiten Jahr¬ 
zehnt des 19. Jahrhunderts entstanden zu den In¬ 
kunabeln der Kunst zu zählen sind, Gegenstücke 
allegorischen Inhalts ganz im Sinne des akademi¬ 
schen Klassizismus gehalten mit antikisierenden 
männlichen Akten, relativ einfach in der Technik, 
ganz ohne Absichtauf malerische Wirkung, aber schon 
ziemlich weich und flockig in der Schattierung. Der 
allzufrüh verstorbene Meister des Medusaflosses 
Gericault, der große Vorläufer von Eug. Delacroix, 
war leider nicht vertreten. Seine landschaftlichen 
Lithographien und besonders die Tierstudien, die er 
auf den Stein gezeichnet hat, gehören mit zu dem 
Besten, was die Romantik hervorbrachte. Sie sind 
von wundervoller Kraft in der Wiedergabe der Natur 
und schon ganz malerisch behandelt. Der Haupt¬ 
maler der Romantik Eugen Delacroix hat sehr viel 
lithographiert, sein bekanntestes Werk, die Illustra¬ 
tionen zu Goethes Faust sind außerordentlich frei 
behandelt, technisch sowohl — in der Art, wie etwa 
die Lichter aus dem dunklen Grund herausgeschabt 
sind — als auch künstlerisch: die Gestalt Gretchens 
etwa entfernt sich vollkommen von dem Typus, der 
uns für diese Figur feststeht, etwas Aufgeregtes, wild 
Barockes macht diese Blätter beinahe ungenießbar 



C.Nanteuil nach einem Gemälde von E.Isabey 


für jeden, der sich nicht von den konventionellen 
Vorstellungen, die gerade wir Deutsche über diesen 
Stoff besitzen, losmachen kann. Ein eigentlicher Gra¬ 
phiker ist Delacroix nicht, er vertritt ganz konsequent 
eine spezifisch malerische Richtung in der französi¬ 
schen Kunst, wodurch sein Wirken für ihre Weiter¬ 
entwicklung so außerordentlich bedeutsam geworden 
ist. Auch die Landschafter der Schule von Fontaine¬ 
bleau haben gelegentlich selbst Lithographien ge¬ 
macht, wir hatten nur von Diaz ein Blatt ausgestellt, 
das vollkommen wie eine farblose Wiedergabe nach 
einem seiner Gemälde wirkte. 

Die technisch geschultesten Kräfte stellten ihre 
Kunst hauptsächlich und mit dem größten Erfolg in 
den Dienst der Reproduktion nach Gemälden. Die 
Lithographie ist hierfür zweifellos außerordentlich 
befähigt. Der Kupferstich ist zu hart und trocken, 
um die Feinheiten eines malerischen Vorbildes ge¬ 
treu darzustellen, weshalb man im 18. Jahrhundert 
die Schabkunst, die Aquatinta und alle andern Ab¬ 
arten des graphischen Tiefdrucks zur Gemälderepro¬ 
duktion benutzte: die Lithographie ist noch besser 
imstande, die zarten Nuancen in der Wolkenbildung, 
das feine Spiel des Lichtes auf der Wand eines 
Hauses oder die Übergänge von Hell zu Dunkel in 
einem schattigen Waldinterieur graphisch wieder¬ 
zugeben. Daher sind die Arbeiten dieser französi¬ 
schen Reproduktionstechniker in jeder Beziehung 



C.Nanteuil nach einem Gemälde von T. Couture 


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. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE : = : = = = = 

vollwertige Übertragungen der Gemälde der roman- graphie reproduziert, dann vor allem Calame, end¬ 


tischen Schule, gleich hervorragend in der Treue 
der Wiedergabe, in der Handhabung des technischen 
Werkzeuges und der Güte des Druckes, unerreichbar 
auch für die geschicktesten Techniker unsrer Zeit. 
Besonders Landschaften wurden gern als Vorlagen 
zu diesen graphischen Arbeiten benutzt. Die land¬ 
schaftlichen Schilderungen aus dem Orient von De- 
camps, die heimischen Landschaften von Dupr6, 
Rousseau und dergleichen, dann die minutiös aus¬ 
geführten Gemälde von Isabey oder die figurreichen 
Schilderungen von Delacroix fanden geschickte Inter¬ 
preten in Leuten wie C.Nanteuil , A.Anastasi, Mouil- 
leron , Francais, Debacq, C. Roqueplan , Eng . le Roux, 
Laurens und andern mehr. BesondersNanteuil,Mouil- 
leron und le Roux sind sehr gut vertreten. Wie 
wundervoll ist z. B. das phantastische Interieur mit 
dem Alchimisten von Isabey von Nanteuil lithogra¬ 
phiert und wie fein die Straßenszene aus dem Faust 
von Delacroix durch Mouilleron reproduziert. Diese 
großen Techniker waren aber nicht bloß geschickte 
Handwerker, sondern wirkliche Künstler, die ihre 
Lithographien gelegentlich auch nach eigenen Zeich¬ 
nungen fertigen. Von Nanteuil z. B. gibt es ein Blatt: 
Die Teufelskinder, das einen Hof in Sevilla darstellt 
und sich von richtigen Gemäldereproduktionen in 
nichts unterscheidet. Auch H. Baron hat ebenso wie 
F. de Lemu seine eigenen Gemälde durch die Litho- 



lich ist noch C. Motte zu nennen, der mit äußerstem 
Raffinement eine Zeichnung von Lavigne mit der Dar¬ 
stellung eines männlichen Aktes wiedergibt, so daß 
man glaubt, die Oberfläche der Haut zu fühlen. Der 
unerquickliche Manierismus der Vorlage wird dabei 
beinahe vergessen. 

Eine besondere Rolle spielen naturgemäß die Por- 
trätisten, die im wesentlichen nichts andres zu tun 
hatten, als was heute dem Photographen zuFällt: mit 
möglichster Naturtreue, ohne dem Geschmack des 
Durchschnittspublikums zu nahe zu treten, etwas ge¬ 
schmeichelte Bildnisse von Damen und Herren zu 
fertigen. Grevedon verstand seine Sache vielleicht 
am besten; er schuf besonders eine Anzahl etwas 
süßlicher aber technisch sehr gut durchgeführter 
Damenbildnisse, die auf den ersten Eindruck be¬ 
stechen. Dann ist noch Gustave Jassot zu nennen, 
der etwas freier aber auch nicht so raffiniert arbeitet 
wie Grevedon und sicherlich nicht so viel Anklang 
beim Publikum gefunden hat wie dieser. 

Interessanter als alle diese Leute und künstlerisch 
ungleich bedeutender sind dann die Künstler Charlet 
und Carle und Horace Vernet, deren Namen ja viel 
mehr bekannt sind und die als Sittenschilderer der 
romantischen Zeit auch für den Historiker sehr viel 
bedeuten. Charlet besonders hat in zahllosen Blättern 
das Soldatenleben der Napoleonischen Zeit und das 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Straßenleben der Gegenwart mit dem Griffel ge¬ 
schildert. Er ist jedoch keineswegs ein langweiliger 
Illustrator und persönlich uninteressierter Bericht¬ 
erstatter, sondern man merkt seinen Arbeiten immer 
an: er lebt in der Welt, die er darstellt, mit allen 
seinen Gedanken, er fühlt mit ihr, freut sich mit 
ihr und ist mit ihr unter Umständen betrübt. Da¬ 
her hat auch seine Art und Weise zu zeichnen gar 
nichts Trockenes, er führt den Zeichenstift mit einer 
Leichtigkeit und Freiheit, deren ein bloßer Techniker 
nicht fähig ist. Selbst die zwei großen, mit der Feder 
gezeichneten Blätter, auf denen zwei Soldaten zu 
sehen waren, wirkten unendlich viel klarerund freier 
wie solche Darstellungen gewöhnlich aussehen. Auch 
die Vernets haben viel von dem Geistreich-Improvi- 
sierten, was für die französische Kunst des 19. Jahr¬ 
hunderts überhaupt charakteristisch ist, sie lieben 
besonders orientalische Szenen mit Arabern und der¬ 
gleichen. Ein andrer Künstler, Raffet schildert auch 
mit besonderer Vorliebe Soldatenszenen, allein seine 
umfangreicheren Arbeiten der Art sind, so geschickt 
und sauber sie auch gezeichnet sein mögen — das 
Blatt „Arabische Infanterie“ ist hierfür bezeichnend 
— doch etwas sehr äußerlich und wirken auf die 
Dauer langweilig. Ein paar kleinere Blätter mit ge¬ 
sellschaftlichen Szenen — eine Herrengesellschaft 
bei Tisch in einem Restaurant, ein Kellner rechts vorn 
entkorkt eine Weinflasche — sind unendlich viel 
frischer und unmittelbarer. Endlich wäre an dieser 
Stelle noch Deveria zu erwähnen, der Meister pikanter 
und mit Chik gezeichneter Frauengestalten, die leider 
häufig etwas zu absichtlich süß und geleckt aussehen. 

Die überraschendsten künstlerischen Eindrücke 
vermitteln natürlich die Lithographien der roman¬ 


tischen Schule, die in den Dienst der Karikatur ge¬ 
stelltwurden. Die französische Karikatur der Roman¬ 
tik bedeutet ja einen der Höhepunkte der Kunst der 
Karikatur überhaupt, was aus der politischen Situation 
der Zeit wie aus dem besonderen Charakter der ro¬ 
mantischen Kunst ja ohne weiteres erklärlich ist. 
Auch im Gemälde suchten ja die französischen Ro¬ 
mantiker möglichst rasch und schlagend einen Aus¬ 
druck zu finden, daher ist auch ihre Malerei impro¬ 
visiert und — unter Umständen — karikaturistisch. 
Besonders bei den Arbeiten von Delacroix wird das 
deutlich. Esfällthauptsächlich einem Unternehmerdas 
Verdienst zu, die nach Betätigung in dieser Richtung 
drängenden Kräfte um sich gesammelt und ihnen in 
seinen Gründungen eine dauernde Heimatstätte ge¬ 
währt zu haben: Ch. Philipon, dem Begründer der 
Caricature und des Charivari. Besonders die zuletzt 
genannte Zeitschrift — die erste ging aus politischen 
Gründen bald ein—war für die Geschichte derKunst 
derRomantik ungefähr von derselben Wichtigkeitwie 
in neuerer Zeit derSimplizissimus. Alle die bedeuten¬ 
den Karikaturisten der Epoche, allen voran Daumier, 
waren an diesem Blatt beschäftigt, und wie bei dem 
genannten modernen Witzblatt das satirische Element 
häufig hinter dem rein künstlerischen zurücktritt, so 
war es auch damals der Fall: eine große Anzahl aller 
bedeutenden französischen Karikaturen der Zeit 
wirken auf uns rein wie Illustrationen oder freie 
graphische Schöpfungen, wir genießen sie auch ohne 
die Pointe zu verstehen und ohne die historischen 
Begebenheiten, die sie häufig karikieren, überhaupt 
zu kennen. Die Wirkungsmöglichkeiten der zeich¬ 
nerischen Karikatur sind ja verschieden, die groteske 
Art, Übertreibungen, auffällige Hervorhebungen und 
dergleichen anzubringen — etwa auf 
einen kleinen Rumpf einen großen Kopf 
zu setzen usw. — ist häufig genug 
etwas plump, so feinsinnige Künstler 
wie Gavarni oder Monnier bringen viel 
mehr reine Illustrationen, an denen 
höchstens das flott Hingesetzte, Impro¬ 
visierte als besonderes Element her¬ 
vortritt. 

Das große Blatt von L.Boilly „Volks¬ 
belustigungen“ ist ein Genrebild, ähn¬ 
lich wie es etwa Charlet gelegentlich 
in kleinerem Maßstab gibt, richtige 
Karikaturen sind dagegen die Blätter, 
in denenZusammenstellungen von Köp¬ 
fen in stark karikierter Auffassung 
etwas trocken dargestellt sind. Die 
„Teufeleien“ von L.Poitevin vertreten 
ein besonderes Genre von phantasti¬ 
scher Karikatur, in dem im 17. Jahr¬ 
hundert Callot Meister war, sehr hoch¬ 
stehende Kunstwerke sind sie jedenfalls 



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Gavarni. Aus dem Zyklus: Masques et visages 


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Henry Monnier. Lithographie von Senefelder 


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Zu dem Artikel: Französische Lithographien aus der Zeit der Romantik 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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tuchgewerbe 

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Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


nicht. Reizvoller ist die Serie der Wagenfahrten von 
Eugen Lami 9 der sich am liebsten in kleinen humor¬ 
vollen Szenen aus dem Straßenleben ausspricht. 
Grandville betont wieder mehr das Groteske in der 
Karikatur, seine Menschen mit Tierköpfen wirken un¬ 
ter Umständen sehr lustig, sind aber für modernen 
Geschmack nicht sehr wirkungsvoll. Die politischen 
Karikaturen des Malers Decamps bieten sehr viel 
mehr und weisen in der freien malerischen Behand¬ 
lung und großzügigeren Auffassung schon mehr auf 
die Hauptmeister der Künstler-Lithographie Gavarni 
und Daumier. Ein außerordentlich liebenswürdiger 
Künstler ist dann Henry Monnier, der besonders gern 
in ganz kleinen Formaten niedliche Szenen aus dem 
Familienleben darstellt und sich dabei häufig einer 
sehr kurzen viel mit leicht hingesetzten Strichlagen 
operierenden Ausdrucksweise bedient, die seine Ar¬ 
beiten zu kleinen Kabinettstücken graphischer Kunst 
macht. Die größten Künstler der ganzen Gruppe 
sind aber Daumier und Gavarni, die man von jeher 
gerne miteinander verglichen und ganz zutreffend 
als „Michelangelo und RafFael der Karikatur“ be¬ 
zeichnet hat. Karikaturist ist Gavarni am aller¬ 
wenigsten. Seine frühen Arbeiten für den Charivari 
sind nicht eben großzügig gemacht und sehen beinahe 
aus wie geschmackvolle Illustrationen von Mode¬ 
journalen und auch der Zyklus „Die Jugend des J. J. 
Rousseau“ hat noch sehr viel Kleinliches. Erst all¬ 
mählich wird er freier und die Lithographien „Aus 
dem Leben der galanten Damen“, ferner die „Bilder 
ausdemhäuslichen Leben“, „DieStudenten von Paris“ 
und vor allem der köstliche Zyklus „Der Briefkasten“ 
sind außerordentlich reizvolle Kunstwerke, die von 
derGeschicklichkeit desKünstlers in der Handhabung 
des Materials wie von seinerwunder- 
vollen Gabe, Szenen aus dem alltäg¬ 
lichen Leben frisch und charakteri¬ 
stisch aufzufassen, gleich gutes 
Zeugnis geben. Am vollendetsten 
vielleicht sind dann die Zyklen 
„Masques et visages“ und „Phy- 
siognomies parisiennes“, die so 
frisch und unmittelbar wie Hand¬ 
zeichnungenwirken und selbst etwas 
von der ganz freien Behandlungs¬ 
weise der Spätwerke von Daumier 
haben. Der Ausdruck eines Kopfes, 
die Bewegung einer Figur wirkt 
immer vollkommen überzeugend und 
dabei so wahr und natürlich, wie 
eine Handzeichnung von Menzel. Er 
hat einzelne Blätter geschaffen, die 
sicher Reznicek beeinflußten, als er 
seine besten Arbeiten für den Simpli- 
zissimus schuf. Mit diesem Künstler 
ist Gavarni übrigens am allerbesten 


zu vergleichen, nur muß man das abziehen, was an den 
Schöpfungen des modernen Künstlers Mache und Kon¬ 
vention ist. An Können und Originalität übertrifft 
Gavarni den Mitarbeiter des Simplizissimus bei wei¬ 
tem, trotzdem er an Tiefe den andern großen Zeitge¬ 
nossen sehr viel nachsteht. Der unbedingt größte Gra¬ 
phiker der Romantik der sich hauptsächlich der Litho¬ 
graphie als Ausdrucksmittel bedient hat, ist jedoch 
Honore Daumier. Schon seine frühen Arbeiten für die 
Caricature sind von einer eigenartigen Kraft, die eine 
Persönlichkeit verrät, die weit alle Mitstrebenden 
überragt. Das große Blatt „Le ventre 16gislatif“ 
gehört zu den glänzendsten Karikaturen aller Zeiten, 
bewunderungswürdig schon allein darin, wie die 
Köpfe zeichnerisch behandelt sind. Das erstaun¬ 
lichste ist aber, wie das Charakteristische jeder ein¬ 
zelnen Figur, jeder einzelnen Physiognomie erfaßt 
und durch Hervorkehren des Wesentlichen und Unter¬ 
drücken des Nebensächlichen herausgeholt ist. Die 
ganze Stupidität oder Gemeinheit des Opfers, das 
seine Feder zeichnet, kommt einfach schlagend zum 
Ausdruck. Die kleinen Blätter, in denen er jeden 
einzelnen der ihm verhaßten Männer in ganzer Figur 
oder als Porträt darstellt, sind nicht weniger kraft¬ 
voll; besonders einige der Köpfe machen es sehr 
wohl begreiflich, daß man Daumier mit Michelangelo 
in Vergleich zu setzen wagte. Die Karikaturen auf 
den Bürgerkönig Louis Philipp geben diesen Blättern 
nichts nach, der Zyklus „Robert Macaire“ vor allem, 
der auf der Ausstellung im Buchgewerbemuseum aus 
dem Besitz des Kulturhistorikers Eduard Fuchs, wie 
die allermeisten der ausgestellten Blätter in beson¬ 
ders guten Abdrücken zu genießen war, und dann 
das große Blatt mit dem Leichenbegängnis. Die 



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wundervolle große Lithographie „Rue Transnonain“ 
15. April 1834 mit dem Toten im Vordergrund gehört 
zu den ergreifendsten künstlerischenSchöpfungen des 
vergangenen Jahrhunderts überhaupt. Die Mehrzahl 
aller Arbeiten von Daumier aus den vierziger Jahren 
für den Charivari zeigen den Künstler von einer ganz 
andern Seite: als einen feinen Beobachter des bürger¬ 
lichen Lebens um ihn her und als einen Meister 
historischer Travestien und burlesken Humors. Zu¬ 
gleich ändert sich auch sein zeichnerischer Stil: die 
etwas detaillierte Darstellung weicht einer leichteren 
malerischen Behandlung, seine Zeichnung verliert an 
Tiefe, geht aber dafür mehr in die Breite. Die „Aus¬ 
drucksstudien“ sind wirkungsvoll vor allem durch 
die klar hervorgekehrte Pointe, durch scharfe Gegen¬ 
überstellung zweier Köpfe und Hervorheben ihrer 
charakteristischen Merkmale, zugleich findet sich 
unter ihnen schon der bekannte Kopf mit dem 
großen Mund und dem scharfen eckigen Kiefer, den 
Daumier immer wieder zeichnet. Der Zyklus „Ge¬ 
schichte der Alten“ ist sehr bezeichnend als eine 
Art Travestie des Klassizismus, die sicher zu einer 
Zeit, als Ingres gefeiert war, unendlich viel mehr 
Aufsehen erregte als es heute der Fall wäre und in¬ 
teressant zugleich als ein malerisches Gegenstückzu 
Offenbachschen Operetten. Die Zyklen: „Die schönen 
Augenblicke des Lebens“, „Diebraven Bürger“, „Aus 
dem Leben der Junggesellen“ beweisen, daß Daumier 
auch liebenswürdiger, verständnisvoller Humor nicht 
fehlte. Beißend und spöttisch wird er hier nie, das ist 
er nur, wo es sich um wirklich große die Satire her¬ 
ausfordernde Dinge handelt. Die Arbeiten aus diesen 
Jahren und dann auch eine Anzahl aus seiner Spät¬ 
zeit lassen Daumier auch als einen Meister land¬ 
schaftlicher Schilderung erkennen, der es versteht, 
mit wenig Strichen und einigen Tönen den ganzen 
Reiz einer Flußlandschaft oder eines Waldinterieurs 
wiederzugeben. Die „Bootsfahrer von Paris“ bieten 


hierfür besonders schöne Beispiele, dann natürlich 
die Jagdbilder und die Badeszenen, die er bei ver¬ 
schiedenen Gelegenheiten bringt. In manche Blätter 
bringt er als ein direkter Vorläufer des Impressionis¬ 
mus allein durch Schwarz-Weiß direkt die Sonne zum 
Bewußtsein, die auf einer Landschaft ruht, auf andern 
versteht er es, wundervoll durch ganz einfache Mittel 
den Eindruck eines richtigen Schneegestöbers hervor¬ 
zurufen. Die Werke der Spätzeit, vor allem die nach 
der Pause in seiner Mitarbeit am Charivari (in den 
fünfziger und sechziger Jahren) entstandenen Blätter 
zeichnen sich durch weitgehende malerische Behand¬ 
lung aus. Ein paar hastig hingesetzte Striche genügen, 
um alles Wesentliche hervorzubringen, scharfe Kon¬ 
turen, detaillierte, die Einzelformen der Gegenstände 
hervorhebende Modellierungen vermeidet er gänzlich. 
Zugleich tritt das karikaturistische Element seiner 
Jugendwerke, das eine Zeitlang geschlummert hatte, 
neu zutage. Daumier zeichnet die „Chinesen in Paris“, 
dann die „Parlamentarischen Szenen“ und die „Dar¬ 
stellungen von Darstellern“, die sehr viel mit grotes¬ 
ken Elementen wirken und sehr häufig damit operie¬ 
ren, die Köpfe der dargestellten Figuren übermäßig 
groß zu bilden. Zu derselben Zeit, meist in den sech¬ 
ziger Jahren, schafft er dann die wunderbaren Blätter 
von Kunstausstellungen — »Der berühmte Kritiker“, 
„Kunstauktion“, „Das zurückgewiesene Bild“ und der¬ 
gleichen — und die Szenen aus den Bierkneipen, die 
zu seinen reifsten Arbeiten zu zählen sind. Die Nieder¬ 
lage von 1870 bis 71 entflammt seine Seele zu mäch¬ 
tigem Zorn, mit den ganz einfachen, ganz ernsten 
Blättern auf dieses Ereignis beschließt er seine künst¬ 
lerische Laufbahn. 

Daumier ist der letzte dergroßenKünstlerderRoman- 
tik. Ein Mann wie Cham , der Äußerlichkeiten von ihm 
übernimmt, bedeutet nur wenig, ein andrer Künstler 
Ed. de Beaumont ist ein sehr liebenswürdiger aber viel¬ 
leicht zu äußerlicherGesinnungsgenosse von Gavarni. 



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Orientalische Buchkunst 

Von PAUL WESTHEIM, Berlin 


Kalam als dem natürlichsten Ausdrucksmittel. Dieses 
schmiegsame, unübertreffliche Schreibgerät bot von 
selbst die rhythmisch fließenden Formen, die er auf 
das Blatt bringen wollte. Und selbst starke chinesische 
oder byzantinische Einflüsse vermochten ihn nicht von 
seinem Werkzeug abzu¬ 
bringen. Denn das Schrei¬ 
ben war so eine Lust für 
die Hand, wie das Ge¬ 
schriebene ein Genuß für 
das Auge wurde. 

Der Schreiber, der Kä- 
tib, war hochgeschätzt — 
wie bei allen Hirten- und 
Kriegerstämmen. Er 
zählte zu der Beamten¬ 
schaft, war Staatssekretär 
und selbst als Künstler 
stand er im Rang vordem 
Illuminator, dessen Name 
nur selten erwähnt wird, 
während derSchreiberam 
Schluß des Werkes häufig 
genannt ist. Dieser kalli- 

Da heißt es in mancher graphische Reichtum des Orients ist allbekannt. 

Um so größer war das Entzücken über die verblüffen¬ 
den Miniaturen, die uns eine umfassende Ausstellung 
des Berliner Kunstgewerbemuseums darbietet. 

Was in Berlin an islamischer Buchkunst vorhanden 
ist, wurde hier von sachkundiger Hand vereinigt. 
Das Museum für Völkerkunde, die Königliche Biblio¬ 
thek, das Kaiser Friedrich-Museum, die Kunstge¬ 
werbebibliothek, ferner die privaten Sammler, von 
Oppenheim, Sarre, Schulz, Zander und Glenk haben 
ihre Schätze beigesteuert, um eigentlich zum ersten- 


R ""“””"5USKIN meinte einmal, daß gute Kunst nur 
£ von den Völkern hervorgebracht worden 
■wäre, die Freude an ihr hätten. Solche 
Freude an der Kalligraphie steckt dem 
Orientalen im Blut. Er schreibt mit einer ungestümen, 

unbezähmbaren Leiden- _ • _ 

schaft,undGeschriebenes W 
blitzt ihm überall ent¬ 
gegen. Seine Schriftzüge 
brennt er ein in Kerami¬ 
ken, webtsie inTextiliken, 
die Wände der Moscheen, 

t 

die Hausgeräte, Schmuck- r 

gegenstände, alles ziert 
er mit Worten und Sprü¬ 
chen. Als Erklärung wird 
uns oft das Bilderverbot 
des Koran angegeben; 
nur zum Teil scheint das 
zutreffend, denn eigent¬ 
lich fordert der Koran 
weniger streng als andre 
Glaubensbücher die un- 
eingeschränkteBefolgung 
aller seiner Vorschriften. 

Sure, wenn dies oder jenes zu beschwerlich sei, so 
genüge am Ende auch die rechte Gesinnung des 
Gläubigen, und in Wirklichkeit hat nur die eine pein¬ 
lich orthodoxe Sekte der Sunniten — vorwiegend die 
Völkerschaften um Mekka, die Araber und Ägypter 
— an dem Verbot der figuralen Darstellungen fest¬ 
gehalten. Eine künstlerische Freude an den ornamen¬ 
tal so vollendeten Schriftzeichen war wohl der wesent¬ 
liche Antrieb für jene Lust am Kalligraphischen. 
Der Araber, Ägypter, Türke oder Perser griff zum 


Abbildung 2. Koran. Kurrentschrift mit Titelkopf in Arabesken. 
Türkei 1907. Sammlung v. Oppenheim. 


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mal ein eindringliches Bild von diesem bedeutenden 
Kunstschaffen zu ermöglichen. Angefügt sind noch 
als besondere Kostbarkeiten die Funde der preußi¬ 
schen Turfan-Expeditionen, die mancherlei von den 
Anfängen und der Entwicklung ahnen lassen. 

Nach den Völkerschaften und Ausdrucksarten sind 
vier Hauptgruppen zu unterscheiden: 

Die Ägypter und Araber, die das Verbot der figür¬ 
lichen Darstellungen kaum einmal überschreiten, 
bieten alle Gestaltungskraft auf, um den Text mit 
herrlichen Schriftzeichen in edlem Rhythmus aufs 
Blatt zu setzen. Da gibt es Koranbände, die keinen 
andern Schmuck aufweisen als die geschriebenen 
Zeilen. Da ragen, wie wir schon auf dem kufischen 
Blatt (Abbildung 1) sehen, die spitzen Vertikalen 
zwischen den breitflüssig hingestrichenen Horizon¬ 
talen empor; alles scheint flott niedergeschrieben und 
ist doch durchschwingt von einer überlegten und ge¬ 
messenen Reife, die den Buchseiten die Schönheit 
orientalischer Knüpfteppiche verleiht. Mitunter sind 


einzelne Zeichen, Satzanfänge und dergleichen durch 
farbige, zumeist gelbe oder goldne Tupfen hervor¬ 
gehoben, oder der Kalligraph hat bei wertvolleren 
Stücken ein übriges getan, indem er den Satzspiegel 
oder den Anfang der einzelnen Suren mit einem 
reichen Arabeskenwerk einfaßte. Im allgemeinen 
wird ein elliptisches Medaillon, in dem filigranzarte 
Linien und feinnervige Ranken launig durcheinander¬ 
schießen, bevorzugt. Der Surentitel wird bekrönt von 
einem kuppelartigen Aufbau, dessen Formen uns von 
den Gewölben der Moscheen her bekannt sind. Er 
ruht, wie unser Beispiel 2 zeigt, auf den breiten 
Rahmenleisten, die den geschriebenen Text ohne 
Zwischenraum umklammern. Diese Buchseite er¬ 
scheint als Typus, der einem immer wieder entgegen¬ 
tritt. Auch die Einbände lassen eine selten durch¬ 
brochene Gesetzlichkeit erkennen. Über strahlenden 
Goldgrund schlängelt sich ein reliefartig erhöh¬ 
tes Arabesken werk, das auch inwendig auf einen 
äußerst pikanten Vorsatzgrund von hellblauen, 



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lichtgrünen, rötlich gelben Flecken aufgesetzt wurde. 
Titel- und Schlußblatt tragen wieder eine reiche 
Arabeskenverzierung in der Art des prächtigen per¬ 
sischen Blattes der Sammlung Zander (Abbildung 3). 
Die üppige Phantasie der Araber, deren erstaunliche 
Lebendigkeit uns z. B. aus den Geschichten von 
Tausendundeiner Nacht bekannt ist, scheint sich in 
dieser schillernden Ornamentik gänzlich zu ergießen. 
In diesen reichdurchwirkten Flächen teilen sie sich 
mit — besser als sie es in epischen Szenen und 
figuralen Darstellungen wohl vermocht hätten. 

Die Türken unterscheiden sich nicht wesentlich von 
diesen beiden Stämmen. Auch sie schätzen über alles 
jene erlesene Ornamentik. Die Koranseite Abbil¬ 
dung 2 entstammt ja der Türkei. Aber es gibt hier 
vereinzelt, vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert, 
kolorierte Pinselzeichnungen, die ob ihrer jähen 
Leidenschaftlichkeit verblüffen. Es sind Darstellungen 
von Dämonen, Ungeheuern oder bösartigen Zauber¬ 
wesen, die einer apokalyptischen Phantasie zu ent¬ 
stammen scheinen. In der Farbe überwiegt ein tiefes 


Weinrot neben sattem Blau, die Kontraste sind wohlig 
ausgeglichen; trotzdem bleibt der künstlerische Wert 
dieser Blätter beschränkt. Sie sind mehr Dokumente 
einer satanischen Wildheit, aus der nichts mehr von 
der sonnigen Heiterkeit jener südöstlichen Land¬ 
striche blinkt. 

DiePersersinddasVolkderlaunigenErzählerkünste. 
Ein kriegerischer Stamm, der sich schlägt, Siege feiert, 
und in Friedenszeiten dem Lebensgenuß sorglos 
huldigt, finden sie ein Ergötzen an den Gestaltungen 
der Dichter, die Sinnsprüche und Lebensweisheiten, 
Kriegsgesänge, Heldendichtungen und die Landesge¬ 
schichte in gefälligen formvollendeten Schilderungen 
darbieten. Hier lebte Firdusi, einer der bedeutendsten 
Dichter der Weltliteratur. Hier herrschte Timur, ein 
wackerer Kriegsmann, der sich an Hafiz und Nizami 
erquickte. Die persischen Fürsten ließen sich Maler 
aus China kommen, die ihnen die Paläste schmücken 
und die Bücher zieren sollten. Einzelne Tierzeich¬ 
nungen erinnern durch ihre elegante Treffsicherheit 
und Naturtreue in der Tat etwas an die Gemälde von 



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Ch’en-Chü-Chung, die in der Sammlung Wegener zu 
bewundern waren. Auf diesen persischen Miniaturen 
entrollt sich nun ein ausgelassen flottes Leben. 
Tänzerinnen in berückenden Stellungen gaukeln über 
die Fläche, Jäger sind auf lustiger Pürsch, Fürsten 
erstrahlen in der Glorie ihrer Macht, ruhmreiche 
Schlachtbilder werden entfaltet; im Brennpunkt die¬ 
ser farbigen Historien 
aber steht der Harem 
mit seinen tausend¬ 
fältigen Geheimnis¬ 
sen, seinen necki¬ 
schen Spielen und 
prickelnden Zufällen 
(Abbildung 4). Die 
Blätter sind auch 
äußerlich reich. Da 
gibt es keine leere 
Stelle, der Zeichner 
weiß sich nicht ge¬ 
nug zu tun und wo er 
noch einigen Raum 
übrigbehält, da läßt 
er die so charakteri¬ 
stischen Bäume mit 
dem reich verzweig¬ 
ten Blattwerk empor¬ 
wuchern. Die Linien¬ 
führung ist äußerst 
schwungvoll — viel¬ 
leicht etwas allzu 
schwungvoll, um tref¬ 
fend zu sein. Die Kon¬ 
turen sind schnei¬ 
dend, als ob sie mit 
stählerner Spitze in 
weiches Metall geritzt 
wären und sie fließen 
ungehemmt, ohneün- 
terbrechung, die auf 
ebenso sicheres wie 
selbstbewußtes Kön¬ 
nen schließen lassen. 

Es ist der bunte Erzählergeist orientalischer Märchen¬ 
bildner, der sich da auswirkt. 

Die Inder erscheinen in ihrer monumentalen Strenge 
fast ohne Beziehung zu den ausgelassenen persischen 
Miniaturisten. Die Darstellungen ihrer Heldenge¬ 
schichte in dem sogenannten Alexanderbuch (Ab¬ 
bildung 5) oder ihrer Großen (Abbildung 6) sind herb 
und als Kunstwerke im höchsten Maße reif. Es ist 
bekannt und aus unvollendeten Blättern zu ersehen, 
daß diese Illuminatoren zunächst mit einem grauen 
oder rötlichen Stift die Umrisse ganz leichthinsetzten 
und dann die Flächen fertig ausmalten. DieserMethode 
mag man es zuschreiben, daß aus jenen Blättern die 


Linienführung so edel und bedeutend spricht. Migeon, 
der französische Kenner, durfte vor ihnen auf die 
Linienkunst Ingres’ verweisen. Eine Zartheit, eine 
erlesene Anmut paaren sich da mit ausgezeichneter 
Meisterschaft, die wir von allerhöchsten Kunst¬ 
leistungen zu fordern pflegen. Das Blatt aus dem 
Alexanderbuch, auf dem so genial Bild, Text und der 

lebenstrotzende Rah¬ 
men vereinigt sind, 
bringt trotz der per¬ 
spektivischen und for¬ 
malen Primitivität die 
Massenwirkung über¬ 
zeugend zur Geltung. 
Aber weit höher noch 
sind die zahlreichen 
fürstlichen Porträts 
einzuschätzen, denen 
selbst einRembrandt 
schöpferische Anre¬ 
gungenverdankt. Ihr 
malerischer Wert ist 
nicht weniger be- 
trächtlich.Leider ver¬ 
mittelt die Schwarz- 
Weiß-Reproduktion 
so gar nichts davon. 
Da gibt es eine Sym¬ 
phonie von Weiß, 
Grau und Silbergrau; 
auf dem schönsten der 
ausgestellten Blätter 
steht der Fürst, ein 
Fleck aus zartestem 
Rosa, gefolgt von zwei 
Sklaven in weißenGe- 
wändern und dahinter 
die schilfgrüne Fläche 
desMeerwassers. Die¬ 
ses Schilfgrün neben 
lichtem Rosa, seidig 
glänzendem Gelb 
oder dem lebhafteren 
Rot eines Turban ist charakteristisch. Wir sind über¬ 
rascht von solcher kecken Frische, sind leicht geneigt, 
diese Farbenzusammenstellungen als ganz modern 
anzusprechen. Richtiger müßte gesagt werden, daß 
die modernen Meister der Palette uns wieder ge¬ 
lehrt haben die Natur so zu sehen, wie sie von jenen 
kultivierten Orientalen ebenfalls begriffen worden und 
wie sie in ihrer wohligen Harmonie sich zeitlos dar¬ 
bietet. 

Diese Miniaturenkunst hat in den Turf an-Funden 
einen vollwertigen Auftakt erhalten. Schriftrollen, 
Illustrationen und Buchdeckel, die dem Schoß der 
Erde entrissen werden konnten, liegen ausgebreitet 



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vor dem Auge. Das Turfangebiet war in wechselnder 
Folge von den verschiedensten Völkerschaften be¬ 
herrscht. Chinesisches, Buddhistisches, ja auch 
kleine Spuren von Byzantinischem mischen sich hier. 
Ein energischer Linienschwung, der dem Oval mit 
Vorliebe zustrebt, ist bezeichnend für diese Reste von 
Malereien mit ihren dekorativ gereihten Gewandfalten 
und den Buddhafiguren, die namentlich auf den be¬ 
malten Holzdeckeln häufig wiederkehren (Abbildung 7). 
Diese von derZeit verblichenen Darstellungen zeigen 
nahe Verwandtschaft zu den machtvollen, von Bode 
für das Ostasiatische Museum beschafften Tempel¬ 
fresken, und ihre Art ist nicht allzuweit entfernt — 
man blättere einmal im Meier-Gräfe — von der des 
Gaugin, der als malerischer Pfadfinder in jenen öst¬ 


lichen Gegenden streifte. Die Schriftstücke — zum 
Teil sind ganze Bücher aus dünnen Palmenblättern 
ausgegraben worden — weisen mancherlei Feinheit. 
An Trefflichkeit werden wohl alle überstrahlt von 
jenem chinesischen Blatt, dessen breite Folge von 
Vertikalen mit so sichererTektonik bekrönt und durch¬ 
brochen wird von thronenden Buddhafiguren. Daß 
der Zufall, der sich schon aus der Schreibweise 
der Chinesen ergab, überlegt genutzt wurde, be¬ 
sagen deutlich auch die spärlichen Farbtupfen auf 
den Wolkenkissen. In strenger Ordnung wechseln 
Blau und Gelb, damit das ganze Blatt eine Be¬ 
kräftigung werde jener uralten, ewig wahren Er¬ 
kenntnis, daß alle echte Kunst erstanden ist aus 
dem Rhythmus. 


Der Titelsatz, seine Entwicklung und seine Grundsätze 

Von REINHOLD BAMMES, München 
II 


Der Titelsatz der Neuzeit. 

Die Typographische Gesellschaft zu Leipzig stellt im 
Jahre 1881 Regeln für den Titelsatz auf. 
s"w"|N den siebziger Jahren des vergangenen Jahr- 
5 I ■ hunderts begann unter dem Einflüsse hervor- 
l I | ragender Fachleute wie Marahrens ’ und Wal- 
dows das Interesse am Titelsatz sich wieder 
zu heben. Diese Bestrebungen führten schließlich 
zur Aufstellung der bekannten Titelregeln der Leip¬ 
ziger Typographischen Gesellschaft im Jahre 1881, 
um deren Zustandekommen sich Julius Mäser, der 
Referent der sogenannten Titelkommission, unbe¬ 
strittene Verdienste erworben hat. Wenn uns auch 
heute viele Einzelheiten dieser Titelregeln als zu 
weitgehend und schablonenmäßig erscheinen mögen, 
so boten sie doch damals sehr schätzenswerte feste 
Anhaltspunkte und es ist ihnen tatsächlich ein Auf¬ 
schwung des Titelsatzes zu verdanken. Die meisten 
ihrer Grundsätze waren eigentlich schon von jeher, 
wenn vielleicht auch unbewußt, gültig und werden 
immer ihre Gültigkeit behalten. Wir wollen es uns 
aus diesem Grunde, wie auch der Vollständigkeit 
halber und im Interesse der jüngeren Fachgenossen, 
welchen diese Regeln meist nur dem Namen nach 
bekannt sind, nicht versagen, sie wenigstens aus¬ 
zugsweise und unter Hinweglassung des nicht mehr 
Zeitgemäßen hier wiederzugeben. 

Titelregeln , aufgestellt von der Typographischen Gesellschaft 
zu Leipzig im Jahre 1881. 

1. Der Titel soll in Kürze und Klarheit Aufschluß über 
den Inhalt, Verfasser und Verleger eines Buches geben. 

2. Der Titel ist mit Rücksicht auf die textliche Anordnung 
derart zu gliedern, daß der einzelne Teil sowohl wie das 
Ganze einen gefälligen Eindruck macht. 

3. Ein Titel ist schön zu nennen, wenn er sich dem Auge 
als Flachornament präsentiert, dessen Teile hinsichtlich 


des Zeilenfalls, der Schriftenwahl und der Sperrung be¬ 
stimmte Verhältnisse zeigen. 

4. Der Titel besteht aus Titelzeilen, Zeilengruppen, 
Zwischenzeiten, Linien und sonstigem Beiwerk. Titelzeilen 
sind Zeilen, welche für sich betrachtet, abgeschlossene 
Begriffe bilden oder aber in unmittelbarem Zusammen¬ 
hänge zu den Folgezeilen stehen. Zeilengruppen bestehen 
aus mehreren Zeilen, welche den Charakter mehr neben¬ 
sächlicher Erläuterungen,Spezifikationen, Zusätze und der¬ 
gleichen tragen und die infolgedessen aus gleicher Schrift 
zu setzen sind. 

5. Bei Ordnung der Bestandteile des Titels sind zu be¬ 
rücksichtigen: a) die Breite der Zeilen (Zeilenfall), b) die 
Wahl der Schriften (Färbung), c) die Verteilung des Raumes 
(Sperrung). 

6. Tadelloser Zeilenfall ist eins der Haupterfordernisse 
des Titels. Bei Bildung des Zeilenfalles sind folgende 
Grundformen zu beachten: 


Figur 1 Figur 2 


Figur 3 Figur 4 

7. Die erste dieser Grundformen (Figur 1), der Normal¬ 
zeilenfall, ist die vollkommenste, weil in ihr die Verjüngung 
nach unten, welche jedes freischwebende Ornament zeigen 
soll, am gefälligsten zum Ausdruck kommt. Sie ist in den 
ersten Zeilen des Titels anzustreben, im Gegensatz zu 2, 
3 und 4, welche besser im fortgesetzten Zeilenfall, je nach 
der textlichen Beschaffenheit des Titels Anwendung finden. 

10. Zierlinien und Signets sind im Gegensatz zu einfachen 
Trennungslinien als Zeilen zu betrachten. 

12. Der Schwerpunkt des Titels, d. i. der Punkt, welcher 
bestimmend für den richtigen Stand des Satzbildes ist, liege 

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stets in der breitesten Zeile; dieselbe befinde sich stets in 
der oberen Hälfte des Titels. 

13. Maßgebend für die Schriften eines Titels sei die 
Hauptzeile, mit derselben sollen die übrigen Zeilen har¬ 
monieren; die Schriften müssen demzufolge sowohl bei 
Fraktur-wie bei Antiquatiteln einheitlich im Charakter sein. 

14. Die Hauptzeile beginne möglichst mit einem Versal¬ 
buchstaben. 

16. Beim Antiquatitel ist stets der reine Versaliensatz 
solchem mit Gemeinen vorzuziehen, weil er ein schöneres, 
ruhigeres Bild gibt. 

17. Gleichzeitige Anwendung von Versalien und Gemei¬ 
nen auf einem Titel ist zu vermeiden, ebenso Versalien und 
Kapitälchen in einer Zeile. 

19. In Titelzeilen ist darauf zu achten, daß die Buch¬ 
staben gleichen Abstand voneinander haben. Es sind in¬ 
folgedessen die einzelnen Wörter je nach dem Fleisch der 
Buchstaben auszugleichen. 

20. Abkürzungen sind nur bei Prädikaten zulässig. 

21. Interpunktionen sind wegzulassen, da sie die Ruhe 
des Titels stören. 

22. Bei der Sperrung jedes Titels ist eine Gleichmäßig¬ 
keit in der Raumverteilung einzuhalten. Der Fuß des Titels 
(Verlagsnachweis usw.) ist von dem oberen Titel durch 
größeren Raum oder Linie zu trennen. 

Diesen Titelregeln ist es zuzuschreiben, daß der 
Titelsatz wieder in festere Bahnen einlenkte; sie 
hatten sich auch durch ungefähr zehn Jahre unbe¬ 
strittener Anerkennung zu erfreuen. Die von man¬ 
cher Seite aufgestellte Behauptung, durch diese 
Regeln sei dem Titelsatz jede Freiheit genommen 
und eine Schabionisierung herbeigeführt worden, ist 
sehr am Unrechten Platze, denn eine Zeit der Halt¬ 
losigkeit brauchte feste Zügel, wie sie diese Regeln 
gaben. Gewiß läßt sich gewerblich-künstlerisches 
Schaffen ebensowenig wie die freie Kunst in Fesseln 
schlagen, aber auch nur aus der strengen Befolgung 
der Grundsätze der Zweckmäßigkeit kann künstleri¬ 
sche Freiheit und guter Geschmack erwachsen. Und 
solche Grundsätze waren eben — wenn man von den 
zu weitgehenden Einzelheiten absieht — durch diese 
Titelregeln geschaffen. 

Die „Münchener Richtung“ der achtziger Jahre macht 
ihren Einfluß auch im Titelsatze geltend. 

Einer andern Erscheinung ist noch zu gedenken, 
die auf die Neugestaltung des Titelsatzes nicht ganz 
ohne Einfluß geblieben ist. In den achtziger Jahren 
des vorigen Jahrhunderts machte sich unter Dr.Hirths 
und Dr. Huttiers Führung in München das Streben 
nach einer neuen Buchkunst bemerkbar, es entstand 
die sogenannte „altdeutsche“ oder „Münchener Rich¬ 
tung“. Wie im übrigen Kunstgewerbe, so nahm man 
sich auch im Buchdruck die Arbeiten der deutschen 
Renaissance zum Vorbilde und suchte daraus nach 
Dr. Huttiers Wahlspruch „im guten Geiste des Alten 
gutes Neues zu schaffen“. Daß auch die von den 
beiden genannten und berühmten Druckern und Ver¬ 


legern herausgegebenen Werke eine dem Zeitge¬ 
schmäcke entsprechende Ausstattung erfuhren, ver¬ 
steht sich von selbst; in unserm Beispiel 25 führen 
wir einen Titel im Charakter der Frührenaissance 
vor, der im Jahre 1880 in der Dr. Huttlerschen Drucke¬ 
rei hergestellt wurde, und der in seiner vornehmen 
Geschlossenheit an die besten Arbeiten alter Zeiten 
erinnert. 

Leider vermochten die guten Ansätze, die damals 
von München ausgingen, nicht genügend Fuß zu fas¬ 
sen; erst als 20Jahre später ähnlicheBestrebungen aus 
England zu uns kamen, fanden sie nicht nur die ver¬ 
diente, sondern sogar überschwengliche Würdigung. 

Im Titelsatz der neunziger Jahre kommt der „englische 
Zeilenfall “ zur Einführung. 

Mit dem Umsichgreifen der sogenannten „freien 
Richtung“ im Akzidenzsatze, die in den neunziger 
Jahren auftrat, wurden die Leipziger Titelregeln zu¬ 
gunsten des englischen Zeilenfalles etwas in den 
Hintergrund gedrängt. Allerdings kam der englische 
Zeilenfall bei andern Akzidenzarbeiten weit mehr zur 
Anwendung als beim reinen Buchtitel, allein es würde 
eine Lücke in der Entwicklungsgeschichte bedeuten, 
wenn wir ihn hier übergehen wollten. 

Das Prinzip des englischen Zeilenfalles ist die seit¬ 
liche Verschiebung der Zeilen im Gegensatz zur bis 
dahin üblichen Anordnung auf einer senkrechten 
Mittelachse. Vorbildlich waren dafür Arbeiten eng¬ 
lischen Ursprungs, welche besonders für Reklame¬ 
zwecke die ungezwungenste Schriftanordnung auf¬ 
wiesen und bei uns sehr viel Gefallen und Nach¬ 
ahmung fanden. Wenn bei dieser Satzweise auch die 
äußere Symmetrie aufgehoben erscheint, so muß doch 
ein gewisses Gleichgewicht in der Zeilengruppierung 
vorhanden sein; dabei wird es oft notwendig, von 
den üblichen kleinen Zwischenzeiten abzusehen und 
den Wortlaut mehr gruppenmäßig zusammenzu¬ 
fassen, überhaupt den Text so anzuordnen, daß der 
Zusammenhang und die Übersicht gewahrt bleibt. 
Daß es bei solch scheinbarer Willkür oft schwer ist, 
wirklich gute Satzanordnungen zu erzielen, liegt auf 
der Hand; es gehört eben schon ein geschultes Auge 
dazu, die Verschiebungen gut abzuwägen und das 
Gleichgewicht zu bewahren. Es hat auch nicht an 
Bemühungen gefehlt, für diese Art des Zeilenfalles 
„Regeln“ zu finden — besonders spielte dabei das 
Suchen und Bestimmen des „Schwerpunktes“ eine 
große Rolle — allein es blieb in dieser Hinsicht bei 
ziemlich fruchtlosen Versuchen. 

Wie für die Zeilenanordnung, so galt auch für die 
Schriftenwahl eine größere Freiheit, die allerdings, 
vielfach nicht zum Vorteile der Arbeiten, zu stark 
ausgenützt wurde. Denn während der Engländer in 
der Hauptsache nur mit seinen Antiqua- und Kursiv¬ 
schriften arbeiten konnte, deren Mischung dem Satze 


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oft sogar einen besonderen Reiz verlieh, griff der 
deutsche Setzer mit Vorliebe zu den verschiedensten 
Akzidenz- und Zierschriften. Dadurch ging die Ruhe, 
welche den englischen Vorbildern infolge der guten 
Schriftenwahl eigen war, bei den deutschen Arbeiten 
sehr oft verloren, und das Ergebnis war ein doppelt 
ungünstiges, wenn dem Setzer die Auffindung des 
„Schwerpunktes“ nicht geglückt war. 


einem deutschen Worte neuzeitliche bezeichnen. Diese 
Gestaltungsart des Buchtitels ist bekanntlich ent¬ 
standen aus einem Zurückgreifen auf die Arbeits¬ 
weise in den ersten Jahrhunderten der Buchdrucker¬ 
kunst. Wie die Ausstattung der Textseiten eines Buches 
den Grundsätzen der alten Meister angepaßt wurde, 
so geschah dies auch mit dem Buchtitel ; man griff 
auf alte Formen zurück, um möglichste Geschlossen¬ 
heit und Einheitlichkeit in der Wirkung zu erreichen, 
und so kamen wir zur Wiederaufnahme der voraus¬ 
bestimmten Form, nämlich des geschlossenen Satzblocks 
als Quadrat, Rechteck , Dreieck usw. In der Praxis des 


Trotzalledem ist auch heute noch dieVerschiebung 
von Zeilen und Zeilengruppen nach der besprochenen 
Art ein sehr brauchbarer, manchmal sogar der ein¬ 
zige Ausweg im Titel-und 
Akzidenzsatz, besonders 
wenn es sich um Quer- 
format handelt. 

Derverschobene Zeilen- 
fall läßt natürlich eine fast 

unbegrenzte Zahl von Mög- V 

lichkeiten zu; wenn wir 
vorstehend einige Figuren l 

von Zeilenanordnungen 

geben, so greifen wir nur ^V* 
solche heraus, die sich in bie l6. ^atyrljUtl&ertS C\ 
der Praxis gut bewährt oornebmften (Bewerbern tn 
haben und gewissermaßen öbec flu * ei " e K,,m * ÄÜ<c 

typisch für diese Satzart rrftrmri® jur ©arftrUung gebradu wirb, viel 

opomrrlpn cinrl wintxln, bem bamaligcn »erg. unt» HcTerbau, 

gCWUl UCIl Ö1I1U. tUmwirthfcbaft, weichte brr Rebe wohl wmb 

foritl iErg&Qlid)c* beigemifd)t würbe, bau 

Die letzte Entwicklung 6l „ „ U(tt au<> 

und der heutige Stand unferer bayerifeben (. 2 lrct>ipe teie aus 
g| 0 § Titelsatzes. Pi*l<" Rechnungen immer nach wabrbaftii 

^ ^ ” Huebaurr im 

Mit dem Eintritte der- * 

jenigen Bestrebungen in iaxtroi 

das Buchgewerbe, von x>erf«rrer ocr 

denen in den Vorbemer- 
kungen zu diesem Auf- 

satze die Rede war, ge- l8 

langen wir nun wieder zu 3 « t>en« 

andern Grundsätzen für unb gebrueft in unferm 

den Titelsatz, zu denjeni- 

gen, die wir kurzerhand -- 

als moderne oder mit _ 


Blocksatzes haben sich die in den drei vorstehenden 
Figuren vorgeführten Formen der Zeilenanordnung 
als am brauchbarsten erwiesen, die wir deshalb wohl 
^ ^ ^ als „Normalzeilenfall“ für 


Storinnftt5xit)6fbcrfrn%rc 
aftro Siarc r c rj cgi t a* 12 

bis 16. 3abrbunbert6 als -Bergberren mit ihren 
rornehmften (Bewettern naeber beleuchtet werben, in. 

gleichen aber auch eine Riemgauer <Btunbb«rfcbaft ( 16 . ^abrhunbert) 
nämlich Die Oes bocbeOlen (Befchlechtes Oerer Freiherren oon Freyberg auf ^obenafchau 
erftmale jur OarftrUung gebracht wirb, riet urfunblid) material von beren alten (Berichte, 
wanbelii, bem bamaligen »erg. unb HcTerbau, ihrem Verfehrswefen unb infonbere von ihrer 
aimwirtbfchaft, weichte ber Hebe wohl wertb fein wirb, jumal bem archiralifchen «rnfte-auch 
foriel ifrgielithee beigemifchr würbe, bamit biefee »ud> in Summa fowohl nücjlich 
af» luftig jum Hefen fein machte. 

2 Ulee biee würbe aue allerlei ebrwürbigen Silcbfelbriefen unb (Bcfcbriften 
unferer bayerifchen (. 21 refcioe wie aus anOeren glaubwüröigen Documenten unö / 
pielen Rechnungen immer nach wahrhaftiger Öelbftfchau mit Fleifi unb langjlhrigtr 
Buebauer in» TTrrf gefafir 
oon 

Wartung peeg 

Km 

Verfaffer Oer ÄiemfeefUfler. 


3" Verlegung bee 

Hiterarifchen ^nflitute von Dr. m. Rüttler in Hugeburg 
unb gebrueft in unfe rm «Saufe an ber ^offlatt ju 
fll uneben 


Beispiel 25 


Der Durchführung des 
reinen Blocksatzes stellen 
sich in der Praxis 
Schwierigkeiten entgegen . 

Selbstverständlich konn¬ 
ten die Kunstgelehrten 
und Künstler, von wel¬ 
chen die an sich vortreff¬ 
lichen Anregungen aus¬ 
gingen, zunächst nicht 
viel mehr tun, als allge¬ 
meine Hinweise auf alte 
deutsche oder neue eng¬ 
lische Vorbilder (Morris- 
drucke usw.) geben oder 
in einzelnen Fällen den 
Satz und Druck eines Bu¬ 
ches selbst leiten und 
überwachen. Die Ausge¬ 
staltung der neuen Ideen 
zu brauchbaren Grund¬ 
sätzen für die Praxis nach 
Maßgabe der dem Setzer 
zur Verfügung stehenden 
Mittel , der sinngemäßen 
Anordnung und der sprach¬ 
lichen Richtigkeit mußte 


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immer Sache der eigentlichen Fachleute bleiben. Und 
da kam man denn sehr bald zu der Einsicht, daß der 
geschlossene Blocksatz sich nur selten einwandfrei 
durchführen ließ, denn die gegossenen Schriften lassen 
sich eben nicht immer so gut zu gleichlangen oder 

gleichmäßigspitzzulaufendenZeilen zusammensetzen, 
wie dies bei gezeichneter Schrift möglich ist, bei welcher 
die einzelnen Zeilen, ohne dem Gesamteindrucke zu 
schaden, leicht nach Bedarf etwas enger oder weiter 
gehalten werden können. Daß es auch danicht immer 
gelingt, künstlerisch, technisch und sprachlich Ein¬ 
wandfreies zu schaffen, wissen wir aus verschiedenen 
Beispielen der letzten Jahre; solche Worttrennungen, 
Abkürzungen und sonstige Gewalttaten am vorge¬ 
schriebenen Texte, wie sie sich öfters bei den von 
Künstlerhand gezeichneten Titeln und sonstigen 
Schriftgruppen finden und die eben an die naive Prak¬ 
tik der vielgelobten „Alten“ erinnern, darf sich der 
Setzer nicht erlauben. Ebensowenig sind dem Setzer 
andre naheliegende Aushilfsmittel gestattet, wie Spa- 
tionieren einzelner Worte oder Zeilen, Hineinsetzen 
von Füllstücken am Unrechten Platze usw. Die bei¬ 
den vorgeführten Beispiele erzwungenen Blocksatzes 


mögen das Ergebnis solcher Satzweise veranschau¬ 
lichen 

d VERLEGT BEI Gl 
SCHUSTER GIGIGI 
GIGl & LOEFFLER 
IN BERLIN SW 46 
IM DEZEMBER 1899. GEDRUCKT 
BEI W. DRUGULIN IN LEIPZIG 

ALMANACH DER INSEL 
FÜR 1900 . HERAUSGEGE¬ 
BEN VON OTTO JULIUS 
BIERBAUM/ALFRED WAL¬ 
TER HEYMEL/RUDOLF 
ALEXANDER SCHRÖDER 

Ein weiterer Punkt, der beim Blocksatz oft nicht 
die gebührende Berücksichtigung finden kann, ist die 



HERMANN MUTHESIUS 

KULTUR UND KUNST 


PLOTIN/ENNEADEN 

IN AUSWAHL ÜBERSETZT 

UND EINGELEITET VON 

OTTO KIEFER" 

GESAMMELTE AUFSÄTZE 

ÜBER KÜNSTLERISCHE 

FRAGEN DER GEGENWART 


I. BAND 

VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS 

JENA UND LEIPZIG 1904 


VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS 

JENA UND LEIPZIG 1905 

Beispiel 26 

_ 

Beispiel 27 


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sinngemäße Gliederung des Textes in einzelne Zeilen. 
So wurde bei den Ergebnissen eines Preisausschrei¬ 
bens der „Schweizer Graphischen Mitteilungen“ im 
Jahre 1899, bei welchem es sich erstmalig um An¬ 
wendung der neuen Lehre für den Titelsatz handelte, 
die Anordnung 

GRUNDZÜGE EINER 
FORMENLEHRE FÜR 
BUCHDRUCKER ooo 

nicht mit Unrecht getadelt und nur die Teilung 

GRUNDZÜGE 

EINER FORMENLEHRE 
FÜR BUCHDRUCKER 

für sinngemäß erklärt. Solche ähnliche Fälle erlebt 
aber der Setzer alle Tage. Aus diesem allen ergibt 
sich, welche Schwierigkeiten der Durchführung des 
reinen Blocksatzes entgegenstehen und erklären sich 
die vielen mißlungenen Arbeiten. 

Dabei bleibt aber immer noch eine andre Frage 
offen, nämlich die, ob die Anordnung mehrerer ver¬ 


schieden breiter und aus verschieden großen Schrift¬ 
graden gesetzter Rechtecke auf einem Titel auch 
schön ist, eine Frage, die man wohl nicht glatt wird 
bejahen können, denn nach Ansicht nicht nur er¬ 
fahrener Fachleute, sondern auch hervorragender 
Künstler wirken solche Satzgebilde gar nicht selten 
steif und plump und lassen keine ästhetische Be¬ 
friedigung im vorurteilslosen Beschauer aufkommen. 

Guter Titelsatz ist nur durch sinngemäße Gliederung 
des Wortlautes nach dem jeweils vorliegenden Falle 
in Einzelzeilen und Zeilengruppen zu erzielen. 

Was blieb nun weiter übrig, als von der grund¬ 
sätzlichen Durchführung des Blocksatzes abzusehen 
und den „unmodernen“ Zeilenfall der Leipziger Titel¬ 
regeln wieder zur Mithilfe heranzuziehen, allerdings 
in vereinfachter Weise, unter möglichster Vermeidung 
von Zwischenzeiten und Beschränkung in der Anzahl 
der Schriftgrade. Nur aus der gemeinsamen An¬ 
wendung beider Arten des Titelsatzes ergeben sich 
für die Praxis alle wünschenswerten Möglichkeiten 
zur Bewältigung textlicher Schwierigkeiten. Wie 
schon Geßner verlangt, „daß man selbst erdichtet, 
was zum Wohlstände erfordert wird“, muß der Setzer 
seine erste Aufgabe darin erblicken, den vorge¬ 
schriebenen Wortlaut eines Titels auf sinngemäße 


£>it fd)6n|ten SRdrcfien aus 

$aufen& utti> eine 9tocht 

Ueberfe$unö aui> km 
Urtept für ine Sugcnb auSgctixfylt 
uni> bearbeitet bon 2öilb. 6pobr 



giir Knaben uttb 9ftäbcf)cn t>om i 2 ,n ’ 3<*b re an 

©erlegt bei ®<haf(fctn unb (Etc. 
in &6ln am fKf>etn 



Q3on ecfyeherfab, ber 5B«fcn unb lobcbmutigen. 

0 regierte ein|I in Den durften 3eit«n ein Äänig auf Den 3nfeln 
jnDten* unD Gl>ina0 namen* ©cheherban, Der ©tele truppen 
unD BerbflnDete, ©iener unD lahlreiche* ©efolge befaf. (Er 
herrfchte über Diele MnDer unD war fo gerecht gegen feine 
Untertanen, Dal? ihn alle febr liebten, 2t ber ctf gibt nicht* 
BeftdnDige* aufjer bei ©ott. (Er batte hfohft glürflicfj jmanjig 
3abre in feinem SXeiche regiert, Da wiDerfuhr ihn* grofe trübfal Durch öie Untreue 
feiner innig geliebten ©emahlin. 3 n Schmer) unD Unmut wufte er (ich faum ju 
faffen, unD Den mächtigen ©ultan paefte ein großer 3orn. (Er lief feinen Beiier 
fommen unD befahl ihm, fogleich feine ©emahlm \u täten, ©ic* gefchah, unD ein 
gleichet gefchah auch &en ©flaomnen, Die Der Herrin ftrdflichen BeiftanD geliehen 
hatten. 2ln Der treue Der grauen ©erpeifelnD, fchwur er, nimmer wieDer eine 
©emahlin erwählen ju wollen, unD befahl Dem Beiter, ihm jcDen tag eine neue 
3ungfrau au* feinem £anDe lujuführen, Die er jeDcämal, noch eb* Der ndchfte tag 
©äüig angebrochen fei, hinrichten laffen werDe. UnD fo gefchah e* nun wirflich. 
©ultan ©cheherban wurDe juerft eine Der gürftentächter jugeföhrt. (Er war freunD# 
lieh in iht, aber am ndchften borgen befahl er Dem Beiier, ihr Den Äopf abitu 
fchneiDen. ©iefer mufte Dem Befehl De* ©ultan* gehorchen, ©ann fchaffte er 
ihm eine anDere tochter Der ©rofen De* EanDe*, Die auch wieDer am ÜRorgen ihr 
Seben üetlieren mufte. UnD fo ging e* lange fort; jefcen tag erwählte er ein 
SRdbchen au* feinem Bolfe, unD De* borgen* lief er fte Dann hinrichten, bi* e* 



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Weise zu gliedern und ihn in Einzelzeilen und Zeilen¬ 
gruppen zu ordnen, wie es der gerade vorliegende 
Fall verlangt. So haben sich aus der Praxis Er¬ 
fahrungen für eine sprachlich , technisch and künst¬ 
lerisch einwandfreie Gestaltung des Buchtitels er¬ 
geben, die wir in den nachfolgenden Abschnitten 
eingehend behandeln wollen. 

Bestandteile eines normalen Buchtitels. 
Wenn der Setzer einen ihm übergebenen Titeltext 
richtig einteilen will, so muß er die Bestandteile des 
normalen Buchtitels kennen. Wir haben bereits in 
dem Abschnitte über „Zweck, Inhalt und Form des 
Buchtitels“ gesagt, welche Hauptsachen der Titel zu 
enthalten hat; außer diesen kommen aber noch 
mancherlei andre Angaben vor. So gliedert Friedrich 
Bauer inseiner Abhandlung über den modernen Buch¬ 
titel (Klimschs Jahrbuch 1905) den normalen Titel 
eines für den Buchhandel bestimmten Buches in 
folgende Teile: 

a) den eigentlichen Titel , d . h. die den Inhalt des 
Buches bezeichnende Aufschrift , welcher oft noch 
erläuternde Zusätze und Untertitel folgen; 

b) den Namen des Verfassers oder Herausgebers , mit- 


GARTENGESTALTUNG 
DER NEUZEIT 

VON 

WILLY LANGE 

KÖNIGLICHER GARTENINSPEKTOR. ABTEILUNGSVORSTEHER UND 
LEHRER AN DER KÖNIGLICHEN GÄRTNERLEHRANSTALT DAHLEM 

UNTER MITWIRKUNG FÜR DEN ARCHITEKTURGARTEN 
VON 

OTTO STAHN 

REGIERUNGSBAUMEISTER. LEHRER AN DER KÖNIGLICHEN GÄRTNER- 
LEHRANSTALT DAHLEM 


MIT ZWEIHUNDERTNEUNUNDSECHZIG IN 
DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN. 
ACHT AUFGEZOGENEN FARBIGEN TAFELN 
UND ZWEI PLANEN 


LEIPZIG 1907 

VERLAGSBUCHHANDLUNG VON J. J. WEBER 


Beispiel 31 


unter mit Zusätzen, die den Beruf oder Titel des 
Verfassers angeben; 

c) Angaben über die Ausstattung mit Bildern, die 
Bandnummer (bei mehrbändigen Werken) und die 
Auflage; 

d) das Geschäftszeichen des Verlegers, an dessen 
Stelle auch ein Emblem oder ein geeignetes 
Schmuckstück stehen kann; 

e) den Namen des Verlegers , den Verlagsort und die 
Jahreszahl des Erscheinens. 

Die Angaben unter a, b und e muß jeder Buchtitel 
enthalten, diejenigen unter c kommen nur zutreffen¬ 
den Falles vor; die Anbringung des Verlagszeichens 
oder einer dessen Stelle einnehmenden Verzierung 
ist wohl im allgemeinen gebräuchlich, doch kein un¬ 
bedingtes Erfordernis. 

Es soll schließlich nicht unterlassen werden zu 
bemerken, daß der vom Verfasser oder Verleger fest¬ 
gesetzte Wortlaut eines Buchtitels vom Setzer in der 
Regel nicht verändert oder umstellt werden darf\ wie 


£eo ftolftoi, 2tuferftehutt<j 

tlach 6er einigen ungefügen (Drigindauegabe 
mit Genehmigung 6ee Der fasere überfetjt non 

XDlflötmir d&utmfot» 


£ucty$mu<f oon £ippif$ 
Pierted unt> fünftes (Kaufen!) 


»an6 I 



Derlegt bei (Engen Dieöeriths in £eij>3ig 1900 


Beispiel 30 


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dies bei manchen Akzidenzen zulässig ist; die Auf¬ 
gabe und die Kunst des Setzers ist es eben, den 
vorgeschriebenen Text zu einem möglichst schönen 
Satzbilde zu gestalten. 

Leitsätze für den neuzeitlichen Titelsatz. 

Wie wir schon sagten, hat sich aus der Praxis des 
heutigen Titelsatzes eine Summe von Erfahrungen 
ergeben, die, von berufenen Fachgenossen zu brauch¬ 
baren Grundsätzen verdichtet, dem Lernenden feste 
Anhaltspunkte zu geben geeignet sind. Denn ganz 
ohne die vielgeschmähten „Regeln“ ist ein Vorwärts¬ 
kommen für den Anfänger nicht möglich, und die 
Hauptsache bei Aufstellung von Regeln wird immer 
die Erklärung des „Warum“ sein, dann kann der Be¬ 
lehrte in jedem Falle selbst beurteilen, ob die Regel 
oder die Ausnahme zutrifft. 

So hat auch Friedrich Bauer in seiner bereits 
angeführten vortrefflichen Abhandlung über den 
modernen Buchtitel eine Anzahl solcher Leitsätze 


FRIEDRICH SCHLEGEL 
FRAGMENTE 


AUSGFWÄH LT 

UND HERAUSGEGEBEN VON 
FRIEDRICH VON DER LEYEN 
MIT PORTRÄT 



VERLEGT BEI EUGEN D1EDERICHS 
JENA UND LEIPZIG 1904 


Beispiel 33 


aufgestellt; diese allgemein als richtig anerkannten 
Grundregeln wollen wir nun in etwas erweiterter 
Form — gewissermaßen als die zehn Gebote des Titel - 
satzes — unsern weiteren Ausführungen zugrunde 
legen und damit einige brauchbare Winke für die 
Gestaltung des Buchtitels geben; die Beispiele 26 
bis 35 werden zum Verständnis dieser Leitsätze bei¬ 
tragen. Dabei sei nochmals auf die AbhandlungBauers 
in Klimschs Jahrbuch 1905 verwiesen, die gleichfalls 
eine große Anzahl vortrefflicher Beispiele enthält. 

1 . Jeder Buchtitel soll aus einer Schriftart und zwar 
derjenigen der Textschrift des Buches gesetzt sein. 

Diese Forderung fanden wir schon in den Leip¬ 
ziger Titelregeln, und sie hat heute eigentlich noch 
viel strengere Geltung als damals, denn unsre An¬ 
sprüche an Stilreinheit sind inzwischen auch strenger 
geworden. Es ist auch heute leichter wie früher, 
eine Druckarbeit einheitlich im Schriftcharakter durch¬ 
zuführen, weil man sich daran gewöhnt hat, nicht nur 
einzelne Grade, sondern ganze Garnituren von neuen 
Schriften anzuschaffen. Es sind also Mischungen 
von Schwabacher, Kanzlei oder Gotisch mit Fraktur, 
die man früher für unbedenklich hielt, ebenso Ver¬ 
mengung alter und neuer Frakturschriften durchaus 

Der 

Deutle 2$u4>^an6el 

Seta (Betöfdjte unii feine (Draaniratürn. 

ZTebf! einer (Einführung: 

2)er Urfprung bes Sucres unb feine (Entoicflung. 

' l 

Don 

H. C. präget. 

(Erfler Bank 

= 2Tlit 5 2lbbilbungen. = 



Berlin W. 50 

Derlag für Sprach* unb f?anbelsu>iffenfchafi 
(S. Simon). 


Beispiel 32 


81 11 


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unerlaubt. Bei Antiqua sind die verschiedenen 
Schnitte, wie Englische und Französische Antiqua, 
Mediäval und Romanisch usw. streng auseinander¬ 
zuhalten. Versalientitel, die immer am ruhigsten 
und vornehmsten wirken (es ist aber stets zu be¬ 
denken, ob sie für den Leserkreis des Buches ange¬ 
bracht sind) müssen auch rein im Versaliensatz durch¬ 
geführt werden; die Räume zwischen den Buchstaben 
sind gut auszugleichen. MitHilfe solchen Aussperrens 
und Ausgleichens läßt sich im Versaliensatz auch 
der Zeilenfall am leichtesten nach Wunsch regeln. 

2. Der Titel soll so wenig wie möglich verschiedene 

Schriftgrößen auf weisen. 

Die beste Erfüllung dieser Forderung wäre, den 
ganzen Titel nur aus einem Schriftgrade zu setzen, 
wie wir es bei den geschriebenen und auch bei ge¬ 
druckten Titeln der ältesten Zeit finden. Vom heu¬ 
tigen Buchtitel verlangen wir aber, daß er uns auf 
den ersten Blick den Namen des Buches, den Titel 
im engeren Sinne, nennt, dieser muß also hervor¬ 
treten und ist dementsprechend ganz aus einem ent¬ 
sprechend großen Schriftgrade zu setzen, ohne ihn 
durch Abteilen in einzelne Worte mit kleineren 
Zwischenzeilen zu zerreißen. Der übrige Wortlaut 
des Titels, der ja gleichfalls nur Notwendiges enthält, 

DIE LEHRE 

VOM 

ACCIDENZSATZ 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

ALEXANDER WALDOW. 


ZWEITE VOLLSTÄNDIG NEU BEARBEITETE AUFLAGE 
VON 

FRIEDRICH BAUER 



LEIPZIG 

DRUCK UND VERLAG VON ALEXANDER WALDOW 
1892 

Beispiel 34 


ist selbstverständlich kleiner zu setzen, wie die 
Hauptsache, aber ohne die vermeintliche größere 
oder geringere Wichtigkeit jeder Zeile durch grö¬ 
ßeren oder kleineren Schriftgrad auszudrücken. Man 
wird, wie auch unsre Beispiele zeigen, in manchen 
Fällen mit zwei, in den meisten mit drei bis vier 
Schriftgraden für den ganzen Titel ganz gut aus- 
kommen können. Dabei beachte man besonders, daß 
innerhalb der einzelnen Zeilengruppen die Schrift¬ 
größe so wenig wie möglich wechselt. 

3. Die Größe der Titelkolumne muß mit der Größe 

der Textkolumnen übereinstimmen. 

Wenn man von dem Standpunkte ausgeht, daß jede 
Seite eines Buches einen geschlossenen Satzspiegel 
von gleicher Größe darstellen soll, wie es ja von 
künstlerischer Seite gefordert worden ist, wird man 
diese Regel ohne weiteres verständlich finden. Da 
aber diese völlige Geschlossenheit besonders beim 
Titel nur in den seltensten Fällen durchzuführen ist, 
muß wenigstens die Größe der Buchseite dadurch 
bezeichnet werden, daß die erste Zeile des Titels 
in der Höhe der ersten Zeile der Textkolumne steht 
und die Fußzeile mit der normalen Kolumnenlänge 
abschließt, sowie daß die erste und letzte Zeile des 
Titels möglichst auf volle Formatbreite gesetzt sind, 
wie dies unsre Beispiele 28 und 29 veranschaulichen. 
Ist der Wortlaut des Titels umfangreich genug, so 
wird die Verteilung über die ganze Kolumnenhöhe 
keine Schwierigkeiten machen; wenn aber der Titel 
zu einem Werke mit vielleicht obendrein knappem 
Papierrand nur wenige Zeilen enthält, so würden . 
diese am oberen und unteren Papierrande stehen und 
die Mitte eine gähnende Leere zeigen. In einem 
solchen Falle dürfte es doch empfehlenswerter sein, 
eine Ausnahme von der Regel zu machen, das heißt 
den Titel entsprechend schmälerund kürzer zu setzen 
und ihn nötigenfalls mit einer Linie auf die richtige 
Formatgröße zu umrahmen. 

4. Der Wortlaut soll seinem Sinne nach in möglichst 

wenige Zeilengruppen zusammengefaßt sein. 

Wir haben in dem Abschnitte über „die letzte 
Entwicklung und den heutigen Stand des Titelsatzes® 
schon ausführlich auseinandergesetzt, daß die sinn¬ 
gemäße Gliederung des Wortlautes die Grundlage 
für die Gestaltung eines Buchtitels bilden muß. In 
dem weiteren Abschnitte über die „Bestandteile eines 
normalen Buchtitels“ haben wir auch gesehen, wie der 
Text einzuteilen ist, wobei es klar sein dürfte, daß 
der Titel um so übersichtlicher erscheint, je weniger 
Gruppen er enthält. Es darf also weder Zusammen¬ 
gehöriges zerrissen, noch Nichtzusammengehöriges 
vereinigt werden, um dadurch vielleicht ein dekorativ 
günstiger wirkendes Satzbild zu erreichen, welches 
aber das Lesen erschwert und zu Zweifeln oder gar 

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zu Irrtümern führt. Ein wirklich guter Titel muß 
durch seine Zeilenanordnung dem Leser auf den 
ersten Blick alles sagen, was er zu sagen hat. 

5. Jeder Zeilenfall ist zulässig , wenn er den Sinn des 
Wortlauts klar hervortreten läßt und ein gefälliges 

Gesamtbild ergibt. 

Auch hier können wir auf bereits Gesagtes ver¬ 
weisen. Es ist ein großer Irrtum, anzunehmen, daß 
nur ein Titel mit geschlossenen Satzgruppen in 
Rechteck- oder Dreieckform „modern“ sei; die Er¬ 
fahrung hat uns schon längst gelehrt, daß wir in der 
Praxis mit diesen Formen nicht auskommen und den 
„unmodernen“ Dreizeilenfall sehr oft zur Mithilfe 
heranziehen müssen. Nur haben wir außer auf sinn¬ 
gemäße Gliederung auch auf Erzielung eines guten 
Gesamtbildes zu achten. Ein solches wird erreicht, 
wenn das Verhältnis der Zeilen- und Gruppenbreiten 
wie auch dasjenige der Schriftgrößen zueinander ein 
harmonisches ist. Je mehr sich diese Verhältnisse 
nach dem goldenen Schnitte gestalten lassen, desto 
bessere Ergebnisse wird man erzielen; im übrigen 
hören hier die Regeln auf und es kommt alles auf den 
Geschmack des Setzers an. 

6. Zwischenzeilen sind möglichst zu vermeiden; ist 
dies nicht möglich , so sind sie nicht zu klein zu setzen . 

Bekanntlich wurden nach den Leipziger Titelregeln 
die Bindewörter der , und, für, von usw. stets zwischen 
die eigentlichen Titelzeilen gesetzt, und es galt für 
zweckmäßig, solche Zwischenzeilen möglichst klein 
und unauffällig zu halten; auch bei der Sperrung des 
Titels wurden sie behandelt, als ob sie gar nicht vor¬ 
handen wären. Demgegenüber macht die heutige 
Auffassung mit Recht geltend, daß solche Bindewörter 
als Satzglieder ebenso notwendig sind wie alle anderen 
Bestandteile des Wortlauts und demgemäß auch beim 
Satze als gleichwertig zu behandeln seien. Während 
man früher für richtig befand, zu setzen: 

ALLGEMEINE THEORIE 

DER 

MUSIKALISCHEN RHYTHMIK 

SEIT 

J. S. BACH 

also auch die drei Titelzeilen ihrer vermeintlichen 
Wichtigkeit nach verschieden abstufte, wird man jetzt 
den ganzen Satz aus einem Schriftgrade nach einem 
der folgenden zwei Beispiele anordnen: 

ALLGEMEINE THEORIE 
DER MUSIKALISCHEN RHYTHMIK 
oder SEIT j.S. BACH 

ALLGEMEINE THEORIE DER 
MUSIKALISCHEN RHYTHMIK 
SEIT J.S. BACH 


Aber abgesehen von diesen sprachlichen Gründen 
verlangt auch schon der Gruppensatz an sich die 
Einbeziehung der Bindewörter; es ist dabei allerdings 
ein gewisses Feingefühl notwendig, um trotz des ge¬ 
wissermaßen fortlaufenden Satzes die Zeilen gut und 
sinngemäß einzuteilen. So sei auf unser früheres 
Beispiel „Grundzüge einer Formenlehre für Buch¬ 
drucker“ verwiesen und auch an den nachstehenden 
zwei Beispielen gezeigt, wie die betreffenden Zeilen 
in Wirklichkeit angeordnet waren und wie sie besser 
hätten gesetzt werden können. 


: KATALOG DER : 
AUSSTELLUNG FÜR 
BUCHGEWERBE UND 
: PHOTOGRAPHIE : 
IN ST. LOUIS • 1904 


KATALOG 

DER AUSSTELLUNG 
FÜR BUCHGEWERBE 
UND PHOTOGRAPHIE 
IN ST. LOUIS 1904 


Es treten aber auch Fälle ein, wo Zwischenzeilen 
nicht zu umgehen sind oder wo sie sogar als Binde¬ 
glied zwischen zwei Satzgruppen vorteilhaft erschei¬ 
nen; dann setze man sie aber nicht zu klein, damit 
sie nicht zu sehr zurücktreten, sondern immer noch 


m 


m 


DEUTSCHER 

BUCHDRUCKER 

KÄLENDER 

SECHSTER JHHRGHNG 

uoflonooofloiiofloiofloiioiioflonoiioii 

13 FÜR DIE MITGLIEDER DES 0 
VERBANDES DER DEUTSCHEN 
BUCHDRUCKER BEARBEITET 
UND HERAUSGEGEBEN VON 

LUDWIG REXHfiUSER 

REDAKTEUR DES KORRESPONDENT FÜR 
DEUTSCHLANDS BUCHDRUCKER 
UND SCHRJFTGIESER 

LEIPZIG 

GÜNTHER, HIRSTEIN & WENDLER, LEIPZIG 


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als vollberechtigte Glieder des ganzen Titels zur 
Geltung kommen. 

7. Interpunktionen am Schlüsse der Zeilen sind auf 

dem Titel wegzulassen . 

Diese Forderung ist durchaus nicht neu, sondern 
schon in den Leipziger Titelregeln zu finden; es er¬ 
scheint aber nicht überflüssig, sie auch an dieser 
Stelle mit Nachdruck zu betonen, denn man findet 
immer wieder Verstöße gegen diese alte Regel. Schuld 
daran ist ja meistens die Zaghaftigkeit des Setzers, 
der sich nicht getraute, die im Manuskripte vorhan¬ 
denen Punkte und Kommas wegzulassen, manchmal 
mag auch der Verfasser auf der Beibehaltung dieser 
Interpunktionszeichen bestanden haben. Davon aber, 
daß diese Zeichen trotz ihrer verhältnismäßigen Klein¬ 
heit in der Tat störend wirken und bei größeren Zeilen 
sogar das Gleichgewicht des Satzes beeinträchtigen, 
indem sie dieselben aus der Mitte bringen, kann man 
sich überzeugen, wenn man einen Titel mit (Bei¬ 
spiel 32) und einen solchen ohne Interpunktionszeichen 
vergleicht. Wenn geltend gemacht wird, daß Inter¬ 
punktionszeichen aus sprachlichen Gründen nicht 
entbehrt werden können, so ist darauf folgendes zu 
erwidern: Komma und Punkt sind Lesezeichen , die 
im fortlaufenden Texte notwendig sind, um entweder 
Satzteile oder ganze Sätze voneinander zu scheiden. 
Beim Titel eines Buches haben wir es aber nicht mit 
fortlaufendem Texte zu tun, sondern mit abgekürzten 
Sätzen, die ohnehin schon durch die Verschiedenheit 
der Schriftgröße und weite Zwischenräume recht deut¬ 
lich voneinander abgehoben sind , so daß die Anwen¬ 
dung von Interpunktionszeichen überflüssig ist. Es 
kann also die Weglassung dieser Zeichen keinesfalls 
zu Mißverständnissen führen. Manche meinen nun, 
den Punkt am Schlüsse des Titels wenigstens nicht 
entbehren zu können; nun, am Schlüsse sieht man 
doch ohnehin, daß der Text zu Ende ist, wozu braucht 
man da noch einen Punkt zu setzen? 

8 . Durch wohlabgewogene Sperrung ist der Titel im 
einzelnen wie im ganzen harmonisch zu gestalten . 

Hier haben wir zweierlei zu unterscheiden: den 
Durchschuß zwischen den zusammengehörigen Zeilen 
der Gruppen und die Raumverteilung zwischen den 
Satzgruppen selbst. In ersterer Beziehung wäre 
folgendes zu sagen: Häßlich ist es, wenn die Zeilen 
zu dicht aufeinander sitzen, entsprechender Durch¬ 
schuß ist des guten Aussehens und der Lesbarkeit 
wegen notwendig; unschön ist es aber auch, wenn 
die Zeilen zu weit durchschossen sind, da alsdann 
der Satz auseinandergerissen erscheint. Der lichte 
Raum zwischen den Zeilen soll keinesfalls größer 
sein, als die Höhe des Schriftbildes, besser ist es, 
wenn er nur ungefähr zwei Drittel dieser Höhe be¬ 
trägt. Der Zwischenraum verhält sich dann zur Höhe 


des Schriftbildes wie minor zu major nach der Regel 
des goldenen Schnittes. 

Die Räume zwischen den Satzgruppen sollen im 
allgemeinen gleichmäßig abgewogen werden; ob sie 
größer oder kleiner zu bemessen sind, hängt von 
dem Umfange des Titeltextes ab. Im unteren Teile 
des Titels, d. h. über der den Fuß bildenden Verlags¬ 
angabe, wird in der Regel ein größerer freier Raum 
von guter Wirkung sein. Im übrigen dürfte über die 
Sperrung das gleiche zu sagen sein, wie über den 
Zeilenfall: es ist nicht gut angängig, da Vorschriften 
zu machen, wo nur Erfahrung und Geschmack das 
Richtige zu treffen vermögen. 

9. Zierat ist auf dem Buchtitel auf das äußerste zu 

beschränken . 

Für ein einfach ausgestattetes Buch — und das 
sind die meisten Bücher — geziemt sich auch ein 
einfacher Titel. So ist auf dem Buchtitel die Anwen¬ 
dung von Schmuck im allgemeinen nicht gebräuchlich; 
derselbe beschränkt sich auf das Verlegerzeichen oder 
ein an dessen Stelle stehendes einfaches Zierstück. 
Einfache Trennungslinien zwischen den Satzgruppen, 
mögen sie klein oder auf volle Formatbreite sein, 
vermögen neben der Erfüllung ihres praktischen 
Zweckes sehr oft auch das Aussehen des Titels zu 
heben, doch sind sie nicht auf jedem Titel anwend¬ 
bar. Umrahmungen aus Linien oder Einfassungen 
sind nur in seltenen Fällen zulässig, ebenso Kopf- 
und Fußleisten; vorVerwendung von Zeilenfüllstücken 
zur künstlichen Herstellung von Blocksätzen sei ge¬ 
warnt. Auch Initialen wird man selten auf Buchtiteln 
finden, und der Setzer vermeidet ihre Anwendung 
mit Recht, denn der Text eines Titels wird selten für 
zweckmäßige und wirkungsvolle Anwendung eines 
Initials geeignet sein. 

Es gibt natürlich auch Bücher, deren Titelblätter 
mehr oder weniger reichen Schmuck aufweisen: dies 
sind meist Werke von vornehmer Ausstattung, zu 
denen auch der Titel von Künstlerhand gezeichnet 
wurde. 

10. Farbendruck ist auf dem Buchtitel nur mäßig an¬ 

zuwenden. 

Schon aus praktischen Gründen wird man den Titel 
eines schwarz gedruckten Buches meist auch in ein¬ 
fachem Schwarzdruck herstellen; deshalb muß der 
Titel so gesetzt sein, daß er auch in Schwarzdruck 
befriedigt. Wenn aber zur Erhöhung der Wirkung 
eine zweite Farbe angewendet werden soll, so wird 
diese nur Rot sein können und es kommt für den 
Druck zunächst die Hauptzeile in Betracht, allenfalls 
noch derName des Verfassers (obgleich dies manchem 
vielleicht etwas aufdringlich erscheinen mag) oder 
des Verlegers. Wird der Titel von einer kräftigen 
Linie eingefaßt, so kann man auch diese mit Vorteil 


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in die rote Form stellen. Auch eignet sich das Ver¬ 
legerzeichen manchmal zum Druck in einer zweiten 
Farbe, wenn auch nicht immer für Rotdruck. 

Der goldene Schnitt im Titelsatz. 

Die Regel des goldenen Schnittes läßt sich oft mit 
Erfolg beim Titelsatze anwenden. Schon früher wurde 
dies von Linus Irmisch nachgewiesen, der die Pro¬ 
portionen eines normalen Zeilenfalltitels mit den 
Verhältnissen des menschlichen Köders verglich 
(siehe Waldow, Enzyklopädie der graphischen Künste, 
1886). Dies geschah in der Weise, daß die Teilstellen 
des goldenen Schnittes an einem Bilde der mensch¬ 
lichen Figur zugleich auch den Platz für die Haupt¬ 
zeilen einer dem Bilde gleich großen Titelkolumne 
angaben. So würde z. B. die Scheitelhöhe den Stand 
der ersten Zeile, die Schulterhöhe die Stellung der 
breitesten (Haupt-)Zeile, die Schenkelhöhe den Stand 
für den Verfassernamen, die Kniehöhe den Platz für 
das Schlußstück und die Fußlinie denjenigen für die 
Verlagsangabe bezeichnen. Selbstverständlich kann 
der Setzer, der sich nach dieser Regel richtet, eine 
gewisse Bewegungsfreiheit nicht entbehren, denn oft 
wird er durch den Wortlaut zu andrer Stellung der 
Zeilen genötigt sein. 

Auch sonst bietet der Titelsatz genug Gelegenheit 
zur Anwendung des goldenen Schnittes. Zunächst 
gibt uns der Normalzeilenfall der Leipziger Regeln 
ein treffliches Beispiel, denn sowohl in bezug auf die 
Zeilenlänge (der mittleren Hauptzeile zur oberen und 
der oberen zur unteren) als auch auf die Größenunter¬ 
schiede der verwendeten Schriftgrade läßt sich die 
goldene Regel mit bestem Erfolge anwenden, wie 
folgendes Beispiel zeigt: 

TTlargaret Baumann 

Crnftes uni) fjeiteres 

Kleine TTooellen 

Freilich wird die Anwendung des normalen Drei¬ 
zeilenfalles sich oft der Rücksicht auf den gerade 
vorliegenden Text unterordnen müssen, in vielen 
Fällen wird jedoch der Setzer, der sich daran gewöhnt 
hat, bei Anordnung der Zeilen an die Maße des gol¬ 
denen Schnittes zu denken, selbst bei ungünstigem 
Text ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen wissen. 
Ebenso wie bei dem Titelsatz nach den alten Regeln 
bietet beim Gruppentitel der goldene Schnitt Gelegen¬ 
heit zur planmäßigen Durchführung. Sowohl das 
Verhältnis der Gruppen unter sich in ihrer Zeilen¬ 
breite und in der Größe der verwendeten Schrift¬ 
grade, als auch das Verhältnis der Räume zwischen 
den Gruppen, ferner die Stellung der Hauptzeilen, 
der Schlußstücke oder Verlegerzeichen usw. läßt sich 


mit leichter Mühe nach dem goldenen Schnitte ein¬ 
richten. Dabei wird man die Erfahrung machen, daß, 
sobald ein Anfang da ist und die Hauptverhältnisse 
stimmen, sich immer mehr Einzelheiten ergeben, die 
sich von selbst der Proportionsregel einfügen. 

Weiteres über den goldenen Schnitt und seine 
Anwendung im Akzidenzsatz mit zahlreichen Bei¬ 
spielen findet der Leser, den dieser Gegenstand 
interessiert, in einem Aufsatze des Verfassers im 
„Archiv für Buchgewerbe“, 1903, Heft 6. 

Der Buchumschlag. 

Nahe verwandt mit dem Buchtitel ist der Buch¬ 
umschlag. Es ist ihm zwar nicht immer langes Leben 
beschieden, da er beim späteren Binden des Buches 
durch den Einband ersetzt wird, immerhin hat er 
aber nicht nur den Zweck, dem Buche als vorläufige 
Schutzhülle zu dienen, sondern durch seinen Auf¬ 
druck eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, nämlich die 
Aufmerksamkeit der Käufer auf das Buch zu lenken; 
er ist eigentlich das, wovon Geßner sagt, „er ist der 
Rock, welcher, wenn er wohl geraten, dasselbe zieret, 
auch den Liebhaber (wenn er in die Augen fället) zur 
Kauffung des Buches reitzet*. Es kommt also beim 
Buchumschlag neben den Ansprüchen, die wir an 
den Titel stellen, noch die Rücksicht auf seine 
„werbende Kraft“ in Betracht, demnach kann und 
soll der Umschlag kräftigere Töne anschlagen, als 
dies beim Titel angebracht ist; das Herkommen hat 
aber auch hier gewisse Grenzen gesteckt. 

Während bei wissenschaftlichen und technischen 
Werken der Satz des Titels oft auch für den Um¬ 
schlag verwendet wird, hat sich bei Büchern, die sich 
an einen größeren Leserkreis wenden, eine auf¬ 
fallendere Gestaltung des Umschlages eingebürgert, 
die manchmal so weit geht, daß von Satz überhaupt 
abgesehen und die Arbeit dem Zeichner übertragen 
wird. Dabei geht allerdings manchmal die Überein¬ 
stimmung zwischen dem Inneren und Äußeren des 
Buches verloren, und die Fälle sind gar nicht selten, 
wo der glänzende Mantel nur die Dürftigkeit der 
inneren Ausstattung verdecken soll. Allein wir haben 
uns hier nicht mit diesen unerfreulichen Fällen zu 
beschäftigen, an denen übrigens der Buchdrucker 
zumeist unschuldig ist, sondern wir wollen zunächst 
das ins Auge fassen, was beim Satze des Buchum¬ 
schlages zu beachten ist. 

Der Text des Umschlags wird meist eine abge¬ 
kürzte Form des Titels sein, für dessen Anordnung 
im allgemeinen dieselben Grundsätze Geltung haben 
müssen, wie wir sie für den Titelsatz kennen gelernt 
haben. Vor allem muß die Schrift unbedingt mit der 
Schrift des ganzen Buches übereinstimmen und für 
den Zeilenfall und die Gruppierung hat allergrößte 
Einfachheit und Übersichtlichkeit als Richtschnur zu 
gelten. Dabei wird es, je nach der Art des Werkes, 


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geboten sein, gewisse Angaben als Schlagworte kräftig 
hervortreten zu lassen, und es ist dem Zwecke zu¬ 
liebe immerhin ein schickliches Maß erlaubt, ohne 
ins Aufdringliche zu verfallen. Streng zu vermeiden 
ist aber jede Satzkünstelei; dies gilt besonders auch 
für die Anwendung von Schmuck auf dem Umschläge. 
Der Schmuck ist ja nicht so auf das äußerste be¬ 
schränkt wie beim Titel, darf aber durchaus nicht 
vorherrschend auftreten und die Wirkung der Schrift 
beeinträchtigen. Eine angemessene Umrahmung aus 
Linien oder Einfassung, eine Leiste, Vignette, ein 
Initial, stets natürlich im Charakter der Schrift und 
in den Verhältnissen gut abgewogen, wird als Zierat 
meistens ausreichen und kann sogar der Arbeit einen 
ganz intimen künstlerischen Reiz verleihen. Auch 
ermöglicht die Gliederung des Textes in einzelne 
Gruppen, die durch Linien oder Ornament sinngemäß 
getrennt sind, oft eine vorteilhafte Gestaltung des 
Ganzen. Daß solche Arbeiten, die eigentlich immer 
einen selbständigen Gedanken ausdrücken, viel höher 
stehen, wie die früher beliebten komplizierten Einfas- 
sungs- und Linienkunststücke, ist ohne weiteres klar. 

Die Einfachheit des Satzes hat eine einfache Druck¬ 
ausführung zur Folge. Eine , höchstens zwei Farben , 
gut abgestimmt und auf ein sorgfältig ausgewähltes 
Papier gedruckt , werden meistens genügen. Vor allem 
hat man bei der Wahl des Papiers und der Druck¬ 
farben Rücksicht auf das verwendete Satzmaterial zu 
nehmen oder umgekehrt, den Satz und die Farben 
nach dem vorausbestimmten Papiere zu richten. 
Obgleich das Angebot von Umschlagpapieren sehr 
beträchtlich, ist doch die Auswahl von wirklich ein¬ 
wandfreien Papieren keine allzu große. Denn weder 
Papiere mit aufdringlicher Pressung, d. h. Imitation 
von Leder, Leinwand oder ähnlichen Stoffen, noch 
solche, die sich für Holz oder Marmor ausgeben 
möchten, weder Papiere von großer Rauheit oder 
Härte, die das Satzmaterial ruinieren und auch dem 
Buchbinder bei der Verarbeitung Schwierigkeiten 
machen, noch solche von süßlicher oder brutaler Fär¬ 
bung sind empfehlenswert. Bei der Verwendung 
dunkler Papiere mit Aufdruck heller Deckfarben er¬ 
geben sich fast immer technische Schwierigkeiten 
oder wenigstensZeitverlust durch mehrmaligen Druck 
und damit Mehrkosten, deshalb sollte eine solche 
Ausführung — die manchmal ja sehr wirkungsvoll 
ist — stets vorher gründlich überlegt werden. 

Je mehr ein Buch auffallen soll, desto mehr Frei¬ 
heit in bezug auf Satzanordnung, Papier- und Druck¬ 
farbe ist ja schließlich auf dem Umschläge erlaubt, 
aber niemals soll diese Freiheit in Geschmacklosig¬ 
keit und Brutalität ausarten; auch wenn es sich um 
ausgesprochene Reklamedrucksachen handelt, wird 
eine gewisse Grenze der Vornehmheit oder wenig¬ 
stens der Eigenartigkeit nicht überschritten werden 
dürfen. 


Die Technik des Titelsatzes. 

Über das Setzen. 

Vielleicht ist es nicht ganz überflüssig, noch einige 
Worte über das praktische Arbeiten beim Titelsatz 
zu sagen. Da es sich meist um schlichte Satzbilder 
aus Schriftzeilen handelt, dürfte der geschulte Setzer 
in vielen Fällen ohne umständliches Skizzieren aus- 
kommen. Wenn sich der Setzer durch aufmerksames 
Durchlesen des Manuskriptes über die sinngemäße 
Einteilung des Wortlauts klar ist, den Zeilenfall in 
der Hauptsache durch wenige Striche auf einem Blatte 
Papier angedeutet und auf solche Weise gewisser¬ 
maßen im Geiste gesetzt hat, wird er zweckmäßig 
den Rat befolgen, den Otto Westram in seiner sehr 
lesenswerten Abhandlung über den modernen Buch¬ 
titel (Mäser-Westram, Der Titelsatz) gibt, nämlich 
folgenden: 

„Probieren geht über — Skizzieren! Wenn so 
viel von dem Laufe der einzelnen Zeilen abhängt, 
ist es natürlich zwecklos, mit dem Stift auf dem 
Papier allzuviel zu versuchen. Man nehme kurz ent¬ 
schlossen den Winkelhaken zur Hand, setze die Worte 
in den entsprechenden Graden ab und stelle die¬ 
selben ohne auszuschließen auf das wagerechte Schiff. 
Dazwischen angebrachte Regletten von genügender 
Länge erleichtern ein etwa nötig werdendes Schieben 
und Rücken der Schrift innerhalb der Zeilen. Wenn 
dann die Zeilen die genügende Länge erreichten, die 
Gruppenbreiten richtig sich ergaben und die gefähr¬ 
liche Klippe der schlechten Wortteilungen mehr oder 
weniger glücklich umschifft wurde, gehe man an das 
Ausschließen und die Regulierung der Sperrung.“ 

Über das Skizzieren. 

Wenn auch der vorbeschriebene Weg den erfah¬ 
renen Setzer am schnellsten zum Ziele führt, so ist 
doch für den Lernenden das Skizzieren von Titel¬ 
texten als Vorübung für den Satz sehr zu empfehlen. 
Das Schriftskizzieren ist ja eigentlich immer ein 
wunder Punkt gewesen und es ist ihm in Fachkreisen 
lange Zeit nicht die Beachtung geschenkt worden, 
die ihm zukommt. Deshalb ist es erfreulich, daß 
sich dies in letzter Zeit geändert hat und das Schrift¬ 
skizzieren an Fachschulen und sonstigen fachlichen 
Lehrkursen fleißig geübt wird. Dabei ist nun die 
beste Gelegenheit gegeben, den gleichen Text auf 
verschiedene Weise zu behandeln, also schon in der 
Skizze die beste Lösung der Aufgabe zu suchen, 
welche dann als Vorlage für den Satz dient. Selbst¬ 
verständlich wird da auch oft der Fall eintreten, daß 
die gesetzten Zeilen anders laufen, wie die skizzierten, 
und daß der Satz ein andres Bild zeigt, als der 
Skizzierende gewollt hat; bald aber wird er die rich¬ 
tigen Verhältnisse von Höhe und Breite der Schriften 
zu treffen lernen und brauchbare Skizzen für den 
Titelsatz liefern. 


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Schlußwort. 

Aus der ganzen Entwicklungsgeschichte des Buch¬ 
titels von seinen Anfängen bis zum heutigen Stande 
ergibt sich, wie schon in den Vorbemerkungen ge¬ 
sagt, daß der neuzeitliche Titelsatz doch eigentlich 
nichts Neues ist, sondern daß wir heute nur mit ver¬ 
feinerten Mitteln nach denselben Grundsätzen ar¬ 
beiten, wie unsre Vorfahren im Berufe. Es ergibt 
sich aber auch, daß der Titelsatz sich nicht in starre 
Regeln zwängen läßt, sondern daß innerhalb der all¬ 
gemeingültigen Grundsätze Raum genug ist für un¬ 
gezwungene und ursprüngliche Gestaltung und daß 
oft gerade solche Titel, die von dieser Freiheit am aus¬ 
giebigsten Gebrauch machen, uns am „modernsten“ 
anmuten. Wenn wir die ganze Entwicklung zusammen¬ 
fassen, so ergeben sich aus ihr für uns folgende 
Lehren: 

1. Die Buchdrucker waren sich jederzeit der beson¬ 
deren Wichtigkeit des Buchtitels und seiner Ge¬ 
staltung bewußt. Demzufolge waren schon immer 
gewisse Normen und Regeln für den Titelsatz im 
Gebrauche, die je nach dem allgemeinen Kul¬ 
turstande und künstlerischen Geiste der verschie¬ 
denen Zeitperioden sich veränderten; mithin 
haben wir mehrfach Zeiten des Aufschwungs, der 
Blüte und des Niedergangs im Titelsatz zu unter¬ 
scheiden. 

2. Die heute für den Titelsatz gültigen Grundsätze 
sind an sich nicht neu, sondern entstammen ver¬ 
schiedenen Entwicklungszeiten und sind den Be¬ 
dürfnissen der Gegenwart angepaßt worden. Die 
Anwendung dieser Grundsätze ist heute infolge 
der großen Vielseitigkeit des Materials und der 


technischen Fortschritte in weit vollkommener 
Weise möglich wie früher. 

3. Die Kenntnis der künstlerischen und technischen 
Grundsätze des Titelsatzes ist für jeden Setzer 
notwendig; im besonderen bilden sie die Grund¬ 
lage für die Ausbildung des Akzidenzsetzers. 
Wenn in dieser Abhandlung versucht wurde, das 
Wissenswerteste über die Entwicklung und den heu¬ 
tigen Stand des Titelsatzes zusammenzutragen, so 
war dies nur möglich auf der Grundlage früherer 
Arbeiten bewährter Fachgenossen, die sich um die 
Pflege und Veredlung dieses wichtigen Zweiges am 
Stamme unsers Kunstgewerbes verdient gemacht 
haben. Außer der an den betreffenden Stellen schon 
angeführten Fachliteratur wurde auch ein Vortrag 
des Schriftleiters des „Archiv für Buchgewerbe“, 
Herrn Verwaltungsdirektors Arthur Woernlein , über 
„Titelsatz in alter und neuer Zeit“, dessen Manu¬ 
skript dem Verfasser dieses Aufsatzes gütigst zur 
Verfügung gestellt wurde, besonders für die Bear¬ 
beitung des geschichtlichen Teils und für die Aus¬ 
wahl der Beispiele benutzt. Wenn demnach diese 
Arbeit dem älteren und erfahrenen Berufskollegen 
auch nicht viel Neues sagen kann, so hofft doch der 
Verfasser, daß jüngere und strebsame Fachgenossen 
sie nicht ganz ohne Nutzen aus der Hand legen werden. 

Eines können wir aber wohl mit Gewißheit sagen: 
mag der wechselnde Zeitgeschmack uns auch andre 
Schriften und Zieraten, Papiere und Farben vorschrei¬ 
ben, die heute anerkannten Grundsätze für den Titel¬ 
satz werden uns und unsern Nachkommen im Berufe 
noch auf lange Zeit als ein bewährtes Grundgesetz 
und als ein unantastbares Gut verbleiben. 


Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Vollkommenheit 


Von Dr.-Ing. AUGUST KOENIG, Frankenthal 


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ID 


II. Bogenzuführungen. 

"jlE schlechten Erfahrungen, die anfänglich 
■ mit Variablen gemacht wurden, waren nicht 
' s zum geringen Teil auf die mangelhaften, 
jedenfalls nicht zuverlässig genug ar¬ 
beitenden Bogenzuleitungen zurückzuführen. Man 
sah sich daher veranlaßt, auch nach dieser Richtung 
hin Verbesserungen vorzunehmen, jedoch sollten die 
Bemühungen nicht gleich den gewünschten Erfolg 
haben. Erst in den letzten Jahren ist es nun gelun¬ 
gen, die Bogenzuführungen soweit zu verbessern, daß 
selbst bei den bisher erreichten Höchstleistungen 
von 8000 Druckbogen in der Stunde ein durchaus 
sicheres Arbeiten ermöglicht werden konnte. 

Um die fraglichen Verbesserungen in ihrem vollen 
Umfang zu erkennen, muß auch mit einigen Worten 
auf die früheren Ausführungen zurückgegriffen wer- 


II 

den. Das Prinzip der Bogenleitung ist bis auf den 
heutigen Tag in unveränderter Weise beibehalten 
worden und beruht im wesentlichen darauf, daß die 
unter Pressung stehenden Einlaujwalzen E.W. den 
endlosen Strang zwischen die beiden Schneidzylinder, 
bestehend aus Messerzylinder M. C. und Nutzylinder 
N.C., hindurchschieben (vergleiche Abbildungen 5, 6 
und 7). Nach jeder Umdrehung des Messerzylinders 
wird das durch die beiden Zylinder geschobene Pa¬ 
pier vom Strang abgeschnitten und der so erhaltene 
Bogen von einem mit Druckzylindergeschwindigkeit 
laufenden Bändersystem aufgenommen, um von hier 
aus entweder direkt, wie bei den älteren Variablen 
(vergleiche Abbildung 5), oder indirekt durch Ver¬ 
mittlung eines besonderen Zuführzylinders (verglei¬ 
che Abbildungen 6 und 7) dem Druckwerk übergeben 
zu werden. Der Transport der Bogen durch die 


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Maschine kann je nach der Bauart der Presse durch 
Greifer, Luft oder Nadeln geschehen, was jedoch 
voraussetzt, daß auch bereits der Zuführzylinder 
dem betreffenden System der Bogenführung ange¬ 
paßt ist. 

Je nach der Geschwindigkeit, die man den Einlauf¬ 
walzen erteilt, hat man es in der Hand, den kontinuier¬ 
lichen Vorschub des noch endlosen Papierstranges be- 
liebigzu variieren.Es mußdaher,dadie Schneidzylinder 
stets mit Druckzylindergeschwindigkeit weiterlaufen, 
bei irgendeiner Geschwindigkeit der Einlaufwalzen 
ein Bogen von ganz bestimmter Länge abgeschnitten 
werden. Die verschiedenen Geschwindigkeiten der 


Diese von Koenig & Bauer zuerst eingeführte und 
von seiten der Druckerwelt mit großem Beifall auf¬ 
genommene Neuerung ist heute Gemeingut aller * 
Fabriken geworden. Das Prinzip dieser verbesser¬ 
ten Wechselradvorrichtung ist aus den Abbildungen 
6 und 7 zu erkennen. Die Wechselräder sind hier¬ 
bei mit wj, w 2 , w 3 und w 4 bezeichnet. Der Antrieb 
der Einlaufwalzen E.W. erfolgt durch das auf dem 
Nutzylinder N.C. sitzende Rad w 3 . Durch die auf 
einem Zapfen lose laufenden, aber gegenseitig mit¬ 
einander festverbundenen Räder w t und w 4 wird die 
Bewegung auf das Rad w 2 und damit zugleich auch 
auf die Einlaufwalzen selbst übertragen. Um die jeweils 



Abbildung 5. Bogenzuführung älteren Systems. Das Anspannen des Papiers während des Schnitts, sowie das AbreiOen der Bogen bei Unterbrechung 
des Messers (infolge der in den Schneidzylinder hineintretenden Leitzungen) geschieht durch Anwendung fahrbar angeordneter Bandwalzen 


Einlaufwalzen werden auch heute noch durch An¬ 
wendung von Wechselrädern erreicht. Während aber 
früher die Bogenlänge nur innerhalb weniger Ab¬ 
stufungen variiert werden konnte, bedingt durch die 
einfachere Wechselradvorrichtung (vergleiche Abbil¬ 
dung 5), ist in neuerer Zeit eine Formatänderung von 
Millimeter zu Millimeter möglich, eine Verbesserung, 
durch welche die Vielseitigkeit in der Ausnützung 
der Variablen noch bedeutend erhöht wurde. Für 
diese große Variation in der Länge der zu verar¬ 
beitenden Bogen sind im ganzen 11 Wechselräder 
erforderlich, von denen aber für irgendein Format 
immer nur 4 Räder gleichzeitig verwendet werden 
müssen (vergleiche Abbildungen 6 und 7). Um für ein 
bestimmtes Format sofort die zugehörigen Wechsel¬ 
räder zu erhalten, wird jeder Maschine eine Liste 
beigegeben, in der die Räder für alle Formate tabel¬ 
larisch zusammengestelltsind. DerMaschinenmeister 
braucht also nur für das jeweils in Betracht kom¬ 
mende Format die betreffenden, am zweckmäßigsten 
durch die Anzahl der Zähne bezeichneten Räder 
herauszusuchen und vorschriftsmäßig zu verwenden. 


zusammen arbeitenden Räder w 4 und w 2 , sowie w 3 
und w 4 in richtigen Eingriff zu bringen, müssen die 
gemeinsam auf einem Bolzen sitzenden Räder Wj und 
w 4 innerhalb gewisser Grenzen beliebig einstellbar 
sein, eine Bedingung, die sich am einfachsten durch 
Anwendung eines um die Achse der betreffenden 
Einlaufwalze drehbar angeordneten und mit einem 
längeren Schlitz versehenen Armes erreichen läßt 
(vergleiche Abbildungen 6 und 7). 

Das Abtrennen der Bogen vom endlosen Strang 
setzt zugleich voraus, daß während des Schneidens 
das Papier gespannt wird. Es ist begreiflich, daß 
nur unter dieser Bedingung ein Schnitt überhaupt 
erfolgen kann; denn das lose zwischen die beiden 
Schneidzylinder hindurchgeschobene Papier würde 
ohne Spannung von dem Messer nur in die Nut hin¬ 
eingedrückt, niemals aber abgeschnitten werden. Aus 
diesem Grunde haben Koenig&Bauer schon bei ihren 
ersten Variablen besondere Zugwalzen Z.W. vorge¬ 
sehen, durch die das Anspannen des abzuschneiden¬ 
den Bogens bewirkt wurde. Aus Abbildung 5 ist zu 
erkennen, in welcher Weise diese Walzen früher in 


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dieBandleitung eingeschaltet wordensind. Eshandelte Bogen dann zu spät zum Druckzylinder gelangte, 
sich hierbei um die Anwendung von zwei ganz dicht In beiden Fällen waren Verstopfungen unvermeid- 
zusammenliegenden und um etwa 45° versetzt ange- lieh. Diese hierdurch entstandenen Betriebsstörungen 
ordneten Walzen, wodurch das die Bogen führende waren gewissermaßen eine charakteristische Begleit- 
Bändersystem einen scharfen Knick erhielt. Die bei- erscheinung der älteren Variablen. Die Gefahr des 
den Walzen waren außerdem in Richtung des Papier- Verstopfens wurde zwar später durch Anwendung von 
laufs fahrbar angeordnet, so daß sie für jede Format- Leitzungen unmittelbar nach den Schneidzylindern 
große eingestellt werden konnten. Beim größten beseitigt, jedoch hatte diese Verbesserung anderseits 
Format standen die Walzen am weitesten von den wieder einen recht empfindlichen Nachteil zur Folge. 
Schneidzylindern entfernt, beim kleinsten Format Dadurch nämlich, daß jetzt die Zungen auch in den 
waren sie dagegen diesen am nächsten. Um das Ein- Messerzylinder hineintraten (vergleiche Abbildung 6), 
stellen der Walzen zu erleichtern, war an dem mit- mußte das Messer an den betreffenden Stellen unter- 
telst Handrad zu bewegenden Walzenschlitten ein brochen werden. Ein vollständiges Abschneiden der 



Abbildung 6. Neuere Bögenzuführung System Koenlg & Bauer. Das AbreiQen der nach dem Schnitt noch an mehreren 
Stellen mit dem endlosen Papierstrang zusammenhängenden Bogen geschieht durch Anwendung stationärer Knippwalzen 


Zeiger und am Gestell der Presse eine Skala ange- Bogen wie vorher war daher nicht mehr möglich (die 
bracht. Jeder Zeigerstellung entsprach ein ganz be- Rillen im Nutzylinder, bedingt durch die Anwendung 
stimmtes Format. Im allgemeinen begnügte man sich der unteren Leitzungen, sind dagegen trotz der Unter- 
jedoch damit, die Zeigerstellungen nur für die ge- brechungder Nutleisten ohne Einfluß auf den Schnitt). 
bräuchlichsten,d.h. für die am häufigsten Vorkommen- Die Bogen blieben noch an mehreren etwa 5 Milli- 
den Formate zu markieren. Diese Zugwalzen haben meter breiten Stellen mit dem endlosen Strang in 
sich als äußerst praktisch erwiesen, konnten aber die Zusammenhang und mußten, bevor sie vom Bänder¬ 
eigentlichen Mängel der Bogenzuführung nicht be- System weitertransportiert werden konnten, erst 
seitigen. So z. B. machte sich der unvollkommene vollends abgetrennt werden. Das Abreißen der Bo- 
Einlauf des Stranges in das Bändersystem als ein gen wurde gleich durch die fahrbar angeordneten 
empfindlicher Nachteil der Variablen älterer Bauart Zugwalzen erreicht (vergleiche Abbildung 5). Das 
geltend. Außer den zwischen den Einlaufwalzen und Papier mußte jetzt, sobald es in den Bereich der 
dem Schneidzylinderpaar angebrachten Leitzungen beiden Walzen gelangte, durch diese so stark ange- 
war nämlich nichts weiter für die Führung des spannt werden, daß im Moment des Schneidens auch 
Papiers vorgesehen. Der Anfang des Stranges war, gleichzeitig der betreffende Bogen abgerissen wurde, 
nachdem er die Schneidzylinder passiert hatte, bis In dieser Ausführung wurden nun die Variablen 
zum Eintritt in das Bändersystem sich frei überlassen, viele Jahre hindurch von Koenig & Bauer und später 
Wenn auch die ersten Bandwalzen so nahe wie mög- auch von den übrigen Fabriken gebaut. Je höher aber 
lieh an die Zylinder herangelegt wurden (vergleiche allmählich die Anforderungen von seiten der Drucker 
Abbildung 5), so war doch stets Gefahr vorhanden, an die Variablen gestellt wurden, desto mehr kam 
daß sich das Papier nach oben oder unten verlief man zu der Überzeugung, daß die Bogenzuführung 
oder sich vorne umlegte und der abgeschnittene immer noch nicht so vollkommen war, um für alle 

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Betriebsverhältnisse (bei verschieden großen Ge¬ 
schwindigkeiten und Formaten) ein durchaus genaues 
Register garantieren zu können. Differenzen von 
einigen Millimetern waren unvermeidlich. Alle An¬ 
strengungen, diese Mängel zu beseitigen, blieben aber 
lange erfolglos. Erst vor wenigen Jahren gelang es 
nun wiederum Koenig& Bauer, eine weitere wichtige 
Verbesserung an der Bogenleitung zu erzielen, indem 
sie die fahrbar angeordneten Zug- und Abreißwalzen 
durch stationäre , aber jetzt mit Knippleisten ausge- 
rüstetenWalzen ersetzten (vergleicheAbbildung6). Die 
Bedingung, daß dieWalzen bei jedem Bogen nur einmal 
zur Wirkung kommen, wurde durch entsprechende 
Wahl der Walzendurchmesser erreicht. Wird z. B. 
der Durchmesser der einen Walze Vs bzw. y 4 von 


das Papier zu spannen und gleichzeitig den bis auf 
einige Stellen abgeschnittenen Bogen vom Strang 
loszureißen. Mit dieser Verbesserung erzielten 
Koenig & Bauer sehr günstige Erfolge. Ließen sich 
doch durch das sichere Funktionieren der Knipp¬ 
walzen die bisherigen Mängel der Bogenzuführungen 
hinsichtlich Schnitt und Register endgültig beseitigen. 
Die Wichtigkeit dieser Neuerung wurde aber auch von 
den andern Firmen sofort erkannt und konnte, da sie 
patentamtlich nicht geschützt war, ohne Bedenken auf¬ 
gegriffen werden. 

Wie schon hervorgehoben, könnendieBogen wegen 
der in den Messerzylinder hineintretenden Zungen 
und der hierdurch bedingten Unterbrechungen des 
Schneidmessers nicht vollständig abgeschnitten 




Abbildung 7. Neueste Bogenzuführung System Albert & Co. Durch Anwendung von Abstreichgreifern oder verschwindbar angeordneten Schneide¬ 
messern ist das Problem des zipfellosen Schnitts gelöst worden. Die Bogen werden jetzt vollständig vom endlosen Papierstrang abgeschnitten 


dem des Druckzylinders genommen, so muß der 
Durchmesser der andern Walze so groß gemacht 
werden, daß ein Zusammentreffen der beiden Knipp¬ 
leisten erst nach der dritten bzw. nach der vierten 
Umdrehung der ersten Walze stattfindet. In einem 
Fall könnte man die Durchmesser der Walzen im 
Verhältnis 4:3 und im zweiten Fall vielleicht 5:4 
nehmen, das heißt, es würde die kleinere Walze 4 
bzw. 5 Umdrehungen ausführen,bis die größereWalze 
3 bzw. 4 Umdrehungen macht. 

Die Verwendung stationärer Walzen beruht darauf, 
daß jetzt nicht mehr wie bei den früheren Bogenzufüh¬ 
rungen (vergleiche Abbildung 5) der Anfang, sondern 
das Ende des abzureißenden Bogens gepackt wird. Aus 
diesem Grunde müssen die Walzen so nahe an die 
Schneidzylinder herangerückt werden, daß auch der 
kürzeste Formatbogen (in der Regel von halber Länge 
des größten Bogens) noch vor dem Schnitt in denBe- 
reich derWalzen gelangt. DieWalzen brauchen nur ein¬ 
mal so eingestellt zu werden, daß während des Schnei- 
densauchdieKnippleistenzusammentreffen.Der kurze 
Augenblick der Berührung genügt vollkommen, um 


werden. Es ist dies eine Eigentümlichkeit der Bogen¬ 
leitung, an die sich die Drucker in Anbetracht der 
sonstigen wertvollen Verbesserungen stillschweigend 
gewöhnt haben, obwohl die Abreißzipfel namentlich 
bei gefalzten und nicht mehr zugeschnittenen Pro¬ 
dukten immer ein schlechtes Aussehen verursachen. 
Auch bei ungefalzt ausgelegten Bogen müssen die 
vorstehenden Zipfel einerseits sowie die entsprechen¬ 
den Vertiefungen anderseits als unschön bezeichnet 
werden. Von der Notwendigkeit dieser Abreißzipfel 
schien jedoch bisher alles so überzeugt gewesen zu 
sein, daß niemand daran dachte abhelfend einzu¬ 
schreiten. Es muß daher Albert & Co. zum besondern 
Verdienst angerechnet werden, daß sie es sich zur 
Aufgabe machten, auch diesen letzten Mangel zu be¬ 
seitigen. Schon vor zwei Jahren ließ sich diese Firma 
ein Patent auf verschiedene Vorrichtungen erteilen, 
durch die ein vollständiges Abschneiden der Bogen 
erreicht wurde. Von den damals zur Anmeldung ge¬ 
brachten Ausführungsarten sollen zwei besonders 
charakteristische Vorrichtungen wegen ihrer hohen 
praktischen Bedeutung etwas näher besprochen 


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werden. In einem Fall wurden die in den Messer¬ 
zylinder hineintretenden Zungen durch Anwendung 
von Abstreichgreifern umgangen, im andern Fall hat 
man dagegen die Zungen wieder beibehalten, dafüraber 
das Messer nach dem Schnitt zum Verschwinden ein¬ 
gerichtet. In den Abbildungen 8 und 9 sind beide auf 
den Messerzylinder sich beziehenden Konstruktionen 
wiedergegeben. Aus Abbildung 8 ist zu erkennen, 
in welcher Weise sich die fraglichen Greifer in den 
Zylinder einbauen lassen. Diese Greifer werden 



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Abbildung 8. Neueste Schneidvorrichtung zur Erzielung eines zipfellosen 
Schnitts (Pstent Albert & Co.). Durch Anwendung entsprechend bewegter 
Abstreichgreifer Ist die sichere Führung des Papiers in die Band* 
leltung auch bei nicht ln den Messerzylinder hineintretenden 
Leitzungea erreicht worden 


durch ein am Gestell der Maschine befestigtes, des 
genauen Arbeitens halber aber geschlossen ausge¬ 
führtes Exzenter derart bewegt, daß direkt nach dem 
Schnitt die Greiferspitzen den Weg der Papierbahn 
auf eine kurze Strecke beschreiben und damit den 
Anfang des durch die Zylinder sich schiebenden und 
durch die untern Leitzungen gegen Verlaufen nach 
dieser Richtung gesicherten Stranges mit unbedingter 
Sicherheit in das Bändersystem hineinführen müssen 
(vergleiche auch Abbildung 7). Der Verlauf der 
Exzenterkurve ist durch die vorgeschriebene Bahn 
der Greiferspitzen genau festgelegt, so daß die An¬ 
fertigung,insbesondere dieKonstruktion desExzenters 
keine Schwierigkeiten bereiten kann. Der Charakter 
der Kurve ist auflfallenderweise ein sehr sanfter, was 
füreinepräzise Greiferbewegungauch bei Anwendung 
geschlossener Exzenter nur von Vorteil sein kann 


Diese Neuerung hat sich in der Praxis bestens be¬ 
währt und ist auch von seiten der Drucker mit großem 
Beifall aufgenommen worden. War doch damit die 
Beseitigung der Abreißzipfel endlich zur Wahrheit 
geworden. 

Eine Vereinfachung in der Ausführung dergleichen 
Idee wurde dadurch erzielt, daß man das Schneid¬ 
messer verschwindbar anordnete und die Führung der 
Bogen wieder wie früher durch Zungen erreichte. 
Das Messer sitzt jetzt natürlich nicht mehr fest, 



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Abbildung 9. Neueste Schneidvorrlchtung zur Erzielung eines zipfellosen 
Schnitts (Pstent Albert & Co.). Dss Messer Ist beweglich sngeordnet und 
verschwindet unmittelbar nach erfolgtem Schnitt, weshalb die in den Zylin¬ 
der wieder hineintretenden Lcitzungen keine Unterbrechung 
des Schneldmessera zur Folge haben 


sondern beweglich zwischen zwei Eisenschienen und 
muß daher zwecks Erzielung eines sicheren Schnittes 
gut geführt werden. Die konstruktive Ausführung 
(vergleiche Abbildung 9) zeigt im übrigen große Über¬ 
einstimmung mit beweglichen Falzmessern; an Stelle 
des stumpfen Messers tritt jetzt nur das gezahnte 
Schneidmesser. Das Messer verschwindet also direkt 
nach dem Schnitt und geht hierbei so weit in den Zy¬ 
linder zurück, daß keine Berührung mehr mit den in 
den Zylinder hineintretenden Leitzungen möglich ist. 
Sobald das Messer diese Zungen passiert hat, kann es 
wieder seine frühere Stellung einnehmen, wobei je¬ 
doch, da genügend Zeit vorhanden ist, diese Bewegung 
nur ganz allmählich zu erfolgen braucht. Auch diese 
Erfindung wurde von Albert & Co. bereits mit bestem 
Erfolg praktisch erprobt. Die anfänglichen Bedenken, 
daß der Schnitt doch nicht so genau und sicher 

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ausfallen könnte als bei feststehendem Messer, haben 
sich als unberechtigt herausgestellt, waren aber 
jedenfalls die Ursache, weshalb die so naheliegende 
Idee, die Abreißzipfel durch Anwendung von ver¬ 
schwindbaren Messern zu umgehen, nicht schon 
früher zur Ausführung kam. Diese Schneidvorrichtung 
scheint außerdem billiger zu sein als jene mit Ab¬ 
streichgreifern und feststehendem Messer, so daß 
Albert & Co. voraussichtlich ihre Variablen in Zukunft 
nur mehr mit beweglichen Schneidmessern ausrüsten 
werden, während die andern Firmen wegendes patent¬ 
amtlichen Schutzes dieser Erfindung die frühere 
Schneidvorrichtung mit unterbrochenem Messer bei¬ 
behalten und damit zugleich die Abreißzipfel auch 
fernerhin bei ihren Maschinen mit in Kauf nehmen 
müssen. 

Durch die fraglichen Verbesserungen der Bogen¬ 
zuführung war es erst möglich geworden, immer 
höhere Anforderungen an Variable stellen zu können. 
Mit welcher Sicherheit und Genauigkeit arbeiten 
heute diese Maschinen und mit wieviel Unannehm¬ 
lichkeiten mußte früher gerechnet werden! Ver¬ 
stopfungen, ungenauer Schnitt, schlechtes Register 
usw., alle diese Erscheinungen sind nunmehr über¬ 
wunden. Daß die betreffenden Neuerungen außer¬ 
dem nur deutschen Ursprungs sind, muß als ein be¬ 
sonderes Verdienst unsrer Maschinenfabriken an¬ 
erkannt werden, die teils aus eignem Antrieb, teils 
aber auch auf Anregung aus der Praxis heraus an der 
inneren Vervollkommnung ihrer Maschinen rastlos 
weiter gearbeitet haben, weder Kosten noch Mühe 
scheuend, die Geburtsfehler und Kinderkrankheiten 
der Variablen zu beseitigen. 

Es erübrigt sich noch, mit wenigen Worten auf die 
beim Wechseln des Formats vorzunehmenden Mani¬ 
pulationen hinzuweisen. Gleichgültig, in welcher 
Weise das Papier dem ersten Druckzylinder zugeführt 
wird, ob nach älterem oder neuerem System (ver¬ 
gleiche Abbildungen 5, 6 und 7), stets muß die Be¬ 
dingung erfüllt sein, daß die Bogen, welche Länge 
sie auch haben mögen, im richtigen Augenblick am 
Druckzylinder eintreffen. Diese Voraussetzung ist 
aber nicht ohne weiteres erfüllt; denn wie bereits 
erwähnt wurde, erfolgt die beim Übergang vom einen 
zum andern Format verbundene Geschwindigkeits¬ 
änderung der Einlaufwalzen unabhängig vom Druck¬ 
werk durch Austauschen der Wechselräder. Soll 
z. B. auf ein kleineres Format übergegangen werden, 
so würde, da das Papier jetzt langsamer durch die 
Schneidzylinder hindurchgeschoben wird, der abzu¬ 
schneidende Bogen auch später in das Bändersystem 
gelangen und daher auch später am Zuführzylinder 
ankommen. Aus diesem Grunde ist bei jeder Format¬ 
änderung zugleich eine besondere Einstellung der 
Schneidzylinder und mit diesen auch der Abrei߬ 
walzen erforderlich, eine Manipulation, die sich 


aber durch Anwendung einer eigens hierfür vor¬ 
gesehenen Stellvorrichtung in äußerst bequemer 
Weise ausführen läßt. Das Einregulieren der Bogen¬ 
zuführung kann sowohl direkt am Messerzylinder 
(System Koenig & Bauer) als auch an einer der 
beiden Abreißwalzen geschehen (System Albert 
& Co.). Im ersteren Fall erfolgt der Antrieb des 
ganzen Bogeneinlaufs vom Messerzylinder aus, im 
zweiten Falle von der betreffenden Abreißwalze aus. 
Koenig & Bauer erreichen z. B. die Verstellung da¬ 
durch, daß sie das außerhalb des Gestells auf der Achse 
des Messerzylinders sitzende und mit dem Druck¬ 
zylinder oder auch mit dem Ansaugzylinder (Zuführ¬ 
zylinder) durch mehrere Zwischenräder stets in Ein¬ 
griff stehende Antriebrad auf einen Konus setzen 
und eine an diesem Rad befestigte Schnecke (Wurm) 
in ein auf der Messerzylinderwelle aufgekeiltes 
Schneckenrad (Wurmrad) eingreifen lassen. Wird 
nun zwecks Einregulierung auf ein bestimmtes 
Format die Friktion durch Lösen einer Schraube 
aufgehoben, so sitzt das Antriebrad jetzt lose auf 
der Welle und man kann nun unabhängig von der 
übrigen Maschine durch Betätigung der Schnecke den 
Messerzylinder und damit zugleich den Nutzylinder, 
sowie die ganze Bogenzuführung um den erforder¬ 
lichen Betrag nach vor- oder rückwärts bewegen. 
Nach dem Einstellen wird das fragliche Antriebrad 
durch Anziehen der Schraube wieder auf den Konus 
festgepreßt und durch Friktion mitgenommen. Wäh¬ 
rend des Betriebes geht also die zum Antrieb des 
Bogeneinlaufs notwendige Kraft direkt vom Rad aus 
durch die Welle des Zylinders. In das Rad ist außer¬ 
dem ein Ring aus Messingblech eingelassen, so daß 
durch einen am Schneckenrad befestigten Zeiger ohne 
langes Ausprobieren die Schneidzylinder sofort auf 
irgendein Format eingestellt werden können, was 
natürlich voraussetzt, daß auf diesem Ring bereits die 
betreffenden für die Maschine hauptsächlich in Frage 
kommenden Formateinstellungen angegeben sind. 

Beim Einstellen der Bogenzuführung von den Ab¬ 
reißwalzen aus, wie es von Albert & Co. geschieht, 
ist es wegen des kleineren Durchmessers dieses An¬ 
triebrades nicht mehr möglich, die Schnecke gleich 
am Rad zu befestigen und dieses außerdem auf einen 
Konus zu setzen. Aus diesem Grunde hat man da¬ 
her das Rad mit einem besondern die Schnecke tra¬ 
genden Gehäuse gekuppelt. Das Schneckenrad sitzt 
wie vorher fest auf der Welle, aber innerhalb des 
Gehäuses. Da bei dieser Ausführung die ganze Kraft 
für den Antrieb derBogenleitung durch das Schnecken¬ 
getriebe geht, so muß dafür gesorgt werden, daß die 
Schnecke während des Betriebes gegen Verdrehen 
besonders gut gesichert ist. 

Beiden Ausführungen haftet der Nachteil an, daß 
sich die Schnecke mittels Steckschlüssels nicht 
in allen Stellungen gleich günstig bedienen läßt, 

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bisweilen sogar erst ein Verdrehen durch das Hand¬ 
vorgelege vorgenommen werden muß, um überhaupt 
das Einregulieren auf ein andres Format ermöglichen 
zu können. Diesen Nachteil umgehen nun Albert 
& Co. bei ihren neuesten Maschinen in der Weise, 
daß die Bedienung der Scheibe nicht mehr von der 
Seite her, wie vorher, sondern von vorne erfolgt, wo¬ 
durch erreicht wird, daß jetzt, ohne Rücksicht auf 
die jeweilige Stellung der Scheibe, mit dem Steck¬ 
schlüssel jederzeit bequem hantiert werden kann. 
Bei dieser verbesserten Ausführung geschieht das 
Verstellen außerdem nicht mehr durch Wurm und 
Wurmrad, sondern durch Stirnräder, von denen das 
Gehäuse gleich als innenverzahntes Rad ausgebil¬ 
det ist. 

Was ferner das Bändersystem im allgemeinen be¬ 
trifft, so muß besonders darauf geachtet werden, daß 
die Bänder stets gleichmäßig gespannt und außerdem 
gut angetrieben sind. Nur unter dieser Voraussetzung 
ist ein sicherer Transport der abgeschnittenen Bogen 
und damit zugleich ein gutes Register zu erwarten. 
Die Notwendigkeit einer exakten Bänderführung 
wurde schon frühzeitig erkannt, weshalb auch Koe- 
nig & Bauer schon bei ihren ersten Maschinen 
eigens angetriebene und von den Bändern zum gro¬ 
ßen Teil umschlungene Transportwalzen vorgesehen 
haben (vergleiche Abbildung 5). Mit Einführung der 
Knippwalzen wurde der Transport des Bändersystems 
gleich durch diese Walzen bewirkt (vergleiche Abbil¬ 
dungen 6 und 7), was aber voraussetzt, daß dieSchie- 
nen an den Stellen, wo die Bänder laufen, auf den 
gleichen Durchmesser wie die Walzen ausgespart 
werden. Erreicht wird hierdurch, daß einerseits die 
Bänder, deren Antrieb jetzt von den Knippwalzen 
aus erfolgt, genau gleiche Geschwindigkeit wie das 
Druckwerk haben und daß andererseits das Anspannen 
der Bogen während des Schnitts nicht beeinflußt wer¬ 
den kann. Die Knippleisten ragen ca. n/2 bis 2 Milli¬ 
meter über die Peripherie der Walzen heraus, was 
vollkommen genügt, um beim Zusammentreffen der 
Leisten infolge der größeren Geschwindigkeit das 
Papier so straff zu ziehen, daß der im gleichen Augen¬ 
blick erfolgende Schnitt absolut sicher ausfallen muß 
(bei nicht vollständigem Abschneiden, wie es bei Ver¬ 
wendung unterbrochener Schneidmesser bedingt ist, 
haben die Knippleisten außerdem das Abreißen der 
Bogen zu übernehmen). 

Während nun Koenig & Bauer die Abreißwalzen 
direkt an die Schneidzylinder heranrücken (vergleiche 
Abbildung 6), legen Albert & Co. bei ihren Variablen 
diese Walzen so weit von den Zylindern ab, daß zwi¬ 
schen der vom Druckwerk angetriebenen größeren 
Walze und dem Nutzylinder die im AbschnittI bereits 
erwähnten Übersetzungsräder vorgesehen werden 
können. Durch Anwendung dieser Übersetzungsräder 
läßt sich jetzt die Schneid- und Einlaufvorrichtung je 


nach Bedarf auch auf halbe Geschwindigkeit setzen 
und damit zugleich der den Greifermaschinen so 
lange anhaftende Nachteil der doppelten Zurichtung 
beseitigen. Um auch hier die Bogen möglichst bald 
in das Bändersystem eintreten zu lassen, sind direkt 
hinter den Schneidzylindern noch Walzen angeordnet, 
die wegen ihrer geringen Größe wesentlich näher an 
die Zylinder gelegt werden können als die Abrei߬ 
walzen selbst (vergleiche Abbildung 7 gegen Abbil¬ 
dung 6). Wegen der Albert & Co. patentierten 
Schneidvorrichtung, durch welche die Bogen gleich 
vollständig vom Strang abgeschnitten werden, haben 
die fraglichen Knippwalzen ihre Bedeutung als Ab¬ 
reißwalzen verloren; sie dienen jetzt nur mehr als 
Zug- und Transportwalzen, was bei dieser Gelegen¬ 
heit besonders hervorgehoben zu werden verdient. 

Die Bogenzuführung nach Abbildung 7 bezieht sich 
insbesondre auf Greifermaschinen, bei denen die 
Druckzylinder, wegen der Verlegung der Makulage- 
vorrichtung in den Widerdruckzylinder, doppelt so 
groß sind als die Druckzylinder der beiden andern 
Maschinengattungen. Die Entfernung der Schneid¬ 
zylinder vom Zuführzylinder hängt von der Länge 
des Formats ab, und zwar ist dieser Abstand bei 
Maschinen mit Luft- und Nadeltransport um etwa 
20 Millimeter und bei Greifermaschinen wegen der 
Greiferbewegung am Zuführzylinder mindestens um 
100 Millimeter größer zu nehmen, als die größte 
Formatlänge. Es sind dies mit die grundlegendsten 
Daten beim Entwurf einerVariablen, weshalb es auch 
nicht unterlassen wurde, auf diese den betreffenden 
Systemen anhaftenden Unterschiede hinzuweisen. 

Schließlich noch einige Worte über die Einlauf¬ 
walzen selbst. Ihnen kommt, wie wir bereits wissen, 
die wichtige Aufgabe zu, das Papier mit völlig gleich¬ 
mäßiger, je nach der Länge des zu verarbeitenden 
Formats natürlich verschiedener Geschwindigkeit 
zwischen die beiden Schneidzylinder hindurchzu¬ 
schieben. Die Einlaufwalzen (in Abbildungen 5, 6 
und 7 mit E.W. bezeichnet) haben aber nicht nur diese 
Funktion allein zu übernehmen, sondern müssen, was 
hierbei sehr wesentlich ist, auch das Abwickeln der 
Papierrollen veranlassen. Je sicherer dies geschieht, 
um so genauer erfolgt auch der Transport des Papiers 
zu den Schneidzylindern. Kleine Differenzen in der 
Länge der abgeschnittenen Bogen waren und sind 
auch heute noch vielfach auf die Einlaufwalzen zurück¬ 
zuführen. Der technischen Ausführung dieserWalzen 
wurde daher von Anfang an erhöhte Sorgfalt zuge¬ 
wandt. Früher haben Koenig & Bauer Eisenwalzen 
benützt, gingen aber bald dazu über, die eine der 
beiden Walzen, um die sich der von der Papierrolle 
kommende Strang nicht legte (was je nach der Papier¬ 
führung sowohl die obere wie die untere Walze sein 
kann, in Abbildung 6 demnach die obere Walze), mit 
einem Gummimantel zu überziehen. Albert & Co. 


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sind dagegen bis heute bei Eisenwalzen geblieben 
und begründen dies damit, daß die Abwicklung von 
Eisenwalzen unabhängig von der Pressung, mit der 
sie aufeinander laufen, unter allen Umständen richtig 
und genau erfolgen muß, während diesbeiVerwendung 
einer Gummiwalze nicht unbedingt der Fall sein soll. 
Das Einstellen der Gummiwalze bewirken Koenig & 
Bauer durch Keile, während Albert & Co. die 
Pressung durch Federdruck erreichen. 

Der Transport des Papiers durch die Einlaufwalzen 
muß so sicher erfolgen, daß selbst schlecht und un¬ 
rund gewickelte Rollen, mit denen ja stets zu rechnen 
ist, ohne Beeinträchtigung des Schnittes verarbeitet 
werden können. Es hat sich nämlich herausgestellt, 
daß durch das Abwickeln solcher Rollen das Papier 
sehr wechselnden Spannungen ausgesetzt ist und 
daher bei nicht genügender Pressung der Einlauf¬ 
walzen kleine Differenzen in der Länge der Bogen 
leicht Vorkommen können. Zur Verminderung dieser 
Spannungsschwankungen istdeshalb die Einschaltung 
einer selbsttätig wirkenden Reguliervorrichtung (meist 


durch Federwalze erreicht), sehr zu empfehlen K Je 
nach derQualität des zu verarbeitendenPapiers müssen 
auch häufig Dampffeuchtkästen vorgesehen werden, 
während durch Bürsten (feststehend oder rotierend) 
das Abstauben des noch ungefeuchteten Papiers be¬ 
sorgt wird. 

Die bisher besprochenen Verbesserungen und 
Neuerungen an Variablen erstrecken sich in der 
Hauptsache auf das Schneiden des endlosen Papier¬ 
stranges in einzelne Bogen, sowie deren Führung 
durch die Druckwerke. Gleichfalls wichtige Ver¬ 
besserungen haben aber auch die Falz - und Sammel¬ 
vorrichtungen erfahren, deren Besprechung daher 
den Inhalt des nächsten Abschnitts bilden soll. 

1 Ausgleichem Grunde wenden Albert&Co.noch federnde 
Gummirollen an, die den Papierstrang gegen die betreffende 
Einlaufwalze drücken. Ein Zurückziehen des Papiers aus 
den Einlaufwalzen ist jetzt selbst bei den ungünstigsten 
Verhältnissen soviel wie ausgeschlossen. Diese Gummi¬ 
rollen können gewissermaßen als Ersatz für die von 
Koenig & Bauer angewandte Gummiwalze angesehen 
werden. 


Mattfarben-Illustrationsdruck 

Von Druckereileiter OTTO WÜRZBERGER, Leipzig 


™™s E I der Drucklegung illustrierter Werke, 
| ■ besserer Kataloge und wirksamer Reklame- 

§ | j 5 drucksachen erfreut sich die Ausführung 
Sun..m.i in „Matt“ zurzeit großer Beliebtheit. Be¬ 
sonders in der Weihnachtszeit wurde in dieser 
neuen Druckart viel, wenn auch nicht immer 
Gutes geleistet. Den meisten Mattfarbendrucken sah 
man das ängstliche Versuchen an. Einesteils ist dies 
darauf zurückzuführen, daß diese Druckart noch ver¬ 
hältnismäßig jung und nicht genügend bekannt ist. 
Bisher war es nur wenigen Druckern in den größe¬ 
ren Anstalten der Druckzentren vergönnt, sich damit 
vertraut zu machen und auf Grund der gesammelten 
Erfahrungen wirklich Gutes zu leisten. Zum andern 
Teil kommen die mangelhaften Ergebnisse auf Rech¬ 
nung der dabei beteiligten Materialien. 

Obwohl wiederholt, auch an dieser Stelle, darauf 
aufmerksam gemacht wurde, daß für diesen beson¬ 
deren Zweck nur tiefgeätzte, kontrastreiche Kli¬ 
schees mit nicht zu feinem Raster (etwa 60 Linien 
auf den Quadratzentimeter) befriedigende Drucke 
ergeben, also nicht mit jeder beliebigen, für den 
Druck auf glänzendes Kunstdruckpapier vielleicht 
vorzüglich geeigneten Autotypie dasselbe zu erzielen 
ist, sieht man nur zu oft Mattfarbendrucke, bei denen 
diese Hauptbedingung nicht beachtet wurde. Matt¬ 
kunstdruckpapiere erfordern eine außergewöhnlich 
starke Druckspannung, die sich nur auf schweren 
Illustrations-Druckmaschinen erreichen läßt. Mattfar¬ 
ben sind sehr kurz angerieben — denn nur solche 


werden wirklich matt! — und es ist ganz natürlich, 
daß diese beim Druck feinrastriger Klischees in die 
zwischen den Rasterpünktchen befindlichen freien 
Tiefen gepreßt werden. Schon nach einigen Drucken 
ist das Klischee bis zur Unkenntlichkeit zugeschmiert. 
Nun wird die Form ausgewaschen und wieder mit 
dem Drucke begonnen. Das Experiment wiederholt 
sich so oft, bis die Auflage heruntergedruckt ist. Die 
Folge davon ist natürlich eine vollständig ungleich¬ 
mäßige Auflage, bei der, genau genommen, nicht 
zwei Bogen gleich sind. Besonders auffällig ist dies, 
wenn zum Druck eine Doppelton-Mattfarbe Verwen¬ 
dung fand. Auf den Bogen, bei denen die Klischees 
stark zugesetzt sind, entwickelt sich naturgemäß auch 
der Doppelton infolge der reichlicher vorhandenen 
Farbe sehr stark, während er auf den mehr oder we¬ 
niger offenen Drucken verhältnismäßig geringer in 
Erscheinung tritt. Kommt nun in einem, mehrere 
Bogen umfassenden Werke ein solcher der ersten 
Gattung unmittelbar neben einem der letzteren, dann 
hat es den Anschein, als wenn zum Druck zwei ver¬ 
schiedene Farben benutzt worden wären. Allerdings 
ist selbst bei Verwendung gutgeeigneter Klischees 
ein leichtes Zusetzen unter den in Betracht kommen¬ 
den Umständen — schwerer Druck und kurze, ge¬ 
haltreiche Farbe — nicht gänzlich zu vermeiden. 
Darunter leidet aber die Gesamtwirkung nicht, im 
Gegenteil begünstigt geringes Zusetzen der Autoty¬ 
pien die Imitation des Kupferdruckes ganz wesentlich. 
Besonders auffällig ist dies bei einem mit Mattfarbe 


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auf glänzendem Kunstdruckpapier hergestellten 
Werke, bei welchem das Raster fast verschwindet 
und die Weichheit der Bilder die Druckart nicht ohne 
weiteres erkennen läßt. (Vergleiche die Beilage 
von F. E. Haag in Melle in No. 11/12 dieser Zeit¬ 
schrift.) 

Des weiteren lassen vor allen Dingen auch die 
Mattkunstdruckpapiere noch zu wünschen übrig. Im 
Anfang brachte eine deutsche Papierfabrik das so¬ 
genannte „Glanzlose Kunstdruckpapier“ auf den 
Markt, das bisher unerreichte Eigenschaften zur Her¬ 
stellung von Kupferdruckimitation im Wege des Buch¬ 
drucks besitzt. Dieses Papier nimmt sehr reichlich 
Farbe auf, wodurch fast pastöse Tiefen, das Typische 
des Kupferdrucks, erzeugt werden. Außerdem unter¬ 
stützt es durch seine Beschaffenheit die Doppelton¬ 
bildung wirksam. Die chamois Papierfarbe gibt der 
beliebtesten Nuance der Mattfarben, dem Sepiabraun, 
einen angenehmen, warmen Ton, der in höherem 
Maße nur an Originalkupferdrucken beobachtet wer¬ 
den kann. Allerdings neigt dieses Papier ziemlich 
stark zum Stäuben und daher zum Zusetzen des 
Klischees. Läßt dieser Mangel des glanzlosen Kunst- 
druckpapieres sich nicht anders beseitigen, als durch 
Erzeugung gänzlich anders gearteter Papiersorten? 

Die neuerdings von verschiedenen Papierfabriken 
hergestellten Mattkunstdruckpapiere sind allerdings 
frei von dem eben erwähnten Ubelstande, sozusagen 
staubfrei. Infolge ihrer glatten Oberfläche gestatten 
sie aber nur eine verhältnismäßig geringe Farbe¬ 
gebung und lassen die Doppeltonwirkung in den mei¬ 
sten Fällen in ungenügendem Maße zur Entwicklung 
kommen. Die Bilder erscheinen infolge der mangeln¬ 
den Farbe in den Tiefen nicht genügend kontrastreich, 
daher fad und grau. Das tonige Aussehen, was bei 
Verwendung des glanzlosen Kunstdruckpapieres den 
Bildern eine eigenartige künstlerische Wirkung ver¬ 
leiht, fehlt überhaupt, weil der Doppelton fixiert wird, 
also nicht oder nur wenig zur Entwicklung kommt. 
Die Papierfarbe fast aller dieser Mattkunstdruck-Pa- 
pierfabrikate zeigt ein weniger warmes, in vielen Fällen 
sogar ein kaltes Gelb. Fast jede Farbnuance wird 


dadurch ungünstig beeinflußt und wirkt ebenfalls, 
ganz abgesehen von der daraus sich ergebenden Ver¬ 
änderung, hart und kalt. Mattfarbendrucke auf der¬ 
artigen Papieren werden selbst von Laien sofort als 
Buchdruck erkannt und der Zweck, ein edleres Druck¬ 
verfahren damit nachzuahmen, wird auch nicht an¬ 
nähernd erreicht. Wer Gelegenheit hatte, Matt¬ 
drucke auf glanzlosem Kunstdruck und irgendeinem 
neueren dieser Papierfabrikate nebeneinander zu 
sehen, wird die ganz auffälligen Mängel des letzteren 
erkennen. Daß auch Mattkunstdruckkarton fabriziert 
wird, der infolge seiner Weichheit sehr schlecht be¬ 
druckbar ist, soll hier nur nebenbei erwähnt werden. 
Jedenfalls ist die Erzeugung eines in jeder Beziehung 
gut druckfähigen Mattkunstdruckpapieres eine Auf¬ 
gabe für unsre Papierfabriken, deren Lösung in 
Fachkreisen freudig begrüßt werden dürfte. 

Die beteiligten Kreise sollten aber, um etwas wirk¬ 
lich Vollkommnes zu erreichen, auch nur dann Matt¬ 
farbendruck in Erwägung ziehen, wenn alle Vorbe¬ 
dingungen für ein gutes Gelingen gegeben sind und 
ein entsprechend höherer Preis dafür angelegt wird. 
Klischees, Papier und Farbe müssen dem Zwecke 
entsprechend zueinander passen. Dem Drucker muß 
Zeit gelassen werden, eine derartig schwierige Ar¬ 
beit sorgfältig vorzubereiten. Auch die Druckleistung 
ist in Rücksicht darauf, daß die Drucke durchschossen 
und die Druckformen ab und zu ausgewaschen wer¬ 
den müssen, wesentlich niedriger als bei gewöhn¬ 
lichem Illustrationsdruck anzusetzen. Nur wenn alles 
in Betracht kommende Material, insbesondere aber 
das Papier, für Mattfarbendruck gut geeignet ist, kann 
mit ziemlicher Sicherheit auf ein befriedigendes Druck¬ 
ergebnis gerechnet werden! 

Als den Tatsachen vollständig widersprechend muß 
aber der Bericht einer Fachzeitschrift bezeichnet 
werden, wonach der Autotypiedruck durch die Ein¬ 
führung von Mattkunstdruckpapier und Mattfarben 
„sich wesentlich rentabler gestalte“. Es wird — vor¬ 
läufig wenigstens —wenig Druckereien geben, die 
am Mattfarben-Illustrationsdruck auch in dieser Be¬ 
ziehung ihre Freude haben. 


Aus den graphischen Vereinigungen 


Altenburg. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung 
am 10. Februar 1910 sprach Herr C. Kunze über den Satz 
von Tabellen. In der sich anschließenden Aussprache 
wurde manche Frage aus der Praxis aufgeworfen, bei deren 
Beantwortung noch beachtenswerte Fingerzeige gegeben 
wurden. — In der Sitzung am 26. Februar sprach Herr 
F.Ziemke aus Leipzig über das weitverzweigte Gebiet der 
Reklame. In trefflicher Weise schilderte der Vortragende 
das Wesen der Reklame von ihren Anfängen im Altertum 
bis in die allerneueste Zeit. Besonders die Plakatkunst 
wurde einer eingehenden Besprechung unterzogen und 


dabei erwähnt, daß durch das bekannte Berliner Gewerbe- 
ausstellungs-Plakat (1896) des Graphikers Sütterlin die 
deutsche Plakatkunst in neue Wege geleitet wurde. Aber 
auch auf dem Gebiete des Inserats sind zurzeit hervor- 
ragende Künstler tätig, die für Großinserenten die Anzeigen 
in den Tageszeitungen entwerfen. Mit dem Vortrag war 
eine Ausstellung verbunden, die neben künstlerischen Pla¬ 
katen alle Arten Reklamedrucksachen aufwies und in ihrer 
Mannigfaltigkeit den Vortrag aufs beste unterstützte, -o-. 

Berlin. In der Typographischen Gesellschaft sprach in 
der ersten Sitzung des Monat Februar Herr Philipp Wilhelm 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


über ein von ihm erfundenes Verfahren zur Übertragung 
von Zeichnungen auf Blei, Zelluloid, Linoleum und jedes 
andre Material, durch welches das zeitraubende Durch¬ 
pausen oder Durchzeichnen überflüssig gemacht wird. So¬ 
dann gab Herr Georg Erler einen Bericht über die ausge¬ 
stellten diesjährigen Kalender und Neujahrskarten. Er 
machte auf einige Exemplare aufmerksam, bei denen der 
Verfertiger durch einen Sinnspruch, eine Zeichnung oder 
einige Strophen etwas Persönliches zu dem Glückwunsch 
hinzugetan hatte. Herr Georg Wagner führte aus, daß die 
Neujahrskarte doch einen Brief ersetzen solle, darum 
brauche man sich nicht auf die Worte Herzlichen Glück¬ 
wunsch zu beschränken, sondern könne auch einen mehr- 
sagenden Text verwenden, wie dies vereinzelt auch ge¬ 
schehen sei. Da man aber dem Empfänger mit der Karte 
auch eine Freude bereiten wolle, dürfe diese keinen dü¬ 
steren Eindruck machen, wie dies bei den auf dunkeln 
Papieren hergestellten Karten der Fall sei. Vom typo¬ 
graphischen und Zweckmäßigkeitsstandpunkte aus beleuch¬ 
tete Herr Kremkow die Kalender und Karten. Bei den 
ersteren wurde öfter der Zweck, daß der Kalender einer be¬ 
stimmten Firma zur Empfehlung dienen solle, ganz aus dem 
Auge gelassen, bei manchen Karten wurde durch entbehr¬ 
lichen Zierat der harmonische Eindruck gestört. Bei der 
Besprechung der neuen Schriftgießerei-Erzeugnisse kam 
die Meinung zum Ausdruck, daß Schriftcharaktere undVi- 
gnetten mit einer Zeichnung, die nur für bestimmte Zwecke 
geeignet seien, für den Buchdrucker nicht praktisch wären, 
weil sie nur eine beschränkte Verwendung zulassen. — Die 
folgende Sitzung fand im großen Saale des Papierhauses 
statt. Hier sprach Herr Max Fiedler aus Leipzig auf Ver¬ 
anlassung des Deutschen Buchgewerbevereins an der Hand 
einer Anzahl gut gewählter Lichtbilder über Satz und Aus¬ 
stattung von Anzeigen in den Tagesblättern. Er zeigte an 
Beispielen und Gegenbeispielen, daß man wirkungsvolle, 
modernen Anforderungen entsprechende Inserate selbst 
mit älterem Schriftmaterial herstellen kann, wenn es ein¬ 
heitlich gewählt und der Grundsatz befolgt wird, daß wenig 
Text in einem reichlich bemessenen freien Raum stehen 
soll. Durch eine Sammlung gut ausgeführter Anzeigen, die 
der Zeitungsverleger seinen Inserenten vorlegt, könne 
dieser zur Besserung des Geschmacks im Anzeigenwesen 
viel beitragen. Ein Fortschritt in der Ausstattung sei nur 
bei den großen, den ganz- und halbseitigen Anzeigen fest¬ 
zustellen, und hier sei der Einfluß der Künstler auf das 
Satzarrangement unverkennbar und habe befruchtend ge¬ 
wirkt. Ein übler Brauch sei es, daß vielfach das abgenutzte 
Akzidenzmaterial der Druckerei später in die Zeitungsab¬ 
teilung gegeben werde. Das knappe Quantum der einzelnen 
Schriften nötige dann den Setzer zur Verwendung verschie¬ 
dener Schriftcharaktere nebeneinander und zu den be¬ 
kannten Geschmacklosigkeiten. Der Vortragende schloß 
mit dem Wunsche, daß die Fachzeitschriften und Fachver¬ 
einigungen dem Anzeigenwesen eine größere Aufmerksam¬ 
keit zuwenden möchten als bisher, damit die Presse auch 
äußerlich in einem unsrer Zeit entsprechenden Gewände 
erscheine. B. 

Breslau. Inder Hauptversammlung der Typographischen 
Gesellschaft am 2. Februar 1910 erstattete der Vorsitzende 
den Jahresbericht, aus dem zu entnehmen ist, daß die Ge¬ 
sellschaft im Berichtsjahre eine rege Tätigkeit entfaltet hat. 
Die Kasse weist eine Gesamteinnabme von M 1332.25 auf, 


zurzeit beträgt der Kassenbestand M 404.70. Das Ergebnis 
der Vorstandswahl ist folgendes: Karl Winkler, 1. Vor¬ 
sitzender; Karl Neugebauer, 2. Vorsitzender; Paul Danigel, 
Kassierer; Robert Gedalje, Schriftführer; Georg Walter, 
Paul Reitzig, Fritz Klippel, Bibliothekare; Gustav Schneider, 
Beisitzer. In die technische Kommission wurden gewählt 
die Herren: Buntze, Hendel, Metzler, Maslankowsky, 
Schönian, Schode, Zantke. Der Kreisvorstand des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften be¬ 
steht aus den Herren: C. Schmidt, Vorsitzender; Danigel, 
Kassierer; Neugebauer, Sammlungsleiter. — In der nächst¬ 
folgenden Sitzung wurde der Arbeitsplan des Vorstandes 
bekannt gegeben. Ferner berichtete Herr Schmidt über 
die dreifarbige Neujahrskarte und den Kolbergerlnseraten- 
Wettbewerb. Die letztere Rundsendung hat zwar durch den 
Versand sehr gelitten, doch läßt sich noch feststellen, daß 
viel Mühe und Arbeit bei ihrer Zusammenstellung auf¬ 
gewendet worden sind. Die Anfrage des Herrn Danigel, ob 
Kursiv im mathematischen Satz gesperrt werden darf, 
wurde dahin beantwortet, daß Kursiv im glatten Satz nicht 
zu sperren ist, sondern nur bei Gleichungen. Die Formel 
cbm darf nicht gesperrt werden. G-e. 

Chemnitz. Am 1 l.Januar 1910 wurde im Typographischen 
Klub das Ergebnis der beiden Wettbewerbe: Stiftungsfest¬ 
karte und Neujahrskarte bekannt gegeben. Die Bewertung 
hatte die Graphische Vereinigung in Altenburg übernom¬ 
men. Preisträger der Stiftungsfestkarte waren: A.Tbomas, 
R. Wagner, V. Löffler und A. Krauß; der Neujahrskarte: 
A. Krauß, V. Löffler und A. Thomas. — Am 2. Februar 
sprach Herr Geil über: Die Entwicklung der Buchstaben¬ 
schrift (vom römischen Zeitalter bis zur Gegenwart). Er 
schilderte die Entstehung der Schrift, ihre Überlieferungen 
und Anlehnungen, sowie die Entwicklung bis zur Jetztzeit, 
an der Hand eines reichen Anschauungsstoffes. — Am 
8. Februar wurden die Neujahrsdrucksachen besprochen. 
Allgemein konnte festgestellt werden, daß ein Fortschritt 
zu verzeichnen ist. Erfreulich ist es, daß man immer mehr 
hellere Papiere bevorzugt; denn die zweckmäßige Wahl 
des Papiers wie auch eine gut lesbare und dekorativ wir¬ 
kende Type ist maßgebend. — In der Generalversammlung 
am 15.Februar erstattete derVorsitzende den Jahresbericht. 
Die Kasse hatte eine Einnahme von M 283.14 und eine Aus¬ 
gabe von M 236.93. Der Vorstand sowie die technische 
Kommission setzt sich für das kommende Jahr wie folgt 
zusammen: A.Thomas, 1. Vorsitzender; A. Krauß, 2. Vor¬ 
sitzender; M. Moreth, Kassierer; A. Gottlöber, Schrift¬ 
führer; O. Drechsler, Bibliothekar; R. Wagner und R. Küh¬ 
ner, Beisitzer. Sodann wurde die Leipziger Rundsendung: 
Skizzierarbeiten von Fortgeschrittenen besprochen.— Am 
26. Februar wurde das Stiftungsfest in Gestalteines Herren¬ 
abends abgehalten. gr. 

Frankfurt a. M. Die Typographische Gesellschaft ver¬ 
anstaltete am 10. Februar einen humoristischen Zwiebel- 
fisch-Abend. — Am 24. Februar besprach Herr Sprathoff 
die Ferrotypen, Bui-Lettern und Elektro-Nickelmetall- 
Typen. — Am 27. Februar fand eine Ausstellung von Schüler- 
Arbeiten der Königlichen Akademie für graphische Künste 
und Buchgewerbe in Leipzig statt. Die Arbeiten, welche 
einen eigenen Zug haben und Zeugnis ablegen von einer 
hervorragenden Verarbeitung des Stoffes, boten auch für 
die Praxis viele gute Anregungen. — Der am 3. März von 
Herrn Max Fiedler vom Buchgewerbeverein zu Leipzig 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


gehaltene Vortrag mit Lichtbildern über Satz und Aus¬ 
stattung von Inseraten in den Tageszeitungen fand großen 
Beifall und zeitigte einen regen Meinungsaustausch, -ß-. 

Gera. In der Sitzung der Typographischen Vereinigung 
am 8. und 22. Januar 1910 lagen Rundsendungen auf, ferner 
hielten Vorträge: am 22. Januar Herr Trautmann über: Aus¬ 
schließen, am 5. Februar Herr Hemmann über: Werksatz, 
am 19. Februar Herr Krebs, Leipzig, über: Unsre Auf¬ 
gaben. -ch. 

Halle a. S. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung 
am 15. Februar 1910 war eine Rundsendung von Dresdner 
Schülerarbeiten ausgestellt. Im allgemeinen wurde den 
Arbeiten Lob gezollt; in dem Bericht der Leipziger Typo¬ 
graphischen Vereinigung war bemängelt, daß die Schrift 
nicht mehr geschrieben, sondern mit dem Quellstift ge¬ 
zeichnet werden möchte. Hierauf hielt Herr Damm einen 
Vortrag über die Gabelsberger Stenographie, an den sich 
ein lebhafter Meinungsaustausch anschloß. — Am 27. 
Februar veranstaltete die Graphische Vereinigung eine 
Zusammenkunft der Lehrlinge, wobei Herr Löschke einen 
Vortrag über die Erfindung der Buchdruckerkunst hielt 
und beschlossen wurde, alle Lehrlinge vierteljährlich durch 
solche Vorträge zusammenzuhalten, die im dritten und 
vierten Lehrjahre stehenden aber durch wöchentliche ein- 
bis zweistündige Skizzierkurse und technische Vorträge 
weiter auszubilden. In der Sitzung am 1. März hielt Herr 
Pschera , Leipzig, einen Vortrag über Satz und Papierformat. 
Er führte aus, was unter Format verstanden werde, und 
brachte seine Ausführungen durch Darstellungen an der 
Tafel zum bessern Verständnis. Des weiteren streifte er 
im Gegensatz zu früher die jetzt einheitlichen Papier¬ 
formate. L. S. 

Hamburg. Die in der Typographischen Gesellschaft aus¬ 
gestellte Rundsendung: Schülerarbeiten der Königlichen 
Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in 
Leipzig wurde besprochen. Sie zeigte eine solche Fülle 
künstlerischer Ausführungen, wie sie in Hamburg noch 
nicht gesehen worden ist. Vom Verband der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften waren außerdem noch zwei 
weitere Rundsendungen zur Verfügung gestellt: ein Wett¬ 
bewerb der Mannheimer Typographischen Gesellschaft für 
eine Festkarte und Entwürfe zu einer Festschrift der Typo¬ 
graphischen Vereinigung Leipzig. Der der letzten Rund¬ 
sendung beiliegende, im Druck ausgeführte, und mit dem 
I. Preise bedachte Entwurf fand allseitige Anerkennung. — 
Am 13. Februar fand eine Besichtigung der Linotype Junior 
im Hamburger Geschäftshause der Mergenthaler Setz¬ 
maschinenfabrik statt. — Am 16. Februar kamen im Mei¬ 
nungsaustausch: Die Verteilung des Raumes im modernen 
Gruppensatz, Die Anwendung der Initiale, und Die Anord¬ 
nung von Klischees im glatten Text zur Besprechung. — 
Am 23.Februar hieltHerrProfessor^/cÄardMejyer, Direktor 
der staatlichen Kunstgewerbeschule, einen Vortrag über: 
Die praktische Arbeit zur Bildung des Geschmacks und 
der kunstgewerblichen Erziehung. rs. 

Hannover. In der Sitzung der Typographischen Ver¬ 
einigung am 4. Februar 1910 war eine Sammlung von 
Künstler-Holzschnitten des Kunstmalers A. Heitmüller- 
Gümmer ausgestellt. Herr W. Stucken, welcher den Be¬ 
richt übernommen hatte, wies auf die große Einfachheit 
in der Malweise des Künstlers hin, die in dem Hervortreten 
farbiger Flächen in der Zeichnung besteht, ein Umstand, 


der der Reproduktion der Werke des Künstlers im Holz¬ 
schnitt zum großen Vorteil gereicht. Hierdurch sei es 
möglich, die Werke originaltreu wiederzugeben. Die pri¬ 
mitive Technik, mit welcher vom Künstler sowohl die 
Schnitte wie auch die Drucke hergestellt werden, fand all¬ 
gemeine Bewunderung, ebenso die ausgestellten Kunst¬ 
blätter, welche in ihren kräftigen und leuchtenden Farben 
einen eigenartig freundlichen Eindruck machten. Auch 
einige Druckstöcke (Holzschnitte) des Künstlers waren zur 
Verfügung gestellt worden.—In der Sitzung am 16. Februar 
lag eine Rundsendung vom Verband der Deutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften zur Ansicht und Besprechung 
aus, ferner wurden die von der Magdeburger Graphischen 
Gesellschaft zur Beurteilung eingesandten Zirkularmappen- 
Entwürfe besprochen. -ei-. 

Karlsruhe. In der ordentlichen Hauptversammlung der 
Typographischen Vereinigung am 26. Februar 1910 erstattete 
der Vorsitzende den Jahresbericht. Die Kassenverhältn isse 
sind als günstig zu bezeichnen, da der Kassenbestand am 
1. Januar 1910 M 305.60 betrug. Die Vorstandswahl hatte 
folgendes Ergebnis: W. Hohmann, 1. Vorsitzender; Felix 
Kirsten, 2. Vorsitzender; Weilmünster, Kassierer; Schüler, 
Schriftführer; Schützte, Bibliothekar. In die technische 
Kommission wurden gewählt die Herren: Raubold, Zimmer¬ 
mann, König und Weghaus. — Am 5. März sprach Herr 
Max Fiedler vom Deutschen Buchgewerbeverein in Leipzig 
über: Satz und Ausstattung von Anzeigen in den Tages¬ 
blättern. Die Ausführungen wurden durch Lichtbilder er¬ 
läutert, die wesentlich zum besseren Verständnis beitrugen. 
— In der Sitzung am 9. März war die Rundsendung: Schüler¬ 
arbeiten der Königlichen Akademie für graphische Künste 
und Buchgewerbe in Leipzig ausgestellt. An Hand des bei¬ 
gegebenen Berichtes besprach der Vorsitzende die Arbeiten, 
die ein künstlerisches Gepräge zeigen und eine grundsätz¬ 
lich durchgebildete Anleitung des Lehrers verraten, -sch. 

Kiel. Die Typographische Gesellschaft vollendete Anfang 
dieses Jahres ihr erstes Geschäftsjahr. Durch rege Arbeit 
ist es ihr gelungen, eine eifrige Anteilnahme an ihren Be¬ 
strebungen bei Arbeitgebern und Gehilfen zu wecken. Im 
abgelaufenen Jahre fand eine Ausstellung moderner Druck¬ 
sachen in der Aula der Städtischen Handwerkerschule statt, 
die hauptsächlich vom Deutschen Buchgewerbeverein, so¬ 
wie von den namhaftesten Schriftgießereien, Maschinen¬ 
fabriken und Kunstanstalten beschickt war. — Am 15. Fe¬ 
bruar führte die Firma Thadey & Fritzsche hierselbst ein 
Diktophon vor. Der dem Grammophon ähnliche Apparat 
gibt auf eine Walze Gesprochenes wieder, so daß der Setzer 
mittels Hörer das Gespräch aufnehmen und sogleich setzen 
kann. An Hand eines Setzkastens, der bei der Vorführung 
zugegen war, wurde der Apparat praktisch erprobt und der 
neuen Erfindung Edisons allgemeine Anerkennung gezollt. 
Ob derselbe auch bei der Setzmaschine die gleichen Er¬ 
gebnisse zeitigen wird, wo der Setzer nebenbei auch auf 
die Geräusche der Maschine zu achten hat, muß ein Ver¬ 
such lehren. — Am 23. Februar hielt Herr Max Fiedler vom 
Deutschen Buchgewerbeverein einen durch Lichtbilder 
erläuterten lehrreichen Vortrag in der Aula der Städtischen 
Handwerkerschule über: Satz und Ausstattung von Anzei¬ 
gen in den Tagesblättern, zu dem außer den hiesigen Buch¬ 
druckern eine Reihe von Lehrern der Handwerkerschule, 
sowie mehrere Mitglieder des Dürerbundes erschienen 
waren. Der Vortragende bewies durch Gegenüberstellen 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von schlecht und gut gesetzten Anzeigen, daß auch mit 
älterem Material sich Mustergültiges setzen lasse. In 
scharfen Worten wandte sich der Redner gegen die viel 
verbreitete Art, Fraktur und Antiqua ohne ersichtlichen 
Grund in einer Anzeige zu mischen; besonders bei Familien¬ 
anzeigen ist es oft anzutreffen, daß der Text aus Fraktur, 
die Namen aber aus Antiqua gesetzt sind. Dieser Hinweis 
hatte den Erfolg, daß am nächsten Tage in einer größeren 
hiesigen Zeitung sämtliche Todesanzeigen einheitlich aus 
Fraktur gesetzt waren. Diese Ausführungsart machte gegen¬ 
über der früheren entschieden einen besseren Eindruck, -h. 

Leipzig. In der Sitzung der Typographischen Gesellschaft 
am 9. Februar 1910 wurden einige neu erschienene Fach¬ 
werkebesprochen. Das Typographische Taschenwörterbuch 
von Niel sei allen strebsamen Fachgenossen zu empfehlen, 
ebenso biete das Heilmeyersche Handbuch Vom Satz viel 
des Guten. Das Bauersche Handbuch Vom Druck sei in¬ 
haltlich eine sehr beachtenswerte Arbeit. Die Kapitel über 
die Entstehung einer Illustration, Ausschießen der Druck¬ 
formen, die Zurichteverfahren und das Prägen könnten je¬ 
doch eingehender behandelt sein. Die gewählte Ausstattung 
des Buches wurde nicht nur vom Berichterstatter, sondern 
auch im Meinungsaustausch bemängelt. Ein Lehrbuch für 
Buchdrucker sollte in der Ausstattung einwandfrei und 
mustergültig sein, was jedoch von diesem Werke nicht ge¬ 
sagt werden könne, denn das Format ist unschön, der Druck 
von Setzmaschinensatz und der der Klischees sehr minder¬ 
wertig. Von den im Buch gegebenen Ratschlägen und Win¬ 
ken scheint der Drucker keine gelesen zu haben. Der ob 
seines guten Geschmackes bekannte Verfasser hat auf die 
technische Herstellung jedenfalls zu wenig Einfluß gehabt. 
Ganz anders ausgestattet sei das Werk Unger, Vom Druck, 
das einen Gelehrten zum Verfasser hat und den Stoff mehr 
wissenschaftlich behandelt. Dem Fachlehrer biete das 
Baumannsche Werk: Zeichenunterricht in Buchdrucker¬ 
fachschulen zweckdienliche Hinweise aus der Praxis und 
in den Beilagen viel gutgewählte, brauchbare Beispiele. — 
Am Sonntag, den 13. Februar wurde das Kaiserliche Fern¬ 
sprechamt besichtigt. — Am 20. Februar fand eine Ausstel¬ 
lung von 710 Inseratentwürfen aus einem Preisausschreiben 
der Firma Rackow-Schmidts Unterrichtsanstalten statt. In 
dem kurzen erklärenden Bericht des Herrn Schwarz wurde 
als Zweck des Preisausschreibens die Erlangung von Ent¬ 
würfen zu einem künstlerischen wirkungsvollen Inserat¬ 
klischee in Schwarzweiß genannt. Die Druckfähigkeit dieser 
Inseratklischees darf durch nichts beeinträchtigt werden. 
Zu den Preisen sei zu bemerken, daß Fachleute wohl anders 
geurteilt und nicht nur künstlerische Gesichtspunkte in den 
Vordergrund gestellt hätten. Das geschriebene Inserat 
werde für sehr zweckentsprechend gehalten und sehr oft 
von dem Großinserenten bevorzugt. Von den ausgestell¬ 
ten Entwürfen seien viele als Motive für gute Akzidenz¬ 
arbeiten, Rechnungs- und Briefköpfe usw. zu bezeichnen. 
Das Inseratwort Rackow wirke ohne erläuternden Text nur 
als ein Rätsel. 

Magdeburg. In der Sitzung der Graphischen Gesellschaft 
am 21. Februar 1910 sprach Herr M . Fiedler vom Deutschen 
Buchgewerbeverein in Leipzig über: Satz und Ausstattung 
von Anzeigen in den Tagesblättern. Der Vortrag war durch 
Lichtbilder erläutert. — In der Sitzung am 28. Februar war 
eine Ausstellung Stettiner Plakate, gedruckt von Linoleum¬ 
schnitten, aufgemacht. An Hand des der Sendung bei¬ 


gefügten Berichtes gab Herr Helmberger seine Erfahrungen 
im Linoleumschnitt zum besten. Die ausgelegten Arbeiten 
erregten in bezug auf den genauen Schnitt allgemeines In¬ 
teresse; Anordnung und Schrift ließen jedoch teilweise die 
jetzt herrschende moderne Gruppierung vermissen. In 
dem Meinungsaustausch wurde erwähnt, daß komplizierte 
Plakate, wie sich solche unter den Arbeiten befanden, doch 
rationeller und auch billiger in Steindruck hergestellt 
würden. A. J. 

MUnchen. In der Hauptversammlung der Typographi¬ 
schen Gesellschaft am 16. Februar entrollte sich ein getreues 
Bild von dem emsigen Schaffen im verflossenen Viertel¬ 
jahre. Die Mitgliederzahl hat das vierte Hundert über¬ 
stiegen, auch der Kassenbestand ist als ein recht befriedi¬ 
gender zu bezeichnen. Der Vorstand setzt sich aus folgen¬ 
den Herren zusammen: Friedrich Sommer, 1.Vorsitzender; 
Hans Welsch, 2. Vorsitzender; Heinrich Koth, Kassierer; 
Karl Siegl, Josef Liedl, Schriftführer; Gustav Händler, 
Rupert Weiß, Bibliothekare; Adolf Wolfmüller, Eduard 
Bühler, Revisoren; Karl Hübel, Fritz Weber, Beisitzer. Für 
den Kreis München im Verband der Deutschen Typographi¬ 
schen Gesellschaften wurde der bisherige Kreisvorsitzende 
Herr Paul Gunkel wiedergewählt. — Am 7. März sprach 
Herr Max Fiedler vom Deutschen Buchgewerbeverein im 
großen Lehrsaale der städtischen Gewerbeschule (Buch¬ 
drucker-Fachschule) über: Geschichte und Technik des 
Holzschnittes. Der Vortragende wußte seine Ausführungen 
recht leichtverständlich abzufassen und auch mit klarer 
Betonung wiederzugeben. Fs. 

Nürnberg. In der letzten Sitzung der Typographischen 
Gesellschaft berichtete Herr Fleischmann über: Unser Neu¬ 
jahrskartenwettbewerb. In dem sich anschließenden Mei¬ 
nungsaustausch wurde den verschiedenstenGedanken Aus¬ 
druck verliehen. Für diesen Wettbewerb waren 29 Entwürfe 
eingegangen. Als Preisträger gingen hervor die Herren: 
Keish mit dem ersten, Wiedemann mit dem zweiten und 
Sitzmann mit dem dritten Preise. Die aufliegenden Karten 
der auswärtigen Vereinigungen wurden mit Interesse be¬ 
sichtigt und in der Besprechung insbesondere einige Ar¬ 
beiten, dieohne Zuhilfenahme vonTönen ausgeführt worden 
waren und vorzüglich wirkten, lobend erwähnt. Ein guter 
Fortschritt war bei allen Arbeiten zu erkennen. — Am 
9. März sprach im Hörsaale der Bayerischen Landesgewerbe¬ 
anstalt Herr Max Fiedler vom Deutschen Buchgewerbe¬ 
verein, Leipzig, vor reichlich 400 Personen über: Satz und 
Ausstattung von Inseraten in den Tagesblättern. An Hand 
zahlreicher Lichtbilder zeigte der Redner die schlechten 
Inserate, stellte diesen bessere Ausführungen gegenüber 
und erfreute zuletzt durch Vorführung einer Reihe moder¬ 
ner, mustergültiger Anzeigen. -m-. 

Stuttgart. In der Sitzung des Graphischen Klubs vom 
13. Februar 1910 hielt Herr Gewinner einen Vortrag über 
die Grundregeln des mathematischen Satzes und des Satzes 
chemischer Formeln. Der Redner zeigte an verschiedenen 
Beispielen die richtige und falsche Ausführung des mathe¬ 
matischen und Formelsatzes, ganz besonders wies er auf 
die richtige Trennung der Formeln hin. In dieser Sitzung 
war der Hamburger Inseratenwettbewerb ausgestellt, ferner 
eine große Anzahl Nummern der Tageszeitung La Prensa 
aus Lima. Die auf der Rotationsmaschine hergestellte Zei¬ 
tung sehr großen Formates hat farbig illustrierte Titelseiten. 
— Am 13. März sprach Herr PaulBeyerling über:Technisch- 


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PRINCETON UNIVERSUM 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


sprachliche Streiflichter. Der Vortragende behandelte eine 
Anzahl besonders häufig vorkommender Fehler, falsche 
Abkürzungen, Schreibung von Straßennamen, strittige Fälle 
über die Anwendung des dritten oder vierten Falles. In 
dem Meinungsaustausch wurde empfohlen, schwierigere 
Manuskripte erst dem Korrektor zur Durchsicht zu geben, 
ehe solche an den Setzer gehen. Ausgestellt waren: 50 
Tafeln nach Aufnahmen in natürlichen Farben aus: Der 
Schwarzwald in Farbenphotographie und 42 Tafeln aus: 
Die Welt in Farben. Mit der Druckausführung der letzteren 
waren verschiedene anwesende Maschinenmeister nicht 
zufrieden. -ch. 

Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
26. Februar 1910 waren die Entwürfe eines von der Städti¬ 
schen Handwerkerschule veranstalteten Wettbewerbes zur 
Erlangung einer Anerkennungsurkunde der Gewerbe¬ 
kammer ausgestellt. Über das Ergebnis berichtete Herr 
Lehrer Schorisch. Ausgestellt war ferner Rundsendung 54 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften: Sammlung von Inseraten. Unter den sonstigen 
Eingängen beanspruchten die Geschäftspapiere des Ver¬ 
bandes, welche aus einem Preisausschreiben hervorgegan¬ 
gen sind, besonderes Interesse, weil der Träger des I. Preises 


ein Mitglied unsrer Vereinigung war. Herr LehrerSchorisch 
führte an diesem Abend zum Kapitel: Stillehre noch eine 
Reihe Lichtbilder aus dem Gebiete der Architektur und 
Bildhauerkunst vor. — In der Sitzung am 11. März sprach 
Herr Max Fiedler vom Deutschen Buchgewerbeverein in 
Leipzig über: Satz und Ausstattung von Anzeigen in den 
Tagesblättern, über den schon an andrer Stelle ausführlich 
berichtet ist. -dl-. 

Zürich. Der Typographische Klub besichtigte am 30. Ja¬ 
nuar 1910 die Kupferdruckerei Gebr. Feyl in Zürich. — Am 
5. März wurde die ordentliche Generalversammlung abge¬ 
halten, in der der Vorsitzende den Jahresbericht erstattete. 
Die Kasse hatte eine Gesamteinnahme von Fr. 1066.95, der 
eine Ausgabe von Fr. 916.61 gegenübersteht; das Gesamt¬ 
vermögen des Klubs beträgt Fr. 615.53. Der Vorstand setzt 
sich aus folgenden Herren zusammen: Otto Bleuler, Vor¬ 
sitzender; A. Schweizer, Schriftführer; G. Baltenberger, 
Kassierer; Breuning und Hübscher, Bibliothekare. In der¬ 
selben Sitzunggelangte die 22. Wanderausstellung der Klub- 
zentrale, enthaltend die Entwürfe des Venus -Wettbewerbes, 
der Generalversammlungs-Festkarte und der Einladungs¬ 
karte der Gewerbemuseen Zürich und Winterthur zur Aus¬ 
stellung, über welche Herr Joh. Kohlmann berichtete. M. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


H Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik 
für dasjahrl909. Herausgegeben von J. M. Eder. 23. Jahr¬ 
gang, Halle a. S. Verlag von W. Knapp. Preis geheftet M8.— 
Zu denjenigen Erscheinungen unsrer Fachliteratur, die 
sich längst den ihnen gebührenden Platz in der Bibliothek 
jedes vorwärts strebenden Fachgenossen gewonnen haben, 
gehört in erster Linie das Edersche Jahrbuch. Die jetzt er¬ 
schienenen 23 Bände bilden solch eine Fundgrube konzen¬ 
trierten Wissens, daß man beim Durchblättern derselben 
immer und immer bereuen muß, daß der Herausgeber kein 
Generalregister zu den bereits erschienenen Bänden an¬ 
fertigen läßt. Besonders im zweiten Telle des Jahrbuches, 
in dem alle Fortschritte des letzten Jahres zusammengestellt 
sind, liegt bekanntlich der Hauptwert des Buches. Die 
Artikel des ersten Teiles sind dagegen meistens Autorefe¬ 
rate über anderweitig erschienene Arbeiten. Die Zahl der 
Beilagen ist in diesemjahreganz bedeutend zurückgegangen, 
was aber durchaus nicht zum Nachteile des Buches dient. 
Einzelne der Schwarz- und Duplexautotypien könnten auch 
jetzt noch ohne Schaden für den Wert des Buches weg¬ 
fallen. Gerade in diesem Jahrbuch, das in weitere Schichten 
des Volkes dringt, als andere Fachpublikationen, müßte 
man nur Musterbeispiele der modernen Reproduktions¬ 
technik zeigen. Eine kurze Beschreibung der einzelnen 
Blätter und ihrer Herstellungsweise wäre auch sicher am 
Platze. Gg. 

KlimschsJahrbuch 1910. BandX. Frankfurt a.M. 1909. 
Verlag von Klimsch&Co. Preis gebunden M 6.—. Das Jahr¬ 
buch ist ein gern erwarteter guter Bekannter, um so mehr, 
als man von ihm all die Jahre hindurch gewöhnt ist, daß 
es in einer gediegenen künstlerischen Aufmachung sowohl 
inhaltlich, als auch äußerlich erscheint. Auch den dies¬ 
jährigen Band, der unter der Leitung des bekannten Buch¬ 
künstlers F. H. Ehmcke ausgeführt wurde, wird der Fach¬ 
genosse mit Interesse durchblättern, ihn jedoch nicht recht 


befriedigt aus der Hand legen. Die als Textschrift ge¬ 
wählte Ehmcke-Antiqua ist als Buchschrift durchaus un¬ 
geeignet. An und für sich eine schöne Type wirkt sie im 
Akzidenzsatz gewiß ausgezeichnet, als Buchschrift aber ist 
sie zu zart im Schnitt, sie ermüdet infolgedessen die Augen 
beim Lesen schon nach kurzer Zeit. Dies tritt besonders 
in die Erscheinung, wenn man sie bei künstlichem Lichte 
liest. Kommt nun weiter dazu, daß das Werk, wie in diesem 
Falle, auf ein gut satiniertes Papier gedruckt ist, von 
welchem man abends an und für sich schlecht lesen kann, 
so ist die Ehmcke-Antiqua das reine Augenpulver. So etwas 
sollte man den Fachgenossen, von denen die wenigsten 
tagsüber Zeit zur Lektüre haben, nicht zumuten. Die von 
Herrn Ehmcke im Satz angewandte Neuerung,sämtlicheAus- 
gänge in die Mitte auszuschließen, dürfte wohl allenthalben 
auf berechtigten Widerstand stoßen. Man könnte sich diese 
Ausführungsart, die übrigens oft wunderliche allein¬ 
stehende Wortgruppen, die gleichsam wie Überschriften 
wirken, hervorbringt, gefallen lassen, wenn das Bild der 
Buchseite dadurch an Ruhe undSchönheit gewonnen hätte. 
Das muß jedoch entschieden verneint werden. Derartige 
heikle Kunststückchen ist man von dem ernsten Jahrbuch 
nicht gewöhnt und wenn nicht sein Inhalt, wie in andern 
Jahren, auch diesmal eine gediegene fachliche Lektüre böte, 
würde man das Buch etwas enttäuscht aus der Hand legen. 
In 15 Aufsätzen finden wir eine Menge fachtechnischen 
Stoffes verarbeitet, von denen die Abhandlungen Friedrich 
Bauers über die Grundlagen des Akzidenzsatzes den An¬ 
fang bilden. Farbe und Qualität des Papiers, Festlegung 
der Formate, Wahl des Schriftcharakters, Anordnung des 
Textes, dies alles schildert Bauer trefflich an der Hand 
zahlreicher Beispiele und Gegenbeispiele. Nicht minder 
interessant für Setzer sind die Abhandlungen über die 
„Verwendung der Metallschriften in den großen Graden“ 
und „Einheitliche Linienbildstärken“. Für den Drucker 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bringt das Jahrbuch zwei instruktive Aufsätze über „Der 
moderne Mattkunstdruck“ und „Der heutige Stand des 
deutschen Buchdruck - Schnellpressenbaues und seine 
neuesten Produkte“. Besonders der letztere Aufsatz ist 
eine fleißige, sehr reich illustrierte Arbeit. Wir finden 
weiter wertvolle Abhandlungen für den Lithographen,Stein¬ 
drucker, Photographen, Chemigraphen, Lichtdrucker, kurz 
für alle ist etwas in dem Buche zum Studium vorgesehen 
und diesem fachtechnischen Teil schließt sich, wie alljähr¬ 
lich, die Registrierung der Literatur, eine Chronik und die 
Patentliste an. Eine stattliche Anzahl bestens ausgeführter 
Beilagen erhöhen den Wert des interessanten und lehr¬ 
reichen Jahrbuches, dessen Anschaffung, trotz seiner etwas 
verfehlten Satzausstattung jedem Buchgewerbler ange¬ 
legentlichst empfohlen werden kann. F. 

W Die Ecole municipale Estienne in Paris , die städtische 
Fachschule für das graphische Gewerbe der französischen 
Hauptstadt, gibt in einer Mappe eine Zusammenstellung 
von Schülerarbeiten, die als Proben des sich auf vier Jahre 
ausdehnenden Unterrichts anzusehen sind. Der Direktor 
der Anstalt, Herr H. Fontaine weist in einem Geleitwort zu¬ 
nächst darauf bin, daß die Ecole Estienne nicht mit den be¬ 
stehenden deutschen, österreichischen oder englischen 
Lehranstalten oder Lehrwerkstätten verglichen werden 
darf, da ihre ganze Verfassung eine wesentlich andre sei, 
als die der erwähnten Anstalten. Während die Fachschulen 
im allgemeinen die Lehre ergänzen, also Fortbildungs¬ 
schulen sind, ersetzt die Pariser Schule die Lehre voll¬ 
ständig. Der Schüler tritt mit dem 13. Lebensjahre in die 
Anstalt ein,um dann nach vollendetem 17. Lebensjahre diese 
als junger Gehilfe zu verlassen. Die Werkstätten der Anstalt 
sind dementsprechend eingerichtet und der ganze vierjäh¬ 
rige Unterrichtsgang auf diese Form der Ausbildung zuge¬ 
schnitten. Die Schule ist also in gewissem Sinne ein Inter¬ 
nat, das die Schüler lediglich zum Zwecke der Nachtruhe, 
die sie im Elternhause haben, verlassen. Herr Fontaine 
weist auf diese Tatsache besonders hin, damit die in der 
Mappe vorkommenden Arbeiten unter Berücksichtigung 
dieses Umstandes betrachtet und bewertet werden, wodurch 
dann auch der oft irrigerweise gezogene Vergleich mit den 
aus ganz andrer Unterrichtserteilung hervorgegangenen 
ausländischen Arbeiten unterbleibt. Die Arbeiten selbst 
sind Proben aus den Kursen für Satz und Druck, Holz¬ 
schnitt, Chromolithographie, Lichtdruck, Chemigraphie, 
Kupferdruck und dem Zeichenunterricht. Die verhältnis¬ 
mäßig kleine Anzahl der Blätter kennzeichnet sie bereits 
als Stichproben der einzelnen Unterrichtsgebiete und der 
in ihnen gelehrten Techniken und Verfahren. Die Blätter 
dürfen als sehr erfreuliche Unterrichts-Endergebnisse be¬ 
trachtet werden, die erkennen lassen, daß eine gründliche 
Unterweisung einer Zielüberschreitung vorgezogen wird. 
Was das Gebiet des Satzes im besonderen angeht, so ver¬ 
mag sich der französische Buchdrucker nur sehr schwer 


von der althergebrachten, lockeren, auf die Merkantillitho¬ 
graphie zurückführenden Satzanordnung loszumachen. In 
den Satzbeiträgen zur Mappe sind aber immerhin gute An¬ 
sätze zu geschlossener und markiger Satzbildung gemacht 
worden. Am vollkommensten zeigen sich die im Tiefdruck- 
verfahren hergestellten Blätter, die auch den guten künst¬ 
lerischen Einfluß der Schule auf den Geschmack der 
Schüler zeigen. S. 

W Deutscher Camera-Almanach herausgegeben von Otto 
Ewel. Sechster Band. Berlin 1910. Verlag von Gustav 
Schmidt (vorm. R. Oppenheim). Preis in Büttenumschlag 
M 4.— , in Leinwand M 5.—. Neben 128 Reproduktionen 
von ausgewählten Photographien bietet das Jahrbuch eine 
ganze Reihe sehr interessanter Textbeiträge. Von diesen 
erwähnen wir nur einen Artikel von Otto Mente über Ent¬ 
stehung von Lichthöfen, von Dr. E. König über stereosko¬ 
pische Projektion,von Funke über Ballonphotographie u.a.m. 
Der bekannte Herausgeber der „Photographischen Mittei¬ 
lungen“ Paul Hannecke hat auch diesmal, wie in früheren 
Jahren, einen Bericht über die Fortschritte und Ereignisse 
des Jahres 1909 gegeben. Wohl keine periodische Erschei¬ 
nung der photographischen Literatur bietet für den Ama¬ 
teur, der sich weniger für die Wissenschaft, als für die Kunst 
interessiert, soviel Interessantes für solch einen billigen 
Preis, wie das vorliegende Jahrbuch. Gg. 

y Druckproben . Die Firma Otto Elsner in Berlin gibt in 
einem vorzüglich aufgemachten Druckprobenhefte eine 
Zusammenstellung von Druckarbeiten, die von neuem 
die Leistungsfähigkeit und die Tüchtigkeit dieses Berliner 
Hauses zu belegen geeignet sind. Dem sehr wirkungsvollen 
Umschlag folgt ein prächtiges Blatt in Vierfarbendruck; 
Katalogseiten in zeitgemäßester Ausführung und aus neue¬ 
stem Material gesetzt schließen sich an, während zahlreiche 
Akzidenzen als Muster feinsten Akzidenz- und Prägedrucks 
gelten können. Ein von C.Schmiedchen, dem Zeichner des 
Hauses, verfaßtes Geleitwort, sowie zahlreiche Zeugnisse 
über ausgeführte Arbeiten bilden weitere Bestandteile des 
vornehm wirkenden Reklameheftes,dessen technische Her¬ 
stellung eine mustergültige genannt werden muß. -h-, 

W Mattfarben. Die Mattfarben werden heute in solcher 
Qualität geliefert, daß mit den Schwierigkeiten, die sich 
bei ihrem Aufkommen vor einigen Jahren zeigten, nicht 
mehr gerechnet zu werden braucht. Sie finden ebenso wie 
das Mattpapier überall da gern Verwendung, wo es sich 
um die Erzielung einer aparten, vom Gewöhnlichen ab¬ 
weichenden Wirkung handelt. In einem mir vorliegenden 
Musterbuche zeigt die Farbenfabrik Gebr. Jänecke & Fr. 
Schneemann in Hannover die gute Wirkung der von ihr in 
mehreren Nuancen hergestellten Mattfarben für Autotypie¬ 
druck in verschiedenen Sujets, die volle Anerkennung ver¬ 
dienen. Die Wirkung der Bilder ist eine ganz ausgezeich¬ 
nete. In einem gedruckten Begleitwort sind verschiedene 
praktische Hinweise für Drucker gegeben. -h-. 


Inhaltsverzeichnis 


Französische Lithographien aus der Zeit der Romantik. 
S. 65. — Orientalische Buchkunst. S. 71. — Der Titelsatz, 
seine Entwicklung und seine Grundsätze. II. S. 75. — Die 
variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Vollkom¬ 


menheit. II. S.87. — Mattfarben-IIlustrationsdruck. S. 94. 
— Aus den graphischen Vereinigungen. S. 95. — Bücher¬ 
und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. S.99. 

8 Beilagen . 


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DAS NEUE LEBEN 

CANTICA FÜR SOLI/CHOR/ORCHESTER 
NACH DANTE ALIGHIERI VON WOLF-FERRARI 


DR. ALFRED HEUSS schreibt in 
der Leipziger Volkszeitung Ober 
die 50. Aufführung im Leipziger 
Gewandhaus unter Arthur Nikischs 
Leitung: So hat man denn endlich 
dieses prächtige Werk in Leipzig 
kennen gelernt. Nur ein so eigen¬ 
artiger Musiker wie Wolf-Ferrari 
konnte auf diesen Vorwurf kommen, 
er sah den Stoff mit den Augen des 
Lyrikers. Man hat bei ihm in erster 
Linie von den Mitteln zu reden, 
mit denen er den verklärten, prä- 
raffaelitischenTon erreicht. Sie sind 
überaus mannigfaltiggewählt. Eine 
so mannigfaltige Verwendung ver¬ 
schiedenster Mittel trifft man wohl 
kaum in einem modernen Werke. 
Wolf-Ferrari hat sich dabei nicht 
nur in der modernen, sondern auch 
in der früheren Musik umgesehen, 
wählt oft auch die Instrumental¬ 
behandlung ganz ähnlich wie Bach, 
der überhaupt in dem Werk einen 
ganz herrlichen modernen Nieder¬ 
schlag gefunden hat. Dag dem Werk 
dabei noch eine kunstgeschiditliche 
Bedeutung innewohnt, dessen wird 
man noch besonders gedenken,auch 
rein künstlerisch hat es einenWert, 
der es zu einer der erfreulichsten 
Leistungen in unserer Zeit macht. 



PAUL DAHNE rezensiert in der 
Leipziger Abendzeitung über die 
50. Aufführung im Leipziger Ge¬ 
wandhaus unter Arthur Nikischs 
Leitung: Wolf-Ferrari hatte jene 
Delikatesse, die Feinheit und die 
Schmiegsamkeit des Empfindens, 
Dantes Werk musikalisch zu durch¬ 
leuchten. Eine religiöse Weihe lebt 
in seiner Musik. Er macht uralte 
Basreliefs lebendig und zaubert vor 
den Hintergrund des arnodurch- 
plätscherten Firenze die märchen¬ 
haften Schatten des ewig jungen 
Liebespaares. Seine Musik ist wie 
ein goldener Flor, ein Duftgebilde. 
Das Sphärische,Transzendente, die 
mystische Wonne des Himmels, die 
tiefe fromme Gläubigkeit drückt er 
wundersam aus. Der Engelreigen 
gründet sich auf eine ergreifende 
musikalische Hingebung. Darüber 
ruht eine kostbar altmeisterliche 
Patina und echt italienische Anmut. 
Ferner kommt eine gewisse Kraft 
malerischer Veranschaulichung zur 
Geltung. Deutsche Inbrunst lebt in 
den choralischen Stücken und süd¬ 
ländische Schönheitstrunkenheit in 
der Lyrik. Bewunderung erregt 
der grandiose Aufbau und die An¬ 
wendung der künstlerischen Mittel. 


TALITA- DIE TOCHTER DES JAIRUS 

MYSTERIUM SACRUM VON WOLF-FERRARI 

UNIVERSITÄTSPROFESSOR HANS HOFMANN, LEIPZIG: Die biblische Szene »Talita die Tochter des Jairus« 
ist bei den einfachen Mitteln, die es erfordert, ein Werk von großer Wirkung. Es ist ein echter Wolf-Ferrari. 
Wunderbares Klangkolorit in den längeren malenden Orchestereinleitungen und Zwischenspielen, 2 archaisierende 
Chorsäße von geradezu auserlesener Feinheit. Eigenartig ist Wolf-Ferraris Kunst, die Sache musikalisch zu 
erfassen. Viele der durchweg schönen Säße sind ganz frei gestaltet, andere wieder zeigen ein gewisses archa¬ 
istisches Gepräge. Aber immer ist Wolf-Ferrari von ausgesprochen musikalisch dichterischem Instinkt sicher 
geleitet; stets weiß er, als Südländer bestimmt und wahrhaft empfindend, der dichterischen Sentenz die erforder¬ 
liche und aus dem Zusammenhang gebotene melodische Einkleidung und außerordentlich geschmackvoll und apart 
gewählte instrumentale Gewandung zu geben. Sein Schaffen ist völlig selbständiger Art, gestüßt durch bedeutendes 
Können, kräftige Erfindung und energische Betätigung des künstlerischen Willens. Es bedurfte einer nicht geringen 
Kunst, die aber Wolf-Ferrari in vollem Umfange zu Gebote stand. Höchst originell, aber immer gefühlsecht und 
schön. Chorsäße von ausgezeichneter Klangschönheit und kunstvoller Arbeit.. als Rhythmiker und Harmoniker stets 
interessant Das Werk löst bedeutende und tiefe Eindrücke. Man hatte jedenfalls durchweg das wohlige Gefühl, 
einen Komponist reden zu hören, dem es warm ums Herz war. Das Werk fand eine sympathische Aufnahme. 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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Druck von Günther, Kirstein & Wendler 

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IN KÜRZE ERSCHEINT: 

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^IE Veranßaltung einer vollfiändigen Find«Ausgabe, die nach 
außen und nach innen den hödißen Anforderungen genügt, 
braucht der Verlag nicht zu begründen. An einer folchen 
Ausgabe des großen Dichters fehlte es bisher durchaus. Seit 
Jahren iß mir von Freunden meines Verlages nahe gelegt worden, fie 
endlich zu ßhaffen, und auf eine Voranzeige hin, die ich im vergangenen 
Herbfi erließ, iß mir von allen Seiten lebhafte Zufiimmung geworden. 

•••Als Herausgeber habe ich einen unsrer beßen Finde-Kenner, Herrn 
Rudolf Brux gewonnen. Der buchtechnifdhen Ausßattung habe ich die 
befie Sorgfalt angedeihen laßen. Die Ausgabe wird in der vollkommen- 
ßen neueren Antiqua, der Tiemann-Schrifi, auf vorzügliches Papier 
gedruckt. Die Einbände find dauerhafi und von fchlichter Schönheit. 
Dabei haben wir den Preis möglichfi niedrig angefetzt, um der Aus¬ 
gabe die größte Verbreitung, weit über Deutfchland hinaus, zu fichem. 

••• Die Ausgabe foll fämtlidie Werke und Briefe Fincks umfaßen. Der 
Text wird nach den maßgebenden Drucken unter Benutzung der er¬ 
haltenen Handfchriften in der endgültigen Form, die Finck ihm gegeben 
hat, hergeßellt. Einen Kommentar kann Finde nicht entbehren. Er iß 
— namentlich in den Profafchrifien — dem nicht gelehrten Lefer ohne 
einen folchen zum guten Teil unverfiändlich, wenigßens wird der Genuß 
der Lektüre ohne das Verfiändnis der Anfpielungen, die Finde fo fehr 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Drude von Breitkopf '3D Härtel in Leipzig 

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PRIiNCETON UNIVERSITY 






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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

47. BAND APRIL 1910 HEFT 4 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


E. M. Lilien 

Von Dr. OTTO PELKA, Leipzig 


Anfänge des Jahres veranstaltete das 
j Deutsche Buchgewerbemuseum eine Kollek- 
| tivausstellung von Arbeiten Liliens, die einen 
umfassenden Überblick über seine künstleri¬ 
sche Tätigkeit ermöglichte. Will man das Wesen 
dieser Kunst ganz verstehen, so muß man ihre Wur¬ 
zeln kennen. Zwei Faktoren sind für eine Wertung 
seiner Persönlichkeit von ausschlaggebender Bedeu¬ 
tung: seine Begeisterung für ein nationales Juden¬ 
tum, wie es der Zionismus propagiert, und eine tiefe 
Neigung für die neuzeitliche Buchschmuckbewegung. 
Eine brennende Liebe für sein Volk läßt ihm vom 
Buche eine Renaissance national-jüdischer Kunst 
und Kultur erhoffen. Sein 


seinen heroischen Wagemut, wenn er sich vorgesetzt 
hat, jüdische Kunst zu regenerieren, aber es scheint 
mir doch zu stark gesteigerte Selbstbewertung zu sein, 
wenn er sich für den Apostel einer neuen Zukunft 
seines Volkes hält und von sich glaubt, es hätten sich 
in ihm die spezifischen Eigenschaften seiner Rasse 
kristallisiert. So wenig es je eine national-jüdische 
Kunst gegeben hat, nicht einmal zu einer Zeit, als die 
Zukunftshoffnungder Zionisten noch lebendige Gegen¬ 
wart war, ebensowenig glaube ich an die Erfüllung 
zionistischer Träume. — 

Wie viele der Führer des Kunstgewerbes kam auch 
Lilien von der Malerei. Auch er hatte einsehen ler¬ 
nen, daß an der Staffelei 


Biograph Edgar Alfred 
Regener hat einmal ge¬ 
sagt: „Wie eine Kunst 
nicht bestehen kann ohne 
Liebe des Schöpfers zum 
Objekt, so kann eine Wür¬ 
digung eines Malers,Bild¬ 
hauers, Musikers oder 
Dichters ohne ein inniges 
und intimes Verhältnis, 
zu ihren Werken nicht 
stattfinden.“ Das trifft 
indes wohl nicht ganz zu. 
Ich kann sehr wohl un¬ 
ter dem Eindrücke der 
malerischen oder zeich¬ 
nerischen Qualität eines 
Kunstwerkes stehen, und 
kann doch, ohne unge¬ 
recht zu werden, seine 
Tendenz ablehnen. So 
geht es mir mit Lilien. 
Ich bin davon überzeugt, 
daß er unter den deut¬ 
schen Buchkünstlern mit 
in den vorderen Reihen 
steht und ich bewundere 



E. M. Lilien, Originalradierung 


keine Lorbeerkränze für 
ihn zu holen waren. Sein 
künstlerisches Erwachen 
fällt in jene Zeit, als der 
„Pan“ und die „Jugend“ 
als Hort einer neuen 
Kunst gegen hinfällig ge¬ 
wordene Traditionen auf 
den Plan traten. Den ent¬ 
scheidenden Entschluß, 
sich von Pinsel und Pa¬ 
lette zu trennen, brachte 
ihm das englische Kunst¬ 
handwerk und im beson¬ 
deren die Buchkunst, wie 
sie Morris übte. Seine 
früheren Leistungen ha¬ 
ben eigentlich nur histo¬ 
rischen Wert; es war eine 
Zeit tastender Versuche. 
Er hatte sich noch nicht 
gefunden: die Illustratio¬ 
nen zu einem Roman, 
dem „Zöllner von Klau¬ 
sen“ von Wildenrath, sind 
in stilistischer Hinsicht 
abhängig von dem in 


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E.M. Lilien, Die Bücher der Bibel. (Zu Josua XV.) 


Holzschnittmanier arbeitenden Josef Sattler. In sei¬ 
nen frühen Buchtiteln, wie in dem von der Zeitschrift 
„Zur guten Stunde“ und in einem farbigen Plakat 
für das „Berliner Tageblatt“ steht er unter dem Ein¬ 
flüsse jenes süßlichen Allerweltstiles, der um die 
Mitte der 90er Jahre sich breit gemacht und dem er 
sich ohne jede Selbständigkeit unterworfen hatte. 
Irgendeine Andeutung von zukünftiger künstlerischer 
Originalität war noch nicht zu bemerken. Dann 
kamen seine Zeichnungen für die „Jugend“. Man muß 
schon ein sehr enthusiasmierter Verehrer Liliens 
sein, um ihnen eine größere Bedeutung als geschick¬ 
ten Anpassungen an Stucksche Vorbilder zuzuschrei¬ 
ben. Das erste Werk, in dem seine künstlerische In¬ 
dividualität zum Durchbruch kommt, ist das Buch 
„Juda“ mit den hebräischen Gesängen des Freiherrn 
Börries von Münchhausen, das 1900 erschien. Wohl 
selten ist ein Buch geschaffen worden, in dem Text¬ 
inhalt und Schmuck, von zwei Künstlern herrührend, 
in so inniger Beziehung zueinander stehen. An der 
Macht hebräischerPoesie hatte sich Münchhausen be¬ 
geistert. „Er ging den herben Klängen nach und be¬ 
rauschte sein Ohr an den einfachenMelodien. In seine 



E.M. Lilien, Die Bücher der Bibel. (Zu Josua XXIII.) 


Träume hinein rauschten die Palmen des Gelobten 
Landes, hingen die Früchte der Feigen und Reben, 
lockten die Gittith und schlugen die Zymbeln. Die 
Heldenstärke des alten Israel, der Mut und die Festig¬ 
keit seiner Waffen zwangen ihm Bewunderung ab, 
so daß er seine Strophen zu ihrer Verherrlichung 
fügte.“ „Was war das für eine Freude für den zeich¬ 
nenden Künstler, Dichtungen auszustatten, die dem 
Ruhme und der Ehre seines Volkes gesungen wur¬ 
den!“ Rein technisch betrachtet bedeutet dieses Werk 
nur erst einen Anfang. Die Wirkung von Textbild 
und Umrahmung ist noch nicht einheitlich. Und wo 
einmal der Textseite eine Bildseite gegenübersteht, 
fehlt ihr noch die Umrahmung, so daß man fast den 
Eindruck einer „Illustration“ hat. Dagegen hat er hier 
schon mit den englischen Vorbildern in bezug auf die 
Zeichnung gebrochen. Er hat bereits seinen Stil ge¬ 
funden: Schattenwirkungen werden nicht mehr er¬ 
strebt, und er vermeidet so den Eindruck der Ver¬ 
schwommenheit und der Ängstlichkeit, der noch in 
dem Schmuck zu dem Essay von Franz Servaes über 
Fontane deutlich zutage tritt. Einen weiteren Fort¬ 
schritt bedeutet die Aufgabe der Unterbrechung des 



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E. M. Lilien, Die Bücher der Bibel 


E.M. Lilien, Die Bücher der Bibel, Psalm 8 


E. M. Lilien, Die Bücher der Bibel, Psalm 1 


E.M.Lilien, Seitenumrahmung 


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: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


schwarzen Hintergrundes. 

Dagegen zeigt die Auffas¬ 
sung der figürlichen Ver¬ 
zierungen des Titel- und 
des Weiheblattes, deren 
Kompositionen auch im 
Text einigemal wiederver¬ 
wendet werden, noch An¬ 
klänge an die Engländer. 

Bei den überschlanken 
Engelfiguren wird man 
unwillkürlich an ähnliche 
Motive in Auffassung und 
Darstellung von Walter 
Crane erinnert. 

Einheitlicher wirkt, wie 
bereits bemerkt, der 
Schmuck zu den Bildern 
der „Lieder des Ghetto“ 
von Morris Rosenfeld. Es 
ist psychologisch leicht er¬ 
klärlich, daß hier, wo zwei 
Schaffende sich vereinigt 
haben, die, durch Rassen¬ 
gemeinschaft verbunden, 
in gleicher Liebe ihrem 
Volke dienen wollen, eine ungleich größere Homo¬ 
genität erwartet werden konnte. Leider aber wird die 
Einheitlichkeit von Textinhalt und Ausschmückung 
stark gestört durch das Satzbild. Für Liliens Stil 
und Morris’ Ghettoverse paßt nicht die konventionelle 
Fraktur, wie sie hier verwendet wurde. Es wundert 
mich, daß Liliens künstlerisches Feingefühl hier 
noch nicht auf Abhilfe gedrungen hat, obwohl bereits 
die sechste Auflage des Buches vorliegt. 

Den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens bilden 
die zwei bis jetzt erschienenen Bände der großen von 
Westermann verlegten Ausgabe der „Bücher der 


Bibel“. Nur kann ich mir 
nicht verhehlen, daß mit 
diesem Höhepunkt sich 
augenscheinlich auch ein 
Stillstand bemerkbar 
macht. Die Seitenumrah¬ 
mungen zu den „Lieder¬ 
dichtungen“ mit ihren or¬ 
namentalen Motiven ma¬ 
chen in ihrer starren, man 
könnte beinahe sagen ar¬ 
chaistischen Stilisierung 
den Eindruck, als ob der 
Künstler sich auf dem be¬ 
sten Wege zum Manieris¬ 
mus befände. Und das 
wäre bedauerlich. 

Von seinen andern Ar¬ 
beiten, die der Buchaus¬ 
schmückung dienen, sind 
mir die 1904 erschienenen 
Gedichte von Gabriele 
d’Annunzio und der jüdi¬ 
sche Almanach von 1903 
nicht bekannt geworden. 
Von ihnen darf man indes 
wohl voraussetzen, daß sie dem zeichnerischen 
Charakter seiner Frühwerke nahestehen. 

Über seine Exlibris nur ein kurzes Wort. Sie sind 
nicht zahlreich. Besser als in der umfänglichen 
fSuchschmucktätigkeit, bei deren Ausübung ihm durch 
den Text gegebene Grenzen gezogen waren, konnte 
er hier seine Künstlerlaune frei sich tummeln lassen. 
Während er dort genötigt war, der Größe der Stoffe 
angemessen, mit einem gewissen Pathos zu sprechen, 
hat er hier, wennschon nicht ohne den Zweck dieser 
Blätter aus dem Auge zu lassen, freier und unab¬ 
hängiger schaffen dürfen. Es sind, mit wenigen 




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Ausnahmen, Gelegenheitsarbeiten im besten Sinne 
des Wortes. 

Übersieht man das Werk Liliens, von dem Zeit¬ 
punkte an, da er in eigener Sprache zu reden ange¬ 
fangen, bis jetzt, so hat man das Gefühl, als wehe 
etwas wie Heimatskunst dem Betrachter aus diesen 
Blättern entgegen. Aber es ist die nachgeahnte Kunst¬ 


welt einer verlorenen Heimat, es sind Sehnsuchts¬ 
klänge nach einem Leben, das nie wiederkehren wird, 
das entschwunden ist wie das Paradies, von dem sich 
nur träumen läßt. Lebenweckende Wirkungen werden 
niemals von Grüblern kommen, deren romantische 
Sentimentalität von Erinnerungen lebt und den Wirk¬ 
lichkeitssinn beengt. 



Kunst und Reklame 

Von Dr. HANS SACHS, Charlottenburg 


Z 5WEI Jahre sind gerade verflossen, seit 
: Werner Sombart, der bekannte Nationalöko- 
j nom und Professor an der Berliner Handels- 

■■■■.-■! hochschule, in dem von ihm redigierten 

„Morgen“ einen Aufsatz veröffentlichte, der ein wah¬ 
res Sturmläuten in allen Kreisen der Bevölkerung 
erregte. Verlangte Sombart doch nichts mehr oder 
weniger als die möglichste Beschränkung der 
„Reklame, die eine widerwärtige Erscheinung der 
modernen Kultur“ sei. Aber noch mehr. Jedes Bemü¬ 
hen, die Reklame, dieses, wie er — vielleicht mit 
einem gewissen Rechte — sagt, an sich schon un- 
erfreulicheKind einer kapitalistischenZeit, wenigstens 
anständig einzukleiden, die Kunst und Ästhetik zu 
Hilfe zu rufen, um wenigstens unsern Geschmack 
nicht zu beleidigen, verwarf er und plädierte für die 
Einführung des amerikanischen Humors in seiner 
gröbsten und geschmacklosesten Form. Ein Sturm 
der Entrüstung, der sich in zahllosen Aufsätzen in 
Zeitungen und Zeitschriften Luft machte, brach gegen 
ihn los, der seine Stellung, junge Kaufleute und In¬ 
dustrielle zu mittleren und leitenden Stellen heran¬ 
zubilden, in dieser Weise mißbraucht hatte. Reklame¬ 


fachleute sahen schon im Geiste jahrelanges Bemühen 
vereitelt, Kunstanstalten ihren Ruin, auch das be¬ 
scheidene Häuflein der Sammler und Liebhaber 
künstlerischer Reklame sah sich zu lebhaftem Protest 
gedrängt. 

Ich glaube, daß, wenn einst die Geschichte der 
Reklame geschrieben wird, Sombarts Ausführungen 
kaum ein Plätzchen eingeräumt werden wird, denn 
ein Erfolg war ihnen nicht beschieden. Er hat es 
seinen Gegnern leicht gemacht, ihn zu widerlegen, 
denn das Aufgebot von Geist, das seinen Worten zu¬ 
grunde lag, war klein, schwächer noch die Argumen¬ 
tation seiner Gedanken, bedauerlich aber geradezu 
die geringe Sachkenntnis, mit der er in Bausch und 
Bogen dem Produkte der Wechselbeziehung zwischen 
Reklame und Kunst die Kappe eines Wechselbalges 
aufzustülpen suchte. Er führt nämlich gerade die 
scheußlichsten Auswüchse der Reklame als Beispiele 
für die Mordversuche an, die von eben jenerReklame 
auf den Ästheten in ihm ausgeübt würden. Nun — 
die Ästheten haben ihn gründlich erschlagen, so rück¬ 
sichtslos, daß er nicht eine einzige Erwiderung 
wagte, für deren Entgegnung man sich im Lager der 


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Gegner schon mit schwerem Geschütz gewappnet 
hatte. 

Die Verbindung zwischen Kunst und Reklame ist 
zu innig, die Erkenntnis, daß nur die ästhetische Ge¬ 
staltung — ich vermeide absichtlich den Ausdruck 
„künstlerische“ — dessen, womit uns das moderne 
Wirtschaftsleben mit all seinen Ankündigungen täg¬ 
lich umgibt, eine Lösung der heiklen Frage bringen 
kann, zu tief, als daß Worte eines einzelnen, sei er 
selbst der Autor des „Modernen Kapitalismus“ sie 
tilgen könnten. 

Dies gilt heute nicht mehr für das Plakat allein. 
Es gilt nicht weniger von allen jenen kleinengeschäft¬ 
lichen Drucksachen, die noch lange, nachdem das 
Plakat schon durch eine künstlerische Note veredelt 
war, ein kümmerliches Dasein führten. Ich würde 
nur längst Bekanntes wiederholen, wollte ich die 
Notwendigkeitihrerkünstlerischen Ausgestaltung, die 
Berechtigung eines anständigen Gewandes für sie 
zu verteidigen suchen. Die meinen Zeilen beigege- 
benenIllustrationen, die ausnahmlosGeschäftsdruck¬ 
sachen der allerletzten Zeit wiedergeben, geben mir 
Gelegenheit, ein wenig näher auf diese erfreulichen 


Produkte einer intelligenten und künstlerisch empfin¬ 
denden Industrie, nicht zum wenigsten aber auf einige 
ihrer Mittler, die Künstler, einzugehen. 

Ich sagte, die Plakatkunst sei eine Vorläuferin der 
Reklamekleinkunst und habe sie in günstigstem Sinne 
beeinflußt. Und ich muß weiter sagen: ihr Einfluß 
ist trotzdem in gewisser Beziehung ein unheilvoller 
gewesen. Ein Plakat ist noch kein Katalogumschlag 
und die verkleinerte Wiedergabe eines virtuosen 
Plakates, etwa für eine Etikette, kann einen künst¬ 
lerischen Mißerfolg bedeuten. Um das zu verstehen, 
betrachte man z. B. einige kleinere Reklameblätter 
des als Plakatkünstler so hervorragenden Ludwig 
Hohlrveinm München. Oft scheint es mir, als genüge 
diesen Blättern ihre eigne kleine Begrenzung nicht, 
als wüchsen die Figuren über den ihnen angewiese¬ 
nen Raum hinaus und wollten sich weiter ausdehnen 
zu größerer, wichtigerer Bedeutung. 

Es ist ein andres, ein Kalenderblatt oder eine Ge¬ 
schäftskarte mit zeichnerischem Schmucke zu ver¬ 
sehen, ein andres, den Raum, der in der Plakatfläche 
zur Verfügung steht, zu füllen. Hier wird die Fül¬ 
lung (im wahrsten Sinne des Wortes) berechtigt, dort 




Abbildung 2. F. W. Kleakens, Kalender 




KALENDERAUF DAS JAHR IQIO 


JULIUS SITTENFELD BERLIN W8 
HOFBUCFi DRUCKE R.S.M.d.KuK. 


Abbildung 1. F.H.Ehmcke, Kalender 


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erdrückt sie, erschlägt. Es ist nicht gut, durch allerlei 
Bemühungen die plakatmäßige Wirkung des Blattes 
zu erhöhen, mehr Luft, mehr Licht, weniger Farbe 
gibt dem Beschauer größere Ruhe. 

Ich vermag es kaum zu sagen, woran es liegt, daß 
Lucian Bernhard , in seiner Art ja auch ein hervor¬ 
ragendes Plakattalent, nie in den eben angedeuteten 
Fehler verfällt; denn nicht bloß seine speziell für 
kleinere Reklameblätter gelieferten Entwürfe sind 
famose Beispiele dafür, wie ein Künstler unter Weg¬ 
lassung alles Nebensächlichen nnd unter Verzicht 
auf Licht- und Schattenwirkung und peinlich genaue 
Perspektivenkonstruktion trotzdem einen packenden 
Effekt, scharf Umrissen, prägnant, wuchtig auf kleinem 
Raume erzielen und doch nicht allzu flächig, plakat¬ 
artig wirken kann, sondern selbst die Verkleinerung 
seiner großen Arbeiten gibt dafür ein leuchtendes 
Beispiel. Oft, wenn ich einen von ihm entworfenen 
Prospekt, ein Reklameblatt, einen Umschlag zu Ge¬ 
sicht bekomme, fallen mir die Worte ein, die Diderot 
über den französischen Meister des vorigen Jahr¬ 
hunderts, Chardin, einst aussprach: „Seine Behand¬ 
lung kleiner Figuren ist ebenso frei, als wenn sie 
ellengroß wären. Bringe man dagegen die Heilige 



Abbildung 3. Franz Christophe, Blatt aus einem Kalender 


Familie von Raffael auf einen noch so kleinen Ma߬ 
stab zurück, so wird man die Großheit der Behand¬ 
lung doch nicht zerstören.“ Hohlwein wird es mir 
hoffentlich nicht übel deuten, wenn er hier den Ver¬ 
gleich mit Raffael zu bestehen hat. Wahrhaftig, ihm 
geht es ähnlich wie diesem: auch Hohlwein braucht 
Raum, braucht gewaltige Flächen; ihm ist die Größe 
eines Plakates gerade gut genug, um den ganzen un¬ 
erschöpflichen Reichtum seiner Palette und seine 
immer ins Großzügige gehenden Erfindungen und 
Einfälle auszustreuen! 

Von solchen Fehlern weiß freilich mancher sonst 
ausgezeichnete Künstler sich oft nicht fernzuhalten. 
Ein gutes Beispiel hierfür bieten z. B. jene Wandka¬ 
lender, welche von Druckereien, Kunstanstalten, Zei¬ 
tungen usw. alljährlich an deren Kunden oder Abon¬ 
nentenversandtwerden und als kleine Weihnachtsgabe 
Zeugnis ablegen sollen für das künstlerische und 
technische Können ihrer Geber. Fliegen uns doch 
heute solche Wand- oder Abreißkalender als Gaben 
von Handelshäusern aller Richtungen in solcher 
Menge ins Haus, daß es oft schwer ist, sich zu ent¬ 
scheiden, welchen von ihnen man in Gebrauch neh¬ 
men soll, weil viel Vortreffliches darunter ist, das 



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man nicht der Schublade oder gar — horribile dictu 
— dem Papierkorb anvertrauen möchte. Da wird 
denn oft seine Erscheinungsform den Ausschlag ge¬ 
ben, und mancher, dem es mehr um einen schönen 
Wandschmuck für sein Kontor zu tun ist, wird dem¬ 
jenigen Kalender den Vorzug geben, bei dem das 
Kalendarium mehr in den Hindergrund tritt, die Zeich¬ 
nung dagegen flächig, plakatmäßig, dekorativ im guten 
Sinne sich heraushebt. Brauchtman jedoch dasKalen- 
darium, dem man gar noch seine täglichen Notizen 
anvertrauen will, und muß es oft zu Rate ziehen, so 
wird man eher den praktischen Kalender zur Benut¬ 
zung heranziehen, bei dem, wie beispielsweise bei 
vielen von der Reichsdruckerei herausgegebenen 
Kalendern, der Schmuck lediglich Beiwerk ist. In 
dieser Beziehung möchte ich eigentlich diejenigen 
Kalender ganz besonders hochstellen, die durch kei¬ 
nen zeichnerischen Schmuck sich breit zu machen 
suchen, sondern einzig und allein aus dem Zier- und 
Schriftmaterial bestimmter Schriftgießereien ihr Ka¬ 
lendarium nebst Beiwerk zusammenstellen und 
dabei oft zu erstaunlich geschmackvollen, einheitlich 
in sich geschlossenen, ungemein reizvollen Gesamt¬ 
wirkungen kommen. Sie vermeiden am besten den 
oben angedeuteten Fehler, allzu plakatmäßig zu wir¬ 



ken und über der Zeichnung ihre eigentliche Bestim¬ 
mung vergessen zu lassen. Dabei ist es gleich, ob 
die Gießerei Genzsch & Heyse, Bauer oder Flinsch 
heißt. Ein treffliches Beispiel dieser Art bildet der, den 
die Druckerei fürBibliophilen in Berlin aus einer Beh- 
rens-Antiquatype und Behrens-Schmuck der Schrift¬ 
gießerei Gebr . Klingspor in Offenbach zusammen- 
gestellt hat. Eine ungemein saubere, ästhetische 
Arbeit, in der man so recht die Grundforderungen 
guter moderner Setzerkunst studieren kann. Die 
Grundflächen der oberen Initialen sowie die Sonn¬ 
tage sind in blauer Farbe gedruckt, die größeren 
Flächen, auf denen Druck steht, sind gelb, alles übrige 
schwarz. Nicht ganz sogutgelangderselbenDruckerei 
der diesjährige Kalender, doch zeigt er wieder ein¬ 
mal, eine wie saubere und leserliche Schrift die auch 
von Lucian Bernhard sehr bevorzugten Typen der 
halbfetten Kolonialschrift abgeben. 

Welcher zahllosen Modifikationen solch ein Schrift¬ 
gießereimaterial fähig ist, zeigt beispielsweise auch 
das Merkbuch der Schriftgießerei Flinsch in Frank¬ 
furt a. M. 9 dessen Schmuck aus den neuen Punkt¬ 
mustern und der Kursivschrift F. H. Ehmckes zu¬ 
sammengestellt ist. Man hat diesen Mustern bereits 
den Vorwurf der schwächeren „Aufwärmung der 



Abbildung 6 

Emil Cardinaux, Monokarte für St. Niklasbier einer Schweizer Brauerei 


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alten Stigmatypie“ gemacht, sie geringschätzend 
„Kreuzstichstickmuster“ genannt, „Verführung zu 
Spielereien, die den Setzer aufhalten und ihn zu Ge¬ 
schmacklosigkeiten verführen“. Gewiß, die Anord¬ 
nung in ein klein quadriertes System ist nicht neu, 
neu aber ist ihre Anwendung auf typographisches 
Gebiet; und mit der Fasolschen Stigmatypie haben 
diese Arbeiten nun schon gar nichts zu tun. Begrüßen 
wir nur diese Versuche, den Setzer gut typographisch 
denken zu lehrenund sinnvolle, festgefügte Satzbilder, 
einheitlicheSchriftblocks an Stelle locker gefügter und 
beweglicher Schriftbilder zu setzen, mit Freuden. 
Des neuen Guten ist noch immer nicht genug da! 

Da, wo eine Firma sich Kalender von einerKünstler- 
hand anfertigen ließ, gibt es der Variationen natürlich 
ungezählte. Daß die Symbolik des Tierkreises ein 
ganz besonderes wirksames und beliebtes Schmuck¬ 
mittel gibt, das einmal sich zu ornamentaler Umrah¬ 
mung fügt, ein andermal als selbständiges Kunst¬ 
werk hervortritt, habe ich schon in meinem letzten 
Aufsatze vor wenigen Monaten gezeigt. Und es ist 
erstaunlich, wie es manchem Künstler immer wieder 
gelingt, die scheinbar schon abgegriffenen und tau¬ 
sendfach variierten Formen frisch zu beleben und um 
neuemeist humorvolleNuancenzu erweitern. Ehmcke, 


einer der geschmackvollsten unter den deutschen 
Graphikern, vereinigt z. B. die Gestalten des Tier¬ 
kreises einmal zu einem recht fröhlichen Karussell, 
dessen Motto „Die Welt ist rund und muß sich 
drehen“ hier als Idee hervorleuchtet. Der Kalender 
ist (siehe Abbildung 1) in diesem Jahre für die Hof¬ 
buchdruckerei von Julius Sittenfeld in Berlin ent¬ 
standen, deren geschmackvolle und künstlerische 
Kalendergaben seit Jahren berühmt sind. Bürgen 
doch allein schon die Namen der Künstler, die für sie 
tätig waren — Eckmann, Lechter, Leistikow, Sattler, 
Kampf, Vogeler, E. R.Weiss, Schwaiger, Orlik, Hey, 
Looschen, Kleukens (siehe Abbildung 2) — dafür! 
Nur ungern legt man solch feine Blätter, die einem 
in den 365 Tagen des Jahres aus Beratern zu guten 
Freunden geworden sind, am Jahresschluß beiseite. 
Sie bringen Froheit, Buntheit und Lebensfreude in 
unsern nüchternen Arbeitsraum, in das kalte Kontor, 
und bieten uns täglich neuen Genuß, neue künstle¬ 
rische Anregung, ohne dabei ihren praktischen Da¬ 
seinszweck zu vernachlässigen. 

Um so betrüblicher ist es, wenn gerade diejenigen, 
welche berufen wären, durch Herausgabe künstle¬ 
rischer oder wenigstens geschmackvoller Wand¬ 
kalender in allerweitestem Umfange für Veredelung 


Abbildung 8. Hans Thoma, Umschlag zu einem Reiseführer 


Abbildung 7. Franz Paul Glass , Geschäftskarte 


Original fram 

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des Geschmackes und Erziehung zum Schönen auch 
im Kleinsten zu wirken, noch oft versagen: ich 
meine die Zeitungen . Was hier alljährlich in Millionen 
von Exemplaren, meist mit hochtönenden Worten, 
verbreitet wird, ist mehr als bescheiden. 

Ein typisches Beispiel bieten die großen Berliner 
Zeitungen. Ein in seiner Art einzig dastehendes 
Kunstwerk wie der Tippelsche Kalender, den die 
Berliner Morgenpost im Jahre 1906 herausgab, ist, 
weil nur an die großen Kunden, Inserenten usw. ge¬ 
sandt, nicht maßgebend. Denn die an gewöhnliche 
Abonnenten versandten Kalenderblätter entbehren 
meist jenes Maßes von künstlerischer Empfindung, 
das wenigstens von den Kunstreferenten der betref¬ 
fenden Zeitung in solchen Gratisgaben dokumentiert 
werden sollte. Daß meist das verhältnismäßig billige 
Reproduktionsverfahren des Dreifarbenbuchdrucks 
zur Verwendung kommt und nur selten uns etwa 
eine Originalsteinzeichnung begegnet, mag mit Rück¬ 
sicht auf die ungeheuren Auflagen entschuldigt wer¬ 
den. Bedauerlicher schon ist es, wenn die an und 
für sich oft recht reizvollen Künstlerentwürfe in 
einem Verfahren wiedergegeben werden, das ihrer 
Eigenart gerade zuwiderläuft. So sieht man oft, wie 
aus einer Steinzeichnung aus Billigkeitsrücksichten 
ein Druck in drei Farben wird, während doch die zarten 


verschwimmenden, matten Töne des Originals durch 
diese Zerlegung in die drei Grundfarben an Stimmung, 
Farbenreiz, Feinheit und Inhalt ungemein verlieren. 

Ein Beispiel dieser Art zeigt z. B. der von Else 
Vietor- Rehm für die Berliner Abendpost gelieferte 
Entwurf, während die Berliner Morgenpost , die auch 
in früheren Jahrgängen schon erfreuliche Ansätze 
zur Hebung der Kalenderkunst gezeigt hat, in der 
Reproduktion den von Ulrich Hübner gelieferten 
Aquarellen aus Alt-Berlin weit besser gerecht ge¬ 
worden ist. Auch der Wandkalender des Berliner 
Lokal-Anzeigers des Jahres 1909 mit seinen beiden 
landschaftlichen Zeichnungen von Walter Georgi 
hatte Gutes für die Zukunft versprochen. Um so un¬ 
angenehmer konnten seine ästhetisch empfindenden 
Abonnenten füglich berührt sein, als das neue Jahr 
ein vom künstlerischen Gesichtspunkte recht wenig 
dekoratives Kalenderblatt brachte, dessen Zeichnun¬ 
gen uns ebenso kühl lassen und langweilen wie das auch 
in typographischer Hinsicht recht wenig an moderne 
Bestrebungen gemahnende Kalendarium. Da wecken 
die Gaben der kleineren Zeitungen wie der Berliner 
Volkszeitung oder der Deutschen Nachrichten oder der 
Berliner Allgemeinen Zeitung , wenn ihre Ausdrucks¬ 
mittel auch primitiv und anspruchslos sind, noch 
stärkere Lustgefühle, während die Tante Voß der 
schönen Sitte der Kalendergabe ganz entraten 
zu können glaubt. 

„Wie aber“, so höre ich fragen, „steht es mit 
dem Berliner Tageblatt? u Ist doch das Tageblatt 
die Zeitung der Intellektuellen oder doch wenig¬ 
stens ihrer überwiegenden Mehrheit, das Organ 
der Plutokratie nicht nur, sondern auch des Fort¬ 
schritts und der verfeinerten Kultur! Finden wir 
doch Namen des besten Klanges unter seinenMit- 
arbeitern, und sein ständiger Kunstreferent wird 
sicherlich — mit Genugtuung sei’s gesagt keine 
Gelegenheit vorübergehen lassen, wo es gilt,gegen 
eine Bedrohung von Heimatskunst, Verschande¬ 
lung eines schönen Straßenbildes, Zerstörung 
alter Kunstdenkmäler flammenden Protest zu er¬ 
heben! Wie darf es möglich sein, daß diese, wenn 
auch scheinbar nebensächliche Abteilung seines 
Machtgebietes so von ihm vernachlässigt werden 
konnte, daß ein Kalenderblatt schlimmsten Kit¬ 
sches an die Abonnenten seines Blattes verteilt 
werden konnte? Hatte man sich doch nach dem 
Erscheinen des vorjährigen Kalenders, der sogar 
das Resultat eines Preisausschreibens gewesen 
war, schon der Hoffnung hingeben dürfen, daß 
diese Zeitung nun auch in dieser Beziehung fort¬ 
schrittlich und erzieherisch Vorgehen würde! 

Versucht man den Gründen dieses bedauer¬ 
lichen Faktums tiefer nachzuspüren, so wird man 
baldfinden, ein wiegeringes Interesse noch immer 
die gesamte Presse, das „Berliner Tageblatt“ 


Jubiläum des Kgl. Wilhelms-Gymnasiums. 

Berlin, im Februar 1908 

(Raum für Klischee.) 

Sehr geehrter Herr! 

Am 17 Mai 1908 teicrl unser lieber altes Gymnasium das Fest seines 50jährigen 
Bestehens. Den früheren Schülern der Anstalt erscheint es daher als eine Ehrenpflicht, bei 
dieser Gelegenheit zu bekunden, daß sie ihrer Schule mit Fr eude ynd Dankbarkeit g edenken 
Oft genug haben die früheren Wilhelms-Gymnasiasten in der Heimat wie in derFremde Beweise 
daf ür geg eben, daß ihnen die gemeinsam empfangene Schulbildung als ein festes 6and”erscheTnT’ 
und daß siclfauf Grund der gemeinsamen Erinnerungen besonders leicht feste und Jtegliche 
Beziehungen anknüpfen lassen 

Da soll nun das Jubiläum uns selbst, der alten Wilhelms-Gemeinde, wie auch der 
Außenwelt den Beweis erbringen, daß wir uns unserem Gymnasium gegenüber eins wissen in 
den Gefühlen dawl ibu er w»+4Mto«*aM^4 > ictai Somit.la det iWR Jrr Unterzeichnete Festaus¬ 
schuß, dem Vertreter nahezu sämtlicher Generationen des Gymnasiums angehören, hierdurch 

Qll€ früheren Schüler un s e r e s - Wilhelms-Gymnasiums 

zur Teilnahme an dem bevorstehenden Jubiläum und tu-tinm BeisHmet für i fm g i j i f i m f i 
f iifgimhwti ein. 

Endgültige Bestimmungen Uber die Einzelheiten der geplanten Feier können zunächst 
noch nicht mitgeteilt werden, da sie ■■jflTqprmlft von den Entschließungen des Ministeriums, 
vielleicht selbst Sr. Majest ät des Kaiser s, abhangen Das nnrami.r.kr Pro¬ 

gramm ist jedoch bereits entworfen und wird im nachstehenden unverbindlich mitgeteilt 

Freitau, den IS. Mat, abends Generalprobe* I der »Brüüt VOn MeSSinü u in der 
Sontyihtnd, den 16. Mat. abends Aufführung* Aüla des Gymnasiums durch gegenwärtige 
-' 1 Schüler der Anstalt 

Sonntag, den 17. Mai, mittags Offizieller Festakt in der Aula.* 

nachmittags Gemeinsames Festesten des Lehrerkollegi¬ 
ums. der Vertreter der Behörden und der ehemaligen Schüler. 
Mo ntag, den 18. Mai, abends FeStkommeCS der ehemaligen Schüler. 

Wcgen~3er Lokale, in denen das Festessen und der Festkommers stattfinden werden, 
ergehi spater eine besondere Mitteilung an alle, die einen darauf hinzielendcn Wunsch äußern. 

Von der Schule selbst ist die Ausgabe einer Festschrift geplant, eine Geschichte der 
Schule, die u a. auch eine für Mai 1908 gültige Liste Uber die Personalien aller früheren 
Abiturienten des Gymnasiums enthält«tt=aatt. und die zum Preise von ca. 1,50 Mk. erhältlich ist. 


* Anmerkung Zu ditsen drei Veranstaltungen können Einlaßkarten nur in beschrankter Anzahl aus¬ 
gegeben »erden Bei Berücksichtigung der Gesuche wird di« Reihentolg« der Eingänge in erster 
Linie entscheiden. 


Abbildung 9a. Beispiel schlechter Satzkunst 


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Original fro-m 

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nicht ausgenommen, den Arbeiten der Gebrauchs¬ 
graphik entgegenbringt, wie wenig Notiz von allen 
Erscheinungen auf diesem in den letzten Jahren zu 
so außerordentlicher Bedeutung gelangten Sonder¬ 
gebiete der graphischen Künste genommen wird! 
Hatte da im vorigen Jahre der als Sammler wohlbe¬ 
kannte Regierungsrat von Zur Westen im Kaufhause 
des Westens zu Charlottenburg eine Ausstellung von 
Karten aller Art veranstaltet, die unter dem Titel 
„Griffelkünstler im Dienste der Geselligkeit“ künst¬ 
lerisch und historisch hochinteressante und wert¬ 
volle Beiträge zu diesem Thema lieferte. In der Ru¬ 
brik der „Lokalnachrichten“ brachten einige Berliner 
Zeitungen kurze Besprechungen dieser Ausstellung, 
die sich im Stile durchaus harmonisch dieser Rubrik 
einfügten. War doch eine von ihnen von dem Sport¬ 
berichterstatter (!) der betreffenden Zeitung verfaßt. 
Ein andermal wieder kündigte das Berliner Tageblatt 
einen Vortrag desselben Herrn von Zur Westen über 
„Graphik im Dienste derMusik“ zwischendenVereins- 
nachrichten der gewiß sehr ehrenhaften Berliner 
Weißbierwirte und des Vereins für rationelle Homöo¬ 
pathie an. Solches Interesse bezeugt die reichshaupt¬ 
städtische Fresse diesem Zweige angewandter Kunst! 

Müßig wäre es, die Namen aller derjenigen Kunst¬ 
anstalten, Geschäftsfirmen usw. aufzuzählen, die wie 
alljährlich so auch in diesem Jahre ihre Kunden durch 
die Überreichung eines künstlerischen Kalender¬ 
blattes erfreut haben. Nur der beiden Kalenderbücher 
sei gedacht, die die bekannte Sektfirma Matheus 
Müller in den letzten beiden Jahren herausbrachte, 
weil sie ganz besonders reizende Kunstwerke dar¬ 
stellen. Die Firma hat keine Kosten gescheut, um 
die von Paul Scheurich (1909) und Franz Christophe 
(1910)geliefertenzwölfOriginalsteinzeichnungenauch 
mustergültig ausführen zu lassen, was übrigens bei 
dem ersteren noch vollendeter gelang. (Kunstanstalt 
Hollerbaum &Schmidt,Berlin.) Nach Scheurich scheint 
eskeine Situation des menschlichen Lebens zugeben, 
in der nicht ein Gläschen Champagner am Platze 
wäre, und wie er diese mit flotten, sich zu lebens¬ 
frohen farbenprächtigen Bildern vereinigenden 
Strichen zu schildern weiß, das machen ihm nicht 
viele unsrer Berliner Künstler nach! Schade nur, 
daß die Zeichnungen ein wenig zu plakatmäßig ge¬ 
halten sind. Bei der geringen Größe des Kalenders 
— die Bildgröße ist nur etwa 14X11 Zentimeter — 
wäre ein etwas feineres Detaillieren bei manchen 
Blättern nicht vom Übel gewesen. Diesen Fehler 
weiß Christophe in dem Müllerkalender für 1910 
wohl zu vermeiden; allzugut nur, denn die Gesichter, 
die er zeichnet, sind manches Mal von geradezu 
abenteuerlicher Häßlichkeit, dafür atmen die von ihm 
wiedergegebenen Bilder, auf denen die Biedermeier¬ 
und Empire-, Reifrock- und Zopfzeit sich ein Stell¬ 
dichein bei einem Glase Sekt geben, eine wundervolle 


Grazie und Delikatesse. Ein rechter Maler höfischer 
Sitten und Gebräuche, im besten und modernen 
Sinne des Wortes, das könnte Christophe sein; die 
beigegebene Abbildung zeigt es am deutlichsten 
(siehe Abbildung 3). 

Von „Kunst und Reklame “ habe ich sprechen wollen 
und habe bisher noch mit keinem Worte des ersten 
und noch immer verbreitetsten Mittlers zwischen 
diesen beiden uns noch vor 15 Jahren einander 
heterogen erschienenen Begriffen gedacht: des Pla¬ 
kats. Absichtlich habe ich mir diese Unterlassung 
zuschuldenkommenlassen, umnicht längst Bekanntes 
zu wiederholen. Ich meine: der Worte sind genug ge¬ 
wechselt,das künstlerische Plakat oftgenug propagiert 
worden. Hätte es jetzt noch keinen festen Fuß bei uns 
gefaßt, wäre seine Berechtigung, seine Notwendigkeit 
heute noch nicht anerkannt, wir müßten endgültig dar¬ 
auf verzichten, mit Wort und Schrift für seine Ver¬ 
breitung einzutreten. Länger noch hat es gedauert, 
bis auch die kleinen geschäftlichen Drucksachen oder 
vielmehr ihre Herstellung mit der gebührenden Ach¬ 
tung und liebevollen Sorgsamkeit vorgenommen 
wurde, die wir, die Empfänger von Ankündigungen 
aller Art, von ihnen erwarten dürfen. Mit welchem 
Feuereifer man sich ihrer aber annahm, als endlich 
die Erkenntnis sich durchgerungen hatte, daß auch 
bei Empfehlungskarten und Theaterprogrammen, 
Katalogumschlägen und Etiketten, Packungen und 

Jubiläum des Königlichen 
! Wilhelms-'Gymnasiums 

| Berlin, im Februar 1908 

m 17. Mai 1908 feiert unser altes Gymnasium das Feit (eines fünfzigjährigen Be¬ 
stehens. Uns früher« Schülern der Anstalt, die ihrer Schule mit Freude und 
Dankbarkeit gedenken und in der Heimst wie in der Fremde oftmals bewiesen 
haben, dass ihnen die gemeinsame Schulbildung cm festes Band ist. bietet das 
JubiLium einen willkommenen Anlass, tu bekunden, dass wir uns unserm Gymnasium 
gegenüber eins wissen in den Gefühlen der Pietät. und suglcich eine Gelegenheit, auf Grund 
gemeinsamer Erinnerungen alte Beziehungen zu erneuern. Der Unterzeichnete Festausschuss, 
dem Vertreter nahezu sämtlicher Generationen des Gymnasiums angchoren. ladet deshalb 
hierdurch alle frühem Schüler des WtlhclmS'Gymnaiiums zur Teilnahme an dem bevor¬ 
stehenden Jubilium ein. 

Vorbehaltlich etwaiger Änderungen, die höher« Orts noch angeordnet werden konnten, 
wird das Programm des Festes voraussichtlich das folgende sein: 

Freitag, d. 15.Hai, abend«: Generalprobe *) 1 f 
Sonnabde, d. 16. Mai, abends: Aufführung ) I durch gegenwärtige Schüler. 
Sonntag, d. 17. Mai, mittags: Offizieller Festakt in der Aula*) 

nachmittags: Gemeinsames Festessen des Lehrer' 
Kollegiums, der Vertreter der Behörden 
und der ehemaligen Schäler 

Montag, d. 18. Mai, abends: Festkommers der ehemaligen Schüler. 

Wo dss Festessen und der Festkommers stattfinden werden, wird später besonders 
mitgeteilt werden 

Von Setten der Schule ist die Hcriusgabc einer Festschrift und einer für Msi 190« 
gültigen Liste der Personslicn liier frühem Abiturienten des Gymnasiums geplant 

Von Seiten der ehemaligen Schüler iat in Aussicht genommen, zur Feier dea Jubiläums 
ein Festgeschenk darzubringen Wir sind nach eingehenden Beratungen zu dem Entschlüsse 
gekommen, das Andenken an den erhabenen Stifter der Anstalt Kaiser Wilhelm 1.. durch 
Widmung seiner in würdiger architektonischer Umrahmung aufgeitelltcn Bronzebüste zu 
ehren, die als Zierde für den Schulgarten gegenüber dem Haupteingang des Gymnasiums ihren 
Platz finden soll. 

Wir bitten daher alle, sich an dem Fcstgeschcnk zu beteiligen und unter Benutzung 
der beifolgenden Postanweisung einen Beitrag in beliebiger Höhe zu der geplanten Gabe 
beirusteuern. Die für die gesamten festlichen Veranstaltungen der ehemaligen Schüler nötige 
Summe schitien wir unverbindlich auf 8000 bis 9000 M 

Die inliegenden Schriftstücke bitten wir recht bald auszufüllen und an die auf den 
Anlagen angegebenen Adressen zu senden. j 

•) Asm. Zu diesen drei Veran»Ultunfea kennen Binlasakartea nur In beachrlnkter Anzahl aua<«f ebea 
werden Bel Bcrfick.ithllsuas de» Oesuehe wird die fttihcafol«* der Ela«la(e la ersler Uaie entscheiden 


Abbildung 9b 

Gegenbeispiel Das Einladungsschreiben in guter Satzkunst 


15* 


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Reklamebildern eine originelle und künstlerische Ge¬ 
staltung einen guten Teil zu ihrer Wirkung beitragen, 
und damit den Wert der Reklame erhöhen kann, da¬ 
von zeugen die vielen — mißglückten Versuche der 
ersten Jahre. 

Etwas andres ist es (um mit Sombart zu reden), 
„Nachttöpfe und Bratheringe in Schönheit kaufen zu 
wollen“, ein andres wiederum, sich etwa durch den 
Zauber einer Landschaft, die den Umschlag eines 
Reklameführers ziert, das Ziel seiner nächsten 
Sommerreise bestimmen zu lassen. Ich will damit 
zweierlei sagen: Zum ersten wäre es eine Vermessen¬ 
heit, einen jeden Bedarfs- oder Gebrauchsartikel in 
Schönheit anpreisen zu wollen; es soll Dinge geben, 
derenWesenskern durch keinen Stuck oder Hohlwein 
veredelt werden kann. Ein zweites: Man muß wohl 
erwägen, wem man Bratheringe anbietet und wem 
man etwa einen Reiseführer für Ägypten ins Haus 
schickt. Die eine Reklame wendet sich an den Mittel¬ 
stand, die andre an die „oberen Zehntausend“, und 
dies will sagen, daß die Psychologie der Reklame ein 
Eingehen auf das Publikum, seinen Geschmack, seinen 
sozialen Stand verlangt, kurz: Besteller und Künstler 
müssen wissen, an welche Schichten des Volkes 
ihre Arbeit sich notwendigerweise wird zu richten 
haben. 

Die erste Erkenntnis beginnt sich Bahn zu brechen. 
Die hohe Kunst, die künstlerische Pose ist vom Schau¬ 
platz abgetreten, wo ihr Verweilen nur Herabziehung 
und Entwürdigung ihrer selbst war, und um so stand¬ 
hafter darf und soll sie dort bleiben, wo sie verschönt, 
veredelt um ästhetischer Rücksichten willen. Doch 
wie? Ist man, so höre ich oft fragen, in der An¬ 
kündigung von all jenen Dingen, bei deren prosaischer 
Wirklichkeit ein künstlerisches Plakat, ein originelles 
Inserat, ein humorvoller Reklamekatalog nur Spott 
und Hohn ernten würde, zu dem langweiligen, nichts- 



Abbildung 10. L. Zumbusch, Umschlag zu einem Verkehrsbuch 


sagenden, nüchternen Schema zurückgekehrt, das 
die Reklame der siebziger und achtziger Jahre des 
vorigen Jahrhunderts charakterisierte? 

Nun, es ist nicht der Fall. Ein treuer Bundesge- 
genosse ist Bestellern und Auftraggebern in der 
modernen Typographie erstanden. Sie setzt ein, wo 
die Kunst vom Schauplatze abtreten muß, auch dort, 
wo die Mittel zu bildnerischer Ausschmückung einer 
Drucksache nicht ausreichen, und gibt uns ein Mittel, 
bescheiden und doch geschmackvoll, einfach und 
dochwirksam das geschriebeneWort des Produzenten 
zu dem Ohr des Konsumenten dringen zu lassen. 
Die gute, klare, lesbareType, wie sie uns in Hunderten 
von Abarten heute von den Schriftgießereien geboten 
wird, mag Ehmcke , Behrens oder Eckmann ihr Vater 
sein, kann ja in so vielfältigen Variationen von einem 
ästhetisch empfindenden oder wenigstens gut ge¬ 
schulten Setzer zu einem geschmackvollen Satzblock 
zusammengestellt werden, die Satzverteilung durch 
eingefügtes Ziermaterial der Schriftgießereien (das 
natürlich zur Schrift passen muß!) so außerordent¬ 
lich gehoben werden, daß ich hier nur auf die Ab¬ 
bildung 9 zu verweisen brauche, um verständlich zu 
sein. Ein schlimmer und ein guter Setzer haben sich 
an dieser Einladung eines Berliner Gymnasiums 
versucht. Die Lektüre des ersten Blattes wäre auch für 
den dabei in erster Reihe interessierten ehemaligen 
Schüler des betreffenden Gymnasiums eine wahre 
Geduldsprobe gewesen, der Anblick des zweiten gibt 
sofort ein klares Bild von den geplanten Festlich¬ 
keiten. 

Die allermodernsten unter unsern Künstlern wollen 
diese nur durch eine geschmackvolle typographische 
Anordnung des Satzbildes wirkende Gestaltung der 
Reklame neuerdings auch auf das Plakat ausdehnen. 
Schonlangegeht dasStreben dahin,die Plakatreklame, 
die doch auf einen ungemein rasch, fast im Fluge 
nur erhaschten Blick des Passanten, auf die Aus¬ 
lösung eines nur kurzen Reflexes in unserm Auge 
spekuliert, ihrer oft lächerlich hohen Symbolik zu 
entkleiden. Man versuchte es mit dem Humor — die 
humoristische Ader der Künstler schien rasch zu 
versiegen. Es folgte das „Sachplakat“, das den 
angekündigten Gegenstand in möglichst einfacher 
Formen- und Farbengebung, von geringem Text be¬ 
gleitet, vor den Passanten setzte. Ein Glück ist es, 
daß nicht ein jedes Ding, das der Ankündigung bedarf, 
eine „Sache“ ist. So glänzend eine Leistung dieser 
Art auch etwa der Stillerschuh von Lucian Bernhard 
ist, so wenig möchte ich etwa Hohlweins schöne 
Blätter für Sporthäuser, Restaurants und dergleichen 
oder Klingers stets launige Ankündigungen für Ber¬ 
liner Feste oder Obermeiers köstliche Bierhauspla¬ 
kate missen! 

Auch im Schriftplakat ging Bernhard voran. Und 
es war die Eigenart der Type, ihre Verteilung in der 


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Fläche und leuchtende, packende Farben, die im 
Straßengewühl zu uns sprachen. Es muß wohl in den 
Bedürfnissen unsrer Reichshauptstadt liegen, daß 
die Auftraggeber und Künstler sich gerade von diesen 
knappen, prägnanten, die Aufmerksamkeit nur auf 
das rein Textliche lenkenden Plakaten den größten 
Erfolg versprachen. Denn Bruno Pauls erste Berliner 
Arbeit nach seiner Berufung aus München war ein 
Abwenden von aller Münchener Tradition, von Pauls 
Eigenart: Er schuf (1907) für eine Mitgliederaus¬ 
stellung der Königlichen Akademie der Künste ein 
Blatt, das auf schwarzem Grunde nur die Königskrone 
und goldene Schrift in Form eines Kreuzes zeigte. 
Es war ein höchst geschmackvolles Blatt, an dem 
man nicht so leicht vorübergehen konnte, und doch 
lockte mich eine gute lithographische Nachbildung 
des „blue boy a von Gainsbourough, die im folgenden 
Jahre die englische Ausstellung in der Akademie 
ankündigte, weit mehr zu ihrem Besuche. Bruno 
Paul ist in den wenigen Plakaten, die er seitdem ge¬ 
zeichnet hat, dieser Richtung treu geblieben und 
andre sind seinem Beispiele gefolgt. Freilich konnte 
ich persönlich den Orlikschen Blättern für die Cezanne- 
ausstellung oder die der ungarischen Maler (1910) 
recht geringen Geschmack abgewinnen. Ich glaube, 
wenn ich nicht Plakatsammler wäre, ich wäre an diesen 
Blättern völlig interesselos vorübergegangen, da sie 
mich ebenso langweilten wie das der augenblicklich 
hier stattfindenden französischen Ausstellung. Es 
ist erfreulich, daß das Ausland dadurch, daß einem 
Künstler wie Ludwig Hohlwein der Auftrag zuteil 
wurde, für das Deutsche Reich auf der Brüsseler 
Weltausstellung 1910 ein Plakat zu schaffen, einen 
bessern Eindruck von deutscher Plakatkunst bekommt 
als den der Nüchternheit und Trockenheit. 

Was ich vorhin von der Psychologie der Reklame 
sagte, gilt ganz besonders stark für gewisse Gebiete, 
auf denen sie einen bestimmten Teil des 
Publikums anzulocken versucht. Solch ein 
Gebiet ist der Sport, und sein Publikum 
der gutsituierte Teil der Bevölkerung. 

Das klingt vielleicht schroff, wenn man 
bedenkt, welche Verbreitung die Betäti¬ 
gung sportlicher Neigungen in den letz¬ 
ten Jahren auch in Deutschland gefunden, 
klingt vielleicht unsozial, indem es die 
einfacheren Schichten des Publikums von 
der Berechtigung, sich ebenfalls ein Gegen¬ 
gewicht gegen anstrengende Berufsarbeit 
zu schaffen, auszuschließen scheint. Und 
doch entspricht meine Behauptung den 
Tatsachen. Von einem bestimmten Kreise 
sportfreudiger und -ergebener Leute, die, 
sehen wir vom Reitsport ab, meist dem 
besseren Mittelstand angehörten, hat die 
Betätigung mit körperlichen Spielen, als 


Resultat einer modernen hygienischen Erkenntnis, 
sich in weiteren Kreisen Bahn gebrochen; aber, 
und darauf kommt es mir an, aufwärts, nicht ab¬ 
wärts, wenn wir von einer solchen Abstufung in 
sozialer Hinsicht sprechen wollen. Der Sport ist 
Mode, ist gesellschaftliches Spiel, ist hoffähig ge¬ 
worden, aber der kleine Bürger, der Handwerker, 
der Arbeiter steht ihm fremd gegenüber wie einst. 
Nach den Gründen hierfür zu forschen liegt nicht 
im Rahmen meines Aufsatzes. Ich konstatiere nur 
Tatsachen, aus denen resultiert, daß eine wirksame 
Sportreklame ihre Erfordernisse in der Rücksicht¬ 
nahme auf den bestsituierten Teil der Bevölkerung 
erkennen kann. So sehen wir denn, wie die ersten 
Künstler mit solchen Arbeiten betraut werden, er¬ 
freuen uns an den Arbeiten eines Otto Ludwig Nägele 
oder Otto Obermeier (s. Abbildung 11), eines Max Feld¬ 
bauer, eines Kleukens , und — last not least — eines 
Ludwig Hohlwein . Ob Hohlwein ein Plakat für ein 
Sportbekleidungshaus oder eine Ruderregatta oder 
ein Herrenreiten zeichnet, überall treffen wir auf ein 
eminent sicheres Farbengefühl, auf ein hervorragen¬ 
des zeichnerisches Können, mit dem sich die persön¬ 
liche, stets augenfällige Kenntnis der Einzelheiten 
der verschiedenen Sportarten verbindet. Und mit 
ihr gewinnt er sein Publikum, fesselt er den Sport- 
kundigen, wirbt er bei dem Neuling, indem er die 
Lichtseiten malerisch, verführerisch vor Augen führt, 
Auswüchse und Schattenseiten nicht zu kennen 
scheint (siehe Abbildung 14). 

Und nicht anders steht es mit den Ankündigungen 
der Verkehrsvereine und Ortschaften, die sich um die 
Gunst der Vergnügungsreisenden bemühen und den 
Reiz ihrer Landschaft möglichst lockend zu schildern 
suchen! Auch sie rechnen nur mit dem wohlhabenden 
und gebildeten Publikum, das dem Getriebe der Stadt 
entrinnen und sich für längere oder kürzere Zeit die 



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Ruhe eines beschaulichen und behaglichen Erholungs¬ 
aufenthaltes gönnen will. Vorüber sind die Zeiten 
einer nur in der Quantität bedeutenden Reklame, die 
auf einem Plakate möglichst viele Punkte ein und 
desselben Ortes wiedergeben mußte. Ein einziger 
Fleck, der aber in seiner Eigenart charakteristisch 
für den ganzen Ort ist und die Eigenart seiner Stimmung 
typisch wiedergibt, genügt auf diesen Blättern heute, 
um seine suggestive Kraft auszuüben. 

Darf ich aus Deutschland einige solcher besonders 
schönen und eindrucksvollen Landschaftsplakate 
nennen — die nordischen Länder sowie die Schweiz 
sind uns darin ganz ebenbürtig—so seien die folgenden 
hervorgehoben. Die schon älteren Blätter von Cissarz 
für Bad Nauheim, Kühn jr. für Dinkelsbühl, Linden - 
staedt für Bad Grund und Langhein für Baden-Baden 
und Lübeck verfehlen auch heute noch ihre Wirkung 
nicht. Gerade das letztere z. B. hat in den Herzen 
alter in alle Welt zerstreuter Lübecker einen so war¬ 
men Appell an das Heimatsgefühl wachgerufen, daß 
Hunderte von Nachfragen aus aller Herren Länder 
nach diesem schönen Blatte einliefen. Paul Scheurichs 
Plakat für Neu-Ruppin, Wilhelm Schulz’ reizend alt¬ 
vaterische Ausschnitte Lüneburger Kleinstadtlebens, 
Hans Joseph Webers Ankündigungen für bayrische 
und tirolerische Gebirgsbahnen und schließlich die 
beiden ohne ersichtlichen Grund anonym herausge¬ 
gebenen Blätter für Würzburg und Müggendorf ver¬ 
dienen ebenfalls aus der Masse herausgehoben zu 
werden. Auch Bek-Grans letzter Arbeit, des schönen 
Plakates für Nürnberg, dessen Zinnen und Türme in 
dreifach aufstrebender, magisch beleuchteter Nacht¬ 
silhouette aufragen, sei hier gedacht. 

Das beste derartige Blatt scheint mir aber Hans 
Fö/c/cmPlakat fürBadenweilerzusein. Esisterfreulich, 
daß der bei einer vor drei Jahren ausgeschriebenen 
engeren Konkurrenz mit dem ersten Preise ausge¬ 
zeichnete Entwurf Beckeraths von der Kurkommission 


IRööjes Fourrükes 

Mais TIE AUX LM N liie 1K ]( e 



jWfin w S5. EMsoKfilme-Werner 

1,9 tfenthinerstr 


Abbildung 12. Franz von Bayros, Geschäftskarte 


zwar bestimmungsgemäß ausgeführt, aber bald nicht 
mehr affichiert wurde. Seine Farben waren matt, und 
wenn auch die Zeichnung als solche den höchsten 
künstlerischen Anforderungen entsprach, keinen 
Menschen hätte wohl diese nackte Gestalt, die auf 
grüner Wiese sich an einem lächerlich schmalen 
Rinnsal labte, zu den Heilquellen des badischen 
Schwarzwaldörtchens gezogen. Wie anders wirkt 
jetzt Völckers Arbeit, die damals den zweiten Preis 
erhielt! Das neu eröffnete Bad zeigt sich in seiner 
ganzen Schönheit, mit seinem kristallklaren, marmor- 
umschlossenen Wasser, darüber der tiefblaue Himmel, 
und über die Badenden nicken die dunklen, in ihrem 
Schatten schwarzvioletten Zweige und Äste der 
herrlichsten Schwarzwaldtannen, die überall den 
Horizont säumend und die Bergrücken bedeckend 
als schönstes Wahrzeichen jener Landschaft grüßen! 

Kein Geringerer als Hans Thoma verherrlicht ja 
auch in so vielen seiner Arbeiten den Schwarzwald, 
der seine Heimat ist. Ein Führer durch das Badner- 
land zeigt in seinem Umschläge die wohlbekannte 
Hand des Meisters (Abbildung 8). Auch Zumbusch 
in München hat das wohlgelungene Titelblatt eines 
„Bayrischen Verkehrsbuches“ entworfen (Abbil¬ 
dung 10) und noch manche andre renommierte 
Künstler haben der Verkehrsreklame ihr Können 
zur Verfügung gestellt. 

Im Wesen der Reklamepsychologie liegt es natür¬ 
lich auch, für das jeweilig zu empfehlende Sujet den 
rechten Künstler zu finden, einen Künstler, dessen 
Eigenart sich eben diesem Sujet glücklich anzupassen 
weiß, denn eines jeden Individualität wird nur ganz 
bestimmten Forderungen gerecht werden können: auch 
das Talent hat seine Umgrenzungen. Wie falsch wäre 
es, etwa die Ausstattung eines Führers für Italien 
Lucian Bernhard anzuvertrauen, wie verkehrt, etwa 
von Franz Stuck ein wirksames Bierplakat zu erwarten, 
oder Otto Obermeier die künstlerische Ausgestaltung 
der Drucksachen der Münchner Sezessionsausstellung 
zu überlassen! Wo der eine gut am Platze ist, wird 
der andre bald versagen müssen, und je charakte¬ 
ristischer seine künstlerische Eigenart, um so enger 
die Grenzen des Gebietes, für das er der Rechte ist. 

Ein typisches Beispiel bietet uns z. B. der Wiener 
Marquis von Bayros. Seine Muse ist ein loses, zier¬ 
liches Persönchen der galantesten Rokokozeit, mit 
Allongeperücke und hohen Stöckelschuhen, mit gra¬ 
ziösen Gebärden und munterem Lachen, so schön, 
wie nur ein Pierrettchen der galanten Zeit je gewesen 
ist. Und schalkhafte Liebesgöttchen auf Spiegeln und 
Konsolen, bändergeschmückte graziöse Hündchen, 
Zöfchen mitden allerniedlichsten Toilettenartikelchen 
sind ihre Gespielen, tummeln sich in ihrer parfüm¬ 
duftenden, berauschenden Nähe. Solch Tempera¬ 
ment und Talent ist geschaffen für die Ausschmük- 
kung erotischer Bücher, pikanter Erzählungen, zur 


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Illustrierung gewagter Exlibris, er ist der gegebene 
Künstler für den Katalogumschlag einer Wiener 
Buchhandlung „Galante Literatur“, er kann mit der 
zierlichsten Gebärde zu der Ausstellung seiner 
eigenen Arbeiten in einer Berliner Kunsthandlung 
einladen. Aber auch die Inhaberin eines Berliner 
Modesalons erteilte ihm den Auftrag, ihre Geschäfts¬ 
karte zu schmücken. Unsre Abbildung (Abbildung 12) 
zeigt, wie es ihm gelang und wie er die Aufgabe löste. 
Mache sich jeder seine eigenen Gedanken darüber! 
Vom praktischen Gesichtspunkte aus betrachtet war’s 
ein Mißgriff: Viele mir bekannte Damen der Gesell¬ 
schaft, die dies Blättchen erhielten, empörten sich 
ob solcher lasziver Darstellung und überantworteten 
sie dem Papierkorb oder Ofen! 

Betrachten wir heute solche Blätter wie das eben 
genannte und freuen uns seiner künstlerischen 
Qualitäten, so kommt es uns kaum zum Bewußtsein, 
daß diese uns so selbstverständlich scheinende Mode 
der geschmackvollen Behandlung von Reklamedruck¬ 
sachen kaum auf ein fünfzehnjähriges Dasein zurück¬ 
blicken kann. Ihren Ursprung hat sie — wenigstens 
bei uns in Deutschland —zweifellos von der Erschei¬ 
nung der in Serien erscheinenden Reklamebilder 
Thompsons, Stollwerks, Leibnitz’ und andrer genom¬ 
men, Firmen, die in geschickter Weise an den da¬ 
mals so verbreiteten Sammeltrieb unsrer Jugend 
appellierten. Unterstützung fanden sie bei einigen 
den Gedanken rasch aufnehmendenKunstdruckereien 
— Karlsruher, Steglitzer usw. — sowie den Künst¬ 
lern selbst, denen wir so die ersten künstlerischen 
Reklamebilder zu verdanken haben (die Liebigschen 
Bilder, die ja noch älteren Datums sind, haben mit 
der Kunst nicht das geringste zu tun gehabt!). Es 
ist interessant, heute einmal die alten Serien Stoll- 
rm-cfcsc/ierReklamekarten durchzublättern, die das Re¬ 
sultat eines mit verhältnismäßig hohen Preisen aus¬ 
gezeichneten Wettbewerbes darstellen. Da fehlt 
kaum ein Name, der in der Künstlerwelt damals 
einen guten Klang hatte (und meist noch heute hat), 
ein jeder trug zum Gelingen der neuen Idee „Kunst 
in der Reklame“ bei. Stille, verträumte märkische 
Seen und Fischerdörfer zeichnete Leistikow, Vogeler 
zierliche Szenen aus vergangener Ritterzeit, Sattler 
Episoden aus Bauernkrieg und Landsknechtzeit, wäh¬ 
rend Münzer, Brandenburg und andre das deutsche 
Volkslied verherrlichten. Eckmann war mit farben¬ 
prächtigen Tierbildern, Modersohn, Dill, Liebermann, 
Scarbina und andre mit stimmungsvollen Landschaf¬ 
ten vertreten, während der Zeichner mancher andern 
schönen Serie sich in Anonymität hüllte. Der hohe 
Preis dieser Art von Reklame mag wohl die Ursache 
gewesen sein, daß sie sich kaum einzubürgern ver¬ 
mochte, ja, sie hat bei manchen Firmen wie der 
Tropongesellschaft, deren „Troponbibliothek“ Ge¬ 
dichte brachte, die in reizvollster Weise durch 


Künstler wie Wilhelm Schulz, Franz Christophe und 
andre illustriert waren, vielleicht zu ihrem raschen 
Ruin beigetragen. Bedauerlicherweise; denn solche 
Karten machten den Kindern viel Freude und stan¬ 
den hoch im Werte als künstlerisches Erziehungs¬ 
mittel. Waren sie doch meist besser als die Illustra¬ 
tionen eines großen Teiles unsrer Bilderbücher! 

Der Gedanke, sich den Sammeleifer unsrer Ju¬ 
gend zunutze zu machen, um künstlerisch ausge¬ 
führten Drucksachen weitere Verbreitung zu sichern, 
ist neuerdings von der Internationalen Monogesell¬ 
schaft wieder aufgenommen worden, die alle mög¬ 
lichen Drucksachen in Karton- und Broschürenform 
in handlichem Einheitsformat (etwa 11X16 cm) her¬ 
stellt. Man mag über ihren praktischen Wert streiten; 
ich will es dahingestellt sein lassen, ob eine Reklame 
wirksam ist, deren Bildseite mit der des Textes 
manchmal in weniger als loser Verbindung steht. Daß 
in künstlerischer Hinsicht hier zum Teil recht Gutes 
geboten wird, mögen die beigefügten Abbildungen 
(siehe Abbildungen 4, 5 und 6) beweisen. Die 
erste ist von H.M.Glatz , die beiden andern von 
einem Schweizer, namens Emil Cardinaux , von des¬ 
sen Hand auch der Entwurf für die Geschäftskarte 
einer Apotheke (siehe Abbildung 13) stammt. Ich 
glaube, daß wir von diesem Künstler, der auch auf 
dem Gebiete des künstlerischen Plakates schon Her¬ 
vorragendes geleistet hat, noch viel Erfreuliches zu 
sehen bekommen werden. Dasselbe gilt von einem 
jungen Münchner Künstler, Franz Paul Glass , der 
viel von Julius Diez gelernt hat und dessen Art zu 
zeichnen sehr nahe steht, der aber das Erlernte in 
höchst eigener Gestalt verwertet und eine durch¬ 
aus persönliche, originelle Note hat (siehe Abbil¬ 
dung 7). 

Eine Aufzählung all des Guten, was uns die 
künstlerische Ausstattung kleinerer Geschäftsdruck¬ 
sachen in den letzten Jahren gebracht hat, erscheint 




APOTHEKE 
FRIEDR.GOLLIEZ SLC* 
MURTEN. 1909 


Abbildung 13. Emil Cardinaux, Katalogumschlag 


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Die Herstellung aller 
gewerblichen und hand¬ 
werklichen Erzeugnisse 
drängtseitnun bald zwei 
Jahrzehnten nach einer 
Durchdringung undVer- 
edelung mit Kunst. Wir 
alle haben die Entwick¬ 
lung oder, besser ge¬ 
sagt, das Emporschießen des „modernen Stils* im 
Kunstgewerbe mit angesehen. Neue Forderungen, 
neue Gedanken, neue Formen waren urplötzlich da, 
umstürzlerisch, das Alte erschlagend und vernichtend. 


verschleiert,daß sie die 
Spreu nicht mehr vom 
Weizen zu scheiden ver¬ 
mochten. Sie alle kön¬ 
nen nicht mehr hem¬ 
men, was unaufhaltsam 
vorwärtsdringt: die Er¬ 
kenntnis, daß auch das 
Kleinste in unserm Le¬ 
ben wichtig genug ist, daß Geschmack und Kunst 
ihm die Hand bieten: ein Bruchteil im Fortschreiten 
der Verfeinerung unsrer Kultur, in der Erfüllung 
ästhetischer Forderungen. 


JsläorBacIi 

'IfKincben 

Abbildung 14. Ludwig Hohlwein, Katalogumschlag 


mir unnütz und über¬ 
flüssig. Einer Wein¬ 
preisliste sei nur be¬ 
sonders gedacht, die 
die bekannte Firma 
Schmanns in Magde¬ 
burg im Jahre 1907 her¬ 
ausgegeben hat (siehe 
Abbildung 15). Alois 
Kolb , einer unsrer be¬ 
deutendsten Radierer, 
hat die Textseiten mu¬ 
stergültig illustriert, da 
es ihm gelungen ist, 
sich von der Schwere 
und Gemessenheit, 
Ernst und Wuchtigkeit, 
die sonst seinen Figu¬ 
ren anhaftet, fast völlig 
zu befreien und einen 
leichten, muntern Stil, 
den diese Aufgabe er¬ 
forderte, zwanglos zu 
finden. 


„Los vom Alte n“ hieß 
die Losung, Übertrei¬ 
bungen und Auswüchse 
waren die logische Fol¬ 
gerung des Kampfes. 
Sie haben denen, die 
Jahrhunderte alte Tra¬ 
dition als ihren schön¬ 
sten Besitz verteidig¬ 
ten, die Augen getrübt 
für all das Gute, das 
im Kern der neuen Be¬ 
wegung schlummerte, 
also daß noch heute die 
Ersten desLandes einen 
erbitterten und doch 
ohnmächtigen Kampf 
gegen die fortschrei¬ 
tende Entwicklung von 
„Sezessions- und Ju¬ 
gendstil (!)“ führen; sie 
haben, auf unser Gebiet 
übertragen, Männern 
wie Sombart den Blick 


Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Vollkommenheit 

Von Dr.-Ing. AUGUST KOENIG, Frankenthal 
III 


III. Falz- und Sammelvorrichtungen. 

W ............jjg. sc j lon e j n g ari g S dieses Aufsatzes er- 

■ wähnt wurde, war man lange der An- 
| sicht, daß Maschinen für veränderliche 
Formate vorteilhafter ohne Falzvorrich¬ 
tungen ausgerüstet werden. Viele Jahre hindurch 
begnügte man sich daher, diese Maschinen nur mit 
Planoausgang zu bauen. Die bedruckten Bogen wur¬ 
den meistens zu zweien gesammelt und plano, das 
heißt ungefalzt, ausgelegt. Schon für die damaligen 
Verhältnisse haben sich die Variablen in dieser ein¬ 
seitigen Bauart wenig rationell erwiesen, heute aber 
würde eine Maschine ohne Falzapparat geradezu 


undenkbar sein. Die Anforderungen, die seit der Ein¬ 
führung von Falzvorrichtungen an Variablen gestellt 
werden, sind in wenigen Jahren in einer Weise ge¬ 
stiegen und auch erfüllt worden, daß man mit Stolz 
und Bewunderung auf die Leistungsfähigkeit unsrer 
Schnellpressenfabriken blicken darf. 

Die ersten Falzvorrichtungen waren naturgemäß 
unvollkommen. Mußte man sich doch damals noch 
mit Trichter , Falztrommel und Falzhauer begnügen. 
Erst mit dem Bekanntwerden des amerikanischen 
bänderlosen Zylinderfalzes , nach dem Erfinder Victory 
auch Victoryfalz genannt, war eine Wendung in der 
Entwicklung der Variablen eingetreten. Wie die 

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bänderlosen Rotationsmaschinen für festes Format, so 
sind auch heute die Maschinen für veränderliches 
Format durch Einführung bänderloser Falze in den 
Vordergrund des Interesses getreten. 

Die Zylinderfalze wurden früher nur als Querfalze 
ausgeführt, das heißt der Falz erfolgte quer zum Pa¬ 
pierlauf. In neuester Zeit hat man jedoch den Victory- 
falz auch als Längsfalz angewandt und damit zu¬ 
gleich recht günstige Ergebnisse erzielt. Außer 
diesem bänderlosen Zylinderfalz kommt nur noch der 
Hauerfalz , sowohl als Längs- wie Querfalz in Frage, 
während der Trichter- und Trommelfalz , sowie auch 
der Tuckerfalz 1 (Zylinderfalz mit sich überschlagen¬ 
den Messern) bei modernen Variablen bereits ganz 
verschwunden ist. 

Zur Erläuterung der Wirkungsweise des Victory- 
und Hauerfalzes genügen wohl wenige Worte. Diese 
beiden Falzvorrichtungen sind zu bekannt, um ein 
Nähereingehen auf alle Einzelheiten des Falzprozesses 
zu heischen. Der Victoryfalz ist bei Variablen stets 
der erste Falz, das heißt die bedruckten Bogen wer¬ 
den unter Vermittlung eines Übertragungszylinders, 
also vollständig ohne Bänder, vom Widerdruckzylinder 
aus den Falzzylindern zugeführt. Der erste Falz, stets 
Querfalz, erfolgt zwischen dem ersten und zweiten 
Falzzylinder, der zweite Falz, gleichfalls ein Quer¬ 
falz, zwischen dem zweiten und dritten Falzzylinder 
usw. Je nachdem nun eine Maschine für zwei, drei 
oder mehr solche Querfalze gebaut ist, spricht man 
von zwei, drei oder mehr bänderlosen Parallelfalzen . 
Der erste Falzzylinder, der die Bogen vom Über¬ 
tragungszylinder abnimmt, muß, je nachdem die Füh¬ 
rung der Bogen durch die Maschine erfolgt, neben 
dem Falzmesser auch noch mit Greifern, Luftsaugung 
oder Nadeln ausgerüstet sein. Der zweite Zylinder 
trägt eine bewegliche, mit Gummi besetzte Falzklappe, 
sowie das zur Erzeugung des zweiten Falzes erforder¬ 
liche Falzmesser, während der dritte Falzzylinder nur 
mehr mit einer beweglichen Klappe versehen ist. 
Wäre aber noch ein dritter Parallelfalz verlangt, so 
müßte dieser dritte Zylinder genau so wie der zweite 
Falzzylinder außer der Klappe auch noch ein Falz¬ 
messer erhalten und erst der nächste Zylinder würde 
mit einer Klappe allein ausgerüstet sein. Das Falzen 
selbst geschieht stets in der Zentralen der jeweils zu¬ 
sammenarbeitenden Zylinder, indem das meist fest¬ 
stehende um etwa 3 Millimeter aus dem Zylinder her¬ 
ausragende, aber federnd angeordnete Falzmesser den 
Bogen in die über die ganze Breite des Zylinders sich 
erstreckende Klappe drückt. Bei Greifermaschinen 
nehmen die Greifer des ersten Falzzylinders den 

1 Über die Bedeutung dieses Falzes für bänderlose fest- 
formatige Rotationsmaschinen wurde in einem Aufsatz 
des Verfassers über „ rotierende Falzzylinder und deren 
neueste Verbesserungen“ eingehend berichtet (siehe Archiv 
für Buchgewerbe, Jahrgang 1909, Heft 6—12). 


Bogen vom Übertragungszylinder ab und führen ihn 
soweit mit herum, bis das Falzmesser vom ersten 
Falzzylinder, der Klappe vom nächsten Zylinder genau 
gegenübersteht. In diesem Augenblick muß das durch 
die Greifer gehaltene vordere Ende des Bogens los¬ 
gelassen werden, was aber aus hier nicht weiter zu 
erörternden Gründen nicht durch Öffnen der Greifer, 
sondern durch Zurückweichen der Greiferauflage¬ 
schiene (um einige Millimeter) erreicht wird. Die 
Greifer des ersten Falzzylinders haben sonach nur 
dieAufgabe,dieankommendenBogen zu übernehmen, 
während das Loslassen der Bogen vollkommen un¬ 
abhängig hiervon geschieht. Bei Maschinen mit Luft¬ 
saugung und Nadeltransport läßt sich der erste Falz¬ 
zylinder insofern einfacher ausführen, als hier die 
Übernahme und das Loslassen der Bogen durch ein 
einziges Exzenter bewirkt werden kann und zwar bei 
Variablen mit pneumatischer Bogenführung durch 
Unterbrechung der Saugwirkung und bei Variablen 
mit Nadeltransport durch Zurückgehen der Nadeln. 

Der so zum erstenmal gefalzte und von der Klappe 
des zweiten Falzzylinders festgehaltene Bogen wird 
nun durch diese Klappe soweit mit herumgenommen, 
bis wieder das Falzmesser dieses Zylinders mit der 
Klappe des nächsten Zylinders zusammentrifft und 
den Bogen zum Falzen bringt. In diesem Augenblick 
muß die Klappe des ersten Zylinders den Bogen frei¬ 
geben, da von jetzt ab die Weiterführung des Bogens 
durch den zweiten Falzzylinder übernommen wird. 
Dieses Spiel wiederholt sich nun so oft, als noch 
Falze vorhanden sind. Die verschiedenen Exzenter 
müssen hierbei so eingestellt werden, daß die Zylin¬ 
der genau Zusammenarbeiten und die Falze in der 
richtigen Weise erfolgen. Sollen z. B. die Bogen stets 
in der Mitte gefalzt werden, so würde sich die Länge 
der Bogen beim ersten Falz auf die Hälfte, beim 
zweiten Falz auf den vierten Teil und beim dritten 
Falz schon auf den achten Teil reduzieren, was zu¬ 
gleich einer Zunahme der Seitenzahl von 2 auf 4 beim 
ersten Falz, von 4 auf 8 beim zweiten Falz, von 8 auf 
16 beim dritten Falz entsprechen würde. 

Um verschieden große Formate falzen zu können, 
müssen beim Übergang vom einen zum andern Format 
sowohl die Falzzylinder für sich, als auch die Zylin¬ 
der in ihrem gegenseitigen Zusammenarbeiten ver¬ 
stellt werden; denn es ist begreiflich, daß, wenn 
z. B. ein kleineres oder größeres Format gefalzt wer¬ 
den soll, der Falz bei ungeänderter Zylinderstellung 
nicht mehr in die Mitte fallen kann. Die Verstellung 
der Falzzylinder ist deshalb auch ebenso alt, wie deren 
Anwendung an Variablen überhaupt. Im Prinzip be¬ 
ruht diese Verstellung darauf, daß von den beiden 
Falzorganen eines Zylinders je ein Organ schwingend 
bzw. um die Achse des Zylinders beweglich ange¬ 
ordnet ist, so daß die gegenseitige Lage beider Organe 
jederzeit beliebig geändert werden kann. Die heutigen 


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Ausführungen der verschiedenen Fabrikate stimmen 
alle darin überein, daß stets die Falzklappen fest 
und die Falzmesser beweglich sind, zu welchemZweck 
für die Messer ein besonderes, auf der Zylinderwelle 
gelagertes, während des Betriebes aber mit dem Zy¬ 
linder fest verbundenes Armsystem erforderlich ist. 
Bei Maschinen mit Luftsaugung hat es sich als prak¬ 
tisch erwiesen, wenn am ersten Falzzylinder statt des 
Falzmessers, die Saugleiste schwingend gemacht wird, 
während bei Greifer- und Nadelmaschinen vorteil¬ 
hafter das Falzmesser gegen die Greifer bzw. gegen 
die Nadeln eingestellt werden. Am letzten Falzzylin¬ 
der ist, da er nur die Falzklappe enthält, überhaupt 
keine Verstellung notwendig. Der Zusammenhang 
der einzelnen Zylinder ist durch Anwendung von Ver¬ 
bindungsrädern erreicht. 

Bis vor wenigen Jahren mußten bei einer Änderung 
des Formats die jeweils zusammenarbeitenden Falz¬ 
organe durch umständliches Ausprobieren stets von 
neuem eingestellt werden. Durch sinnreiche Erfin¬ 
dungen ist es nun in neuester Zeit gelungen, den 
gegenseitigen präzisen Eingriff der Falzmesser und 
Falzklappen zu sichern, so daß sich jetzt die Falz¬ 
zylinder für jedes beliebige Format schnell und leicht 
einstellen lassen. Das Einstellen der Falzorgane 
kann sowohl an den Zylindern selbst, als auch vom 
Handvorgelege aus vorgenommen werden. Beide 
Methoden haben sich in der Praxis bestens bewährt 
und sind auch an fast allen modernen Variablen anzu¬ 
treffen. Eine weitere wichtige Vervollkommnung der 
Falzapparate hat Albert & Co. durch zwangläufige 
Verstellung sämtlicher Falzexzenter erreicht. Wäh¬ 
rend früher die Exzenter für Falzmesser und Falz¬ 
klappen besonders eingestellt werden mußten, er¬ 
folgt jetzt deren Einstellung beim Verhängen der 
Falzzylinder selbsttätig durch Anwendung von Diffe¬ 
rentialgetrieben. 


Zum allgemeinen Verständnis über die bei einer 
Änderung des Formats notwendige Umstellung der 
Zylinder dürfte dieser kurze Hinweis genügen. Von 
weit größerem Interesse ist es dagegen, die Leser 
mit den an den Falzvorrichtungen vorgenommenen 
neuesten Verbesserungen bekannt zu machen. 

Als ein Nachteil der früheren Falzapparate machte 
sich die Verwendung von Schnüren fühlbar. So z. B. 
war bisher das Auslegen einmal gefalzter Bogen bei 
einem Falzapparat für zwei Falze nur unter Benutzung 
von Schnüren möglich (vergleiche Abbildung 10). 
Die Schnüre liefen hierbei in etwa 5 Millimeter tiefen 
Rillen des zweiten Falzzylinders und legten sich auf 
den Mantel des dritten Falzzylinders, auf diese Weise 
das Herausnehmen der Bogen aus der Klappe des 
zweiten Zylinders und zugleich die Weiterführung 
der Bogen veranlassend. Um die Übergabe der ein¬ 
mal gefalzten Bogen sicher zu erreichen, sowie die 
Schnüre vor zu rascher Abnutzung zu schützen, 
müssen die Schnüre gut angetrieben und außerdem 
gleichmäßig gespannt sein. Letztere Bedingung ver- 
anlaßte Koenig & Bauer, sogenannte Selbstspanner 
einzuführen, Vorrichtungen, durch welche das selbst¬ 
tätige Spannen der einzelnen Schnüre bewirkt wurde. 
Durch diese Verbesserung konnte die Lebensdauer 
der Schnüre zwar wesentlich verlängert werden, ganz 
umgehen ließ sich jedoch das Abreißen von Schnüren 
nicht. Da ferner beim Auslegen zweimal gefalzter 
Bogen die Schnüre durch Herausschneiden wieder 
beseitigt werden mußten, so braucht man sich nicht 
zu wundern, wenn die Drucker für eine solche Arbeits¬ 
weise des Falzapparates nur wenig Begeisterung 
zeigten. Man umgeht daher die Schnüre in neuester 
Zeit dadurch, daß man die einmal gefalzten Bogen 
direkt durch Greifer aus der Falzklappe herausnehmen 
läßt (vergleiche Abbildung 11). Diese im dritten 
Falzzylinder eingebauten Greifer fassen von unten 



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her in die Falzklappe des zweiten Falzzylinders und 
heben den Bogen aus der Klappe dieses Zylinders. 
Um die Unterbrechungen an der Falzklappe nicht zu 
groß zu erhalten, müssen die Greifer möglichst schmal 
ausgeführt werden und weisen außerdem eine ham¬ 
merartige Gestalt auf. Diese bisher nur von Albert 
& Co. aufgegriffene amerikanische Erfindung verdient 
in Anbetracht ihrer praktischen Bedeutung besondere 
Beachtung. Mit Anwendung von Abnehmgreifern 
an Stelle von Schnüren ist zwar eine ziemliche Ver¬ 
teuerung in der Konstruktion und Ausführung des 
betreffenden Falzzylinders verbunden, ein Nachteil, 
der aber durch die erzielte höhere Betriebssicherheit 
reichlich ausgeglichen wird. Jedenfalls beweist die 
Einführung dieser Neuerung, daß von seiten der Ma¬ 
schinenfabriken an der inneren Vervollkommnung der 
Variablen fleißig weitergearbeitet wird. Beim Aus¬ 
legen zweimal gefalzter Bogen sind die Greifer des 
dritten Falzzylinders abgestellt, was durch eine ein¬ 
fach auszuführende Verhängung dieses Zylinders er¬ 
reicht wird. Die einmal gefalzten Bogen werden durch 
das jetzt in Funktion sich befindende Falzmesser des 
zweiten Zylinders in die Klappe des dritten Zylinders 
hineingefalzt und die so zum zweitenmal querge¬ 
falzten Bogen durch diese Klappe gleich zum Aus¬ 
gang geführt. 

Eine ebenfalls interessante Neuerung, durch die 
sich eine wesentliche Vereinfachung des gesamten 
Falzapparates erzielen läßt, bezieht sich auf das Längs¬ 
schneiden quergefalzter Bogen. Bisher war es üblich, 
auch bei nur einmaligem Schnitt einen besonderen, 
mit Greifern ausgerüsteten Zylinder vorzusehen 
(vergleiche Abbildung 12). Die Übertragung der 
Bogen erfolgte hierbei in bekannter Weise durch 
Schnüre , indem die im letzten Falzzylinder in Rillen 
laufenden Schnüre den betreffenden Bogen aus der 
Falzklappe heben und ihn gegen den Greiferzylinder 
drücken. Sobald die Greifer außer Bereich der Falz¬ 
klappe sind, schließen sich dieselben und übernehmen 
von jetzt ab die Weiterführung des Bogens, was not¬ 


wendig ist, da der Transport durch Schnüre beim 
Schneiden von Bogen nicht zuverlässig genug ge¬ 
schieht. Das Längsschneiden der gefalzten Bogen 
wird durch ein rotierendes Kreismesser bewirkt, 
was zugleich die Anwendung eines in der Mitte des 
Greiferzylinders eingesetzten Nutringes bedingt. Ab¬ 
bildung 12 bezieht sich auf einen Falzapparat für ein- 
oder zweimaligen Querfalz. Die unteren Schnur¬ 
leitungen sind nur beim Auslegen einmal gefalzter 
Bogen erforderlich und haben den Zweck, diese Falz¬ 
produkte vom zweiten zum dritten Falzzylinder zu 
übertragen. Die oberen Schnüre müssen dagegen 
die Führung der ein- und zweimal gefalzten Bogen 
vom letzten Falzzylinder zum Längsschneidzylinder 
besorgen, weshalb auch diese Schnurleitungen für 
beide Arbeitsweisen des Falzapparates nötig sind. 

In vielen Fällen wurde durch die Einschaltung 
dieses Greiferzylinders eine Drehrichtung erhalten, 
die zum Ausführen der gefalzten und geschnittenen 
Bogen (z. B. durch Schaufelrad) nicht zu verwerten 
war. Man sah sich daher genötigt, noch einen zweiten 
Greiferzylinder vorzusehen, wobei jedoch, da jetzt 
die Bogen bereits von einem Greiferzylinder abge¬ 
nommen werden, die Übergabe der Bogen vom ersten 
zum zweiten Greiferzylinder direkt durch Greifer in 
der Zentralen beider Zylinder erfolgen kann. Aus prak¬ 
tischen Gründen wird der letzte Greiferzylinder gleich 
zum Schneiden der Bogen verwendet, so daß der Nut¬ 
ring jetzt in diesen Zylinder einzusetzen ist. Man 
erkennt hieraus, welche Komplikationen das Längs¬ 
schneiden der quer gefalzten Bogen bisher verur¬ 
sachte und wie sehr die Bauart einer Maschine durch 
diese einzige Bedingung beeinflußt werden konnte. 
Aus diesem Grunde versuchte man das Schneiden 
der Bogen gleich auf dem letzten Falzzylinder auszu¬ 
führen und dies mit so günstigem Erfolg, daß man 
an dieser Neuerung auch fernerhin festhalten wird 
(vergleiche Abbildung 11). Um die Unterbrechung 
der Klappe nicht zu groß zu erhalten, muß der in 
den Zylinder eingesetzte Nutring möglichst schmal 



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ausgeführt werden. Der Falz selbst wird durch die 
Unterbrechung nicht beeinträchtigt. Das Schneiden 
erfolgt auch hier durch ein rotierendes Kreismesser. 
Bei einmaligem Längsschnitt hat sich das Schneiden 
auf dem letzten Falzzylinder in äußerst einfacher 
Weise technisch erreichen lassen, dagegen treten bei 
mehrfachem Schnitt wegen der erforderlichen Mes¬ 
ser- und Nutringverstellungen, bedingt durch die Ver¬ 
arbeitung verschieden breiter Formate, erhebliche 
konstruktive Schwierigkeiten auf, weshalb die Lösung 
dieses interessanten Problems vorerst noch zurück¬ 
gestellt worden ist, aber doch der Zukunft Vorbehalten 
sein dürfte. Das mehrmalige Längsschneiden der 
quergefalzten Bogen geschieht daher heute noch auf 
einem eigens hierzu vorgesehenen aus verschiebbaren 
Nutringen zusammengesetzten Greiferzylinder (ver¬ 
gleiche Abbildung 12). 

Das Bestreben, die Variablen möglichst bänderlos 
zu bauen, führte dazu, auch dem Sammeln unge¬ 
faßter , also plano auszulegender Bogen erhöhte Auf¬ 
merksamkeit zuzuwenden. Bei Maschinen mit Saug¬ 
vorrichtung werden z. B. die einzelnen Bogen ent¬ 
weder direkt von dem zwischen dem Widerdruck¬ 
zylinder und dem ersten Falzzylinder eingeschalteten 
Übertragungszylinder einem langen, meist über den 
ganzen hinteren Teil der Maschine laufenden Bänder¬ 
system übergeben, oder indirekt, indem die Bogen 
aus konstruktiven Gründen noch um die beiden ersten 
Falzzylinder geführt werden und durch einen be¬ 
sonderen Abnehmzylinder dann erst in das fragliche 
Bändersystem gelangen. Das Sammeln selbst erfolgt 
durch Luft und sind, je nachdem zwei oder drei Bogen 
gesammelt werden sollen, ein oder zwei Zylinder er¬ 
forderlich (vergleiche Abbildung 13 und 14). Beim 
Sammeln von zwei Bogen auf einem Zylinder (ver¬ 
gleiche Abbildung 13) wird der erste Bogen durch Luft 
angesaugt und einmal ganz mit herumgeführt. In¬ 
zwischen ist der zweite Bogen angekommen, legt 
sich auf den ersten Bogen und beide so vereinigte 


Bogen, von denen der untere noch durch Saugwirkung 
und der obere durch Bänder festgehalten ist, können 
nun von jetzt ab dem zum Auslegen notwendigen 
Bändersystem übergeben werden, wobei das Abheben 
der Bogen vom Zylinder durch periodisch bewegliche 
und in den Zylinder hineintretende Zungen geschieht. 

Das Sammeln von nur zwei Bogen, was, nebenbei 
bemerkt, früher sogar auf zwei Zylindern ausgeführt 
wurde, machte, um namentlich bei größeren Formaten 
und voller Ausnutzung der Laufgeschwindigkeit noch 
ein exaktes Auslegen der Bogen zu erreichen, die 
Anwendung eines Doppelauslegers notwendig. Die 
Unterbringung der beiden Auslegetische erforderte 
aber sehr viel Platz, woran insbesondere die älteren 
Variablen krankten. Diesen Nachteil umgehen nun 
Koenig & Bauer seit einigen Jahren durch eine neue 
Sammelvorrichtung, welche unterZuhilfenahme eines 
zweiten Zylinders das Sammeln von drei Bogen er¬ 
möglicht und damit zugleich die Verwendung ein¬ 
seitig wirkender Rechenausleger wieder bequem ge¬ 
stattet (vergleiche Abbildung 14). Das Sammeln selbst 
erfolgt im Prinzip genau so wie vorher. Der zweite 
Sammelzylinder kann sowohl seitlich als auch unter¬ 
halb des ersten Zylinders angeordnet sein. In beiden 
Fällen wird der erste Bogen mittels Bänder über den 
ersten Zylinder hinweg zum zweiten Zylinder geführt 
und von diesem mittels Luft zweimal mit herum¬ 
genommen. Inzwischen führt der erste Zylinder den 
zweiten Bogen mittels Luft einmal mit sich herum, 
so daß sich schließlich der dritte Bogen auf den zweiten 
Bogen legt und diese beiden sich dann mit dem ersten 
Bogen vom zweiten Zylinder vereinigen. Für jeden 
Zylinder müssen jetzt bewegliche Zungen vorgesehen 
sein. Diese Verbesserung hat sich, was das Auslegen 
der Bogen betrifft, zwar sehr vorteilhaft erwiesen, 
trug aber jedenfalls nicht dazu bei, die Nachteile der 
langen Bandleitungen zu beseitigen noch zu ver¬ 
ringern. Dies dürfte wohl auch der Grund gewesen 
sein, weshalb Koenig & Bauer die Bandleitungen 
durch Einschaltung von Transport- oder Über¬ 
tragungszylindern ganz zu umgehen versuchten. 
Das Sammeln der Bogen erfolgt jetzt mit Grei¬ 
fern, aber noch unter Zuhilfenahme von Schnü¬ 
ren, weshalb auch diese Lösung als keine ideale 
bezeichnet werden kann. 

Das Sammeln beliebig vieler Bogen auf einem 
Greif erzylinder, ohne Verwendung von Bändern 
und Schnüren, muß daher als eine der wichtig¬ 
sten und zugleich interessantesten Neuerungen 
an Variablen angesehen werden. Obwohl diese 
Sammelvorrichtung schon vor vielen Jahren an 
französischen festformatigen Rotationsmaschi¬ 
nen angetroffen und auch von den Amerikanern 
bereits auf Variable übertragen wurde, so blieb 
sie doch bei uns ziemlich unbeachtet und ist 
meines Wissens bisher auch nur \on Albert&Co. 



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praktisch verwertet worden. — Das Sammeln von 
mehreren Bogen (meist vier) auf nur einem Zy¬ 
linder beruht auf der Anwendung zweier Greifer- 
Systeme . An Hand von Abbildung 15 soll das 
Prinzip dieser Sammelvorrichtung etwas näher er¬ 
läutert werden. Vorausgeschickt sei, daß der frag¬ 
liche Zylinder die Bogen direkt von dem zwischen 
Widerdruck- und erstem Falzzylinder gelegenen 
Übertragungszylinder abnimmt, also weder Bänder 
vorhanden sind, noch die Bogen vorher durch Falz¬ 
zylinder geführt werden müssen, was wegen Ab¬ 
stellung der Falzorgane immer mit Umständlichkeiten 
verbunden ist. Von den beiden Greifersystemen 
übernehmen die kurzen Greifer stets den neu an- 
kommenden Bogen , während die langen Greifer die 
bereits gesammelten Bogen beim Öffnen der kurzen 
Greifer festhalten. Da sich jedoch immer der zuletzt 
auflaufende Bogen auf die vorigen Bogen legt, so 
werden die langen Greifer von diesen Bogen zuge¬ 
deckt und können sich daher nicht mehr öffnen, ohne 
den von den kurzen Greifern gehaltenen oberen 
Bogen zu durchreißen. Aus diesem Grunde müssen 
die langen Greifer schwingend angeordnet werden, 
das heißt, man läßt diese Greifer, bevor sie aufgehen, 
eine kurze Bewegung längs der Zylinderperipherie 
ausführen. Erst nachdem also die langen Greifer aus 
dem Papier herausgezogen sind, kann das Öffnen 
und Schließen dieser Greifer vor sich gehen, wäh¬ 
rend welcher Zeit aber die Bogen durch die kurzen 
Greifer festgehalten werden. Daß vor dem Schließen 
der langen Greifer diese in ihre anfängliche Lage 
zum Zylinder gebracht werden müssen, also wieder 
ebensoweit zurückschwingen müssen, ist selbstver¬ 
ständlich. Beide Greifersysteme sind also jetzt ge¬ 
schlossen und halten gemeinsam die bereits gesam¬ 
melten Bogen. Auf diese Weise können beliebig viele 
Bogen gesammelt werden. Das Öffnen der kurzen 
Greifer muß so frühzeitig geschehen, daß die Ab¬ 
nahme des neu ankommenden Bogens vom Über¬ 
tragungszylinder genau in der Zentralen beider Zy¬ 
linder erfolgt, was leicht zu erreichen ist, da die 
Bogen nach dem Schließen der langen Greifer von 
diesen bis zum Öffnen gehalten werden, das Öffnen 
der kurzen Greifer daher beliebig lang vorher ver¬ 
anlaßt werden kann. Das Schließen der kurzen 
Greifer, das Herausschwingen der langen Greifer 
aus dem Papier, das Öffnen und Schließen mit gleich¬ 
zeitigem Zurückschwingen dieser Greifer, das Öffnen 
der langen Greifer, alle diese vom Sammelzylinder 
auszuführenden Funktionen wiederholen sich bei 
jedem neu hinzukommenden Bogen in genau gleicher 
Weise. 

Die Bogenabgabe erfolgt in der Regel durch gleich¬ 
zeitiges Öffnen beider Greifersysteme, was jedoch 
nicht ausschließt, daß die kurzen Greifer schon vor 
der betreffenden Stelle geöffnet sein können. Die 


Bogen werden mittels Zungen, die je nach der An¬ 
zahl der gesammelten Bogen nach zwei, drei, vier 
oder mehr Zylinderumdrehungen in den Sammel¬ 
zylinder hineintreten, von diesem abgehoben und 
legen sich auf ein ziemlich senkrecht verlaufendes 
Bändersystem, von dem sie durch einen Rechen¬ 
wender in der üblichen Weise auf einen horizontalen 
oder etwas schräg gestellten Tisch ausgelegt werden. 

So einfach diese Sammelvorrichtung in ihrer Wir¬ 
kungsweise auch erscheinen mag, technisch waren 
jedenfalls große Schwierigkeiten zu überwinden, 
Schwierigkeiten, die vor allem durch die Anwendung 
geschlossener Exzenter , sogenannter Rillenexzenter, 
bedingt waren, eine Verbesserung, die von Albert&Co. 
an solchen Sammelvorrichtungen zum erstenmal aus¬ 
geführt wurde. 

Das Schwingen der langen Greifer wird in der 
Weise erreicht, daß man die Greiferspindel in lose 
auf der Welle des Zylinders sitzende Arme lagert, 
die auf der andern Seite zu kurzen Zahnsegmenten 
ausgebildet sind. In Eingriff mit den beiden Zahn¬ 
segmenten stehen kleinere Zahnräder, die auf einer 
durch den Zylinder gehenden Spindel befestigt sind. 
Diese Spindel trägt an ihrem einen Ende ein Ärmchen 
mit Rolle, so daß durch Anwendung eines Exzenters 
den Segmentarmen und damit zugleich der Greifer¬ 
spindel samt Greifer die gewünschte Drehbewegung 
erteilt werden kann. Das Öffnen und Schließen der 
langen Greifer geschieht durch ein weiteres Exzenter, 
das aber direkt auf die Greiferspindel wirkt. Durch 
ein drittes Exzenter wird das Öffnen und Schließen 
der kurzen Greifer erreicht, während ein viertes, nur 
periodisch arbeitendes Exzenter das Öffnen und 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Schließen dieser Greifer zwecks Abgabe der gesam¬ 
melten Bogen zu besorgen hat. Schon die Anzahl 
der erforderlichen Exzenter läßt darauf schließen, daß 
es für den Konstrukteur keine leichte Aufgabe war, 
diese geradezu verschollene Sammelvorrichtung zu 
modernisieren und sie insbesondere für Greifer¬ 
maschinen praktisch zu verwerten. 

Eine weitere, gleichfalls auf das Sammeln unge¬ 
faßter Bogen sich beziehende Neuerung an Variablen 
möge noch Erwähnung finden. Es handelt sich hier¬ 
bei um das Sammeln von zwei Bogen auf dem ersten 
Falzzylinder, wodurch es möglich geworden ist, zwei 
gesammelte Bogen auf einmal zu falzen und damit 
die Seitenzahl der gefalzten Produkte auf das Dop¬ 
pelte zu steigern. Voraussetzung für eine solche 
Arbeitsweise der Presse ist allerdings, daß sowohl 
Druck-wie Plattenzylinder von doppeltgroßem Durch¬ 
messer sein müssen (bei Plattenzylindern von nor¬ 
maler Größe würden nämlich zwei gleich bedruckte 
Bogen zum Falzen kommen). Da bei Greifermaschinen 
die Druckzylinder wegen Verlegung der Makulage- 
vorrichtung in den Widerdruckzylinder im allgemeinen 
schon doppelt so groß als bei Maschinen mit Luft- 
und Nadeltransport ausfallen, so hätte diese Sammel¬ 
methode nur noch eine Verdoppelung der Platten¬ 
zylinder zur Folge, eine Ausführung, durch welche zu¬ 
gleich die Bauart der Maschine in besonders günstiger 
Weise beeinflußt wird. Außer den in Abbildung 15 
besprochenen kurzen und langen Greifern weist 
dieser als Sammelzylinder ausgebildete erste Falz¬ 
zylinder noch eine bewegliche Greiferauflageschiene, 
sowie das auf Format einzustellende und daher um 
die Achse des Zylinders schwingend angeordnete 
Falzmesser auf. Der Zylinder kann außerdem so¬ 
wohl zum Sammeln als auch zum Nichtsammeln ein¬ 
gerichtet werden. Durch die Verwendung geschlos¬ 
sener Exzenter waren auch hier große konstruktive 
Schwierigkeiten zu überwinden. Diese in der Praxis 
gleichfalls ausgezeichnet bewährte Neuerung dürfte 
bisher wohl nur von Albert & Co. ausgeführt worden 
sein. 1 

Wie bereits erwähnt wurde, sind die ersten Falze 
bei Variablen stets Querfalze . Der Falz erfolgt also 
quer zum Papierlauf . Je nachdem nun z. B. die Bogen 
ein-, zwei- oder dreimal quer gefalzt werden sollen, 
ändert sich die Seitenzahl der so erhaltenen Falz¬ 
produkte wie folgt: 

bei einmal gefalzten Bogen von 2 auf 4 Seiten, 
bei zweimal gefalzten Bogen von 4 auf 8 Seiten, 
bei dreimal gefalzten Bogen von 8 auf 16 Seiten. 


1 Auch das Sammeln einmal gefalzter Bogen in der Falz¬ 
klappe des zweiten Falzzylinders wurde von Albert & Co. 
bereits mit bestem Erfolg praktisch erprobt. Diese bisher 
noch unbekannte Sammelmethode setzt gleichfalls doppelt 
große Druck- und Plattenzylinder voraus. 


In neuester Zeit werden die Querfalzapparate auch 
für sechsseitige Produkte eingerichtet, deren Her¬ 
stellung auf der Anwendung des sogenannten Zick- 
zackfalzes (Z-Falz) beruht. Stellt man nämlich die 
Zylinder so ein, daß die Bogen nicht auf die Hälfte, 
sondern beim ersten Falz auf das erste Drittel und 
beim zweiten Falz auf das zweite Drittel gefalzt wer¬ 
den, so erhält man statt acht Seiten nur sechs Seiten, 
ein Falzprodukt, das unter Umständen von großem 
Vorteil sein kann. 

Alle diese Produkte weisen die volle Breite des 
Papiers auf. In den meisten Fällen haben jedoch 
solche Falzprodukte wenig Wert. Entweder werden 
sie daher, bevor sie die Maschine verlassen, in 
mehrere Teile längs des Papierlaufs geschnitten oder 
noch weiter gefalzt, in welch letzterem Fall als nächst¬ 
folgender Falz natürlich nur ein Längsfalz in Frage 
kommen kann. Das Längsschneiden der quergefalzten 
Bogen ließe sich zwar durch Verwendung entsprechend 
schmälerer Papierrollen umgehen, jedoch würde die 
Maschine auf diese Weise sehr schlecht ausgenützt 
und der Betrieb zugleich recht unrationell werden. 
Aus diesem Grunde wird man das Papier so breit 
wie eben möglich nehmen, und dafür die Bogen nach 
dem Falzen in einzelne Teile schneiden. 

Das mehrmalige Längsschneiden der quergefalzten 
Bogen geschieht, auf einer besonderen aus verschieb¬ 
baren Ringen zusammengesetzten Greifertrommel, 
da sich aus früher schon angegebenen Gründen der 
letzte Falzzylinder für diesen Zweck bis jetzt noch 
nicht ausbilden ließ. Der Ausgang dieser Produkte 
kann sowohl durch Schaufelräder erfolgen, wobei für 
jedes geschnittene Produkt mindestens zwei Schaufel¬ 
räder erforderlich sind (bei dreimaligem Schnitt dem¬ 
nach acht auf einer gemeinsamen Welle sitzende 
Räder), oder in nebeneinanderliegenden Kasten . In 
beiden Fällen müssen wegen der veränderlichen Pa¬ 
pierbreite die Ausgänge zum Verstellen eingerichtet 
sein. Die so längs der Maschine herauskommenden 
Exemplare lassen sich äußerst bequem wegnehmen. 

Das Auslegen der quergefalzten und längsge¬ 
schnittenen Produkte kann je nach der Anzahl der 
Schnitte (durch rotierende Kreismesser erzeugt) in 
Sektionen zu zwei, drei, vier usw. erfolgen, was die 
Anwendung von ein, zwei, drei und mehr Schneid¬ 
messern voraussetzt. Für diesen Fall ist die stünd¬ 
liche Leistung der Maschine bei Zugrundelegung einer 
Maximalproduktion von 8000 ganzen Exemplaren 
wie folgt: 

8000 Exemplare ungeschnitten ausgelegt, 

16000 Exemplare in 2 Sektionen ausgelegt, 

24000 Exemplare in 3 Sektionen ausgelegt, 

32000 Exemplare in 4 Sektionen ausgelegt, 
wobei die Stärke bei allen Produkten je nach der An¬ 
zahl der Querfalze sowohl 4, wie 8, wie 16 Seiten usw. 
sein kann. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Sobald die ein- oder mehrmals quergefalzten Pro¬ 
dukte noch weiter gefalzt werden sollen, so kann es 
sich zunächst nur um einen Längsfalz handeln, das 
heißt um einen Falz längs des Papierlaufs (vergleiche 
Abbildung 16 und 17). Bis vor wenigen Jahren kam 
als solcher Falz nur 
der Hauerfalz in 
seinen verschiede¬ 
nen Ausführungen 
zur Anwendung (bei 
senkrechter Messer¬ 
bewegung auch viel¬ 
fach unter dem Na¬ 
men Kulissenfalz 
bekannt, vergleiche 
Abbildung 16a und 
c, sowie Abbildung 
17a und c). In jüng¬ 
ster Zeit ist man je¬ 
doch dazu überge¬ 
gangen, diesen Falz 
auch durch Zylinder 
ausführen zu lassen, 
also durch noch¬ 
maligen Victoryfalz 
(vergleiche Abbil¬ 
dung 16b und 17b). 

Es ist dies eine 
Neuerung, von der 
man sich anfangs 
keine großen Erwar¬ 
tungen versprach, 
die sich aber in der 
Praxis so hervor¬ 
ragend gut bewährte 
daß sie heute ganz 
besondere Beach¬ 
tung verdient. Die 
mittels horizontal 
laufender Bänder 
zum Längsfalzappa¬ 
rat geführten Bogen 
werden durch einen 
in Richtung des Pa¬ 
pierlaufs liegenden 
und das Falzmesser 
tragenden Zylinder 
in einen darunter angeordneten und mit der Falz¬ 
klappe ausgerüsteten Zylinder gefalzt und entweder 
gleich ausgelegt (vergleiche Abbildung 17b: Aus¬ 
gang Ai) oder zum zweitenmal längsgefalzt, was die 
Anwendung eines weiteren Falzklappenzylinders 
bedingt, in welchem Fall aber der zweite Zylinder 
neben der Falzklappe außerdem noch ein Falz¬ 
messer erhalten muß (vergleiche Abbildung 17b: 
Ausgang A 2 ). Um Bogen von verschiedener Breite 


falzen zu können, ist eines dieser beiden Organe 
beweglich, bzw. um die Achse des Zylinders 
schwingend auszuführen. Wie bei den Querfalz¬ 
zylindern, so empfiehlt es sich auch hier, das Falz¬ 
messer gegen die Klappe einstellbar zu machen. 

Von Interesse ist 
es ferner, welche 
Seitenzahlen bei ver¬ 
schiedenen Quer- 
und Längsfalzen auf- 
treten. Unter Vor¬ 
aussetzung eines 
ein - oder zweimali¬ 
gen Quer • und Längs¬ 
falzes lassen sich 
folgende Falzpro¬ 
dukte erzielen: 

4 seitiges Exemplar: 

lmal quergefalzt, 
8 seitiges Exemplar: 
2 mal quergefalzt, 
8 seitiges Exemplar: 
1 mal quer- und 

1 mal längsgefalzt, 
16 seitiges Exempl.: 

2 mal quer- und 
1 mal längsgefalzt, 

16 seitiges Exempl.: 

1 mal quer- und 

2 mal längsgefalzt, 
32 seitiges Exempl.: 

2 mal quer- und 
2 mal längsgefalzt. 
Ist die Maschine 
gleichzeitig für Zick¬ 
zackfalz eingerich¬ 
tet,so kommennoch 
folgende Falzpro¬ 
dukte hinzu: 

6 seitiges Exemplar: 

2 mal quergefalzt, 
12seitigesExempl.: 
2 mal quer- und 

1 mal längsgefalzt, 
24 seitiges Exempl. : 

2 mal quer- und 
2 mal längsgefalzt. 

Hieraus folgt, daß eine Variable für zweimaligen 
Quer- und Längsfalz bereits neun verschiedene, in 
der Größe beliebig zu verändernde Falzprodukte lie¬ 
fern kann, eine Tatsache, von der in jüngster Zeit 
wiederholt in der Praxis Gebrauch gemacht worden ist. 

Die Erzeugung eines Längsfalzes durch Zylinder 
bedeutet unstreitig einen gewaltigen Fortschritt in 
der Vervollkommnung der Variablen. Die Maschinen 
bauen sich nicht nur sehr kompendiös, sondern liefern, 



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was hierbei die Hauptsache ist, einen über alles 
Erwarten genauen und gleichmäßigen Falz. Die Bogen 
werden dem horizontal angeordneten Bändersystem 
durch den letzten Querfalzzylinder durchaus sicher 
übergeben und von dem Bändersystem in ebenso zu¬ 
verlässiger Weise dem Längsfalzapparat zugeführt. 
Fällt aber der erste Längsfalz gut aus, so ist auch die 
Genauigkeit des folgenden Längsfalzes unter allen 
Umständen gesichert. 

Die Anwendung des in Amerika an festformatigen 
Maschinen schon längst bekannten Zylinderlängs¬ 
falzes wurde zuerst von der Vogtländischen Ma¬ 
schinenfabrik in Plauen auf Maschinen für veränder¬ 
liche Formate übertragen. Seit einigen Jahren ist diese 


apparaten ist die Verwendung von Ketten , eine Er¬ 
findung, die gleichfalls amerikanischen Ursprunges 
ist (vergleiche Abbildung 16 c). Durch Anwendung 
vonKetten ist es möglich geworden, auch das zwischen 
Quer- und Längsfalzapparat erforderliche Bänder¬ 
system zu beseitigen, ein Vorzug, der jedoch nur 
für den einen Fall von Wichtigkeit ist, daß nach dem 
ersten Längsfalz kein weiterer Falz mehr kommt; 
denn die Beseitigung der fraglichen Bänder durch 
Ketten ist sicher nicht so wichtig, wie die Vermeidung 
der vom ersten zum zweiten Längsfalz führenden 
Bänder durch Zylinder (vergleiche Abbildung 16 b 
und 17b). Durch Anwendung von Ketten ist es immer¬ 
hin möglich, eine Maschine völlig bänderlos zu bauen, 


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Abbildung 17 a, b und c. Moderne Längsfalzapparate für variable Rotationsmaschinen und zwar Abbildung 17 a für nur einen LängsFalz (durch Falz¬ 
hauer), Abbildung 17b für zwei Längsfalze hintereinander (durch Zylinder) und Abbildung 17c Tür zwei Längsfalze nebeneinander (durch Falzhauer) 


Neuerung aber auch von den Schnellpressenfabriken 
Koenig&Bauer, Würzburg und Albert & Co., Franken¬ 
thal, mit sehr günstigem Erfolg aufgegriffen worden. 

Bei Hauerfalzen liegen die Verhältnisse in bezug 
auf Genauigkeit des erzielten Falzes nicht so günstig. 
Namentlich erfordert der zweite Längsfalz die An¬ 
wendung eines über mehrere Walzen geführten und 
daher auch geknickten Bändersystems , wodurch nicht 
nur eine Beeinflussung des Falzes bedingt sein kann, 
sondern auch leicht Veranlassung zum Schmieren 
gegeben ist. Dagegen muß als ein Vorteil bei Ver¬ 
wendung von Hauerfalzen anerkannt werden, daß hier 
Längs- und Querfalze nach Belieben folgen können, 
was bei Zylinderfalzen nicht angebracht erscheint, 
jedenfalls aber den eigentlichen Zweck des bänder¬ 
losen Längsfalzapparates für zwei und mehr Falze 
wieder illusorisch machen würde. 

Eine weitere, meines Wissens bisher nur von 
Koenig & Bauer ausgeführte Neuerung an Falz- 


was im gegebenen Falle recht wohl von Vorteil sein 
kann. Die Abnahme der Bogen vom Querfalzapparat, 
wozu nach dem letzten Falzzylinder gewöhnlich noch 
zwei Greiferzylinder erforderlich sind, geschieht 
durch Greifer , die auf mehreren in den beiden Ketten 
gelagerten Spindeln sitzen und die Bogen über einen 
Falztisch ziehen. Vielfach werden die so herausge¬ 
führten Bogen vorher noch in der Mitte geschnitten 
(auf einem der beiden Greiferzylinder), so daß in die¬ 
sem Fall dann zwei Hauerfalze nebeneinander arbeiten 
(vergleiche Abbildung 17c). Die Bogen fallen, da sie 
meist klein sind, in einen unterhalb der Falz walzen 
vorgesehenen Kasten und werden senkrecht stehend, 
aber dicht zusammengedrückt, seitlich aus der Ma¬ 
schine herausgeschoben.— 

Soviel über Falz- und Sammelvorrichtungen. Es 
erübrigt sich nur noch einige Worte über die wich¬ 
tigsten für variable Rotationsmaschinen in Frage 
kommenden Bogenausgänge zu bringen. 


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Aus dem Deutschen 

D as Deutsche Buchgewerbem u Seum im ersten 
\ Viertel des Jahres 1910. Die Mitte Dezem- 
5 ber 1909 eröffnete Ausstellung von künst- 
!■■■>■■»■■■■: lerisch ausgeführten Inseraten wurde am 
26. Januar 1910 geschlossen. Sie bestand beinahe 
ausschließlich aus Blättern, die durch ein Rund¬ 
schreiben an Anstalten und Gewerbetreibende eigens 
gesammelt wurden und zum großen Teil als Sonder¬ 
abdrucke der von den Firmen verwendeten Sujets 
sich darstellten. Die Ausstellung begegnete in Fach¬ 
kreisen dem lebhaftesten Interesse und wurde unter 
Führung des Museumsdirektors von dem Vorstand 
des Deutschen Buchgewerbevereins und von der 
Typographischen Gesellschaft Leipzig besichtigt. Für 
Monat Februar wurde sie dem Schlesischen Alter- 
tümer-Museum in Breslau auf dessen Wunsch leih¬ 
weise überlassen. Am 23. Januar wurde in den untern 
Räumen eine Ausstellung graphischer Arbeiten des 
Berliner Künstlers E. M. Lilien eröffnet, die vorher 
in Wien und in Braunschweig zu sehen war und von 
hier aus nach Hamburg überführt wurde. Sie wurde 
mehrfach in Kunstzeitschriften und Tagesblättern be¬ 
sprochen, auch das Archiv für Buchgewerbe berichtet, 
wie vorher über die Inseratausstellung, in vorliegen¬ 
dem Hefte über diese Ausstellung. 

Vom 1. Februar bis 20. März waren im Saal der 
alten Drucke in zwei Abteilungen französische Litho¬ 
graphien aus der Zeit der Romantik ausgestellt, die 
einen guten Überblick über das technische und künst¬ 
lerische Können dieser Zeit auf dem Gebiete der 
Lithographie ermöglichten. Sie entstammten alle aus 
Privatbesitz in Berlin,München und Leipzig, besonders 
aber aus der Sammlung des bekannten Kulturhisto¬ 
rikers Eduard Fuchs in Zehlendorf, der die besten 
und wertvollsten Blätter aus seiner Sammlung von 
Arbeiten Honore Daumiers — der umfangreichsten 
der Art in Deutschland — zur Verfügung stellte. Die 
Ausstellung wurde von dem Verband der Chemi- 
graphen undLithographen besucht,einen ausführlichen 
Bericht darüber enthielt das letzte Heft des Archiv für 
Buchgewerbe; auch einige Kunstzeitschriften interes¬ 
sierten sich für sie. Im Eckraum des Museums 
waren nach den Farbenholzschnitten von W. Klemm 
Arbeiten von Ivo Pu/ionny-Baden-Baden und F.Noc- 
kher-München ausgestellt, an deren Stelle vom 1. bis 
31. März eine Serie Zeichnungen von Emily Lengnick- 
Dresden zu sehen war. Am 20. März wurde im Saal 
der alten Drucke eine Ausstellung alter Buchtitel 
eröffnet, die die Entwicklung des gezeichneten und 
gesetzten Titels vom 15. bis zum Ende des 18. Jahr¬ 
hunderts veranschaulichen. Die Blätter entstammen 
aus der kürzlich erworbenen Freiherrlich vonWeißen- 
bachschen Sammlung, die auf dieseWeise in nächster 
Zeitgelegentlich in einige Proben dem Publikum näher 


Buchgewerbeverein 

bekannt gemacht werden soll. In den unteren Aus¬ 
stellungsräumen fand unterdessen vom 6. März an 
die Must er-Aus Stellung kaufmännischer Drucksachen, 
Plakate und Packungen statt, die auf Anregung der 
Handelskammer in Leipzig vom Buchgewerbeverein 
in Gemeinschaft mit dem neugegründeten Museum 
für Kunst in Handel und Gewerbe in Hagen i. W. 
zustande kam und hauptsächlich auf die Besucher 
der Leipziger Ostermesse und dadurch auf das Re¬ 
klamewesen unsrer Zeit, soweit es mit Graphik zu 
tun hat, geschmackbildend wirken sollte. Trotzdem 
die Sammlungen desBuchgewerbemuseumsnur wenig 
Material boten, gelang es doch, in kurzer Zeit eine 
ziemliche Anzahl guter Drucksachen und dergleichen 
beizubringen, und dadurch auch die Vorbilder¬ 
sammlung wie schon durch die Inseratenausstellung 
erheblich zu bereichern. Eine kleine illustrierte 
Broschüre, die kostenlos abgegeben wurde, sollte für 
Interessenten Anregungen für künstlerische Ausge¬ 
staltung der Reklame geben, denselben Zweck ver¬ 
folgten dann auch eine Reihe von vier Vorträgen, die 
von dem Museumsdirektor, der auch das Schriftchen 
verfaßt hat, in der Gutenberghalle am 9., 11., 15 und 
18. März gehalten wurden. Sie hatten zum Thema: 

1. Kunst und Praxis im graphischen Gewerbe, 

2. kleinere kaufmännische Drucksachen, 3.Zeitungs¬ 
inserate, 4. Plakate und Packungen. Die Ausstellung 
wurde bis zum 16. April verlängert und war außer¬ 
ordentlich zahlreich besucht. Außer einigenVereinen 
besichtigten sie die Mitglieder der Handelskammer 
Leipzig unter Anwesenheit des zweiten Vorsitzenden 
des Buchgewerbemuseums Herrn Arndt Meyer, und 
die Lehrer der Königlichen Akademie für graphische 
Künste und Buchgewerbe in Leipzig. In Geschäfts¬ 
kreisen fand die Ausstellung sehr viel Beachtung, 
was u. a. auch aus Berichten in kaufmännischen 
Zeitschriften und aus der großen Anzahl von Anfragen 
hervorgeht, die an das Museum gerichtet wurden. 
Es wurde dadurch häufig in die Lage gesetzt, Künstler 
zu empfehlen und dadurch sich praktisch am künst¬ 
lerischen Leben der Gegenwart zu beteiligen. 

Die Ordnung der Vorbilder-Sammlung, mit der ver¬ 
gangenen Sommer begonnen wurde, ist ziemlich be¬ 
endet. Die Gruppierung des Materials nach sachlichen 
Gesichtspunkten wurde soweit als möglich durch¬ 
geführt, eine in mehreren Exemplaren hergestellte 
detaillierte Übersicht über den Bestand der Samm¬ 
lung ebenso wie ein handschriftliches Verzeichnis 
sämtlicher in der Sammlung vertretenen Künstler 
mit ihren Arbeiten wird in nächster Zeit der Be¬ 
nutzung übergeben werden können. Zu gleicher Zeit 
wird auch eine neue Beschriftung der Kästen und 
Einzelblätter fertiggestellt sein. Bei der Ordnung 
machte sich deutlich bemerkbar, daß speziell der 

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PRINCETON UNIVERS1TY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


buchgewerbliche Teil der Sammlung dringend des 
Ausbaues bedarf, wenn sie irgendwie von Nutzen 
sein soll. Außerdem scheint eine systematische Re¬ 
vision auch der übrigen Bestände sehr notwendig. 
Daher soll auch fernerhin der Ordnung der übrigen 
Abteilungen der Sammlung, vor allem aber der wert¬ 
vollen Freiherrlich von Weißenbachschen Sammlung 
einige Aufmerksamkeit geschenkt werden. — Die 
Zahl der Besucher des Lesesaals betrug 2486, Bücher 
wurden ausgeliehen im Lesesaal 473, nach aus¬ 
wärts 168. 

Der Deutsche Buchgewerbeverein im ersten Viertel - 
jahr 1910. Die Hauptarbeit vereinigte sich in den 
ersten Monaten des Jahres 1910 auf die Ausgestaltung 
und Fertigstellung der Deutschen Gruppe Buch¬ 
gewerbe und Photographie auf der Weltausstellung 
Brüssel 1910. In erster Linie galt es, noch ver¬ 
schiedene Firmen, an deren Beteiligung unbedingt 
gelegen sein mußte, zu gewinnen, um sodann die 
eigentlichen Einrichtungsarbeiten in Angriff nehmen 
zu können. Letztere waren schonMitte April soweitge¬ 
diehen, daß die Fertigstellung der Buchgewerblichen 
Gruppe zum Eröffnungstage der Weltausstellung, 
23. April 1910, als gesichert gelten konnte. Die Be¬ 
teiligung selbst ist verhältnismäßig eine sehr gute, 
zumal wenn in Betracht gezogen wird, daß nur ein 
kleiner Raum zur Verfügung gestellt werden konnte. 
Im ganzen sind 68 Firmen als Einzelaussteller ver¬ 
treten; der Bund der chemigraphischen Anstalten 
Deutschlands hat kollektiv die Arbeiten einer größeren 
Anzahl seiner Mitglieder zu einer Gruppe vereinigt, 
die in ganz vortrefflicher Weise die hohe technische 
Leistungsfähigkeit der deutschen photomechanischen 
Reproduktionstechnik zeigt. Der Verein Deutsche 
Buchgewerbekünstler, dessen Vorsitzender Herr Pro¬ 
fessor Walter Tiemann in Leipzig ist, beteiligt sich 
mit einer Kollektivausstellung in eigenem Raum 
und unter eigener Jury, während eine Abteilung 
Buchkunst nicht nur den gegenwärtigen Stand der 
künstlerischen Buchausstattung zeigt, sondern in 
einer kleinen von dem Museumsdirektor, Herrn 
Dr. Schinnerer, zusammengestellten Gruppe auch 
eine knappe, aber sehr gute Übersicht über die Ent¬ 
wicklung der neuen deutschen Buchkunst gibt. Die 
Berufs- und Amateurphotographie ist je mit einer 
durch eigene Jury ausgewählten Zahl ganz ausge¬ 
zeichneter Photographien vertreten, die das beste 
Zeugnis für das künstlerische und technische Können 
der deutschen Photographie geben. Das Archiv für 
Buchgewerbe wird in seinen nächsten Heften von be¬ 
rufener Seite Aufsätze über das Buchgewerbe auf der 
Weltausstellung Brüssel bringen, in denen auch die 
Deutsche Gruppe eingehende Würdigung finden wird. 

Am 27. Februar 1910 fand im Sachsenzimmer des 
Deutschen Buchgewerbehauses die diesjährige Haupt¬ 
versammlung des Deutschen Buchgewerbevereins 


statt. Der 1. Vorsteher, Herr Dr. Volkmann, eröffnete 
die Hauptversammlung mit einer kurzen Begrüßung, 
um dann in die Besprechung des Jahresberichtes 
einzutreten, der sich gedruckt in den Händen der 
Mitglieder befand. Bei Punkt I Allgemeines und 
Persönliches gedachte er der im Jahre 1909 ver¬ 
storbenen Mitglieder, zu deren Ehrung sich die An¬ 
wesenden von ihren Plätzen erhoben. Insbesondere 
sprach er sodann allen denjenigen Mitgliedern, die 
dem Buchgewerbeverein bei seinem 25 jährigen Jubel¬ 
fest Stiftungen oder Jubiläumsgaben überwiesen 
hatten, nochmals herzlichsten Dank aus. Bei Punkt III 
Buchgewerbemuseum hob Herr Dr. Volkmann her¬ 
vor, daß am 1. Januar 1910 die seit Jahresfrist 
unbesetzte Stelle des Museumsdirektors Herrn Dr. 
Johannes Schinnerer übertragen worden sei, woran 
der Vorstand die besten Hoffnungen für die Zukunft 
knüpfen dürfe. Zu den übrigen Abschnitten des 
Jahresberichtes wünscht niemand das Wort, worauf 
auf Anfrage des Vorsitzenden der Jahresbericht des 
1. Vorstehers auf das Jahr 1909 einstimmig ge¬ 
nehmigt wird. 

Der von dem 1. Schatzmeister, Herrn Heinrich 
Wagner, erstattete Rechnungsbericht auf das Jahr 1909 
gab einen sehr erfreulichen Ausweis, denn das Ver¬ 
lust- und Gewinnkonto verzeichnet einen Gewinn von 
M 37600.24, der allerdings nicht in barem Gelde be¬ 
steht, sondern nur ein Buchgewinn ist, der in erster 
Linie auf die von einem hochherzigen Vereinsmitglied 
gestiftete Freiherrlich von Weißenbachsche Samm¬ 
lung im Werte von M 50000.—, ferner auf die aus 
Anlaß des 25jährigen Bestehens von Vereinsmit¬ 
gliedern gestifteten Anteilscheine und überwiesenen 
Jubiläumsgaben zurückzuführen ist. Die Einnahmen 
des Jahres 1909 selbst decken sich im großen ganzen 
mit den im Voranschlag vorgesehenen Beträgen, 
nur das Gebäudekonto hat eine Mehreinnahme von 
M 5966.— zu verzeichnen. Das Archiv für Buch¬ 
gewerbe hat einen geringeren Zuschuß (M 1794.15) 
erfordert, als im Voranschlag vorgesehen war; die 
Hypothek hat sich durch Amortisation um M 1502.52, 
die Anteilscheinschuld durch Rückkauf (M 4000.—) 
und Stiftung von Anteilscheinen (M 39000.—) um 
M 43000.— erniedrigt. Das Konto Denkmäler und 
Standbilder ist bis auf M 1.— abgeschrieben worden. 
Der Rechnungsabschluß wurde einstimmig genehmigt, 
ebenso der VoranschlagderEinnahmen(M 144515.95) 
und der Ausgaben (M 150410.—) für das Jahr 1910. 

Bei derRechnungsablage hatte HerrH.A.L.Degener 
angeregt, durch die Hauptversammlung an den Bör¬ 
senverein den Wunsch zu bringen, das Gehalt für 
denjenigen Beamten, der die Kunstbibliographie be¬ 
arbeitet, ganz auf seine Rechnung zu übernehmen. 
Ferner bat Herr Degener, daß in Zukunft mehr Vor¬ 
träge abgehalten werden möchten, zumal diese früher 
einen sehr guten Besuch gehabt hätten. 

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PRINCETON UNIVERSUM 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Herr Dr. Volkmann dankte Herrn Degener für seine 
Anregungen mit dem Beifügen, daß schon in nächster 
Zeit Herr Museumsdirektor Dr. Schinnerer vier Vor¬ 
träge über moderne Reklamedrucksachen halten 
werde. Er selbst möchte von seiner Seite empfehlen, 
durch die Hauptversammlung anregen zu lassen, daß 
die Einzelmitglieder nach der Bedeutung und Größe 
ihres Geschäftes den satzungsgemäß festgelegten 
Jahresbeitrag freiwillig erhöhen mögen. Diese An¬ 
regung wurde von den Anwesenden beifällig aufge¬ 
nommen und zum Beschluß erhoben. 

Herr Dr. Volkmann bemerkt sodann, daß der wich¬ 
tigste Punkt der Tagesordnung die Genehmigung der 
in der letzten Hauptversammlung beschlossenen und 
von dem hierzu eingesetzten Ausschuß inzwischen 
vorgenommenen Revision der Satzung des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins sei. Zu der abgeänderten 
Satzung, die bereits gedruckt allen Mitgliedern zuge¬ 
gangen sei, wolle er bemerken, daß die von der letz¬ 
ten Hauptversammlung gegebenen Gesichtspunkte, 
wie turnusmäßiges Ausscheiden der Vorstandsmit¬ 
glieder, freiere Bewegung in der Abhaltung der jähr¬ 
lichen Hauptversammlung, Aufnahme der Pfleg¬ 
schaften usw. berücksichtigt und in den vorliegenden 
Entwurf eingearbeitet seien. Der Ausschuß habe 
sodann noch eine sehr wichtige einschneidende Än¬ 
derung vorgenommen, indem er die in der bisherigen 
Satzung genannten Ausschüsse aufgehoben und an 
deren Stelle einen Vereinsausschuß gesetzt habe, der 
in erster Linie aus älteren verdienten Mitgliedern 
bestehen solle, deren Rat und Erfahrung dem Verein 
besonders wichtig ist, dann aber auch jüngere Kräfte 
aufnehmen solle, um sie in die Bestrebungen des 
Vereins einzuführen. Der Vorstand erhoffe von 
diesem Ausschuß, der den Vorstand in der Verwal¬ 
tung des Vereins und seiner Anstalten unterstützen 
solle, für die Zukunft das allerbeste, zumal durch 
ihn die Erledigung der Geschäfte vereinfacht werde. 

Herr Otto Säuberlich teilt mit, daß der für die 
Änderung der Satzung eingesetzte Ausschuß, dem er 
angehört habe, die Satzung des Deutschen Buchge¬ 
werbevereins nach den gegebenen Gesichtspunkten 
beraten und den vorliegenden Entwurf ausgearbeitet 
habe, wobei sich in allen Punkten volle Überein¬ 
stimmung ergeben habe. Er empfehle der Versamm¬ 
lung die Annahme der abgeänderten Satzung en bloc. 

Herr Dr. Volkmann bemerkt, daß eine Annahme 
des vorliegenden Satzungsentwurfes en bloc nur an¬ 
gängig sei, wenn kein Widerspruch erfolge. 

Herr Geheimrat Dr. Oscar von Hase beantragt 
ebenfalls die Annahme der Satzungen en bloc mit 
der Bitte, denjenigen Herren, welche bisher in den 
verschiedenen Ausschüssen tätig waren, für ihre 
große Mühe und Aufopferung sowohl durch Erheben 
von den Plätzen, als auch durch Niederschrift im 
Protokoll den wohlverdienten Dank auszusprechen. 

127 


Der Vorsitzende dankt Herrn Geheimrat Dr. von 
Hase für seine Anregung und bittet die Anwesenden, 
den Dank an die ausscheidenden Mitglieder durch 
Erheben von den Plätzen zum Ausdruck zu bringen. 
Nachdem dieser Bitte entsprochen war, fragt Herr 
Dr. Volkmann, ob der vorliegende Entwurf der Satzung 
als Ganzes angenommen werde. Es erhebt sich kein 
Widerspruch,woraufeinstimmigeAnnahmealsGanzes 
erfolgt und beschlossen wird, den Vorstand zu er¬ 
mächtigen, falls die Registerbehörde infolge der be¬ 
schlossenen Annahme der neuen Satzung eine Än¬ 
derung, Ergänzung oder andre Fassung in einzelnen 
Punkten verlangen sollte, die gewünschte Änderung, 
Ergänzung oder Fassung selbständig und endgültig 
festzusetzen. 

Es erfolgen sodann die Neuwahlen für den Vor¬ 
stand, den Vereinsausschuß und die Rechnungsprüfer, 
sowie deren Stellvertreter. Es werden gewählt: 

In den Vorstand: 

Dr. Ludwig Volkmann, Leipzig, I. Vorsteher; Arndt 
Meyer, Leipzig, II. Vorsteher; Heinrich Wagner, Leip¬ 
zig, I. Schatzmeister; Martin Schroeder, Leipzig, 
II. Schatzmeister; Kommerzienrat Georg W. Büxen¬ 
stein, Berlin; Kommerzienrat Georg Giesecke, Leip¬ 
zig; Dr. Walter de Gruyter, Berlin; Kommerzienrat 
Felix Krais, Stuttgart; Johannes Maul, Leipzig; Ge¬ 
neralkonsul Rudolf Ritter von Oldenbourg, München; 
Prof. Max Seliger, Leipzig; Hans Volckmar, Leipzig; 

in den Vereinsausschuß: 

H. A. L. Degener, Leipzig; Max Enders, Leipzig; 
Karl Klingspor, Offenbach a. M.; Oscar de Liagre, 
Leipzig; Wilhelm Loewenheim, Leipzig; Theodor 
Naumann, Leipzig; Martin Oldenbourg, Berlin; Otto 
Säuberlich, Leipzig; Wirkl. Rat Josef Ritter von 
Schmaedel, München; Heinrich Schwarz, Leipzig; 
Carl Wagner, Leipzig; Theodor Weicher, Leipzig. 
Als Rechnungsprüfer werden gewählt: Georg Merse¬ 
burger und Alfred Staakmann, ferner als Stellver¬ 
treter: KarlWeiserundMax Richter, sämtlich inLeipzig. 

Zum Schluß regt Herr Wanschura an, daß während 
des Winters öfter Zusammenkünfte von Mitgliedern 
veranstaltet werden möchten, in denen ein freier 
Gedankenaustausch erfolgen könne. Herr Dr. Volk¬ 
mann erwidert, daß frühere diesbezügliche Versuche 
so gut wie ohne jeden Erfolg gewesen seien. Herr 
Schwarz ist der Ansicht, daß die von Herrn Wanschura 
gemachte Anregung viel besser ausgeführt werden 
könne, wenn in den Ausstellungen des Museums 
noch mehr als bisher durch besondere Einladungen, 
Führungen oder schriftliche Erläuterungen ein Ver¬ 
einigungspunkt für die Mitglieder geschaffen werde. 

Der Besuch des Deutschen Buchgewerbehauses ist 
ständig ein sehr guter. Erfreulich ist, daß neben den 
Fachvereinen auch verschiedene hiesige und aus¬ 
wärtige höhere Schulen die Ausstellungen und Ein¬ 
richtungen besichtigten. 

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- = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE z ■ - : 

Der Verkehr des Buchdruckers mit dem Publikum 

Von ARTUR JLLINGER, Magdeburg 


früher — sagen wir vor einigen 
■ Jahrzehnten — ein Verbraucher von 
j Drucksachen sich genötigt sah, einen 
Auftrag zu vergeben, so ging er direkt 
in die Druckerei zum Drucker und hier, an der ersten 
Quelle, brachte er seine Wünsche vor. Der Drucker 
wußte dann genau, was der Kunde wollte, der Kunde 
selbst aber konnte sicher sein, daß er die Arbeit in 
der gewünschten Ausführung bekam. Wenn man 
bedenkt, welche geringe Ansprüche seinerzeit an 
eine Drucksache gestellt wurden, dann kann man sich 
leicht vorstellen, wie einfach in dieser Zeit sich der 
Verkehr mit dem Auftraggeber gestaltet hat. 

Ganz anders liegen heute die Verhältnisse! — 
Wie viele Verbraucher von Drucksachen kamen noch 
nie in direkte Berührung mit einem Buchdrucker, so 
daß sie auch nicht dafür zu interessieren waren, was 
alles dazu gehört, eine Arbeit ordnungsgemäß zu er¬ 
ledigen. Diese Tatsache mag auch wohl mit ein 
Hauptgrund sein, daß gerade von dem Buchdrucker 
oftmals lächerlich kurze Lieferfristen verlangt 
werden. 

Wohl in den wenigsten Fällen verhandelt heutigen 
Tages, wo man die Mehrzahl der Druckereien nur als 
Großbetriebe kennt, ein Besteller direkt mit dem 
Buchdrucker, denn meistenteils bringt er seine 
Wünsche im Kontor vor, wo nur allzuoft ein damit 
beauftragter junger Kaufmann oder gar eine junge 
Dame das „weitere 44 besorgt. Dann kommt der Auf¬ 
trag mit einem Laufzettel in die Druckerei, in welcher 
der Faktor die betreffende Arbeit nach den Angaben 
bearbeitet, die auf dem Laufzettel gemacht wurden. 
Wie oft kommt es aber nun vor, daß der Auftrag¬ 
geber eine ganz andre Ausführung, als er wünschte, 
bekommt, trotzdem sich der Faktor oder Setzer genau 
nach den Angaben auf dem Laufzettel gerichtet hat. 
Die Schuld kann dann nur bei demjenigen liegen, der 
die Annahme bewirkte, es aber nicht verstand, die 
nötigen, besonders für den Setzer und Drucker 
wichtigen Angaben zu machen. 

Die alleinige Aufgabe des heutigen Drucksachen- 
Annehmers kann nicht nur sein, die Wünsche des 
Bestellers richtig aufs Papier zu bringen, sondern er 
muß vor allem aber verstehen, den Kunden mit 
Ratschlägen an die Hand gehen zu können. Wieviele 
Drucksachenverbraucher gibt es, die sich in allen 
verzwickten Fällen mit der Bitte um geeignete Vor¬ 
schläge an den betreffenden Vertreter der Druckerei 
wenden. Er muß daher die heutige Geschmacksrich¬ 
tung durchaus beherrschen und ein gut geschultes 
Auge für das Gute und Schöne besitzen, denn nicht 
selten dürfte es Vorkommen, daß sein Rat als letzter 
aber auch als maßgebender eingeholt wird. Er muß 


auch ein vollendeter Techniker sein, der imstande 
ist, den Werdegang jeder Arbeit im vorhinein genau 
zu bestimmen. Ferner muß er auf dem Gebiete aller 
in Betracht kommenden neuzeitlichenReproduktions- 
verfahren Bescheid wissen, um gegebenen Falles die 
richtigen Vorschläge machen zu können, denn es 
ist durchaus nicht einerlei, ob für eine Arbeit dies 
oder jenes Illustrationsverfahren angewandt wird, 
zumal Zweck, Auflage und Papier ein gehörig Wört- 
lein mitsprechen. Daß der Betreffende auch ein 
guter Papierkenner und vor allem auch ein sichrer 
Kalkulator sein muß, bedarf keiner Erläuterung, denn 
ein jeder weiß aus Erfahrung, daß der Kunde bei 
Vorlegung von Mustern oder bei Besprechung einer 
Arbeit immer gleich fragt: was kostet sie bei dieser 
oder jener Ausführung. Wenn er sich auch die Sache 
durch Anlegung von Musterbüchern mit Preisen sehr 
vereinfacht— dieses Hilfsmittel sollteein jeder haben 
— so kommt es doch sehr häufig vor, daß er zur Selbst¬ 
kalkulation gezwungen ist. Wenn nun auch bei der¬ 
artigen Unterhandlungen keine festen verbindlichen 
Preise abgegeben und verlangt werden können, so 
muß doch sehr vorsichtig gehandelt werden, denn 
größere Unterschiede zwischen dem zuerst flüchtig 
kalkulierten und dem wirklichen Preis führen oft¬ 
mals zu den unliebsamsten Differenzen. 

Wie von jeder Repräsentationsperson muß vom 
Kundenempfänger auch eine gute Allgemeinbildung 
vorausgesetzt werden, weil ein angemessenerVerkehr 
mit dem Publikum eine Hauptbedingung für seine 
Brauchbarkeit ist. Er muß — wie man sagt — auf 
allen Gebieten bewandert sein, denn jetzt wird er in 
die Lage kommen, den Text zu einem Eröffnungs¬ 
zirkular für ein Kolonialwarengeschäft zu entwerfen, 
in dernächstenStunde aber bei der Zusammenstellung 
eines landwirtschaftlichen Wochen- oder Monats- 
Extraktes behilflich sein müssen. Er hat den Besteller 
aufMängel oder Schwierigkeiten hinzuweisen, er muß 
Änderungen vorschlagen, die Erfüllung unmöglicher 
Wünsche aber von vornherein ablehnen. Nicht selten 
stellen sich später bei der Herstellung Schwierig¬ 
keiten heraus, die der Besteller, wenn er bei der Auf¬ 
tragserteilung darauf aufmerksam gemacht worden 
wäre, von selbst hätte fallen lassen. 

Man könnte noch vieles anführen, um zu zeigen, 
wie notwendig es ist, daß gerade auf den Posten der 
Drucksachenannahme ein Fachmann gehört und daß 
gerade durch Anstellung von Nichtfachleuten oder 
anspruchsloseren jungen Leuten an verkehrter Stelle 
gespart wird. Durch eine klare, präzise Aufgabe 
von Drucksachen wird viel Zeit, viel Ärger und 
Verdruß gespart, vor allem aber das Arbeiten in 
der Druckerei selbst ganz bedeutend erleichtert. 


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PRINCETON UN1VERS1TY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Einsichtige Druckereibesitzer haben schon längst er¬ 
kannt, daß gerade auf den Posten zur Annahme und 
Bearbeitung von Drucksachen tüchtige Fachleute ge¬ 
hören, um die Beziehungen zu den Auftraggebern 
erfreulicher zu gestalten. Gerade in der jetzigen 
Zeit, wo überall von einem Neubeleben und Steigen 
des Kunstgewerbes geschrieben und gesprochen, 
überall aufklärend gewirkt wird, da liegt doch nichts 
näher als gerade das, daß auch die Vermittelung der 
Druckerei mit dem Publikum in die Hände von Leuten 
gelegt wird, die selbst ein Verständnis hierfür haben 
und mit Vorschlägen, Belehrungen und Skizzen dem 
Auftraggeber zur Seite stehen können. Wie dankbar 
wird ein Kunde derjenigen Druckerei sein, die seine 
Arbeiten in einer Ausführung liefert, welche der 
heutigen guten Geschmacksrichtung entspricht, denn 
man kann wohl sagen, daß jetzt sogar der kleinste 
Geschäftsmann längst dahinter gekommen ist, daß 
seine Drucksachen als Repräsentant seiner Firma 
hinaus in die Welt gehen. Hat erst ein Kunde ge¬ 
merkt, daß derjenige, der seine Drucksachen annahm 
und bearbeitete, ihn versteht, er sich auf ihn ver¬ 
lassen kann, dann wird er alle seine Vorschläge gern 
annehmen, ja, ihn bei jeder Arbeit gleich von vorn¬ 
herein fragen, wie er am besten — dem Satzarrange¬ 
ment entsprechend — den Text aufsetzen soll. Wenn 
ein Auftraggeber mit der Arbeit zufrieden ist, dann 
wird er auch gern einen angemessenen Preis be¬ 
zahlen. — 

Es muß selbstverständlich versucht werden, den 
Auftraggeber für eine Drucksache mehr wie bisher 


zu interessieren, damit er viel lebhafteren Anteil 
an der Herstellung einer guten Arbeit nimmt und 
selbst unterscheiden lernt, was eine billige und 
schlechte, und eine gute und etwas teure Arbeit für 
ihn bedeutet. 

Die Erziehung des Publikums zu einem guten Ge¬ 
schmack auf dem Gebiete der Druckkunst liegt sohin 
sehr viel mit in den Händen des betreffenden Ange¬ 
stellten, denn selten dürfte es Vorkommen, daß ein 
Kunde gegen vernünftige und logisch richtige Vor¬ 
schläge, welche die Ausführung betreffen, etwas ein¬ 
zuwenden hat, noch dazu wenn der Kunde sieht, daß 
der Verkäufer auf dem Gebiete der modernen Druck- 
sachen-Ausstattung gut unterrichtet ist. Und wenn 
wirklich einmal einer an dem alten Zopf festkleben 
will und alle Versuche ihn zu bekehren fruchtlos 
sind, dann soll man eben so gut es geht seine Wünsche 
berücksichtigen, denn es muß immer bedacht werden, 
daß er der Besteller und der Bezahler der Arbeit ist. 
Der Mut darf aber dann nicht verloren werden, denn 
zehn andre Besteller werden die Mitarbeit des Druck¬ 
sachen-Annehmers um so freudiger anerkennen. An 
Unannehmlichkeiten mag es auch bei diesen nicht 
fehlen, wenn aber der Posten mit der dazu unerlä߬ 
lichen Lust und Liebe ausgeübt, wenn dem Ange¬ 
stellten die nötige Zeit zum Bearbeiten der Aufträge 
gegeben wird, dann bleibt auch hier ein guter Erfolg 
und volle Zufriedenheit nicht aus, zumal das Gefühl 
vorhanden ist, an der Hebung der Geschmacksbildung 
des großen Publikums durch eine gute Drucksache 
mitarbeiten zu können. 


Eine Gedächtnisfeier am Grabe Friedrich Koenigs 

Von EUGEN KOLLECKER, Würzburg 


„Vorwärts dränget der Geist 

und die Presse hat zehnfaches Tagwerk; 

Daß sie genüge dem Dienst, 

hast Du ihr Flügel geformt.“ 

(Inschrift des Grabmonuments Friedrich Koenigs.) 

j l, |»'4|'jTWA eine halbe Stunde Weg von Würzburg, 
l I j | an der Endstation der von Würzburg nach 
i 5 Zell a - M. führenden elektrischen Straßen- 
bahn, liegt das ehemalige Prämonstratenser- 
Kloster Oberzell, in welchem bis zum Jahre 1901 die 
von Friedrich Koenig und Andreas Bauer gegründete 
erste und auch heute noch weltbekannte Schnell¬ 
pressenfabrik Koenig & Bauer ihren Betrieb hatte. 
Jetzt ist der Betrieb in neue und modern eingerich¬ 
tete Anlagen auf die andre Seite des Mains verlegt 
worden, während das alte Klostergebäude mit seinen 
schönen Terrassen und Gärten von katholischen 
Ordensschwestern bewohnt wird, die daselbst ein 
Pensionat „Norbertusheim“ eingerichtet haben. 

Nach dieser Stätte richteten am zweiten Osterfeier¬ 
tag d. J. die in Würzburg zum Kreistag versammelten 


Mitglieder des Kreises V (Bayern) des Deutschen 
Faktoren-Bundes ihre Schritte, um eine Pflicht der 
Pietät zu erfüllen. Am 29. März 1810 erhielt Fried¬ 
rich Koenig, der Erfinder der Schnellpresse, das erste 
Patent auf seine epochemachende Erfindung und 
waren nunmehr genau 100 Jahre seit diesem histo¬ 
rischen Ereignis verflossen. Aus diesem Grunde 
sahen sich die Faktore Bayerns als berufene Ver¬ 
tretung des gesamten graphischen Gewerbes veran- 
anlaßt, dem Gedächtnis Friedrich Koenigs eine Stunde 
ernster Betrachtung zu weihen. Und welcher Platz 
wäre wohl besser dazu geeignet gewesen als die letzte 
Ruhestätte dieses großen Mannes, dicht neben den 
Räumen, wo er gelebt und gewirkt! 

Es waren etwa 150 Personen, die am Morgen des 
zweiten Osterfeiertags durch das Klostertor in Zell 
schritten. Über einen großen Hof führte uns der 
Weg durch schöne Anlagen zur Friedhofecke hinter 
der Klosterkirche, einem Orte, wie selten geschaffen 
zu solcher Stätte der Ruhe. Noch einige Schritte auf 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von hohen Tannen begrenzten Wegen und wir standen 
an dem Doppelgrabe Friedrich Koenigs und Andreas 
Bauers! Das mit Reliefgruppen aus dem Wirken der 
Schnellpresse geschmückte Grabdenkmal hob sich im 
ungetrübten Sonnenschein des schönen Frühlings¬ 
tages markant vom dunklen Hintergrund ab, während 
das efeubedeckte Doppelgrab vom Schatten der um¬ 
stehenden Bäume in harmonisches Halbdunkel ge¬ 
hüllt war. 

Mit dem Flemmingschen Liede Über den Sternen, 
vorgetragen von dem vorzüglich geschulten Kühn- 
schen Doppelquartett aus Würzburg, wurde die Feier 
eröffnet. Dann nahm Herr Seidel-München, Betriebs¬ 
leiter der Münchener Zeitung, das Wort zur Ge¬ 
dächtnisrede und führte unter Voranstellung eines 
Zitats aus Schillers „Das Ideal und das Leben“ etwa 
folgendes aus: 

Friedrich Koenig, der hier an dieser Stelle vor 
77 Jahren zur letzten Ruhe gebettet worden ist, ge¬ 
hört das große Verdienst, daß durch seine Erfindung 
der Buchdruckerkunst die Wege geebnet und die Er¬ 
zeugnisse dieser Kunst allen Menschen zugänglich 
gemacht wurde. In Eisleben am 17. April 1774 ge¬ 
boren, trat er 1790 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig 
in die Lehre; dort reifte in ihm der Gedanke, die lang¬ 
wierige Handarbeit des Buchdruckes durch maschi¬ 
nelle Kraft zu ersetzen. Als er mit seiner Idee an 
die Öffentlichkeit trat, fand er leider sehr wenig Ver¬ 
ständnis für seine große Sache. Er ging deshalb nach 
England, lernte dort den Mechaniker Andreas Bauer 
kennen und beide fanden dort auch die gesuchte 
Unterstützung für ihre Erfindung. Am 29. März 1810 
erteilte die Regierung ein Patent auf Koenigs Druck¬ 
maschine, zwei Jahre später entstand dann die 
Zylinderdruckmaschine. 

Die Times in London, deren Besitzer Mr. Walter 
Koenig unterstützte, war die erste Zeitung, die 1814 
auf einer Schnellpresse gedruckt wurde. Die Er¬ 
findung machte trotz vieler Anfeindungen ihren Weg, 
Schwierigkeiten, die Koenig in England gemacht wur¬ 
den, gaben den Anlaß, daß er nach Deutschland zu¬ 
rückkehrte. Im Jahre 1817 erwarb Koenig diese 
stillen Klosterräume, aus denen gar bald das frohe 
Lied der Arbeit und des Fleißes drang. Mit seinem 


Freunde Bauer schuf er nun aber emsig und förderte 
sein Werk, bis der Tod im Jahre 1833 dieses arbeits¬ 
reiche Dasein endete. In den Händen seines Freundes 
Bauer ließ er sein Werk zurück. Dieser führte es 
weiter in den Bahnen seines Schöpfers und als auch 
er im Jahre 1860 durch den Tod abberufen wurde, 
bettete man ihn neben Friedrich Koenig zur Ruhe. 
Den Söhnen Friedrich Koenigs oblag die Pflicht, das 
Werk zu behüten und zu fördern. Diese taten es mit 
unermüdlichem Eifer. Jenseits des Main erstreckt 
sich eine Fabrik groß und mächtig, die durch die 
Pflege des Schnellpressenbaues an der Entwicklung 
der Drucktechnik den allergrößten Anteil hat. Erbaut 
von den Nachkommen des großen Erfinders, sei auch 
der Wohlfahrtseinrichtungen der Firma für treue 
Mitarbeiter gedacht, die einzig dastehen und ganz im 
Sinne der Gründer liegen. „Dein Werk, du großer 
Meister“, so schloß Herr Seidel seine eindrucks¬ 
volle Rede, „wollen wir in Ehren halten und bringe 
ich Dir diesen Lorbeerkranz im Namen meiner 
Freunde und Kollegen zum Zeichen des Gedächt¬ 
nisses und wahrer Pietät.“ Herr Seidel legte hierauf 
im Aufträge des Kreises V des Deutschen Fak¬ 
torenbundes, welcher das Königreich Bayern um¬ 
faßt, einen prachtvollen Lorbeerkranz mit Widmung 
am Grabe nieder. 

Das Weihelied von Abt, vorgetragen von dem 
schon genannten Doppelquartett, beschloß die sehr 
stimmungsvoll verlaufene Feierlichkeit. 

Noch ein Gruß zum inhaltreichen Grabe, ein zweiter 
Gruß den auch anwesenden Nachkommen Friedrich 
Koenigs und wir mußten diese stille Stätte verlassen; 
jedoch mit dem Bewußtsein ging ein jeder wohl ins 
Weltgetriebe zurück, daß eine schöne Stunde der 
Erinnerung er hier verbracht. „Wer so schläft, der 
schläft wohl.“ 

Die Teilnehmer des Kreistages folgten dann noch 
einer Einladung der Firma Koenig & Bauer zur Be¬ 
sichtigung ihres Etablissements, der sich eine Früh¬ 
stückstafel anschloß. Unter anderm konnte auch das 
Modell der ersten Maschine Friedrich Koenigs be¬ 
sichtigt werden, ebenso wurden den interessierten 
Fachleuten mehrere Neuerungen der Firma im 
Maschinenbau vorgeführt. 


Aus den graphischen Vereinigungen 


Augsburg. Im Graphischen Klub entfaltete sich seit Neu¬ 
wahl des Ausschusses eine rege Tätigkeit. Es kam dies in 
der gut besuchten Sitzung am 17. März 1910 deutlich zum 
Ausdruck, in der amerikanische Drucksachen ausgestellt 
waren, zu denen der mitgehende Bericht verlesen wurde. 
In der Sitzung am 31. März wurde ein Vortrag über die 
Herstellung von Kleisterpapieren mit praktischer Anleitung 
gehalten, der ebenfalls reges Interesse fand. 


Berlin. In der Typographischen Gesellschaft sprach Herr 
Paul Pfennig über Naturgenuß, künstlerisches Sehen und 
Farbenphotographie. Der Vortragende erwähnte die in 
den achtziger Jahren durch Professor Vogel angestellten 
Versuche mit Platten, die durch Anilinfarben behandelt 
waren, und die in den neunziger Jahren von Professor Vogel 
und dem Lithographen Ulrich der Fachwelt vorgeführten 
ersten Erzeugnisse des Dreifarbendruckverfahrens. Die 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Schwierigkeit, welche die hierbei notwendigen je drei Auf¬ 
nahmen für die Negative und Positive boten, werden bei 
dem Autochromverfahren der Gebrüder Lumifcre in Lyon 
vermieden, bei dem die Platten mit Stärkekörnchen von 
1/1000 mm, die in drei Farben gefärbt sind, wodurch der auf¬ 
zunehmende Gegenstand dann mit einer Aufnahme derart 
festgehalten werden kann, daß durch Zwischenschaltung 
farbiger Filter die drei verschiedenen Autochromplatten 
hergestellt werden können. Zum Schluß erläuterte der 
Vortragende die weniger bekannten Verfahren, der Omni- 
colorplatte, Veracolorplatte, der Katatypie, Spitzertypie, 
PinatypieundMessingertypie.—In derSitzungvom22.März 
hielt Herr Fritz Hansen einen Vortrag über: Das Urheber¬ 
recht und das Verlagsrecht in der Praxis des Graphikers. 
Er gab zunächst einen Abriß über die Geschichte dieses Ur¬ 
heberrechts, das erst mit der Erfindung der Buchdrucker¬ 
kunst in die Erscheinung trat. Sodann ging er auf die ein¬ 
zelnen Abschnitte des Themas näher ein und veranschau¬ 
lichte die Wirkungen der gesetzlichen Bestimmungen an 
Beispielen aus der Praxis des Geschäftslebens. — Herr 
Gustav Könitzer sprach über die von Herrn Görnitz zu¬ 
sammengetragene Sammlungvon Anzeigen, die einen Über¬ 
blick über die heutige Praxis des Anzeigensatzes geben. B. 

Breslau. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft berichtete Herr Zantke über eine Rundsendung: 
Hallesche Drucksachen. Der Vortragende verlas das der 
Rundsendung beiliegende Schreiben von Halle, sowie im 
Anschluß hieran eine von Leipzig angefügte Kritik, die sich 
ungünstig über diese Sendung aussprach. Die Herren 
Schmidt und Hendel besprachen hiernach die Weihnachts¬ 
hefte des Archiv für Buchgewerbe und desDeutschenBuch- 
und Steindrucker. Einen regen Meinungsaustausch löste 
die Frage aus: Anwendung der Abschlußlinie bei Konten, 
ob dieselbe von links oben nach rechts unten oder um¬ 
gekehrt zu führen sei. Die Mehrheit der Redner vertrat 
den Standpunkt, daß die Anwendung von links oben nach 
rechts unten die richtige sei. — In der Sitzung am 16. März 
wurde auf einen in einer technischen Zeitschrift erschie¬ 
nenen Artikel hingewiesen, der sich mit der Frage der 
Schmelzbarkeit des Holzes befaßt. Nach diesem läßt sich 
das Holz bei verhältnismäßig niedriger Temperatur zum 
Schmelzenbringen, wenn man es in einenluftleergemachten 
Kessel bringt und dann unter Druck von 2 Atmosphären 
Stickstoff einführt. Diese Masse dürfte sich zum Guß von 
großen Holzbuchstaben für den Plakatdruck hervorragend 
eignen. Herr Schönhals hielt sodann einen Vortrag über: 
Die Zinkätzungen dem der Redner alle üblichen Verfahren 
streifte und die einzelnen Ätzprozesse ausführlich erläu¬ 
terte. Eine Erweiterung fand dieser Vortrag durch die am 
Karfreitag erfolgte Besichtigung der chemigraphischen An¬ 
stalt Schönhals & Geike. — Am 12. März sprach Herr 
F/edterausLeipzigim hiesigen Kunstgewerbemuseum über: 
Satz und Ausstattung von Anzeigen in den Tageszeitungen. 
Der Vortrag war durch Lichtbilder wirksam unterstützt und 
wurde beifällig aufgenommen. G-e. 

Dresden. In den Februar- und Märzsitzungen der Gra¬ 
phischen Vereinigung gab Herr Noeller einen zusammen¬ 
fassenden Bericht über die Versuche zur Schaffung eines 
Versal-sz. — Ferner sprach Herr Kunstmaler Starcke über 
die Anwendung der Figur im Akzidenzsatz. Mit dem Vor¬ 
trag, der durch einige Lichtbilder erläutert wurde, war eine 
große Ausstellungvon Drucksachen verbunden. DieHerren 


Raffius und Börner sprachen ferner über eine Rundsendung 
Leipziger Skizzierarbeiten und Arbeiten von Schülern der 
Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, die Ar¬ 
beiten wurden als sehr beachtenswerte Leistungen an¬ 
erkannt.—In der letzten Märzsitzung hielt Herr Professor 
Dr. Buck einen interessanten Vortrag über den Karlsruher 
Künstler Hans Thoma. Unterstützt durch zahlreiche Licht¬ 
bilder führte der Redner die ganze gewaltige Lebensarbeit 
des Künstlers vor. -sr-. 

Hamburg. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft war eine reichhaltige Sammlung von Reklamedruck¬ 
sachen der deutschen Gasglühlicht-Aktiengesellschaft Ber¬ 
lin zur Schau gebracht, die gute Arbeiten aufwies und sehr 
viel Anklang fand. — In der Sitzung am 16. März waren 
Drucksachen aus Hamburger Buchdruckereien ausgestellt; 
die Besprechung derselben hatte Herr Horstmann über¬ 
nommen. Im allgemeinen konnte ein bedeutender Fort¬ 
schritt festgestellt werden. — Am 3. April fand ein gemein¬ 
schaftlicher Besuch des Museums für Kunst- und Gewerbe 
statt, in dessen Räumen die Firma Gebr. Klingspor in Offen¬ 
bach a. M. eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse zur Schau 
gestellt hatte. rs. 

Heidelberg. Die Typographische Vereinigung veranstal¬ 
tete am 27. Februar eine Austeilung der von der Schrift¬ 
gießerei Flinsch in Frankfurt a. M. übersandten Ehmcke- 
Musterarbeiten. Die Besprechung derselben hatte Herr 
W. A. Schmidt übernommen. Am 2. März hielt Herr J, F . 
Meissner-Rohrbach im Kaufmännischen Verein einen Vor¬ 
trag über: Moderne Reklame. Redner empfahl häufiges 
und auffallendes Inserieren und verurteilte das Wesen der 
Inseraten-Bureaus als nicht zweckmäßig. — In der Sitzung 
am 12. März hielt Herr W. A. Schmidt einen Vortrag über: 
Allgemeine Satzregeln und Herr Hofmann einen solchen 
über: Den praktischen Wert der Schmierskizze. en. 

Kassel. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
2. März h\t\t\\tvv Max Fiedler vom Deutschen Buchgewerbe¬ 
verein einen Vortrag über: Satz und Ausstattung von An¬ 
zeigen in den Tagesblättern. Der Vortragende fand den 
lebhaftesten Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer, 
die auch verschiedentlich in eingehendem Meinungsaus¬ 
tausch zum Thema sprachen. -nd. 

Leipzig. Eine Anzahl Mitglieder der Typographischen 
Gesellschaft besichtigte am 9. März 1910 in den Betriebs¬ 
räumen der Firma Henry Garda im Buchgewerbehause das 
neue Modell D der Monotype-Setzmaschine. Herr Börner 
erläuterte die Vorteile und die Arbeitsweise des neuen 
Tastapparates im Vergleich zu dem bis jetzt im Gebrauch 
befindlichen. — In der Sitzung am 23. März sprach Herr 
Rafael Frank , Oberkantor der israelitischen Religions- 
Gemeinde, über hebräische Schriftarten und Drucke. Der 
Vortragende behandelte die Entwickelung der hebräischen 
Schrift sowohl vom Gesichtspunkte der Schriftkunde (Pa¬ 
läographie), alsderTypographie. DieverschiedenenTypen- 
formen von der ältesten Zeit der hebräischen Drucke bis 
zu den neuesten Schriften fanden an Hand guter Originale 
eingehende Erklärung. Der Redner erläuterte ferner die 
verschiedenen Schriftarten Meruba, Jüdisch-Deutsch, Rab- 
binisch, hebräische Kurrentschrift und zeigte an der von 
ihm für die Schriftgießerei C. F. Rühl gezeichneten und 
von dieser geschnittenen Frank-Rühl-Hebräisch, wie man 
auch bei dieser Schriftart den neuzeitlichen Forderungen 
in bezug auf Schönheit und gute Lesbarkeit gerecht werden 


131 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


kann, ohne von der traditionellen Buchstabenform abzu¬ 
weichen. 

Leipzig. In der Sitzung der Typographischen Vereinigung 
am 9. Februar 1910 sprach Herr Dt. Heinrich Pudor über: 
Die Farbe in der Druckkunst. Er vertrat den Standpunkt, 
daß unsre Drucksachen in grellen hellen Farben erscheinen 
müßten, wie sie die Natur uns bietet. Mit dieser Ansicht 
konnte man sich nicht einverstanden erklären, an den aus¬ 
gestellten Drucksachen wurde bewiesen, daß die in ab¬ 
gestimmten und stumpfen Farbtönen gehaltenen Druck¬ 
arbeiten viel schöner und harmonischer wirken, als solche 
mit grellen Farben. Ausgestellt waren die neuesten Druck¬ 
sacheneingänge, die besprochen wurden. Am 9. März hielt 
Herr Dr. phil. Theodor Friedrich einen Vortrag über: Die 
Literatur im Jahrhundert unsrer Klassiker. Ausgestellt 
waren die Arbeiten des Herrn Arno Piehler-Berlin, die 
Herr Bögler besprach. — Am 25. März wurde im Buch¬ 
gewerbehaus unter Führung des Museumsdirektors, Herrn 
Dr. Schinnerer , die auf Anregung der Handelskammer 
Leipzig vom Deutschen Buchgewerbeverein in Gemein¬ 
schaft mit dem Deutschen Museum für Kunst in Handel 
und Gewerbe in Hagen i.W. veranstaltete Ausstellung zur 
Geschmacksbildung des deutschen Kaufmanns besichtigt. 
Von vielen Mitgliedern wurden auch die vom Deutschen 
Buchgewerbemuseum zusammengestellten Ausstellungen 
französischer Lithographien aus der Zeit der Romantik und 
die graphischen Arbeiten von E. M.Lilien-Berlin besucht. 
— Am 16. März waren die Drucksachen der Münchener Ge¬ 
werbeausstellung 1908 ausgestellt, die Herr Georg Vogt¬ 
mann an Hand des ausführlichen Berichtes besprach. — 
Unter technischen Fragen wurde auf die praktische Ver¬ 
wendbarkeit der auf Petit oder */« Cicero gehobelten 
1 Punkt fetten Linie hingewiesen. Diese Art der Anferti¬ 
gung ist aus dem Grund empfehlenswert, weil die Linie 
dadurch haltbarer und widerstandsfähiger als die auf 
*/s Petit-Kegel gehobelten ist. — Am 17. März besuchten 
die Mitglieder einen vom Dürerbund angesagten, durch 
Lichtbilder erläuterten Vortrag des Herrn Hugo Steiner- 
Prag , der über: Das künstlerische Buch sprach. — Am 
30. März sprach Herr Georg Krebs über: Kunstrichtungen 
im Buchdruck, Leipziger Stil. Er kam zu dem Ergebnis, 
daß man, da zurzeit von Künstlern geschaffenes Material 
in unserm Beruf verbreitet wird, weder von einer eigenen 
Kunstrichtung noch von einem Leipziger Stil reden könne. 
Unsre Arbeiten seien eben stilgerecht. — Es waren ferner 
die 33 Entwürfe aus dem Preisausschreiben zum 6. Jahres¬ 
bericht ausgestellt; die von der Dresdener Vereinigung vor¬ 
genommene Bewertung hatte folgendes Ergebnis: I. Preis 
Richard Günther, II.Preis GeorgVogtmann, III.PreisMatthes 


Weiner, IV.Preis Hans Andersen; lobende Erwähnungen er¬ 
hielten E. Rietschel, G. Altmeyer, Br. Dressier und G. Zeh. 

München. In der Sitzung, welche die Typographische 
Gesellschaft am 16. März 1910 abhielt, berichtete Herr Hans 
Welsch über die vom Verband der Deutschen Typographi¬ 
schen Gesellschaften eingetroffene Sendung von Riesen¬ 
nummern der Wiener, sowie amerikanischen Zeitungen. 
Der Vorsitzende teilte sodann mit, daß beabsichtigt sei, die 
Vortrags- und Leseabende stets mit einer Vorlesung von 
wissenswerten Aufsätzen der Fachpresse zu beginnen,was er 
sodann erstmalig tat. Es soll damit einesteils bezweckt 
werden, daß derartige Abhandlungennichtnur — wie üblich 
— kurz überflogen werden,sondern daß, durch guten Vortrag 
angeregt, auch eine Aussprache hierüber geführt wird; 
andernteils sollen aber auch hierdurch nicht zuletzt jüngere 
Kräfte zu Vortragenden herangebildet werden. — Für die 
Monatsversammlung vom 30. war die Ausstellung derWett- 
bewerbsarbeiten des Verbandes der Deutschen Typogra¬ 
phischen Gesellschaften (Briefkopf, Briefhülle, Postkarte) 
vorgesehen, wozu wiederum der Sammlungsleiter Herr 
Hans Welsch den Bericht vorbrachte. Fs. 

Nürnberg. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaftern 22. März 1910 lag eine Rundsendung: Neujahrs¬ 
karten und Karten auf, die eingehend besichtigt wurde. 
Die für diese Sitzung zurückgestellte Frage: Was für ein 
Unterschied besteht zwischen Naß- und Trockenstereotypie 
und welches Verfahren ist vorteilhafter, beantwortete Herr 
Knoop. Er befriedigte durch seine Ausführungen die Ver¬ 
sammlung und gab in dem lebhaft einsetzenden Meinungs¬ 
austausch noch manchen wertvollen Aufschluß. Einem 
Wunsche der Versammlung entsprechend wird derselbe 
Herr nächstens in einem weiteren Vortrage: Das Galvano 
von seiner Entstehung bis zum Drucke behandeln. Einige 
Anfragen über Sperrung des Satzes wurden erledigt. In die 
technische Kommission wurde für den zurückgetretenen 
Herrn Haselmann Herr Gast abgeordnet. -m-. 

Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
24. März 1910 lagen die neuesten Nummern der Fachpresse, 
sowie Neuerscheinungen der Gießereien auf, die vom Vor¬ 
sitzenden einer kurzen Besprechung unterzogen wurden. 
Besonders hingewiesen wurde auf die in letzter Zeit immer 
mehr in Mode kommenden von Künstlerhand stammenden 
geschriebenen Drucksachen.— Um die Nutzanwendung aus 
dem in letzter Sitzung gehaltenen Lichtbildervortrag des 
Herrn Fiedler vom Deutschen Buchgewerbeverein in 
Leipzig über: Satz und Ausstattung von Anzeigen in den 
Tageblättern zu ziehen, wurde ein Wettbewerb ausge¬ 
schrieben über einen Verbesserungsvorschlag zu einem 
in der hiesigen Tagespresse erschienenen Inserat, -dl.- 


I nhaltsverzeichnis 


E. M. Lilien. S. 101. — Kunst und Reklame. S. 105. — 
Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Voll¬ 
kommenheit. III. S. 116. — Aus dem Deutschen Buch¬ 
gewerbeverein. S. 125. — Der Verkehr des Buchdruckers 


mit dem Publikum. S. 128. — Eine Gedächtnisfeier am 
Grabe Friedrich Koenigs. S. 129. — Aus den graphischen 
Vereinigungen. S. 130. 

8 Beilagen. 


132 


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PRINCETON UNIVERS1TY 




ANFERTIGUNG VON WERKEN 
DISSERTATIONEN -KATALOGEN 
ALLE DRUCKARBEITEN FÜR DIE 
BEHÖRDEN - FÜR DEN KAUF¬ 
MÄNNISCHEN UND PRIVATEN 
BEDARF IN ZWECKMASSIGER 
UND MODERNER AUSFÜHRUNG 



ihMJ 1 


VERLRG DER ZEITSCHRIFTEN: 
MEDIZINISCHE MITTEILUNGEN 
PHARMAZEUT. WOCHENBLATT 
ORTHOPAD. MONATSSCHRIFT 
ANZEIGER FÜR SANATORIEN 
UND DES GENERAL-ANZEIGER 
HEIDELBERG UND UMGEGEND 


UNIVERSITATS-BUCHDRUCKEREI 

DSWERNER & SOHN!HEIDELBERG 


FERNSPRECHER 493 


DEN 


191 






Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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Druck von Günther, Kirstein & Wendler, Leipzig 

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PRIINCETON UNIVERSITY 










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PRINCETON UNIVERS1TY 



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leinene unb halbleinene Anzug- 
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Original fn>m 

PRINCETON UNIVERSITY 


















: Dorna > rf n me UH I ietl byies . Lioogte-digitized I http://www.h3thitrust.0rg/access_use#pd-us-g00gle 



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PRINCETON UNIVERSITY 


Geschäfts- und Visitenkarten 









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PRtNCETON UNIVERS1TY 



BallfpieUKlub «Arminia» Ceipzig 


Ceipzig 


Januar 1910 


PP. 


Unterzeichneter 
Klub gibt Pd) hiermit 
bie €hre, Sie unb Ihre werten 
Angehörigen zu feinem Sonntag, 
ben 13. Februar, abenbs punktS Uhr, im 
Saale bes -Rofental-KaPnos» ftattpnbenben 

großen Kappen=Feft 

ergebenft einzulaben. — Um unferen lieben Bunbesgenoffen 
•Stimmung, Humor, raune», bie uns im oorigen Jahre fo treu 
6eleit gaben, mieber Gelegenheit zur oollen Cntfaltung 
ihres Wirkens zu geben, werben wir Peburd) allerlei 
Dorträge im Jüufenwigmam, auf ben weltbebeuten» 
ben Brettern, burch Tanz unb allerlei Kurzweil 
herbeirufen, unb wir werben bemüht fein. 

Ihnen einige recht angenehme Stunben 
zu bereiten. — In ber Hoffnung, Sie 
bei uns begrüßen zu können, 
zeichnet hochachtungsooll 

BallfpieUKlub 

«Arminia» 




Kappen roerben am Eingänge bes Saales gratis oerteilt 


\ 


Beilage zum Ardjiu ffir Budjgcroe 


Go 


Original frorn 

PR \|( ^ ru( * ron WlUjein* Fugmann, Ceipzlfl- K * 






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PRIiNCETON UNtVERSfTY 

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jAs, 

V 

GLASWAREN 

/\ 

V 




Die alljährlich zur Leipziger Oltermefle hattfindende 
Ausheilung in Keramik, Glas ufw., welche fich bisher 
eines sehr großen Befuches erfreute, wird fich wieder 
im Städtilchen Kaufhaus, linker Seitenflügel, befinden. 
Veranltalter diefer reichhaltigen Ausheilung find die 

Radeberger Glashüttenwerke 

welche auf dem Gebiete der Glasinduhrie Hervor» 
ragendes leihen und nur künhlerifihe Gegenhände 
auf den Markt bringen. Vor allem in der Abteilung C 
befinden fich reizende Gläfer in vielerlei Farben mit 
künhlerihhen Zeichnungen, fowie Trinldchalen, die 
in gelchmackvoller Zufammenhellung einen wunder» 
baren Tafelkhmuck darbieten. Sie bilden gleichzeitig 
eine Spezialität auf diefem Gebiete und werden nicht 
verfehlen, die Kaufluh der Befucher diefer Ausheilung 
im befonderen Maße anzuregen. Aber auch die 
andern ausgehellten Gegenhände bieten eine reiche 
Auswahl und wirken auf den Behhauer feflelnd,- 
auch hier würde man von einem abgelchloflenen 
Ganzen fprechen können. In der neu eingerichteten 
Abteilung E find herrliche Muher auf dem Gebiete 
der Keramik untergebracht, welche fämtlich nur von 
erlten Künhlem entworfen und teilweife auch aus 
öffentlichen Preisauslchreiben meiherhah hervorgingen 




A 

V 

AUSSTELLUNG 

/\ 

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Beilage zum Archiv für 


i@n rbc gle 


Drude von Breitkopf *3D Härtel in Leipzig 

PR1NCET0N UNIVERSITY 








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Original from 

PR1NCETON UNIVERSITY 




'Beitage zum f /Rrcßiv für ßuc/jgewerße“. 


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Druck der ßeipziger Ttunftdruckerei 77. ßeff. 

Original from 

PRIINCETON UNfVERSITY 





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PRINCETON UlMtVERSfTY 




Veutfche Fahrrad-Fabrik Germania 
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7ZZZZZ. Monats-Rechnung FrankfurtaM - 


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Beanstandungen von Waren können nur innerhalb 14 Tagen Berücksichtigung finden. Bei Wechseln 
auf Nebenplätje übernehmen wir keinerlei Verbindlichkeit für deren rechtzeitige Vorzeigung 


Beilage zum Archiv fürBadigeiverbe Günther, Hirstein.4 Wendler, Leipzig 

Digitized by VjlUügiC PRINCETON UNIVERSITY 







































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PRINCETON UNIVERS1TY 




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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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18 


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Staatsmedaille 

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Dresden 1909 


Sie sind überall da am Platze, wo gröQte Genauigkeit der Arbeit, exaktestes Funktionieren 
der Mechanismen f bequemste, schnellste Bedienung aller Triebe verlangt werden müssen. 

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TPezz/srize T^erTsc^r/J? „ JPtecfztz/zta ", TTPa/zTfi/rier SBz/rizsdzr/f? 
Sfä/zzfe/yer jTta/zsr/ez, j77orf/?ve//zsa7rzyZ jT/zrfzzz- S7/z/z<?zza 
jTPsera/scPrz/fezz „ jTto/zze/ " „ Co/zz/fressa " „ 7%e/b/vzz " „ TTfass/v' 
„ Sriya/z/ea" z//z7 „ SSzez/er/zzezer", Sftz7//zyers<7zrz// 
J7z/ea7- Sc/zrezTscfrz-zftezz, Serie 7magere zzzzri776rä/?zz?e. 


J/rosse j7?us/va//S//i J^riss/safre/? Scrfr/fte/r 


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PRINCETON UN1VERSITY 


























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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kreisen finden sollen, 
erreichen dies durch 
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ARCHIV FÜR 
BUCHGEWERBE 


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Schriftgiesserei :: Berlin SW 


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bei Neuanschaffungen diejenigen Maschi¬ 
nen, deren erprobte Konstruktion und 
vorteilhafte Arbeitsweise die größten Er¬ 
sparnisse schafft. Handelt es sich um 


Falzmaschinen 






































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



MAPPEN USW. 

IN VOLLENDETSTER 
AUSFÜHRUNG 
ENTWÜRFE AUS 
EIGENEM ATELIER 
SOWIE UNTER 
MITWIRKUNG NAM¬ 
HAFTER KÜNSTLER^ 

GR055-BUCHBINDERE 


3roecks Aufhellung eines 

Bezugsquellen« 


Uerzeicbniffes 


bitten mir alle biejenigen 
Firmen, roeldje Ulafd)i= 
nen, Werkzeuge foroie 
Tllaterialien für bas Budj= 
geroerbe (Papier= unb 
Druckinbuftrie, Budjbin» 
berei, pbotomedyanifdje 
üerfaljren ufro.) erzeu= 
gen, foroeit bies nodj nid)t 
gefdyeljen, iljre Kataloge 
an uns einzufenben. 

6e|cbäftsftelle bes 
Deutfdjen 

Budjgetrerbeoereins 

Leipzig, Dolzftraftel. 


Die vollste Aisnatznng 

[{ der Schnellpresse [{ 

b« wird nur erreicht durch den iS 

Bogenanleger „Rotary“ 

SS (SYSTEM SPIESS) SS 

11 Fabriziert von: 

jj Schroeder, Spiess& Cross, <3.m.b.H. ii 
l| Leipzig-Rng. II 



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PR1NCETON UNIVERSITY 



































































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


■oioaoi oioioioaoaoioaoa 


oaoBOaoaoBoaoaoBoaoaOBOB 


jSlELER &VOGEL| 


Berlin SW. 


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■ 

0 Papiere aller Art für Buchhandel und Druckerei 
Q Werk- und Notendruck, Bunt-, Licht- und Kupferdruck, 

■ für Landkarten, Pläne usw. 

0 Kunstdruck-Papiere und -Kartons, reichhaltiges 
Q Sortiment farbiger Umschlag- und Prospektpapiere, 

■ gepreßte Papiere in 10 Dessins, Streifbandpapiere, 

0 Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere usw. 

5 

BOBOBOBOBOBOBOBOBOBOflOBOa 


LEIPZIG ■ Hamburg 

rfabrik Golzern in Sachsen. «««< 


Postpapiere liniiert und unliniiert in reichster 0 
Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen 0 
und Behörden, für Formulare, Geschäftsbücher usw. ■ 
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere. 0 
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Elfen- 0 
bein-Karton für Licht- u. Buchdruck. Geschnittene ■ 
Karten, Seidenpapiere, Briefumschläge usw. 0 

5 

■OBOBOBOBOBOflOBOBOBOBOBOB 






DIE PROBE 
DER ANTIQUA 
AUGENHEIL 

i 

die in einem 100 Quartseiten 
umfassenden Prachtbande 
soeben zur Ausgabe kommt, 
ist eine wahre Fundgrube für 
jedeBuchdruckerei.DasHeft 
bringt eine Fülle praktischer 
Vorschläge für die moderne, 
zweckmäßigeAkzidenz-und 
Buchausstattung. Es wurde 
hier zum erstenmal in einer 
Gießereiprobe der Versuch 


unternommen, als Beispiele ? 
lediglich verbesserte,imText [ 
unveränderte Arbeiten aus 
der Praxis zu bringen. Ihre 1 
neuartige Satzweise mit der 3 
dekorativ wirkenden Schrift 1 
zeigt neue Wege, nach denen ) 
sich auf äußerst rasche Art 1 
mustergültige Drucksachen 3 
herstellen lassen. Wir senden 1 
die Probe nur auf Anfrage. ) 


LUDWIG & MAYER 
SCHRIFTGIESSEREI 
IN FRANKFURT 
AM MAIN 




^- SAT -J 


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PRINCETON UNiVERSITY 














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Bogenzuführungs-Apparat 
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druckereien Europas, sowie in den meisten großem Druckereien Verwendung 
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C. Sdjroarz 

Dorm.: €mil5auch,Ceipzig 

Tcubnerltra&e 12-14 :: fernfprctbcr 289 

matern, flusgießen und 
Korrigieren ganzer IDerhe 

Galnanos ln JDacfee- oder Zelluloid-Prägung 
nach 5olzld>nitten,Strld>ätzungen,Satz u.flutotyplen 

OriginalgetreuefDiedergabe 
:: aud) bei feinftem Raiter:: 
GalDanoöfürDrd-undmebrfarbendrucft 
unterGarantle genaueren Paffend 
Galoanifcbe DruAfirmen 
Zel tungshöpfe auf Bleif u& 

Pahetadrellen-, fraitbrlef-ftllfcbeco etc.elc. 
ftet© oorrätlg. 


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schaften ist die Tatsache, daß innerhalb zwei 
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stellung erfolgte. Auch die Reichsdruckerei 
gab eine Nachbestellung von vier Apparaten. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

47. BAND MAI 1910 HEFT 5 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Das Buchgewerbe auf der Weltausstellung Brüssel 1910 

Von ARTHUR WOERNLEIN, Leipzig 


^ 23 . April 1910 wurde mit allem Prunk 
l \ und Glanz, den man gerade in romanischen 

j / % | Ländern mit Vorliebe bei besonderen Feier- 
lichkeiten entfaltet, durch den König und 
die Königin von Belgien in Anwesenheit sämtlicher 
Minister, der Spitzen aller Behörden, der Regierungs¬ 
vertreter und Vorstände der einzelnen Ausstellungs¬ 
komitees die Brüsseler Weltausstellung eröffnet. Wie 
alle ihre Vorgänger, so zeigte sich auch diese neueste 
Weltausstellung am Eröffnungstage in einem sehr un¬ 
fertigen Zustande; nur die Deutsche Abteilung war 
nahezu fertig, um sich dann am allgemeinen Er¬ 
öffnungstage, 25. April 1910, in völlig fertigem Zu¬ 
stand den Besuchern zu präsentieren. 

Jeder Deutsche darf auf diese Tatsache mit be¬ 
sonderer Genugtuung stolz sein, denn keine andre 
Nation hat dieses schwierige Kunststück fertig ge¬ 
bracht. Kein Wunder, daß diese großartige Leistung 
allgemein Erstaunen und Bewunderung hervorrief. 
König Albert von Belgien hat bei seinem dreistün¬ 
digen Rundgang, den er in Begleitung der Königin am 
offiziellen Eröffnungstage durch die Deutsche Ab¬ 
teilung unternahm, wiederholt Deutschland als ein 
Vorbild für andre Nationen bezeichnet, die belgische 
und ausländische Presse zollte den Deutschen unum¬ 
wundene Anerkennung, und bei dem Bankett, das der 
deutsche Reichskommissar am 28. April 1910 im 
Deutschen Hause einer großen Zahl geladener 
Personen gab, bezeichnete der belgische Handels¬ 
minister Hubert in überaus anerkennenden Worten 
den vollständig fertigen Zustand der Deutschen Ab¬ 
teilung als eine hervorragende Leistung deutscher Or¬ 
ganisationsfähigkeit, deutscher Kraft und deutscher 
Disziplin. 

Kann sohin jeder Deutsche mit vollem Recht auf 
die Tatsache, daß die Deutsche Abteilung auf der 
Weltausstellung Brüssel am offiziellen Eröffnungstage 
vollständig fertig war, stolz sein, so wird er dies noch 
um so mehr sein, wenn er die Deutsche Abteilung 
auch nur flüchtig durchwandert, denn er wird schon 
dann die Überzeugung gewinnen, daß Deutschland in 


einer Weise vertreten ist, wie dies auf keiner andern 
Weltausstellung der Fall war. Schon der Umstand, 
daß diesmal alle deutschen Erzeugnisse in eignen, 
dicht und architektonisch überaus fein aneinander 
gegliederten Hallen untergebracht sind, sichert der 
Deutschen Abteilung einen besonderen Erfolg, weil 
sie hierdurch ein geschlossenes imponierendes Bild 
von der mächtig entwickelten deutschen Industrie 
gibt. Aber auch Kunst und Kunstgewerbe sind dies¬ 
mal in einer geradezu vollendeten Form vertreten, 
die den leitenden Persönlichkeiten alle Ehre macht. 
Die »Räume eines Kunstfreundes“ zeigen Werke 
unsrer besten deutschen Künstler, die als Ganzes 
einen prächtigen Überblick über unsre heutige 
deutsche Kunst geben. Die Raumkunst, das Kunst¬ 
gewerbe sind gleichfalls glänzend vertreten, die 
Gruppe Erziehung und Unterricht wird in ihrer Viel¬ 
seitigkeit, ihrem Umfange, ihrer geschickten Anord¬ 
nung und ihrem vortrefflichen Material sicher von 
keinem andern Lande übertroffen werden. Die In¬ 
dustriehalle, vor allem aber die sehr große Maschinen¬ 
halle nebst anstoßender Kraftmaschinenhalle findet 
Bewunderung nicht nur bei Fachleuten, sondern 
auch bei jedem Laien, der hier zum ersten Male ein 
Bild von der großartigen Entwicklung und Leistungs¬ 
fähigkeit der deutschen Industrie erhält. Deutsch¬ 
land wird meines Erachtens auf der Weltausstellung 
Brüssel 1910 einen Erfolg erzielen, der von keiner 
andern Nation erreicht werden und der in erster 
Linie der geschickten, umsichtigen Arbeit des 
deutschen Reichskommissars zu verdanken sein wird, 
der von Anfang an mit richtigem Blick erkannte, 
daß nur ein geschlossenes Auftreten des Deutschen 
Reiches in eigenen Hallen von durchschlagender 
Wirkung sein könne, und der es wagte, in vielen 
Dingen, so z. B. der Abteilung Kunst, unter Heran¬ 
ziehung maßgebender Persönlichkeiten, andre Wege 
einzuschlagen, als solche auf früheren Ausstellungen 
üblich waren. 

Im Gegensatz zu Deutschland bieten die Aus¬ 
stellungen der andern Nationen jetzt noch keinen sehr 

133 18 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


erfreulichen Anblick. Ein großer Teil Ausstellungs¬ 
hallen ist im Rohbau noch nicht fertig, die fertigen 
Hallen aber bieten mit ihrer gähnenden Leere ein 
trostloses Bild. Belgien, das die andern Nationen zum 
friedlichen Wettkampf eingeladen hat, dürfte mit 
seiner Abteilung, ebenso wie Italien, vielleicht Ende 
Mai fertig sein; England gedachte am 17. Mai 1910 
die offizielle Eröffnung seiner Abteilung zu begehen. 
Holland will Mitte Mai die Pforten seines Ausstellungs¬ 
gebäudes eröffnen. Frankreich ist am allerweitesten 
zurück, und wird, wenn es so wie bisher weiterarbeitet, 
seine Ausstellung vielleicht im Laufe des Monat 
Juli dem Besuche zugängig machen können. Außer 
Deutschland waren einige Tage nach der Eröffnung 
mit ihren Abteilungen vollständig fertig: Dänemark 
und — die Türkei. 

Diese Unfertigkeit der Ausstellung gereicht nun 
aber wiederum der Deutschen Abteilung zum Nutzen, 
denn in sie strömt, da sonst noch nichts zu sehen 
ist, die ganze gewaltige Besuchermenge, die natür¬ 
lich mit ihrem Lob nicht zurückhält und so für die 
Deutsche Abteilung die wirkungsvollste und zugleich 
billigste Reklame macht. 

Eine weitere Überraschung, die viel bestaunt und 
besprochen wurde, war, daß am Eröffnungstage der 
Weltausstellung der Amtliche Katalog der Deutschen 
Abteilung fertig vorlag, ein stattlicher Oktavband von 
430 Seiten, von der Berliner Buchbinderei Wübben 
& Co., G. m. b. H. in Berlin geschmackvoll in hell¬ 
graue Segelleinwand gebunden. Auf dem oberen 
Rande des Deckels stehen in drei Zeilen die Worte: 
Weltausstellung Brüssel 1910, am untern Rande in 
zwei Zeilen die Worte: Deutsches Reich. Amtlicher 
Katalog. Die beiden hübsch ausgeglichenen, sehr 
dekorativ wirkenden Schriftsätze sind durch einen in 
Golddruck ausgeführten, gut stilisierten Adlerkopf 
getrennt. Die typographische Ausführung des Kata- 
loges, die unter künstlerischer Leitung des Herrn 
Professor Walter Tiemann- Leipzig in der Reichs¬ 
druckerei in Berlin erfolgte, ist eine sehr gelungene. 
Der Text des Kataloges ist in der prächtigen aus der 
Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach a. M. 
stammendenBehrens-Antiquagesetzt. Im Gegensätze 
zu den Katalogen der Weltausstellungen Paris 1900 
und St. Louis 1904 hat man von der Verwendung von 
Buchschmuck bzw. Ornamenten abgesehen, sich auch 
in der Anwendung einer zweiten Farbe eine sehr 
große Beschränkung auferlegt. Hierdurch hat der 
Katalog eine äußerst ruhige, dabei aber ungemein 
wirkungsvolle Geschlossenheit erhalten, die außer¬ 
ordentlich vornehm wirkt, zumal auch das unhandliche 
Format der frühem Ausstellungskataloge aufgegeben 
wurde. Der neue Katalog ist kleiner, schlanker und 
dadurch entschieden zweckmäßiger geworden, ins¬ 
besondere für den ernsthaften Ausstellungsbesucher, 
dem ja ein Katalog ein steter Begleiter und Ratgeber 


sein muß. Der eigentliche Katalogtext ist zweispaltig, 
nur die den einzelnen Gruppen vorangestellten Ein¬ 
leitungen, in denen Entwicklung und Bedeutung der 
betreffenden Gewerbe von Fachleuten geschildert 
werden, sind in durchgehenden Zeilen gesetzt. Die 
Text- und Einleitungsseiten sind sehr sauber in 
schwarzer Farbe gedruckt und von einer feinen rot 
gedruckten Linienumfassung umrahmt, so daß das 
Satzbild einen geschlossenen ruhigen Eindruck macht. 
Besondere Erwähnung verdient noch das schöne 
weiße, kräftige, mit dem Wasserzeichen: Brüssel 1910 
versehene Papier, das die Papierfabrik Louis Staffel 
in Witzenhausen geliefert hat. 

Dem Hauptinhalt des Kataloges, in dem die Aus¬ 
steller auf Grund der räumlichen Anordnung auf¬ 
geführt sind, folgen zwei Verzeichnisse sämtlicher 
deutscher Aussteller, das erste nach der offiziellen 
belgischen Klassifikation, das zweite alphabetisch ge- 
ordnet.Zwei doppelseitige Abbildungen der Deutschen 
Gebäude, ein farbiger Plan der gesamten Weltaus¬ 
stellung, sowie verschiedene Grundrisse der einzelnen 
Hallen bzw. Abteilungen bilden den einzigen illustra¬ 
tiven Schmuck des Kataloges, der künstlerisch und 
technisch eine vorzügliche Leistung des deutschen 
Buchgewerbes ist und allen, die an seiner Herstellung 
beteiligt waren, insbesondere der Reichsdruckerei 
in Berlin, Ehre macht. Der reiche Inhalt, die vor¬ 
nehme innere und äußere Ausstattung werden ihn 
auch für diejenigen wertvoll machen, die ihn nicht 
als Führer durch die Ausstellung selbst gebrauchen. 
Der Katalog, welcher im Verlage von Georg Stilke in 
Berlin erschienen ist, kostet trotz seines Umfanges 
und seiner hübschen AusstattunggebundennurM2.50. 

Die Angehörigen des Buchgewerbes, welche die 
Weltausstellung in Brüssel besuchen, werden, wie dies 
ja in der Natur der Sache liegt, ihr Hauptaugenmerk 
auf das Buchgewerbe lenken, um durch Vergleich der 
deutschen und ausländischen buchgewerblichen Er¬ 
zeugnisse einen Überblick über den derzeitigen Stand 
der künstlerischen und technischen Leistungsfähig¬ 
keit des gesamten Buchgewerbes im In- und Auslande 
zu erhalten. Wer mit dieser Absicht jetzt schon nach 
Brüssel fährt, der wird eine bittere Enttäuschung er¬ 
fahren, denn er wird nur das deutsche Buchgewerbe 
kennen lernen, weil, wie schon oben gesagt, die 
andern Nationen mit ihren Abteilungen überhaupt 
noch nicht fertig sind. Jedem, der die Brüsseler Welt¬ 
ausstellung zu ernsthaften Studienzwecken besuchen 
will, dem kann ich nur dringend empfehlen, nicht vor 
Ende Juni nach Brüssel zu reisen, denn um diese 
Zeit dürfte erst ein Vergleich zwischen den von den 
einzelnen Nationen zur Schau gebrachten Erzeug¬ 
nissen möglich sein. Augenblicklich, und auch noch 
in den nächsten Wochen wird der Besucher sich nur 
in der Deutschen Abteilung belehren können, bei 
den andern Abteilungen aber sich mit dem Studium 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der Gebäudefassaden und der leeren oder halbleeren 
Räume begnügen müssen. 

Aus diesem Grunde kann ich auch jetzt über das 
gesamte Buchgewerbe auf der Weltausstellung Brüs¬ 
sel 1910 noch keinen Überblick bieten, sondern muß 
mich darauf beschränken, zunächst einen kurzen 
Bericht über die Beteiligung des deutschen Buch¬ 
gewerbes zu geben. In den nächsten Heften hoffe 
ich dann auf Einzelheiten nicht nur der Deutschen 
Gruppe Buchgewerbe und Photographie, sondern 
auch der ausländischen buchgewerblichen Abteilungen 
eingehen zu können. 

Die Beteiligung des deutschen Buchgewerbes und 
der deutschen Photographie an der Weltausstellung 
ist verhältnismäßig eine gute, zumal wenn in Betracht 
gezogen wird, daß dieses Mal nur ein Raum von 
850 qm Bodenfläche zur Verfügung gestellt wurde, 
während derselben Gruppe auf der Weltausstellung 
in Paris 1900 ein Raum von 1100 qm Bodenfläche, 
auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 ein solcher 
von 1400 qm zur Verfügung stand. In Paris 1900 
beteiligten sich 161 Firmen, in St. Louis 1904 185 
Firmen als Einzelaussteller, während die Zahl der 
Einzelaussteller in der Gruppe Buchgewerbe und 
Photographie in Brüssel nur 145 beträgt. Diese im 
ersten Augenblick schwach erscheinende Beteiligung 
ist darauf zurückzuführen, daß infolge des beschränk¬ 
ten Raumes von vornherein in der Zulassung von 
Firmen zur Ausstellung eine gewisse Beschränkung 
auferlegt werden mußte. Ferner fehlen in Brüssel 
leider die deutschen chromolithographischen Anstal¬ 
ten, die in Paris in großer Zahl vertreten waren, weil 
ihnen eine Beteiligung infolge der in den letzten 
Jahren entstandenen Zollverträge, die eine Ausfuhr 
ihrer Erzeugnisse in das Ausland so gut wie unmöglich 
machen, nicht angebracht erschien. Auch die photo¬ 
graphische Industrie, die in Paris sehr umfangreich 
ausgestellt hatte, fehlt dieses Mal. Anderseits muß 
in Betracht gezogen werden, daß in Brüssel zwei 
Kollektivausstellungen veranstaltet sind, in denen 
eine größere Zahl Firmen vereinigt ist, die früher 
als Einzelaussteller auftraten. So vereinigt die Kol¬ 
lektivausstellung des Bundes der chemigraphischen 
Anstalten Deutschlands 10 Firmen, während in der 
Gruppe Buchkunst 20 Firmen vertreten sind. 

Um ein übersichtliches Bild über die Leistungs¬ 
fähigkeit des deutschen Buchgewerbes zu bieten, das 
auf einer Weltausstellung stets nur in beschränktem 
Umfang sich zeigen kann, sind dieses Mal die ein¬ 
zelnen Geschäftszweige räumlich zusammengelegt 
worden. Die Deutsche Gruppe Buchgewerbe und 
Photographie umfaßt daher folgende Raumeinteilung 
und Aussteller: 1. Die Reichsdruckerei (1), 2. Pa¬ 
pier- und Geschäftsbücherfabrikation (6 Aussteller), 
3. Druckfarben- und Messingschriftenfabrikation 
(8 Aussteller), 4. Schriftgießerei (7 Aussteller), 


5. Buch-, Stein- und Musiknotendruck (13 Aussteller), 

6. und 7. Buch-, Kunst- und Landkartenverlag (15 Aus¬ 
steller), 8. Buchkunst (im Katalog leider als Buch- 
druckerkunst bezeichnet) und Reproduktionstechnik 
(3 Aussteller), 9. Verein Deutscher Buchgewerbe¬ 
künstler (20 Aussteller), 10. Berufsphotographie 
(36 Aussteller), 11. Liebhaberphotographie (30 Aus¬ 
steller) und 12. Buchbinderei (6 Aussteller), insge¬ 
samt also 145 Einzelaussteller. 

Die Anordnung und Ausstattung der Deutschen 
Gruppe Buchgewerbe und Photographie ist wiederum 
eine planmäßig einheitliche. In allen Räumen, mit 
Ausnahme desjenigen des Vereins Deutsche Buch¬ 
gewerbekünstler, ist das gleiche Mobiliar, auch die 
Rahmen sind in Form und Farbe ganz einheitlich 
und gleichmäßig. Hierdurch ist in allen Räumen eine 
vornehme Einfachheit und Ruhe erzielt, welche die 
ausgestellen Gegenstände erst recht wirkungsvoll 
hervortreten lassen. Auf Einzelheiten der Ausstat¬ 
tung, insbesondere auf die von Herrn Architekt 
Oskar Menzel in Dresden besorgte Raumeinteilung 
und dekorative Ausgestaltung der Räume werde ich 
noch zurückkommen. 

Ein Überblick über die ausgestellten Gegenstände 
zeigt, daß jeder bestrebt war, nur das Beste zur 
Schau zu bringen. Geradezu glänzend ist die Aus¬ 
stellung des Vereins Deutsche Buchgewerbekünstler, 
der im eigenen Raum und unter eigener Jury ausge¬ 
stellt hat. Die Bezeichnung vorzüglich gebührt auch 
der Abteilung Buchkunst, in der nur Gegenstände 
aufgenommen sind, welche von einer besonderen 
aus Künstlern und Technikern gebildeten Jury aus¬ 
gewählt wurden und die durch eine kleine retrospek¬ 
tive Gruppe, zusammengestellt von dem Museums¬ 
direktor des Deutschen Buchgewerbevereins, eine 
hübsche Ergänzung findet. Die Gruppen Berufs- und 
Liebhaberphotographie, ebenfalls nur von einer aus 
berufenen Persönlichkeiten (Berufs- und Liebhaber¬ 
photographen) bestehenden Jury ausgewählte Bilder 
enthaltend, sind nach dem Urteile unparteiischer 
Fachmänner ganz ausgezeichnet und das beste Zeug¬ 
nis für die gute technische und künstlerische Arbeit 
der deutschen Photographie. 

Zu der Gruppe Buchgewerbe und Photographie 
gehören auch die buchgewerblichen Maschinen (Buch¬ 
druckschnellpressen, Tiegeldruckpressen, Papierbe- 
arbeitungs- und Papierverarbeitungsmaschinen usw.), 
die in der Maschinenhalle untergebracht sind. Zum 
ersten Male hat im Auftrag des Reichskommissars 
der Deutsche Buchgewerbeverein auch diese Ab¬ 
teilung organisiert bzw. die Gewinnung der Aus¬ 
steller besorgt. Auch hier ist der Erfolg nicht aus¬ 
geblieben, denn in Brüssel beteiligen sich 14 buch¬ 
gewerbliche Maschinenfabriken, während auf der 
WeltausstellungParis 1900nur 6, auf jener in St. Louis 
1904 sogar nur 2 gleichartige Firmen vertreten 

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waren. Die buchgewerbliche Maschinenausstellung 
nimmt einen Raum von 1200 qm Bodenfläche ein und 
zeigt neben bereits bekannten Maschinentypen auch 
eine größere Zahl neuer Maschinen, gibt sohin einen 
sehr ausgezeichneten Überblick über den derzeitigen 
Stand der deutschen buchgewerblichen Maschinen¬ 
industrie. Daß einige größere Firmen nicht vertreten 
sind, ist zwar sehr bedauerlich, aber doch nicht dazu 
angetan, die Wirkung dieser Abteilung irgendwie ab¬ 
schwächen zu können. 


Ob die Deutsche Gruppe Buchgewerbe und Photo¬ 
graphie neben den gleichartigen Gruppen der andern 
Nationen mit Ehren bestehen wird, kann heute noch 
nicht gesagt werden. Auf alle Fälle aber kann das 
deutsche Buchgewerbe und die deutsche Photographie 
jetzt schon mit einem gewissen Stolze auf seine Aus¬ 
stellung blicken, die eine Aufmunterung sein wird, 
auch fernerhin rastlos an der technischen und künst¬ 
lerischen Weiterentwicklung zu arbeiten, eingedenk 
des alten Sprichwortes: Rast ich, so rost ich. 


Über Rotationstiefdruck 

Von k. k. Oberingenieur Dr. PAUL RITTER VON SCHROTT, Wien 


jg Bestrebungen, das Gravüre-Druckver- 
l 1 % [ fahren von der Handarbeit unabhängig und 

I 1 Mi dadurch produktiver zu gestalten, reichen 
bereits eine Reihe von Jahren zurück. Es 
lassen sich zwei Methoden wahrnehmen, nach welchen 
dieses Ziel erreicht werden soll. Nach der einen Me¬ 
thode wird als Druckform eine nach dem gewöhnlichen 
Verfahren hergestellte Gravüre verwendet und die 
Handarbeit durch automatische Wischvorrichtungen 
mehr oder weniger entbehrlich gemacht. Beträchtliche 
Erfolge wurden in dieser Richtung erzielt. Die größte 
Verbreitung haben wohl die Maschinen von Hoe und 
Nadherny gefunden, bei welchen die Handarbeit 
wesentlich eingeschränkt ist 1 . 

Während die vorerwähnten Pressen von einer 
flachen Form drucken, hat die Presse von Violet 
Gilles & Co. 2 in Paris die Tiefdruckplatte nach Art 
einer Stereotypplatte in einem Zylinder eingespannt, 
so daß mit dieser Maschine die Ausübung eines Ro¬ 
tationstiefdruckes möglich wird. Da das Prinzip dieser 
Presse weniger bekannt sein dürfte, soll deren Wir¬ 
kungsweise an Hand der Abbildung 1 kurz beschrieben 
werden. 

Im Zylinder P ist die Gravüre-Platte a befestigt, 
das Papier geht in einzelnen Bogen zwischen dieser 
und der Gegenplatte C hindurch. Das Farbwerk A, 
dessen Walzen sich kontinuierlich drehen, kann durch 
Exzenter in eine hin und her gehende Bewegung 
senkrecht zur Zylinderachse versetzt werden, so daß 
die Auftragwalze c nach Belieben längere oder kür¬ 
zere Zeit zur Anlage an die Form kommt. Die Wisch- 

1 Bekanntlich werden die österreichischen Banknoten 
in der Druckerei der österreichisch-ungarischen Bank auf 
den von Direktor Nadherny konstruierten Kupferdruck¬ 
schnellpressen gedruckt. Auch in der Hof- und Staats¬ 
druckerei sind diese Pressen für den Druck von gewissen 
Briefmarken und Krediteffekten mit bestem Erfolge in 
Verwendung. Dieselben sind insbesondere für gestochene 
Platten geeignet. 

2 D.R.P. 203430 K1.15d vom 7. April 1907. 

D.R.P. 203756 Kl.lSd vom 8. März 1907. 


Vorrichtung besteht aus drei Tuchstreifen g g t g 2 , 
welche durch Massewalzen k k t k 2 an die Form ge¬ 
preßt werden. Während die Form die Wischvorrich¬ 
tung passiert, wird sie in eine hin und her gehende Be¬ 
wegung versetzt. Die Bewegung der Tuchstreifen er¬ 
folgt zwangläufig durch die Rollenpaare j ji j 2 . Während 
das erste Band trocken wischt, wird das zweite Band 
mit Pottaschelösung, das dritte mit Wasser in den 
Trögen hi h 2 getränkt. Um die Leimwalzen kj k 2 vor 
Auflösung zu schützen, werden sie mit einer Kaut¬ 
schuk- oder Zelluloidlösung bestrichen. Da diese 
Presse auch mit automatischer Anlege-und Abnahme¬ 
vorrichtung versehen ist, soll sie die Handarbeit voll¬ 
kommen entbehrlich machen. 

Während nun die vorerwähnten Maschinen das 
ursprüngliche Photogravüreverfahren mit Aquatinta¬ 
korn beibehalten haben, wird nach andern Methoden 
eine Abänderung der Gravüre in dem Sinne zu 
erzielen getrachtet, daß sie für den Schnellpressen¬ 
druck geeignet gemacht wird. Dieses letztere Ver¬ 
fahren, welches in jüngster Zeit zu so hoher Voll¬ 
endung gebracht wurde, daß es nunmehr auch zur 
Zeitungsillustration auf Rotationsmaschinen mit Er¬ 
folg verwendet werden kann, soll in folgendem 
besprochen werden. 

Bereits von dem österreichischen Maler Klic (1879), 
dem Erfinder der modernen, nach ihm benannten und 
allgemein eingeführten Heliogravüre, wurde wenige 
Jahre später in dem sogenannten Rembrandt-Intaglio- 
druck 1 ein Verfahren geschaffen, welches die Ver¬ 
wendung der Heliogravüreform in Schnellpressen 
gestattete. Angeregt durch die Erfolge von Klic haben 
sich später auch andre Graphiker auf diesem Gebiete 
versucht, und zwar, wie die Intagliodrucke von Löwy 
in Wien, die Mezzotintodrucke von Bruckmann, die 

1 Eine der ersten derartigen Illustrationen erschien im 
November 1897 in der Monatsschrift des k. k. österreichi¬ 
schen Museums fürKunst und Industrie „Kunst und Kunst¬ 
handwerk“, Verlag von Artaria-Wien als Beilage zu einem 
Artikel W. Burgers „Schloß Kreuzenstein“, darstellend 
„Pfaffenstube in Kreuzenstein“. 


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Heliotintdrucke von Meisenbach Riffarth & Co. zeigen, 
mit bestem Erfolge. Bei allen diesen Verfahren bildet 
die Verwendung einer Rastergravüre die Grundlage. 
Die Schwierigkeit, eine 
gewöhnliche gestaubte 
Gravüre auf einer Schnell¬ 
presse abzudrucken, be¬ 
steht darin, daß die Wisch¬ 
vorrichtung die zarten 
Haftpunkte derFarbe, wel¬ 
che durch das Aquatinta¬ 
korn geschaffen werden, 
nicht genügend schont, da 
sie bei der ihr innewoh¬ 
nenden Elastizität sehr 
leicht aus den vertieften 
Flächen die Farbe ganz 
herausreißen oder zumin¬ 
dest am Rande und in der 
Mitte ungleich hoch stehen 
lassen wird. Es muß also 
dafür gesorgt werden, daß 
kräftigere Haftpunkte für 
die Farbe geschaffen wer¬ 
den und dies geschieht 
durch Eintragung eines 
Autotypierasters auf den 
Grund der Ätzung nach 
verschiedenen Methoden, 
indem das auf die Platte 
zu übertragende Pigment¬ 
bild mit einem Linien¬ 
oder Kreuzraster kombi¬ 
niert wird. Es entsteht 
daher ein der Photogra¬ 
vüre sehr nahe verwandtes 
Halbtonbild mit den für 
Tiefdruckverfahren cha¬ 
rakteristischen Halbton¬ 
übergängen und reichen 
Details inLicht und Schat¬ 
ten, da die Rasterpunkte 
nicht wie bei der Autotypie 
lediglich durch ihreGröße, 
sondern durch ihre To¬ 
nung die Bildwirkung 
herbeiführen. Diese 
Rasterpunkte bieten der 
Wischvorrichtung genü- 
gendFührungum einHer- 
ausreißen vonFarbpartien 
zu verhindern 1 . Die Ra¬ 
stergravüre übertrug Klic bereits auf einen Metall- 

1 Die Produktion beträgt bei kleineren Formaten etwa 
1000—1500, bei größeren etwa 300—500 Drucke in der 
Stunde. 


Zylinder, welches Verfahren um 1898 in die Öffent¬ 
lichkeit gelangte und als die erste Form des helio- 
graphischen Rotationstiefdruckes bezeichnet werden 
muß. Da jedoch das Ver¬ 
fahren sorgfältig geheim¬ 
gehalten und darum der 
Allgemeinheit nicht zu¬ 
gänglich wurde, so war es 
natürlich, daß man sich 
von verschiedener Seite 
mit dem Ersinnen derar¬ 
tiger Druckmethoden be¬ 
faßte. Und nur so wird 
es erklärlich, daß wir die 
jüngste Erfindung auf die¬ 
sem Gebiete von einer 
ganz andern Quelle ihren 
Ausgang nehmen sehen. 

Das altbekannte Ver¬ 
fahren des Zeugdruckes 
ist es, welches zum mo¬ 
dernen Rotationstiefdruck 
hinüberleitet. Zur Gewin¬ 
nung eines klaren Ein¬ 
blickes in die Genesis der 
Erfindung wird eine Skiz- 
zierung der Zeugdruck¬ 
methoden am ehesten 
dienen. 

Auch hier gibt es, wie 
beim Buchdruck, zwei 
Prinzipien, den Tiefdruck 
und den Hochdruck. Wäh¬ 
rend beim Hochdruck die 
Farbe von einer erhaben 
gravierten Form, entspre¬ 
chend einer Strichätzung 
oder einem Holzschnitte, 
auf das Zeug übertragen 
wird, muß beim Tiefdruck 
die Farbe aus einer ver¬ 
tieft gravierten Walze vom 
Zeuge herausgehoben wer¬ 
den. Dieses letztere Ver¬ 
fahren, auch Walzendruck 
genannt,verlangt eine sehr 
hohe Pressung und wird 
daher zum Drucke durch¬ 
aus Maschinenkraft ver¬ 
wendet. 

Bereits im Jahre 1770 
war der Walzendruck für 
das Bedrucken von Zeugen bekannt und hat inzwischen 
eine derartige Verbreitung gefunden, daß heute der 
Hochdruck nahezu gänzlich verlassen ist und der 
Tiefdruck vorherrscht. Tatsächlich war demnach der 



Abbildung 1. Tiefdruckrotationspresse von Violet Gilles & Co., Paris 



Walsandrwckmaachina flr 4 Farban. 

(QueractooiU ) 


Abbildung 2 


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Rotationstiefdruck für das Bedrucken von Zeugen, 
auch für mehrere Farben, bereits vor etwa 140Jahren 
bekannt, ist also der Buchdrucktechnik vorausgeeilt. 

Die Technik des Walzendruckes anlangend, ist der 
Vorgang hierbei folgender. Als Form dient ein aus 
Bronze oder bronzeähnlicher Legierung bestehender 
Hohlzylinder, welchem eine Stahlachse unter hohem 
Drucke eingepreßt wird. Dieser Zylinder erhält nun 
das vertieft gravierte Musterbild durch verschiedene 
Methoden: entweder durch Handgravüre, oder durch 
Molettengravüre, oder durch Pantographengravüre. 
Während die Handgravüre nur in seltenen Fällen, 
die Pantographie, wobei die Zeichnung mittels Pan- 
tographen übertragen wird, nur bei großen Einzel¬ 
mustern zur Anwendung 
gelangt, ist für wieder¬ 
holte Muster das Molettie- 
ren die gebräuchlichste 
Methode. Das Muster wird 

durch Handzeichnung, 

Umdruck oder auf photo¬ 
mechanischem Wege auf 
eine kleine ungehärtete 
Stahlwalze, die Mutter- 
molette, aufgebracht und 
durch Gravieren und Ät¬ 
zen entsprechend vertieft. 

Diese Molette wird ge¬ 
härtet und in der Rele- 
viermaschine gegen eine 
zweite ungehärtete gleich 
große Stahlwalze, die 

Tochtermolette, unter 
Pressung gedreht, so daß 
die letztere das Bild erhaben erhält. Es wird wieder¬ 
holt, 20 bis 30 mal, gepreßt und nachgeätzt, bis die 
Gravüre die gewünschte Höhe zeigt, wobei berück¬ 
sichtigt werden muß, daß beim Zeugdruck viel tiefer 
geätzt wird als bei der Heliogravüre auf Papier. 

Diese Tochtermolette wird nach erfolgter Härtung 
gegen die Formwalze unter hoher Pressung in der 
Molettiermaschine gedreht, wobei nach Verhältnis 
von Umfang und Länge der Walzen das Muster wieder¬ 
holt eingeprägt wird. Die Arbeit des Molettierens er¬ 
fordert eine hohe Präzision, besonders die Herstellung 
des Rapportes, das ist des Passers der einzelnen 
Mustereinheiten, ist eine sehr schwierige Sache 1 . 

Die vertieften Musterflächen würden der Farbe 
gegen die später näher zu beschreibende Wischvor- 

1 Es findet ein dem geschilderten im Prinzipe ganz kon¬ 
gruentes Verfahren auch in der Graphik zur Erzeugung von 
gestochenen Tiefdruckplatten ohne Heranziehung der Gal¬ 
vanoplastik Anwendung. In der Staatsdruckerei zu Wa¬ 
shington sind für die Erzeugung der Platten für die Staats¬ 
papiere 20 derartige Übertragungsmaschinen in Anwen¬ 
dung. Nikolaus, Archiv für Buchgewerbe, 1908, Seite 369. 


richtung nicht genug Halt gewähren; man muß dem¬ 
nach trachten, die Farbe besser zu fixieren. Dies ge¬ 
schieht durch die Hachures und Picots. Erstere sind 
V-förmig vertiefte parallele Linien, welche in den 
Grund der Musterfläche eingeätzt oder graviert wer¬ 
den, letztere kegelförmige Vertiefungen, welche ein¬ 
gebohrt oder geschlagen werden. Diese Linien bieten 
einerseits der Farbe genügend Halt, anderseits ver¬ 
schwimmen sie auch beim Überquellen der Farbe, so 
daß sie im Drucke nicht sichtbar sind. Diese gra¬ 
vierten Linien sind die Vorläufer des später auf photo¬ 
mechanischem Wege erzeugten Rasters. Die eigent¬ 
liche Druckpresse ist aus Abbildung 2 1 ersichtlich. Sie 
besteht aus den Formwalzen c, dem Gegendruck¬ 
zylinder, Trommel oder 
Presseur a und dem Farb¬ 
werke g f mit der Wisch¬ 
vorrichtung h. Der Pres¬ 
seur a besteht aus einem 
dickwandigen, etwas bom¬ 
bierten Gußeisenzylinder, 
auf welchem ein weicher 
Überzug, die Bombage b, 
bestehend aus mehreren 
Lagen eines Baumwoll- 
zeuges, Lapping genannt, 
aufgebracht ist. Die Form¬ 
walzen c, welche bei 
Mehrfarbenpressen kon¬ 
zentrisch um den Pres¬ 
seurangeordnetsind, kön¬ 
nen durch Lagerschrauben 
stark an den Presseur ge¬ 
preßt werden. Die Farbe 
wird aus dem Farbkasten Chassis f entnommen und 
durch eine mit Filz oder Tuch überzogene Walze g 
kontinuierlich der Form zugeführt. Zur Entfer¬ 
nung der überschüssigen Farbe dient die eigen¬ 
artige Wischvorrichtung, welche diesen Pressen den 
Namen gegeben hat. Es ist dies ein Messer aus 
Stahl oder sehr harter Bronze h, welches mit dem 
scharfgeschliffenen Ende sich an die Formwalze der 
Länge nach anlegt, am andern Ende in zwei Eisen¬ 
backen eingespannt ist und in seiner Längsrichtung 
eine langsam hin und her gehende Bewegung erhält. 
Man nennt dieses Messer die Rakel oder Doktor, 
richtiger Duktor, die Pressentype Rakelpressen. 
Durch Gewichtshebelbelastung kann die Rakel be¬ 
liebig an die Form gepreßt werden. Um nun zu ver¬ 
hindern, daß die Rakel durch ihre Elastizität die Farbe 
aus der vertieften Fläche herausreißt, sind die Ha¬ 
chures angebracht, deren Richtung immer unter einem 
womöglich rechten Winkel gegen die Rakel ist, da 

1 Abbildung 2 bis 4 sind dem Werke: J. Zipser, Apparate 
der Zeugdruckerei, Leipzig und Wien, F. Deuticke 1894, 
entnommen. 



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sonst letztere sich in die Kanten legen und sie ver¬ 
letzen würde. Je nach der Ausdehnung der vertieften 
Muster gibt es Rakeln verschiedener Elastizität, deren 
Auswahl die Erfahrung lehrt. Häufig ist an der Form 
noch eine zweitestillstehende, nicht beschwerte Rakel, 
die Konterrakel o, angebracht, welche Stoffäden,Wolle 
usw. abfängt. Der Druckprozeß erfolgt wie bei den 
Rotationspressen vom endlosen Stoffballen. Die zu 
bedruckende Ware ist auf eine gebremste Walze i 
gewickelt, geht über die Spann- oder Ausbreitungs¬ 
stäbe k, dann zwischen Formwalze und Presseur hin¬ 
durch. Mit der Ware geht der Mitläufer, der auf der 
gebremsten Walze 1 aufgewickelt ist und ebenfalls 
glattgestrichen wird; unter dem Mitläufer geht 
noch das endlose Druck¬ 
tuch n mit durch die Wal¬ 
zen. Nach dem Druck 
gehen alle drei Tücher in 
die Mansarde, wo sie ge¬ 
trocknet und dann wieder 
aufgewickelt werden. Mit¬ 
läufer und Drucktuch ent¬ 
sprechen der Makulage 
bei Rotationspressen. Die 
konstruktive Ausführung 
einer derartigen Walzen¬ 
druckpresse ist ausAbbil- 
dung3 ersichtlich. Ebenso 
wie einfarbig kann man 
auch in mehreren Farben 
drucken, wobei man bis zu 
24 Farben gehen kann, ob¬ 
zwar praktisch die Grenze 
von zwölf Farben selten 

überschritten wird. Die Schwierigkeit liegt darin, 
trotz der Dehnung des Zeuges nach jedem Drucke 
den genauen Rapport herzustellen. Es bedingt dies 
eine Verschiebung der Gravüre um die Größe der Deh¬ 
nung auf den nacheinander zum Druck gelangenden 
Walzen. Es sind hier ähnliche Schwierigkeiten zu be¬ 
kämpfen, die die Herstellung von Drei- und Mehr¬ 
farbenheliogravüren mit getrennten Druckplatten so 
sehr erschweren. Es ist auch möglich, das Zeug 
in einem Druckvorgange beidseitig zu bedrucken, 
wozu die sogenannten Duplexmaschinen dienen. Ab¬ 
bildung 4. 

Während in früheren Zeiten das Übertragen der 
Muster auf manuellem Wege erfolgte, war dies nach 
Einführung der photomechanischen Übertragungs¬ 
methoden viel einfacher möglich. Bereits im Jahre 
1878 stellte der Wiener Maler Klic in der Neuen¬ 
berger Kattunfabrik derartige Versuche an, wobei er 
normale Gravüren mit Aquatintakorn verwendete. 
Die Erfahrungen waren schlechte, da die einzelnen 
freistehenden Kupferpunkte des Kornes der Rakel 
nicht standhielten. Um diesen Übelstand zu ver¬ 

139 


meiden, gab 1891 Brandweiner in Wien 1 ein Ver¬ 
fahren an, durch welches es ermöglicht wurde, von 
der Handarbeit bei Herstellung von Zeugdruckwalzen 
vollkommen abzusehen, indem die vertieften Linien 
durch einen einfachen oder gekreuzten Linienraster 
photographisch eingeätzt werden. Auch Maemecke in 
Berlin 2 sieht einen gekreuzten Raster vor und ver¬ 
meidet dadurch die Notwendigkeit der Orientierung 
einer Linienlage zur Rakel. Diese geätzten Raster 
haben genau denselben Zweck wie die von Hand ge¬ 
arbeiteten Hachures. Das übertragene Bild selbst 
ist ein Halbton-Diapositiv. Wir sehen hier also die 
Kombination Raster-Heliogravüre und Rotationsdruck 
zunächst für den Zeugdruck angewendet. Hier setzen 
auch die Patente von Dr. 
Mertens ein, welchem im 
Vereine mitRolffs in Sieg¬ 
feld dasVerdienstgebührt, 
diese Technik zu hoher 
Vollkommenheit gebracht 
und der praktischen Ver¬ 
wendung zugeführt zu 
haben. Das Verfahren von 
Ernst Rolffs in Siegburg, 
welches von der Deut¬ 
schen Photogravure A.-G. 
in Siegburg angewendet 
wird, beruht auf folgen¬ 
dem Prinzipe. Ein be¬ 
stimmt gehaltenes Dia¬ 
positiv wird durch Pig¬ 
mentumdruck auf eine 
Kupferwalze kopiert und 
tief geätzt. Das Diapositiv 
ist mit einem durchsichtigen Kreuzraster versehen, 
welcher nach der Ätzung auf der Kupferwalze das 
Halbtonbild durchsetzt. Die Druckpresse ist ent¬ 
sprechend den Walzendruckmaschinen gebaut und 
findet die Rakel daher überall Führung, die Drucke 
werden sich daher nicht durch Abnützung der Form 
ändern. Eine Abnützung der Walze kann erst nach 
sehr langer Benützung festgestellt werden, nach 
100000 Drucken war eine solche nicht wahrnehm¬ 
bar. Die Produktion kann 1000 Druck in der Stunde 
erreichen, ohne die Güte des Druckes zu beein¬ 
trächtigen. Die Drucke kommen unter dem Namen 
Globusdrucke in den Handel. Die Beilage in dem 
vorliegenden Hefte ist ein von der „Deutschen 
Photogravure A. G.“ stammender Rotationstiefdruck 
und spricht am besten für die großartigen Erfolge 
dieses Verfahrens. Die Rastrierung kann in sehr 
mannigfaltiger Weise vorgenommen werden. Es 
kann die Walze zunächst eine Kornrastrierung vor 
Aufbringung des Autotypierasters erhalten. Auch 

1 Photographische Correspondenz, Wien 1892, Seite 1. 

2 D.R.P. 129679, vom 15. Juni 1879. 



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kann neben dem Autotypieraster noch ein zweiter, 
aus einer einfachen Linienlage mit viel größerer Tei¬ 
lung bestehend, vorgesehen werden, um eine sichere 
Rakelführung zu ermöglichen. Bestehen die Bilder 
aus Strichen und Halbtönen, so wird zuerst das Halb¬ 
tonbild mit Raster, so¬ 
dann die Ganztöne ohne 
Raster kopiert 1 . Reich 2 
ordnet einen doppelten 
Rasteran,deralsKreuz- 
raster in den hellen 
Bildstellen, als Linien¬ 
raster in den dunklen 
Bildpartien ausgebildet 
ist. Dagegen verwen¬ 
den A. Valentin & J.Zer- 
reiss in Haute Marne 3 
einen nach eigenartiger 
Methode hergestellten 
Halbtonraster. Sehr 
interessant scheint die 
von letzteren in einem 
Nachtragspatent 4 an¬ 
gegebene Methode zu 
sein, nach welcher die 
weißen Bildpartien der 
Gravurplatte mit einem 
galvanischen Nieder¬ 
schlage von Zink, Nik¬ 
kei oder Aluminium ver¬ 
sehen und nach Art 
der algraphischen oder 
zinkographischen Me¬ 
thoden mit Ätzmitteln 
gewischt werden. Diese 
Niederschläge werden 
auf der geschwärzten 
Platte hergestellt und 
sollen die Weißen wäh¬ 
rend des Druckes rein 
halten. 

1 Bezüglich dernäheren 
Details dieser Methoden 
sei auf die diesbezüg¬ 
lichen Patente verwiesen. 

Mertens D.R.P. 166499 Kl. 

57d 1904, Mertens D.R.P. 

170964 K1.57d 1904, Mer¬ 
tens D.R.P. 175621 K1.57d 
1904, Mertens D.R.P. 181238 Kl. 57d 1905, Mertens D.R.P. 
182928 Kl. 57d 1905, Mertens D.R.P. 188681 Kl. 57d 1906, 
Mertens D.R.P. 194757 Kl. 57d 1906. 

2 Th. Reich in Berka, D.R.P. 207209 Kl. 57 d 1907. 

3 Valentin & Zerreiss in Haute Marne Franz. Pat. 395300 
1908. 

4 Valentin & Zerreiss in Haute Marne Franz. Pat. 395300, 
Certif.d’Add. N° 10813. 10. April 1909. 


Nachdem diese Methoden bereits für Kunstblätter 
vorzügliche Erfolge aufzuweisen hatten, gelang es 
in letzter Zeit, sie auch für Zeitungsillustration zu 
verwenden, so daß zu Ostern 1910 in Freiburg die 
erste Zeitungsausgabe mit Tiefdruckillustrationen er¬ 
scheinen konnte. 

Wie es bisher mit 
der Illustration der auf 
schlechtem Rollenpa¬ 
pier gedruckten Tages¬ 
zeitungen bestellt war, 
ist bekannt. Man war 
auf Strichzeichnungen 
oder auf Autotypien 
mit sehr grobem, so¬ 
genannten Zeitungs¬ 
raster angewiesen, die 
durch Unterdrückung 
der Details die Bild¬ 
wirkung stark beein¬ 
trächtigten. Das neue 
Rotationsdruckverfah¬ 
ren von Dr. Mertens 
ist trotz seiner über¬ 
raschend schönen Bild¬ 
wirkung relativ einfach, 
wie es ja alle für die 
Praxis verwendbaren 
Erfindungen sein müs¬ 
sen 1 . 

Das Prinzip der 
Presse ist aus Abbil¬ 
dung 5 zu sehen. bist 
der Zylinder mit der 
Tiefdruckform, f die Ra¬ 
kel, d die Farbwalze, 
c der Gegendruckzylin¬ 
der, während i, g, h, 
k, 1, m die Rotations¬ 
presse für Hochdruck 
darstellt. Da die Um¬ 
fangsgeschwindigkeit 
von Hoch- und Tief¬ 
druckzylindergleich ist, 
kann das von a kom¬ 
mende Papier in einem 
Vorgänge mit Text und 
Illustration gedruckt 
werden. 

Von großem Vorteile ist die Anordnung der Presse 
in der Art 2 , daß zwischen Gegendruckzylinder und 

1 Eine vom Verfasser nachgemessene Illustration einer 
Tageszeitung ergab 15 Linien pro Zentimeter, während 
hingegen beim Mertensverfahren auf 1 cm 60 bis 70 Linien 
entfallen. 

2 Mertens D.R.P. 193069 K1.8c Gr.7. 29.Januar 1905. 



Abbildung 5. Tiefdruckroutionspresse von Dr. Mertens. D.R.P. 194002 
Kl. 15 k. 7. Februar 1904 



Abbildung 8. Tiefdruckrotationspresse von Valentin, Zerreiss & Georges für 
Dreifarben-Gravliren mit Textdruck 


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gegeben. Interessant ist es, daß fast zur selben Zeit mit 
der Erfindung Dr. Mertens auch in Frankreich eine 
sehr sinnreich konstruierte Rotationstiefdruckpresse 
von A. Valentin, J. Zerreiss & H. Georges in Haute 
Marne (Französisches Patent 400995, 2. März 1909) 
erfunden wurde. Die Konstruktion dieser Presse, 
welche eine eingehende praktische Kenntnis der bei 
diesem Druckprozesse auftretenden Schwierigkeiten 
erkennen läßt, erscheint aus dem Grunde besonders 
bemerkenswert, weil hier die Anordnung der Wisch¬ 
vorrichtung von der üblichen Rakelmethode voll¬ 
kommen abweicht, indem mittels rotierender Hart¬ 
gummiwalzen gewischt wird und ein gleichzeitiges 
Bedrucken des Papieres mit Tiefdruckillustrationen 
und typographisphem Texte mit Hilfe eines Kaut¬ 
schukübertragungszylinders erfolgt 1 . Die Anordnung 
der Maschine ist aus Abbildung 6 und 7 ersichtlich. 
B ist der Plattenzylinder für die Tiefdruckform, C 
der Übertragungszylinder, D der für Hoch- und 
Tiefdruck gemeinsame Druckzylinder, E der Stereo¬ 
typenzylinder, F das Tiefdruckfarbwerk, G die Wisch¬ 
vorrichtung, H das Buchdruckfarbwerk. Das Tief¬ 
druckfarbwerk besitzt zwei Auftragwalzen aus Leim¬ 
masse und wird die Farbe kontinuierlich dem 
Farbkasten entnommen. Der mitGummituchbespannte 
Übertragungszylinder überträgt das Tiefdruckbild auf 
das Papier, welches in einzelnen Bogen zwischen 
ihm und dem Druckzylinder D hindurchgeht. Auf 
seinem weiteren Wege erhält das Papier durch Zy¬ 
linder E den Textdruck und wird sodann durch 
die Greifer des Abnahmezylinders I abgenommen 
und durch Stäbe ausgelegt. Die Wischvorrichtung G 
besteht aus Wischwalzen, welche die überschüssige 
Farbe von der Form abnehmen und an die stäh¬ 
lernen Abnahmewalzen abgeben, von welchen wieder 
die Farbe durch Streichlineal in Farbkästen abge¬ 
streift wird. Die Wischwalzen bestehen aus einem 
Eisenkern, auf diesem befindet sich ein Hartgummi- 
Mantel, dann ein Weichgummi-Mantel, dann wieder 
Hartgummi, welcher poliert wird. Die Umfangsge¬ 
schwindigkeit eines Teiles der acht Wischwalzen ist 
gleich der des Formzylinders, die des andern 
Teiles größer. Während sich die ersteren Walzen 
am Zylinder ohne Gleitung abwälzen, müssen letz- 

1 Die Methode der Kautschukübertragung, ursprünglich 
fast nur für Blechdruck angewendet, gewinnt in neuerer 
Zeit immer mehr an Bedeutung, wie die Heureka-Schnell- 
presse der Heidelberger Schnellpressen-Fabrik und die 
algraphischen und zinkographischen Offset Rotary-Pressen 
zeigen. 


tere zum Teile gleiten. Die Wirksamkeit dieser An¬ 
ordnung beruht darauf, daß abrollende Walzen zu 
viel Farbe, gleitende zu wenig Farbe entfernen, durch 
richtige Wahl der Antriebsverhältnisse der Wisch¬ 
walzen hat man es in der Hand, der Art der Gravüre 
entsprechend, einen günstigen Bildeffekt zu erzielen. 
Der Antrieb der Wischwalzen erfolgt durch Gelenk¬ 
ketten. Die Maschine kann auch für Mehrfarbendruck 
und für Mehrfarben- und Textdruck in einem Druck- 
vorgange konstruiert werden. Abbildung 8. Leider 
sind von dieser Maschine praktische Resultate noch 
nicht bekannt geworden, während das Tiefdruckver¬ 
fahren von Dr. Mertens bereits in der Praxis ausge¬ 
führt ist. Unzweifelhaft gebührt letzterem das Ver¬ 
dienst, den Tiefdruck für die große Druckgeschwindig¬ 
keit der Rotationsmaschine zuerst geeignet gemacht 
zu haben. Die Ausnützung derPatente von Dr. Mertens 
hat die deutsche Mertensgesellschaft übernommen 
und ist zu gewärtigen, daß die neue Technik bald 
große Verbreitung gewinnen wird, vorausgesetzt, daß 
einige noch bestehende Schwierigkeiten beseitigt 
werden. Diese bestehen darin, daß erst nach voll¬ 
ständigem Umbrechen des Satzes mit der Ätzung des 
Tiefdruckzylinders begonnen werden kann, ferner 
darin, daß das Rollenpapier vor dem Drucke abge¬ 
staubt werden muß. Auch die Frage, ob die kommer¬ 
ziellen Bedingungen des Lizenz- und Maschinenver¬ 
kaufes den Bedürfnissen der Druckereien und 
Verlagsanstalten entgegenkommen werden, wird für 
die Einführung des Verfahrens maßgebend sein. 
Vorderhand werden von der Mertensgesellschaft 
folgende Maschinen geliefert: 

1. Variable Tiefdruckmaschine, bei welcher die 
fertigen Drucke zerschnitten, in Bogen aufgestapelt 
werden, um auf Flachdruckmaschinen mit Text ver¬ 
sehen zu werden. 

2. Tiefdruckmaschinen, angebaut an Rotations¬ 
maschinen, so daß zuerst der Illustrations-, dann 
der Textdruck erfolgt. 

3. Kombinierte Tief- und Hochdruck-Rotations¬ 
pressen. 

Es wurde in vorliegendem versucht, die schritt¬ 
weise Entwicklung des Rotationstiefdruckes aus 
Heliogravüre- und Zeugdruckmethoden darzustellen. 
Dies neue Verfahren ist vollkommen ausgebildet, 
für die Praxis brauchbar. Nicht unvermittelt und 
zufällig, nach langjähriger mühevoller Arbeit wurde 
eine neue Reproduktionstechnik geschaffen, ein Fort¬ 
schritt, der jeden Graphiker mit Befriedigung er¬ 
füllen wird. 


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■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE -- 

Gutenberg im Licht der Schulbücher 

Von F. FLEISCHMANN, München 


■...nnn..| ^ Frage: »was hat Gutenberg erfun- 

| /m jden?“ weiß heute jeder Schüler schnell 
i /-\sund sicher die Antwort zu geben: »die 
Buchdruckerkunst“; die weitere Frage: 
„was ist die Buchdruckerkunst?“ wird schon etwas 
zögernder beantwortet werden: »die Kunst, wie man 
Bücher druckt“; und die schließliche Frage: „wie 
druckt man Bücher?“ werden überhaupt nur wenige 
zu beantworten wissen. Es ist merkwürdig, daß die 
Art und Weise so wenig gekannt wird, wie das not¬ 
wendigste Hilfsmittel zur Erlangung von Wissen und 
Bildung und damit das wichtigste Rüstzeug der Kultur 
zustande kommt; denn es wird kaum eine Technik 
odereinen Arbeitsvorgang irgendeines Berufes geben, 
die denen, welche damit täglich in Beziehungen treten 
und tagtäglich ihre Erzeugnisse zur Hand nehmen, 
so unbekannt geblieben sind, wie das hinsichtlich des 
Buchdrucks der Fall ist. 

Diese Unkenntnis hat auch die sonderbarsten Vor¬ 
stellungen von der Erfindung des Buchdrucks zur 
Folge. Jedermann sieht in Gutenberg den großen 
Erfinder, dem die Menschheit unbegrenzten Dank 
und Ruhm schuldet, weiß aber kaum jemals zu er¬ 
klären, was er denn eigentlich erfunden hat. Wohl hat 
die neuzeitliche Gutenbergforschung, nachdem sie 
mit dem Einblick in die technischen Vorgänge an ihre 
Untersuchungen herangegangen ist, gegenüber der 
früheren die Frage genügend geklärt und beantwortet, 
allein ihre Ergebnisse sind noch lange nicht Gemein¬ 
gut geworden. Das zeigt sich namentlich, wenn wir 
Schulbücher zur Hand nehmen und darin die Ge¬ 
schichte von Gutenberg und seiner Erfindung nach- 
lesen. Da finden wir, von wenigen neueren Ausgaben 
vielleicht abgesehen, immer noch die gleiche phan¬ 
tasievolle aber unrichtige Darstellung, wie sie schon 
vor einem halben Jahrhundert und noch früher beliebt 
war. Mit erstaunlicher Zähigkeit wird sowohl in den 
Schulbüchern selbst, wie in Leitfäden und Stoffsamm¬ 
lungen zum Geschichtsunterricht für Lehrer, an der 
überlieferten Erzählung festgehalten, die Gutenbergs 
Tat in einem Licht erscheinen läßt, daß er, wenn er 
nicht tatsächlich etwas ganz anderes erfunden hätte, 
sicher schon längst vergessen und verschollen wäre. 
An einigen Beispielen dürfte das zu beweisen sein. 

So schreibt ein sonst recht gutes Buch: Bilder aus 
der Naturgeschichte und Geschichte der Heimat . Für 
die Schüler und Schülerinnen der Volksschulen Mün¬ 
chens zusammengestellt von Adolf Weber, Haupt¬ 
lehrer, und Amalie Weber, Lehrerin, von der Buch¬ 
druckerkunst folgendes: 

„Um 1450 n. Chr. fällt eine hochwichtige Erfindung, die 
Buchdruckerkunst. Sie ist nicht plötzlich gekommen, son¬ 
dern sie hat sich aus der Holzschneidekunst entwickelt. 


Man hat nämlich vor 1450 Heiligenbilder mit ausgeschnitte¬ 
ner Holzplatte,die man mit Tinte schwärzte,gedruckt. Eben¬ 
so wurden kleine Bücher durch Druck hergestellt, indem 
man für jede Seite eine besondere Holzplatte haben mußte. 
Noch früher wurden die Bücher geschrieben. Besonders 
waren es die Mönche, die die Bibel abschrieben. Daß dieses 
Verfahren sehr mühsam war und die Zeit von Jahren in 
Anspruch nahm, läßt sich um so mehr denken, als Schrift 
und Bilder äußerst kunstreich mit Malereien, Goldver¬ 
zierungen und dergleichen hergestellt wurden ... Johann 
Gutenberg, ein Patrizier aus Mainz, hat nun die Erfindung 
gemacht, die Holzplatten, die zum Abdruck bestimmt waren 
und aus einem Stücke bestanden, aus beweglichen Lettern 
herzustellen ... Anfangs bestanden sie aus Holz, das sich 
aber nur zu bald abnutzte und dadurch unbrauchbar wurde. 
Sie wurden deshalb aus Blei und Zinn hergestellt. Guten¬ 
berg verband sich, um das zu seiner Erfindung nötige Geld 
zu erhalten, mit zwei andern Männern. Der eine war ein 
reicher Goldarbeiter Johann Fust, der andre hieß Peter 
Schöffer. Dieser kam darauf, gegossene Lettern anzufer¬ 
tigen. Er stellte auch die brauchbare Druckerschwärze her 
und machte viele Verbesserungen an der Druckpresse ...“ 

Mit Ausnahme der Tatsache, daß die Bücher vor¬ 
dem geschrieben wurden, enthält diese Darstellung 
so viel Irrtümer als Zeilen. Ähnlich verhält es sich 
mit jener in einem andern Büchlein: Bilder aus der 
Geschichte. Ein Hilfsbuch für den Unterricht. Heraus¬ 
gegeben vom Bezirkslehrerverein München. 3. voll¬ 
ständig umgearbeitete Auflage, in dem zu lesen steht: 

„Nach Erfindung des Linnenpapiers fing man im 15.Jahr- 
hundert an, Heiligenbilder, Spielkarten und kleine Schriften 
in Holztafeln zu schneiden und abzudrucken. Bald kam 
man auf den glücklichen Gedanken, die Buchstaben einzeln 
aus Holz zu schneiden und sie nach Bedürfnis zusammen¬ 
zusetzen. Gewöhnlich wird diese Erfindung Johann Guten¬ 
berg aus Mainz zugeschrieben. Sicher ist, daß dieser in 
Straßburg die Lettern aus Metall goß und eine brauchbare 
Druckerpresse erfand (1444).“ 

In dem Buche: Vorbereitungen für den Geschichts¬ 
unterricht an den Münchener Volksschulen . Ein Hilfs¬ 
buch für die Hand des Lehrers, herausgegeben im 
Auftrag der Kgl. Lokalschulkommission, das meines 
Wissens nicht mehr neu aufgelegt worden ist, heißt es: 

„Man verstand schon längst, Bilder aus Holz erhaben 
auszuschneiden, mit Schwärze zu bestreichen und dann 
abzudrucken. Auf diese Weise fertigte man besonders 
Heiligenbilder und Spielkarten an. Bald schnitzte man 
unter dem Bilde auch einzelne Wörter aus, und das führte 
die Leute allmählich darauf, einzelne Abschnitte der 
heiligen Schrift, ja ganze Bücher auf diese Weise herzu¬ 
stellen. Aber wie mühsam war diese Arbeit. Für jede Seite 
mußte eine besondere Holztafel geschnitzt werden, die man 
dann allerdings einige hundertmal abdrucken konnte. Da 
kam Gutenberg auf den glücklichen Gedanken, die Buch¬ 
staben einzeln zu gießen, sie mit Fäden zu Wörtern anein¬ 
ander zu binden und dann abzudrucken.“ Und dazu sagt 
eine Fußnote: „Eine lebhafte Kontroverse hat sich über 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die Frage entsponnen, ob Gutenberg der Erfinder der be¬ 
weglichen Lettern sei, oder ob solche schon vor ihm, 
namentlich durch Lourens Gomszoon, genannt Koster aus 
Harlem, benutzt wurden. Der Streit ist bis heute nicht 
definitiv entschieden.“ 

H. Weigand und A. Tecklenburgs Deutsche Ge¬ 
schichte für Schule und Haus , nach den Forderungen 
der Gegenwart für das Königreich Bayern bearbeitet 
von Dr. Johann Friedrich, Lehrer in Würzburg, deren 
Erscheinen ein Jahrzehnt zurückliegt, schildert die 
Entstehung des Buchdrucks ebenfalls in der gewohnten 
Weise: 

„1. Früher gab es nur geschriebene Bücher. Die Mönche 
beschäftigten sich mit der Herstellung derselben und 
brachten es darin zu großer Kunstfertigkeit. Diese Bücher 
waren sehr teuer. Einen Fortschritt brachte die Form¬ 
schneidekunst. In hölzerneTlfelchen wurden allerlei Bilder 
geschnitten, mit Farbe bestrichen und dann auf Pergament 
oder Papier abgedruckt. Bald schnitt man einzelne Wörter 
neben das Bild, dann ganze Bibelstellen. Zuletzt stachen 
die Formschneider Tafeln voll Buchstaben. Sollte nun ein 
Buch gedruckt werden, so mußten so viele Holztafeln da 
sein, als das Buch Seiten hatte. Nach dem Abdruck hatten 
aber die Tafeln, die so viel Mühe und Arbeit gekostet 
gekostet hatten, keinen Wert mehr. 2. Da kam ein deutscher 
Edelmann, namens Gutenberg, geboren in Mainz, wohn¬ 
haft in Straßburg, auf den glücklichen Gedanken, die ein¬ 
zelnen Schriftzeichen in bucheneStäbchen auszuschneiden, 
mit Fäden zu Zeilen zusammenzureihen, mit Tinte und 
Lampenruß zu schwärzen und abzudrucken. Der erste 
Versuch gelang nicht nach Wunsch, weil die hölzernen 
Buchstaben leicht zersprangen; daher nahm er später 
bleierne, dann zinnerne. Gutenberg kehrte nach Mainz 
zurück und trat mit Johann Fust und Peter Schöffer in Ver¬ 
bindung. Der letztere gab den Rat, die Buchstaben in 
Formen zu gießen, statt sie mühsam zu schneiden; auch 
erfand er eine bessere Druckerschwärze aus Kienruß und 
Leinöl. Nunwarmanimstande,einganzesBuch zu drucken; 
das erste war eine lateinische Bibel in drei Bänden.“ 

Diese Schilderung des Gutenbergischen Werkes, 
die seit Jahrzehnten die gleiche geblieben ist, wie 
Schulbüchern aus den sechziger und siebziger Jahren 
des vorigen Jahrhunderts und weiteren zu entnehmen 
ist, die mitunter in ältern Büchern, z. B. im altbe¬ 
bekannten Haester 1 sogar eine bessere Wiedergabe 
gefunden hat, ist nun nicht, wie etwa aus den ange¬ 
führten Beispielen geschlossen werden könnte, auf 
bayrische Schulbücher beschränkt, sondern sie findet 
sich auch in andern deutschen Schulbüchern, wie eine 
Reihe von Abschriften aus solchen bekundet. Es ist 
dieselbe „hölzerne" Geschichte, die uns allenthalben 
erzählt wird; man findet sie in Andrä und Ernsts Ge¬ 
schichtsbildern (Ausgabe A für evangelische Schulen, 
4, Auflage, Leipzig 1893), in Kippenberg, Deutsches 
Lesebuch für höhere Mädchenschulen, Hannover 1893, 
und in andern. 


1 Haesters Lesebuch für katholische Oberklassen Bayerns 
um 1870. 


Wie sehr dadurch die Anschauungen von dem 
Wesen des Buchdrucks und der Bedeutung seiner 
Erfindung verwirrt werden, läßt das Beispiel einer 
„Lehrprobe" im 4. Jahrgang der Freien Bayerischen 
Schulzeitung (1903) ersehen, in welcher der Stoff der 
„Erfindung der Buchdruckerkunst“ behandelt wird. 
Sie geht zwar von der Erörterung der buchdrucker¬ 
lichen Praxis aus, kommt aber trotzdem über den 
„Holzschneider“ Gutenberg nicht hinweg: 

„Das war die erste große Erfindung Gutenbergs, die 
Buchstaben einzeln aus Holz zu schnitzen, hölzerne Lettern 
herzustellen ...“ 

Besieht man nun die vorstehenden Ausführungen 
näher, so ergibt sich aus ihnen die den Verständigen 
nicht mehr unbekannte Tatsache, daß Gutenberg die 
Buchdruckerkunst, das heißt die Kunst, Bücher zu 
drucken, nicht erfunden hat, denn sie war schon vor 
ihm da. Er war es, der auf den Gedanken kam, die 
Holztafeln zu zerschneiden, um bewegliche Lettern 
zu erhalten, oder solche einzeln zu schnitzen, um sie 
nach Bedürfnis zusammensetzen, wieder auseinander¬ 
nehmen und immer wieder neu verwenden zu können. 
Gutenberg hat demnach die beweglichen hölzernen 
Lettern erfunden, denn ihre Herstellung in Metall ist 
schließlich gar noch Schöffers Erfindung. Um dieser 
geringfügigen Erfindung willen, die so nahe lag, daß 
vielleicht schon mancher Plattendrucker nach der 
eben erwähnten „Lehrprobe“ diesen Gedanken ge¬ 
habt haben mochte, sollte Gutenberg unsterblich, der 
„Wohltäter der Menschheit“ geworden sein? Mit 
dieser Tat würde er kaum über den Schmied Pisching 
hinwegragen, der nach Wuttkes Geschichte der Schrift 
und des Schrifttums in China bereits um die Mitte 
des 11. Jahrhunderts den Druck mit beweglichen 
Lettern versucht haben soll, indem er die Schrift¬ 
zeichen aus einer weichen Lehmtafel herausgrub, 
diese im Feuer härtete und sie in Wortbilder zer¬ 
schnitt, die er beliebig zusammensetzen konnte und 
deren Kegel kaum die Stärke einer Münze gehabt 
haben sollen. 

Es ist der alte große technologische Irrtum, in der 
Beweglichkeit der Lettern die Hauptsache der Er¬ 
findung Gutenbergs zu sehen, der in der Erzählung 
der Schulbücher zutage tritt und in ihnen die gleiche 
Verwirrung anrichtet, wie sie lange die Geschichte 
des Buchdrucks beherrschte. „Bewegliche“, das heißt 
einzelne, zusammensetzbare Buchstaben gab es 
längst vor Gutenberg; sie waren schon im Altertum 
bekannt. Solche aus Holz oder Elfenbein geschnitzte 
Buchstaben gaben schon die Römer ihren Kindern 
zum Spielen und Lernen 1 . Von beweglichen Buch¬ 
staben spricht auch Cicero in seinem Buche über das 
„Wesen der Götter“ 2 , freilich in einem ganz andern 


1 Quintilian, Institut, orat. I. 1. 26. 

2 Cicero, De natura Deorum. üb. II, cap. 20. 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe Zu dem Artikel: Unterricht in künstlerischer Schrift Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig 




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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Sinne, als dies später gedeutet wurde, mit dem Er¬ 
folge, daß man Cicero den Erfindungsgedanken des 
Buchdrucks entgegen Gutenberg zusprechen zu 
müssen glaubte 1 . Im 4. Jahrhundertn.Chr. erwähnen 
die Kirchenlehrer Ambrosius und Hieronymus eben¬ 
falls das Spielen der Kinder mit hölzernen oder 
beinernen Buchstaben und die Verwendung des wohl¬ 
riechenden Zedernholzes zum Formen von Buch¬ 
staben aus Unterrichtsgründen 2 . Gegossene beweg¬ 
liche Buchstaben, wenn auch nicht zum Druck, kannte 
man im Mittelalter auch in Deutschland. 

So kann Gutenberg auch nicht die beweglichen 
Lettern erfunden haben. Überdies würde die Er¬ 
findung, mit beweglichen Holztypen zu drucken, wie 
es in den Schulbüchern und nicht nur in diesen er¬ 
zählt wird, nicht nur kein Fortschritt, sondern ein 
gewaltiger Rückschritt hinter dem Tafeldruck gewesen 
sein 3 . Die Versuche, die über die Möglichkeit des 
Druckes mit beweglichen Holztypen angestellt wur¬ 
den, haben die gänzliche Unzulänglichkeit der letztem 
dargetan und bewiesen, daß es unmöglich gewesen 
wäre, ganze Bücher mit solchen zu drucken. Es ist 
unmöglich, die Holzblöcke der Tafeldrucker so aus¬ 
zusägen oder zu zerschneiden, daß sie peinlichst ge¬ 
nau nebeneinander und aufeinander passende Typen 
ergäben, die eine fortlaufende gerade Linie bilden 
könnten, was ein unbedingtes Erfordernis zum Druck 
ist. Die Unregelmäßigkeit bereits der ersten Zeile 
würde bei den weitern zu einem wirren Durchein¬ 
ander werden. Und das gleiche wäre bei einzeln aus 
Holz geschnitzten Typen der Fall. Ja schon durch 
bloßes Nachdenken über die ungeheure und zeit¬ 
raubende Mühe, welche das Schneiden der vielen 
Tausenden von Typen erfordern würde, die zu einem 
einzigen Buche vonnöten sind, muß man zu dem 
gleichen Ergebnis gelangen. 

Wenn nun Gutenberg weder das Drucken noch die 
beweglichen Buchstaben erfunden hat, worin besteht 
denn dann seine Erfindung? Auf diese Frage gibt er 
uns selbst die Antwort in seiner unvergleichlichen 
Schlußschrift zum „Katholikon“ von 1460: „Nicht 
vermittelst des Schreibrohres, Griffels oder der 
Feder“, schreibt er, „sondern durch das wunderbare 
Zusammenpassen , Verhältnis und Ebenmaß der Pa - 
trizen und Formen ist dieses Buch gedruckt und voll¬ 
endet worden.“ 


1 Noch im vorigen Jahre konnte die Frankfurter Zeitung 
(Juni 1909) unwidersprochen Cicero als den Vater des Ge¬ 
dankens der beweglichen Lettern bezeichnen,„so daß unser 
deutsches Patentamt auf Grund der Ciceronischen ,Vor¬ 
veröffentlichung 4 eine Patentierung der Gutenbergschen 
Idee abgelehnt haben wurde, wenn diese bei ihm im 
15. Jahrhundert zum Patent angemeldet worden wäre“. (!) 

2 Hieronymus, Ep. 107; Ambrosius, Ps. 118. 

3 A. v. d. Linde, Gutenberg, Geschichte und Erdichtung. 

Stuttgart 1878. 


Es ist der dreigeteilte und doch ein Ganzes bil¬ 
dende Letternguß vermittelst des Stempelschnitts, 
Patrize, des Schlagens der Gußform, Matrize und 
schließlich des Schriftgusses selbst, den Guten¬ 
berg erfunden hat. Diese sinnreich erdachte Art der 
Typenbildung und damit die vollendete Regelmäßig¬ 
keit und mathematische Genauigkeit der Typen einer 
Gattung im Verhältnis zueinander, das istderSchwer- 
punkt der Erfindung Gutenbergs, ihr Zweck aber die 
Schriftvervielfältigung durch den Druck! 

Welche Zeit und welche Mühen, wie viele oft mi߬ 
lungene und ebensooft wieder aufgenommene Ver¬ 
suche müssen vorangegangen sein, ehe Gutenberg 
die erste fertige Type in der Hand hielt und damit 
seinen Scharfsinn und seine Ausdauer belohnt sah! 
Wie mag er von Befriedigung erfüllt gewesen sein, 
als Tausende der glänzenden metallnen Typen seinen 
Kasten füllten und ihm das Mittel boten zum Bücher¬ 
druck! Nicht der armselige „Holzschnitzer“, den 
uns die Schulbücher schildern, ist es, der den Dank 
derMenschheit für eine kultur fördernde Tat erheischt, 
sondern der scharfsinnige, ausdauernde und geübte 
Metallarbeiter Gutenberg, der den Schriftguß er¬ 
funden hat und hierdurch den vieltausendfältigen 
Buchdruck ermöglichte. 

Wohl könnte vermutet werden, daß er seine ersten 
Versuche mit Stempeln aus Hartholz machte, die er 
in weicheres Matrizenmetall einschlug, was füglich 
zu bezweifeln bleibt, aber seiner Erfindung würde 
das keinen Abbruch tun, auch nicht seinem Ruhme, 
den er mit keinem Nebenbuhler zu teilen hat, weder 
mit dem Koster aus Harlem^ den das angeführte 
Münchener Hilfsbuch noch erwähnen zu sollen glaubt, 
noch mit Fust und Schöffer, von denen der letztere 
so oft als „Miterfinder“ oder „Verbesserer“ genannt 
wird. Fust, dessen Charakter uns hier nicht zu be¬ 
schäftigen braucht und der im Prozesse mit Guten¬ 
berg sich ja selbst die Erfindung ab- und Gutenberg 
zugeschworen hat, war als Geldmann der erste Druck¬ 
herr, der erste Buchdruckereibesitzer und Verleger; 
der ihm verwandte Peter Schöffer aber war im ge¬ 
schäftlichen Sinne der erste eigentliche und zwar 
sehr fleißige Buchdrucker, der als solcher alles Lob 
verdiente, wenn er nicht so viel dazu beigetragen 
hätte, den Ruhm Gutenbergs und die Geschichte 
seiner Erfindung zu verdunkeln. 

Das hat die neuzeitliche Gutenbergforschung fest¬ 
gestellt und steht für die Fachwelt, die selbst lange 
genug von dem genannten technologischen Irrtum be¬ 
fangen war, fest. „Nur bis zu unsern Schulbüchern ist 
die Wahrheit“—wie ein angesehener Schulmann in der 
Freien Bayerischen Schulzeitung 1 schreibt — „noch 
nicht gedrungen. Hier treffen wir in Leitfäden und 
Stoffsammlungen, in Lesebüchern und Sprachbüchern, 
1 Ludw. Bencker, Was hat Gutenberg erfunden? Freie 
Bayerische Schulzeitung 1904. Nr. 13. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


in Heimatkunden und selbst in einer großen Anzahl 
bekannter Geschichtswerke die alten Märchen immer 
wieder an. Es mag uns wohl auch jetzt noch schwer 
werden, auf die altgewohnte Darstellung dieser Erfin¬ 
dungsgeschichte, die ja so logisch klingt und sich so 
schön liest, zu verzichten. Aber es sollte doch ge¬ 
schehen; denn gar zu oft schon ist der Schule und be¬ 
sonders der Volksschule der Vorwurf gemacht wor¬ 
den, daß sie Geschichtslügen und Geschichtsmärchen 
mit Vorliebe von Generation zu Generation forterbe.“ 

Nachdem dies einmal von Lehrerseite erkannt ist, 
dürfte auch zu hoffen sein, daß die zukünftigen 
Schulbücher die wahre Darstellung der Erfindungs¬ 
geschichte des Buchdrucks bringen werden, um so 
mehr, als es ja den Fachkreisen nicht unmöglich ist, 
hierauf einzuwirken. Auch die Wahrheit von der 
tatsächlichen Erfindung Gutenbergs entbehrt nicht 
des großen Reizes und wird einen prächtigen Lese¬ 
stoff abgeben, der manche Beherzigung in sich 
schließt. Damit würde der alte Spruch: „Jedes ge¬ 
druckte Wort ist ein Lob Gutenbergs“ erst seine 
volle Berechtigung erhalten. 

Dann könnte noch ein Schritt weitergegangen und 
neben Gutenberg noch ein andrer bedeutender Er¬ 


finder genannt werden, dessen Erfindung Gutenbergs 
Werk vollendete: Friedrich Koenig, der Erfinder der 
Schnellpresse . Von ihm wissen unsre Schulbücher 
bis jetzt nichts zu sagen. Und doch ist die Erfindung 
der Schnellpresse durch Friedrich Koenig der Er¬ 
findung des Letterngusses durch Gutenberg eben¬ 
bürtig, denn erst dadurch war der große Aufschwung 
des Buchdrucks ermöglicht, den dieser im 19. Jahr¬ 
hundert genommen hat. 

Das zu sagen, wäre ebenfalls eine dankbare Auf¬ 
gabe der Schulbücher und würde sicher mit beitragen 
zum Verständnis und zurWürdigung des Buchdrucks, 
der „ars subtilissima, ars divina, ars artium et scien- 
tia scientiarum,“ wie sie von Gutenbergs Zeitgenossen 
genannt wurde, die aber in der jetzigen Form nicht 
möglich sind. Es wäre aber auch das schönste Denk¬ 
mal, das dem Erfinder der Schnellpresse zum hun¬ 
dertsten Jubelfest seiner Erfindung gesetzt werden 
könnte. Und so wollen wir denn hoffen, daß in nicht 
allzuferner Zeit unsre Schulbücher Besseres von 
Gutenberg und Neues von Friedrich Koenig zu sagen 
wissen, daß diese beiden Größten des Buchdrucks 
nicht mehr darin im Dunkel stehen, sondern glänzen 
auch im Licht der Schulbücher. 


Unterricht in künstlerischer Schrift 

Von Dr. JOHANNES SCHINNERER, Leipzig 


.nmu»mj qn R uc j 0 if von Larischs bekanntem Buch, 
: J [ Unterricht in ornamentaler Schrift, ist eine 

jj £ neue Auflage erschienen, die sich schon 

£.»••»-■■■.£ durch größeren Umfang (statt 85:111 Seiten 
und statt 31: 48 Abbildungen) von der ersten Auf¬ 
lage unterscheidet. Rein äußerlich sind die Kapitel¬ 
überschriften anders geworden und die Initialen sind 
reicher verziert, dann hat sich in den Abbildungen 
vieles geändert, und vor allem ist ein ganz neues 
Kapitel angefügt worden „Werkzeug und Material¬ 
sprache“ betitelt, so daß man die zweite Auflage wohl 
als verbessert bezeichnen kann. Die Grundan¬ 
schauungen und Prinzipien des Buches sind jedoch 
dieselben geblieben. Larisch will im Grunde nichts 
andres, als der Schrift innerhalb der Graphik wieder 
den ihr gebührenden Platz einräumen und sie zu 
einem der künstlerischen Behandlung würdigen Teil 
dieser Kunst machen. Wie sehr dies nötig ist, be¬ 
darf weiter keiner Erörterung. Die Art und Weise, 
wie der Verfasser eine Lösung dieser schwierigen 
Aufgabe im Prinzip sich denkt, wird man in allen 
wesentlichen Punkten billigen: Die akademische 
Manier des vergangenen Jahrhunderts ist von vorn¬ 
herein auszuschalten, der individuelle Charakter des 
Schülers zu wahren, er soll nur lernen, das charak¬ 
teristische Gerüst jedes Buchstabens zu erfassen, 
sein Empfinden für die Architektur der Fläche soll 


gefördert werden. Als erstes Erfordernis guter 
Schrift sieht Larisch die ornamentale Massenver¬ 
teilung der Buchstaben an, jede Einzelheit ist der 
Gesamtbilderscheinung unterzuordnen, die Haupt¬ 
schwierigkeit liegt darin, die Schriftfläche rhythmisch 
einheitlich schließen zu lernen. Für das Auge ge¬ 
schieht dies dann, wenn die Buchstaben gleichweit 
voneinander entfernt erscheinen, und dies ist in dem 
Augenblicke der Fall, wo die Hintergrundsausschnitte 
dem Flächeninhalte nach gleich sind. Daß es dabei 
nicht auf geometrische Maße ankommt, sondern auf 
optische Eindruckswerte, macht Larisch durch Gegen¬ 
überstellung von Beispiel und Gegenbeispiel in 
überzeugender Weise klar und beweist dadurch, daß 
das früher herrschende lineare Verteilungsprinzip 
nach den Endpunkten der Buchstaben unsinnig ist; 
bei den Buchstaben mit Einbuchtungen büßen ja 
manche Teilflächen ihre optischen Wirkungen ein. 
Es ist auch in der Schreibkunst viel künstlerisches 
Gefühl und ein feiner Takt nötig, der der Schulung 
bedarf. Darum muß möglichst viel geschrieben 
werden, nicht bloße Alphabete, sondern zusammen¬ 
hängende Satzreihen; baldmöglichst ist auf der 
Papierfläche einFeld abzugrenzen,daszubeschreiben 
ist, damit von vornherein der Sinn für Schriftver¬ 
teilung geweckt wird. Das Ritzen ist die Genesis 
alles Schreibens — graphisch entspricht dem am 


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meisten die Anwendung des Quellstiftes —, darum 
setze man den Buchstaben in einem Zuge hin, ohne 
Konturen zu zeichnen, auch bei großen Dimensionen 
schreibe man und zeichne nicht. 

Bemerkenswert sind vor allem die Winke, die La- 
risch unter „Angewandtes“ gibt. Auch hier betonter 
die Unterordnung des Details unter die Gesamtwir¬ 
kung, Zeichnung und Schrift müssen ein Ganzes dar¬ 
stellen, die gleichen 
Zeichenwerkzeuge, 
mit denendieZeich- 
nung hergestellt 
wurde, sind auch für 
die Schrift anzuwen¬ 
den. Am Schlüsse 
gibt Larisch noch An¬ 
weisungen fürFlam- 
men- und Trans¬ 
parentschriften, die 
Stillosigkeit, Schrift 
plastisch als Körper 
wiederzugeben, wird 
gebührend gebrand¬ 
markt , und für Ar¬ 
beiten mit verschie¬ 
denen Werkzeugen 
und Schneiden von 
Schrift in verschie¬ 
denen Materialien 
als oberster Grund¬ 
satz hingestellt, daß 
die jedem Material 
eigene Sprache zu 
wahren ist. 

Diese kurzen An¬ 
deutungen werden 
zur Genüge bewei¬ 
sen, welch großen 
praktischenWert die 
Schrift von Larisch 
nicht nur für den 
Lehrer und Schüler 
der Schriftkunst, 
sondern ganz besonders auch für den Graphiker 
und Buchgewerbler hat. Wie viele Plakate gibt es, 
bei denen Schrift und Zeichnung auseinanderfallen 
oder in schreiendem Mißverhältnis zueinander stehen, 
und wie wenige Bücher kommen auf den Markt, 
in denen diese beiden Elemente in künstlerischer 
Weise vereinigt sind! Der „Unterricht in ornamen¬ 
taler Schrift“ könnte da manchem die Augen öffnen, 
und ebenso wäre dringend zu wünschen, daß die 
auf solche Weise eingeleitete Reform der so arg 
vernachlässigten Kunst des Schreibens auch in 


Kreise geleitet würde, die nicht direkt mit Kunst zu 
tun haben; daß dieses Lehrbuch schlecht verwendet 
würde, verhindert der ganz und gar nicht doktrinäre 
Ton, in dem es geschrieben ist. 

Larisch hat seine Tätigkeit zur Förderung des 
Schriftwesens auch auf die Herausgabe von Bei¬ 
spielen künstlerischer Schrift ausgedehnt. Eine dritte 
Serie ist eben erschienen und enthält wiederum eine 

Auswahl von Künst¬ 
lerschriften inter¬ 
nationalen Charak¬ 
ters. Ashbee in Lon¬ 
don , Grasset in 
Paris, Thorkelsen in 
Kristiania usw. ha¬ 
ben beigesteuert 
und die hervor¬ 
ragendsten Namen 
des deutschen Buch¬ 
gewerbes sind ver¬ 
treten. Manchen aus 
demUnterricht in or¬ 
namentaler Schrift 
bekannten Proben 
begegnet man auch 
hier wieder, im übri¬ 
gen wird man bald 
die Beobachtung 
machen, die bei 
dem Unterricht in 
ornamentaler Schrift 
weniger sich auf¬ 
drängte : Die Au¬ 
torität des Meisters 
scheint etwas drük- 
kend auf den Schü¬ 
lern zu lasten, trotz 
der Garantie indivi¬ 
dueller Behandlung, 
die er schriftlich ge¬ 
geben hat. Man 
merkt gleich: das ist 
Larisch-Schule oder 
vielmehr Wiener Schule schlechthin, denn was jene 
auszeichnet, ist auch für diese in allen ähnlichen 
kunstgewerblichen Dingen charakteristisch. Das ist 
weiter nicht schlimm. Daß die Schüler ihrem 
Lehrer nachgeraten, ist unvermeidlich, und die 
Fähigkeit, schulbildend zu wirken, ist sogar eine 
recht schätzenswerte Eigenschaft. Auch dann, 
wenn das Prinzip, die „brutale Leserlichkeit“ in 
ornamentaler Schrift zu vermeiden, von Außen¬ 
stehenden nicht in allen Fällen gebilligt werden 
wird. 


EUERE KAISERLICH 
LEID KÖNIGLICHE 
MAJESTÄT/ALLER? 
GNÄDIGSTER HERR! 

Eine Empfindung beseelt 
unsere Herzen: die Treue 
zu Fürst und Land/welche 
seit Hahrhunderten die 
Kinder des Stammlandes 
in ganz einziger/ von VE 
ter zu Sohn vererbter 
Stärke mit ihrem Landes« 
fürsten verbind et-Mit die 
ser Treue zugleich er he 

Pennäler Duktus. Stahlfeder. Nutzung des handschriftlichen Reizes bei heute konven¬ 
tionell erscheinenden Buchstabenformen: Studium zu künstlerischem Typenschnitt. 
Aus Rud. v. Larisch, Unterricht in ornamentaler Schrift. Verlag der k. k. Hof- und 
Staatsdruckerei Wien 


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: ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE : 

Die Merkantillithographie 

Von Prof. ARTHUR SCHELTER, Leipzig 


ist eigentlich unter Merkantillitho- 
j % / [ graphie zu verstehen und wodurch 

: unterscheidet sich der in diesem be- 
sonderen Fach ausgebildete Lithograph 
von andern seines Berufes? Unmöglich soll doch 
mit diesem Namen nur der Formulardruck für den 
kaufmännischen Kontor- und Geschäftsbetrieb be¬ 
zeichnet werden. Drucksachen, wie z. B. Plakate, 
die dem ausgesprochensten kaufmännischen Be¬ 
dürfnis, der Reklame, dienen, gelten in Berufskreisen 
meistens nicht als zur Merkantillithographie gehörig. 
Dagegen werden ihr wieder die Visitenkarten zuge¬ 
zählt, obgleich doch gerade sie nichts weniger als 
kaufmännischen Zwecken dienen. Eine große Anzahl 
junger Leute kommt jährlich zur Ausbildung als 
Merkantillithographen in die Lehre, ohne jemals eine 
Vorstellung darüber zu haben, wo der Schwerpunkt 
dieser Sonderausbildung liegt, ja, es dürften nicht 
selten auch die Herren Meister in einige Ver¬ 
legenheit geraten, wenn sie hierüber eine Erklärung 
abzugeben hätten. In Fachzeitschriften erscheinen 
vielfach Arbeitsgesuche und Arbeitsangebote unter 
diesem Fremdwort, das den Fernstehenden jedenfalls 
wie ein geheimnisvoller Fachausdruck anmutet und 
von den Berufsangehörigen wohl meistens benutzt 
wird mehr aus Gewohnheit, als aus Überzeugung 
von dem eigenartigen beruflichen Sonderleben, das 
sich dahinter versteckt. 

Zur Zeit, da Adolph Menzel seine Laufbahn als 
Lithograph begann, dachte noch kein Mensch daran, 
Unterschiede zu machen zwischen Lithographen für 
merkantile oder andre Zwecke. Sie wurden ledig¬ 
lich nach den für alle Künstler gültigen Gesichts¬ 
punkten bewertet. Ihre Kraft stellten sie ebenso in 
den Dienst des Alltagsbedürfnisses, indem sie ge¬ 
legentlich für die Flaschen irgendeines Krämers 
Etiketten zeichneten und druckten, wie sie gegebenen 
Falles für den Träger einer Krone Ehrendiplome aus¬ 
führten oder als Porträtzeichner in Anspruch ge¬ 
nommen wurden. Ihre Techniken waren die von 
Meister Senefelder ausgebildeten mit Tusche, Kreide 
und Schabeisen. Als dann gegen die Mitte des neun¬ 
zehnten Jahrhunderts jene eigentümlicheGeschmacks- 
richtung herrschend wurde, die im Stahlstich den 
vornehmsten Vertreter graphischer Kunst sah, konnte 
es gar nicht ausbleiben, daß auch die Lithographen 
vom Strome der Zeit mitgerissen wurden und sich 
einer Technik befleißigten, die dem vergötterten 
Stahlstich möglichst ähnlich aussah. Darüber büßten 
die älteren Techniken, deren glänzende Eigenschaf¬ 
ten erst die neuere Zeit wieder ganz schätzen lernte, 
ihre bevorzugte Stellung vielfach ein und gerieten zum 
Teil in Vergessenheit. An ihre Stelle trat die Steingra¬ 


vierung, die den Kreidestift, die Zeichenfeder und das 
Schabeisen durch die Stahlnadel, den Diamantstift und 
die Liniiermaschine ersetzten. Unter dem Einfluß die¬ 
ser Werkzeuge entwickelte sich eine eigentümliche 
Mischtechnik, halb aus menschlicher Handfertigkeit, 
halb aus mechanischer Arbeit der Liniiermaschine 
bestehend, die noch heute sehr verbreitet ist und 
allen mit ihr ausgeführten Arbeiten ein ganz be¬ 
sonderes Aussehen verleiht. Auf Zigarrenkisten¬ 
packungen, Rechnungsköpfen, Wechselformularen 
und ähnlichen Drucksachen erscheinen Wappen, 
Wolken, Landschaften, Porträts, Ornamente, fliegende 
Bänder, wurmartig gekrümmte Schriftzeilen und 
andre Gebilde vermischt mit geätzten, durch die 
Liniiermaschine hervorgebrachten Tönen im krausen 
Durcheinander. Es ist gar nicht zu verkennen, daß 
diese Mischtechnik den Arbeiten einen gewissen 
stahlstichähnlichen Beigeschmack gibt. Sie ist ein 
Tiefdruckverfahren, da sowohl die freihändig mit 
Stahlnadeln oder Diamantstiften in den Stein ein¬ 
gegrabenen Zeichnungen und Schriften, wie die 
durch Säuren in die Platte eingeätzten Liniier- 
maschinentöne ein tiefliegendes Druckbild ergeben, 
wofür die gemeinsame Benennung als Graviertechnik 
oder Steingravierung üblich ist. Da alle in dieser 
Technik ausgeführten Arbeiten zur Merkantillitho¬ 
graphie gezählt werden, so erklärt sich damit auch, 
was unter diesem Ausdruck verstanden werden muß. 
Es ist tatsächlich diese Mischtechnik aus Stein¬ 
gravierung und Steintiefätzung, die sich hinter dem 
Namen Merkantillithographie verbirgt. 

Die Besonderheiten merkantillithographischer 
Druckwerke sind demnach auf die Eigentümlich¬ 
keiten der Steingravierung zurückzuführen. Es hieße 
aber dieser Technik schweres Unrecht tun, wenn 
das so häufige unerfreuliche Aussehen solcher Ar¬ 
beiten ihr allein zur Last gelegt werden würde. Die 
Graviernadel, der Diamant und die Liniiermaschine, 
deren vollkommenste Bauartdie Guillochiermaschine 
ist, können zu wundervollen Werkzeugen werden in 
der Hand eines Künstlers. Aber er muß es ver¬ 
stehen, die Grenzen einzuhalten, die seiner Kunst¬ 
technik und seinen persönlichen Kräften gesteckt 
sind. Wenn dem einzelnen zugemutet wird, aus 
allen Naturreichen jede beliebige Erscheinung natur- 
wahr zum Ausdruck zu bringen und sie nach künst¬ 
lerischen Gesetzen bildmäßig zu gestalten oder für 
seine besonderen Zwecke zu neuen Kunstformen 
umzuschaffen, so ist das eine Forderung, die nur in 
seltenen Ausnahmefällen erfüllbar sein kann, für die 
Allgemeinheit dagegen unnatürlich erscheint. 

Der Merkantillithograph steht in der Steingravie¬ 
rung der am schwierigsten zu beherrschenden aller 


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lithographischen Techniken gegenüber und muß da¬ 
mit rechnen, daß die übliche vier- bis fünfjährige 
Lehrzeit in rein technischen Übungen aufgeht. 
Unter günstigen Umständen kann er vielleicht einige 
künstlerische und kunstwissenschaftliche Studien 
nebenbei durch Selbstunterricht oder Abendschule 
betreiben, vielfach unterbleiben sie jedoch gänzlich. 
Mit solcher Vorbereitung tritt nun der Ausgelernte 
in das Berufsleben, dessen erste Forderung darin 
besteht, außer dem Besitz einer guten technischen 
Ausbildung auch selbständig zeichnen und entwerfen 
zu können. Wie soll er aber imstande sein, Natur¬ 
formen naturwahr zu bilden, wenn er nicht vor der 
Natur sehen und beobachten gelernt hat, oder Bild¬ 
wirkungen zu behandeln, ohne Kenntnis ihrer Ge¬ 
setze, oder neue Kunstformen zu ersinnen, oder die 
Kunstsprache fremder Völker zu verstehen, wenn 
ihm Wesen, Bedeutung und Zweck von Naturvorbild 
und dessen künstlerischer Umwandlung fremd sind? 
Ja, es darf nicht einmal erwartet werden, daß er 
verständig nach Vorbildern kopieren kann, da alle 
Voraussetzungen auch dazu fehlen. In dieser Zwangs¬ 
lage gilt dann die Benutzung von Vorlagewerken als 
letzter Ausweg, trotz des Schadens, der dem einzel¬ 
nen und der Gesamtheit dadurch zugefügt wird. Der 
hohe erzieherische Wert guter Vorbilder wird dann 
nur zu leicht in das gerade Gegenteil verkehrt. 
Statt Hochachtung vor andrer Arbeit schleicht die 
Gewohnheit sich ein, fremde Geisteserzeugnisse mit 
oder ohne Wissen ihres Urhebers zu benutzen. Da¬ 
bei schwindet mehr oder weniger die Einsicht, daß 
die Kunstsprache jedes einzelnen nur das Ergebnis 
persönlicher Sondereigenschaften, harter Arbeit und 
jahrelanger Zeitopfer sein kann und, daß es für den 
Merkantillithographen ebensowenig wie für irgend¬ 
einen andern Künstler einen Seitenweg gibt, der 
zu diesem Ziel schneller führt. Er muß zur Aneig¬ 
nung seiner schwierigen Graviertechnik eine mehr¬ 
jährige Lehrzeit aufwenden, ehe er zur Herrschaft 
über sie gelangen kann, und muß den mühevollen 
Pfad gegangen sein, der durch alle Wechselfälle hoff¬ 
nungsvollen Gelingens und entmutigender Mißerfolge 
eines jahrelangen Kunststudiums allmählich empor¬ 
führt zur Höhe persönlich freien Schaffens. 

Mit großer Lebenskraft hat die Steingravierung sich 
auf weiten Arbeitsgebieten zur Vorherrschaft empor¬ 
geschwungen, so daß sie heute einen Sonderstaat im 
Reiche der Lithographie bildet. Wenn dieser Erfolg 
in mehrfacher Hinsicht dazu berechtigt, sich seiner 
zu freuen, so darf doch die Behandlung, die sie heute 
größtenteils erfährt, nicht gutgeheißen werden. Die 
Verbindung von freier, auf Handfertigkeit beruhender 
Gravierung mit der unfreien Flächentechnik der Li- 
niiermaschine ist eine Mischtechnik schlimmster Art, 
die einen Anspruch auf Schönheit nicht erheben kann. 
Wo dagegen die Liniiermaschine zur Hervorbringung 


flächenhafter, teppichartiger Arbeiten, z.B. als Unter¬ 
gründe für Wertpapiere in Anwendung gebracht wird, 
ist sie ein Mittel zur Erreichung künstlerischer 
Wirkungen von großer Schönheit. In dieser Form 
kann ihr Zusammenwirken mit Handgravierung nicht 
beanstandet werden, wenn der Grund in geätzter 
Maschinentechnik als erste Farbe untergedruckt, das 
Schriftwerk dagegen mit allem freihändig geschaffenem 
Beiwerk, in reiner Handgravierung ausgeführt, als 
zweite Farbe aufgedruckt wird. Das ist keine Misch¬ 
technik, sondern ein selbständiges Zusammenwirken 
ähnlicher Techniken nach dem nämlichen drucktech¬ 
nischen Grundgesetz, wonach Kreide- und Tusch¬ 
technik beim Farbendruck gemeinsam Anwendung 
finden. 

Die Wertschätzung der Steingravierung von seiten 
der Merkantillithographen ist häufig die Ursache, daß 
andre lithographische Techniken daneben als unter¬ 
geordnet angesehen und dementsprechend behandelt 
werden. Das mag zum Teil seinen Grund haben in 
den Schwierigkeiten bei der Erlernung der Gravier¬ 
technik, die von der Lehrzeit wenig Zeit übriglassen 
für andre Übungen. Trotzdem wäre wenigstens der 
Pflege der Federzeichnung auf Stein eine erhöhte 
Aufmerksamkeit zu wünschen, selbst um den Preis, 
daß die Steingravierung dadurch etwas zurückgedrängt 
werden würde. Die Federzeichnung ist in ihren druck¬ 
technischen Eigenschaften bezüglich Widerstands¬ 
kraft bei großen Auflagedrucken und Umdruckfähig¬ 
keit der Steingravierung vollkommen ebenbürtig, im 
Wettbewerb mit andern graphischen Techniken von 
nicht zu verwechselnder Eigenart; an künstleri¬ 
scher Ausdrucksfähigkeit dagegen der Steingravie¬ 
rung ebenso überlegen, wie durch ihre leichtere 
Erlernbarkeit. 

Die Merkantillithographie wird heute hauptsächlich 
durch den Wettbewerb des Akzidenzbuchdruckes be¬ 
droht. Beide arbeiten unter gleichen Schönheitsge¬ 
setzen, wenn schon unter ungleichen Vorbedingungen. 
Während der Akzidenzbuchdrucker an sein Satzmate¬ 
rial gebunden ist, das für ihn in mancher Beziehung 
eine Fessel, anderseits aber auch eine Stütze bei 
seiner Arbeit bedeutet, erfreut sich der Merkantillitho¬ 
graph unbegrenzter Freiheit in der Auswahl seiner 
technischen und künstlerischen Mittel, wodurch er 
in seinen Entschlüssen unabhängiger, aber auch vor 
Fehltritten ungeschützter erscheint. Der Schwerpunkt 
bei den meisten merkantillithographischen Arbeiten 
liegt in der Behandlung der Schrift, wodurch die Ent¬ 
stehung besonderer Schriftlithographen begünstigt 
wird. Abgesehen von solchen Fällen, in denen die 
Beschränkung auf eine Schriftart, z. B. für Visiten¬ 
karten, nur dem einen Zweck entspringt, den Wett¬ 
bewerb mit dem Buchdruck aufzunehmen, muß es als 
ein durchaus richtiger und aussichtsreicher Stand¬ 
punkt anerkannt werden, wenn einzelne Künstler 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


durch besondere Neigung sich bestimmen lassen, ihre 
ganze Zeit und Kraft ausschließlich der Erkenntnis 
und der Behandlung der Schrift zuzuwenden. Ist sie 
doch das Kleid der Sprache und der Spiegel der Volks¬ 
seele zutreffend genannt worden, und zwar nicht bloß 
des Volkes so wie es heute ist, sondern auch wie es 
war, durch alle Entwicklungsstufen bis zu seinen ersten 
Kulturanfängen. Dem Lithographen, der in diesem 
Sinne die Schrift auffaßt, bietet sich ein Forschungs¬ 
und Arbeitsgebiet dankbarster Aufgaben. Er wird in 
den Buchstaben eine Kunstsprache verstehen lernen 
und Kunstformen sehen, die das Empfinden von ein¬ 


zelnen, ganzer Völker und Zeitalter gerade so treu 
aussprechen, wie die Bauformen, die Malerei oder 
andre Künste. Ihm wird sich von selbst der Weg er¬ 
öffnen, der Steindruckschrift die besonderen Merk¬ 
male ihrer Entstehung zu bewahren, wie z. B. die 
Typen des Buchdruckers das in ihrer Art zeigen. Auf 
diesem Wege schwindet die Gefahr, daß der Schrift¬ 
lithograph in den Buchdrucktypen maßgebende Vor¬ 
bilder für seine Zwecke sieht und es wird ein 
Spezialistentum zu begrüßen sein als wertvollste 
Hilfstruppe der Merkantillithographie im Wettbewerb 
mit ihren Nebenbuhlern. 


Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Vollkommenheit 

Von Dr.-Ing. AUGUST KOENIG, Frankenthal 
IV 


IV. Bogenausgänge. 

A US gä n ge an Variablen läßt sich nur 
iS 11 wen *g Neues berichten. In der Hauptsache 
: I J | handelt es sich hierbei um zweckmäßige 
Anwendung der von den festformatigen 
Rotationsmaschinen her bekannten Ausgänge. Immer¬ 
hin dürfte es angezeigt erscheinen, eine kurze Be¬ 
sprechung der wichtigsten, für Variable in Betracht 
kommenden Bogenausgänge folgen zu lassen» Das 
Auslegen kann geschehen: 

1. für ungefalzte Bogen durch Rechen, Tipper oder 
Ketten; 

2. für gefalzte Bogen durch Schaufelräder, Sterne, 
Rechen, Tipper, Trommeln oder Kasten. 

1. Ausgänge für ungefalzte Bogen. 

Das Auslegen ungefalzter Bogen geschah bei Va¬ 
riablen ältererBauart fast ausschließlich durch einseitig 
wirkende Rechenwender (vergleiche Abbildung 18). 
Die vom Sammelzylinder kommenden Bogen (durch 
die obere Pfeilrichtung angedeutet) laufen über ein 
mehr oder weniger steil angeordnetes Bändersystem 
herab und werden von den Stäben auf einen horizon¬ 
talen oder schräg gestellten Tisch ausgelegt. Um ein 
selbsttätiges Herunterrutschen der Bogen zu ver¬ 
hindern, müssen seitlich auf dem Rand des Papiers 
laufende Führungsbänder vorgesehen werden. Sobald 
die Stäbe aus dem hinteren Bändersystem hervor¬ 
treten, drücken sie das Papier aus den beiden Seiten¬ 
bändern heraus und bewirken so ein äußerst exaktes 
Auslegen. Beim Sammeln von zwei Bogen haben sich 
die Rechenwender in dieser Ausführung für die da¬ 
mals erreichbaren Produktionen von 4 bis 5000 Druck¬ 
bogen in der Stunde bestens bewährt. Erst später, 
nachdem es auf Grund wichtiger Verbesserung ge¬ 
lungen ist, die Leistung der Variablen auf 6000 und 
höher zu steigern, erwiesen sich diese Ausleger als 
unzureichend. Man war daher genötigt, an deren Stelle 
nun Doppelwender treten zu lassen. Das Auslegen 


der Bogen erfolgte jetzt nach beiden Seiten, und zwar 
unter Anwendung zweier unabhängig voneinander 
arbeitenden Rechenwender. Abbildung 19 zeigt einen 
solchen Doppelausleger in schematischer Darstellung. 
Für jeden Ausgang ist ein besonderes aus zwei seitlich 
laufenden Oberbändern und mehreren Unterbändern 
bestehendes Bändersystem erforderlich. Die Vertei¬ 
lung der Bogen nach beiden Seiten wird durch schwin¬ 
gende Anordnung der Bandleitungen erreicht, weshalb 
auch die zu den beiden Auslegern gehörigen Band¬ 
walzen nichtmehrim Gestell der Presse, sondern in ei¬ 
gens hierzu vorgesehenen und innerhalb der Maschine 
schwingend angebrachten Armen gelagert sind. Nach 
Abbildung 19 hat der Ausleger soeben seine Mittel¬ 
lage angenommen. Den Pfeilrichtungen entsprechend 
müssen sich die beiden auf einer gemeinsamen Spin¬ 
del sitzenden und in der Zeichnung punktiert ange¬ 
deuteten Arme zuerst so weit nach links bewegen, 
daß das rechte obere Walzenpaar senkrecht unter den 
stationären Zuführwalzen zu stehen kommt. In dieser 
Lage verharrt nun das rechte Bändersystem so lange, 
bis die herablaufenden Bogen (zu zweien gesammelt) 
von dem rechten Stabwender aus den beiden Ober¬ 
bändern herausgedrückt und auf den rechten Aus- 
legetisch gelegt werden. Von jetzt ab schwingen die 
Arme so weit nach rechts zurück, bis das linke Walzen¬ 
paar unter die Zuführwalzen gelangt und sonach das 
linke Bändersystem zur Aufnahme der beiden nächsten 
Bogen bereit steht. Das Auslegen der Bogen auf den 
linken Tisch übernimmt nun in analoger Weise der 
linke Rechenwender. 

Eine Vereinfachung dieses speziell von Koenig & 
Bauer gerne verwendeten Doppelauslegers haben 
Albert&Co. durch Umgehung der schwingenden Arme 
erreicht. Bei den Auslegern dieser Firma sind nur 
die oberen vier Walzen beweglich bzw. schwingend 
angeordnet (unter Zuhilfenahme eines auf Schienen 
laufenden Wagens), während die unteren Walzen und 
seitlichen Führungsrollen gleich im Gestell der 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Maschine gelagert sind. Beide Konstruktionen haben 
sich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise in der Praxis 
zwar bestens bewährt, jedoch wurde die Baulänge der 
Maschinen durch Doppelausleger (in Verbindung mit 
Falzapparaten) derart ungünstig beeinflußt, daß deren 
Anwendung schon aus diesem Grunde nicht allgemein 
möglich war. Es blieb daher in vielen Fällen nichts 
andres übrig, als wieder zu den einfach wirkenden 
Rechenwendern zurückzukehren. Da aber bei diesen 
Auslegern das Sammeln von zwei Bogen nicht mehr 
ausreichte, um die immer höher getriebene Lauf¬ 
geschwindigkeit der Presse voll und ganz ausnützen 
zu können, so hieß es eben durch Einführung neuer 
Sammelmethoden Abhilfe 
zu schaffen, eine Aufgabe, 
deren Lösung nicht lange 
auf sich warten ließ. Durch 
die bereits im vorigen Ab¬ 
schnitt besprochenen Vor¬ 
richtungen zum Sammeln 
von drei und mehr Bogen 1 
haben sich die Rechenaus¬ 
leger ohne Beeinträchti¬ 
gung der Produktion in 
ihrer ursprünglichen Aus¬ 
führung wieder verwen¬ 
den lassen und erfreuen 
sich heute selbst an mo¬ 
dernen Variablen einer be¬ 
sonderen Beliebtheit, wäh¬ 
rend die Doppelwender an 
Bedeutung immer mehr 
verlieren. 

Das Auslegen ungefa߬ 
ter Bogen durch Tipper, 
auch Tupfer genannt, ist 
neueren Ursprungs. Die Anwendung dieser Aus¬ 
leger ist nicht auf eine Überlegenheit in der Arbeits¬ 
weise, sondern nur auf das Bestreben zurückzu¬ 
führen, die Maschinen so gedrängt wie möglich zu 
bauen. Rechenwender lassen sich nämlich an Maschi¬ 
nen mit Falzapparaten meist schwer, jedenfalls 
nicht ohne beträchtliche Raumbeanspruchung unter¬ 
bringen. Aus diesem Grunde versuchte man überall 
da, wo die Platzfrage eine große Rolle spielt, das Aus¬ 
legen der ungefaßten Bogen durch Tipper zu erreichen 
(vergleiche Abbildung 20a). Die Bogen wurden ent¬ 
weder über oder unterhalb des Faßapparates auf zwei 
auf dem Rande des Papiers laufenden Bändern heraus- 

1 Die fraglichen Sammelvorrichtungen beziehen sich 
speziell auf Maschinen mit Luft- und Greifertransport. Bei 
Nadelmaschinen liegen dagegen die Verhältnisse wesent¬ 
lich einfacher. Das Sammeln beliebig vieler Bogen auf 
einem Zylinder geschieht hier durch Aufnadeln, weshalb 
auch diese Maschinen von Anfang an zum Sammeln von 
drei und mehr Bogen eingerichtet waren. 


geführt und durch Stäbe aus den Bändern gedrückt. 
Auf diese Weise lassen sich zwar kleinere Formate, 
insbesondere solche von geringer Breite, ganz gut 
auslegen, dagegen arbeiten die Tipper bei größeren 
Formaten nicht mehr mit jener Sicherheit und Exakt¬ 
heit, wie es heute von Maschinen moderner Bauart 
unbedingt verlangt werden muß. Für ungefaßte Bogen 
werden daher die Tipperausleger auch in Zukunft nur 
eine recht bescheidene Rolle spielen. Die Mißerfolge, 
die sich gerade in jüngster Zeit mit diesen Auslegern 
einstellten, beweisen jedenfalls wieder aufs deut¬ 
lichste, daß der Vorteil einer geringeren Platzbean¬ 
spruchung niemals allein zugunsten eines Auslegers 
sprechen kann und darf. 
Was hilft einem Drucker 
eine Maschine, die durch 
Anwendung eines Tipper¬ 
ausganges vielleicht um 
einen Meter und noch mehr 
kürzer wird, als eine Ma¬ 
schine mit Rechenwender, 
wenn diese Raumersparnis 
auf Kosten der Betriebs¬ 
sicherheit und damit zu¬ 
gleich auf Kosten der 
Leistungsfähigkeit geht? 
Auch hinsichtlich Bedie¬ 
nung ist den Rechenaus¬ 
legern entschieden der 
Vorzug zu geben. Das 
stoßweise Wegnehmen un¬ 
gefaßter Bogen ist na¬ 
mentlich bei hochgelege¬ 
nem Tipperausgang mit 
recht erheblichen Um¬ 
ständlichkeiten verbun¬ 
den 1 . DiesenÜbelstand suchte man daher durch senk¬ 
bare Auslegetische abzuhelfen, jedoch ist bei Anord¬ 
nung eines Tipperausganges über dem Faßapparat im 
allgemeinen vielzuwenigPlatz vorhanden,um wirklich 
größere Papierstöße ansammeln zukönnen.Wenn sich 
auch auf diese Weise ein allzu häufiges Anhalten der 
Presse zwecks Abnahme der Bogen vermeiden läßt, so 
bilden doch die periodisch immer wiederkehrenden 
Betriebsunterbrechungen eine recht lästige und un¬ 
zeitgemäße Begleiterscheinung der Tipperausgänge. 

Kettenausgänge an Variablen sind eine Errungen¬ 
schaft der letzten Jahre. Das Bedürfnis nach möglichst 

1 Um genügend Zeit zum Wegnehmen der Bogen zu er¬ 
halten, hat man neuerdings gleich vier oder fünf Bogen 
auf einmal gesammelt, wodurch aber die Wirkungsweise 
der Tipperausleger noch wesentlich verschlechtert wurde. 
Infolge des größeren Eigengewichts dergesammelten Bogen 
rutschen diese leicht von selbst aus den Seitenbändern 
heraus und können deshalb von den Tippern nicht mehr 
exakt auf den Tisch ausgelegt werden. 

20 * 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


bänderlosen Maschinen war für Koenig & Bauer 
die Veranlassung, das Auslegen ungefalzter Bogen 
durch Ketten zu versuchen (vergleiche Abbildung 20 b). 
Durch Anwendung von Kettenausgängen lassen sich 
die Maschinen zwar völlig bänderlos bauen, jedoch 
erfordert die Unterbringung des Kettenmechanismus 
verhältnismäßig viel Platz, weshalb dieser Neuerung 
nicht in allen Fällen der Vorzug gegenüber Rechen¬ 
auslegern eingeräumt werden kann. Außerdem darf 
nicht übersehen werden, daß durch die von Albert 
& Co. eingeführte Sammelvorrichtung, welche das 
Sammeln beliebig vieler Bogen auf nur einem Zylinder 


Heft 4), sollen dagegen hier ungefalzte Bogen mittels 
Kette auf einen Tisch ausgelegt werden. In beiden 
Fällen müssen aber die Bogen an ihrer vorauslaufen¬ 
den Seite von den Kettengreifern gepackt und weiter¬ 
geführt werden. Da sich ungefalzte Bogen in sehr 
kurzen Abständen folgen, so setzt das Auslegen 
solcher Produkte stets das Sammeln von mindestens 
zwei Bogen voraus. Ferner mußte man die Erfahrung 
machen, daß das Herausführen der Bogen durch Ketten 
allein nicht genügt, um für alle Betriebsverhältnisse 
ein zuverlässiges Arbeiten des Kettenauslegers garan¬ 
tieren zu können. Die nach dem Öffnen der Greifer 



Abbildung 19. Doppelrechenwender zum Auslegen ungefalzter Bogen 


ermöglicht (vergleiche Abbildung 15, Heft 4), die 
Bänder bereits ganz vermieden sind und solche nur 
mehr in geringer Anzahl für den sich anschließenden 
Rechenausleger vorgesehen werden müssen. Da bei 
Rechen wendern ein Abschmieren des frischen Druckes 
kaum zu befürchten ist, so kann den Kettenausgängen 
auch in dieser Beziehung keine große Überlegenheit 
zugeschrieben werden. Immerhin haben die Ketten¬ 
ausleger zur Vervollkommnung der von Koenig & 
Bauer gebauten Variablen mit pneumatischer Bogen¬ 
führung wesentlich beigetragen. Ließen sich doch 
damit die langen, über den Querfalzapparat zum 
Sammelzylinder führenden Bändersysteme besei¬ 
tigen. 

Was die Wirkungsweise der Kettenausleger betrifft, 
so wurde bereits im vorigen Abschnitt deren Prin¬ 
zip so weit erläutert, als zum allgemeinen Ver¬ 
ständnis notwendigerschien. Während es sich dort um 
die Führung quergefalzter Bogen mittels Kette zum 
Längsfalzapparat handelte (vergleiche Abbildung 16 c, 

152 


sich selbst überlassenen Bogen fallen nämlich so un¬ 
regelmäßig und faltenbildend auf den Tisch herab, 
daß man sich genötigt sah, auch das Ablegen der 
Bogen durch die Maschine ausführen zu lassen. Durch 
Anwendung von Tippern, welche nach dem Öffnen 
der Kettengreifer die Bogen schnell niederdrücken, 
ließen sich die Kettenausleger in ihrer Wirkungsweise 
nun so weit verbessern, daß sie sich voraussichtlich 
einer immer größeren Beliebtheit von seiten der 
Drucker erfreuen werden. 

Um die Bedienung hochgelegener Kettenausleger 
zu erleichtern, empfiehlt es sich, den Auslegetisch 
wie bei denTipperauslegern zum Senken einzurichten. 
Auf diese Weise haben sich schon Papierstöße von 
einem Meter und höher ansammeln lassen, deren Be¬ 
seitigung unter Benutzung eines in der Maschine be¬ 
reitstehenden Wagens bequem und schnell vonstatten 
geht. Eine Variable dieser Bauart (System Koenig & 
Bauer) wird im nächsten Abschnitt ausführlicher 
besprochen werden. 


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Die günstigen Erfolge, die Koenig&Bauer mit ihren 
Kettenausgängen erzielten, veranlaßten auch Albert 
& Co., von dieser Neuerung Gebrauch zu machen. 
Das Auslegen ungefalzter Bogen mittels Kette wurde 
von dieser Firma bereits im vorigen Jahr an einer 
festformatigen Maschine erprobt. Zurzeit befindet 
sich auch eine Mehrfarbenvariable im Bau (für zwei 
Farben im Schöndruck und drei Farben im Wider¬ 
druck), bei der die ungefalzten Bogen gleichfalls durch 
Kette ausgelegt werden. 

So viel über Ausleger für ungefalzte Bogen. Von 
den hierbei in Frage kommenden Auslegemethoden 
werden jedenfalls die Rechenwender (in Verbindung 
mit bänderlosen Sammelvorrichtungen) wegen ihrer 
überaus einfachen 
und zugleich siche¬ 
ren Arbeitsweise 
auch fernerhin vor¬ 
herrschend blei¬ 
ben, während Ket¬ 
tenausleger im all¬ 
gemeinen nur in 
solchen Fällen mit 
Vorteil zur Anwen¬ 
dungkommen dürf¬ 
ten, bei denen die 

Unterbringung 
eines Rechenwen¬ 
ders mitSchwierig- 
keiten bzw. Nach¬ 
teilen in bezug 
auf Bedienung oder 
Raumbedarf ver¬ 
bunden sein würde. 

Von beiden Auslegern wird man jedenfalls immer 
dem Ausleger den Vorzug geben, der sich für die 
Konstruktion bzw. Bauart der betreffenden Maschine 
am zweckmäßigsten erweist. Tipperausleger sollen 
wenn möglich ganz vermieden werden. Kleinere For¬ 
mate lassen sich, wie bereits hervorgehoben, auf 
diese Weise noch ganz gut auslegen, für größere 
Formate, um die es sich bei ungefalzten Bogen in 
der Regel handelt, haben aber Tipperausleger noch 
niemals zufriedenstellend gearbeitet und werden in¬ 
folge ihrer unsicheren Wirkungsweise auch niemals 
Aussicht dazu eröffnen. 

2. Ausgänge für gefalzte Bogen. 

Für das Auslegen gefalzter Produkte haben sich 
Schaufelräder , auch Fächer genannt, ganz besonders 
gut bewährt. Es ist dies eine Methode, die in An¬ 
betracht ihrer großen Vorzüge, unter denen speziell 
das durchaus sichere Auslegen bei allen Geschwin¬ 
digkeiten hervorgehoben zu werden verdient, gewiß 
auch unter den Druckern volle Anerkennung gefunden 
haben wird. 


In Abbildung 23 sind drei verschiedene Fächer¬ 
ausleger wiedergegeben, von denen jedoch die erste 
Ausführung (vergleiche Abbildung 21 a) die am mei¬ 
sten verbreitete ist und schon von den festformatigen 
Maschinen her als wohlbekannte und äußerst be¬ 
liebte Auslegemethode gilt. Die entweder senkrecht 
oder horizontal oder auch unter einer beliebigen 
Schräge von den Falzwalzen in das Schaufelrad fal¬ 
lenden Bogen (siehe Pfeilrichtungen) werden unter 
Anwendung von Abstreichzungen auf eine entspre¬ 
chend langsam bewegte Gurt aus der Maschine 
herausgeführt. Läßt man diesen Abstreichzungen 
nach gewissen Zeitintervallen, z. B. alle 25 oder 50 
Zylinderumdrehungen, eine rasche Bewegung nach 

rückwärts machen, 
so kann man auf 
diese Weise mit 
dem Auslegen auch 
gleichzeitig das 
Abzählen der Bo¬ 
genverbinden, was 
bei deren Auf¬ 
schichten zu Pa¬ 
keten eine große Er¬ 
leichterung bildet. 

Fächerausgänge 
haben sich auch 
für sektionsweises 
Auslegen der nur 
quergefalzten Bo¬ 
gen sehr praktisch 
erwiesen. Die 
ein-, zwei- oder 
mehrmals längs¬ 
geschnittenen Falzprodukte werden auf ein gemein¬ 
schaftliches Gurtsystem gelegt und kommen so in 
zwei, drei oder mehr Reihen nebeneinanderliegend 
aus der Maschine heraus. Auch in diesem Fall lassen 
sich die Bogen in äußerst bequemer Weise von nur 
einer Person wegnehmen. 

Abbildung 21 b zeigt einen Fächerausleger in einer 
Ausführung, die vielleicht noch weniger bekannt 
sein dürfte und meines Wissens bisher nur an Vari¬ 
ablen von Koenig & Bauer anzutreffen ist. Während 
nämlich vorher (vergleiche Abbildung 21 a) die 
Bogen auf eine in Richtung der Fächerebene laufende 
Gurt gelegt und auch in dieser Richtung aus der 
Maschine bzw. aus dem Falzapparat herausbefördert 
werden, bewegt sich dagegen die Gurt nach Ab¬ 
bildung 21b senkrecht zur Fächerebene (also senk¬ 
recht zur Papierebene). Auch für den Fall, daß die 
quergefalzten Bogen einmal längsgeschnitten werden, 
läßt sich das Auslegen der Bogen nach diesem Prinzip 
durchführen. Jedoch sind jetzt zwei getrennt angetrie¬ 
bene und nach entgegengesetzter Richtung laufende 
Gurtausgänge erforderlich. Durch diese Trennung 



b 


Abbildung 20a und b. Ausleger für ungefalzte Bogen und zwar erfolgt das Auslegen ln 
Abbildung a durch Bänder und Tipper (Tipperausleger), in Abbildung b durch Ketten und 
Tipper (Kettenausleger) 


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der Bogen, von denen die eine Hälfte nach vorn 
und die andre Hälfte nach hinten aus der Maschine 
herauskommt, ist daher bei einem derartig arbeitenden 
Fächerausleger die Möglichkeit gegeben, zwei ver¬ 
schiedene Zeitungen auf einmal drucken, bzw. bei 
gleicher Stereotype die Leistung der Maschine aufs 
Doppelte steigern zu können. Bei zwei- oder mehr¬ 
maligem Längsschneiden ist dagegen das Auslegen 
der Bogen nach zwei Seiten nicht mehr möglich, 
weshalb sich diese Neuerung nur in besonderen 
Fällen mit Vorteil anwenden läßt. Außerdem möge 
nicht unerwähnt bleiben, daß zur Bedienung eines 
Doppelausganges immer zwei Personen notwendig 
sind, während sich ein normaler Fächerausgang stets 


seitiges Abschmieren der Bogen zur Folge haben 
kann, werden bisweilen die Bogen mittels Stabschau¬ 
feln von der Gurt abgenommen und auf einen eigens 
hierzu vorgesehenen Tisch abgelegt, wo sie so lange 
liegen bleiben, bis sie ganz trocken sind. In Amerika 
werden die Bogen vielfach durch Verlängerung der 
Gurt durch einen Trockenkasten geführt (bis zu zehn 
Meter Länge) und durch einen am Ende des Aus¬ 
ganges angeschlossenen Elevator gleich in den Ver¬ 
sandraum befördert, eine Ausführung, für die bei 
uns, wie es scheint, bis jetzt noch kein Bedürfnis 
vorliegt. 

In Abbildung 21b ist ferner ein Ausleger ange¬ 
geben, der das stoßweise Wegnehmen der gefalzten 



Abbildung 21a, b und c. Facher- oder Scbaufelradausleger für gefalzte Bogen. In Abbildung a werden die Bogen durch eine in Richtung der 
Ficherebene und ln Abbildung b durch eine senkrecht zur Facherebene laufende Gurt aus der Maschine herausgeführt. In Abbildung c erfolgt das 

Auslegen auf einen feststehenden, aber beliebig einstellbaren Tisch 


von einer Person bequem bedienen läßt. So wichtig 
dieser im allgemeinen gegen die Anwendung von 
Doppelauslegern sprechende Gesichtspunkt auch 
erscheinen mag, so können doch Fälle eintreten, bei 
denen Doppelausgänge nicht nur ihre volle Berech¬ 
tigung haben, sondern deren Anwendung unter Um¬ 
ständen sogar zur Notwendigkeit wird. Nicht selten 
sind es z. B. örtliche Verhältnisse der betreffenden 
Druckerei, die von vornherein eine äußerst gedrängte 
Bauart der Presse vorschreiben und daher den Kon¬ 
strukteur zwingen können, zugunsten des Doppel¬ 
ausganges zu entscheiden. 

Beim Herausführen der Bogen nach nur einer 
Seite ist von beiden Fächerausgängen (vergleiche 
Abbildungen 21 a und b) im allgemeinen dem der Vor¬ 
zug zu geben,der im betreffenden Fall die günstigsten 
Verhältnisse hinsichtlich Bauart und Bedienung der 
Maschine bedingt. Bei beiden Ausführungen lassen 
sich die Bogen sehr bequem und nach Belieben in 
größeren oder kleineren Stößen von der Gurt abneh¬ 
men. Um das Zusammenschieben der Bogen zu um¬ 
gehen, was bei Maschinen für feinen Illustrations¬ 
druck bei ungenügender Vorsicht leicht ein gegen- 


Bogen ohne vorheriges Zusammenschieben gestattet. 
Dadurch nämlich, daß die Bogen statt auf eine lang¬ 
sam laufende Gurt auf einen feststehenden , aber je 
nach Bedarf mehr oder weniger schräg einzustellen¬ 
den Tisch ausgelegt werden, bleiben die Bogen 
unterhalb des Schaufelrades an ihrem Platze liegen 
und schichten sich daher von selbst auf eine durch 
den Abstand des Tisches von den Schaufeln vorge¬ 
schriebene Höhe auf. Die Gefahr des Verschmierens 
beim Wegnehmen der noch frisch bedruckten Bogen 
ist zwar wesentlich verringert worden, jedoch er¬ 
fordert die Bedienung eines derartigen Auslegers 
erhöhte Sorgfalt; denn ohne diese kann es nur allzu 
leicht Vorkommen, daß infolge der rasch anwachsen¬ 
den Stoßhöhen recht unliebsame Betriebsstörungen 
entstehen. In dieser Beziehung sind Gurtausgänge 
den festehenden Tischen entschieden vorzuziehen. 
Da die Gurt stets weiterläuft, so werden die ausge¬ 
legten Bogen auch jederzeit aus der Maschine her¬ 
ausgeführt. Bei nachlässiger Bedienung fallen die 
Bogen höchstens von der Gurt herunter, niemals 
aber kann dadurch die Sicherheit des Betriebes 
gefährdet sein. 


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Was ferner die Konstruktion der Schaufelräder 
betrifft, so wurden diese früher allgemein nur vier¬ 
teilig ausgeführt. Erst in den letzten Jahren ist man 
zu achtteiligen Fächern übergegangen. Es hat sich 
nämlich herausgestellt, daß ein Schaufelradausleger 
um so günstiger arbeitet, je mehr Schaufeln ver¬ 
wendet werden. Mit einem achtteiligen Fächer lassen 
sich selbst die dünnsten Falzprodukte noch voll¬ 
kommen einwandfrei auslegen, während ein vier¬ 
teiliger Fächer infolge der großen Schaufelabstände 
in solchen Fällen fast ganz versagte. Durch Ein¬ 
setzen von Zwischenschaufeln, (auch Blindschaufeln 
genannt, da sie nur den Zweck haben, den Abstand 
der ursprünglichen Auslegschaufeln zu verringern) 
konnte zwar Ab¬ 
hilfe geschaffen 
werden, jedoch 
ließ sich damit 
die Arbeitsweise 
eines derartigen 
Auslegers noch 
nicht soweit ver¬ 
bessern, um den 
achtteiligen Fä¬ 
cher in seiner 
heutigen Ausfüh¬ 
rung ersetzen zu 
können. In Ame¬ 
rika scheint man 
dagegen nach wie 
vor der geringe¬ 
ren Schaufelzahl 
den Vorzugzu ge¬ 
ben. Wenigstens 
weisen die von der Goss Printing Press Co. in 
Chigago gebauten Maschinen nur vierteilige Fächer 
auf. Beim Auslegen dünner Falzprodukte mußte 
man natürlich auf die gleichen Schwierigkeiten 
stoßen. Goss half sich hierbei in einfacher Weise 
durch Zurückbiegen der von Anfang an entspre¬ 
chend länger gehaltenen Schaufeln. Die Schaufeln 
bilden jetzt gewissermaßen eine Schleife und ver¬ 
ringern dadurch den bei jedem vierteiligen Fächer 
vorhandenen großen Schaufelabstand. Nachdem 
sich jedoch die achtteiligen Fächer so gut in der 
Praxis bewährt haben, so ist es kaum verständ¬ 
lich, weshalb man gerade in Amerika mit so großer 
Zähigkeit an der ältesten Fächerausführung festhält. 
Bei uns ist diese Neuerung, mit welcher meines 
Wissens Koenig & Bauer bereits vor mehreren Jahren 
zum erstenmal in die Öffentlichkeit traten, heute 
Gemeingut aller Fabriken geworden und hat auch 
in allen Druckereien bisher ungeteilte Anerkennung 
gefunden. 

Sehr viel Ähnlichkeit mit einem Schaufelradaus¬ 
leger hat auch der Sternausleger (vergleiche Ab¬ 


bildung 22). Der Unterschied liegt nur darin, daß 
der Stern ruckweise bewegt wird, während sich das 
Schaufelrad kontinuierlich weiterdreht. Beim Stern 
werden daher nicht wie beim Fächer die Bogen 
einzeln, sondern in Paketen zu 25 oder 50 ausgelegt. 
Um das Einlaufen des stets neu hinzukommenden 
Bogens zu sichern, sind Tipper vorgesehen, die jeden 
einzelnen Bogen schnell vorwärts drücken. Der Stern 
wird gewöhnlich zwölfteilig ausgeführt, wobei es 
jedoch vollkommen genügt, wenn die einzelnen Ab¬ 
teilungen nur aus einigen Holzstäbchen gebildet 
werden, zwischen denen sich gleichzeitig die Tipper¬ 
stäbe frei hindurchbewegen können. Bei sektions¬ 
weisem Ausgang der quergefalzten und mehrmals 

längsgeschnitte¬ 
nen Bogen müs¬ 
sen je nach der 
Breite der Falz¬ 
produkte minde¬ 
stens zwei bis 
drei Stäbe für 
jede Abteilung 
und Bogenreihe 
angeordnet wer¬ 
den, wie dies ja 
auch bei den 
Fächerausgängen 
mit der Anzahl 
der Schaufelräder 
der Fall ist. Ge¬ 
genüber Schau¬ 
felradauslegern 
bedeutet die Ein¬ 
führung der Stern¬ 
ausleger eine Verbesserung in zweifacher Richtung. 
Lassen sich doch jetzt die Bogen gleich in abgezählten 
Paketen und ohne vorheriges Zusammenschieben 
der einzelnen Exemplare von der Gurt abnehmen. 
Bei Anwendung eines Sternes besteht außerdem die 
Möglichkeit, die paketweise gesammelten Bogen 
ebenso gut aus dem Stern selbst herausnehmen zu 
können. In diesem Fall würde dann der Gurtausgang 
ganz in Wegfall kommen, eine Vereinfachung, von 
der aber nur dann Gebrauch gemacht werden kann, 
wenn der Stern auch wirklich so zugänglich ist, daß 
die Bedienung der Maschine dadurch keine Einbuße 
erfährt. Sammelsterne sind nichts Neues. Siewurden 
schon früher von Albert & Co. an festformatigen 
Maschinen mit bestem Erfolg angewandt und nur in 
neuerer Zeit auch auf Variable übertragen. 

Für Rechen- und Tipperausgänge (vergleiche Ab¬ 
bildungen 23 bis 25) gilt in der Hauptsache das unter 
den Planoauslegern bereits Gesagte. Rechenwender 
können auch für gefalzte Produkte sowohl einfach¬ 
wirkend wie doppeltwirkend ausgeführt werden, 
weisen aber in beiden Fällen gegenüber ungefalzt 



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auszulegenden Bogen die Vereinfachung auf, daß im 
allgemeinen keine Bänder erforderlich sind (ver¬ 
gleiche Abbildungen 23 a und b gegen Abbildungen 
18 und 19). Bei einseitig wirkenden Rechenwendern 
gleiten die seitlich zwischen schmalen Blechen ge¬ 
führten Bogen direkt über die Stäbe herab und werden 
auf einem ziemlich schräg stehendem Tische aus¬ 
gelegt (vergleiche Abbildung 23 a). Sehr einfach 
in ihrer Wirkungsweise 
sind auch die Doppel¬ 
wender (vergleiche Ab¬ 
bildung 23 b gegen Ab¬ 
bildung 19). Das Aus¬ 
legen der Bogen nach 
beiden Seiten geschieht 
hier durch einen einzi¬ 
gen Wenderechen, wäh¬ 
rend bei ungefalzt aus¬ 
zulegenden Bogen stets 
zwei Wender erforder¬ 
lich sind. Die von den 
Falzwalzen oder vom letzten Falzzylinder kommenden 
Bogen laufen im allgemeinen ohne Zuhilfenahme 
von Bändern in den Ausleger herab, jedoch empfiehlt 
es sich auch hier, seitliche Führungsschienen vor¬ 
zusehen. Die hin und her schwingenden Stäbe drücken 
dann die Bogen aus den Haltern heraus und bewir¬ 
ken so ein durchaus zuverlässiges und exaktes 
Auslegen. Um die Ausschläge der Stäbe möglichst 
klein zu bekommen, sind 
die beiden Tische ziem¬ 
lich schräg angeordnet. 

Derartige Ausleger ar¬ 
beiten sehr günstig und 
lassen selbstLeistungen 
von 8000 Exemplaren 
in der Stunde ohne wei¬ 
teres zu. Auch die ein¬ 
fach wirkenden Rechen¬ 
ausleger können bei 
kleineren Falzproduk¬ 
ten und geringem Aus¬ 
schlagwinkel, also bei 
sehr schräg stehendem 
Auslegetisch, bis auf 
6000 Exemplare gesteigert werden. Beide Ausleger 
zeichnen sich durch äußerst einfache Konstruktion 
und dabei durch vorzügliche Wirkungsweise aus. 
Eine Variable (System Albert & Co.) mit Rechenaus¬ 
legern für gefalzte Bogen wird im nächsten Abschnitt 
besprochen werden und soll zugleich als Beweis 
dafür dienen, daß sich auch mit diesen Auslegern 
unter Umständen eine recht vorteilhafte Bauart 
der Maschine erzielen läßt. 

Für Falzprodukte größeren Formats, wie sie in 
neuerer Zeit bei Variablen häufig Vorkommen, hat 


sich der in Abbildung 24 angegebene Schaukelaus¬ 
leger als besonders vorteilhaft erwiesen. Dieser Aus¬ 
leger stellt gewissermaßen eine Kombination der be¬ 
reits besprochenen Doppelausleger vor (vergleiche 
Abbildungen 19 und 23b). Die Bogen werden jetzt 
wieder wie beim Auslegen ungefalzter Bogen unter 
Zuhilfenahme von Bändern herabgeführt (aber nur 
unter Verwendung von seitlich auf dem Rand des 

Papiers laufenden und 
an mehreren Stellen mit¬ 
tels Rollen zusammen¬ 
gehaltenen Bändern), 
jedoch sind für beide 
Stabwender, die nun¬ 
mehr durch eine ge¬ 
meinsame Spindel be¬ 
wegt werden, diese 
Führungsbänder in nur 
einmaliger Ausführung 
vorhanden. Abbildung 
24 veranschaulicht den 
Augenblick der Auslegeperiode, in welchem der be¬ 
treffende Bogen soeben auf den rechten Tisch aus¬ 
gelegt worden ist. Der Rechenwender bewegt sich 
von jetzt ab nach links, wobei die vorauseilenden 
linken Stäbe den inzwischen herabgelaufenen zwei¬ 
ten Bogen bei ihrer Weiterbewegung auf den linken 
Tisch auslegen. In diesem Augenblick hat der Rechen 
seine äußerste Lage auf der linken Seite angenom¬ 
men (strichpunktiert ge¬ 
zeichnet). Beim Zurück¬ 
schwingen des Wenders 
im Sinne der linken Pfeil¬ 
richtung treten nun wie¬ 
der die andern Stäbe, 
und zwar die der Bogen¬ 
zuführung am nächsten 
stehenden Stäbe in Funk¬ 
tion. Auf diese Weise 
werden die Bogen ab¬ 
wechselnd nach beiden 
Seiten ausgelegt, und 
zwar derart, daß die 
rechte Stabreihe die Bo¬ 
gen immer nach rechts 
und die linke Stabreihe die Bogen immer nach links 
auslegt. Bei einem Schaukelausleger können die Tische 
sowohl horizontal, wie in Abbildung 24 gezeichnet 
als auch unter einer gewissen Neigung angeordnet 
sein. In beiden Fällen ist die Wirkungsweise des 
Auslegers eine gleich günstige. 

Das Auslegen gefalzter Bogen durch Tipper ist von 
den festformatigen Maschinen übernommen worden 
Abbildung 25 zeigt einen Tipperausleger in bekannter 
Ausführung. Die vom Falzapparat kommenden Bogen 
werden durch Tipper aus den beiden Seitenbändern 




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herausgedrückt und auf einen Tisch gelegt, von dem 
sie in bequemerWeise weggenommen werden können. 
Auch Tipperausleger lassen sich bisweilen mit Vor¬ 
teil verwenden, jedoch ist deren Arbeitsweise bei 
höhern Geschwindigkeiten nicht mehr zuverlässig 
genug, um das Auslegen gefalzter, meist aber unge¬ 
sammelter Bogen durch Tipper allgemein empfehlen 
zu können. Den Schaufelradauslegern ist entschieden 
der Vorzug zu geben; 
sie sollen daher auch 
überall da, wo deren 
Anwendung aus kon¬ 
struktiven Gründen ir¬ 
gendwie möglich ist, 
von seiten der Maschi¬ 
nenfabriken in Vor¬ 
schlaggebrachtwerden. 

Ein gleichfalls sicheres Auslegen wird mit Greifer- 
trommeln erzielt (vergleiche Abbildung 26). Die ge¬ 
falzten Bogen werden vom letzten Falzzylinder oder 
falls noch ein besonderer Übertragungszylinder er¬ 
forderlich sein sollte, von diesem mittels Greifer über¬ 
nommen und auf eine langsam bewegte Gurt gelegt. 
Wegen der durch die Trommel gehenden Greifer¬ 
spindel können die Ab¬ 
streichzungen nur ein 
kleines Stück in die 
Trommel hineintreten, 
was aber vollkommen 
genügt, um die Bogen 
aus den bereits geöff¬ 
neten Greifern heraus¬ 
zuheben. Greifertrom¬ 
meln sind zwar bis jetzt 
noch selten an Varia¬ 
blen anzutreffen,verdie¬ 
nen aber wegen ihrer 
durchaus sicheren und 
exakten Arbeitsweise 
entschieden mehr Be¬ 
achtung. 

Schließlich sei noch 
auf einen speziell in 
den letzten Jahren gern 
verwendeten Ausgang 
mit wenigen Worten hingewiesen. Es ist dies der 
Kastenausgang , bei dem, wie schon die Bezeich¬ 
nung darauf schließen läßt, die gefalzten Bogen in 
Kasten aus der Maschine herausgeführt werden 
(vergleiche Abbildung 27 a und b). Kastenausgänge 
kommen nur für mehrmals gefalzte, demnach für 
kleinere und steifere Produkte in Betracht. Die 
Bogen fallen nach dem Verlassen der Falzwalzen 
oder des betreffenden Falzzylinders in einen Kasten 
und werden entweder durch einen in horizontaler 
Richtung bewegten Vorstoßer (vergleiche Abbil¬ 


dung 27 a) oder auch durch senkrecht stehende, aber 
schwingend angeordnete Tipper (vergleiche Ab¬ 
bildung 27b) nach vorn gedrückt, wobei die sich 
ansammelnden Bogen durch einen entsprechend 
schweren Holz- oder Gußeisenbügel gegen Umfallen 
gesichert sind. Um zu verhindern, daß durch die zur 
Fortbewegung des immer größer werdenden Papier¬ 
stoßes erforderliche Pressung ein gegenseitiges Ab¬ 
schmieren der Bogen 
eintreten kann, was bei 
feinerem Bilderdruck 
immerhin möglich ist, 
läßt man in neuerer 
Zeit die Bogen nicht 
mehr direkt auf dem 
Boden des Kastens auf¬ 
liegen, sondern schaltet 
noch besondere Transportbänder dazwischen, deren 
Geschwindigkeit natürlich so berechnet sein muß, 
daß die Zunahme des Stoßes mit der Vorwärtsbe¬ 
wegung der Bänder genau übereinstimmt. Auch 
für sektionsweises Auslegen gefalzter und mehrmals 
längsgeschnittener Produkte haben sich die Kasten¬ 
ausgänge bestens bewährt und werden infolge ihrer ge¬ 
ringen Platzbeanspru¬ 
chung nicht selten den 
Schaufelradauslegern 
sogar vorgezogen. 

* * 

♦ 

Die Besprechung der 
Bogenausgänge möge 
nicht abgeschlossen 
werden, ohne auch 
einiger Neuerungen ge¬ 
dacht zu haben, durch 
deren Einführung die 
Bedienung der Tipper¬ 
und Rechenausleger 
wesentlich erleichtert 
wurde. So z. B. konnte 
bisher das beim Wech¬ 
seln des Formats not¬ 
wendige Einstellen der 
Tipper und Rechenstäbe 
nur bei Stillstand der 
Presse vorgenommen werden und erforderte selbst 
vom geschicktesten Maschinenmeister ein längeres 
Ausprobieren. Das eine Mal erfolgte die Bewegung 
der Stäbe zu früh, das andre Mal wieder zu spät, 
was neben Zeitverlust auch unnötige Makulatur ver¬ 
ursachte. Diese Nachteile der Tipper- und Rechen¬ 
ausleger waren für Albert & Co. die Veranlassung, 
das Einstellen der Stäbe während des Ganges zu er¬ 
möglichen. Durch Anwendung von Differentialgetrie¬ 
ben ließ sich dieses Problem in so überraschend ein¬ 
facher Weise lösen, daß man sich eigentlich wundern 

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muß, daß nicht auch von andrer Seite diesem Ge¬ 
danken schon längst näher getreten wurde. 

Eine ebenfalls interessante Neuerung bezieht sich 
auf die für Tipperausleger notwendigen Bänder¬ 
systeme und bezweckt, durch Anwendung von Band¬ 
gabeln das lästige und zeitraubende Einstellen der 
Bänder bei Formatänderungen zu umgehen. Werden 
nämlich die zur Führung der Bänder entsprechend 
ausgebildeten Bandgabeln auf besondere, im Gestell 
der Maschine gelagerte und mit Links- und Rechts¬ 
gewinde versehene Spindeln gesetzt, so bewegen 
sich beim Drehen dieser Spindeln (durch Steck¬ 
schlüssel oder Handrädchen bewirkt) die Gabeln je 
nach dem Drehsinn gleichmäßig nach innen oder 
außen und verschieben so die durch die Gabeln 
laufenden Bänder. Diese Vorrichtung hat sich bei 
Maschinen, die infolge etwas gedrängter Bauart 


noch keine Klagen darüber laut. Beide Neuerungen 
trugen jedenfalls im hohen Maße zur Vervollkomm¬ 
nung der Variablen bei und sollen daher auch bei 
keiner modernen Maschine mit Tipper- und Rechen¬ 
auslegern fehlen. 

Zur allgemeinen Orientierung über die an Varia¬ 
blen vorkommenden Bogenausgänge dürften die vor¬ 
stehenden Betrachtungen ausreichend sein. Wenn 
auch verschiedene Ausleger in ihrer Wirkungsweise 
als besonders günstig und daher empfehlenswert ge¬ 
schildert wurden, so wäre es doch falsch, wollte man 
auf Grund dieser Besprechung dem einen oder 
andern Ausleger eine direkte Bevorzugung ein¬ 
räumen. Die Entscheidung zugunsten eines Aus¬ 
legers hängt von so vielerlei Umständen ab, daß 
sich eben keine allgemeingültigen Regeln aufstellen 
lassen. So z. B. kann zum Auslegen gefalzter Bogen 


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Abbildung 27 a und b. Kastenausgänge für mehrmals gefalzte und daher kleinere und steifere Produkte (Abbildung a: Kastenausgang in 
einfacher Ausführung; Abbildung b: in doppelter Ausführung) 


schwieriger zugänglich sind und bei denen daher das 
Verstellen der Bänder von Hand mit größeren Um¬ 
ständlichkeiten verbunden sein würde, besonders 
gut bewährt, läßt sich aber auch an jeder andern 
Maschine mit Vorteil anwenden. Das Verschieben 
der Bänder kann sowohl bei Stillstand der Presse, 
als auch während des Ganges vorgenommen werden. 
Im ersteren Falle werden die Bänder zunächst nur 
an den Stellen, wo die Gabeln sitzen, aus ihrer Rich¬ 
tung abgelenkt, behalten also in ihrem weiteren Ver¬ 
lauf noch die frühere Lage bei. Beim Anlaufen der 
Maschine gehen jedoch die Bänder sofort auf die 
durch die neue Stellung der Bandgabeln vorge¬ 
schriebenen Richtung über. Daß bei Verwendung von 
Bandgabeln darauf zu achten ist, daß diese unmittel¬ 
bar vor einer Bandwalze angeordnet werden, und 
daß außerdem die Verschiebung stets vom ablaufen¬ 
den Band aus eingeleitet wird, darf wohl als allge¬ 
mein bekannt vorausgesetzt werden. Auch mit dieser 
Neuerung haben Albert & Co. an ihren Variablen 
recht günstige Erfolge erzielt. Die Befürchtung, daß 
sich die Bänder frühzeitig abnützen würden, haben 
sich nicht bestätigt, wenigstens wurden bis heute 


für die eine Maschine ein Fächerausgang und für 
eine andre Maschine ein Tipper- oder Kastenaus¬ 
gang vorteilhafter sein, während für ungefalzt auszu¬ 
legende Bogen im einen Fall vielleicht ein Rechen¬ 
ausleger und im andern Fall ein Kettenausleger 
angebrachter erscheint. Jedoch ist nicht zu bestreiten, 
daß bei der Wahl des Auslegers auch vielfach Lieb¬ 
habereien der betreffenden Maschinenfabrik bzw. 
deren Konstrukteure mit hereinspielen und auf diese 
Weise nicht gerade immer die zweckmäßigsten Aus¬ 
leger zur Anwendung kommen. Auf welchen Aus¬ 
gang aber auch die Wahl fallen mag, stets soll die 
wichtigste Bedingung erfüllt sein, daß die Bogen sich 
in möglichst bequemer Weise wegnehmen lassen. 
Durch ungünstige Anordnung eines Ausganges kann 
selbst die beste Maschine ihren Zweck verfehlen. 
Es muß daher schon beim ersten Entwurf einer 
Maschine auf die Zugänglichkeit der Ausgänge 
ebenso sehr geachtet werden, wie auf die Bedienung 
der Druck- und Farbwerke. 

Mit der Besprechung einiger besonders interes¬ 
santen Maschinen möge vorliegende Arbeit ihren 
Abschluß finden. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Die neue Bibel der Reichsdruckerei 

Von JEAN LOUBIER, Berlin 


jg i etzten j a hre haben uns viele neue ge- 
| i ^ j schmackvoll ausgestattete Bücher gebracht, 
i S aber auf eine schön gedruckte Bibel haben 

uns unsre Buchdrucker und Verleger lange 
vergeblich warten lassen. Und doch war das für 
unsre neue, kraftvoll aufblühende Buchkunst eine 
große und dankbare Aufgabe. Unsre alten Meister¬ 
drucker des 15. und 16. Jahrhunderts, allen voran der 
große Erfinder Johannes Gutenberg selbst, haben uns 
herrliche Bibeldrucke in großer Zahl hinterlassen, 
die wir immer von neuem als Meisterwerke der Buch¬ 
druckerkunst bewundern. Wir mußten es beschämt 
eingestehen, daß wir diesen alten deutschen Bibeln 
keine einzige, auch nur einigermaßen ebenbürtige, 
neue Bibelausgabe in würdiger schöner Druckaus¬ 
stattung an die Seite stellen konnten. 

Auch die kostspieligen Bilderbibeln des 19. Jahr¬ 
hunderts ließen in ihrer Druckausstattung — schon 
in ihrem Druckpapier und weiter in der Type und 
der künstlerischen Anordnung des Satzes — viel 
oder alles zu wünschen übrig. Jetzt haben wir es ja, 
gerade aus dem eindringlichen, verständnisvollen 
Studium unsrer vorbildlichen ältesten Druckwerke 
heraus, wieder gelernt, auf alles das zu achten, was 
bis auf die kleinsten Einzelheiten hin zur künst¬ 
lerischen Ausstattung eines Druckwerkes Zusammen¬ 
wirken muß. So wurde denn auch in den verschie¬ 
densten Kreisen, bei den Geistlichen ebenso wie bei 
den Laien, das Verlangen nach einer wirklich schön, 
nach künstlerischen Gesichtspunkten gedruckten 
Bibel mehr und mehr rege. 

In den Klingsporschen Musterbüchern der Behrens- 
Schrift und der Liturgisch von Hupp sahen wir einige 
hervorragend schöne Satzbeispiele von Folio- und 
Quartbibeln, die ohne weiteres so ausgeführt, uns 
prachtvolle Bibeldrucke gegeben hätten. Diese Muster¬ 
beispiele steigerten nur noch unser Verlangen nach 
so schön ausgestatteten Bibeln für den Gebrauch in 
Kirche und Haus. Doch warteten wir vergeblich, daß 
man mit den genannten Schriften oder mit der dafür 
in gleicherweise geeigneten „Neudeutsch“ von Hupp 
— wovon übrigens die Schriftgießerei Genzsch & 
Heyse noch letzthin im Januarheft des Archivs für 
Buchgewerbe eine Probeseite gab — die ganze Bibel 
druckte. 

Wir müssen es daher mit freudiger Genugtuung 
begrüßen, daß uns nun, wenn auch in andrer Type 
und in andrer Druckausstattung, endlich eine vornehm 
gedruckte deutsche Bibel dargeboten wurde. Die 
Reichsdruckerei hat in ihren Werkstätten unter der 
künstlerischen Leitung Ludwig Sütterlins eine monu¬ 
mentale Folioausgabe der Bibel nach dem revidierten 
Luther-Text hergestellt und damit nach einer längeren 


Pause von neuem ihre Aufgabe, die Kunst im deut¬ 
schen Buchgewerbe zu fördern, betätigt. 

Diese neue Bibel ist keine Bilderbibel, sie ist mit 
keinerlei bildlichem Schmucke ausgestattet, denn 
daran hat es ja wie gesagt das 19. Jahrhundert nicht 
fehlen lassen, sondern sie ist das, was wir bis jetzt 
nötighatten, ein schlichtes, rein typographisch schönes 
Buch. Ihre Vorzüge andern Bibelausgaben gegen¬ 
über bestehen lediglich in dem guten Material an 
Druckpapier und Type, in einer geschmackvollen 
Anordnung des Satzes und in einer mustergültigen 
Technik des Druckes. 

Die zum Druck verwendete Schrift ist die „Ger- 
mania“-Type, die vor einigen Jahren nach Entwurf 
von Georg Schiller in der Reichsdruckerei geschnitten 
und gegossen wurde, eine breitgeführte, daher sehr 
klar leserliche kräftige Type von deutschem Schrift¬ 
charakter. Dem großen Folioformat des Buches ent¬ 
sprechend, hat man den großen Korpusgrad der Schrift 
und zweispaltigen Satz gewählt. 

Wenn wir nun den Band aufschlagen, so sehen wir 
sofort, daß der Satz und das Bild der gedruckten Seite 
ganz anders aussehen, als bei jeder andern Bibel der 
letzten 50 Jahre, daß sie sich viel voller, geschlossener, 
einheitlicher präsentieren, als wir das seit langem an 
einer Bibel gewohnt sind. Fragen wir uns, woher das 
kommt, so finden wir zwei Gründe hierfür. 

Erstlich hat man auf die Versabteilung, das heißt 
auf den Zeilenabbruch bei jedem Verse verzichtet. Der 
Text ist in größeren Abschnitten fortlaufend gesetzt, 
und die unentbehrlichen Verszahlen stehen auf den 
äußern Rändern der Textspalten. Wer eine beliebige 
andre Bibelausgabe zur Hand nimmt, wird erkennen, 
wieglücklich diese Neuerung für eine ästhetische Satz¬ 
wirkung war. Ebenso wertvoll ist aber auch die zweite 
Neuerung, die bei diesem Bibeldruck zum ersten Mal 
eingeführt wurde. Nämlich die sogenannten Parallel¬ 
stellen, das heißt die Verweisungen auf andre Text¬ 
stellen, die bisher in allen unsern Bibelausgaben fast 
hinter jedem Versabschnitt standen, und die den Leser 
fortwährend störend in der Lektüre unterbrechen, sie 
sind hier fortgelassen worden. Kein Bibelleser wird 
sie vermissen, und falls der Geistliche sie braucht, 
so hat er andre Hilfsmittel, um sie zu finden. Diese 
sehr dankenswerte Neuerung — wir verdanken sie 
wohl dem Revisor des Textes dieser neuen Ausgabe, 
Pfarrer Lic. Breest — bietet obendrein den Vorteil, 
daß sich die Kapitel auch für das Auge des Lesers als 
zusammenhängendes Ganzes darbieten. Die Sinn¬ 
abschnitte innerhalb der Kapitel sind dagegen durch 
einen Absatz und durch eine Initiale stärker kennt¬ 
lich gemacht, als das in den früheren Drucken der 
Fall war. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Der Künstler, dem die Anordnung des Satzes und die 
dekorative Ausstattung anvertraut war, hat sich seiner 
Aufgabe mit ästhetischem Geschmack und äußerst dis¬ 
kreter Zurückhaltung in allen schmückenden Zutaten 
unterzogen. Der einzige Schmuck nach Sütterlins 
Zeichnung sind dieÜberschriftenderBücher des Alten 
und Neuen Testamentes in rotgedruckten großen 
Versalien, die sich eng an die Schillerschen Typen 
anlehnen, und die schlichten roten Initialen bei den 
Anfängen der Kapitel, die mit kleineren offenen 
schwarzgedruckten Initialen bei den Sinnabschnitten 
innerhalb der Kapitel abwechseln. Außerdem hat der 
Künstler das kraftvolle Titelblatt kalligraphisch ge¬ 
schrieben und ihm das Lutherbild nach dem bekann¬ 
ten Holzschnitt Lucas Cranachs gegenübergestellt 
und diese beiden Titelseiten durch eine einfache 
Umrahmung zusammengeschlossen. 

Die Hauptsprüche und Weissagungen, die man in 
anderen Bibeln fett oder gesperrt zu drucken pflegt, 
sind hier viel wirksamer durch Rotdruck aus dem 
Text hervorgehoben. Wir kennen es ja aus den 
alten unvergleichlich schönen Bibeldrucken unsrer 
alten Meister, wie schön der schwarze Textsatz durch 
solchen Rotdruck markanter Stellen farbig belebt 
werden kann. 

Wie viel für die schöne Gesamtwirkung eines 
Buches auf ein gutes Druckpapier ankommt, das zeigt 
auch wieder bei dieser Bibel der Vergleich mit jeder 
beliebigen andern neueren Ausgabe. Die schönste 
Type, die geschmackvollste Satzanordnung verlieren 
ihre Wirkung, wenn schlechtes Papier zum Druck 
genommen wird. Darum darf man bei guten Drucken 
in erster Linie nicht an der Qualität des Papieres 
sparen wollen. Die Reichsdruckerei hat sich für 
diese Bibel von der bestens bekannten Papiermühle 
J. W. Zanders in Bergisch-Gladbach das Papier an¬ 
fertigen lassen, ein festes gelbliches Papier mit 
einem Wasserzeichen nach Sütterlins Zeichnung, das 
die Gesetzestafeln und das Kreuz als Symbole des 
Alten und Neuen Testamentes vereinigt. 

Sütterlin hat auch den Einband entworfen. Den 
Vorderdeckel schmückt in Goldpressung ein gut 
stilisierter Altarleuchter mit der Unterschrift: „Dein 
Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf 
meinem Wege.“ Die Reichsdruckerei hat die Ein¬ 


bände in verschiedenem Material ausgeführt, in 
dunkelblauem Moleskin, in einfachem und in feine¬ 
rem Leder mit grauem Schnitt oder Goldschnitt. Den¬ 
noch ist der Preis für das gebundene Exemplar, je 
nach der Ausführung des Einbands, nur auf 20 bis 
40 Mark bemessen worden, während das ungebundene 
Exemplar 12 Mark kostet. Im Hinblick auf die künst¬ 
lerische Ausstattung und die sehr sorgfältige und 
gediegene Ausführung des großen Foliobandes mit 
seinen 830 Seiten ist dieser Preis überraschend 
niedrig und wird die Anschaffung erleichtern. 

Wenn wir diese neue Bibel als Ganzes betrachten, 
so bietet sie uns nicht gerade eine große künstlerische 
Überraschung, sie ist keine Großtat neuer deutscher 
Buchkunst, sie ist sogar in ihrer schmucklosen Sach¬ 
lichkeit etwas nüchtern und trocken geworden, was 
wohl hauptsächlich daran liegen mag, daß die Schrift 
in so großem Grade nicht lebensvoll und saftig genug 
ist und Sütterlin sich gerade dieser von der Reichs¬ 
druckerei gewählten Schrift anpassen mußte, — aber 
trotz alledem: die Hauptsache ist, daß wir nun end¬ 
lich wieder eine gut gedruckte, geschmackvoll und 
würdig ausgestattete deutsche Bibel haben. Wir 
müssen sie jedenfalls dankbar begrüßen als ersten 
Versuch, die typographische Bibelausstattung künst¬ 
lerisch zu reformieren. Und wieviel dieser erste 
Versuch gegen die bisherige, landläufige, man darf 
ruhig sagen geschmacklose und charakterlose Druck¬ 
ausstattung unsrer Bibeln schon erreicht hat, ist im 
vorigen bereits gesagt worden. 

Wir wollen aber dabei nicht stehen bleiben, wir 
wollen vielmehr wünschen, daß diesem ersten Ver¬ 
suche sich bald andre anreihen mögen, für die den 

Druckern in der Behrens-Schrift und in der Neudeutsch 
und der Liturgisch von Hupp das schönste Material zur 
Verfügung steht. Wir brauchen ja immer neue 
Bibeln, besonders in kleineren Formaten, und für 
Satzanordnung und sonstige typographische Aus¬ 
stattung gibt es so unendlich viele Möglichkeiten. 
Wir müssen weiter streben, Bibeldrucke zu be¬ 
kommen, die den hohen Vorbildern unsrer Alt¬ 
meister der Buchdruckerkunst noch näher kommen, 
und dürfen nicht rasten, bis wir einmal wieder jene 
Vorbilder in ihrer typographischen Schönheit ganz 
erreichen. 


Aus den graphischen Vereinigungen 


Altenburg. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung 
am 24. März 1910 hielt Herr Ed. Ehrlich einen interessanten 
Vortrag über: Das grammatikalische und orthographische 
Gebiet unsrer Muttersprache. — Am 6. April fand die Ge¬ 
neralversammlung statt, in welcher seitens des Vorsitzen¬ 
den der Jahresbericht erstattet wurde. Er stellte eine er¬ 
freuliche Weiterentwicklung der Vereinigung fest, auch die 
Kassenverhältnisse dürfen als befriedigende bezeichnet 


werden. In den Vorstand wurden gewählt: A. Tragsdorf 
Vorsitzender; O. Graf, Schriftführer; A. Scholz, Kassierer* 
H. Reichardt, Sammlungsleiter; A. Müller und C. Uhlig* 
Beisitzer. Die Bedingungen für ein Preisausschreiben zur 

Erlangung einer Johannisfestkarte wurden festgesetzt _ 

Am 20. April sprach Herr A. Scholz über den Satz des 
Buchtitels. Eine reichhaltige Ausstellung aus der Praxis 
entlehnter Titel unterstützte den Vortrag in lehrreicher 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Weise aufs beste. — Am 24. April besichtigte eine Anzahl 
Mitglieder das Deutsche Buchgewerbehaus in Leipzig, -o-. 

Berlin. In der Sitzung der Typographischen Gesellschaft 
am 5. April berichtete Herr Kulbe über Arbeiten der Typo¬ 
graphenklasse an der ersten Handwerkerschule, die im 
Buchgewerbesaal ausgestellt waren. Bei den Arbeiten habe 
es sich darum gehandelt, im Schriftzeichnen mit der Breit¬ 
feder die Druckschrift aus der Handschrift zu entwickeln, 
sie seien die Ergebnisse eines Schnellkurses von vier 
Wochen. Her Kulbe war der Ansicht, daß es erstrebens¬ 
wert sei, wenn zeichnerisch geübte Buchdrucker durch 
geschriebene und dann geätzte Zeilen den Anforderungen 
der Besteller gerecht zu werden vermöchten. Weiter sei es 
wichtig, das Farbenmischen beim Skizzieren von Akzidenz¬ 
arbeiten zu üben. Schließlich beantragte er, die Gesell¬ 
schaft möge eine Unterrichtskommission wählen, welche 
einen Plan zur Vorbildung im Landschaftzeichnen und zur 
Weiterbildung darin geübter Mitglieder ausarbeiten solle. 
Eine solche Kommission wurde in der folgenden Sitzung 
gewählt. Von dem Direktor Panzer der Aspirator-Company 
wurde sodann ein Staubsauger zum Reinigen der Schrift¬ 
kästen, der Satzbretter usw., der in mehreren Exemplaren, 
mit elektrischem Antrieb und von Hand betrieben, zur 
Stelle war, praktisch vorgeführt. Herr Piehler unterzog 
hierauf die Arbeiten eines Wettbewerbs der Graphischen 
Gesellschaft Magdeburg einer Besprechung und Herr 
Köhler berichtete namens der technischen Kommission 
über ein Verfahren zum Stereotypieren von Linoleum¬ 
platten, das sich unter Benutzung der Klausschen Ideal¬ 
mater oder des Ostermannschen Matritzenmaterials aus¬ 
führen lasse, wie ausgestellte Arbeiten des Herrn Sawannia 
in Stettin zeigten. Schließlich wurde noch das Mertens- 
sche Illustrations-Tiefdruckverfahren im Rotationsdruck 
erörtert. — In der folgenden Sitzung berichtete Herr Unruh 
über eine ausgestellte, von Herrn Görnitz zusammen¬ 
getragene Sammlung von Anzeigen aus den Tageszeitungen. 
Die an sich berechtigte Forderung, auch beim Inseratsatz 
ein geschlossenes und einheitliches Satzbild zu geben, 
werde leider vielfach durch die besonderen Wünsche der 
Auftraggeber bzw. der Anzeigenexpeditionen durchkreuzt 
und auch bei dem berechnenden Setzer könne man strenge 
Anforderungen in dieser Hinsicht nicht stellen. Derselbe 
Redner gab dann noch einen Bericht zu einer von ihm und 
Herrn Dümmler zusammengetragenen, im Versammlungs¬ 
räume ausgestellten Sammlung von über 100 illustrierten 
Werbeschriften größerer Verkehrsinstitute, die sich im all¬ 
gemeinen durch ein ansprechendes Äußere auszeichnen, 
aber vielfach auf recht schlechtes Papier gedruckt sind. 
Herr Wagner wies bei dieser Gelegenheit daraufhin, daß 
ein gut ausgeführtes Verkehrsbuch für Berlin nicht vor¬ 
handen sei. — Am 25. April konnten die Mitglieder unter 
Führung des Direktors der Kgl. Bibliothek, Herrn Geheim¬ 
rat Schwenke, dieses Institut in seinen neuen Räumen be¬ 
sichtigen. Wenn der gesamte Bau vollendet sein wird, 
bietet er Raum für etwa fünf Millionen Bände und wird 
damit alle bisher bestehenden öffentlichen Bibliotheken 
dem Raum nach überflügeln. Besonders dankenswert war 
es, daß für den Zweck dieses Besuches in dem Raume, 
der die alten und wertvollen Drucke enthält, zahlreiche 
Bücher aus den Glaskästen herausgenommen worden 
waren und so nicht nur einzelne Seiten, sondern ihr ganzer 
Inhalt besichtigt werden konnte. — Der Berliner Buch¬ 


gewerbesaal, der unter der Pflegschaft Berlin des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins besteht, hat auch im Jahre 1909, 
seinem achten Geschäftsjahre, sich in erfreulicher Weise 
weiter entwickelt. Die Benutzung des Saales hat eine 
weitere Zunahme und das Vermögen ungeachtet höherer 
Ausgaben eine Vermehrung erfahren. Der Saal mit seinen 
Nebenräumen wurde an 145 Abenden, häufig von mehreren 
Korporationen zugleich, zu Sitzungen, Versammlungen 
und Vorträgen benutzt. Neben den Korporationen, welche 
als Beteiligte an dem Unternehmen hier ihre Sitzungen 
und sonstigen Veranstaltungen abhalten, hat auch der Ver¬ 
band der Deutschen Typographischen Gesellschaften eine 
wesentliche Förderung dadurch erfahren, daß in den Neben¬ 
räumen des Saales die Arbeiten des Arbeitsausschusses 
erledigt und die regelmäßigen Sitzungen des Vorstandes 
abgehalten werden konnten. Die Einnahmen des Jahres, 
zu denen der Deutsche Buchgewerbeverein, der Verein 
Berliner Buchdruckereibesitzer, die Schriftgießereibesitzer 
von Berlin und Umgegend, die Korporation der Berliner 
Buchhändler, der Berliner Faktorenverein, und die Berliner 
Typographische Gesellschaft,sowiezahlreiche Einzelfirmen 
und Personen regelmäßige Beiträge leisten, beliefen sich 
auf M 3441.75, die Ausgaben auf M 2847.84, das Vermögen 
betrug am Jahresschluß M 5199.06. Erfreulicherweise 
wurden die abgelaufenen freiwilligen Verpflichtungen zur 
Unterstützung des Buchgewerbesaales bisher fast aus¬ 
nahmslos erneuert und es steht zu hoffen, daß es dieser 
für die Fortentwicklung der Druckkunst in der Reichs¬ 
hauptstadt notwendigen Zentralstelle auch in Zukunft nicht 
an fördernden Freunden und Gönnern fehlen wird. B. 

Bern. Die Schweizerische Typographische Kluhzentrale 
veranstaltete in Gemeinschaft mit der Schriftgießerei 
Stempel in Frankfurt a. M. ein Preisausschreiben, dem die 
Säkulumschrift zugrunde gelegt war. Der Text hierzu war 
nicht festgelegt worden, sondern konnte von den Teil¬ 
nehmern beliebig gewählt werden. In den Sitzungen wer¬ 
den neben Aufgaben, die den Meinungsaustausch anregen, 
auch Preisfragen gestellt, deren erste lautet: Wie kann der 
Setzer oder Maschinenmeister seine geistige und körper¬ 
liche Tätigkeit am besten fördern? Die Frage ist von etwa 
15 Mitgliedern in umfangreichen Aufsätzen behandelt 
worden, von denen einige veröffentlicht werden sollen. 

Braunschweig. In der Sitzung der Typographischen 
Vereinigung am 19. März 1910 hielt HerrZiV/imfeeausLeipzig 
einen Vortrag über: Streifzüge durch die moderne Reklame, 
welcher durch eine große Ausstellung moderner Geschäfts¬ 
drucksachen und Plakate bestens unterstützt wurde. — Am 
8. April berichtete Herr Piepenschneider über das Illustra¬ 
tionstiefdruckverfahren des Herrn Dr.Mertens. Der Redner 
versprach sich von dieser Erfindung eine bedeutende Zu¬ 
kunft. — Am gleichen Tage wurde das Resultat des Mit¬ 
gliedskarten-Wettbewerbes, dessen Bewertung die Typo¬ 
graphische Vereinigung Hannover übernommen hatte, 
bekannt gegeben. Es erhielten I. und II. Preis: R. Bosse, 
III. Preis: W. Klee, lobende Erwähnungen R. Bötel und 
K. Haberland. Der I. Preis soll ausgeführt werden. — In 
der am 12. April abgehaltenen außerordentlichen Ver¬ 
sammlung wurde Herr Räbbel an Stelle des bisherigen 
Kassierers, der infolge Fortzugs sein Amt niederlegte, ge¬ 
wählt. 

Breslau. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft am 6. April besprach Herr Hendel den 10. Jahrgang 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


von Klimschs Jahrbuch. Er führte aus, daß auch dieser 
Jahrgang sich in textlicher Beziehung würdig seinen Vor¬ 
gängern anschließe. Mit der technischen Ausstattung könne 
er sich dagegen nicht einverstanden erklären, er vermisse 
die Einheitlichkeit und dann erscheine ihm die gewählte 
Schrift, die Ehmcke-Antiqua, die ja als Akzidenzschrift 
ganz schön sei, als Buchschrift nicht geeignet. Herr Zantke 
berichtete sodann über das neue Bilddruckverfahren, den 
sogenannten Mertensdruck. Er brachte hierüber einen Ar¬ 
tikel aus der Sonderausgabe der Freiburger Zeitung zur 
Verlesung. Herr Matzke gab schließlich noch Kenntnis 
von einem Reichsgerichtentscheid, wonach bei Kopier¬ 
drucksachen, wie Briefbogen, Rechnungen und dergleichen 
die letzten zwei Jahreszahlen handschriftlich einzufügen 
sind. — In der Sitzung vom 20. April erstattete Herr Mas- 
lankowski Bericht über zwei Wettbewerbe aus Posen, die 
in ihrer Mehrzahl ganz gute Arbeiten enthalten. Einen gut 
ausgearbeiteten Bericht über: Die Stellung und Beschrif¬ 
tung von Illustrationen hielt sodann Herr Bunke. Er gab 
zum Schluß seiner Meinung dahin Ausdruck, daß man 
wohl eine feste Norm hierfür überhaupt nicht aufstellen 
könne, sondern stets von Fall zu Fall werde entscheiden 
müssen. In dem anschließenden Meinungsaustausch waren 
die meisten Redner derselben Ansicht. Die Frage: Was 
versteht man .unter Reißlänge des Papiers, wurde der tech¬ 
nischen Kommission zur Beantwortung überwiesen. Herr 
Schuttes warf die Frage auf: Wie hat der Satz des Rücken¬ 
titels zu erfolgen; man entschied sich dafür, daß der 
Satz des Rückentitels von oben nach unten zu geschehen 
habe. G-e. 

Frankfurt a. M. In der Sitzung der Typographischen 
Gesellschaft am 14. April 1910 lag eine Rundsendung des 
Verbandes der DeutschenTypographischenGesellschaften, 
Arbeiten der Wiener Lehr- und Versuchsanstalt zur An¬ 
sicht aus. Die Besprechung dieser umfangreichen Aus¬ 
stellung hatte Herr Karrenberg übernommen. — Der von 
Herrn Hutterer geleitete Kalkulationskursus, der sich über 
fünf Abende erstreckte, fand am 21. April seinen Abschluß. 
Behandelt wurden: Berechnung von Satz einschließlich 
Entwürfen, Platten, Galvanos und Autotypien, ein- und 
mehrfarbigem Druck (Flach- und Rotationsdruck), die Pa¬ 
pierkenntnis und -berechnung, die Buchbinderarbeiten, 
sowie die Geschäftsspesen und Betriebskosten. Auf Grund 
der über diese Punkte gemachten Ausführungen wurden 
dann am letzten Unterrichtsabend fertige Druckarbeiten 
berechnet. — Über die Entwicklung der Illustration , mit 
besonderer Berücksichtigung der für Frankfurter Verleger 
tätigen Künstler, sprach am 28. April Herr Mori. Eine 
reichhaltige Ausstellung von alten Kupferstichen und Holz¬ 
schnitten aus dem 14. bis 18. Jahrhundert unterstützten 
die interessanten Ausführungen. -ß-, 

Gera. In der Sitzung der Typographischen Vereinigung 
am 30. April war die Rundsendung Wiener Schülerarbeiten 
ausgestellt, die besprochen wurde. Herr Hemmann 
erstattete sodann den günstig abschließenden Kassenbe¬ 
richt. -ch. 

Hamburg. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft vom 6. April war die Rundsendung No. 64 des Ver¬ 
bandes, enthaltend Schülerarbeiten der k. k. Graphischen 
Versuchsanstalt in Wien ausgestellt. Dieselbe zeigte durch¬ 
weg hervorragende Arbeiten und gab zu einer regen Aus¬ 
sprache Veranlassung. -— In der Sitzung am 13. April waren 


die Prüfungsarbeiten der Hamburger Setzerlehrlinge aus¬ 
gestellt und wurden von Herrn Karl Trenkner besprochen. 
Die Arbeiten bewegen sich in den hergebrachten Bahnen, 
ein Fortschritt gegen das Vorjahr ließ sich nicht erkennen. 

— Am 27. April fand die ordentliche Hauptversammlung 
statt. Der Kassenbestand betrug M 311.10, bei einer Ein¬ 
nahme von M 1274.43 und einer Ausgabe von M 963.32. 
Vom Buchdruckerverein in Hamburg-Altona wurden M 100 
übermittelt. In der Hauptversammlung wurde beschlossen, 
die regelmäßigen Vereinsabende alle 14 Tage statt wie bis¬ 
her alle 8 Tage stattfinden zu lassen. In den Vorstand wur¬ 
den gewählt die Herren: Karl Trenkner, 1. Vorsitzender; 
Joh. Lohmeier, Kassierer; S.ArthurEggers, 1. Schriftführer; 
Wilhelm Arnold, Bibliothekar; Th.Elvers,Sammlungsleiter, 
Willy Schulz und Th. Hellmann, Revisoren. -rs. 

Hannover. In der Sitzung der Typographischen Ver¬ 
einigung am 2. März 1910 war eine Rundsendung des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften 
ausgestellt, die besprochen wurde. Herr Alberti sprach 
über: Die Linie als Ornament. Die Linie, das einfachste, 
durch geschickte Anwendung vornehm wirkende Orna¬ 
ment, spielt in der heutigen Ausstattung die Hauptrolle. 
An Hand zahlreicher Beispiele zeigte Redner die Anwen¬ 
dungsmöglichkeiten einer Linie. Bei Verwendung mehrerer 
Linien nebeneinander sei ein guter Effekt durch gleich¬ 
mäßige Bildstärke und gleichmäßige Zwischenräume zu 
erzielen, andernfalls müßten die Bildstärken der einzelnen 
Linien imKontrastzueinander stehen, ebensodieZwischen- 
räume derselben. Eine einfache Linie in entsprechendem 
Abstand zu einem gut gruppierten und gesetzten Satz¬ 
arrangement ist das vornehmste Ornament. Bei über- bzw. 
durchlaufenden Linien ist stets das untere Feld etwas höher 
zu setzen. — Am 15. März fand eine Besichtigung der Lan- 
ston Monotype in der Göhmannschen Druckerei (Fr. Diers), 
am 18. März im Gewerbeverein ein Vortrag des Herrn Dr. 
Otto Kümmel -Berlin statt über: Shosoin, das Schatzhaus 
des Kaisers von Japan und seine Kunstschätze, erläutert 
durch Lichtbilder. — Zur Auslage und Besprechung ge¬ 
langte in der Sitzung am 16. März wiederum eine Rund¬ 
sendung des Verbandes der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften. Vorgenommen wurde sodann noch eine Be¬ 
wertung von Entwürfen aus dem Skizzierkursus der Typo¬ 
graphischen Vereinigung Braunschweig. Im Anschluß an 
den nunmehr beendeten Zeichenkursus hielt Herr Stücken 
einen einleitenden Vortrag zu dem in Aussicht genommenen 
Tonplattenschneide-Kursus. 

Karlsruhe 1. B. In der Sitzung der Typographischen 
Vereinigung am 4. Mai 1910 waren 50 Dreifarbendrucke 
nach dem Lumifcreverfahren, hergestellt von der Firma 
C.A. Wagner zur Ausstellung gelangt. An Hand des bei¬ 
liegenden erschöpfenden Berichtes wurden dieselben be¬ 
sprochen. Nach Erledigung einiger Eingänge teilte der 
Vorsitzende noch mit, daß die Einführung des theore¬ 
tischen Fachunterrichts an der Gewerbeschule in Aussicht 
genommen ist. sc j 1 

Leipzig. In der Sitzung der Typographischen Gesell¬ 
schaft am 6. April 1910 fand eine Besprechung von Schüler¬ 
arbeiten des dritten und vierten Schuljahres der Leipziger 
Buchdruckerlehranstalt statt. Bei den Arbeiten der Setzer¬ 
klasse wurde auf Schrift, Ausschließen und Sperren be 
sonderes Augenmerk gerichtet. Die von der Setzerklasse 
hergestellten Arbeiten wurden von der Druckerklasse zu 


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z ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


praktischen Druckversuchen benutzt. Das Farbengefühl 
im sicheren Erkennen der Farbtöne wird durch Verwen¬ 
dung der Farben auf verschiedenen Papieren geübt. — Das 
33. Stiftungsfest wurde am 9. April in der üblichen Weise 
gefeiert. — Über ein neues Illustrationsverfahren des Dr. 
Mertens in Freiburg i. Br. wurde in der Sitzung am 20. April 
berichtet. Das Verfahren besteht darin, daß das Bild direkt 
auf einen lichtempfindlich gemachten Druckzylinder ko¬ 
piert und geätzt wird. Durch ein sinnreiches, einfaches 
Verfahren wird das tiefliegende Bild wie beim Kupfer¬ 
druck eingefärbt. Das neue Verfahren soll die Tages¬ 
zeitungen auf billige Weise mit Bildschmuck versehen. 
Ferner wurde noch über den jetzt beendeten Kursus im 
Berechnen von Drucksachen berichtet. Zu wünschen sei, 
daß derartige Kurse in Gemeinschaft mit den Arbeitgebern 
und den Typographischen Gesellschaften überall einge¬ 
führt würden. Der durchschnittliche Besuch der 17 Übungs¬ 
abende betrug 31 Schüler. 

Leipzig. In der Sitzung der Typographischen Vereinigung 
am 13. April 1910 hielt Herr Emil Rauschenbach einen Vor¬ 
trag über: Die Entwicklung der Schrift vom klassischen 
Altertum bis auf die Gegenwart. Der interessante Vortrag 
wurde durch zahlreiche Lichtbilder unterstützt. Aus dem 
Wettbewerb für einen Jahresberichtentwurf, dessen Be¬ 
wertung dieGraphische Vereinigung Dresden übernommen 
hatte, gingen acht Preisträger hervor: Richard Günther, 
Georg Voigtmann, Matthes Weiner, Hans Andersen; lobend 
erwähnt wurden: Ewald Rietschel, Hans Altmeyer-Buda- 
pest, Bruno Dressier und Heinrich Zeh. — Das sechste 
Stiftungsfest der Vereinigung fand am 23. April statt. Der 
Generalversammlung am 27. April lag der Jahresbericht 
gedruckt vor. Im verflossenen Winter wurden außer zwei 
Skizzierkursen noch ein Kalkulationskursus in drei Ab¬ 
teilungen den Mitgliedern geboten: Abteilung a) für Kal¬ 
kulation des Werksatzes, b) Kalkulation des Akzidenzsatzes, 
c) Kalkulation im Druckersaale. 84 Mitglieder nahmen an 
diesem Kursus teil. Auf Veranlassung der Vereinigung 
stellten verschiedene Gießereien besondere Schriftproben 
für Skizzierkurse her. Für das neue Vereinsjahr wurde Herr 
Anton Pschera, Dresdnerstrasse 29, III wiederum als Vor¬ 
sitzender gewählt, die übrigen Vorstandsmitglieder sind die 
Herren: Andersen, Bögler, Hillmann, Krebs, Richters, Riet¬ 
schel, Schmaltz und Sparmann. Gkr. 

Liegnitz. In der Hauptversammlung der Graphischen 
Vereinigung wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. 
Mit Rundsendungen und Ausstellungen war die Vereini¬ 
gung reichlich versehen. Besondere Beachtung fand neben 
dem Neujahrskarten-Austausch die von der Firma Curt 
Nietschmann, Halle a. S. zur Verfügung gestellte Samm¬ 
lung besserer Akzidenzen. — Am 9. April fand die Feier 
des sechsten Stiftungsfestes statt. Bei dieser Gelegenheit 
waren die Arbeiten aus dem beendeten Skizzierkursus aus¬ 
gestellt. -tz. 

München. In der Sitzung der Typographischen Gesell - 
schaff am 13. April 1910 sprach Herr IV. Dietzel über den 
Satz von Musiknoten. Gleichzeitig wurde das Setzen und 
Ablegen dieser Satzart auch praktisch vorgeführt, wodurch 
das Interesse am Vortrag erhöht wurde. — Am 27. April 
sprach Herr Paul Gunkel über: 30 Jahre Akzidenz. Der 


Redner wies an Hand einer hochinteressanten Ausstellung 
von Arbeiten des Herrn A. KirchhofP-Stuttgart auf die ver¬ 
schiedenartigen Wandlungen hin, die unser Gewerbe in 
dieser verhältnismäßig kurzen Zeit durchlebt hat. — Ein 
Anfangs dieses Jahres begonnener Einführungskursus in 
das Berechnen von Druckarbeiten, der von Herrn Bickardt 
geleitet wurde, endigte am 6. Mai mit gutem Erfolg. Die 
zahlreichen Teilnehmer erwiesen sich mit ganz geringer 
Ausnahme ausdauernd bis zum Schluß. Der Kursus wird 
im Herbst fortgesetzt werden. -el-. 

Stuttgart. In der29. Hauptversammlung des Graphischen 
Klubs am 17. April 1910 wurden vom Vorsitzenden und dem 
Schriftführer die Berichte erstattet, aus denen zu entnehmen 
war, daß das verflossene Geschäftsjahr einen recht erfreu¬ 
lichen Verlauf genommen hat. Der von Herrn Oberlehrer 
Baß erteilte, den Bedürfnissen des graphischen Gewerbes 
angepaßte Lateinunterricht findet demnächst sein Ende. 
Der vollständige Lehrgang ist vom Klub in Druck gegeben 
und wird Ende Mai erscheinen. — Der Vermögensbestand 
beträgt M 1200 gegen M 988 im Vorjahre. Die Neuwahl 
des Gesamtausschusses ergab die Wiederwahl des alten 
mit Ausnahme eines ablehnenden Beisitzers, an dessen 
Stelle Herr Paul Beyerling gewählt wurde. — Ausgestellt 
waren 40 Tafeln Erfurter Arbeiten mit Bericht und 48 Ta¬ 
feln Originalentwürfe in Farben- und Lichtdruck aus dem 
Vorlagewerk: Graphische Neuheiten. -sch. 

Wien. In der Jahresversammlung der Graphischen Ge¬ 
sellschaft wurde der Jahresbericht erstattet, aus dem her¬ 
vorgeht, daß sich der Schuldenstand der Graphischen 
Gesellschaft aus der Zeit der Druckereigründung weiter 
vermindert hat und noch buchmäßig 3155 Kronen beträgt. 
Das Ergebnis der Vorstandswahl ist: Anton Hölzl,Obmann; 
Rudolf Freyler,Obmann-Stellvertreter; RobertHnizdo,Karl 
Hammer, Leo Geller, Josef Kramer, Franz Kubelka, Rudolf 
Laager, Karl Machanek, Ferdinand Michl, Franz Novak, 
Ludwig Prihoda, Georg Schultes, Rudolf Seyfried, Alexander 
Wolf, Josef Hubmaier, Ausschußmitglieder.— Die Gesell¬ 
schaft trat an die k. k. Graphische Lehr- und Versuchsan¬ 
stalt heran, Abendkurse für Setzer und Drucker einzurichten, 
und ist Aussicht vorhanden, daß diesem Ansuchen ent¬ 
sprochen werde. -t-. 

Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
7. Mai 1910 sprach Herr Hille über: Die Illustrationsdruck¬ 
verfahren von den ersten Anfängen des Holzstiches bis 
zum Mertensdruck, wobei er den letzteren durch die auf¬ 
liegenden Nummern der Freiburger Zeitung den Mitglie¬ 
dern vor Augen führte. Die Ausführungen wurden unter¬ 
stützt von einem reichhaltigen Anschauungsmaterial an 
Druckproben aller Reproduktionsverfahren, sowie an fer¬ 
tigen und halbfertigen Holzschnittdruckstöcken, bei wel¬ 
chen besonders die Übertragung des Originals auf den 
Druckstock mittelst der Photographie lebhaftes Interesse 
erweckte. Rundsendung 57 des Verbandes der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften: Neuerscheinungen der 
Gießereien und die neuesten Nummern der Fachliteratur 
lagen auf. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für eine Johannisfestdrucksache des Ortsvereins Zittau 
im Verband der Deutschen Buchdrucker wurde ausge¬ 
schrieben. -dl-. 


163 


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PRINCETON UNIVERSUM 




1 


ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge 


V Von graphischen Fachschulen. Wie in den Vorjahren, 
so hat die Fachliche Fortbildungsschule für Buchdrucker in 
München auch für das Schuljahr 1908/09 einen Jahresbericht 
herausgegeben, der Aufschluß gibt über die gedeihliche 
Weiterentwicklung dieser Unterrichtsanstalt. Neben dem 
Jahresbericht kam auch wieder eine Mappe mit zahlreichen 
Schülerarbeiten der Setzer- und Druckerklassen zur Aus¬ 
gabe. Diese Arbeiten dürften erneut als das Ergebnis der 
an dieser Stelle bereits wiederholt gekennzeichneten, ziel¬ 
bewußten Art der Unterrichtserteilung bezeichnet werden. 
Es scheint fast, als habe man im neuesten Unterrichtsjahre 
die Einfachheit in der Satzanordnung noch mehr zur Gel¬ 
tung gebracht als vordem. Der Materialbestand der Lehr¬ 
werkstätteist erheblich vermehrt worden, wodurch zugleich 
eine größere Abwechslung im Satzbilde erzielt ist. Wie 
bisher, so wurde auch bei der Mehrzahl der neuesten Blätter 
auf einen technisch gut durchgearbeiteten Satz der Haupt- 
wert gelegt. Ornament und Farbe treten weniger in den 
Vordergrund, was auch als durchaus richtig bezeichnet 
werden muß. Trotz der rein typographischen Wirkung, die 
den Arbeiten eigen ist, zeigt sich an ihnen doch auch der 
günstige Einfluß des an der Anstalt erteilten Zeichenunter¬ 
richts, bei dem die technischen Eigenschaften des typo¬ 
graphischen Materials gebührende Beachtung finden. Das 
gute Hand-in-Hand-Arbeiten des Zeichen- und Fachunter¬ 
richts äußert sich ferner an vielen Arbeiten, die im Zeichen¬ 
unterricht entworfen und dann im Fachunterricht zur prak¬ 
tischen Ausführung kamen. Neben dem Jahresbericht 
enthält die Mappe noch drei kleine Oktavhefte, die als Unter¬ 
richtswerke Verwendung finden. Das Heftchen Fundamenta 
latina von Joseph Mager führt in die Anfangsgründe der 
lateinischen Sprache ein, es enthält also das Notwendigste 
dieser grundlegenden Sprache für den Buchdrucker. Hans 
Popp gibt in einem zweiten Heftchen eine Abhandlung über 
Entwicklung und Verbreitung der Schreibkunst bei den 
Deutschen, während das dritte Heftchen Perlen der neueren 
Literatur enthält. Sämtliche Hefte sind zugleich Proben 
des Unterrichts im Satz und Druck. Diese kleinen Mono¬ 
graphien müssen als ganz vortreffliches Unterrichtsmate¬ 
rial sowohl in der Hand des Lehrers, wie in der des 
Schülers bezeichnet werden, sie legen aber auch Zeugnis 
davon ab, daß die Leitung der Schule ständig auf den Aus¬ 
bau des Lehrplanes und der Vervollkommnung des Unter¬ 
richtsmaterials bedacht ist, was zweifellos im Interesse des 
Fortschrittes liegt. Die aus dem Fachunterricht der Drucker 
hervorgegangenen Ein- und Mehrfarbendrucke geben wie¬ 
der den Beweis, daß die Schüler auch an die Lösung 
schwieriger Aufgaben herantreten müssen. Die Ergebnisse 
des Unterrichts sind auch hier sehr anerkennenswerte. S. 

W Die Schriftlithographie von Friedrich Hesse , Wien. Lie¬ 
ferung 6 und 7. Halle a. S. f Verlag von Wilhelm Knapp. 
Über den speziellen Inhalt dieser beiden Fortsetzungshefte 


des nunmehr seiner Vollendung entgegengehenden Lehr¬ 
buches ist nicht viel zu sagen, denn es finden in ihnen die 
früher begonnenen Abschnitte entsprechende Fortsetzung. 
In den Kapiteln 6—8 ist von der chemischen Präparation 
des Lithographiesteines, vom An- und Probedruck, sowie 
vom Umdruck ausführlicher die Rede. Im 9. Kapitel wird 
die Photolithographie behandelt. In breiter Form wird dann 
die Schriftlithographie erklärt und dieses Kapitel durch 
mehrere Tafeln erläutert. Auffallenderweise sind auf diesen 
Tafeln neuere Buchdruckschriften gezeigt, was nur begrüßt 
werden kann, denn solche vollkommen durchgearbeitete 
Schriftformen wirken zweifellos erzieherischer als zwang¬ 
los lithographierte oder nur entworfene Schriftenvorlagen, 
wie sie sonst stets gegeben werden. Die Ausstattung der 
Hefte ist wieder eine sehr gute. -c-. 

W Die photographische Kunst im Jahre 1909. Ein Jahr¬ 
buch für künstlerische Photographie herausgegeben von 
F. Matthies-Masuren. Achter Jahrgang. Halle a. S. Verlag 
von W. Knapp. Preis geheftet M 8.—, gebunden M 9.—. 
Mehr als die Hälfte der im diesjährigen Jahrbuche enthal¬ 
tenen Bilder sind der vortrefflichen Sammlung von Lieb¬ 
haberphotographien, die im vorigen Jahre in Dresden 
ausgestellt war, entnommen. Dadurch gibt dieser Band 
zugleich eine ausgezeichnete Übersicht der Dresdner Aus¬ 
stellung, was sicher vielen willkommen sein wird. Der Text¬ 
teil ist diesmal getrennt von den Abbildungen auf rauhes 
Papier gedruckt, während zum Druck der Beilagen glän¬ 
zendes Papier gewählt wurde. Dieser Umstand ist insofern 
interessant, als im vorigen Jahre ein Versuch mit Mattkunst¬ 
druck gemacht wurde, wobei dieser scheinbar zur Unzu¬ 
friedenheit des Herausgebers ausgefallen ist. Wir brauchen 
das Jahrbuch, das von allen Liebhaberphotographen, die 
ihren Bildern ein künstlerisches Gepräge geben wollen 
hochgeschätzt wird, nicht weiter zu empfehlen. Gg. 

V Photographischer Abreißkalender 1910. Halle a. S. Ver¬ 
lag von W. Knapp. Preis M 2.—. In gleicher Ausstattung, 
wie in früheren Jahren erschien auch diesmal pünktlich zu 
Weihnachten der photographische Abreißkalender. Er hat 
sich in photographischen Kreisen bereits so weit eingebür¬ 
gert und ist so bekannt, daß wir uns mit diesem einfachen 
Hinweis begnügen können. Gg. 

W A. Niemann , Die Photographie auf Forschungsreisen. 
Zweite Auflage. Berlin 1909. Verlag von Gustav Schmidt 
(vorm. R. Oppenheim). Preis geheftet M 2.50, gebunden 
M 3.20. Das Buch enthält eine kurze Beschreibung der 
photographischen Technik unter besonderer Berücksich¬ 
tigung der Anforderungen, welche eine Forschungsreise 
an die einzelnen Teile der photographischen Ausrüstung 
stellt. Die hier gegebenen Ratschläge könnten nicht nur 
wissenschaftlichen Expeditionen, sondern auch harmlosen 
Vergnügungsreisenden, besonders bei Reisen im wärmeren 
Klima, viele Fehlaufnahmen ersparen. Gg. 


Inhaltsverzeichnis 


Das Buchgewerbe auf der Weltausstellung Brüssel 1910. 
S. 133. — Über Rotationstiefdruck. S. 136. — Gutenberg 
im Licht der Schulbücher. S. 143. — Unterricht in künst¬ 
lerischer Schrift. S. 146.— Die Merkantillithographie. S. 148. 
— Die variablen Rotationsmaschinen in ihrer heutigen Voll¬ 


kommenheit. IV. S. 150. — Die neue Bibel der Reichs¬ 
druckerei S. 159. — Aus den graphischen Vereinigungen. 
S. 160. — Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene 
Eingänge. S. 164. 

8 Beilagen. 


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PRINCETON UNfVERSITY 


KORBCR & CO.« DÜSSCLDORF 


Filialen in Berlin, Leipzig, Hamburg, Paris, Wien 

Brief-Adresse: Körber & Co., Düsseldorf, Graf Adolfstraße 46 • Telegr.-Adresse: Gaskörber Düsseldorf 
Bank-Konto: Allgemeine Deutsche Kredit-Anstalt und Düsseldorfer Handwerker-Genossenschafts-Bank 

Fernsprecher ür. 15847 • Postscheck-Konto Ilr. 2069 


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HAUPTKONTOR: SCHILLERSTRASSE 58 • WER KSTÄTTEN: THOMASRI NG 29 


Kunstöfen in jeder Stilart • Heizkörper-Verkleidungen in 
jedem Material als: Majolika, Marmor, Stein, Metall, Holz 
Kunstschmiede- und Treib-Arbeiten nach eigenen oder 
gegebenen Entwürfen • Künstlerische Bildhauerarbeiten 


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Kochanlagen, Herde, Spießbrat- und Grillier-Apparate 
Dauerbrandöfen und Kamin-Einsätze verschiedener Art 
Komplette Bade-Einrichtungen • Fliesen und Marmor- 
Wandbekleidungen • Platten-Fußboden • Mosaik-Belag 


DEN 19 






Beilage zum 


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Drtifcfc'vörJ Wilhelm Fugmann, Leipzig- 

PRINCETON UNIVERSITY 

























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PRINCETON UN1VERSITY 




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N Ew. Hoch wohlgeboren! 

unmehr find feit Gründung 
meines Goldwaren** und Juwelen^ 
Gefchäftes fünfzig Jahre verflolTen. 
Durch Schaffensfreudigkeit, gepaart 
mit eifernem Fleiß und Hochhaltung 
des ftreng reellen Gelchäftsprinzips, 
hat lieh die Firma ihre angefehene 
Stellung erworben. / Aus Anlaß der 
Wiederkehr des Fünfzigjährigen 
Gründungstages geftatte ich mir. 
Ihnen einen Jubiläums^Katalog zu 
überreichen. / Derfelbe wird eine 
Abhandlung über die Entwicklung 
unferes Haufes und die von mir 
geführten Artikel in gut illuftrierter 
Form zur Anfchauung bringen./ 
Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß 
die wertvollen Verbindungen ge** 
feftigt und neue angeknüpft werden. 
Mit freundlichen Grüßen 
Ihr ergebener 

Joachim Baumgarten 

Gold** und Silberwaren ^Fabrik 


Leipzig ^Gohlis j 

im September 1910 J 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


Drude von Günther, Klrßein *2D Wendler, Leipzig 


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PRINCETON UNIVERSITY 













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— = ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


C. RÜG ER, LEIPZIG 

MESSINGLINIENFABRIK 

QEGR. 1879 


Franz Dahlinger-Leipzig 

Fernruf 5065 PapiepgPoBhandlung Roß-Straße 6 


SPEZIRUTfiT: 

Kunstdruck- 
lllustrationsdruck- 
Werkdruck-, Post- 
Packpapiere 


Albert-Rfcher- 
Ualvanos 

bringen die feinüen /^T_ 

Details des Q rjdinai- J k 
kliicheeshSs. I 


:: (23auernfchrift) :: 

gc 3 cichnct. DTIit diefcr Schöpfung 
hat der heroorragende ftünftler 
eine ungemein praktifche Schrift 
oon bleibendem 223erte gefchaffen 

CJ.DZumrich & Go. 

Ceip3ig :: Schriftgießerei 


Graphische 

Lehrkraft 

gesucht als Leiter einer an 
der hiesigen Schule zu er¬ 
richtenden Klasse für Litho¬ 
graphen, Setzer, Drucker, 
Graveure usw. Es wird 
Beherrschung des gesam¬ 
ten graphischen Gebietes 
verlangt, ferner erfolg¬ 
reiche Betätigung für die 
Praxis. Gehalt nach Ver¬ 
einbarung. Lebenslaufund 
Zeugnisabschriften sowie 
Arbeiten einzusenden an 
den Unterzeichneten Direktor 
Frankfurt a. M., 14. Mai 1910 
Kuratorium der 
Kunstgewerbeschule 
i. A. Prof. Luthmer. 


9 IZaj fröhlich 


hat die oon uns herausgegebene 
und oon namhaften Autoritäten 
fehr günftig befprochene, in erften 
Druckereien bereits eingeführte 


Srift ÜKeuterfch rift 


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Original fram 

PRINCETON UNIVERSITY 


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MÜHS/U1 

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gegr. /<r<f5. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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Monographien 

des 

Buchgewerbes 

herausgegeben vom 
Deutschen 
Buchgewerbeverein 


I. Band: ANTIQUA ODER 
FRAKTUR ? (Lateinische 
oder Deutsche Schrift?) Eine 
kritische Studie von Dr. Aug. 
Kirschmann. 75 Seiten um« 
fassend. Geheftet Preis M1 — 

II. Band: FARBENPHOT O« 
GRAPH IE UND FAR« 
BENDRUCK von Dr. E. 
Goldberg, Leipzig. 84 Seiten 
umfassend mit 8 Abbildungen 
im Text und 12 Tafeln mit 
6 einfarbigen sowie 16 mehr« 
farbigen Abbildungen. Ge« 
heftet Preis M 1.50 


Durch alle Buchhandlungen zu 
beziehen. — Wenn nicht er« 
hältlich, dann direkt von der 

Geschäftsstelle des 
Deutschen 
Buchgewerbevereins 


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C. SCHWARZ vomEMIL HAUCK, LEIPZIG 

GALVANISCHE DRUCKFIRMEN 


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11 

6 

j Soltaaer Nachrichten, Soltau 


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Bei Bestellung von 0 Stück und mehr einer Schriftgattung und gleiohem Text 
ä M. 1.—, bei geringerer Anzahl als 6 Stück ä M. 1.25, gegen Nachnahme oder 
vorherige Einsendung des Betrages. 


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in Sonderanfertigungen zu Fabrikpreisen 

Spezialitäten: 

Werk-, Katalog- und Illustrationsdruck, Kunstdruck, geklebte 
Elfenbeinkartons, Farben-, Landkarten- und Kupferdruck. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Moderne Schnellpressen 



Lichtdruck, Blechdruck 


Zinkdruck-Rotationsmaschinen 

für direkten und Indirekten Druck 

Zylinder- und Flach-Bronzier- 
und Abstaub-IWaschinen 

baut In bewährter Ausführung die 

Leipziger 

Schnellpressen-Fabrik 

Akt.-Ges., vorm.Schmiers, Werner & Stein, Leipzig 


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Küljtfdje Cljarakterfdjriften 


| Antiqua Venetia $ Tlüßffcfje Kurfw j :: rtemuerktype:: I SftuIjtfcJje Sraftur \ 

C.V. Hüijt ♦SdjrijSgteßeret inCetpitg 


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für Buchdruck, Steindruck 


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PRiNCETON UNIVERSITY 


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MEISENBACH RIFFARTH 8 Q 


BERLIN 


LEIPZIG =* MÜNCHEN 


Graphische Kunstansfalfen. 


Zinkographie 

Dreifarbendruck 

Galvanoplastik- 


BuchdruckSteini 
druck-Kupfer» 
druck-Lichfdruck 

'W 


Erste Referenzen! Bequeme Zahlungs 
Bedingungen! Angebote, Druckproben 






















































































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


DEUTSCHER BUCHGEWERBEVEREIN □ LEIPZIG 


Zum Besuche der in dem Deutschen Buchgewerbehause zu 
Leipzig, Dolzstraße 1, nahe dem Gerichtsweg befindlichen 

STÄNDIGEN BUCHGEWERBLICHEN 


MASCHINEN¬ 

AUSSTELLUNG 


laden wir alle Fachleute, sowie Abnehmer von Maschinen ergebenst 
ein. Ausgestellt sind Schnellpressen für Buch- und Steindruck, Tiegel¬ 
druckpressen, Draht- und Fadenheftmaschinen, Bronziermaschinen, Falz¬ 
maschinen, Papierschneidemaschinen, Kartonnagenmaschinen, 
Bogenanleger, Setzmaschinen, Packpressen usw. 


Gebrüder Brehmer, Leipzig 

Dresdener Schnellpressenfabrik 
Hauß, Sparbert & Dr.Michaelis, 
Coswig i. Sa. 

Henry Garda, Leipzig: Lanston- 
Monotype, Buchstaben-Gieß- u. 
Setzmaschine 

A. Gutberiet & Co., Falzmaschi¬ 
nenfabrik, Leipzig- A nger 

Himmer & Köhler, Maschinen¬ 
fabrik, Aachen. 

Kleim & Ungerer, Bogenzufüh¬ 
rungsapparate- und Maschinen¬ 
fabrik, Leutzsch-Leipzig 

Karl Krause, Maschinenfabrik, 
Leipzig 


Leipziger Schnellpressenfabrik, 
A.-G., vormals Schmiers, 
Werner & Stein, Leipzig 

J. G. Mailänder, Schnellpressen¬ 
fabrik, Cannstatt-Stuttgart 

Erste Mannheimer Holztypen¬ 
fabrik, Sachs & Co., Mannheim 

Preuße & Comp., G.m.b.H., 
Maschinenfabrik, Leipzig 

J. G. Scheiter & Giesecke, 
Maschinenfabrik, Leipzig 

Schriftgießerei D.Stempel, A.-G., 
Frankfurt a.M. 

Schroeder, Spieß & Croß, G.m.b.H., 
Bogenzuführer „Rotary“, Leipzig 


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PRINCETON UN1VERSITY 





ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Hermann Scheibe ■ Leipzig 

Gegründet 1857 Brief-Kuvert-Fabrik Kncbenganenstr. 14/16 

Reichhaltiges Lager von Kuverts, sowie ^ 
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Buchbinderei 

Leipzig 


Gegründet im Uahre 1844 


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über die Ghmcke-Rurßv aus - 
jufpvechen. Aus ihr fprieht 
ein fubtiler und überlegter 
künßlerifcher Geiß; die feine / 
konfequente Durchdringung 
Zweier eigentlich widerßre- 
bendec Prinzipien iß über- 
rafchend gelöß. Ganz ab ge- 
ßhen von derprakti/cken Ver¬ 
wendbarkeit iß diefe Schriß 
eine geißreiche Leißung, die 
dem Rennerauge Gntjücken 
bereitet . 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Sffa/z/färfa. Jffl. 


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J0ezzZsz7e 7i7ertszZzr/yz „ Tftezfzzzzzzzz ", TTzzz/ztfi/rier SSzzcZzszZzrz/Z 
Sfär/zSezizze/' jTzzzzz/ez, JffSrf/wez/zscfi/zfZ, 77/rfzze- JTzZz^zzzz 
jTzseraZscSrz/Zezz „ TTozzzeZ " „ Co/zz/>/-esszz " „ 7%e/&rzzz " „ TWasszzz' 
„ TrizfzzzzZezz " zz/zz/ „ SBzeder/zzezer ", 7%zz/z/zzzeesz7z-zyz 
jTztezzf- Szrfrez£szrf/-zJ?e/z, Serie 7zzzzzz?ere zzzzzt 77tz-d/Zzz/e. 


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PRINCETON UNiVERSITY 








































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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„ 3. KUN6TDRUOKEREI J. 8ITTEHFELD. „ ». p i e dr. pot.TAU’s ^uchdruchbrbi. 

„ 4. Jo^annt* Skilift tn Dretben. „ jo. Faber »che Buchdruckerei Magdeburg 

, S. DEOTSCHB MODDÜtnONO I.M1ZIO n 1 I. Q«JrucH *on Z'tro« k Heute* Stl.OTM 

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Außerordentlich haltbar. — Einige Schriftmuster obenstehend. 


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breitung in den Fach¬ 
kreisen finden sollen, 
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ARCHIV FÜR 
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Original frnrn 

PRINCETON UNiVERSITY 




































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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berei, pl)otomed]anifd)e 
Uerfatjren ufro.) erzeu« 
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gefd]el)en, Iljre Kataloge 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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©igenart unb bornebmem ©^araftcr 


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PRINCETON UNiVERSITY 
















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vMm auf einen Arbeitsgang beschneidend. 


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W*\ einerlei ob Längs- oder Querformat. • Wechselndes 
.|[m| |j \jl Format im Moment genau einstellbar durch zwei Kur- 

i f beln. • Unverrückbare Einpressung des Stoßes: Vor- 

pressung sofort nach Anlage, automatische Pressung 
- beim Schneiden. • Besondere Schutzvorrichtungen 

schließen jeden Unfall aus. 

Nachstehende Zeugnisse sprechen für sich selbst: 

Der Schnell-Dreischneider lieferte die Leistun- I Der Schnell-Dreischneider schneidet 8 Stöße I Die Leistungsfähigkeit dieser Mustermaschine 

gen von rund 6 gewöhnlichen Maschinen. pro Minute tadellos und exakt. ist eine in jeder Beziehung großartige. 


(gez.) August Freydrychowlcz, Berlin. 


pro Minute tadellos und exakt. 

(gez.) Ignaz Fuchs, Prag. 


(gez.) Gebr. Stiepel, Reichenberg. 


KARL KRAUSE ■ LEIPZIG. 


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PRINCETON UNIVERSUM 










= - ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 





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PRINCETON UNiVERSITY 





























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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PRINCETON UNIVERSITY 


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I #£<=?• ©«gründet i$$o. | 




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mit ^mfierten guc^Eusftaftung jj| 

bon^ücßern,&ataEogen,^cofpeften unb ![| 

alten anbecen £)cui£arbeiten cmpfießEf jj| 

3ußus&ftnEßarbf£eip3ig | 

©cßriffgießecei unb DUeffinglinienfabnE i|l 

2tntt)enbungspco6en fielen auf 28 unfdj 311 ©ienfteti 


0af$pro6e aus Utiger-^raffur 




















ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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Der beste Beweis für seine Beliebtheit ist, daß 28 Nachbestellungen 
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druckereien Europas, sowie in den meisten großem Druckereien Verwendung 
gefunden hat. Man verlange Prospekte und Preislisten von: 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein 
- Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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PRINCETON UNIVERSITV 


Nach diesem Modell allein wurden 
ca. 20000 Maschinen 

von uns verkauft und sind dieselben 
heute noch in Betrieb, trotzdem die 
ersten über 20 Jahre arbeiten. 

Nebenstehende Schutzmarke ist in die 


Körper unserer sämtlichen Maschinen 


eingegossen, was wir zu beachten bitten! 












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PRINCETON UNIVERS1TY 




Halbtonätzung der Kunstanstalt J.G.Scheiter & Giesecke in Leipzig 
nach Naturaufnahme von Hofphotograph Louis Held in Weimar 


läge zum Archiv für Buchgewerbe 


Matt-Kunstdruck-Papier von Franz Dahlinger, Leipzig 


DRUCK VON FR. RICHTER, G M. B. H. LEIPZIG 


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PRINCETON UNIVERS1TY 










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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Dekoration von 1903 veröffentlicht wurden, zeigen 
nicht die üblichen naturalistischen Blumenornamente 
und Liniengeschlinge, deren ganze Stilisierung in der 
symmetrischen Anordnung beruhte, sondern vor allem 
die Verwendung von Tieren zum Schmuck, in einer 
auf große Flächen vereinfachten plakatmäßigen Zeich¬ 
nung. Wie Kleukens damals seine humoristischen 
Kater- und Froschkarten in diesem Stile, so entwarf 
Belwe seine Osterkarten mit Hasen und Hühnern in 
Blau, Rot, Braun und Schwarz auf grauem Karton. 
Die Speisekarte mit den auf 
einem Küchenmesser sitzen¬ 
den Hühnern gehört ebenfalls 
hierher. Ganz wie ein Plakat 
wirkt der mit Gelb, Rot und 
Schwarz auf warmem Dun¬ 
kelgrau gedruckte krähende 
Hahn, das Umschlagbild des 
fünften Heftes der verdienst¬ 
vollen, leider nur kurzlebigen 
„Modernen Reklame“ (Archiv 
f. Buchgewerbe 1908, Heft 10), 
das seinerzeit wie der Aufsatz 
in der Deutschen Kunst und 
Dekoration von der Steglitzer 
Werkstatt selbst hergestellt 
wurde. Hier sind auch die 
beiden sinnvoll verzierten 
Parfümerie-Etiketten für die 
Firma Schwarzlose in Dresden 
reproduziert. Vorzüglich in 
der Einfachheit der Mittel ist 
die goldumränderte Speisen¬ 
folge, mit der in strenger Um¬ 
rißzeichnung gegebenen Ter¬ 
rine, aus der feuerrote Krebse 
schauen. Ein in Schriftanord¬ 
nung, Raumfüllung, Schmuck- und Farbenwahl gleich 
vorzügliches Beispiel ist die Geschäftskarte von 
Wilhelm Eckardt in Berlin mit einem Fabrikgebäude 
im Vordergrund, dessen das Bild teilender Schlot 
die im Hintergrund auftauchende Silhouette von 
Köln überschneidet. Silhouetten sind für die An¬ 
deutung lokaler Beziehungen ein beliebtes Motiv, 
da sie den dekorativen Charakter nicht stören und 
mit Ornamenten gut Zusammengehen; bei Exlibris 
und Signets finden wir sie häufig angewandt. Wir 
müssen uns beschränken, diese reizvollen kleinen 
Arbeiten, ebenso wie die zierlichen Vignetten und 
dergleichen, hier nur zu nennen. 

Es bleibt ein dauerndes Verdienst der Steglitzer 
Werkstatt, daß sie sich als eine der ersten neben 
den kleineren Privat- und Gelegenheitsdrucksachen 
auch der Reform der kaufmännischen Drucksachen 
zuwandte, sowohl nach der Seite der illustrativen 
wie der rein typographischen Aufgaben. Besonders 


hingewiesen sei hier auf die Tätigkeit für die 
Firma Ring & Co. in Berlin mit ihrer ausgedehnten 
Syndetikon-Reklame, an der auch Belwe beteiligt 
war. Die als Beilage beigefügte Preisliste der 
Firma Würz & Schlösser, bei der durch Verwen¬ 
dung von Blau der Bildschmuck bereichert und der 
Satz der Liste geklärt ist, entstammt der Sächsischen 
Werkstatt Großdeuben bei Leipzig, die Belwe mit 
Kleukens zur Zeit dessen Leipziger Lehrtätigkeit 
und mit Salzmann gegründet hatte. 

Der Buchumschlag des Kret- 
zerschen Romans „Meister 
Tilpe“ mit der auf blutrotem 
Grund stehenden schwarzen 
Fabriksilhouette,deren Schlo¬ 
ten roter, sich in Menschen¬ 
schädel zusammenballender 
Rauch entquillt, sucht in Zeich¬ 
nung und Farbe das Milieu 
und die ganze Stimmung des 
Inhalts gleichsam als den Ex¬ 
trakt des Buches festzuhalten. 
Es ist lehrreich, damit etwa 
den Umschlag für den Brief¬ 
wechsel zwischen Conrad Fer¬ 
dinand Meyer und Gottfried 
Keller (siehe Beilage) zu ver¬ 
gleichen, der durch die bei¬ 
den ineinandergeschlungenen 
Ringe mit der Feder vortreff¬ 
lich den Inhalt symbolisiert, 
bei ausgezeichneter Anord¬ 
nung der Schrift, oder den 
Umschlag für den Fabelband 
von Kristian (siehe Beilage), 
der in breiten ornamentalen 
Rahmen undFüllung aufgeteilt 
ist, mit strenger Zusammenschiebung der Schrift, die 
fast denEindruck vollständig durchgeführterFeldertei- 
lung macht. Durch den kräftigen Rahmen, den Wech¬ 
sel von Schwarz und Weiß in dem schachbrettartigen 
Mittelstück und durch die Verwendung von Rot ist 
ein Blatt von starkfarbiger Wirkungentstanden; neben¬ 
bei sei auf die feine Aufwägung der schwarzen Schrift 
unten durch das in den Rahmen eingestellte Anno 
1907 hingewiesen. Noch einen Schritt weiter als 
dieses Blatt gehen die Titel, bei denen ein geometri¬ 
sches Ornament die ganze Fläche überspannt, mit 
Ausnahme eines Schriftschildes in der Mitte oder 
eines schmalen Streifens oben und unten für den 
Namen des Verfassers und des Werkes. 

Diese Wandlungen in den Arbeiten Belwes nach 
der Seite des Ornamentalen hin sind nichts andres 
als Niederschläge der allgemeinen künstlerischen Ent¬ 
wicklung der Zeit, deren Bahn vom illustrativen Natu¬ 
ralismus weg sich mehr und mehr der ornamentalen 


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Gottfried Kellers 

frUftlpriU 

Sechzig faksimilierte öedidtjte 

eingelettct und herausgegeben 
von Adolf frep 


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Leipzig 190 $ » fe.hacsscl Dcrlag 




Abbildung 2. Georg Belwe, Buchtitel 
Verlag von H.Haessels Verlag in Leipzig 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



B 7C^^l mmer mcf>r findet der feit 
LvSä*' Jahren in die Tat umge- 
fetjte Oedanke des Ver- 
EögS faffers Finklang, daß für 
ER® die Mitglieder des Ver- 
Imjt/J bandesein von einem An- 
JKy gehörigen desfelbenher- 
ausgegebener und auch 
Ptaktifchen Anforderun- 

_genentfprechenderBuch- 

drucker-Kalender eine wünfebenswerte Er- 
fcheinung fei. Von Jahr zu Jahr hat ficb der 
Kreis von Kotlegen vergrößert, welcher gern 
ein jährliches Handbuch entgegennimmt, das 
für den täglichen Gebrauch geeignet ift und 
darüber hinaus in mancherlei Fragen unteres 
beruflichen, organifatorifchen und tariflichen 
Lebens zuRate gezogen werden kann.Femer 
wolle man dabei ins Fiuge faffen, daß man es 
bei demDeutfchen Buchdrucker-Kalender mit 
einer Erfcheinung zu tun hat, die als fort¬ 
laufendes Gefchichtswerk bleibenden Wert 
für jedes ftrebende Verbandsmitglied befibt. 
Inhalt fowie Ausftattung des vorliegenden 
Kalenders bieten wiederum den Beweis, daß 
billigen FInforderungen entfprochen ift, die 
Abnehmer diefes Kalenders zufriedenzu» 
ftellen.Möge er bei feinem befcheidenenPreife 
eine willige Aufnahme bei meinen Kollegen 
finden. LUDWIG REXHAUSER. 


GESCHÄFTS 


ANZEIGEN 


Abbildungen 3—6. Georg Belwe, Schmuckseiten aus dem Buchdruckerkalcnder 1910. Verlag von Günther , Hirstein & Wendler in Leipzig 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Stilisierung zuneigt, mit der das Architektonische eng 
verknüpft ist. Wir beobachten diese Erscheinung 
in gleicher Weise bei Ehmcke und Kleukens, ohne 
uns im einzelnen auf Prioritätsfragen einzulassen; 
wir wollen nur feststellen, daß die Tätigkeit der Steg¬ 
litzer Schule — wenn wir die drei Künstler unter 
diesemNamenzusammenfassen dürfen—nach dieser 
Richtung hin den größten Einfluß auf die gesamte 
buchgewerbliche Produktion unsrer Tage ausgeübt 
hat und durch den ständigen Unterricht neuer Kräfte 
dauernd weiter ausübt. 

Der gemeinsame Charakter der Arbeiten dieser 
Künstlergruppe, von dem wir oben schon einmal an¬ 
deutend sprachen, beruht einerseits auf der gedie¬ 
genen typographischen Durchbildung und technisch 
mustergültigen Ausführung — hierfür war die Steg¬ 
litzer Anfangszeit, als die jungen Künstler ganz wie 
die alten deutschen Meister die Herstellung der Druck¬ 
sachen von Anfang bis Ende in eigener Person be¬ 
sorgten, die beste Vorbereitung — anderseits in der 
besondern Art der künstlerischen Formengebung, die 
ihre ästhetischen Gesetze aus der genauen Kenntnis 
der Erfordernisse und Bedingungen des Materials und 
derTechnik herleitet. Es erklärt sich hieraus auch die 
Wahl immer wiederkehrender künstlerischer Motive, 
die Vorliebe für die große, oft ornamental verzierte 
Flächen bietende Tracht des Mittelalters und des 



16. und 17. Jahrhunderts, für die dekorativ so dank¬ 
baren heraldischen Löwen, Adler, Greife usw., die An¬ 
klänge an die kräftige Ornamentik der spätromani¬ 
schen Zeit in Spiralen und Blattranken, die oft von 
Vögeln belebt sind, endlich die beliebte symbolische 
Anwendung von Handwerkszeug sowie Geräten und 
Fabrikaten aller Art für kaufmännische Drucksachen 
— alles in der gleichen strengen stilistischen Be¬ 
handlung, dieeine möglichst einfache und klare,druck- 
mäßige Umsetzung der Wirklichkeit in Schwarzwei߬ 
zeichnung erstrebt oder in Farben, die sorgfältig 
abgestimmt in wenigen, kräftigen Tönen meist auf 
neutralem grauen oder dunklem Grunde stehen, 
manchmal durch Gold effektvoll gehoben. 

Nach diesen allgemeinen Ausführungen wollen wir 
nun eine Anzahl von Belwes Arbeiten noch etwas 
näher betrachten. Das in Gelbbraun und Schwarz auf 
weißem Grunde gedruckte wirkungsvolle Plakat für 
Amelangs Leihbibliothek (siehe Abbildung 14), dessen 
Schmuck durch eine einfache architektonische Um¬ 
rahmung gut zusammengehalten wird, zeigt im oberen 
Mittelstück den von Ehmcke her bekannten rauchenden 
Holländer, in einem Buche lesend. Eine ähnliche 
Halbfigur mit hohem Hut und großer Halskrause, nur 
in kleinerem, vignettenartigem Format ist auf dem 
Titel von Schierholz: Die Kunst im Buchgewerbe 
verwandt. Die ganze Figur eines Handwerkers im 



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Arbeitskittel, im Zuschnitt mehr oder weniger alter¬ 
tümlich, tritt öfter auf Buch- und Zeitschriftenum¬ 
schlägen auf; durch Veränderung der Beigaben läßt sie 
sich leicht dem jeweiligenZwecke anpassen. So finden 
wir sie beim Handlexikon für die Papierindustrie mit 
Buch und Papierbogen (Abbildung Archiv 1908 Heft5), 
mit einem großen Humpen und beschlagverziertem 
Bucheinband auf einem Umschlag der Deutschen 
Goldschmiedezeitung, in Halbfigur mit zwei Klischee- 
tafelnaufder Geschäftsempfehlungder Galvanoplasti¬ 
schen Anstalt von C. Schwarz (Abbildung Archiv für 
Buchgewerbe 1908Heftl 1 bis 12). DerLeipzigerVerlag 
der Deutschen GoldschmiedezeitunghatdasVerdienst, 
Belwe in richtigerWürdigung seiner Arbeiten mit dem 
Entwurf für eine Reihe von Umschlägen für Sonder¬ 
nummern beauftragt zu haben. Genannt seien die 
des Kieler Verbandstages (siehe Abbildung 8) mit dem 
lebhaft bunten Segelschiff auf grauem Grund, — mit 
seinenWimpeln und denWappen auf den Segeln eines 
der prächtigsten dekorativen Motive, der Steglitzer 
Schule und dieder Danziger Goldschmiedeinnung,ein 
imposantes Blatt, das, auf einem graubraunen Ton 
gedruckt, in seinem Mittelstück mit schwarzem Hinter¬ 


gründe das von Löwen gehaltene Wappenschild 
Danzigs: zwei weiße Kreuze auf rotem Fond zeigt, 
darüber eine gelbe Krone, umgeben von hängenden 
Girlanden. Die Farbstimmung ist sehr fein, das Rot 
kehrt an den Löwenzungen noch einmal wiederum in 
schwächerer Nuance, auf das Graubraun aufgedruckt, 
an den Girlanden auszuklingen. Der Schwarzwälder 
Uhrenhändler der Weihnachtsnummer der Leipziger 
Uhrmacherzeitung (siehe Abbildung 7) steht in feuer¬ 
rotem Rock auf schwarzem Grund; die Farben — 
für die Zifferblätter und die Schrift rechts und 
links von der Figur ist weiß gewählt — fallen hier 
durch ihre starke Gegensätzlichkeit allerdings etwas 
auseinander, trotz des breiten ornamentalen Rahmens. 
Das Firmensignet von Günther, Kirstein & Wendler, 
ein ganz heraldisch behandelter Drucker, die Farb- 
ballen in den ausgestreckten Händen, mit den 
goldenen Buchstaben GK undW geschickt in ein vier¬ 
eckiges Feld gestellt, gehört zweifellos zu den voll¬ 
endetsten Schöpfungen Belwes